Hochgebirgslandschaft bei Chayek / © Evgeni Zotov (CC BY-NC-ND 2.0)
Offizieller Name
Kirgisische Republik
Fläche
199.722 km²
Einwohner
5,664 Mio. (2015, geschätzt)
Bevölkerungswachstum
1,11% pro Jahr (2015, geschätzt)
Regierungssitz
Bischkek
Klima (für Hauptstadt)
trockenes Kontinentalklima

Überblick

Lage Kirgisistans auf der Weltkugel
Lage Kirgisistans / © TUBS (CC BY-SA 3.0)

Das Staatsgebiet des heutigen Kirgisistan wurde 1876 ins Russische Zarenreich inkorporiert und erlangte 1936 den Statuts einer Sowjetrepublik. Am 31. August 1991 wurde Kirgisistan ein unabhängiger Staat. Das Land war eines der Nachfolgestaaten der Sowjetunion, das mit am schnellsten marktwirtschaftliche Prinzipien einführte. Der Übergang von sozialistischer Planwirtschaft zu Marktwirtschaft bescherte dem Land allerdings einen dramatischen Einbruch seiner Wirtschaftsleistung. 1995, also vier Jahre nach der Unabhängigkeit, betrug das Bruttoinlandsprodukt Kirgisistans nur noch 25% dessen von 1990. Erst mit der Jahrtausendwende erholte sich das Land wirtschaftlich etwas, ist aber bis heute immer wieder auf die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft angewiesen.  

Einen ersten aktuellen Eindruck von Kirgisistan bietet das Blog der in Almaty lebenden Journalistin Edda Schlager. Mit lebendigen Zeitungs- und Hörfunkreportagen aus Kirgisistan und anderen zentralasiatischen Republiken bietet sie aktuelle Informationen aus den letzten zwei Jahren. 

Lage und Größe

Kirgisistan ist ein Binnenstaat in Zentralasien und ist 199.722 Quardratkilometer groß. Das Land liegt zwischen  39°00 und 43°00 nördlicher Breite. Es grenzt im Norden an Kasachstan, im Südosten an China, im Süden an Tadschikistan und im Westen an Usbekistan. Der Grenzverlauf zu Tadschikistan und Usbekistan ist verschlungen. Im Süden des Landes gibt es etliche usbekische und tadschikische Enklaven, die von kirgisischem Staatsterritorium umgeben sind. Nach der Unabhängigkeit im Jahr 1991 wurde der Grenzübertritt nach Tadschikistan und ganz besonders nach Usbekistan von Jahr zu Jahr schwieriger – (je nach politischer Lage sind die Grenzen komplett geschlossen). Das hat dazu geführt, dass heute in manchen Regionen Südkirgisistans lange Umwege entlang der Grenzen gemacht werden müssen, um von einem Ort in den nächsten zu kommen.

Grunddaten

Name 

Kirgisistan – Kirgisisch: Kyrgysstan. Amtlich: Kyrgys Respublikasi (dt. Kirgisische Republik)

Die CIA, Library of Congress, UNdata und das Auswärtige Amt bieten die Grundinformationen über Kirgisistan.

Sozialraum

Blick auf Bischkek vom Stadtteil Uchkun aus. 2010. Copyright Mirjam Leuze
Blick auf Osch vom heiligen Berg `Suleyman Too`aus. Aufgenommen im Jahr 2005 vor der Zerstörung vieler Stadtteile während der Konflikte im Juni 2010. Copyright Mirjam Leuze

Kirgisistan untergliedert sich in sieben Verwaltungseinheiten (Oblast). Im Süden des Landes liegen die Regionen Batken, Osch und Dschalalabat und im Norden und Westen Naryn, Tschüi, Yssykköl und Talas. Die Oblaste untergliedern sich in 40 Landkreise ( rayon), mit 473 Lokalverwaltungen ( ajyl ökümöt - Dorfverwaltung) und 22 Städten.

Die zwei wichtigsten Städte des Landes sind die Hauptstadt Bischkek und Osch. Bischkek, ehemals Frunse, liegt im fruchtbaren Chui-Tal, im Norden des Landes und hat circa 900.000 Einwohner.  Die zweitgrößte Stadt Kirgisistans ist die im Süden des Landes gelegene Stadt Osch mit knapp 331.000 Einwohnern (Stand 1.Januar 2011). Sie liegt im Ferghanatal unweit der usbekischen Grenze. Die Stadt Osch wurde im Juni 2010 während schweren Auseinandersetzungen zwischen ethnischen Kirgisen und Usbeken zu einem großen Teil zerstört. Dadurch hat sich das Straßenbild der Stadt Osch radikal gewandelt. Früher prägte die usbekische Bevölkerung das Stadtbild von Osch. Heute hat sich die usbekische Bevölkerung aus Angst vor Übergriffen und willkürlichen Verhaftungen aus dem öffentlichen Raum der Stadt stark zurück gezogen. 

Die beiden Städte Bischkek und Osch sind durch das Bergmassiv des Tienshan durch über 3000 Meter hohe Pässe voneinander getrennt, was die Verbindung zwischen den beiden wichtigsten städtischen Zentren erschwert. Weitere wichtige Städte sind die Zentren der Oblaste: Karakol, Talas, Naryn, Dshalalabad und Batken.

Luftverkehr

Es gibt drei Passagierflughäfen in Kirgisistan. Der größte befindet sich etwa 30 km nordwestlich von der Hauptstadt Bischkek. Dieser Flughafen trägt den Namen des Helden Manas aus dem gleichnamigen kirgisischen Heldenepos. Die erste Maschine vom Flughafen Manas Richtung Moskau hob am 4. Mai 1975 ab. Seit 1993 ist Kirgisistan ordentliches Mitglied der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (International Civil Aviation Organization). Heute wird der Flughafen Manas von achtzehn verschiedenen Fluggesellschaften angeflogen. Es stehen etwa 500 kostenpflichtige Parkplätze zur Verfügung und der Flughafen ist leicht in ca. 25 Minuten mit dem Taxi erreichbar. Wer nicht mit dem Taxi anreisen möchte, kann mit der Marschrutka, also dem Kleinbus, zum Flughafen fahren.

Der zweitgrößte Flughafen Kirgisistans ist der Flughafen von Osch und liegt 9 km nördlich der Stadt. Von 1974 bis 1992 bediente der Flughafen Osch nur Inlandsstrecken, aber seit 1992 werden auch internationale Ziele angeflogen.

Der dritte Flughafen ist offiziell als Aerodrom „Issyk-Kul“ bekannt und liegt 35 km westlich von der Stadt Tscholpon-Ata am See Issyk-Kul. Da das Aerodrom Issyk-Kul über kein Beleuchtungssystem verfügt, ist es nur für den Betrieb bei Tage zugelassen.

Neben den drei Passagierflughäfen gibt es in Kirgisistan sieben weitere Flugplätze für kleinere Flugzeuge und Hubschrauber. 

Schienenverkehr

Der Aufbau des Eisenbahnnetzes in Kirgisistan erfolgte in mehreren Etappen. Als erstes wurde 1924 die Strecke „Lugowaja – Pischpek“ in Betrieb genommen. In den Vorkriegsjahren von 1929 bis 1942 wurden weitere Strecken im Süden und Norden des Landes gebaut. Mit der Eröffnung der „Bystrowka – Rybatsche“ Strecke 1950 war der Ausbau des Eisenbahnnetzes beendet.

Aufgrund der schwachen Wirtschaftslage im Lande und geringen Investitionen hat die Eisenbahn in Kirgisistan einen schweren Stand. Viele Strecken sind außer Betrieb und somit besteht die minimale Nutzung des Schienennetzes. Lediglich zwei Strecken werden am meisten befahren. Der Bahnhof Bischkek verbindet Kirgisistan mit den nördlichen Nachbarländern Kasachstan und Russland. Für Reisen innerhalb des Landes ist die Strecke Bischkek – Balyktschy (vormals Rybatsche) nur zu Sommerzeiten in Betrieb. Die Strecke ist nicht elektrifiziet und daher dauert die Fahrt länger als mit dem PKW. 

Straßenverkehr

Die Gesamtlänge der Straßennetzes in Kirgisistan beträgt 34.000 km. Davon sind 18.810km Autobahnen in allgemeiner Nutzung und 15.190 km sind Straßenin Städten und Dörfern. Erstere sind größtenteils asphaltierte Straßen, mit Ausnahme der meisten Gebirgspässe, die zum Teil über 3000 m. ü. d. M. liegen. Der Zustand der letzteren lässt zu wünschen übrig. Man hört oft wie sich die Bewohner der Groß- und Kleinstädte über den schlechten Zustand der Straßen in ihren jeweiligen Wohnorten beklagen.

In Kirgisistan gilt Rechtsverkehr. Das generelle Tempolimit in den bewohnten Ortschaften liegt bei 60 km/h. Auf Autobahnen darf man mit einer Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h fahren.

Nationale Symbole

Staatsflagge handgemalt. (c) Regine Reim
Staatsflagge handgemalt. (c) Regine Reim

Staatsflagge

Die Staatsflagge zeigt ein stilisiertes Jurtendach auf einer goldenen Sonne mit 40 Strahlen, die die Stämme Kirgisistans repräsentieren sollen. 

Staatswappen

Staatswappen im Parlament der kirgisischen Republik. Copyright Mirjam Leuze
Staatswappen im Parlament der kirgisischen Republik. Copyright Mirjam Leuze

Das Staatswappen zeigt im Vordergrund einen weißen Bergadler, im Hintergrund einen See (Ysyk Köl) und die Berge des Ala Too.

Die staatliche Symbolik ist im Gesetz über die Staatssymbole von 1992 (zuletzt geändert 2004 und 2012) geregelt, das detailliert die Verwendung beschreibt.

Nationalhymne

Am 3. März 1992, kurz nach der Unabhängigkeit, wurde eine neue Nationalhymne eingeführt. Die Hymne mit dem Titel „Ak möngülüü aska“ wurde von Nasyr Davlesov und Kalji Moldobasanov komponiert. Der Text stammt von Djamil Sadykov und Eshmambet Kuluev.

Deutsche Übersetzung 

Weiße Gletscher, Felsen, Berge und Felder

sind des Volkes Heiligtum.

Unsere Väter lebten im Ala Too,

schützten stets ihr Vaterland.

Gehe voran kirgisisches Volk

auf dem Weg der Freiheit!

Steh auf und blühe!

Nimm dein Glück in die Hand!

Wir sind für die Ewigkeit der Freiheit geöffnet,

Freundschaft und Einigkeit sind in unseren Herzen.

Das Land der Kirgisen, unser Heimatland,

leuchtet in den Strahlen des Einverständnisses.

Die Träume der Menschen wurden wahr,

und die Fahne der Freiheit weht über uns.

Wir werden das Erbe unserer Männer

unseren Söhnen zum Nutzen der Menschen weitergeben.

Quelle: Wikipedia

Naturraum

Größe und Topographie

Kirgisistan ist mit 199.722 km2 etwa zweieinmal so groß wie die Schweiz und liegt im östlichen Teil Zentralasiens. Das Land ist geprägt von den majestätischen Gebirgsketten des Tienshan und des Pamir mit dem 7439 Meter hohen Dschengisch Tschokusu ( früher „Pik Pobedy“) an der kirgisisch-chinesischen Grenze als höchster Erhebung. Das Land beherbergt mit über 8000 Gletschern eine der größten Gletscherzonen der Welt. Die hochalpine Landschaft hat Kirgisistan den Namen „Schweiz Zentralasiens“ eingebracht. 40% des Landes liegt höher als 3000 Meter.

Der zweitgrößte Gebirgssee der Welt, der Issyk Köl , (übersetzt „heißer See“ heißt) liegt im Nordosten des Landes mit einer Ausdehnung von 6.200 km2 und annähernd 700 Metern Tiefe. Der See war bereits zu Zeiten der Sowjetunion ein Touristenmagnet. Besonders die Nordseite mit der Stadt Cholpon Ata als Zentrum zieht auch heute jedes Jahr Tausende von Touristen an. Zu Zeiten der Sowjetunion war der Issyk Köl nicht nur eine wichtige Urlaubsdestination für den innersowjetischen Tourismus, sondern auch geheimes Testgelände für U-Boote der sowjetischen Armee.

Klima

Das Klima ist (extrem) kontinental mit warmen bis sehr heißen Sommern und strengen Wintern und relativ abrupten Jahreszeitenwechseln. Die Durchschnittstemperaturen im Januar liegen zwischen - 4 und - 9 Celsius und im Sommer zwischen + 20 und + 27 Celsius. In der Region Ak-Sai können die Temperaturen im Winter bis - 50 Celsius fallen, im Chui-Tal im Norden des Landes und in Südkirgisistan steigen die Temperaturen im Sommer bis zu + 43 und + 44 Celsius. Wer mit eigenen Augen sehen will, wie das Wetter ist, der kann das zum Beispiel über verschiedene Webcams in Bischkek tun oder aber sich auf die Wettervorhersagen im Netz verlassen.

Bodenschätze

Der Erdboden Kirgisistans enthält viele mineralische Rohstoffe. Gemäß der Angaben des Geoportals sind die folgenden Bodenschätze in Kirgisistan zu finden: Gold, Kupfer, Wolfram, Antimon, Quecksilber, Beryllium, Kohle, Granit, Lehm, Kalkstein, Uran. Im Süden des Landes, im Ferghana-Tal, werden Erdöl und Erdgas gefördert, wobei das Vorkommen aber nicht so bedeutend ist wie in den Nachbarländern Kasachstan oder Usbekistan. 

Flora und Fauna

Die Pflanzen- und Tierwelt in Kirgisistan ist vielfältig. Man findet rund 600 verschiedene Arten von Wildpflanzen, davon sind etwa 200 Heilpflanzen wie Johanniskraut, Sanddorn, Majoran, Rauten, etc. Zudem sind in den kirgisischen Alpen eine Vielzahl von Blütenpflanzen zu finden. Im Süden des Landes wachsen Nusswälder. Mit 608.000 Hektaren ist der Arslanbob in der Provinz Jalalabad sogar der größte Nusswald der Welt. Die Nussbäume, die ein Alter von mehreren Hundert Jahren erreichen, produzieren jährlich bis zu einer halben Tonne Nüsse. Während man in den höheren Lagen hauptsächlich Nadelhölzer findet, wachsen in den tieferen Lagen Laubbäume wie Buchen, Eichen und Pappeln.

So vielfältig die Vegetation ist, so mannigfaltig ist auch die Tierwelt in Kirgisistan. In höheren Regionen über 3000 m. ü. d. M. sind Schneeleoparden, Bären, Wölfe, Luchse, Gämse, Steinböcke und Hasen zu Hause. Wer gute Augen und Ohren hat, kann auch Murmeltiere hin und her laufen sehen oder pfeifen hören.  Im Gebirge nisten unter anderem Bergfinken, Rotschwänze, Rebhühner, Gimpel. Größeren Vögel wie Bergadler, Eulen und Falken begegnet man in Kirgisistan auch mit Sicherheit.

Vom Aussterben bedrohte Tierarten wie Schneeleoparden, Luchse, Bären, Wölfe, Wildschafe, Rehe oder Hirsche sind per Gesetz geschützt und im so genannten roten Buch (Russ. krasnaja kniga / Kirg. kysyl kitep) der geschützten Tierarten eingetragen.

Ökologische Probleme

Passstraße auf dem Weg zur Kumtor-Goldmine. Copyright Mirjam Leuze 2011

Kirgisistan ist wie seine Nachbarländer aus der Zeit der Sowjetunion von radioaktiven, chemischen und biologischen Altlasten betroffen. Auf dem Gebiet Kirgisistans finden sich nach Angaben von Experten 30 Abraumhalden mit radioaktivem Müll aus stillgelegten Uranminen. Die Gesamtfläche dieser radioaktiven Abraumhalden macht 6,500,500 Quadratmeter aus und enthält 50,000,000 Kubikmeter Abraum in verschiedenen Regionen Kirgisistans. Für die ansässige Bevölkerung stellt dies eine ernste Gefahr dar. Daneben gibt es Lagerstätten mit nicht radioaktivem Müll, in denen Quecksilber, Antimon, Gold und Silber gefördert wurde und zum Teil immer noch wird. 

In Kara-Balta zum Beispiel, nordöstlich der Hauptstadt Bischkek, in Kadhzi-Say an der Südseite des Bergsees Issyk Köl oder in Mailuu-Suu im Süden des Landes befinden sich ungesicherte radioaktive Müllhalden aus stillgelegten Uranminen. Besonders in Mailuu-Suu ist die Situation bedrohlich. In der kleinen Industriestadt wurde von 1946 bis 1968 Uran abgebaut und weiterverarbeitet. Seitdem lagern an den steilen und tektonisch instabilen Berghängen oberhalb der Stadt unzählige nicht gesicherte Abraumhalden mit Uranabfällen. Nach einer im Oktober 2006 veröffentlichten Studie des Blacksmith Instituts aus New York ist Mailuu-Suu damit eine der zehn am schlimmsten verseuchten Gegenden der Welt. Ein besonderes Risiko stellt in Mailuu-Suu die Erdrutschgefahr im Frühjahr nach der Schneeschmelze dar. Ein Erdrutsch könnte das enge Tal versperren, einen Damm bilden und den Gebirgsfluss aufstauen. Die Abfalldepots der Abraumhalden, die sich wegen der steilen Hänge alle direkt am Fluss befinden, könnten geflutet werden und der radioaktive Müll würde in den Fluss Syrdarja fließen. Damit wäre die Trinkwasserversorgungvon Millionen Menschen im dicht besiedelten usbekischen Teil des Ferghana-Tals in Gefahr. Erhebliche Investitionen sind notwendig, um diese Abraum- und Beiprodukt-Lager zu sichern. Um die unmittelbare Gefahr einer Umweltkatastrophe in Maili-Suu abwenden zu können, müssten laut kirgisischem Umweltministerium zwanzig Millionen US-Dollar investiert werden. Für die Sicherung sämtlicher Anlagen mit radioaktivem Müll in Kirgisistan wären 200 Millionen US-Dollar notwendig. Die Weltbank finanziert seit 2003 die erste Phase eines solchen Programms. 

Klimawandel in Kirgisistan

Laut Untersuchungen von Vladimir Vladimirovitsch Romanovsky, Leiter des Labors des "Instituts für Wasserprobleme und Hydroelektroenergie" an der Kirgisischen Akademie der Wissenschaften, ist die Durchschnittstemeratur rund um den Bergsee Issyk Köl innerhalb von 40 Jahren um 2 Grad gestiegen. Zum Vergleich: laut dem IPCC (Intergovernmental Panel of Climate Change) stieg die Temperatur im globalen Durchschnitt zwischen 1950 und 2000 um ein halbes Grad.

Der Temperaturanstieg hat dramatische Folgen für die Bauern: Es regnet viel zu selten. Dadurch ist der Wasserspiegel des Issyk Köl in den letzten 10 Jahren um 90 Zentimeter gesunken, obwohl die Gletscher bedingt durch den Klimawandel dramatisch schnell abschmelzen und obwohl der Issyk Köl circa 80 Zuflüsse hat, aber keinen Abfluß. 

Der Klimawandel wirkt sich auf die Wasservorkommen in Kirgisistan und Zentralasien negativ aus. Die höheren Temperaturen führen zu einer schnelleren Verdunstung der Oberflächengewässer. Das rasante Abschmelzen der rund 8000 Gletscher in Kirgisistan bedroht außerdem die langfristige Wasserversorgung der Region. Laut Studien sind die Gletscher Kirgisistan, die 4,2 % der  Landesfläche bedecken, seit den 70er Jahren um 35-40% abgeschmolzen. Dies führt in den Frühjahrs- und Sommermonaten zu hohen Wasserpegeln, könnte jedoch auf lange Sicht zu einem Wassermangel in Kirgisistan führen und damit zu Wasserkonflikten in der Region. Denn die Nachbarländer Kasachstan und Usbekistan sind dringend auf den Wasserreichtum Kirgisistans angewiesen. Das Auswärtige Amt versucht mit seiner "Wasserinitiative Zentralasien" dafür Lösungen zu finden und grenzüberschreitende Kooperationen anzustoßen.

Das schnelle Abschmelzen der Gletscher führt ausserdem zu einer Zunahme des Wasservolumens vieler Gletscherseen. Die Gefahr von Überschwemmungen durch Gletschersee-Ausbrüche ist beträchtlich. Eine besonders bedrohliches Szenario tut sich in der auf 4000 Meter hoch gelegenen Kumtor-Goldmine auf. Die Mine liegt unterhalb des Petrov-Gletschersees. Das Wasservolumen des Sees hat sich laut Untersuchungen tschechischer Wissenschaftler zwischen 1995 und 2006 fast verdoppelt. Wie lange der natürliche Damm des Sees halten wird ist fraglich. Bei einem Ausbruch des Petrov-Sees würde sich das Wasser in das Abwasserbecken der Goldmine ergießen und giftiges Zyanid und Schwermetalle in den Oberlauf des Naryn-Flusses schwemmen, einem Zufluß des Syrdarya. Ein Giftunfall mit weit aus größeren Ausmaßen als der Dammbruch in einer Golderzaufbereitungsanlage im rumänischen Baia Mare könnte die Folge sein. 

Luftverschmutzung

Es gibt verschiedene Ursachen für Luftverschmutzung in Kirgisistan. Zum einen sind es die Industrie und die Landwirtschaft, zum anderen sind es Verkehr und Abfallverbrennung. Obwohl Kirgisistan kein Industriestaat ist, produzieren Industriezweige wie die Energiewirtschaft und der Bergbau zahlreich Schadstoffe. Der größte Teil dieser Industrien, wie insbesondere auch die Wärmekraftwerke, stammt noch aus der Zeit der Sowjetunion und benötigt viel Kohle. Die veraltete Technik in diesen Industrien ist modernisierungsbedürftig, um die Emissionen einzudämmen.

Eine erhebliche Umweltverschmutzung wurde durch einen Unfall in der größten und wichtigsten Goldmine des Landes in der Provinz Isyk Köl verursacht. 1998 stürzte ein Lastwagen, der 1.762 Kilo Natriumcyanid zur Goldmine transportierte, in den Fluss Barskon, wodurch das Wasser im Fluss vergiftet wurde. Die Bewohner des Dorfes Barskon nutzten das Flusswasser als Trinkwasser und für die Bewässerung ihrer Felder. Das Management des Unternehmens hat die Vergiftung des Wassers erst mehrere Stunden nach dem Ereignis bekanntgemacht. Nach der Untersuchung des Unfalls kam eine internationale Expertengruppe zu dem Fazit, dass kein Mensch vergiftet worden sei. Nach langen Rechtsstreitigkeiten und Protestens seitens UmweltaktivistInnen zahlte das Unternehmen umgerechnet 3,7 Mio. USD als Kompensation. Bis heute aber bleiben die Verantwortung des Unternehmens und der Betrieb der Goldmine strittig.

Zu den weiteren ökologischen Problemen in Kirgisistan zählt das Problem der Entwaldung. Wälder machen 4,3% des kirgischen Territoriums. Aufgrund der langen und kalten Winter werden die Wälder abgeholzt und als Heizmittel verwendet. Die Abholzung führt zu dem Problem der Erosion und der daraus häufig resultierenden Erdrutsche.

Linktipps

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Blogs aus und über Kirgisistan

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  • Bildstrecke des französischen Fotografen William Daniels mit seiner preisgekrönten Bildstrecke "FADED TULIPS"
  • Fotoblog mit Impressionen aus Kirgisistans.

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Juli 2016 aktualisiert.

Die Autorinnen

Mirjam Leuze M.A., geb. 1964 studierte in Köln und Bischkek Ethnologie & Theater-Film und Fernsehwissenschaften. Sie forschte in Kirgisistan zum Thema Wandel in den verschiedenen medizinischen Systemen nach dem Ende der Sowjetunion. Seit Mitte der 1990er Jahre ist sie regelmäßig in Kirgisistan unterwegs und verfolgt die Entwicklungen dort. Mirjam Leuze arbeitet als freie Journalistin, Kamerafrau und Filmemacherin. Parallel dazu gibt sie Trainings und Workshops in Participatory Video.

Eliza Isabaeva, M.A., geb. 1983 in Kirgistan, promoviert im Fach Ethnologie an der Universität Zürich. Sie forscht zu den Themen Binnenmigration, urbaner Wandel und Anthropologie des Staates in Kirgistan und hat dazu umfassende  Feldforschungen in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek durchgeführt.

 

 

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