Foto: Christophe EYQUEM, CC-Lizenz BY-NC 3.0
Offizieller Name
Arabische Republik Ägypten
Fläche
1.001.449 km²
Einwohner
über 88 Millionen (2014)
Bevölkerungswachstum
2,2% (2014)
Regierungssitz
Kairo
Amtssprache
Arabisch

Übersichtskarte

EGYPT relief location map
Source: Topographic background map: Own work Source of data: SRTM30 Plus All other data taken from File:Egypt_location_map.svg created by NordNordWest under GFDL/CC-BY-SA 3.0 Author Eric Gaba (Sting - fr:Sting) and NordNordWest
Politische Karte Ägyptens
Quelle: Auswärtiges Amt, CIA World Factbook, www.travelshop.de, www.oanda.com

Lage und Größe des Landes

Ägypten grenzt im Westen an Libyen (1115 km), im Süden an den Sudan (1273 km) und im Osten der Sinaihalbinsel an Israel (266 km) sowie an den israelisch besetzten Gazastreifen (11 km). Der Golf von Aqaba trennt Ägypten von Jordanien und das Rote Meer trennt Ägypten von Saudi Arabien. Der gesamte Norden Ägyptens grenzt ans Mittelmeer, der Golf von Suez und der Golf von Aqaba umlaufen den Süden der Sinaihalbinsel und der gesamte Osten Ägyptens südlich des Sinai verläuft an der Küste des Roten Meeres. Insgesamt hat Ägypten 2450 km Küste. Der größte Teil Ägyptens liegt in Afrika, aber die ca. 61 000 km² große Sinaihalbinsel gehört zu Asien.

Landesimpressionen

Menschen in Kairo
Das Interessanteste an Ägypten sind die Menschen, ob in der Stadt... - © MA
Menschen in einem Dorf in Oberägypten
...oder auf dem Land wie hier in einem ägyptischen Dorf - © MA
Nubisches Haus in einem Dorf südlich von Aswan
Man kann viele afrikanische Einflüsse in Ägypten erkennen, wie z.B. an diesem nubischen Haus in einem Dorf südlich von Aswan... - © MA
Gräber aus der frühislamischen Zeit in der Oase Dakhla
...oder auch an der Form dieser Gräber aus der frühislamischen Zeit in der Oase Dakhla in der westlichen Wüste - © MA

Grunddaten

Aktuelle Grunddaten für Ägypten kann man auf verschiedenen Webseiten deutscher, ägyptischer und internationaler Organisationen nachlesen. Die Angaben auf den Webseiten der untenstehenden Organisationen werden regelmäßig aktualisiert:

 

Obwohl statistische Datenerhebung und Auswertung in Ägypten generell gut entwickelt sind, weichen die Statistiken v.a. der wirtschaftlichen und sozialen Grunddaten verschiedener Organisationen z.T. erheblich voneinander ab. Dies hat mit verschiedenen Methoden der Datenerhebung und Auswertung und teilweise auch mit Problemen der Exaktheit und Verfügbarkeit von Rohdaten zu tun. v.a. bei statistischen Entwicklungsdaten sollte man generell im Auge behalten, dass sie trotz oder vielleicht sogar wegen ihrer augenscheinlichen Exaktheit wichtige Gegebenheiten verschleiern können. Aggregierte wirtschaftliche oder soziale Daten sagen z.B. nichts über strukturelle Ungleichheiten in der Verteilung aus, wodurch u.a. die Situation in den großen Städten mit ihrer hochgradig heterogenen Sozialstruktur und ihren vielen informellen Gebieten nur unzulänglich dargestellt wird.

Sozialraum und Infrastruktur

Struktur und Bevölkerungsverteilung

Karte mit den Provinzen Ägyptens
Die Provinzen Ägyptens (Quelle: Golbez, Wikimedia Commons, CC Lizenz)

Administrativ ist Ägypten unterteilt in 27 Gouvernorate (muhaafazat), 217 Städte (madina) und 4617 unabhängige Dörfer (merkaz) unterteilt. Die den Gouvernoraten vorstehenden Gouverneure werden vom Präsidenten ernannt. Eine der Forderungen der Revolution von 2011 (siehe Kapitel „Staat und Gesellschaft“) ist, die Gouverneure zukünftig durch Wahl zu bestimmen.

Das Niltal und -delta hat eine Fläche von ca. 24.000 km² und liegt in Unterägypten, nördlich von Kairo an der Küste des Mittelmeeres. Die Region rund um das Nildelta zählt zu den fruchtbarsten Gegenden in Nordafrikas und ist mit 1120 Einwohnern/km² ein mit dem Ruhrgebiet vergleichbarer Ballungsraum. Zu den wichtigsten Städten rund um das Nildelta zählen die Hauptstadt Kairo und Alexandria. In Kairo leben etwa 20% aller Ägypter und 43% der Stadtbevölkerung. Der Großraum Kairo ist in drei Gouvernorate aufgeteilt, von denen zwei (Giza und Qaliubiya) weit über die Stadtgrenze hinausgehen. Kairo heißt auf arabisch Al Qahira (die Siegreiche) und gilt mit etwa 18 Mio Einwohnern (inklusive Stadtteilen in Giza und Qaliubiya) als eines der dichtest besiedelten Stadtgebiete der Welt. Schätzungen zufolge (in Ägypten gibt es keine Meldepflicht) leben in manchen Bezirken über 100.000 Menschen auf einem Quadratkilometer. Die großen Durchgangsstraßen sind praktisch zu jedem Zeitpunkt verstopft.

Wichtige Städte

Blick auf Kairo und den Nil
Kairo ist mit ca. 18 Millionen Einwohnern eine der größten Städte der Welt - © MA
Blick auf Alexandria und das Mittelmeer
Alexandria erstreckt sich mehr als 30 km lang an der Küste des Mittelmeeres - © MA
Blick auf den Nil in Assuan
Aswan ist die südlichste ägyptische Stadt am Nil - © MA

Die Hauptstadt Kairo liegt am Anfang des Nildeltas und trennt den Norden (Unterägypten) vom Süden (Oberägypten).

Die wichtigsten Städte in Unterägypten sind Alexandria (4.6 Mio.) und Marsa Matruh (125 Tsd.) am Mittelmeer, Port Said (620 Tsd.) an der Suezkanalmündung, Mansoura (485 Tsd.), Tanta (465 Tsd.) und die Textilindustriestädte Mahalla El Kubra (485 Tsd.) und Kafr El Dawar (125 Tsd.) im Nildelta, Suez (550 Tsd.) und Ismailiya (325 Tsd.) am Suez-Kanal.

Fayoum ist die Provinzhauptstadt der Halboase Fayoum (350 Tsd.) westlich von Kairo.

El Minia (260 Tsd.), Assiut (430 Tsd.), Luxor (225 Tsd.) und Assuan (295 Tsd.) liegen in Oberägypten.

El Arish (150 Tsd.) ist eine Stadt im Nordsinai am Mittelmeer, Sharm El Sheikh (40 Tsd.), Dahab (15 Tsd.) und Nuweiba (3 Tsd.) liegen auf der Ostseite des Südsinai.

Hurghada (175 Tsd), Safaga (35 Tsd.), Quseir (38 Tsd.) und Marsa Allam (6 Tsd.) sind Küstenstädte am Roten Meer.

Siwa (18 Tsd.), El Kharga (Kharga Oase, 60 Tsd.) und Mut (Dakhla Oase, 22 Tsd.) befinden sich in den Oasen in der westlichen Wüste.

Aktuelle und Hintergrundinformationen zu ägyptischen Provinzen und Städten kann man auf folgenden Webseiten finden:

Straße in Manshiet Nasser
Straße in Manshiet Nasser, ein informelles Viertel in Kairo mit etwa 500.000 Einwohnern - © MA

Informelle Siedlungen

Die Wohnungsknappheit ist nicht nur eines der Haupthindernisse für Heirat und Familiengründung. Fehlender Wohnraum führt auch zu informeller Besiedlung. Die Grundstücke sind in der Regel staatliches Wüstenland, das einfach besetzt und illegal bebaut wird oder Agrarland, welches informell in Bauplätze aufgeteilt, verkauft und besiedelt wird. Mehr als 60% der Bewohner Kairos leben in solchen informellen Vierteln, die mehr als die Hälfte der Fläche der Stadt bedecken. Mangelhafte Infrastruktur und fehlende Dienstleistungen prägen den Alltag in den informellen Siedlungen. Dennoch leben nicht nur arme Kairener dort.

Die größten informellen Siedlungen befinden sich aktuell in Kairo und Alexandria, aber auch in anderen ägyptischen Städten wird informell gebaut. 2006 lebten schätzungsweise 18-20 Millionen Ägypter in informellen oder sogenannten "squatter" -Siedlungen. Der informelle Bausektor ist gut organisiert und besteht aus einem Netzwerk von Landvermessern, Maklern, Anwälten und Bauunternehmern, die auf die Herausforderungen illegaler Besiedlung und die Bedürfnisse ihrer Klienten spezialisiert sind. Sie haben oft Kontakte in die öffentliche Verwaltung, die gegen entsprechende extra-legale Entlohnung den Anschluss an die öffentliche Infrastruktur erleichtert und im entscheidenden Moment auch einfach die Augen zumacht. Es gibt mehrstöckige Häuser, die während mehrtägiger Feiertage im Eiltempo hochgezogen wurden. Man kann beobachten, wie bei einem solchen Unternehmen eine Kolonne von Lastfahrzeugen mit Baumaterialien vorfährt und eine Armee von Arbeitern nachts im Licht von Hochleistungsscheinwerfern parallel die verschiedensten Bauarbeiten ausführt. Alle Arbeitsschritte sind genau geplant. 1996 verabschiedete die Regierung zwei Gesetze, die illegales Bauen kriminalisierten und mit empfindlichen Geld- und Gefängnisstrafen belegten. Das Gesetz hatte allerdings nur kurzfristige Wirkung. Auch die Revolution wurde von vielen zum illegalen Hausbau genutzt.

Obwohl es immer wieder zu Räumungen in Slumsiedlungen kommt, sind in den letzten Jahren auch viele Ansätze entwickelt worden kreativ und gemeinsam mit der Bevölkerung an Lösungen der Probleme in diesen Siedlungen zu arbeiten. Neben Projekten mit Unterstützung internationaler Geber sind auch einige lokale Organisationen in diesem Bereich aktiv. Eine der kreativsten auf diesem Gebiet ist ADAPT, ein Zusammenschluss sozial orientierter Architekten, die seit Jahren zusammen mit lokalen NGOs und anderen Akteuren an der Sanierung informeller Siedlungen arbeiten. Sie entwickeln preisgünstige und zugleich umweltverträgliche Baumaterialien und Bauweisen, bilden lokale Bewohner in Bau- und Managementtätigkeiten aus und stellen soziale, ökonomische und kulturelle Projekte auf die Beine.

Villen in einer "gated community"
Villen in einer der gated communities am Rand von Kairo - © MA

Satellitenstädte und "gated communities"

Die Mega-Metropole Kairo wird ihre wirtschaftliche, politische und kulturelle Bedeutung auf absehbare Zeit behalten. Der Bevölkerungsdruck auf die Stadt wird daher auf absehbare Zeit anhalten. 45% aller Arbeitsplätze im öffentlichen und 40% aller Arbeitsplätze im Privatsektor Ägyptens befinden sich in Kairo. Rund die Hälfte des Bruttosozialprodukts und 40% aller Industrieprodukte werden hier erzeugt. Seit Ende der 70er Jahre gibt es daher Anstrengungen, Kairo und andere große urbane Ballungszentren durch den Bau von neuen urbanen Zentren und Satellitenstädte zu entlasten. Allein um Kairo herum sind acht neue Städte und mehrere Satellitensiedlungen entstanden. Die Verwaltung der neuen Städte liegt in der Hand der  New Urban Communities Authority. Die neuen Städte sollten eigentlich Millionen Menschen anziehen, doch bislang war die Nachfrage zögerlich. Erst in den letzten Jahren sind einige neue Siedlungen, vor allem 6th of October City, attraktiver geworden und verzeichnen signifikante Zuzugsraten. Viele ärmere Ägypter vermissen in den neuen Städten eine gewachsene Sozialstruktur, die soziale Unterstützung in Alltags- und Krisensituationen garantiert. Auch Arbeitsmöglichkeiten im informellen Sektor und billige öffentliche Verkehrsmittel sind Mangelware. 

Für viele wohlhabende und auch reiche Ägypter ist es Mode geworden, in einer Villa in einer der sogenannten „gated communities“ mit Zugangskontrolle, Gärten und Sportmöglichkeiten sowie privilegierten internen Infrastruktur- und Dienstleistungen zu leben. In großen Anzeigenkampagnen werben die Bauinvestitionsfirmen für Wohnungen in solchen "communities". Nach der Revolution kamen viele Details von Korruptionsskandalen bei der Landvergabe für solche Projekte ans Licht.

Straßen und Transportwege

Mit einer Gesamtlänge von 45.000 km ist das Straßennetz am weitesten ausgebaut; ein Drittel ist befestigt. Auf den großen Überlandstraßen kommt es immer wieder zu schweren Unfällen, meist aufgrund zu hoher Geschwindigkeit oder Übermüdung der LKW- oder Sammeltaxifahrer, die oft mehr als 12 Stunden ohne längere Pausen fahren. Mit 3.2 Unfällen pro 10 000 Einwohner pro Jahr ist die Unfallrate insgesamt sehr hoch.

Das Eisenbahnnetz ist mit 7.700 km der wichtigste Verkehrsträger. Auf den schiffbaren Wasserwegen von 3.500 km Länge werden 25% des Güterverkehrs abgewickelt. Der 161 km lange Suez-Kanal verbindet die Hafenstadt Port Said am Mittelmeer mit dem Hafen Suez am Roten Meer. Durch einen Tunnel unter dem Suez-Kanal, Autobrücken und mehrere Fähren ist die Sinai-Halbinsel mit dem Festland verbunden. Ägypten will den Suez-Kanal ausbauen. Auf einer Länge von etwa 35 Kilometer wird parallel zur bestehenden Wasserstraße ein neuer Kanal ausgehoben. Auf etwa der selben Länge wird der bestehende Kanal erweitert und vertieft. Der Bau soll in drei Jahren realisiert werden und die Finanzierung soll alleine aus ägyptischen Mitteln erfolgen. Das Projekt wird durch weitere Entwicklungsprogramme wie Tunnelbau, Infrastruktur und Tourismuszonen begleitet. Diese Vorhaben stünden auch ausländischen Investoren offen. Insgesamt erhofft sich die Suez-Kanal-Behörde eine Million neue Arbeitsplätze durch die Bauvorhaben am Kanal.

Ägypten hat insgesamt 23 zivile Flughäfen. Die wichtigsten internationalen Flughäfen befinden sich in Kairo, Alexandria, Luxor, Hurghada, Assuan und Sharm El-Sheikh; weitere Orte, unter anderem Abu Simbel im Süden, die Oasen Dakhla und Kharga sowie Marsa Matruh am Mittelmeer sind per Inlandsflug erreichbar. Der wichtigste Überseehafen liegt am Mittelmeer, in der zweitgrößten Stadt Ägyptens, Alexandria.

In den Städten sind die wichtigsten Transportmittel Busse, Minibusse, Taxis und innerhalb vieler eng besiedelter Viertel die sogenannten Tuktuks, eine Art Motor-Rikscha. Alexandria verfügt zusätzlich über ein Straßenbahnnetz. Kairo besitzt mit seiner 1987 eingeweihten Metro das einzige voll entwickelte U-Bahn-Netz Afrikas. In Kairo kann man eigentlich nur am Freitag vor dem Freitagsgebet einigermaßen zuverlässig damit rechnen, nicht in einen Stau zu geraten. Die Kairener beziehen daher die erwarteten Staus auf bestimmten Strecken zu bestimmten Zeiten mit ein, wenn sie Termine machen.

Naturräumliche Gegebenheiten

Geographie

Blick aufs Nildelta
Das grüne und fruchtbare Nildelta hebt sich scharf von den Wüstengebieten auf beiden Seiten ab - Quelle: NASA

Die Geographie Ägyptens ist geprägt durch den schroffen Gegensatz von Wüsten und dem fruchtbaren über 1000 km langen und bis zu 15 km breiten Niltal, das zusammen mit dem Nildelta nur 4% der Kultur- bzw. Siedlungsfläche ausmacht und in der 99% der Bevölkerung leben. Es gibt seit Jahren Anstrengungen, die Siedlungsgebiete in die Wüste auszudehnen und die Wüste nutzbar zu machen, was jedoch mit vielen Problemen behaftet ist. Eines der größten dieser Projekte ist das umstrittene Toschka Projekt zur Nutzbarmachung der Wüste im Südwesten des Landes, das Ende der 90er Jahren angestoßen wurde.
Die zur Sahara gehörende Libysche Wüste im Westen und die gebirgige Arabische Wüste im Osten begrenzen das Niltal. In dem Teil der Libyschen Wüste, die westlich von El Alamein an das Mittelmeer grenzt, liegen immer noch tausende von Landminen aus dem Zweiten Weltkrieg, denen auch heute noch jedes Jahr Menschen durch Detonationen Opfer fallen. In der Libyschen Wüste finden sich unter anderem die Oasen Siwa, Bahariya, Farafra, Kharga und Dakhla. Die Arabische Wüste erstreckt sich bis zum Roten Meer und zum Suezkanal

Blick über die Sinai-Berge über dem Katharinenkloster
Die Farben der Berge des Sinai über dem Katharinenkloster sind ganz außergewöhnlich bei Sonnenaufgang - © MA

Die Sinai Halbinsel mit dem Mosesberg und dem Katharinenkloster, einem der ältesten christlichen Klöster, wurde im sogenannten Sechs-Tage-Krieg im Juni 1967 von Israel besetzt und erst nach dem Friedensvertrag von 1979 schrittweise bis 1982 zurückgegeben. 1997 wurde das Großprojekt des sogenannten Salam-(Friedens) Kanals in Angriff genommen, mit dem Wasser vom Nil in den Sinai geleitet werden und damit Wüstenland landwirtschaftlich nutzbar machen sollte. Das Projekt wurde jedoch 2006 aufgrund hoher Kosten und Zweifeln an seiner Nützlichkeit endgültig eingestellt. Die Frage der ökonomischen Entwicklung des Sinai steht nach der Revolution jedoch wieder auf der Tagesordnung.

Die durchschnittliche Höhe Ägyptens liegt etwa 15 m unter dem Meeresspiegel - der tiefste Punkt ist die Qattara-Senke mit 133 m unter dem Meer; am höchsten liegt der Katharinenberg auf der Sinai-Halbinsel mit 2637 m.

Nationalparks und Naturschutzgebiete

Es gibt 29 Nationalparks und Naturschutzgebiete in Ägypten, darunter den Ras-Mohammed-Nationalpark und den St. Katharina Nationalpark im Sinai, sowie den Gebel-Elba-Nationalpark im umstrittenen Hala’ib Dreieck zwischen Ägypten und Sudan. Hervorzuheben ist auch der Wadi Hitan Nationalpark in der Halboase al-Fayum, in dem bis zu 40 Millionen Jahre alte Walskelette zu sehen sind. Weitere Informationen zu den Nationalparks und Naturschutzgebieten sowie eine Karte finden sich auf der Papyrus Magazin Webseite.

Flora und Fauna

Durch die großen Wüstengebiete zu beiden Seiten des Niltals und die intensive landwirtschaftliche Nutzung der Nilgebiete ist die natürliche Vegetation Ägyptens in weiten Teilen nicht sehr üppig. In der Wüste wachsen Tamarisken und Akazien; am Nilufer außerdem Dattelpalmen, Johannisbrotbäume und Maulbeerfeigen. Lotusbäume und Bambus kommen im Nildelta vor. In der Wüste leben Hasen und Springmäuse; außerdem Skorpione, Schlangen und Eidechsen sowie Kamele von Beduinen. Schakale, Hyänen und Fenneks (Wüstenfüchse) gehören ebenfalls zur ägyptischen Fauna. Wasserbüffel und Esel sind als Nutztiere im Niltal und -delta verbreitet.

Walskelett im Wadi Hitan
Im Wadi Hitan Protektorat in der libyschen Wüste westlich von Fayoum gibt es bis zu 42 Millionen Jahre alte versteinerte Walskelette und Mangroven - © MA

100 km südwestlich von Kairo liegt die Halboase El-Fayum. Diese beherbergt das ganze Jahr hindurch eine große Vielfalt an Vogelarten. Der Ras-Mohammed-Nationalpark im Süden des Sinai ist unter anderem für seine Korallenriffe bekannt, die jedoch zunehmend von unkontrolliertem Tourismus und Öl von Booten und Schiffen gefährdet sind. Die Pflanzenwelt des Sinai ist von Akazien, Dattelpalmen, Wacholder und Tamarisken geprägt. Im Sinai gibt es auch viele Heilpflanzen und eine lange Geschichte darauf aufbauender traditioneller Pflanzenmedizin, deren Wissen unter Beduinen in jahrelangem Training weitergegeben wird. Es gibt inzwischen auch Pflanzenmedizinschulen. Im Nabq Protektorat nördlich von Sharm El Sheikh und am Roten Meer gibt es zudem Mangrovenwälder. Dort findet sich auch eine riesige Vielfalt an Fischen und Meerestieren. Delfine, Haie, Rochen, Clownfische sind nur einige davon. Die Qattara-Senke ist ein wichtiges Biotop für Geparden und Gazellen.

Klima und Wetter

Klimatabelle Kairo
Diagramm: MA, zugrundeliegende Daten: Ägyptisches Meterologisches Institut

Das Klima Ägyptens wird wesentlich durch die großen Wüstengebiete bestimmt. Mit Sommertemperaturen über 40°C und beträchtlichen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht, häufig starken Sandstürmen im Frühling und milden Wintern (um 20°C tagsüber) herrscht das Halb- und Wüstenklima vor. Nur die Mittelmeerküste und das Nildelta mit ihrem mediterranen Klima kommen in den Genuss von Niederschlägen - mit einem Jahresdurchschnitt von 200 mm, der in Kairo jedoch nur noch ein Jahresmittel von 25 mm erreicht. Im Dezember 2013 fiel jedoch in Kairo nach 112 Jahren erstmal wieder Schnee.

Das Sinai-Gebrige ist das einzige Gebiet Ägyptens, in dem der Winter recht kühl werden kann. Durch die hohen Lagen können die Temperaturen nachts auf 0 bis 5°C sinken; tags ist es rund 12-15°C. Frühling und Herbst sind allerdings mild und werden als ideale Reisezeit empfohlen. Auch in den Wüsten wird es im Winter nachts empfindlich kalt.

Aktuelle Wetterverhältnisse und Wettervorhersagen für verschiedene Städte in Ägypten kann man auf der Webseite von Weather Underground nachschauen.

Rohstoffe und Energie

Die wichtigsten Bodenschätze und Rohstoffe Ägyptens sind Erdöl, Erdgas, Eisenerz, Phosphate, Mangan, Kalkstein, Gips, Talkum, Asbest, Blei, Zink. Erdöl wird vor allem im Golf von Suez, auf der Sinai-Halbinsel und in der Qattara-Senke gefördert. Rohphosphate kommen von den Küsten des Roten Meeres sowie aus dem Südsinai, Oberägypten und den Oasen Dakhla und Kharga. Eisenerze werden in Assuan und der Oase Bahariya, Manganerze im Sinai und Chrom, Zinn und Salz am Roten Meer abgebaut. Schwefel-, Buntmetall-, Uran- und Asbestvorkommen sind noch weitgehend unerschlossen. Erdgas wird seit 1975 gefördert, aber erst im letzten Jahrzehnt wurde Ägypten zu einem wichtigen Erdgasproduzenten und –exporteur. Im Inland wird Erdgas vor allem zur Energieerzeugung und Düngemittelproduktion verwendet. Energie und Stromversorgung sind ein wichtiges Thema in Ägypten. Mit dem Bevölkerungswachstum steigt auch Ägyptens Energiebedarf und die Stromerzeugung der am alten und neuen Aswan-Staudamm liegenden Wasserkraftwerke, die etwa 15% des ägyptischen Stroms erzeugen, ist durch die Senkung des Wasserspiegels des Nasser-Stausees gefährdet. Ägypten plant den Bau einer Reihe von mit Erdgas betriebenen Wärmekraftwerken. Die Nutzung von Uran in mehreren geplanten Kernkraftwerken ist vor allem im Ausland umstritten. Internationale Geber haben immer wieder ihren Unterstützungswillen für die stärkere Nutzung erneuerbarer Energien wie Wind- und Sonnenenergie zum Ausdruck gebracht. In letzter Zeit bildeten sich auch lokale Initiativen, die an der Nutzung von Sonnenenergie arbeiten. Die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) unterstützt z.B. den Windpark Zafarana am Roten Meer und die EU hat Pläne für ein großes Sonnenenergieprojekt in der westlichen Wüste.

Ökologische Probleme

Informelle Siedlung am Stadtrand von Giza
Informelle Siedlungsexpansion am Stadtrand von Giza - © MA
Frauen waschen Geschirr im Kanal
In den Dörfern waschen viele Frauen wegen unzureichender Wasser- und Abwasserversorgung Geschirr und Wäsche immer noch im Kanal - © MA
Abwasserprobleme in einem Dorf in Fayoum
Abwasserprobleme sind vor allem auf dem Land und in den informellen Siedlungen der großen Städte ein Problem - © MA

Ägyptens ökologische Probleme haben ihre Ursache im wesentlichen in der Trockenheit, dem rapiden Bevölkerungswachstum und der extrem ungleichen Verteilung der Bevölkerung sowie politischen Defiziten, Korruption und mangelndem Umweltbewusstsein der Bevölkerung. Die wichtigsten Umweltprobleme sind folgende:

  • Zunehmende Wasserknappheit, vor allem durch Bevölkerungs- und Industriewachstum, Bewässerungsprojekte, unzureichende Wartung von Wasserversorgungsnetzen, Wasserverschwendung durch Haushalte und Institutionen sowie veraltete Bewässerungsmethoden. Angesichts der Abhängigkeit Ägyptens vom Nil, aus dem das Land über 90% seines Wassers bezieht, ist die jahrelange Vernachlässigung der Kooperation mit den Nilanrainerstaaten besonders dramatisch. Sie führte im Mai schließlich zur einseitigen Aufkündigung des Nilnutzungsabkommens von 1929 durch vier der neun Nilanrainerstaaten, auf Kosten Ägyptens und Sudans. Präsident Sisi bemüht sich das Wasserproblem zwischen Äthiopien und Ägypten zu lösen.

  • Wasserverschmutzung, vor allem durch unzureichende Abwasserentsorgung, exzessive Anwendung von Düngemitteln und Pestiziden, unkontrollierte Entsorgung von Industrieabwässern und Müll. Trotz guter Indikatoren kam es in den letzten Jahren zu zunehmenden Protesten gegen unzureichende Trinkwasserversorgung. Die NGO "Association for Health and Environmental Development" (AHED) hat die Hintergründe der Proteste untersucht, die im Gegensatz zum Bild stehen, das die offiziellen Statistiken vermitteln.

     

  • Meeresverschmutzung, v.a. Bedrohung von Korallenriffen, Stränden und marinem Lebensraum des Roten Meeres durch Ölverschmutzung und Tourismus (v.a. inadequate Abwasserentsorgung in vielen Touristenresorts, Taucher und Tauchbote, inadequater Fischfang und mangelndes Bewußtsein von Touristen). In jüngerer Zeit gibt es verstärkte Anstrengungen von NGOs (z. B. durch HEPCA) und auch internationale Unterstützung (z.B. durch die Universität Essen) zum Schutz des Roten Meeres.

  • Verknappung landwirtschaftlicher Nutzfläche durch vorwiegend informelle Siedlungsexpansion. Allein im Zeitraum 1952-2002 verlor Ägypten 300 000 Hektar Agrarland durch Urbanisierung.

  • Bodenverschlechterung und Versalzung, v.a. durch Überkultivierung von Agrarflächen, mangelnde Wartung von Be- und Entwässerungssystemen sowie Ausweitung von Bewässerungsgebieten nach dem Bau des Assuan-Staudammes

  • Desertifikation, d.h. das Vordringen der Wüste. Ägyptens Desertifikationsrate die höchste der Welt. Das zugrundelegende Problem ist in Ägypten vor allem die illegale Umwandlung landwirtschaftlicher Nutzflächen in Bauland, die im Zug des Sicherheitsvakuums nach der Revolution im Januar 2011 sprunghaft anstieg.

  • Gefährdung der Artenvielfalt, v.a. durch expandierende Siedlungsgebiete, Tourismus und unkontrollierte Jagd. Von der Ausrottung bedroht sind unter anderem der Sinai Leopard, bestimmte Ibisarten, die grüne Seeschildkröte sowie 59 der insgesamt 2076 ägyptischen Pflanzenarten. Die Bubal Kuhantilope, das Mähnenschaf und der Sahara Oryx sind bereits ausgestorben.

  • Luftverschmutzung durch Feinstaub, Industrieanlagen, Stadtverkehr und offene Müllverbrennung. Der Großraum Kairo ist davon besonders betroffen. Trotz Verbesserung durch verschiedene Maßnahmen, u.a.im Rahmen des Cairo Air Improvement Projects, hängt über Kairo immer noch eine regelrechte Smogglocke, besonders im Frühjahr wenn die Khamsin Winde Wüstensand in die Stadt tragen und im Herbst wenn im Delta Reisstroh verbrannt wird.

  • Isolierte Lage vieler Dörfer und informeller Siedlungen, in denen es oft keine funktionierende Müll- und Abwasserentsorgung gibt. Gekoppelt mit mangelndem Gesundheits- und Hygienebewusstsein führt dies zur Verbreitung von Krankheiten, von denen besonders Kinder betroffen sind.

In den letzten Jahren haben nationale und internationale Initiativen ihre Bemühungen verstärkt, die gravierenden Umweltprobleme zu bekämpfen; 1994 wurde ein Gesetz zur Erhaltung und zum Schutz der Umwelt verabschiedet. Mit diesem Gesetz wurde auch die Egyptian Environmental Affairs Agency (EEAA) gegründet sowie der Environmental Protection Fund, der seit 2000/2001 regulär arbeitet. Seit 2004 erstellt die EEAA regelmäßige Berichte zur Umweltsituation. Umweltaktivisten hoffen nach der 25. Januar Revolution auf verstärkte Umweltanstrengungen zur Bekämpfung der ökologische Probleme und eine stärkere Orientierung hin zu Ökotourismus

Internationale Wirtschaftskonferenz 2015
Vom 13.3. - 15.3.2015 fand in Sharm El Sheikh eine internationale Wirtschaftskonferenz statt. Die Konferenz bildete den Ausgangspunkt eines Programms der ägyptischen Regierung, um die wirtschaftliche Entwicklung des Landes zu fördern. Für die Konferenz konnten zahlreiche Führungskräfte internationaler Unternehmen sowie renommierte Persönlichkeiten der Weltwirtschaft als Sprecher gewonnen werden.

Nationale Symbole

Die ägyptische Nationalflagge

Flagge Ägyptens
Flagge Ägyptens

Die ägyptische Nationalflagge zeigt drei waagerechte Streifen in Rot, Weiß und Schwarz; in der Mitte ist der goldene Adler Saladins. Die panarabische Trikolore geht auf den Sturz der Monarchie 1952 zurück. Der Adler trägt ein Spruchband mit dem Landesnamen - Arabische Republik Ägypten - auf Arabisch. Die Flagge ist in dieser Form seit 1984 in Gebrauch.

 

 

Kaum ein Ägypter geht ohne die ägyptische Nationalflagge auf eine Demonstration. Man sieht sie allerortens...

 

Fotos von Demonstranten mit der ägyptischen Flagge
...geschwenkt...
...um den Körper gehängt...
...oder aufs Gesicht gemalt - © MA

Das Nationalwappen

Wappen Ägyptens
Wappen Ägyptens

Das Wappen ist der Adler des mittelalterlichen Herrschers und Feldherrn Saladin (Salah El Din), auch "Arabischer Adler" genannt. Für Araber ist er ein Symbol der Stärke und Einheit . Auf der Brust trägt der Adler die panarabische Trikolore in Rot, Weiß und Schwarz, allerdings in vertikaler Ausrichtung; auch im Wappen trägt er das Spruchband mit dem Landesnamen.

 

 

Der Ägyptische Nationalfeiertag ist der 23. Juli, zur Erinnerung an die Revolution von 1952.

Biladi, Biladi, Biladi (Text: Younis al Qadi, Musik: Sayed Darwish) ist seit 1979 Ägyptens Nationalhymne Gesungen wird bei offiziellen Anlässen die erste Strophe und der Refrain. Der Text lautet in der deutschen Übersetzung:

Mein Land, mein
Herz schlägt liebevoll für dich
Ägypten, du Mutter aller Länder, meine Hoffnung, mein Sehnen
Wer könnte die Segnungen des Nils für die Menschheit ermessen?
Ägypten, du kostbarstes Juwel, das auf der Braue der Ewigkeit scheint
Mein Land, sei für immer frei und sicher vor jedem Feind
Ägypten, deine Kinder sind nobel, loyal und Hüter deines Landes
Im Krieg und im Frieden geben wir unser Leben für dich.

Das Länderinformationsportal

Das Länderinformationsportal
Das Länderinformationsportal

Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im April 2016 aktualisiert.

Die Autorin

Rama Koziel: B.A. Anglistik und Politikwissenschaft. Personalwesenentwicklung, TOT, Capacity Building und Landesanalyse (Ägypten) Trainerin. Gutachterin für anspruchsvolle Jobcoaching Aktivitäten in der arabischen Sprache bei der GIZ (AIZ). Sie hat diverse Ägyptisch-Arabisch Lehrbücher erfasst.

Tipp zum Lesen

David Sims, Understanding Cairo - The Logic of a City Out of Control, AUC Press, Cairo 2010

Kairo verstehen mit David Sims, eine Rezension.

Tipp zum Lesen

Anthony Hirst, Michael Silk (Hg.), Alexandria Real and Imagined, AUC Press Cairo, September 2006

Tipp zum Lesen

Asiem el Difraoui, Ein neues Ägypten? Reise durch ein Land im Aufruhr, Verlag: Edition Kröber, 2013

Trainingsangebote der Akademie

Die Akademie der GIZ ist der führende Weiterbildungsanbieter für die internationale Kompetenzentwicklung. Wir stehen für innovative, wirksame und nachhaltige Lösungen.

> Angebote aus dem Weiterbildungskatalog

Gerne konzipieren wir für Sie maßgeschneiderte Trainingskurse, die sich an Ihren individuellen Bedürfnissen und Interessen orientieren.

> Wir freuen uns über Ihre Anfragen!

Kontakt

Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Kommentare zu diesem Länderbeitrag oder zum LIPortal insgesamt. Richten Sie Ihre Anfrage an:

Thorsten Hölzer
(Akademie für Internationale Zusammenarbeit)

+49 (0)2224 926 - 144

Zum Kontaktformular