Türornamente an der Blauen Moschee in Mazar-e Sharif (Foto: Steve Evans, CC BY-NC 2.0)
Alpabetisierte Erwachsene
36 %
Bedeutende Religionen
Islam: sunnitisch ca. 80 %, schiitisch ca. 19 %
Städtische Bevölkerung
26,7 % (2015)
Lebenserwartung (w/m)
52 / 50 Jahre (geschätzt, 2015)
Gender Inequality Index
Rang 152 (von 155) (2014)
Anzahl der Geburten
5,33 / Frau (geschätzt, 2015)
Kindersterblichkeit
115 / 1000 Lebendgeburten (geschätzt, 2015)

Einführung

Ethnolinguistische Karte Afghanistans, Furfur CC BY-SA 3.0
Ethnolinguistische Karte Afghanistans, Furfur CC BY-SA 3.0

Die afghanische Gesellschaft ist seit jeher von zwei Faktoren geprägt: ethnische Vielfalt und traditionaler Charakter. Seit frühgeschichtlicher Zeit ist Afghanistan ein Durchgangsland schlechthin, sowohl für kriegerische Eroberer als auch für Händler und Missionare verschiedenster Religionen. In durch zerklüftetes Relief oder widrige klimatische Bedingungen schwer zugänglichen Gebirgsregionen konnten sich vielerorts kleine Volksgruppen mit altertümlichen Sprachen und Dialekten halten, die anderswo längst von größeren Nachbarvölkern assimiliert worden sind; Beispiele hierfür sind die dardischen, nordwestindischen und nuristanischen Volksgruppen der afghanischen Ostprovinzen, aber auch die Bevölkerung des Pamirgebietes oder die Hazara im zentralen Hochland.

Ethnische Gruppen: Paschtunen

Seit der Gründung des Königreiches Afghanistan Mitte des 18. Jahrhunderts stellen die Paschtunen die größte Volksgruppe des Landes dar, gegenwärtig machen sie etwa 40 % der Bevölkerung aus. Mit ganz wenigen Ausnahmen haben immer die Paschtunen die Führungsschicht Afghanistans gestellt, sowohl zur Zeit der Monarchie als auch unter den verschiedenen republikanischen oder islamistischen Regimes seit 1973.

Die Siedlungsgebiete der afghanischen Paschtunen liegen in der Hauptsache in einem etwa halbmondförmigen Gebiet am Südrand des zentralen Hochlandes entlang der Straße Herat-Kandahar-Kabul, ursprünglich bezeichnete "Afghanistan" nur diesen Landstrich. Im Osten greift es über die Ketten des Suleiman-Gebirges nach Pakistan hinein bis zum Indus über.

Darüber hinaus gibt es auch in den Ebenen und Beckenlandschaften Nordafghanistans zahlreiche paschtunische Siedlungsinseln, die in der Hauptsache auf Ansiedlung von Paschtunen zur Befriedung der dortigen turksprachigen Mehrheitsbevölkerung im späten 19. Jahrhundert zurückgehen.

Kennzeichnend für die Paschtunen ist ihre ausgeprägte stammesmäßige Organisation; die einzelnen Stämme, Unterstämme, Clans und Subclans sind in ein kompliziertes, vielstufiges genealogisches System eingordnet, das seinen Ursprung in Qais Abdur Rashid hat, dem legendären Ahnherren der Paschtunen zur Zeit Muhammads. Ethnologen bezeichnen die insgesamt gut 35 Millionen Paschtunen in Afghanistan und Pakistan als die größte noch bestehende Stammesgesellschaft der Welt.

Für die gesellschaftlich-politische Realität des heutigen Afghanistan und der jüngeren Vergangenheit sind die großen Stammeskonföderationen der Durrani und der Ghilzai bedeutsam; erstere besiedeln hauptsächlich den Westteil des oben skizzierten Gebietes mit Kandahar, der alten Hauptstadt Afghanistans, als Zentrum, letztere konzentrieren sich auf den Landstrich entlang der Straße Kandahar-Kabul und die östlichen Grenzgebirge.

Eine Eigenheit der Paschtunen, die sie von den anderen Völkern Afghanistans unterscheidet, ist das Paschtunwali, ein teilweise schriftlich fixiertes Normenwerk, das man als eine Mischung aus Ehrenkodex, Gewohnreitsrecht und Stammesverfassung betrachten kann. Zentrale, das Alltagsleben in den Paschtunengebieten maßgeblich prägende Begriffe dieses Normenkataloges sind nang/namus (Ehre, sowohl des Einzelnen als auch seiner Familie und übergeordneten Clan- und Stammesgruppe), badal (Vergeltung, was auch Blutrache beinhalten kann) und melmastia (Gastfreundschaft).

Die Mehrheit der Paschtunen lebt als sesshafte Bauern und Viehzüchter in den Gebirgsfuß- und Taloasen Süd- und Ostafghanistans, daneben gibt es jedoch auch Nomaden, die mit ihren (zumeist Schaf-) Herden teilweise ausgedehnte jahreszeitliche Wanderungen unternehmen. Die Sommerweidegebiete liegen zumeist im von den Hazara bewohnten zentralen Hochland in Höhen um 3 000 m, während die Winterquartiere in den klimatisch milderen Steppen- und Halbwüstengebieten des Westens und Südwestens oder sogar jenseits der pakistanischen Grenze in der Indusebene aufgeschlagen werden.

Die Paschtunen in den Städten sind, insbesondere wenn es sich um seßhaft gewordene Nomaden handelt, häufig im Fernhandel und Speditionsgewerbe tätig. Aufgrund ihrer stammesmäßigen Verbundenheit mit den herrschenden Familien Afghanistans findet man sie häufig auch in leitenden Positionen in Verwaltung und Armee (inwieweit dies auch für das Nachkriegs-Afghanistan, in dessen Zentralregierung ja die nicht-paschtunisch dominierte Nordallianz entscheidenden Einfluss hat, wieder gelten wird, bleibt abzuwarten).

Die Sprache der Paschtunen, das Paschtu, ist eine ostiranische Sprache mit starkem indischen Einfluss vor allem in der Aussprache. Seit den 1930er Jahren ist sie neben dem Persischen eine der beiden gleichberechtigten Amtssprachen Afghanistans. Allerdings sind die meisten Paschtunen in Afghanistan faktisch zweisprachig (Paschtu und Persisch), viele in Kabul ansässige Paschtunen (auch die Familie des letzten Königs, Zahir Schah) haben sogar Paschtu zugunsten des Persischen, der lingua franca Afghanistans, ganz aufgegeben.

Ethnische Gruppen: Tadschiken

Dorfszene aus Warwarzu, Region Kuran wa Munjan, Provinz Badakhshan (Foto Falk Oberdorf, gemeinfrei)

Die zweitgrößte ethnische Gruppe in Afghanistan stellen die Tadschiken mit ca. 30 % dar. Im Vergleich zu den übrigen Volksgruppen sind die Tadschiken in gewisser Weise nur vage definiert; nach landläufigem afghanischen Verständnis sind "Tadschiken" alle diejenigen, die weder den Paschtunen noch irgendeiner anderen nicht primär persischsprachigen Gruppe angehören.

Tadschiken im engeren Sinne besiedeln ein geschlossenes Gebiet in den nordöstlichen Provinzen (Badakhshan, Takhar, Baghlan, Parwan, Kapisa und Kabul), dieses Siedlungsgebiet leitet nach Norden, jenseits des Amu-Darja, nach Tadschikistan über, wo sie mit knapper Mehrheit das namensgebende Staatsvolk bilden.

Häufig werden auch die persischsprechenden Bewohner Nordwestafghanistans, insbesondere der Flußoase von Herat als Tadschiken bezeichnet, da sich ihre in der Hauptsache städtische Kultur aber deutlich von der Lebensweise der nordostafghanischen tadschikischen Bergbauern abhebt und viele Gemeinsamheiten mit dem angrenzenden nordöstlichen Iran aufweist, ist es durchaus gerechtfertigt, stattdessen die Bezeichnung "Farsiwan" (Persischsprecher) zu verwenden.

Ebenfalls einen Sonderfall stellen die häufig als "Pamir-Tadschiken" bezeichneten Bewohner der höheren Hindukusch-Täler Badakhshans (Wakhi, Ishkashami, Zebaki etc.) dar; sie sprechen im Gegensatz zu den eigentlichen Tadschiken altertümliche nordostiranische Dialekte, die nur weitläufig mit dem Persischen verwandt sind und werden daher in der neueren Literatur als "Pamiri" zusammengefasst.

Außerhalb dieser tadschikischen Kerngebiete in Nordafghanistan siedeln Tadschiken inselhaft in weiten Teilen Afghanistans, namentlich in den größeren Städten, in der Hauptstadt Kabul sind sie knapp in der Mehrheit.

Wie bereits angedeutet, leben die Tadschiken entweder als sesshafte Bauern, im Hochgebirge häufig mit Almwirtschaft und den damit verbundenen saisonalen vertikalen Wanderungen; in den Städten stellen sie das Gros der Handwerker, kleinen und mittleren Händler, darüber hinaus findet man sie häufig in mittleren Positionen der staatlichen Verwaltung, etwa im Bildungswesen.

Als rein sesshaftes Volk kennen die Tadschiken keine Stammesorganisation; sie definieren sich auf lokaler Ebene zumeist nach Dorf- oder Talschaften, wie etwa die Panjsheri, Andarabi etc..

Ethnische Gruppen: Hazara

Die Hazara stellen etwa 10 % der afghanischen Bevölkerung und bewohnen das zentrale Hochland Afghanistans mit der Provinz Bamiyan als Zentrum; die Region trägt nach ihnen den Namen Hazarajat. Ihr Siedlungsgebiet reicht als einziges der vier größten Volksgruppen des Landes nicht über die Grenzen Afghanistans hinaus.

Der Name "Hazara" leitet sich vom persischen Zahlwort hazar, "tausend" ab und deutet auf ihren Ursprung als Truppenteil (Tausendschaften) der mongolischen Invasionsheere unter Timur Lenk im 14. Jahrhundert hin. Die Hazara haben bis heute ein ausgesprochen mongolides Aussehen bewahrt, ihr Dialekt des Persischen (Hazaragi) ist mit mongolischen Wörtern durchsetzt.

Das Hochland von Hazarajat, im Mittel knapp 3 000 m hoch gelegen, ist eine der unwirtlichsten Regionen Afghanistans, die Hälfte des Jahres unter oft meterhohen Schneemassen begraben, mit winterlichen Extremtemperaturen nahe -60°C. Folglich konnte die karge Landwirtschaft alleine die Bevölkerung dort nie ernähren, so dass die Hazara seit jeher während der kalten Jahreszeit in die angrenzenden tiefer gelegenen Regionen ziehen, um sich als Saisonarbeiter zu verdingen.

Die Hazara gehören wegen ihrer mongolischen Herkunft und insbesondere ihrer schiitischen Konfession zu den unterprivilegierten Bevölkerungsgruppen in Afghanistan, was sich z. B. daran zeigt, dass sie in den Städten hauptsächlich mit niederen Arbeiten, etwa als Lastenträger, beschäftigt sind. Unter dem sunnitisch-paschtunisch dominierten Taliban-Regime hatten sie besonders zu leiden, es kam wiederholt zu Massakern, denen Tausende Hazara zum Opfer fielen, auch wurden bei der Eroberung der Zentralprovinzen durch die Taliban zahlreiche Hazara-Frauen verschleppt und mit Talibankämpfern zwangsverheiratet.

Ethnische Gruppen: Usbeken

Buzkashi in Mazar-e Sharif (UN Photo/Ali Asghar Safdar, CC-Lizenz: BY-NC-ND 2.0)

Die Usbeken bilden das vorherrschende Bevölkerungselement der nordafghanischen Gebirgsfußoasen (Mazar-e Sharif, Sheberghan, Maimana etc.) und der angrenzenden Hügelländer; auch ihr Verbreitungsgebiet greift nach Norden ins ehemalige Sowjetisch-Turkestan über, wo sie in Gestalt Usbekistans einen eigenen Staat bilden. Anders als Paschtunen und Tadschiken sprechen sie eine dem Türkischen verwandte Sprache, wiewohl auch unter ihnen viele inzwischen das Persische angenommen haben. Sie machen etwa 9 % der afghanischen Gesamtbevölkerung aus.

Hinsichtlich ihrer heutigen Lebensweise unterscheiden sich die Usbeken kaum von den benachbarten Tadschiken; als aus dem nördlich angrenzenden Turkestan eingewanderte ehemalige Nomaden betreiben sie jedoch außerdem häufig Pferdezucht (Qataghan-Rasse), auch das vor allem in den usbekischen Gebieten betriebene berühmt-berüchtige Reiterspiel Buzkashi geht auf alte zentralasiatische Nomadentraditionen zurück.

Sonstige ethnische Gruppen

Mit diesen vier größten ethnischen Gruppen ist die Völkerkarte Afghanistans aber noch lange nicht vollständig. Die Aimaken, ein Zusammenschluss aus vier semi-nomadischen Stämmen mongolisch, iranischer Abstammung, bevölkern das westliche, zentrale Hochland, die Belutschen siedeln in den südwestlichen und südlichen Grenzgebieten Afghanistans; zusammen machen sie etwa 4 % der Bevölkerung aus. Daneben existiert ein gleichermaßen verwirrendes wie faszinierendes Kaleidoskop von kleinen und kleinsten Völkern und Stämmen. Teilweise gehören sie Sprachfamilien an, die man nicht unbedingt in Afghanistan vermuten würde: etwa die Brahui, drawidische (also Sprachverwandte der Tamilen in Südindien!) Wüstennomaden am unteren Hilmend und in Registan, dann die im Gegensatz zu den östlich angrenzenden Hazara noch wirklich einen mongolischen Dialekt sprechenden Moghol in der Provinz Herat oder auch Arabisch, das als Überbleibsel der ersten islamischen Eroberung im 8. Jahrhundert bis heute in zwei Dörfern bei Mazar-e Sharif gesprochen wird.

Unter kulturellen Gesichtspunkten interessant sind ferner die eingangs bereits erwähnten Nuristani, ein in physischer Hinsicht fast mitteleuropäisch anmutendes Bergbauern- und Hirtenvolk in den bewaldeten Tälern des ostafghanischen Hindukusch. Dann die turksprachigen, bis heute unter schwierigen Bedingungen im Wakhan-Korridor überlebenden kirgisischen Nomaden oder auch die für ihre Teppichknüpferei berühmten Turkmenen in den nordwestlichen Provinzen Badghis und Jozjan. Daneben gibt es vor allem in Ostafghanistan zahlreiche kleine Gruppen nordindischer Herkunft (Dschats, Gudschur u. a.), die sich kastenartig auf Wandergewerbe spezialisiert haben.

Bildung

Mädchen beim Schulunterricht (Foto: uusc4all, CC BY-NC-ND 2.0)
Mädchen beim Schulunterricht (Foto: uusc4all, CC BY-NC-ND 2.0)

Das ursprüngliche Bildungssystem Afghanistans beruht auf Religionsschulen. Die erste Schule nach modernem Vorbild wurde 1912 in Kabul gegründet, 1933 folgte die erste Mädchenschule.

Seit 1975 besteht Schulpflicht für 7- bis 13-Jährige, der Schulbesuch ist kostenlos, allerdings müssen die Eltern für die Unterrichtsmaterialien aufkommen, was für viele Familien eine zu hohe finanzielle Belastung darstellt.

Jahrzehnte Krieg und Bürgerkrieg haben das afghanische Bildungssystem nahezu kollabieren lassen. Rund 70-80 % der vorhandenen Schulgebäude wurden zerstört und geschätzte 80 % der Lehrkräfte flohen ins Ausland oder übten einen anderen Beruf aus. Unter den Taliban waren weibliche Lehrkräfte nicht zugelassen und Mädchen wurde der Schulbesuch generell verwehrt.

Seit 2002 wurden durch umfangreiche Wiederaufbaumaßnahmen zahlreiche Schulgebäude repariert bzw. Schulen neu eröffnet und die Zahl der Lehrerinnen und Lehrer hat sich auf über 210.000 erhöht, davon ca. 30 % weibliche Lehrkräfte. Allerdings erfüllen nur rund 43 % aller Lehrerinnen und Lehrer die minimale Qualifikation zum Unterrichten. Durschnittlich kommen auf eine Lehrkraft rund 45 Schülerinnen und Schüler.

Auch die Zahl der Schülerinnen-und Schüler ist seitdem stetig gestiegen, so dass mittlerweile über 8,5 Millionen Kinder, davon ca. 3,5 Millionen Mädchen, die allgemein bildenden Schulen besuchen. Ungeachtet dessen nehmen aber immer noch rund 40 % aller Kinder im schulfähigen Alter, davon rund 60 % Mädchen, nicht oder nicht regelmäßig am Schulbesuch teil. Auch bleibt der Zugang zu Bildung, der erheblich in den einzelnen Provinzen variiert, vielen Frauen und Mädchen aufgrund kultureller Umstände nach wie vor versperrt.

Ein wesentliches Hemmnis für den Schulbesuch stellt außerdem die Kinderarbeit dar. Geschätzte 21 bis 30 % aller Kinder im Alter von 5 bis 14 Jahren sind von Kinderarbeit betroffen und müssen zum Teil oder ausschließlich zum Lebensunterhalt ihrer Familien beitragen. Die Rede ist somit von rund 2 Millionen Kindern.

Immer noch liegt in Afghanistan die Zahl der Analphabeten bei fast 70 % und bis heute haben 70 % der Männer und über 90 % der Frauen über 25 Jahre keinen Schulabschluss.

Im Land gibt es derzeit 156 Berufsschulen mit 33.000 Berufsschülerinnen und Berufsschülern. Der Schwerpunkt der Ausbildung liegt bei Berufen wie Mechaniker, Friseur, Schneider, Zimmermann, Klempner und metallverarbeitende sowie Büroberufe. Die Zahl der Berufsschulen und ihrer Schülerinnen und Schüler hat sich seit den Vorjahren damit mehr als verdoppelt.

Die 1932 gegründete Universität von Kabul war lange Zeit die einzige des Landes. Mittlerweile gibt es in Afghanistan 126 Universitäten und Hochschuleinrichtungen, davon sind 31 staatliche und 95 private Institutionen. Die Gesamtzahl der Studierenden beläuft sich auf ca. 253.000, davon sind ca. 52.000 Studentinnen und ca. 201.000 Studenten. An privaten Einrichtungen, deren Zahl in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat, sind allein rund 105.000 Studierende eingeschrieben. Insgesamt gesehen hat sich die Zahl der Studierenden in den letzten Jahren deutlich erhöht, demgegenüber kann die Zahl der Lehrkräfte nicht mithalten, so dass sich das Verhältnis von Lehrkräften und Studierenden in Relation verschlechtert hat.

In Afghanistan ist ein Studienplatz an staatlichen Universitäten generell gebührenfrei und schließt auch die Unterbringung in einem Wohnheim und die Verpflegung mit ein. Entsprechend groß ist die Zahl der Studienplatzbewerber, so dass ohnehin schon ausgelastete Universitäten an ihre Kapazitätsgrenze stoßen und Bewerber bereits ablehnen müssen.

Die demographische Entwicklung Afghanistans stellt das Bildungssystem vor große Herausforderungen. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung liegt bei ca. 18 Jahren, über 40 % sind unter 15 Jahre alt und viele Jugendliche streben ein Studium an.

Die Entwicklung im Bildungssektor seit 2002 kann durchaus Erfolge verzeichnen, strukturelle und personelle Maßnahmen zeigen Wirkung.
Um die Bildungsmisere jedoch nachhaltig einzudämmen, muss der eingeschlagene Weg weiterverfolgt werden. Es gilt für ausreichend schulische Einrichtungen mit adäquater Ausstattung, auch in Bezug auf Lernmaterialien, zu sorgen. Der Bedarf an Lehrerinnen und Lehrern ist groß, so dass die Zahl qualifizierter Lehrkräfte, auch an Universitäten, durch Ausbildungs- und Weiterbildungsmaßnahmen ausgebaut werden muss. Auch muss die Zahl der verfügbaren Studienplätze deutlich erhöht werden, um mit der stark gestiegenen Nachfrage mithalten zu können. Nicht zuletzt gilt es landesweit einen gleichberechtigten Zugang zu Bildung zu ermöglichen, da auch heute noch erhebliche regionale Unterschiede in der Ausbildung von Mädchen und Jungen bestehen.

Die internationalen Geberländer konzentrieren ihre Anstrengungen entsprechend u.a. auf den Bildungssektor und so ist der Bereich Grund- und Berufsbildung sowie Lehrerausbildung auch ein Schwerpunkt der deutsch-afghanischen Entwicklungszusammenarbeit.

Gesundheit

Hebamme beim Gesundheitscheck, Krankenhaus in der Provinz Parwan (Foto: Graham Crouch / World Bank, CC BY-NC-ND 2.0)
Hebamme beim Gesundheitscheck, Krankenhaus in der Provinz Parwan (Foto: Graham Crouch / World Bank, CC BY-NC-ND 2.0)

Das afghanische Gesundheitssystem lag zum Ende der Taliban-Herrschaft am Boden. Damals hatte nur ca. ein Drittel der Bevölkerung Zugang zur medizinischen Grundversorgung.

Seitdem ist einiges passiert und zahlreiche Krankenhäuser und Kliniken sind instandgesetzt und neu gebaut worden, so dass mittlerweile jede Provinz Afghanistans über Einrichtungen der medizinischen Basisversorgung verfügt. Aber gerade in ländlichen, mitunter schwer zugänglichen Gebieten, ist die Erreichbarkeit dieser Einrichtungen erschwert und das Versorgungsniveau unterdurchschnittlich.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt den Anteil der Bevölkerung, der innerhalb einer Stunde Fußmarsch einen Basisgesundheitsdienst in Anspruch nehmen kann auf 57 Prozent. Die schlechte Sicherheitslage beeinträchtigt überdies einen freien und sicheren Zugang zu medizinischen Einrichtungen.

Abgesehen davon leidet das afghanische Gesundheitswesen Mangel an medizinischem Personal, sowohl in Zahlen als auch ausbildungsmäßig und geschlechterbezogen. Im landesweiten Durchschnitt kommen auf einen Arzt geschätzte 16.000 Menschen. Betrachtet man das Ganze geschlechterspezifisch, kommen auf einen Arzt 11.000 Männer, wohingegen auf eine Ärztin durchschnittlich 30.000 Frauen entfallen. Es fehlt also vor allem an weiblichem medizinischen Personal, seien es Ärztinnen, Hebammen oder Kinderkrankenschwestern. Dies ist vor dem kulturellen Hintergrund, dass Frauen auch nur von Frauen behandelt werden dürfen, schwerwiegend und hat Auswirkungen auf die Gesundheit von Müttern und Neugeborenen.
Die Müttersterblichkeit ist hoch, mit 396 Todesfällen auf 100.000 Lebendgeburten nimmt Afghanistan weltweit Rang 22 von 184 berücksichtigten Ländern ein. Bei der Kindersterblichkeit, bezogen auf Kinder unter einem Jahr, erlangt das Land mit ca. 115 Todesfällen auf 1.000 Lebendgeburten weltweit allerdings den traurigen ersten Platz von 224 einbezogenen Ländern. Lediglich 34 % aller Geburten werden von geschultem medizinischem Personal begleitet. Hinzu kommt, dass rund 55 % aller Kinder unter fünf Jahren von Mangelernährung betroffen sind.

Fehlende sanitäre Einrichtungen und der Zugang zu sauberem Trinkwasser stellen ein weiteres gravierendes Gesundheitsproblem in Afghanistan dar.
Das öffentliche Wasserversorgungssystem, an dem ohnehin nur weniger als ein Viertel der Bevölkerung angeschlossen ist, ist oftmals defekt. Die Landbevölkerung versorgt sich aus Brunnen, Fließgewässern oder aus Wassertankwagen. Fehlende bzw. unzureichende Müll- und Abwasserentsorgung führt vielerorts zur Verschmutzung des Grund- und Oberflächenwassers. Die Folge sind wasserinduzierte Krankheiten wie Cholera, Diarrhö, Hepatitis A und Typhus, da viele Menschen auf die Verwendung des gesundheitsschädlichen Wassers angewiesen sind.

Es gilt außerdem nachhaltige Strategien zur Bekämpfung von Tuberkulose, Malaria und HIV/AIDS erfolgreich weiter zu entwickeln. Afghanistan gehört zu den 22 von Tuberkulose am schwersten betroffenen Ländern der Welt. Malaria ist insbesondere in 14 der 34 Provinzen endemisch, somit sind über 13 Millionen Menschen gefährdet. Das genaue Ausmaß von HIV/AIDS-Infektionen ist ungewiss, da es keine gesicherten Zahlen gibt, es besteht aber ein hohes Risiko der Ausbreitung. Die Risikofaktoren sind zahlreich, Armut, stark gestiegene Drogenabhängigkeit, mangelnde Aufklärung und fehlendes gesellschaftliches Bewusstsein sind sicherlich die wichtigsten.

Über 30 Jahre bewaffneter Konflikt haben zudem seelische Spuren bei den Menschen hinterlassen. Die WHO schätzt, dass über 60 % der Bevölkerung an psychischen Erkrankungen und Belastungsstörungen leiden, mitunter ist die Zahl aber noch zu niedrig angesetzt. Demgegenüber fehlt es im Land jedoch an ausreichend  psychosozialen Einrichtungen und Fachkräften. Das afghanische Gesundheitsministerium (MoPH) hat die National Mental Health Strategy auf den Weg gebracht, um eine effiziente psychiatrische Versorgung im Gesundheitssystem zu etablieren und gibt dem Thema „Mental Health“ damit eine Gewichtung.

Für sich betrachtet stellen die angesprochenen Themen das afghanische Gesundheitssystem schon vor eine zumindest ambitionierte Aufgabe. In der Summe allerdings ist es eine massive Herausforderung, der Afghanistan alleine nicht gewachsen ist. Insofern wird der afghanische Gesundheitssektor wohl noch auf Jahre hinaus auf internationale Hilfe angewiesen bleiben.

Religion

Die Blaue Moschee (Ali-Mausoleum) in Mazar-e Sharif (Foto: Steve Evans, CC BY-NC 2.0)
Die Blaue Moschee (Ali-Mausoleum) in Mazar-e Sharif (Foto: Steve Evans, CC BY-NC 2.0)

Auf Grund seiner zentralen Lage bot Afghanistan in der Antike und im frühen Mittelalter ein Bild ausgesprochener religiöser Vielfalt; neben den Anhängern Zarathustras (der um 1200 v. Chr. am Südufer des Aralsees, nach anderer Lesart im heutigen Nordafghanistan wirkte und dessen Lehre sich in den folgenden Jahrhunderten über den iranischen Kulturraum verbreitet hatte) waren verschiedene Formen des Hinduismus verbreitet, dazu kam ab dem 1. Jh. vor Christus der Buddhismus, der unter der Kuschan-Dynastie zur beherrschenden Religion wurde und im Tal von Bamiyan großartige, von den Taliban leider 2001 zerstörte Monumente hervorbrachte.

Jüdische Kolonien in den Städten sind seit achämenidischer Zeit (um 500 v. Chr.) nachweisbar, später fanden der Manichäismus und das (nestorianische) Christentum weite Verbreitung, Herat und Kabul waren Bischofssitze.

Mit der ersten islamischen Eroberungswelle im frühen 8. Jh. n. Chr. änderte sich dieses bunte Bild, der Islam verdrängte die älteren Religionen zusehends. Die Osthälfte des heutigen Afghanistan widerstand der Islamisierung zunächst, dort konnten sich bis ins 11. Jahrhundert hinduistische Königreiche halten, die schließlich aber auch durch die türkisch-iranische Dynastie der Ghaznaviden erobert wurden.

Nur im äußersten Osten, in den unzugänglichen Tälern auf der Südseite des Hindukusch-Hauptkammes konnte bis Ende des 19. Jahrhunderts das Volk der Kafiren seinen alten, der altindischen vedischen Religion nahestehenden polytheistischen Glauben bewahren. Erst Emir Abdurrahman Khan konnte dieses Gebiet 1895/96 dem afghanischen Königreich einverleiben und gewaltsam islamisieren; zum Zeichen der Bekehrung der "Heiden" wurde ihr Land in Nuristan ("Land des Lichts") umbenannt.

Im heutigen Afghanistan bekennt sich nahezu die gesamte Bevölkerung (99 %) zum Islam, überwiegend in seiner sunnitischen Form, lediglich die Hazara und die kleine, im 18. Jahrhundert aus Persien eingewanderte Minderheit der Kizilbasch sind mehrheitlich Schiiten. Teile der "tadschikischen" Bevölkerung des Hindukusch- und Pamirgebietes bekennen sich zur schiitischen Ismaili-Sekte mit dem Aga Khan als Oberhaupt.

Die Beschäftigung mit dem Islam ist eine notwendige Voraussetzung für das Verständnis der afghanischen Kultur und Alltagswelt wie auch für jegliche Praxis vor Ort. Als allgemeine Einführung (wenn auch aus der Sicht gläubiger Muslime, nicht "objektiver" Religionswissenschaftler) empfiehlt sich islam.de; das heilige Buch der Muslime, der Koran, steht in der Intratext-Ausgabe in deutscher Übersetzung mit Konkordanzfunktionen online bereit.

Nicht-islamische religiöse Minderheiten gibt es heute nur noch in den größeren Städten, vor allem in Kandahar und Kabul; dabei handelt es sich nahezu ausschließlich um Hindus und Sikhs, die sich in den vergangenen Jahrhunderten als Kaufleute in Afghanistan niedergelassen haben. Die afghanischen Juden sind in den 1960er Jahren fast vollständig nach Israel ausgewandert.

Der afghanische Islam bot vor dem Krieg ein bei aller Frömmigkeit durchaus tolerantes Bild, was den Umgang mit religiösen Randgruppen angeht; die religiöse Praxis war vielerorts durch verschiedene Strömungen des Sufismus, der islamischen Mystik, geprägt. Die drei traditionell in Afghanistan einflussreichsten mystischen Orden sind die Naqshbandiyya, die Qadiriyya und die Chishtiyya. Während der Zeit der sowjetischen Besatzung spielten die Führer dieser Orden (z. B. Pir Sayyid Gailani von der Qadiriyya) teilweise eine prominente Rolle in der Widerstandsbewegung.

Ein damit nahe verwandtes Phänomen im afghanischen Islam ist die weit verbreitete volkstümliche Verehrung von Sufi-Heiligen, was der strengen orthodox-islamischen Lesart zuwiederläuft, da alleine Gott Anbetung gebührt; außerdem gibt es neben den organisierten Mystikern der großen Orden auch wandernde Derwische (Malang, Malamati), die einzeln oder in kleinen Gruppen das Land durchstreifen, ähnlich den hinduistischen Wander-Asketen (Sadhus) ihren Unterhalt durch Spenden der Bevölkerung bestreiten und häufig durch provozierendes Erscheinungsbild und unorthodoxe Anschauungen den Unmut des religiösen Establishments erregen.

Mit dem "Dschihad", dem Kampf der Afghanen gegen die "ungläubigen Eroberer" aus dem Norden, nahm jedoch die Tendenz sowohl zur politischen Instrumentalisierung des Islam wie auch zu einem rigiden, gesetzesorientierten Verständnis der religiösen Überlieferung zu, begünstigt durch das Eindringen puritanisch-fundamentalistischer Strömungen aus Saudi-Arabien (Wahhabismus) und dem indopakistanischen Raum (Deobandi-Schule) nach Afghanistan. Höhe- und Endpunkt dieser Entwicklung war das Taliban-Regime mit seiner in der Geschichte des Islam beispiellosen Strenge.

Sowohl für die Vorkriegszeit als auch für die Gegenwart gilt generell, das der Islam in Afghanistan in allen Volksschichten selbstverständlicher Bestandteil des alltäglichen Lebens ist; zwar sind in westlich beeinflussten städtischen Milieus, vor allem in Kabul und Herat, liberalere Auffassungen z. B. zur Rolle der Frau verbreitet, dezidierte Abkehr vom Islam oder gar Atheismus sind jedoch kaum bekannt, nicht einmal bei den ehemaligen Anhängern des kommunistischen Regimes.

Soziale Strukturen

Wie eingangs bereits erwähnt, ist die afghanische Gesellschaft durchweg traditional geprägt, moderne Strukturen waren auch vor dem Krieg nur in Ansätzen und lediglich in den größten Städten vorhanden. Besatzung, Bürgerkrieg und besonders das Taliban-Regime haben zu einer Re-Traditionalisierung Afghanistans geführt, zumal der größte Teil der "modernen" Elite des Landes ins Exil getrieben oder sogar zu Zehntausenden ermordet wurde.

Der traditionale Charakter der afghanischen Gesellschaft wird u.a. durch eine kaum vorhandene staatliche Durchdringung bedingt. Außerhalb Kabuls und der Provinzhauptorte tritt staatliche Verwaltung, sei es in Gestalt des Bildungswesens, bei der Aushebung von Rekruten für die Armee oder der Steuereintreibung nur wenig in Erscheinung und wird häufig als feindselig empfunden.

Wichtiger für die soziale Organisation der Landbevölkerung (zu der etwa 77 % aller Afghanen gehören) sind lokale Würdenträger, geistliche Führer, in manchen Landesteilen (etwa den usbekisch dominierten Nordprovinzen) auch Großgrundbesitzer, Dorf- und Clanälteste (rish safed, spingiri, wörtlich "Weißbärte").

Von einer straffen hierarchischen Ordnung kann aber auch auf regionaler und lokaler Ebene nicht die Rede sein, zum einen ist die Macht der örtlichen Honoratioren vergleichsweise begrenzt, zum anderen ist auch der Institutionalisierungsgrad solcher Positionen, insbesondere bei den Paschtunen, recht gering: ein khan oder spingiray verdankt seine Stellung von seinen Dorf- oder Stammesgenossen als vorbildlich (z. B. gemäß des Paschtunwali) angesehenenen Charaktereigenschaften wie Mut, Freigiebigkeit, Weisheit oder Frömmigkeit, die er täglich neu unter Beweis stellen muss, um sich seine Gefolgschaft zu sichern, nicht jedoch seiner Herkunft aus einer privilegierten Familie. Von einer afghanischen Adelsschicht kann daher strenggenommen nicht gesprochen werden, wiewohl sich natürlich khanan, malikan (Ortsvorsteher) etc. in manchen Familien häufen.

Unter den Bedingungen des Krieges verschoben sich allerdings die gesellschaftlichen Machtschwerpunkte auf regionaler und lokaler Ebene zu den Mujahedin-Kommandanten und -Parteiführern (wobei sich letztere allerdings zumeist im pakistanischen oder iranischen Exil aufhielten), neben den traditionellen afghanischen Tugenden wurde jetzt auch militärischer Erfolg und der Zugang zu ausländischer militärischer und finanzieller Unterstützung wichtig.

Diese Veränderungen wirken im Nachkriegs-Afghanistan fort und stellen vielerorts Hindernisse für den Aufbau einer zivil-demokratischen Gesellschaftordnung dar.

Für traditionale Gesellschaften ist es typisch, dass politische und wirtschaftliche Entscheidungen aufgrund des personalen Charakters von Herrschaft eher personen- als sachorientiert getroffen werden. Abstraktes, an räumlich und zeitlich übergeordneten Strukturen orientiertes Denken ist selten; in einem islamischen Land wie Afghanistan ist dies zum Teil durch religiös begründeten Fatalismus bedingt.

In der älteren Literatur über Afghanistan wird die afghanische Gesellschaft gewöhnlich als durch und durch autoritär, konformistisch und in rigiden Hierarchien gebunden beschrieben, als eine Welt, in der jegliche Regungen von Individualismus rigoros unterdrückt werden. Neueren Untersuchungen zufolge scheint dies am ehesten noch auf traditionale städtische Milieus zuzutreffen, in den ländlichen Regionen und vor allem bei den Nomaden ist dieser Autoritarismus weniger ausgeprägt, insbesondere die Paschtunen besitzen in ihrer Stammesverfassung eine Reihe von demokratischen und egalitären Elementen, die durchaus auch dem neuen Afghanistan zugute kommen könnten.

Für die - im Westen viel diskutierte - Rolle der Frau in der afghanischen Gesellschaft müssen ähnliche Klischees ebenfalls relativiert werden. Die totale Abschließung der Frauen (purdah) hinter hohe Lehmmauern und in die berüchtigte burkha, die Ganzkörperverhüllung mit Stoffgitter für die Augen, war vor dem Krieg ein Phänomen, das vor allem in konservativen städtischen ("kleinbürgerlichen") Milieus auftrat. Bei der Landbevölkerung war es unbekannt und angesichts der dortigen Lebensumstände (Feldarbeit der Frauen) auch gar nicht praktikabel. Die paschtunischen Nomadinnen lebten von allen traditionell lebenden Frauen in Afghanistan wahrscheinlich am freiesten, mangels fester Häuser ist purdah bei den kuchis, den Nomaden, nicht denkbar.

Erst der Krieg und die mit ihm einhergehende weitreichende Unsicherheit der Lebensverhältnisse, im Hinblick auf die Frauen müssen dabei die häufigen Entführungen und Vergewaltigungen durch fremde Kämpfer genannt werden, führten zu einer verstärkten Betonung der traditionellen islamischen Konzeption des Mannes als Beschützer der Frau (die purdah ist nicht koranischen Ursprungs, sondern geht auf persische und byzantinische Einflüsse zurück!). Dazu kamen dann vor allem natürlich zur Zeit der Taliban, aber tendenziell auch schon in den verschiedenen Mujahedin-Parteien der 80er und frühen 90er Jahre, rigide Vorstellungen über die Rolle der Frau in einer islamischen Gesellschaft, die vor allem durch aus Saudi-Arabien und Pakistan nach Afghanistan gekommene Kriegsfreiwillige verbreitet wurden.

Das Kulturleben

Illustration zum Diwan des Hafis, Herat 1523 (public domain)
Illustration zum Diwan des Hafis, Herat 1523 (public domain)

Afghanistan blickt auf eine lange, turbulente Geschichte zurück und beherbergt dank seiner Rolle als Durchgangsland zwischen Vorder-, Süd- und Zentralasien reiche, vielfältige Traditionen in Musik, Volkskunst, Architektur, Malerei und Literatur, um nur die wichtigsten Bereiche zu nennen.

Eine Abhandlung über die (moderne) paschtusprachige Literatur Afghanistans und der paschtunischen Gebiete Pakistans liefert Fazal-ur-Rahim Marwat. Einen historischen Überblick über die persische Literatur in Afghanistan bietet außerdem der Dichter, Schriftsteller und Literaturkritiker Latif Nazemi.

In der Zeit seit dem Sturz des Taliban-Regimes erlebte auch die zeitgenössische bildende Kunst in Afghanistan einen neuen Aufschwung, dabei teilweise an tradierte Formen wie Miniaturenmalerei anknüpfend.

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im September 2016 aktualisiert.

Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu den Themen:

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Eine anrührende, fiktive Geschichte erzählt der mehrfach ausgezeichnete Kurzfilm „HEAL“ des pakistanischen Regisseurs Mian Adnan Ahmad.

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