Schwieriger Alltag in Algerien
Währung
Algerische Dinar
Wechselkurs
124 pro € (offiziell, Juni 2016)
Zeitzone
UTC + 1
Landesvorwahl (Telefon)
+213
Klima (für Hauptstadt)
mediterran

Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen

Die Einreisebestimmungen sind so gestaltet, dass die Einreise dadurch nicht sehr erleichtert wird. Für Reisen nach Algerien muss rechtzeitig (mindestens 2 Wochen) vor Reiseantritt bei der algerischen Botschaft in Berlin oder beim algerischen Generalkonsulat in Bonn ein kostenpflichtiges Visum beantragt werden. Vorherige telefonische Auskunft sollte eingeholt werden. Antragsformulare sind bei der algerischen Botschaft in Berlin oder beim algerischen Generalkonsulat in Bonn erhältlich. Sie können auf der Webseite der algerischen Botschaft heruntergeladen werden.

Die algerische Botschaft erteilt Visa nach Auskunft des Auswärtigen Amtes nur noch, wenn Antragsteller ihre Reiseroute präzisieren und den Nachweis erbringen können, dass ein Reiseveranstalter mit der Organisation der Reise beauftragt wurde. Die Konsularabteilung der Algerischen Botschaft bzw. des Konsulats hält eine Liste mit Reiseveranstaltern bereit. Der Reisepass muss mindestens noch 6 Monate gültig sein, für Kinder sind eigene Reisedokumente erforderlich.

Restriktionen sind auch diejenigen unterworfen, die mit dem Kraftfahrzeug einreisen: wenn ein Fahrzeughalter sein Fahrzeug ohne Genehmigung durch den Zoll verkauft oder versucht, das Land ohne das Fahrzeug zu verlassen, mit dem er eingereist ist, drohen ihm hohe Geldstrafen, unter Umständen auch Haft. Das Fotografieren öffentlicher und besonders militärischer Einrichtungen ist streng verboten; Homosexualität ist strafbar. Drakonische Strafen stehen auch auf Drogenbesitz und -handel.

Zollbestimmungen können sich kurzfristig ändern und sollten vor Antritt der Reise überprüft werden.

Als Mitarbeiter der deutschen EZ ist das Büro der GIZ bzw. die deutsche Botschaft in Algier der erste Ansprechpartner, wenn es um die dauerhafte Installierung geht. Eine längere, berufsbedingte Aufenthaltsgenehmigung kann ohne Angabe von Gründen verweigert werden.

Wohnen und Versorgung

Der Wohnungsmarkt in Algerien, besonders in Algier, ist ein Anbietermarkt, Europäer müssen teilweise absurd überhöhte Mieten akzeptieren. Aus Sicherheitsgründen ist von als unsicher geltenden Gegenden und Stadtvierteln abzuraten; das eigene Kraftfahrzeug sollte nicht dauerhaft auf der Straße gelassen werden; ein sicherer Stellplatz ist sehr sinnvoll.

In Algier werden die im Bereich Hydra und El Biar liegenden Wohnviertel bevorzugt, weil es dort sicherer ist in dem Sinn, dass keine spontanen "émeutes", d.h. Ausschreitungen zu befürchten sind, die in den "quartiers chauds" im Zentrum in Meeresnähe eher vorkommen.  Außerdem liegen diese Viertel gerade nicht in Meeresnähe, sondern höher am Hang und sind dadurch kühler und besser durchlüftet. Die Mieten können je nach Anspruch stark variieren, für Familien, zumal mit Kindern, kommen aber eigentlich nur Häuser (Villen) in Betracht, die selten unter 3000 Euro im Monat zu haben sind, teilweise liegen die Mieten auch bei über 5000 Euro. Als  Einzelperson, insbes. mit reduziertem Komfortanspruch, ist es auch möglich, Objekte unter 1000 Euro monatlich zu finden.

Hinzu kommt, dass es nur wenige Parks und Grünflächen in Algier und den anderen Städten gibt. Der „jardin d'essai “ - wegen seines Dschungel-Ambiente ein Drehort von Tarzan-Filmen - bildet hier eine rühmliche Ausnahme, wird aber entsprechend bewacht und gepflegt. Darüber hinaus sind die Grünflächen in der Regel schlecht unterhalten und vielfach verwahrlost; Ihr Betreten kann sogar aufgrund der stark steigenden urbanen Kriminalität gefährlich sein.

Außerdem liegen viele Büros und Arbeitsplätze nicht in der Innenstadt, sondern in Hydra oder El Biar, so die deutsche Botschaft, das Goethe-Institut, die GIZ und die deutsch-algerische Handelskammer. Der Straßenverkehr in Algier ist chronisch verstopft; die Nähe der Wohnung zum Arbeitsplatz daher ein wichtiges Kriterium der Lebensqualität.

Der Mietvertrag muss  im Normalfall notariell beglaubigt werden, da der Vermieter diese Beglaubigung für die Steuer braucht (wobei die beim Notar beglaubigte Miete nicht immer der tatsächlich gezahlten Miete entspricht).

Was die Versorgung angeht, so gibt es zahlreiche Supermärkte, kleine Superetten und lokale Märkte. Frische Nahrungsmittel, Obst und Gemüse, sind nach unserem Eindruck auf den lokalen Märkten in guter Qualität zu bekommen, frischen Fisch gibt es nicht immer. An fleischlicher Nahrung werden in Algerien stark nachgefragt: Geflügel (Pute) wegen der relativen Erschwinglichkeit und sodann Hammel-, Lamm- und Rind- bzw. Kalbfleisch. In den "besseren" Stadtvierteln ist der hygienische Standard beim Fleischverkauf im Prinzip zufriedenstellend.

Alkohol wird in speziellen Geschäften verkauft, die fast ausschließlich von Kabylen betrieben werden, außer im Monat Ramadan - dann ruht der Alkoholverkauf.

Geld- und Geldtransfer

Der algerische Dinar ist nicht konvertibel und darf nicht ein- oder ausgeführt werden. Er wird in 100 Centimes unterteilt, die aber in der Praxis keine Rolle spielen, da der Wert eines Dinars ohnehin etwa dem Wert eines Cent entspricht, 100 Dinar also zur Vereinfachung wie 100 Cent betrachtet werden können (was in etwa dem offiziellen Kurs entspricht, derzeit (Dezember  2016) etwa 1:115).

Geldautomaten gibt es nur sehr wenige, der Umtausch an ihnen ist begrenzt (bis ca. 150 Euro). Größere Hotels und besser ausgestattete Restaurants akzeptieren die Zahlung per Kreditkarte (Visa). Die Einrichtung eines algerischen Bankkontos ist für Ausländer möglich, besonders wenn ein lokaler Arbeitgeber auf die Überweisung besteht. Es ist  jedoch nicht zwingend nötig, ein Konto bei einer algerischen Bank zu haben.

Reisen und Verkehr

Sehr sehenswert ist der Süden Algeriens um Tamanrasset - ein sehr lohnenswertes Reiseziel, wenn es sich um eine organisierte Wüstenreise mit lokalen Führern handelt (Touaregs) (sofern die Reisewarnung aufgehoben ist). Air Algerie fliegt nach Tamanrasset; dort muss der Ablauf der Reise von einer speziellen "agence de voyage" durchgeführt werden.

Im innerstädtischen Verkehr wird gern auf Taxis zurückgegriffen. Der Preis muss verhandelt werden (wenn es sich um längere Strecken handelt); das Taxameter ist gelegentlich kaputt oder der Taxifahrer weigert sich, es zu benutzen. Auch Busse sind eine Alternative, oftmals jedoch überfüllt. Nicht wenige Ziele lassen sich auch per Fuß erreichen, wobei wieder die Sicherheitsfrage zu bedenken ist.

Gegen Zugreisen spricht u.E. ebenfalls nichts (siehe Unterpunkt "Sicherheit").

Sicherheit

Derzeit wird vom Auswärtigen Amt von Reisen ins Landesinnere abgeraten, besonders in die Kabylei und nach Südalgerien in die Wüstengebiete (Teilreisewarnung). Darüber hinaus sind die jeweiligen Entsender - wenn es sich z.B. um Mitarbeiter der Botschaft oder der EZ handelt - gehalten, ihre Mitarbeiter entsprechend zu instruieren, so dass deren Bewegungsfreiheit auch von daher beschränkt ist.

Ohne Probleme zugänglich ist normalerweise die Gegend zwischen Algier und Tipaza, d.h. ein Streifen an der Küste von etwa 50km Länge.

Sofern es die jeweils aktuelle Sicherheitslage zulässt, kann man von Algier mit dem Zug nach Oran, Setif oder Bejaja fahren; eine angenehme und komfortable Form des Reisens.

Die Altstadt von Algier (Kasbah) sollte möglichst nur mit einem lokalen Führer betreten und durchquert werden, oftmals gesellt sich auch noch ungebeten Polizei dazu.

Aktuell gehaltene offizielle Sicherheitsinformationen sind auch von  britischer und US-amerikanischer Seite von Interesse.

Gesund bleiben

In Algerien sind gelegentlich einzelne Fälle von Malaria vorgekommen. Das Risiko ist aber minimal und rechtfertigt keine besonderen Maßnahmen. Das größere Risiko geht  von Nahrungsmitteln aus. Speiseeis z.B. wird im Zentrum von Algier in schmackhafter Qualität angeboten; es besteht aber grundsätzlich immer das Risiko von Magen- und Darminfektionen. Lebensmittel, die gekühlt werden müssen, waren möglicherweise aufgetaut, weil die Kühlkette nicht lückenlos war.

Die Entsendeorganisationen verlangen von ihren Mitarbeitern normalerweise Impfungen mindestens gegen Hepatits und Tetanus, ggf. zusätzliche Schutzmaßnahmen.

Landesspezifische Gesundheitshinweise finden sich auf folgenden Webseiten:

Leitungswasser ist möglicherweise ungefährlich, wegen der starken Chlorierung aber  unangenehm schmeckend. Mineralwasser ist in großen Mengen und in guter Qualität überall zu bekommen und sollte auch für Tee und Kaffee verwendet werden.

Bei Hundebissen sollte eine Überprüfung auf Tollwut stattfinden, wenn keine Prophylaxe vorhanden war.

Telekommunikation und Internet

Das Handy-Netz ist in Algerien zumindest in den großen Städten gut ausgebaut, wenn die Qualität auch zu wünschen übrig lässt. Es ist unproblematisch, eine algerische Handy-Nummer bei einem der drei großen Anbieter Djezzy, Nedjma (umbenannt in Oredoo) oder Telecom (Mobilis) zu bekommen. Unter Algeriern ist es üblich, die Handys mit Prepaid-Karten aufzuladen, die überall verkauft werden.

Die genannten Anbieter für Mobiltelefonie bieten mittlerweile auch Internet-Zugänge an. Die Preise sind  zwar nicht unerschwinglich, aber doch  eher hoch, besonders für eine höhere Datenfrequenz (je nach DSL-Qualität ca. 15 Euro monatlich aufwärts, derzeit 1-8 Mbit), die Qualität der Verbindungen für audiovisuelle Datenübertragungen meistens ungenügend, für Skype z.B. reicht es jedoch ohne Weiteres. Internet-USB-Sticks werden ebenfalls angeboten. Insgesamt ist das Land sehr Internet-affin. Die Zahl und Dichte der Internet-Cafés ist sehr hoch, die Dienstleistungen um das Internet herum, von der Hardware bis Website-Entwicklung, sind sehr vielfältig. Derzeit verfügen ca. 18,1% der algerischen Haushalte über einen Internet-Anschluss (2014) - nach anderen Quellen 2015 sogar 27,8% (11 Mio. User). Demnach sind auch 11 Mio. Algerier bei Facebook angemeldet - die Nutzung der sozialen Medien ist sehr ausgeprägt, z.B. zum Amusement.

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Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Dezember  2016 aktualisiert.

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