Heydar Aliyev Cultural Center
Anteil alphabetisierte Erwachsene
98,8%
Bedeutende Religionen
Islam (93 %, 2/3 Schiiten), Christentum 5 %
Städtische Bevölkerung
53,1 % (2016)
Lebenserwartung (w/m)
75,8 / 69,5 Jahre (2016, geschätzt)
Gender Inequality Index
Rang 68 von 159 (HDR 2016)
Anzahl der Geburten
1,9 / Frau (2016, geschätzt)
Kindersterblichkeit
24 /1000 Lebendgeburten (2016, geschätzt)

Die geographische Lage Aserbaidschans am Kreuzweg zwischen Orient und Okzident hat zur Verbindung verschiedener Zivilisationen und Kulturen geführt. Die Vielfalt ist Herausforderung und zugleich das Potenzial für die Schaffung einer neuen Identität der selbstbewussten aserbaidschanischen Nation.

Die Zuständigkeiten für unterschiedliche Bereiche von Bildung, Kultur, Gesundheits- und Sozialwesen ist auf verschiedene Ministerien und Staatskomitees verteilt:

Inter-ministerial co-operation

Field of activity Cooperation with
Funding for culture Ministry of Finance, Ministry of Taxes
Legislation on culture, copyright Ministry of Justice, Republican Authors' Rights Agency
Education, training and research in culture Ministry of Education Azerbaijan, National Academy of Sciences
Infrastructure provision, information-communication technologies Ministry of Economic Development, Ministry of Communications and Information Technologies, Ministry of Transport, State Urban Planning and Architecture Committee
Social welfare Ministry of Labour and Social Security of Population, Ministry of Health, State Social Protection Fund
Human resources Ministry of Youth and Sport, State Committee on Family, Women and Children's Issues, Civil Service Commission under the President of the Republic of Azerbaijan
Cultural minorities State Committee on Work with Religious Organisations
Parks and landscape planning Ministry of Ecology and Natural Resources
Statistics State Statistical Committee
International cooperation Ministry of Foreign Affairs, State Committee on Work with Diaspora, State Customs Committee, Azerbaijan National Commission on UNESCO
Security and Armenian aggression consequences Ministry of National Security, Ministry of Internal Affairs, Ministry of Defence, State Committee on Refugees and IDPs Affairs, Commissioner for Human Rights (Ombudsman) of the Republic of Azerbaijan
General administration Local executive authorities

Bevölkerung

Einwohner (zum 1. Jan. 2016): 9,706 Mio (davon 49,8% Männer; seit 2008 kehrte sich Abwanderung in Zuwanderung um) 

Anteil Stadtbevölkerung: 53,1%

Bevölkerungsdichte: 112 pro Quadratkilometer

Lebenserwartung (2016): Jahre 75,2 (Männer 72,7/Frauen 77,6). 

Kindersterblichkeit (Angabe 2016 für 2014): 10,2 auf 1000 Lebendgeburten.

Müttersterblichkeit (Angabe 2016 für 2014): 14,6 auf 100 Tausend

Altersstruktur (2016): 0 - 14 Jahre: 22,5 %; 15-64 Jahre: 71,3 %; 65 Jahre und älter: 6,2 %. Die Altersgruppe 14-29 macht 27% der Gesamtbevölkerung aus, über die Hälfte lebt in Städten.

Amtssprache: Aserbaidschanisch (eine südwestl. Turksprache, auch Azeri genannt; weltweit ca. 30 Mio. Sprecher), seit 1992 wurde vom kyrillischen zum lateinbasierten Alphabet übergegangen, welches seit 2001 verbindlich ist. Zusätzliche Kommunikationssprachen sind Russisch und Englisch (vor allem in der Hauptstadt).

Minderheitensprachen: Lezginisch, Awarisch, Tatisch, Russisch, Armenisch, Ukrainisch, Nord-Kurdisch, Griechisch, Persisch, Georgisch, Türkisch, u.a.

Alphabetisierungsrate: 99,8 Prozent der Bevölkerung über 15 Jahre (2016) können lesen und schreiben.

Ethnische Gruppen

Aserbaidschan ist das bevölkerungsreichste Land Südkaukasiens. Die Zahl der Einwohner Aserbaidschans ist laut offizieller Statistik zwischen 1995 und 2016 von 7,6 Mio. auf 9,7 Mio. gestiegen. Alle Bürger der Republik werden als „Aserbaidschaner“ bezeichnet auch wenn im Lande zahlreiche unterschiedliche Volksgruppen leben.

Die größte ethnische Gruppe stellen die turksprachigen Aserbaidschaner (Eigenbezeichnung: Azərbaycanlılar; auch: azərilər, Azərbaycan türkləri) mit 91,6 %. Auch im Iran leben viele ethnische Aserbaidschaner – ca. 16 % der iranischen Bevölkerung. Sie leben vor allem in der Region um Täbriz. In Georgien stellen sie mit 6,5 % der Gesamtbevölkerung die größte ethnische Minderheit; aus Armenien wurden sie bis Anfang der 1990er Jahre vollständig vertrieben (1979: rd. 160.000 Aserbaidschaner in Armenien, nach dem Einsetzen der Vertreibung zum Zeitpunkt der Volkszählung 1989: offiziell rd. 85.000). Die größte Diasporagruppe der Aserbaidschaner lebt heute in der Russländischen Föderation, Schätzungen gehen von 2-4 Mio. Menschen aus.

Ethnische Minderheiten in der Republik Aserbaidschan bilden: (Anteile in %): Lesgier 2; Russen 1,3; Armenier 1,3; Talyschen 1,3; Awaren 0,6; Türken 0,4; Tataren, Ukrainer jeweils 0,3; Zachuren, Georgier, Kurden, jeweils 0,2; Juden, Udinen, Taten jeweils 0,1, Krysen und Chinalugen (jeweils unter 0,1 %).

Zu Sowjetzeiten stellten die Russen die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe (1979: 7,9 %; 1989 absolut: 392 Tausend), aber aufgrund der starken Abwanderung nach 1990 liegt der Bevölkerungsanteil gegenwärtig unter 2 %. Auch viele Armenier lebten bis zur Eskalation des Berg-Karabach-Konflikts in Aserbaidschan, sie stellten mit rd. 390 Tausend die drittgrößte Ethnie auf aserbaidschanischem Territorium. Heute wird die Zahl der in Baku noch lebenden Armenier mit ca. 30.000 angegeben.

Bildung

Blick in eine Bücherei
Blick in eine Bücherei©Auch
Hörsaal der Bakuer Staatlichen Universität
Hörsaal der Bakuer Staatlichen Universität©Auch

Seit der Unabhängigkeit der Aserbaidschanischen Republik bildet die Bildungspolitik eine der wichtigen Säulen der Regierungspolitik.

Die allgemeine Schulpflicht beträgt derzeit noch 11 Jahre, soll jedoch wieder auf neun Jahre verkürzt werden. Kindergärten und Vorschulklassen sind ebenso üblich wie Privatlehrer. In jüngster Zeit wurden 20 Schulen für körperlich und geistig behinderte Kinder geschaffen. Die Analphabetenrate beträgt bei Männern 0,5% und bei Frauen 1,6%.

Ein neues Reformprogramm für die berufsvorbereitende Sekundarstufe wurde 2010-2013 erarbeitet. Bisher schließt sich an die vierjährige Grundschule die Sekundarschule mit zwei Abschnitten von zwei bzw. fünf Jahren an. Mit dem Abschluss letzterer (darunter auch 75 Lyzeen, 10 Gymnasien) erlangt der Abiturient die Zugangsberechtigung zum Hochschulstudium. Unterrichtssprache sind Aserbaidschanisch und vereinzelt noch Russisch. Russische, englische und türkische Ausbildungsabschnitte sind zulässig. Der Staatshaushalt 2015 wies für den Bereich Bildung 11,3 % des BIP aus.

An 53 Hochschulen und Universitäten (2015; davon 39 staatliche; die Staatliche Universität Baku (BGU) wurde 1919 gegründet) studierten 2014/15 158.212 Studenten.

Nach einer Zunahme der Zahlen von ausländischen Studierenden bis 2010/11 ging deren Zahl auf 3.698 (2014/15) zurück. Sie kommen überwiegend aus den Nachbarstaaten Türkei und Iran, aber auch aus Gorgien und Turkmenistan. Ein spezielles Staatliches Stipendienprogramm sollte bis 2015 jährlich rd. 1000 Aserbaidschanern Studien im Ausland ermöglichen (2014/5: 2.911, darunter 866 in der Türkei, 570 in GB, 325 in der BRD, 303 in der Russischen Föderation).

Zu den wichtigsten Hochschulen zählen die Staatsuniversität Baku und die Staatliche Erdölakademie. Qualitativ anerkannte Privatuniversitäten sind die Khazar University, die Qafqaz University (Baku Engineering University) und die Baku Slawic University. Sie belegen im Rating aller Universitäten die Plätze 1-3 (die Staatliche Universität mit den meisten Studenten Platz 12), bieten jedoch nicht den klassischen westeuropäischen Fächerkanon von Universitäten. Bevorzugte Fachrichtungen sind Geistes- und Sozialwissenschaften gefolgt von Wirtschafts- und Technischen Wissenschaften. Landwirtschaft und Naturwissenschaften stehen am Ende der Immatrikulationslisten.

Ab 1999 wurde gemeinsam mit Experten der Weltbank die Erarbeitung  eines "Reformprogramms für den Bildungssektor" in Angriff genommen. Zur Durchführung dieses Programms stellte die Weltbank einen Kredit in Höhe von fünf Millionen USD zur Verfügung. Dieses Programm beinhaltet die Reformierung der Lehrpläne, der Unterrichtsmethodik, des Monitorings und der Bewertung des Projektes. Ein spezielles Programm sieht die Ausstattung von Bildungseinrichtungen mit Computern und eine vollständige Vernetzung des Schulen vor.

Zugleich wurden internationale Kontakte verstärkt, um das nationale Bildungswesen stärker international einzubinden (Konventionen von Paris, Bangkok, Lissabon, des Europarates und der UNESCO). 2005 unterzeichnete Aserbaidschan die Bologna- Erklärung. Ein staatliches Stipendium förderte bis 2016 Studien im Ausland. Ein Schwerpunkt der Arbeit des am 19. April 2013 neu berufenen Bildungsministers Mikayil Jabbarov ist die Intensivierung der Auslandskontakte über die Öffnung von EU finanzierten Programmen wie ERASMUS. Seit 2017 arbeitet die HU Berlin im Rahmen von ERASMUS mit der ADA University und der BGU.

Die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) hat 44 Schulen in den aserbaidschanischen Distrikten Chysy, Devetschi und Siyasan renoviert und vier neue Schulen gebaut. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) hat seit 1992 mehr als 430 gemeinsame Programme durchgeführt. Ziel zukünftiger Zusammenarbeit im Bildungssektor ist die Unterstützung bei der Einführung des dualen Systems in der Berufsausbildung.

Gesundheitswesen

Mit dem Ende der UdSSR verschwand die kostenlose medizinische Grundversorgung. Sie wird fast nur noch von internationalen Hilfsorganisationen in den Flüchtlingslagern geleistet. Der Prozess der Privatisierung des Gesundheitswesens ist im Gange, Barzahlung für medizinische Leistungen ist unabhängig von der Eigentumsform der Einrichtung üblich. Die Zahl medizinischer Einrichtungen ist leicht rückläufig, die Zahl des medizinischen Personals erhöhte sich leicht, die Zahl der Ärzte blieb bei allerdings wachsender Bevölkerung relativ konstant (Versorgungsgrad: 37,7 : 10.000 Personen). Unterversorgt sind besonders die ländlichen Gebiete außerhalb der Halbinsel Apscheron. 2009 gab es in Aserbaidschan 775 (1995: 768) Krankenhäuser und 1.695 (1.779) Polikliniken. Anfang 2009 standen 32.503 Ärzte und 62.509 weitere medizinische Fachkräfte (Versorgungsgrad: 72,6 : 10.000) zur Verfügung. Häufigste Todesursache sind Herz- und Kreislauferkrankungen. Tbc, Hepatitis und Aids-Erkrankungen haben, wie Behinderungen unter Kindern und Jugendlichen, trotz internationaler Hilfsprojekte zugenommen. Der Staatshaushalt 2010 weist für den Bereich Gesundheit 4,3 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus.

Soziale Fürsorge

Das soziale Versorgungsnetz sieht Zahlungen für Mutterschaft, Alters- und Invalidenrenten, Ehrenpensionen und Sozialhilfen für Flüchtlinge und zwangsweise Vertriebene vor. Eine Reform wurde ab 2001 mit der Einführung neuer Pflichtversicherungen eingeleitet. Das Reformprojekt wird von der Weltbank im Rahmen der Armutsbekämpfung begleitet. 2004 bewilligte die WB 10 Mio. US$ für eine zehnjährige Phase. Insgesamt ist eine Begleitung über 35 Jahre vorgesehen. Verantwortlich für die Durchführung des sozialen Sicherungssystems ist der Staatliche Soziale Sicherungsfonds.

Die Höhe der monatlichen Grundrente blieb gering und wurde am 1. Sept. 2008 auf der Höhe des Mindestlohns von 75 Manat pro Monat festgelegt (2005: 25 Manat). Das Rentenalter wurde seit Jan. 2012 erhöht und beträgt 58,5 bei Frauen und 63 Jahre bei Männern. Anfang 2012 betrug der Durchschnittslohn 368,4 Manat, der Mindestlohn 93,5 Manat (bei einem errechneten Lebensminimum von 108 Manat), die Grundrente 93,5 Manat und das monatliche Kindergeld 20 Manat. Durch den Sozialfond Aserbaidschans werden an rd. 1,3 Mio. Personen Renten gezahlt, wobei nicht nur die Zahl der Alters- sondern auch der Invalidenrentner angestiegen ist. 23,7% aller Renten werden an immer jüngere Invaliden gezahlt. Da zwar die Renten heraufgesetzt wurden, aber zugleich die Preise explodierten, kann Alters- oder Behindertenarmut nur über intakte Familienbeziehungen gemildert werden. Offiziell wird die Zahl der unter der Armutsgrenze lebenden Familien mit 7% angegeben.

Der Staatshaushalt 2010 weist für soziale Sicherheit und Wohlfahrt 1,192 Mrd. Manat (34,4 % des Gesamtbudgets) aus. Wichtiger Geldgeber für diese Position des Staatshaushalts ist der Staatliche Erdölfond, der für Soziales 80 Mio Manat überweist und verschiedene Projekte für die Verbesserung der Lage in den Flüchtlingsregionen (v.a. Wasserversorgung) finanziert.

Kultur

Die Verschmelzung verschiedener Kulturen brachte in Aserbaidschan eine Symbiose hervor, die seit dem Ende des 19. und dem Beginn des 20. Jahrhunderts zugleich Orient und Okzident auf interessante Weise miteinander verbindet. Die neue aserbaidschanische Nationalkultur ist gegenwärtig dabei sich neu zu entdecken und auch zu erfinden. Die Voraussetzungen dafür sind mit einer reichen Tradition u.a. von Musik, Literatur, Tanz, Malerei, Theater und Film gegeben. Auf eine "Wiederentdeckung" wartet noch das reiche Kunsthandwerk. Wer neue Gebäude der Hauptstadt mit künstlerisch gestalteten Fassaden aus Sandstein, Holz und Metall, Teppiche in jedem Haushalt oder alten Schmuck bewundert, kann erahnen, welche Fähigkeiten die alten Handwerker Aserbaidschans auszeichneten. 

Sprache & Literatur & Publizistik

Keshan-Teppich 'Leila und Madschnun'
Keshan-Teppich 'Leila und Madschnun' © Arie M. den Toom (CC BY 3.0)
Karikatur 'The Turkish language'
Karikatur 'The Turkish language' - Molla Nasreddin magazine (on Azeri), published between 1906-1931 (public domain)

Aserbaidschanisch, das zur südwestlichen Gruppe der Turksprachen gehört, ist lt. Verfassung von 1995 Staatssprache. Bereits die Souveränitätserklärung von 1989 hatte dem Aserbaidschanischen diesen Status zuerkannt. Neben den Aserbaidschanern im Lande selbst sprechen bis zu 24 % der Einwohner Irans diese Sprache, weltweit sollen es ca. 30 Mio. sein. Auch einige Dialekte in der östlichen Türkei können dem Aserbaidschanischen zugerechnet werden. Die heutige Schriftsprache unterscheidet sich in ihrer Grammatik kaum vom Türkeitürkischen, wohl aber im Wortschatz. Die sprachliche Verwandtschaft begünstigt enge kulturelle, politische und wirtschaftliche Beziehungen mit der Türkei und mittelasiatischen Staaten.

Obwohl das Epos Dede Korkut aus dem 11. Jahrhundert stammt, hat sich eine eigene Literatur seit dem 13. Jahrhundert herausgebildet. Für das sogenannte Zeitalter der muslimischen Renaissance des 12. Jahrhunderts steht in Aserbaidschan insbesondere der Name des Dichters Nizami Gäncävi (1140-1209), der mit seinen fünf Poemen ("Hämzä") "Schatz der Geheimnisse", "Chosrow und Schirin", "Leili und Medschnun", "Die Sieben Schönen" und "Iskänder Namä" Weltruhm erlangte. Zugleich entwickelte sich seit Ende des 19. Jahrhunderts eine eigenständige aserbaidschanischsprachige Publizistik, die ihren Höhepunkt in der Satirezeitschrift "Molla Näzreddin" (1906-1931) fand und mit Wort und Bild Probleme des Alltags und der Weltpolitik aufgriff. Wie heute dieses Erbe aktiviert wird sieht man auf der Seite des aktuellen Karikaturistenwettbewerbs gleichen Namens.

Die aserbaidschanische Literatur wurde im Sinne der sowjetischen Nationalitätenpolitik im 20. Jahrhundert stark gefördert. Nachdem schon 1991 per Gesetz der vollständige Übergang zur Lateinschrift für das Aserbaidschanische bis 1993 verordnet worden war (der Versuch scheiterte), erging am 18. Juni 2001 ein Erlass des Staatspräsidenten zur Latinisierung der Massenmedien bzw. Publikationen bis zum 1. Aug. 2001, der zwangsweise durchgesetzt wurde. Seit 2005 gilt das lateinische Alphabet als allein verbindlich.

Bereits 1929 hatte das lateinische Alphabet die arabische Schrift abgelöst, 1939 wurde sie durch Kyrillisch ersetzt, 1958 erfolgte eine Modifizierung des Alphabets.

Russisch wird heute als interethnische Sprache bezeichnet, die international, neben Englisch, vor allem im Verkehr mit anderen GUS-Ländern, weiter eine wesentliche Rolle spielt. Bei der Volkszählung 1999 ergaben sich u. a. folgende Sprachanteile (in %): Aserbaidschanisch 90,3; Lesgisch 2,2; Russisch 1,8; Armenisch 1,5.

Musik & Tanz

Alle Musikrichtungen Aserbaidschans sollen ihre Wurzeln in der traditionellen Mugam-Musik haben. Die bekanntesten Vertreter der klassischen Musik sind u.a. Üzeir Hadzibäkov (1885-1948) und Kara Karaev.

Theater und Film

Opernhaus Baku©EMA
Opernhaus Baku©EMA
Film Jungfrauenturm(1924)
Film Jungfrauenturm (1924)
Erstes Filmstudio in Baku©Filmarchiv Baku
Erstes Filmstudio in Baku©Filmarchiv Baku

Der Grundstein des modernen aserbaidschanischsprachigen Theaters wurde im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gelegt, baute auf früheren Volksbelustigungen (Schattenspiele) und inszenierten Märtyrien-Spielen auf und geht auf Laienspiel von Schülern und Studenten zurück. Gefördert durch einheimische Mäzenaten entstand bereits vor der Wende zum 20. Jahrhundert ein erstes Opern- und Schauspielhaus und fanden Aufführungen auch in den Provinzen statt.
Die wichtigsten Bühnen von Baku sind der auch als "Baku Palace" bekannte Heydar Aliyev Palast, das Nationale Akademische Schauspielhaus und das Russische Schauspielhaus. Von Bedeutung ist auch der Staatszirkus in Baku. 

Poster eines der ersten aserbaidschanischen Filme: 'Das erste Öl in Balachany'
Poster eines der ersten aserbaidschanischen Filme :'Das erste Öl in Balachany' (public domain)

Nur zwei Jahre nach der Vorführung des ersten Film in Paris (1897) entstanden erste Filmaufnahmen in Baku, wo am 8. Januar 1898 die erste Filmvorführung in der aserbaidschanischen Filmgeschichte stattfand. Einer der ersten Filme des Kameramanns Alexander Michon war "Das erste Öl in Balachany", der 1900 auf der Weltausstellung in Paris gezeigt wurde. 1915 wurde durch die Brüder Pirone eine erste Filmproduktionsgesellschaft "filma" gegründet.
Verantwortlich für die Entwicklung und Förderung des aserbaidschanischen Films ist die Azerbaijan Film Commission.

Literatur: ein Aserbaidschaner in Deutschland

Buchcover der deutschen Übersetzung von 1992
Buchcover der deutschen Übersetzung von 1992

Ein Prinz aus dem Morgenland war Lev Nussimbaum zwar nicht, aber als Essad Bey und Kurban Said inszenierte er sich als Abenteurer und Erfolgsautor auf internationalem Parkett. 1905 als Sohn eines Ölmagnaten in Baku geboren, verschlug die russische Revolution Lev nach Berlin, wo er zum Islam konvertierte, Orientalistik studierte und in den zwanziger Jahren zum Star-Autor, unter anderem des noch heute verlegten Bestsellers und aserbaidschanischen "Nationalepos" „Ali und Nino“ aufstieg. Der Roman wurde in 33 Sprachen übersetzt.
Nach einem Intermezzo in New York zog er nach Wien, floh vor den Nazis nach Italien und starb schließlich einsam und verarmt in Positano. 

Kunst

"Roboter vor einer sowjetischen Maschinenfabrik" von Rena Effendi, Ausstellung"Steps of Time. Zeitgenössische Kunst aus Aserbaidschan" in Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, 2008
"Mondnacht" 1987, von Javad Mirjavadov (1923-1992), Öl auf Leinwand, Staatliche Gemäldegalerie, Aserbaidschan

Die Kunstszene Aserbaidschans ist vielfältig wie die Landschaft und das multiethnische und multireligiöse Leben des Landes.

Kunsthandwerk & Volkskunst

Kunsthandwerker
Kunsthandwerker (© Eva-Maria Auch)
Täbristeppich im Musée des Arts Décoratifs in Paris
Täbristeppich im Musée des Arts Décoratifs in Paris (gemeinfrei)

In der traditionellen Handwerkskunst ist die Teppich-Weberei in der aserbaidschanischen nationalen Kultur von herausragender Bedeutung.

Sport

Werbung für den Pferdesport
Werbung für den Pferdesport (Quelle: Auch)

Die Geschichte des Sports in Aserbaidschan hat seit der Unabhängigkeit und vor allem mit wachsenden materiellen Ressourcen eine positive Entwicklung genommen. 1992 wurde das Nationale Olympische Komitee Aserbaidschans gegründet. Schon bei der ersten Teilnahme an Olympischen Sommerspielen 1996 in Atlanta gewann der Ringer Namik Abdullaev im Freistilringen bis 52 kg eine Silbermedaille. Bei den Sommerspielen von Sydney, Athen und Peking gewannen Aserbaidschaner weitere 15 Medaillen. Bei Winterspielen blieb der Medaillensegen seit der ersten Teilnahme 1998 in Nagano bisher noch aus. Bei den Paralympischen Sommerspielen haben aserbaidschanische Sportler dagegen schon insgesamt 15 Medaillen gewonnen, darunter viermal Gold. Zwar versuchte der aserbaidschanische Fußballverband (AFFA) seit seiner Neugründung 1992 mit Hilfe von deutschen Trainern und Personal schnell an die internationale Klasse anzuschließen, bisher aber nur mittelmäßigen Erfolg. Der bekannteste Deutsche ist sicherlich der ehemalige Trainer der aserbaidschanischen Nationalmannschaft der Herren, Berti Vogts, der von 2008 bis 2014 auf der Trainerbank saß. Der deutsche Fußballlehrer Bernhard Lippert trainiert die U-21 Nationalmannschaft der Herren und Sissy Raith ist Trainerin der U-17 und U-15 Frauennationalmannschaft. Derzeit rangiert die Fußballnationalmannschaft der Herren auf Platz 76 in der FIFA-Weltrangliste (Stand: Juni 2017). In den letzten Jahren traf die aserbaidschanische Fußballnationalmannschaft insgesamt fünf Mal auf die DFB-Auswahl, die alle Spiele gewinnen konnte. Aserbaidschan fungiert immer wieder als Austragungsort internationaler Wettkämpfe. Im Oktober 2011 fand in Baku die Boxweltmeisterschaft der Herren (AIBA) statt. 2012 richtete das Land die U-17 Fußballweltmeisterschaft der Frauen aus. Baku bewarb sich zudem um die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2016 und 2020. Im Juni 2015 fanden unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in Aserbaidschan die ersten Europaspiele statt, die jedoch von deutschen Politikern aufgrund der Menschenrechtslage gemieden wurden. Verantwortlich zeichnete das Ministerium für Jugend und Sport sowie das Olympische Komitee Aserbaidschans, welches unter Schirmherrschaft der First Lady agierte.

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Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Juli 2017 aktualisiert.

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