Hafen in Baku
BIP
75,2 Mrd. US-$ (2015) - 64 Mrd. US-$ (2016 gesch.)
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
16.710 US-$ (6/2016)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 78 (von 188 ), 2016
Anteil Armut (unter 3,1 $ pro Tag)
0 % (2016)
Wirtschaftl. Transformationsindex (BTI)
Rang 72 (von 129), 2016

Industrie

Pipelines am Kaspischen Meer
Pipelines am Kaspischen Meer
Karte Pipelines Südstream
Karte Pipelines Südstream © Pechristener (CC BY-SA 2.0)

Bis zur weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise hatte Aserbaidschan die höchsten Wachstumsraten weltweit; das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu laufenden Preisen verneunfachte sich seit 2004, das Prokopfeinkommen versechsfachte sich. Damit gehörte das Land zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften weltweit. Betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Mitte der 1990er Jahre nur 2-3 Mrd. USD, war es 2004 bereits auf knapp 9 Mrd. angewachsen. Von 2005 bis 2008 wurden jährliche Wachstumsraten von durchschnittlich 21 % erzielt. 2008 lag das BIP bei rund 40 Mrd. USD und konnte 2012 auf rund 69,7 Mrd. USD, gesteigert werden. Für 2013 wurde die Höhe mit 73,6 Mrd. USD angegeben,  2014 betrug es 62,8 Mrd. USD. Innerhalb von 15 Jahren wuchs das jährliche Pro-Kopf-Einkommen der Aserbaidschaner von rund 300 USD auf weit über 6.000 USD, stagnierte jedoch und ging 2016 deutlich zurück (2013: 7.912 - 2015: 7.884 - 2015: 6.116).

Hintergrund war vor allem der anhaltende Preisverfall in der Erdölbranche. Bekam 2010 Aserbaidschan pro Barrel Rohöl im Durchschnitt 79 US$, waren es 2014 sogar 101 US$, seit 2015 brach der Preis um über 50 Prozent ein. Laut nationalem Zollkomitee sanken die Exporte des Kaukasusstaates 2015 um 47,7% auf 11,4 Mrd. US$ und ist erst seit 2017 wieder langsam im Ansteigen. Im Zeitraum von 2017 bis 2021 könnte Aserbaidschans Wirtschaft dann wieder durchschnittlich um rund 1,9% pro Jahr zulegen.

Eine wichtige Rolle soll dabei die Diversifizierung der Wirtschaft im Nichterdölbereich und die Regionalentwicklung spielen. Im Jahr 2012 beobachtete - lt. Ministerium für Statistik - Aserbaidschan im Nichtölsektor bereits ein Wachstum von 9,7%, im Landwirtschaftsbereich von 5,8%, im Tourismussektor von 18,8%, in der Informationstechnologie von 15,9% sowie im Transportsektor und der Güterbeförderung von 5%. Diversifizierung der Wirtschaft, Ausbau des Landes zum Transportkorridor und Förderung der Landwirtschaft bei einer regen Investitionstätigkeit im Ausland sind Grundlinien der aserbaidschanischen Wirtschaft.

Gleichzeitig stiegen weiterhin die Investitionen: 2012 wurden 22,1 Mrd. US-Dollar investiert, davon 13,3 Mrd. US-Dollar durch inländische und 8,8 Mrd. US-Dollar durch ausländische Investoren. Die kumulierten ausländischen Direktinvestitionen betrugen in Aserbaidschan seit der Unabhängigkeit ca. 140 Mrd. USD. Für 2015 wird seitens der Regierung ein Anlagevolumen von 25,2 Mrd. USD prognostiziert (davon inländische: 18,3 Mrd., ausländische 6,9 Mrd.). Hauptinvestitionen wurden im Kontext der ersten Europäischen Olympischen Spiele (Juni 2015) und der Ko-Finanzierung von Projekten zum Ausbau des Gasexports nach Südeuropa getätigt. Zukünftig soll das Investitionsniveau in der Höhe von 2015 verbleiben, wobei stärkere private Investitionen erwartet werden, Ausländische Investitionen werden weiterhin für den Ausbau der Infrastruktur (Wasser/Abwasser/Bewässerung, Transport, Energie) erwartet.

Der 2015/16 gestiegene Reformdruck äußert sich in Schritten wie Einfuhrzollbefreiungen auf Maschinen und Ausrüstungen für in Industrieparks ansässigen Unternehmen und gezielte Förderung der Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie. Die  "Entwicklungsstrategie bis 2020" definiert folgende Schwerpunkte für den Agrarsektor:

  • Erleichterung des Kreditzugangs
  • Ausweitung privater Servicestellen für Agrartechnik
  • Ausbau landwirtschaftlicher Versicherungen
  • Verbesserung des Angebots an Agrartechnik (Ausweitung von Leasing-Angeboten) sowie an Dünge- und Saatmitteln
  • Weiterentwicklung des Bodenmarktes
  • Förderung der Kooperation von Bauern
  • Ausbau der Be- und Entwässerungssysteme
  • Förderung einer umweltfreundlichen Landwirtschaft
  • Aufbau moderner Lagerhallen
  • Regulierung von Saisonpreisen
  • Förderung der Agrarexporte

Bodenschätze und Rohstoffe

In Aserbaidschan gibt es rd. 350 abbauwürdige Vorkommen an Eisen- (Vorrat: ca. 145 Mio. t), Kupfer- (ca. 104 Mio. t), Molybdän-, Baryt- u. a. Erzen im Kleinen Kaukasus sowie von Gold (in sieben Provinzen des Landes), Alunit (ca. 130-162 Mio. t), Quecksilber (ca. 180.000 t), Silber, Zink, Kadmium, Kobalt, Marmor, Schwefelkies (Pyrit), Steinsalz, Bauxit usw., von denen bisher nur rd. 100 erschlossen sind. Die „Anglo-Asian Mining Company“ (Kädäbäy, ehemals Firma Siemens Kedabeg) hat im Juli 2009 die Goldproduktion aufgenommen und schon rd. 15.000 Unzen bis zum Jahresende 2009 gewinnen können. Mineralwasser und medizinische Ölvorkommen aus Naftalan dienen Heilzwecken.

Wichtigster Bodenschatz ist das qualitativ hochwertige Erdöl. Die erste Bohrung (Ölquellen waren schon im Altertum bekannt) erfolgte 1847, die planmäßige Förderung begann 1871, die Förderung auf offener See wurde 1947 aufgenommen. Um 1900 entfielen über 95 % der russischen und fast 60 % der Welterdölförderung auf den Raum Baku. In Anbetracht dessen, dass ca. 50 % der Erdölvorkommen auf den alten Feldern als erschöpft gelten, liegen die größten Hoffnungen auf neue Ressourcen im Kaspischen Meer (aktuell 98 % aller lokalisierten Erdölvorkommen). Nach jüngsten Berechnungen betragen die Erdölvorkommen im aserbaidschanischen Sektor des Kaspischen Meeres, dessen Aufteilung und Status völkerrechtlich noch nicht geregelt ist, mehr als 14 Milliarden Barrel (über 1,9 Milliarden t) und 850-1.370 Mrd. m³ Erdgas (BP 2008: 7 Mrd. Barrel). Experten gehen davon aus, dass Aserbaidschan bei einem Ölpreis durchschnittlich von USD 50 pro Barrel für die nächsten 20 Jahre zusätzliche Staatseinnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft in Höhe von USD 150 bis 175 Milliarden einnehmen würde. Derzeit legt der Staatshaushalt 80 USD pro Barrel zugrunde.

Den aserbaidschanischen Ölsektor beherrschen meist westliche Unternehmen (vor allem BP) und die State Oil Company of the Azerbaijan Republic (SOCAR: 67.000 Beschäftigte). 1994 leitete Aserbaidschan mit der Unterzeichnung des „Jahrhundertvertrages" zur Erschließung des Offshore-Feldes Azeri-Cırağ-Güneşli (ACG) eine neue „Ölzeit“ ein. Die Förderung aus dem ACG-Feld soll bis 2029 (Ende der Vertragslaufzeit) langsam abflachen. Die Gesamtkosten des Projekts werden mit 14 Mrd. US$ angegeben. Von den inzwischen 26 Production Sharing Agreements (PSA), die Aserbaidschan mit ausländischen Fördergesellschaften abgeschlossen hat (vorgesehene Investitionen: 60 Mrd. US$), erlangten bisher nur zwei entscheidende ökonomische Bedeutung: ACG (BP-geleitetes Konsortium) mit ca. 5,4 bis 7,0 Mrd. Barrel Erdöl- und 100 Mrd. m³ Gasreserven sowie das Erdgasfeld Shah Deniz mit 400-700 Mrd. m³ Gasreserven und 110 Mio. Tonnen Ölkondensat. In das Gasprojekt Shah Deniz (Phase 2) werden 2014-2018/19 bis zu 45 Mrd. USD investiert. Bis Oktober 2014 war neben BP auch die norwegische Statoil im Öl- und Gassektor Aserbaidschans aktiv. Es erfolgte der Verkauf sämtlicher Anteile an PETRONAS aus Malaysia für 2,25 Mrd. US-Dollar. 

Nachdem die Ölförderung Aserbaidschans bereits seit der Öffnung der Baku-Tbilisi-Ceyhan (BTC)-Pipeline 2006 deutlich angestiegen war, hat sich seit 2008 vor allem die Produktion von Erdgas erhöht. 2013 und 2014 wurden je rd. 43 Mio. t Öl und Gaskondensat gefördert, marktfähiges Gas 2014: rd. 16 Mrd. . Durch die Installation zusätzlicher Förderplattformen auf dem größten Gasfeld "Shah Deniz" legt die Kaukasusrepublik die Grundlage für den weiteren Ausbau ihrer Position als Gasexporteur mit Optionen auf verschiedene Lieferrouten. Seit Ende 2006 wird das Gas des Schah Deniz-Feldes über die 692 km lange Pipeline Baku-Tbilisi-Erzurum (BTE) in die Türkei geleitet. Im September 2014 erfolgte der offizielle Start für den südlichen Gaskorridor TANAP. Bis 2020 wird sich die Förderung von Erdgas in Aserbaidschan nach Einschätzung der staatlichen Ölgesellschaft des Landes (SOCAR) mindestens auf rund 30 Mrd. m3 verdoppeln. Allein das Produktionsvolumen der größten Lagerstätte Shah Deniz - 2013 ca. 9 Mrd. m3 - wird mit der Verwirklichung der Stufe 2 des Projektes ab 2014 auf bis zu 20 Mrd. m3 steigen (notwendige Investitionen ca. 16 Mrd. bis 20 Mrd. US$, gesicherte Reserven laut SOCAR 2 Billiarden m³, wahrscheinliche Vorkommen 5 Billiarden m3).

Geringere Steigerungsraten sind im Erdölbereich zu erwarten: durch den Bau zusätzlicher Förderplattformen auf dem von BP betriebenen großen aserbaidschanischen Ölfeld Azeri-Chiraq-Güneshli (ACG) soll das derzeit erreichte Niveau der Produktion in den Jahren nach 2015 gesichert werden. Im Frühjahr 2009 hat sich der Konzern mit dem amerikanischen Unternehmen KBR auf den Bau einer neuen Plattform auf dem Chiraq-Feld verständigt. Am 14. September 2017 unterzeichnete Aserbaidschan mit dem internationalen Konsortium ACG eine Verlängerung des "Jahrhundert-Vertrages" bis 2050. Vorgesehen sind ca. 40 Mrd. US-Dollar an Investitionen. Der Anteil der aserb. SOCAR soll sich auf 25% der Anteile erhöhen. Derzeit sind die britische BP mit 35,78%, die amerikanische Chevron (11,27%), ExxonMobil (8%), die indische ONGC (2,72%), SOCAR (11,65%), die japanische Inpex Corp. (10,96%) und ITOCHU Oil (4,3%), die norwegische Statoil (8,56%) und die türkische TPAO (6,75%) beteiligt. 

Pipelines (Angabe 2016 für 2014): Erdgas 3.875, Erdöl 1.527 km (ein Rückgang seit 2012 durch Reparaturarbeiten an Trassenabschnitten). Der Raum Baku ist durch Erdölpipelines mit Noworossijsk, Supsa (Georgien; seit 1999; 456 km) und seit 2005 über Tbilisi (Georgien) mit dem türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan verbunden (BTC-Pipeline; 442 der 1.767 km Streckenlänge verlaufen auf aserbaidschanischem Gebiet). Parallel zur BTC-Pipeline besteht seit 2006 die Erdgaspipeline BTE (Baku-Tbilisi-Erzurum; auch South Caucasus Pipeline/SCP; Gesamtlänge: 960 km, 442 auf aserbaidschanischem Gebiet) in die Osttürkei. Durch die Baku-Tblissi-Ceyhan (BTC)-Pipeline fließen derzeit etwa 750.000 bis 800.000 Barrel Erdöl am Tag (bpd). Daneben benutzt Aserbaidschan für den Export auch die nach Nordwesten führende Route von Baku zum russischen Schwarzmeerhafen Novorossisk (teilweise als Gemisch unter dem Handelsnamen Urals). Die Kapazität der seit 1999 bestehenden Ölpipeline von Baku zum georgischen Hafen Supsa beträgt derzeit 145.000 bpd (Erhöhung auf rund 200.000 bpd geplant). 2010 -2012 wurde eine Gaspipeline in das Grenzgebiet von Iran mit einer Kapazität von 18 Mio. m³ über 200 km gebaut (Sangachal-Azadkent-Astara). Seit 1971 ist Aserbaidschan mit Iran über die Gazi Magomed – Astara – Bind – Biand - Gas-Pipeline verbunden, die 296,5 km über aserbaidschanisches Territorium führt und der Versorgung iranischer Nordprovinzen dient. Das Projekt zum Bau der Nabucco-Gaspipeline, an welchem die deutsche RWE bis 2012 beteiligt war und über 3.300 km über die Türkei und den Balkan bis nach Wien führen sollte, wurde am 28. Juni 2013 zugunsten der TAP (Trans-Adria-Pipeline) und TANAP auf "Eis gelegt". Über die Südkaukasische - Transanatolische und Transadria-Pipline werden zunächst zehn, später 20 Mrd. Kubikmeter Gas vom Kaspischen Meer bis nach Süditalien geliefert. Bisher (2013) exportiert SOCAR insgesamt 24.224 Mio Tonnen Erdöl, davon 19.748 Mio Tonnen über die BTC-Pipeline, 2014 waren es 45.784 Tausend Tonnen  Öl und 15.750 Mio Tonnen Gas, die über alle Pipelines transportiert wurden. 

Energie

Aserbaidschans Stromerzeugung (Kapazität 2006: 5.300 MW) betrug 2014 24,7 Mrd. KWh (23,4 aus Heiz- und 1,3 aus Wasserkraftwerken). Die Störanfälligkeiten und Übertragungsverluste blieben ein anhaltendes Problem; zunehmend suchen Kleinverbraucher vor allem im ländlichen Bereich nach Alternativquellen. Alternative Energieformen in Aserbaidschan (Wind, Sonne) sind – auch mit deutscher Hilfe - in der Erprobungsphase. Bislang wird Elektrizität noch importiert: 2008 waren es 143 Mio. KWh (aus Russland), während 786 Mio. KWh exportiert wurden (Georgien).

Die gesamte Industrie hatte 2014 einen Anteil an der Erzeugung des BIP von 41,5 Prozent  (2007: 59,5 %), davon erbrachte jedoch allein die Öl- und Gaswirtschaft mehr als die Hälfte. 2014 entfielen auf die insgesamt 1,916 Mio. Beschäftigten des industriellen Sektors immer noch 35% auf den Bergbau (2012: 36,8%), gefolgt von der Bau- und Lebensmittelindustrie sowie textil- und petrochemischen Branche. Baku ist ein Schwerpunkt der Zulieferindustrie für den Erdölsektor (Förder- und Verarbeitungseinrichtungen für Erdöl) sowie der Petrochemie bzw. der chemischen Industrie, auch in Sumqayıt ist die chemische Industrie (Düngemittel, Kautschuk) bedeutend, in Scheki (Şäki) dominieren die Nahrungsmittelindustrie und weitere Zweige der Leichtindustrie. Der Maschinenbau, die chemische Industrie, die Elektrotechnik, die Schwarz- und Buntmetallurgie sowie die Textil-, Fischkonserven- und Baustoffindustrie waren in Aserbaidschan zu Sowjetzeiten gut entwickelt. Durch langen Stillstand wurden Anlagen oft unbrauchbar. Wieder aufgenommen wurde die Produktion elektrischer Geräte von Kühlschränken und Klimaanlagen bis zu Maschinen zur Verarbeitung von Agrarprodukten (Alkohol, Fleisch- und Milchprodukte), wo teilweise erhebliche Zuwachsraten erreicht wurden, die jedoch in der Statistik durch die Übermacht der Bergbausektor und des Bauwesens kaum ins Gewicht fallen. Das Land verfügt über zwei Ölraffinerien. Internationale Kreditprogramme wie die der Weltbank, bemühen sich um die Finanzierung der Modernisierung auch von Klein- und Mittelbetrieben.

Baugewerbe

Einer der prosperierenden Zweige ist das Baugewerbe, in den vergangenen drei Jahren wurden Wachstumsraten von 23-26% erreicht, 3,91 Mrd. USD getätigt. 2010/11 erbrachte es 7 - 10% % des BIP.

1997 wurde das staatliche Monopol aufgehoben, seit 2007 obliegt dem Staatlichen Komitee für Katastrophenschutz die Aufsicht über die Bautätigkeit, nachdem es zu zahlreichen schweren Einstürzen und Unfällen gekommen war. Offiziell waren 72 Tausend Beschäftigte in der Branche tätig, die Dunkelziffer liegt weit höher. Beklagt werden Schwarzarbeit und katastrophale Arbeitsschutzbedingungen. Während seit 2002 die ausländischen Investitionen stark rückläufig waren, stiegen seit 2001 (mit leichtem Einbruch 2004) inländische (staatliche und privat) Investitionen im Baugewerbe. Letztere betrafen auch den Wohnungs- und Gesellschaftsbau, der 2008 19,7 % des Gesamtvolumen erreichte (2004: 8,4 %), seitdem jedoch stagniert. Stark zugenommen haben Investitionen in Hotelbauten und ehrgeizige Projekte der Regierung ("White Town") zur Umwandlung Bakus in eine "Weiße Stadt". Als Auftraggeber für den Bau und die Rekonstruktion von Schulen und Sozialeinrichtungen agiert u.a. der Staatliche Erdölfond und die Häydar Äliyev Stiftung unter Führung der Präsidentengattin Mehriban Äliyeva. Tausende Schulen und Krankenhäuser wurden in den letzten fünf Jahren auf diese Weise neu gebaut oder modernisiert.

Bauboom in Baku (© Eva-Maria Auch)
Bauboom in Baku (© Eva-Maria Auch)

Land- und Forstwirtschaft

Fleischangebote auf dem Basar
Fleischangebote auf dem Basar (© Auch)
Wodka-Wein-Weinbrand - wichtige Exportgüter
Wodka-Wein-Weinbrand - wichtige Exportgüter (© Auch)
(3) Weideabtrieb bei Lagitsch
(3) Weideabtrieb bei Lagitsch (© Auch)

Die Land- und Forstwirtschaft sowie das Fischereiwesen hatte trotz steigendem Produktionsvolumen einen Anteil sinkenden Anteil am BIP (2000: 15,9 %; 2006: 6.9 %; 2008: 5,8 %; 2014: 5,3%), was vor allem auf die besondere Rolle des stark angewachsenen Rohstoffsektor zurück zu führen ist. 2015 wurde jedoch eine Steigerung auf 9,8 % ausgewiesen. Jedoch waren 2015 immer noch 38 % (1997: 29 %; 2005: 39,2 %) aller Beschäftigten im Agrarsektor tätig. Fast die Hälfte der Bevölkerung (2015: 46,5 %) lebt auf dem Lande. Die landwirtschaftliche Nutzfläche betrug 2015 4,77 Mio. ha (davon 4,577 Mio. ha Acker- und Weideflächen). Haupterzeugnisse der als unterentwickelt geltenden Landwirtschaft sind Tierprodukte, Obst (auch Trockenfrüchte, Nüsse) und Gemüse sowie Getreide, Kartoffeln und Baumwolle. Die führende Position in der Obstproduktion der ehem. UdSSR (25 % des Aufkommens an Weintrauben, 17 % bei Tabak) hat Aserbaidschan eingebüßt, Tee- und Tabakanbau gingen extrem zurück, sollen jedoch wieder gefördert werden. Tendenziell werden die Erzeugnisse der Kleinerzeuger zunehmend aufgekauft. Moderne Verarbeitungsbetriebe wurden gebaut, die jedoch kaum ausgelastet sind und teilweise mit Importen (Alkohol, Tee, Tabak) überwiegend für den russischen Markt produzieren. Angestiegen ist der Getreideanbau, der inzwischen eine Eigenversorgung in normalen Erntejahren ermöglicht. Mit der Folge starker Überweidung wuchsen die Viehbestände. Nach der Ende offiz. 2001 praktisch abgeschlossenen Privatisierung der Landwirtschaft ist deren weitere Entwicklung vor allem von einer technischen Modernisierung sowie der Organisation von Lagerung, Verarbeitung und Absatz abhängig. Das Staatliche Programm (2004-2008) zur sozio-ökonomischen Entwicklung der Regionen der Republik Aserbaidschan sah eine Förderung der Landwirtschaftsbetriebe vor, aber die Haushaltsmittel blieben, wie die Vergabe von Privatkrediten, begrenzt. Problematisch sind auch Abhängigkeiten vom Ausland: So muss das Land fast den ganzen Bedarf an Düngemitteln und landwirtschaftlichen Maschinen durch Importe decken. Der internationale Absatz von Agrarprodukten erfolgt traditionell in Russland und über türkische Zwischenhändler. Bis 2018 soll die Agrarproduktion durch umfassende Reformen jährlich um 4% gesteigert werden. Das Exportpotenzial wird mit bis zu 6 Mrd. $ angegeben. Profitieren könnte Aserbaidschan dabei auch von den Sanktionen gegen Nahrungsmittelimporte aus westlichen Staaten sowie der Türkei in die Russländische Föderation. Gleichzeitig wurden 2016 Einfuhrerleichterungen für Weizenimporte erlassen. 

Internationale Unterstützung für den Agrarsektor erhält Aserbaidschan vor allem über die Weltbank. Noch bis Mitte 2016 wird das "Projekt zur Unterstützung des Wasserverbraucherverbandes" (Water Users Association Development Support Project) umgesetzt. Ziele sind ein effektiveres Wassermanagement und die Sanierung von Bewässerungs- und Abwassersystemen auf Bauernhöfen mit einer Gesamtfläche von 85.000 ha. Die gesamten Projektkosten belaufen sich auf 114,3 Mio. $, der Weltbank-Anteil auf 80,0 Mio. $. Das "Zweite Investmentprojekt für ländliche Regionen" der Weltbank ist auf den Ausbau der Infrastruktur ländlicher Gemeinden sowie die Erhöhung der Mobilität und der Einkommen der Landbevölkerung ausgerichtet. Von den Kosten in Höhe von 86,5 Mio. $ übernimmt die Weltbank 50,0 Mio. $. Der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD), ein UNO-Ableger, unterstützte den aserbaidschanischen Agrarsektor bisher mit fünf Projekten und Programmen (Fördervolumen: 67,4 Mio. $). Im Oktober 2014 sagte der Fonds weitere 125 Mio. $ für die Entwicklung von Wertschöpfungsketten in der tierischen Produktion zu. Aktuelle Informationen zum aktuellen Entwicklungsprogramm bis 2010 stellt die Seite des Landwirtschaftsministeriums zur Verfügung.

Agrarproduktion (2014; 1.000 t): Getreide 2.412; Kartoffeln 1.075,3; Gemüse 1.214,4; Baumwolle 50,8; Trauben 104,4; Früchte und Beeren 708,5; Tabak 2,0; Zuckerrüben 159,9 (2005 34,8); Tee 0,21: Rind-, Schaf-, Geflügelfleisch 144,1; ; Milch 1.369,6; Eier 578 Tausend Stück.

Quelle: State Statistical Committee of the Republic of Azerbaijan (SSCA)

Forstwirtschaft 

2014 waren 12,1 % der Fläche Aserbaidschans (1.040 T. ha) bewaldet. Holzreserven (2009): 141.8 Mio. m³ (2001: 133). Überweidung, Waldbrände und unkontrollierter Holzeinschlag stellen die größten Gefahren dar. Selbst geschlagenes Brennholz bleibt ein wichtiger Energieträger, vor allem auf dem Lande. Als besonders gefährdet gelten die ausgedehnten Nussbaumwälder im Nordwesten des Landes, die bei wachsendem Bauboom Holzhändlern zum Opfer fallen. Im Süden, an der Grenze zu Iran, finden sich die endemischen Hyrkanischen Wälder des Talysch-Gebirges (mit über 150 Gehölzarten die reichsten Wälder Europas). Abzuwarten sind die Ergebnisse ehrgeiziger Aufforstungsprojekte vor allem auf der Halbinsel Apscheron.

Fischerei 

Die Fangmenge betrug im Jahr 2010 17 432 Tonnen, davon aus Aquakulturen 222 t (FAO); Allerdings weist die Statistik für 2014 ein starkes wertmäßiges Wachstum des Fischfangs von 81 567 Tausend Manat (2010) auf 194.583 Tausend Manat (2014) aus, was vor allem auf die gestiegenen Preise für Frischfisch zurück geführt wird, aber auch im Zusammenhang mit dem Ausbau von Aufzuchtstationen und industrieller Fischzucht steht; es gibt eine bedeutende Fischverarbeitung aus Fängen im Kaspischen Meer (vor allem Kaviar und Stör). Im Rahmen einer Vereinbarung der Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres wurde nach dem fast völligen Zusammenbruch der Störaufzucht seit 1998 ein Programm zur Rehabilitation der Bestände erarbeitet, das ständig erweitert, jedoch wegen spezifischer Interessen der Anrainerstaaten nur punktuell erfüllt wird. Anstrengungen in Aserbaidschan gelten vor allem der Wiederherstellung der Laichgebiete im Fluss Kür und der künstlichen Aufzucht von Jungfischen.

Infrastruktur & Dienstleistung

Infrastruktur

Seit 1993 werden im Rahmen des von der EU initiierten Transport Corridor Europe-Caucasus-Asia (TRACECA) internationale Anstrengungen zum Ausbau der Verkehrswege zwischen Europa und Asien unternommen. Die südkaukasischen und die zentralasiatischen GUS-Länder bekundeten 1999 in einer gemeinsamen Erklärung ihren Willen zur Kooperation im Sinne der alten Seidenstraße. 2000-2008 stieg hier der Warentransport von 29,1 Mio. auf 48,715 Mio. t, wobei 25,738 Mio. t Aserbaidschan per Eisenbahn durchquerten. 2010 belief sich der Warentransport auf dieser "neuen Seidenstraße" in Aserbaidschan auf 51,6 Mio. Tonnen, wobei 21,7 t auf Straße, 20,5 Mio. Tonnen auf Eisenbahn und 9,3 Mio. Tonnen auf die Schifffahrt entfielen.

Straßen: Am 1. Jan. 2009 gab es im Lande 59.141 km Straßen (davon 29.210 km asphaltiert). Um das regionale Wirtschaftswachstum zu fördern hat die Regierung 2005-2010 rund 5 Mrd. USD in das Straßennetz investiert. Die Weltbank unterstützte seit 2001 mit knapp 1 Mrd. USD. Fertiggestellt wurde die vierspurige Trasse von baku nach Gäncä, die bis zur georgischen Grenze ausgebaut wird.

Eisenbahnen: Der größte Teil des Frachtverkehrs entfällt auf Eisenbahnen. Aserbaidschans Eisenbahnnetz umfasst rd. 3000 km, davon 2 099 km Transportwege (1 271 elektrifiziert). Die Hauptstadt Baku ist mit Tbilisi (Georgien), Machatschkala in Dagestan (Russland) und Astara an der Grenze zu Iran durch Schienenverkehr verbunden. Die Schienenverbindungen nach Armenien, Nachitschewan und in die armenisch besetzten Gebiete Aserbaidschans sind unterbrochen. 1997 wurde der Passagierzugverkehr von Baku nach Moskau wieder hergestellt und ein solcher nach Kiew (Ukraine) aufgenommen. Von Nachitschewan aus ist Täbris (Iran) per Eisenbahn erreichbar. Obwohl der Personenverkehr den Wert von 1995 (8,955 Mio.) noch nicht wieder erreicht hat, steigt die Zahl der Fahrgäste an (2008: 6,394 Mio. Passagiere), die Frachtleistungen der Aserbaidschanischen Eisenbahnen (AZ; gegründet 1992 in Nachfolge der fr. sowjetischen Eisenbahnen) stiegen zwischen 1995 (2.409 Mio. Frachttonnenkilometer) und 2006 (11,06 Mio.) und lagen 2008 bei 10,021 Mio. Frachttonnenkilometern. In Baku wurde 1967 eine U-Bahn in Betrieb genommen (zwei Linien mit zusammen 31,5 km Länge). Der Straßenbahnverkehr (2000: 35,9 km) wurde 2004, die Trolleybuslinie (285 km) 2007 völlig eingestellt. Der öffentliche Verkehr stellt somit vor allem in Baku ein großes Problem dar.

Pipelines: 2002: 4.225 km -  2008: 5.293 davon 1.857 Erdölpipelines, 672 BTE-Gaspipeline.

Schifffahrt: Baku ist einer der größten Häfen der fr. UdSSR, der bis 2016 ausgebaut wurde; die Schifffahrt auf dem Kaspischen Meer ist von regionaler (Verbindungen nach Astrachan in Russland, mit Turkmenbaschi [fr. Krasnowodsk] in Turkmenistan [Fährdienst seit 1962] sowie mit Bandar Anzali und Bandar Nowshar/Iran) und über den Wolga-Ostsee-Kanal von weiter reichender Bedeutung. Der Hafen kann 15 Mio Tonnen Flüssigfracht und 10 Mio T Trockenfracht umschlagen. Die Handelsflotte besteht aus nur noch 80 Schiffen, darunter 43 Erdöltanker, 37 Containerschiffe und 7 Eisenbahnfähren. 30 km von Baku entsteht derzeit die Werft Caspian Shipyard. An dem 465 USD teuren Projekt ist auch das Staatliche Erdölunternehmen SOCAR beteiligt.

Luftfahrt: Aserbaidschan besitzt drei internationale Flughäfen.

Insgesamt gab es 2009 34 Flugplätze (27 mit befestigter Rollbahn, drei davon mit einer Landebahn über 3000 m) und einen Hubschrauberlandeplatz. 2007/8 wurden Modernisierungsarbeiten an den Flugplätzen in Gjandscha (Gänchä), Zaqatala und Astara abgeschlossen, so dass nun eine Anbindung an des internationalen Flugverkehr möglich ist. Staatliche Fluggesellschaft ist Azerbaijan Airlines (AZAL; Azerbaijan Hava Yolları; gegründet 1992; fr. Azalavia; unternimmt Linien- und Charterpassagierflüge in andere GUS-Länder, in weitere Staaten Europas, nach Afrika, Südostasien und in den Mittleren Osten; Frachttochter: Cargo Air Company/CAC). Zudem gibt es IMAIR Airlines (gegr. 1995; regelmäßige Passagier- und Frachtcharterflüge) und Turan Air (gegr. 1994; Linien- und Charterflüge für Passagiere und Fracht), die beide vor allem im Gebiet der ehem. UdSSR operieren. 2008 leistete Aserbaidschans Zivilluftfahrt auf Linienflügen 1,991 Mrd. Passagierkilometer und 129 000 Tonnenkilometer (Beförderung von 1,396 Mio. Passagieren und 43.000 t Fracht). 21 Flugzeuge gehören (Okt. 2009) zur Azalflotte (darunter 5 Airbus, 6 Tupolew), 7 Flugzeuge wurden bestellt, davon 6 Boing. Der Bakuer Flughafen wurde bis 2013 um ein neues Terminal und eine verlängerte Startbahn erweitert.

Finanzdienstleistungen   

Die Zentralbank (National Bank of Azerbaijan, seit März 2009 Central Bank of Azerbaijan/ Verfassungsänderung) entstand 1992; sie übt auch die Bankenaufsicht aus. Auf der Basis eines 2005 verabschiedeten Präsidialerlasses wird die Privatisierung der Joint Stock Banken voran getrieben: Die„Kapital Bank“ wurde 2008 vollständig privatisiert, die Privatisierung der „International Bank of Azerbaijan“ wurde fortgesetzt. 2007 wurde von ca. 200 Banken mit ihren Filialen gesprochen, im Zuge der internationalen Finanzkrise und staatlicher Eingriffe ist der Bankenmarkt immer noch in Bewegung. Ende 2008 gab es vier ausländische Banken (Litauen, Frankreich, Deutschland, Türkei), 46 Banken waren offiz. registriert. 23 Banken arbeiteten mit Auslandskapital (durchschn. 28%). Das Netz der Filialen in den Provinzen wurde ausgebaut. Im Rahmen der von Weltbank und IWF (IMF) geforderten und durch das TACIS-Programm der EU unterstützten Wirtschaftsreformen nahm die Professionalität der Geldinstitute zu. Ein Schwerpunkt deutsch-aserbaidschanischer Entwicklungszusammenarbeit ist die Entwicklung des Kreditwesens durch Maßnahmen der Finanziellen und Technischen Zusammenarbeit (FZ bzw. TZ) in den Bereichen Mikrofinanzbank, Deutsch-aserbaidschanischer Fonds und Unterstützung des Privatkundengeschäfts. Die 2002 gegr. Microfinance Bank of Azerbaijan (MBA) fördert Kleinunternehmen. Die Bankbranche zählt zu den prosperierenden Bereichen in Aserbaidschan (Kapitalvolumen 1. Jan. 2009: umgerechnet 10,27 Mrd. US$).

Zu den prosperierenden Geschäftsbereichen gehört das Versicherungswesen. 28 Versicherer (63,68 Mio. Manat Kapital, davon 88 % staatlich), jeweils 6 Joint ventures bzw. ausländische Firmen, bieten 35 Versicherungsarten, 9 davon sind Pflichtversicherungen.

Tourismus

Sommerpalast des Chans von Schäki (18. Jh.)
Sommerpalast des Chans von Schäki (18. Jh.) © Auch
Landkarte mit touristischen Zielen
Touristische Ziele (Quelle:Heydar Aliyev Foundation)
Teestube in der Karawansaraj in Schäki
Teestube in der Karawansaraj in Schäki © Auch

Das touristische Potenzial Aserbaidschans ist äußerst vielfältig, jedoch ist die touristische Infrastruktur noch sehr problematisch. 2006 wurde die Erarbeitung eines Strategischen Programms zur Entwicklung des Tourismus 2007-2016 in Angriff genommen. Hohe Steigerungsraten auf niedriger Ausgangsbasis verzeichnen Investitionen im Hotel- und Gaststättenwesen. 2010 waren 200 Tourismusunternehmen (2002: 39) mit fast 2000 Beschäftigten registriert, 2016 waren es 272, darunter 12 ausländische und 7 gemischte Gesellschaften. Sie erwirtschafteten 36,75 Mio. Manat (2003: 2,248 Mio.). Zur Verbesserung des Service wurde ein Tourismus-Institut gegründet, welches durch deutsche CIM-Kräfte unterstützt wird und mit der österreichischen Universität Krems kooperiert.

Während auch der Binnentourismus in Bewegung gekommen ist, verdoppelte sich die Zahl ausländischer Besucher (mit Geschäftsreisenden) von 2000-2005 auf ca. 1,26 Mio. Personen und erreichte 2008 die Zahl von 1,9 Mio. Sie kommen – neben den westlichen Fachkräften, die mehrfach dienstlich einreisen - mehrheitlich aus anderen GUS-Ländern, aber zunehmend auch aus asiatischen Staaten und dem Iran. Ein regelrechter Boom aus arabischen Staaten ist zu verzeichnen (Unterhaltungstourismus). Eine Reihe internationaler Hotelketten (Fours Seasons, Hilton, Hyatt, Interkontinental, Kempinski, Radisson und Sheraton) sind im Land vertreten und bedienen einen een Event-Tourismus.

Auf der englischsprachigen Seite des aserbaidschanischen Ministeriums für Kultur und Tourismus finden sich erste Informationen für potenzielle Touristen, verwiesen sei hier auf den deutschsprachigen Reiseführer von Oppeln/Hübner, der 2016 in dritter Auflage erschien. Jährlich findet Ende April eine Internationale Tourismusmesse in Baku statt.

Entwicklungszusammenarbeit

Internationale Zusammenarbeit

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wies für 2005 öffentliche Entwicklungshilfe (ODA) an Aserbaidschan in Höhe von (netto) 223 Mio. US$ aus (Anteil am Bruttonationaleinkommen: 2,0 %; bilateraler Anteil an der Brutto-ODA: 56 %). Hauptgeber der Brutto-ODA sind die zur Weltbankgruppe gehörende International Development Association (IDA) und die USA. Die privaten Nettozuflüsse gab die OECD für 2004 bis 2009 mit ca. 40 Mrd. US$ an. Seitens der EU flossen 1992-2006 insgesamt rd. 400 Mio US$, davon ca. 150 Mio. US$ im Rahmen des TACIS-Programms der EU.
Schwerpunkte der internationalen Unterstützung bei der Umsetzung des State Programme on Poverty Reduction and Economic Development 2003-2005 waren der Ausbau des Energiesektors (über 80 % aller Investitionen), Wirtschaftsreformen, Armutsbekämpfung sowie das Gesundheits- und Bildungswesen. Schwerpunkt der europäischen Zusammenarbeit mit den Staaten des Südkaukasus ist die Umsetzung des Aktionsplans der Europäischen Nachbarschaftspolitik (ENP). Im Rahmen des ENPI-Abkommens 2007-2013 sind für Aserbaidschan 92 Mio. Euro vorgesehen (Georgien 120,4 Mio., Armenien 98,4 Mio.). Ergänzt wurde das Instrument durch die „Östliche Partnerschaft“ (7. Mai 2009, Prag), in dessen Rahmen die Mittel für die Europäische Nachbarschaftspolitik der Europäischen Union für sechs Nachfolgestaaten der UdSSR (Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Moldawien, Ukraine, Weissrussland) verdoppelt werden sollen. Seit 2010 wurden mit einigen dieser Staaten Gespräche über Assoziierungsabkommen mit der EU aufgenommen.
Dieser regionale Ansatz wird durch bilaterale Programme mit den einzelnen Staaten gefördert.

Deutsche Zusammenarbeit

Ausgangspunkt für die Zusammenarbeit der deutschen Bundesregierung mit den drei Staaten des Südkaukasus (Armenien, Aserbaidschan, Georgien) ist die Kaukasus-Initiative, die vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in 2001 ins Leben gerufen wurde. Die Kooperation setzt die Schwerpunkte Auf- und Ausbau des Rechtssystems, Stärkung der kommunalen Demokratie, des Energiesektors, der Privatwirtschaft, Tbc-Bekämpfung sowie  Schutz von Bioreservaten. Im Rahmen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Aserbaidschan erhielt dieses Land bisher insgesamt 300,5 Mio. Euro; hiervon entfielen 160 Mio. Euro auf Projekte zur finanziellen und technischen Zusammenarbeit (FZ bzw. TZ; Verbesserung der kommunalen Infrastruktur, insbesondere der Wasserversorgung in Scheki [Säki] und Gjandscha [Gändschä], Aufbau eines Retailbankensystems, Hilfen zur Ernährungssicherung, Errichtung eines Kreditgarantiefonds). Aktuelle Arbeitsgrundlage für die Zusammenarbeit zwischen der EU und Aserbaidschan ist das Nachbarschaftsabkommen vom 14. Nov. 2006 (Strategiepapier Ost 2007 – 2013) mit den Schwerpunkten Verkehrs- und Energietransportnetze, Umweltschutz, Forstwirtschaft, Grenzsicherung, Steuerung Migration, Zollwesen, Bekämpfung organisierter Kriminalität, Förderung Zivilgesellschaft und Austausch, Beseitigung explosiver Kriegsdelikte. Schwerpunkt der Kooperation mit Aserbaidschan im Bereich der Nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung ist u.a. die Diversifizierung der aserbaidschanischen Wirtschaft im Nicht-Erdöl/gassektor. Im vereinbarten Schwerpunkt Energie stehen die Erzeugung erneuerbarer Energien, Schaffung grenzüberschreitender Stromverbunde und der Klimaschutz im Fokus. Im Sektor Umwelt konzentriert sich die aserbaidschanisch-deutsche Zusammenarbeit auf die Naturparkförderung und den Schutz der Biodiversität. In diesem bereich ist insbesondere die Michael-Succow-Stiftung aktiv. Das Schwerpunktprogramm Demokratie, Kommunalentwicklung und Rechtsstaat unterstützt Aserbaidschan in seinem Transformationsprozess hin zu rechtsstaatlichen Strukturen und einer nachhaltigen kommunalen Infrastruktur sowie lokaler Demokratie.

Im Rahmen der Partnerschaft mit dem Südkaukasus engagiert sich die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Aserbaidschan mit den Schwerpunkten

  • Nachhaltige Wirtschaftsförderung
  • Demokratie, Kommunalentwicklung und Rechtsstaat
  • Umwelt und Natürliche Ressourcen

Aktiv sind in Aserbaidschan auch das Centrum für Internationale Migration und Entwicklung (CIM) und die politischen Stiftungen, wie die Konrad-Adenauer-Stiftung mit ihrem Regionalprogramm Politischer Dialog Südkaukasus, die Friedrich-Ebert-Stiftung mit einem Fokus auf Förderung der Zivilgesellschaft und der Medienfreiheit, die Friedrich-Naumann-Stiftung mit Fokus auf der Förderung einer liberalen Demokratie, die Heinrich Böll Stiftung und die Hanns-Seidel-Stiftung.

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