Voodoo Festival Ouidah, Chiefs (Ausschnitt) © Willem Heerbaart, CC BY 2.0
Alphabetisierte Erwachsene
38,4 % (2015, geschätzt)
Bedeutende Religionen
Christentum 43,8 %, Islam 25,5 %, Vodoun
Städtische Bevölkerung
44 % (2015)
Lebenserwartung (w/m)
63 / 61 Jahre (2016, geschätzt)
Gender Inequality Index
Rang 142 von 155 (2014)
Anzahl der Geburten
4,86 / Frau (2016, geschätzt)
Kindersterblichkeit
54 / 1000 Lebendgeburten (2016, geschätzt)

Ethnizität und Sprachenvielfalt

Siedlungsgebiete der größten ethnischen Gruppen
Siedlungsgebiete der größten ethnischen Gruppen (public domain)

Benin ist durch eine außerordentliche ethnische, regionale und linguistische Vielfalt geprägt. Es werden etwa 60 verschiedene Völker gezählt, die bis heute ihre eigenen Sprachen und ihre kulturelle Identität bewahrt haben. Die abgebildete Karte der ethnischen Gruppen Benins gibt einen ersten Überblick über die räumliche Verteilung der ethnischen Gruppen, wobei markante Disparitäten in der Bevölkerungsdichte bestehen. Etwa zwei Drittel der Gesamtbevölkerung leben auf gerade 15 % der Staatsfläche im Süden.
Wie in fast allen westafrikanischen Ländern leben, bedingt durch die willkürliche koloniale Grenzziehung, auch in Benin viele der Ethnien in zwei oder gar mehreren Staaten.
In den Veröffentlichungen der Ergebnisse des Zensus von 2002 (bei der Volkszählung 2013 wurden die ethnischen Gruppierungen nicht mehr ausgewiesen) wurden die 61 gezählten ethnischen Gruppen in folgende Großgruppen zusammengefasst:

̣▪ Fon und verwandte ethnische Gruppen: 39,2 %
Adja und verwandte Gruppen: 15,2 %
▪ Yoruba und verwandte Gruppen: 12,3 %
Baatombu (Bariba) und verwandte Gruppen: 9,2 %
▪ Fulbe und verwandte Gruppen: 7 %
▪ Bètammaribè und verwandte Gruppen: 6,1 %
▪ Yom, Lokpa und verwandte Gruppen: 4 %
▪ Dendi und verwandte Gruppen: 2,5 %
▪ Andere ethnische Gruppen (darunter auch Europäer, Libanesen): 1,6 %
▪ Nicht weiter spezifiziert: 2,9 %

Die meisten Migranten in Benin stammen aus den Nachbarländern, davon 34,8 % aus dem Niger, 22,1 % aus Togo und 20,5 % aus Nigeria. Meistens sind es Männer, die als Arbeitsmigranten in das Land kommen.

Detaillierte Informationen zur linguistischen Vielfalt Benins und deren Einordnung in die großen afrikanischen Sprachen finden Sie auf den Websites der beiden christlichen amerikanischen NRO SIL International (Ethnologue) und des Joshua Projects, auf denen Sprachproben zu hören und Fotos zu sehen sind. Die dort gemachten Zahlenangaben zu den Sprechern der jeweiligen Sprache müssen jedoch insofern relativiert werden, als die Mehrsprachigkeit des überwiegenden Teils der beninischen Bevölkerung dort nicht berücksichtigt ist. So ist zum Beispiel das Dendi, ein Songhai-Dialekt (z.B. Ethnologue: 30.000 Sprecher) mit Ausnahme des Atakoragebirges die Markt- und Verkehrssprache des gesamten Nordens.

Die Regierung startete im Oktober 2013 mit einer Initiative, die nationalen Sprachen als Unterrichtssprache an den Grundschulen einzuführen. Nach den Angaben der Frankophonie wurde die Amtssprache Französisch im Jahr 2010 von 2 984 000 Personen  gesprochen, was knapp 30 % der Gesamtbevölkerung entspricht. 

Traditionelle Herrscher und soziale Klassen

Der König von Ketou © Otto Frick
Der König von Ketou © Otto Frick

Wie in vielen Ländern Afrikas ist auch für Benin die Kluft zwischen der armen Bevölkerungsmehrheit und wenigen Wohlhabenden kennzeichnend. Über 30 % der Bevölkerung lebt unterhalb der absoluten Armutsgrenze, Tendenz steigend. Der Mangel an Arbeitsplätzen in den Städten zwingt viele Beniner dazu, sich im informellen Sektor zu betätigen oder sich gleichzeitig mit mehreren Jobs über Wasser zu halten.

In vorkonialer Zeit gab es in Teilen Benins kastenähnliche Bevölkerungsgruppen, denen bestimmte Tätigkeiten und ein bestimmter Platz innerhalb der sozialen Hierarchien zugewiesen war. In Nordbenin waren z.B. die Gando die Sklaven der Fulbenomaden. Die heute in Benin als kulturell eigenständig lebende Gruppe musste damals für die Fulbe die Felder bestellen.

Überall in Benin, wie z.B. in Kétou, kann man sog. "Könige" in ihren Palästen besuchen, doch das Königtum ist weniger ein Relikt vorkolonialer Strukturen als eine Folge des 'scramble for Africa' nach der Berliner Konferenz von 1884/85, bei der festgelegt worden war, dass eine Besetzung nur bei gültigen Verträgen mit lokalen Autoritäten anerkannt würde. So wurden lokale und regionale Herrscher als ‚Könige' betitelt, um den Verträgen größere Bedeutung zu verleihen. Die traditionellen Herrscher Benins wurden aufgrund ihrer Funktion als lokale Vertreter der Kolonialverwaltung (chef de canton) schon vor der Unabhängigkeit von einer neuen einheimischen politischen Elite der Komplizenschaft mit den Franzosen beschuldigt. Ihr politischer Einfluss wurde Anfang der 1960er Jahre durch verschiedene Dekrete eingeschränkt. In dem jungen Staat mussten Dorfchefs nun gewählt werden. Die Zugehörigkeit zur lokalen Aristokratie war kein Kriterium mehr, welches Anwärter auf ein lokales Amt erfüllen mussten. Insgesamt blieb die Stellung der 'chefferie traditionelle' bis zur Machtübernahme durch Kérékou 1972 aber ambivalent: Einerseits wurden die während der Kolonialzeit eingesetzten Kantonchefs nach und nach durch gewählte Vertreter ersetzt, andererseits hatten sie offiziell weiterhin eine beratende Funktion. Sie verstanden es in vielen Fällen, auch die neuen politischen Ämter zu kontrollieren, indem sie auf Basis ihrer ungebrochenen Autorität innerhalb der lokalen Bevölkerung Mitglieder ihrer Familie in wichtige Ämter wählen ließen. Die repressive Politik des sozialistischen Regimes zwischen 1972 und 1990 gegenüber der 'chefferie traditionelle' war Teil einer ideologisch motivierten, breit angelegten Kampagne gegen traditionelle Institutionen und als rückständig angesehene Praktiken wie Hexerei und Ahnen- und Geisterkult. Die Diskriminierung der als ‚Ausbeuter' angesehenen dörflichen Oberschicht ist als Legitimationsstrategie der neuen Machthaber zu sehen. Dabei kam es jedoch keineswegs zu einer vollständigen Zerschlagung der Aristokratie, sondern eher zu einer empfindlichen Schwächung. Wichtige Aufgaben wie die Steuererhebung wurden ihr entzogen und ihre informellen juristischen Befugnisse abgeschafft. Darüber hinaus durfte beim Tod eines Königs kein Nachfolger inthronisiert werden, wodurch während den 1970er und 1980er Jahren viele traditionelle Herrscherämter vakant blieben. Viele traditionelle Autoritäten bedauern den nachhaltigen Bedeutungsverlust der lokalen Aristokratien zwischen 1972 und 1990. Im Zuge der Demokratisierung nach 1990 und der damit einhergehenden Rehabilitierung von Opfern politischer Unterdrückung und Verfolgung während der Alleinherrschaft der sozialistischen Einheitspartei setzte eine Re-Legitimierung traditioneller Institutionen ein. Im ganzen Land kam es zur Wiederbesetzung vakanter Ämtern der 'chefferie traditionelle'. Gleichzeitig entstanden neue sogenannte ‚Königtümer' auf lokaler Ebene, die vor der Revolution lediglich den Status einer untergeordneten Vertretung hatten. Auf nationaler Ebene gründete sich der Conseil des Rois du Bénin als Interessensvertretung der traditionellen Herrscher. Immer wiederkehrende Forderungen nach einer gesetzlich verankerten Integration der Häuptlingsämter in der kommunalen Verwaltung wurde allerdings bisher nicht nachgegeben. Traditionelle Herrscher bilden daher bis heute eine in ihrem Einfluss oft unterschätzte Parallelstruktur zur staatlichen Administration.

Migrationsbewegungen

Migration in Benin © M. Doevenspeck
Migration in Benin © M. Doevenspeck

Etwa 45 % der Landesbevölkerung lebt in den Städten. Bevölkerungswachstum und steigende Armut treibt immer mehr Menschen aus ihren strukturschwachen Dörfern in die Städte. Vor allem die Randgemeinden der Cotonou-Agglomeration, wie Abomey-Calavi, haben enorme Zuwachsraten. Neben der Abwanderung in die Städte spielen aber vor allem intrarurale Wanderungsbewegungen eine wichtige Rolle. Während in Benin mittlerweile die Binnenwanderungen überwiegen und sich das Land auch verstärkt zum Zielgebiet grenzüberschreitender Migration entwickelt, war die beninische Bevölkerung, insbesondere während der 1960er und 1970er Jahre, in die Makromuster internationaler Arbeitsmigration in Westafrika eingebunden. Die wichtigsten Zielländer waren Ghana und Nigeria.
Nachdem die internationale Arbeitsmigration nach Ghana, Côte d'Ivoire und Nigeria Ende der 1960er bzw. Mitte der 1980er Jahre abnahm, prägen heute neben den Land-Stadt-Wanderungen insbesondere ländliche Binnenmigrationen die Mobilitätsprozesse in Benin. In der Karte zur Migration in Benin sind Abwanderungs- und Zuwanderungsgebiete nach Gemeinden dargestellt. Die hohen Wachstumsraten in den mittleren Landesteilen speisen sich aus den auf Zentralbenin gerichteten intraruralen Migrationen. Die Abwanderungsgebiete liegen im extrem dicht besiedelten Süden Benins und in den im Vergleich zum Landesmittel überdurchschnittlich dicht besiedelten Regionen des Nordwestens.
Benin ist politisch stabil und weist auch ein Wirtschaftswachstum von 5,5 % auf, dennoch reicht es nicht für die junge Bevölkerung aus und so verlassen jährlich über 300 000 Menschen das Land. Größtenteils sind die anderen wirtschaftlich attraktiven afrikanischen Länder Ziele der Migranten. Im World Happiness Report belegt Benin im weltweiten Vergleich auch im Jahr 2016 wieder einen der allerletzten Plätze. Ein beninischer Arzt, der sowohl in Europa als auch in Benin praktizierte, diagnostiziert bei Afrikanern in der Diaspora eine 'Persönlichkeitsstörung', mit einem Fuß in Europa, aber mit dem Kopf in Afrika.

Migranten in Zentralbenin © M. Doevenspeck
Migranten in Zentralbenin © M. Doevenspeck

Die intrarurale Binnenmigration von Kleinbauern kann als Ausgleichsbewegung hinsichtlich der ungleichen Bevölkerungsverteilung und den damit verbundenen Disparitäten bei der Verfügbarkeit landwirtschaftlicher Nutzfläche verstanden werden. Im Gegensatz zu den in Westafrika vorherrschenden, nach Süden gerichteten intraruralen Wanderungen, ist in Benin die Zentralregion das wichtigste Zielgebiet ruraler Binnenmigrationen.

Geschlechterverhältnis

Junge Frauen bei der INAFI International Conference on Microfinance, Migration and Development in Cotonou © Shubert Ciencia (CC BY 2.0)
Junge Frauen bei der INAFI International Conference on Microfinance, Migration and Development in Cotonou © Shubert Ciencia (CC BY 2.0)

Laut Verfassung sind in Benin Frauen und Männer gleichberechtigt, jedoch sieht das in der Praxis etwas anders aus. Die Polygamie wurde 2004 offiziell abgeschafft. Dennoch findet man vor allem auf dem Land Großfamilien, in denen Männer mehrere Frauen haben. Familienplanung ist in diesem Milieu nahezu unbekannt. Auch was Bildung betrifft, liegt die Zahl der Analphabeten bei Frauen sehr hoch und viele Frauen leiden unter den Folgen der Genitalverstümmelung. In Benin sind 9 % der Mädchen und Frauen zwischen 15 und 49 Jahren beschnitten. Problematisch ist auch die Verheiratung von minderjährigen Mädchen: Fast ein Drittel der Mädchen wird vor ihrem 18. Geburtstag und 11 % vor ihrem 15. Geburtstag verheiratet.
Aufgrund der ethnischen und kulturellen Vielfalt des Landes gibt es auch bezüglich des Geschlechterverhältnisses regionale Unterschiede. So sind im Norden des Landes Frauen insgesamt seltener in wichtigen Positionen und höheren Berufsklassen vertreten. Auch in der Nationalversammlung (Assemblée nationale du Bénin) sind nur wenige weibliche Abgeordnete vertreten.
Zum Verständnis der Geschlechterrollen ist außerdem die Tatsache wichtig, dass Frauen und Männer in praktisch allen Haushalten über getrennte Budgets verfügen und hochgradig individualisert wirtschaften. Statistiken und Untersuchungen zu wirtschaftlichen Themen, die auf Haushaltsbasis erhoben werden, beschreiben daher die komplexe Realität des lokalen ökonomischen Handelns nur sehr unzureichend. Sehr häufig wissen die Ehepartner überhaupt nicht, was ihre Partner verdienen.

Bei etlichen Völkern Westafrikas ist es nicht außergewöhnlich, dass Kinder nicht bei ihren leiblichen Eltern, sondern bei Pflegeeltern aufwachsen. Diese Sitte erforschte die Sozialanthropologin Erdmute Albers bei den Baatombu in mehreren Dörfern Nordbenins. Leider müssen immer noch viele Kinder, vor allem in armen und ländlichen Haushalten, hart arbeiten, um zum Familienunterhalt beizutragen. Die VN zeigten sich besorgt um die Lage der Kinder in Benin, wo neben der Kinderarbeit auch heute noch sogenannte 'Geisterkinder' getötet werden. Dazu reicht oft eine kleine Anomalie bei der Geburt, wie z.B. eine Hasenscharte oder ähnliches. Das West Africa Network for Peacebuilding - WANEP startete eine Sensibilisierungskampagne gegen Gewalt an Mädchen und Frauen. UNICEF startete eine Aufklärungskampagne gegen Kinderhochzeiten und bekam Unterstützung von Angélique Kidjo und anderen Künstlern.

Bildung

Eine Schule in Cotonou © T.Przyrembel
Eine Schule in Cotonou
© T.Przyrembel
Plakataufruf Mädchen in die Schule zu schicken© T.Przyrembel
Plakataufruf Mädchen in die Schule zu schicken
© T.Przyrembel

Die Analphabetenrate in Benin liegt bei den Männern bei ca. 48 % und bei den Frauen bei über 70 %, daher will die Regierung den Anteil der Analphabeten bei Personen, die keine Schule besucht haben, um 20 % reduzieren. In den Millenniumszielen der Vereinten Nationen hatte sich die Regierung Benins vorgenommen bis zum Jahr 2015 eine Einschulungsrate von 100 % zu erreichen.

Ein hohes Bevölkerungswachstum und fehlende Finanzmittel bewirken aber zurzeit noch einen Mangel an Schulgebäuden, Lehrern und Lehrmaterial. Die beninische Regierung fördert die Alphabetisierung von Erwachsenen in deren jeweiligen Regionalsprachen. Mittlerweile gibt es nicht nur in den großen Städten Kindergärten, sondern über 200 Initiativen im ganzen Land.

Das Bildungswesen (Übersicht) ist stark durch die ehemalige Kolonialmacht Frankreich geprägt und besteht aus der sechsjährigen Grundschule (école primaire) und den zweistufigen, siebenjährigen Sekundarschulen (collège, lycée). Der Zustand vieler Dorfschulen ist schlecht, es fehlt an Lehrmitteln und Lehrpersonal. Das Online-Magazin 'La Nouvelle Tribune' geht der Frage nach, welches Bildungssystem ist gut für die weitere Entwicklung des Landes, was angesichts der katastrophalen Schulabschlüsse 2016 durchaus berechtigt ist. 

Seit 2007/2008 ist die Ecole Primaire gebührenfrei, ein Verdienst von Boni Yayi. Das Vorhaben ist jedoch nicht überall erfolgreich umgesetzt worden, teilweise wurden Lehrer nicht bezahlt und sind in den Streik getreten, was dazu geführt hat, dass an manchen Schulen nachgezahlt werden musste. Der Regierung wird ein hastiges und schlampiges Vorgehen bei der Reform vorgeworfen. In einem Filmclip der Deutschen Welle berichtet der fünfzehnjährige Schüler Serges von seinem Schulbesuch und seinem Alltag.

Die Konföderation der unabhängigen Gewerkschaften, COSI-Bénin, engagiert sich mit dem Projekt 'Accès-Plus' für Sexualerziehung an den Schulen.
Die Zielsetzung vom Projekt l’Enseignement et la Formation Technique et Professionnel - EFTP ist, mit verschiedenen Programmen eine Verbindung zwischen der Schulbildung und dem Arbeitsmarkt zu etablieren.

Die bereits 2009 begonnenen Streiks wurden immer wieder weitergeführt. Das Schuljahr drohte ungültig zu werden, was Schüler und Lehrer auf die Straße trieb. Sie demonstrierten für ihr Recht auf Bildung. Dabei kam es zu Sachbeschädigungen und Boni Yayi willigte in die Aufwertung der Lehrer ein, eine weitere Belastung für die ohnehin schon klamme Staatskasse. 

Hochschulbildung

Wenn die Abiturienten ein Stipendium bekommen oder von ihrer Familie unterstützt werden, können sie an verschiedenen technischen und Verwaltungshochschulen wie etwa der Ecole Régionale Supérieure de la Magistrature (ERSUMA), an der Universität von Abomey-Calavi (früher: Université Nationale du Bénin) und der 2001 neu gegründeten Universität von Parakou studieren. Die Website des digitalen Campus von Cotonou bietet Ihnen weitere Informationen zum beninischen Hochschulwesen.
Die Universität von Abomey-Calavi hat auch einen Lehrstuhl für Germanistik, während Studenten aus dem benachbarten Nigeria gerne Französischkurse belegen. Am Konfuzius-Institut der Universität erhielten die ersten Chinesisch-Sprachstudenten ihre Abschlüsse. Einen subjektiven Einblick vom Studium an der Universität von Abomey-Calavi vermitteln die Freiwilligen des deutschen Weltwärts-Programms, die beim Campus-Radio und der Uni-Zeitung hospitieren.
Die zwei neuen geplanten Universitäten, die landwirtschaftliche Universität in Kétou und die polytechnische Unversität in Abomey, sollen mit 170 Mio. Dollar von der Islamischen Entwicklungsbank BID finanziert werden. 
Die Houdegbe North American University Benin - HNAUB ist eine private Hochschule für Betriebswirtschaft. Eine besondere Hochschule ist die Ecole du Patrimoine Africain - EPA (School of African Heritage), die den Status einer internationalen Organisation und ihren Sitz in Porto Novo hat. Es ist eine Postgraduierten-Institution, die sich auf den Erhalt und die Förderung von materiellen als auch von immateriellen Kulturgütern spezialisiert hat. Sie bildet Fachkräfte aus 26 Ländern Sub-Sahara Afrikas aus.
Die etwa 50 beninischen Studentinnen und Studenten auf Kuba leben unter sehr harten Bedingungen, was inzwischen auch zu einer diplomatischen Krise geführt hat.
Zwei IT-Unternehmer, ein Togoer und ein Beniner stellten eine neue IT-Lösung für die öffentliche Verwaltung und Universitäten vor, die den Nutzern den Zugang erleichtern und den Kampf gegen Korruption unterstützen soll. 

Gesundheitswesen

Krankenstation in Pawa © T. Przyrembel
Krankenstation in Pawa © T. Przyrembel
Apotheke mit Biomedizin © M. Doevenspeck
Apotheke mit Biomedizin © M. Doevenspeck
Kondomwerbung © T. Przyrembel
Kondomwerbung © T. Przyrembel

Das Gesundheitsministerium von Benin hält auf seiner Webseite eine ganze Reihe von Informationen wie Jahrbücher, Statistiken, Stratgiepapiere, weiterführende Adressen und Links bereit. Zum Jahresende 2015 billigte das Parlament ein neues Gesetz einer allgemeinen Krankenversicherung. Bis 2019 möchte die Regierung qualifiziertes Personal im Gesundheitswesen einsetzen können.
Die Weltgesundheitsorganisation der UN, die WHO, veröffentlichte im Gesundheitsprofil Benins diverse Zahlenangaben und Statistiken. Bei der Sitzung des Regionalkomitees der OMS in Cotonou wurde auch eine neue Regionaldirektorin für Afrika, die Beninerin Prof. Dorothée Akoko Kindé-Gazard, gewählt. USAID und WHO bieten Übersichten über den beninischen Gesundheitssektor. Zur Gesundheitssituation von Kindern in Benin steht Ihnen die länderspezifische Website von UNICEF zur Verfügung.
Die der amerikanischen John Hopkins University angeschlossene NRO 'Jhpiego' gibt in einem Datenblatt einen Überblick zu HIV-Infektionen und AIDS in Benin. Im Februar 2016 verabschiedete die Regierung einen nationalen Plan zur Kommunikation im Kampf gegen AIDS.
In ländlichen Gebieten sind Mängel, wie der Zugang zu sauberem Trinkwasser oder das Fehlen von sanitären Einrichtungen wie Latrinen, Ursache für viele Erkrankungen. Leider werden auch Personen, die an Geisteskrankheiten leiden, häufig alleine gelassen und irren in den Straßen umher.

Werbezettel (Ausschnitt) einer Apotheke für Medikamente auf pflanzlicher Basis © Sammlung Otto Frick
Werbezettel (Ausschnitt) einer Apotheke für Medikamente auf pflanzlicher Basis © Sammlung Otto Frick

Traditionelle Medizin und Heilungsverfahren spielen in Benin eine große Rolle. Gerade im ländlichen Raum sind Ärzte oder Krankenhäuser oft überhaupt nicht erreichbar, oder einfach zu teuer. Es gibt eine große Bandbreite alternativer Heilverfahren, die von lokaler Biomedizin bis zu verschiedenen Formen spiritueller oder religiöser Heilverfahren reicht. Oft werden die Ursachen der Krankheit nicht einem Erreger, sondern einem Hexer zugesprochen, der aufgrund von Eifersucht eines Nachbarn hinzugezogen wurde. Wie die verschiedenen traditionellen und modernen Therapieeinrichtungen und - verfahren miteinander konkurrieren, erfahren Sie in der Promotionsschrift der Ethnologin Thamar Klein. Beniner nehmen unterschiedliche Therapieeinrichtungen wahr, je nachdem, welches Verfahren für den besonderen Krankheitsfall den meisten Erfolg zu versprechen scheint. Bei Erkrankungen an Malaria werden z.B. Medikamente auf Basis der Artemisia-Pflanze verabreicht.
In den letzten ca. zehn Jahren kamen auch mehr und mehr chinesische Medikamente und traditionelle chinesische Heilverfahren auf den Markt und bereichern das Angebot. Inzwischen möchte die Regierung zur Gründung von privaten Gesundheitszentren anregen.
Ein großes Problem sind Medikamente, deren Haltbarkeitsdatum schon längst abgelaufen ist, oder die schlichtweg gefälscht wurden. Auf den Märkten werden diese Medikamente ohne Verpackung und Waschzettel einzeln verkauft. So wurden allein in den Jahren von 2011 bis heute über 1000 Tonnen illegaler pharmazeutischer Produkte beschlagnahmt und zerstört.

Kunst und Kultur

Kultur

Das für Kultur zuständige Ministerium - Ministère de la Culture, de l'Artisanat et du Tourisme existiert als eigenes Ministerium erst seit wenigen Jahren und der Staat stellte bislang eher geringe finanzielle Mittel für Kunst und Kultur zur Verfügung, was sich jedoch hätte ändern sollen, nachdem Präsident Yayi fünf Milliarden Francs CFA Kultursubvention versprach. Das Blog 'Vivre au Benin' einer privaten Touristik-Agentur bietet eine neue Plattform für Kultur und Tourismus.
Private Initiativen, wie die Fondation ZinsouEspace Tchif, dem Centre Arts et Culture de Godomey und die 'Médiatheque des Diasporas', aber auch das Institut Français bieten den Künstlern eine wichtige Plattform. Die Fondation Zinsou feierte gerade das zehnjährige Bestehen und entwickelte eine neue App für Smartphones, mit der man einen virtuellen Gang durch ihr Museum machen kann. Am Strand von Cotonou unterhält Georges Adéagbo ein Künstlerbegegnungszentrum.
In Porto Novo befindet sich das Musée da Silva in einem afro-brasilianischen Gebäude und beherbergt eine kuriose Sammlung von Exponaten. Das Musée Honmé ist im alten Palast von König Toffa untergebracht und illustriert die Geschichte des Königreichs von Porto Novo. Das Ethnographische Museum Alexandre Senou Adande ist wohl das interessanteste Museum in Porto Novo. In Ouidah eröffnete die Fondation Zinsou in der Villa Adjavon ein Museum für zeitgenössische Kunst. Daneben gibt es das Historische Museum und das Musée Francisco Félix de Souza. In Parakou befindet sich das ethnographische Freilichtmuseum und in Natitingou ist das Regionalmuseum und das Kaba-Widerstands-Museum zu besichtigen.
Einige der schönsten Kunstwerke aus dem Königreich von Dahomey befinden sich heute in europäischen Sammlungen, wie z. B. im Musée du Quai Branly. Ende Juli 2016 schickte die beninische Regierung eine offizielle Anfrage nach Paris, um Verhandlungen zur Restitution von Kunstwerken aufzunehmen, die während der Kolonialzeit von Frankreich geplündert wurden.
Im September 2015 veranstalteten die Universität von Abomey-Calavi, die Université de Paris 1 Panthéon-Sorbonne und das Pariser Institut National d'Histoire de l'Art in Paris eine Tagung  „Dynamiken einer Geschichte und einer Schöpfung. Der Fall Benin“, wo es u. a. um die im Zuge der französischen Eroberung (1892-94) erfolgte einschneidende Zäsur in der Kunstgeschichte Dahomeys ging.

Das Musée Régional de Natitingou in der ehemaligen Residenz des Commandant du Cercle von 1915. © Balkass CC BY 3.0
Das Musée Régional de Natitingou in der ehemaligen Residenz des Commandant du Cercle von 1915. © Balkass CC BY 3.0

Benin verfügt über ein reichhaltiges Kunsthandwerk, das je nach Region, Ethnie und deren Geschichte sowie der Religionszugehörigkeit stark variiert. In bestimmten Regionen werden traditionelle Stoffe an Handwebstühlen zu schmalen Bändern gewoben, die dann später zu größeren Tüchern zusammengenäht, manchmal auch noch bestickt werden. Am Königshof von Abomey wurden  Applikationen auf Stoffe genäht. Manche von ihnen zeigen die Herrschaftssymbole der Könige von DanhoméAlphonse Yémandjè und sein Neffe Eugène Fiogbé waren lange die einzigen Künstler, die diese Tradition fortführten.
Aber auch die modernen, maschinell hergestellten Stoffe, die bunt bedruckt sind und das Straßenbild in Westafrika dominieren, enthalten Botschaften und erzählen auf indirekte Weise Geschichten der individuellen Trägerinnen und Träger dieser aus den 'Pagnes' gefertigten Kleidungsstücken.

Mannshohe Trommel in Abomey © Otto Frick
Mannshohe Trommel in Abomey © Otto Frick
Guélédé-Maskentänzer in Cové © Otto Frick
Guélédé-Maskentänzer in Cové © Otto Frick

In zahlreichen Ortschaften begegnen wir Holzschnitzern, die einerseits praktische Gegenstände wie Hocker oder Mörser, aber auch (Guélédé-)Masken, Zwillingsfiguren, Orakelbretter und andere religiöse Skulpturen und Objekte schnitzen. Perlen aus gebranntem Ton gehören zum traditionellen Kulturerbe und erfahren gerade eine neue Beachtung. In den wasserreichen und mit viel Schilfgräsern bewachsenen Gegenden des Südens hat sich eine bemerkenswerte Korb- und Mattenflechterei entwickelt. Auch die Schmiede und metallverarbeitenden Handwerker produzieren sowohl praktische Gegenstände für den Haushalt und die Landwirtschaft als auch Objekte für spirituelle Zwecke.

Benin hat vor allem einige architektonische Besonderheiten zu verzeichnen. Eine außergewöhnliche traditionelle Bauweise haben die Weiler der Betammaribé im Norden, rund um die Provinzhauptstadt Natitingou gelegen, mit den festungsartigen Lehmburgen, den Tata Somba. Der Komplex des Königspalasts in Abomey wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe ausgewählt. Hier befindet sich auch das Museum und ein Kunsthandwerkerzentrum. Bemerkenswert sind auch die hier entstandenen Wandreliefs. Die Pfahlbautensiedlung Ganvié, das tropische Venedig, ist weltberühmt. Daneben gibt es noch mehrere andere Pfahlbautensiedlungen, wie Aguégué, So-Ava, So-Tchanhoué, Houédo und So-Zounko. Die Städte Porto Novo mit der Großen Moschee und Ouidah die die Regierung gerne auf der Liste des Weltkulturerbes sähe, ferner Grand Popo und Agoué haben sowohl schöne und interessante Beispiele der Kolonialarchitektur als auch der afro-brasilianischen Architektur aufzuweisen.

Traditionelle Volksfeste mit Musik, Tänzen, Masken und aufwändigen Kostümen, wie beispielsweise bei den 'Revenants'(Egungun) und Guélédé-Tänzern, Vodoun-Zeremonien, Reiterfestspielen, Initiationsriten und Ritualen oder Skarifizierungen gehören zum eindrucksvollen immateriellen Kulturerbe des Landes.

Kunst

Guélédé Maske von Amidou Dosso © Sammlung Otto Frick
Guélédé Maske von Amidou Dosso © Sammlung Otto Frick

Benin kann mit einer ganzen Reihe von zeitgenössischen Künstlern aufwarten, von denen etliche auch über Benins Grenzen hinaus bekannt und weltweit auf den wichtigen Ausstellungen und Biennalen vertreten sind. Ein wichtiges Event ist die Biennale in Cotonou, die erstmalig 2010 anlässlich des 50. Jahrestags der Unabhängigkeit als 'Regard Bénin' stattfand. Doyen der beninischen Künstler war der 2012 verstorbene Cyprien Tokoudagba. Er lebte zeit seines Lebens in Abomey und die königlichen Symbole vom Hof in Abomey, dessen Wandreliefs er restaurierte, spielten in seinem Werk eine wichtige Rolle. Er und der Holzschnitzer Amidou Dossou aus Cové waren Teilnehmer an der legendären Ausstellung 'Magicien de la terre' in Paris. Kifouli Dossou, der Bruder von Amidou Dossou, erhielt in Paris den 'Prix Orisha' für zeitgenössische afrikanische Kunst, auf den er aber inzwischen verzichtet hat.

Georges Adéagbo integriert in seine vielteiligen In-Situ-Installationen stets Objekte, die aus seinem Umfeld in Cotonou stammen und ergänzt sie mit Objekten, die er vor Ort gesammelt hat. Heute gehört Adéagbo zu den renommiertesten Künstlern Afrikas.

Romuald Hazoumé ist spätestens seit seiner Teilnahme an der 12. Documenta 2007 mit seiner Installation 'Dream' ([Flüchtlings-] Boot mit Kanistern) auch einem größeren deutschen Publikum bekannt. Seinen durchschlagenden Erfolg als Künstler hatte er 1989 mit seinen Masken aus Plastikkanistern.

„Tais-toi jaloux!“ (Schweige, Neider/ Eifersüchtiger! - 'Taxi Bénin' aus der Installationsreihe 'Taxis Zinkpè' © Dominique Zinkpè
„Tais-toi jaloux!“ (Schweige, Neider/ Eifersüchtiger! - 'Taxi Bénin' aus der Installationsreihe 'Taxis Zinkpè' © Dominique Zinkpè

Dominique Zinkpè, der 'Basquiat des Vaudou', ist ein Künstler, der neben der Malerei vor allem durch seine Installationen, wie 'Taxi Zinkpè' und Performances bekannt ist. In Cotonou gründete er das Straßenkunstfestival 'Boulev'art' und war auch bei der Biennale 2012 als Mitveranstalter beteiligt.

Meschac Gaba bezieht sich in seinen Installationen und Performances auf die Auswirkungen des Kolonialismus und der Globalisierung, wobei als Motiv immer wieder die Banknote erscheint. Ein bedeutendes Werk ist das in mehreren Etappen angelegte 'Museum of Contemporary African Art' (1996–2002).

Tchif, eigentlich Francis Nicaise Tchiakpe,
 1973 in Cotonou geboren, eröffnete 2009 das private Kulturzentrum 'Espace Tchif', das jetzt vom Präsidenten der französischen Holding Scintillo, Steven Hearn, übernommen wurde. Auf der Biennale 2012 gewann der Künstler Aston, der mit recycelten Gegenständen Plastiken erschafft, den 'Preis des Präsidenten der Republik Bénin' in Höhe von 2 Mio. FCFA. Auch die Brüder Calixte und Théodore Dakpogan sind mit Metallplastiken bekannt geworden. Die im Senegal geborene Künstlerin Pélagie Gbaguidi arbeitet auch als Fotografin, während die vielseitige Edwige Aplogan einige symbolträchtige Gebäude von Cotonou während der Feierlichkeiten zur 50-Jahr-Feier der Unabhängigkeit mit Fahnen verhüllte. Der Maler Elon-m Tossou möchte, dass die Frauen in der Gesellschaft den ersten Platz einnehmen und spielt in seinen Werken mit den Gender-Rollen.

Weitere bekannte und erfolgreiche Beniner Künstler sind Simplice Ahouansou Gérard Quénum, Didier ViodeZinsou, Simon SohaVirgil Nassara, Charly d’Almeida, Laudamus Sègbo, Syl-Pâris Kouton, Grek, Thierry Gansa, Koffi GahouSimonet Biokou, Bamouss, Hervé Cossi Attigla, und Eloi Lokossou.

Literatur

Ryad Assani-Razaki, © Philippe Matsas, mit freundlicher Genehmigung des Verlags Klaus Wagenbach
Ryad Assani-Razaki, © Philippe Matsas, mit freundlicher Genehmigung des Verlags Klaus Wagenbach

Die Literatur Bénins ist in Deutschland leider so gut wie unbekannt, da bislang fast keine Werke ins Deutsche übersetzt wurden. Das mag sich hoffentlich ändern, da der Roman ‚Iman’ von Ryad Assani-Razaki jetzt auch in Deutsch vorliegt und der Autor ihn auf Lesereisen im deutschsprachigen Raum präsentierte. Er war im September 2014 Gast des internationalen Literaturfestivals Berlin.

Buchumschlag von 'L'arbre fétiche' mit 'psychodelischer' Grafik (1971), © Sammlung Otto Frick
Buchumschlag von 'L'arbre fétiche' mit 'psychodelischer' Grafik (1971), © Sammlung Otto Frick

Benin, das während der Kolonialzeit auch 'Quartier Latin' des frankophonen Westafrikas genannt wurde, stellte nicht nur tüchtige Verwaltungsbeamte, sondern brachte auch Schriftsteller hervor. Einige Autoren veröffentlichten bereits in den 1920er Jahren die ersten Werke. Der 1890 in Porto-Novo geborene Paul Hazoumé war Ethnologe, Forscher, Schriftsteller und béninischer Politiker, auch Kandidat bei den letztlich nicht durchgeführten Präsidentschaftswahlen von 1968. Er veröffentlichte 1938 den ersten afrikanischen historischen Roman 'Doguicimi' für den er von der Académie Française in Paris mit dem 'Prix de Langue Française' 1939 ausgezeichnet wurde. Er starb 1980 in Cotonou.

Félix Couchoro, 1900 in Ouidah geboren, gilt als einer der Pioniere der westafrikanischen Literatur. In Togo, wo er seit 1939 bis zu seinem Tod 1968 lebte, wird er als Vater der togoischen Literatur verehrt und in Lomé wurde eine Bibliothek nach ihm benannt. Sein erster Roman 'L'esclave', den er 1926 schrieb, erschien 1929 in Frankreich. Olympe Bhêly-Quenum wurde 1928 in Ouidah geboren. Er studierte in Frankreich und wurde Diplomat. Zugunsten der Literatur verzichtete er jedoch auf seine diplomatische Laufbahn. In seinen Schriften schildert er die Tiefen Afrikas, wobei er die Gegensätze und Widersprüche einer sich wandelnden Gesellschaft, die zugleich fest mit ihren kulturellen Wurzeln verbunden bleibt, hervorhebt. Jean Pliya ist 1931 in Djougou geboren. Als Professor der Geschichte und Geografie veröffentlichte er neben Romanen und Erzählungen auch einige Schulbücher. Er starb am 14. Mai 2015 in Abidjan.

Der Schriftsteller, Maler, Künstler und Schauspieler Gratien Zossou, 1948 in Porto Novo geboren, lebt und arbeitet in Abomey. Camille Amouro, 1963 in Boukoumbé geboren, ist ein engagierter Autor, Dramaturg, Essayist und Journalist. Als Gründer der 'Médiatheque des Diasporas' im Zentrum Cotonous, hat er eine ganze Reihe von kulturellen Aktivitäten entwickelt, die das Kulturleben Benins bereichern. Florent Couao-Zotti, Jahrgang 1964, erhielt für seinen Krimi ‚Si la cour du mouton est sale, ce n’est pas au porc de le dire’ 2010 auf der Genfer Buchmesse den bedeutenden Preis Ahmadou Kourouma. Arnold Sènou veröffentlichte seinen ersten Roman 'Ainsi va l’hattéria' bei Gallimard in Paris. Die 1955 in Porto Novo geborene Edwige Aplogan ist Dichterin, Künstlerin, Malerin und Rechtsanwältin.

Paulin J. Hountondji, 1942 in Abidjan geboren, lebt in Benin und gehört zu den wichtigsten afrikanischen Philosophen der Gegenwart. Eines seiner Werke, 'Afrikanische Philosophie: Mythos und Realität' erschien 1993 auch auf Deutsch.

Der 1985 im Nordwesten Benins geborene Autor Akéouli Nouhoum Baoum veröffentlichte neben anderen Titeln auch eine Sammlung von Märchen der Lokpa. Mensah Wekenon Tokponto und Adelheid Hahmann sind Herausgeber einer Sammlung von Volksmärchen aus Benin. Wekenon Tokponto erhielt 2015 den Thüringer Märchenpreis. In Calavi fand bereits zum zweiten Mal 'La nuit du conte' (Die Nacht des Märchens) statt. 
Narcisse Dovènon stellte sein Werk 'Jérôme Carlos, Un homme d’exception' der Öffentlichkeit vor.

Bereits zum fünften Mal wird der Literaturwettbewerb 'Prix du Président de la République' ausgeschrieben, der mit zwei Mio. Francs CFA dotiert ist und Schriftsteller motivieren und unterstützen sowie das nationale verlegerische Kulturerbe bereichern soll. Im Februar 2016 fand das 18. Festival Selibej statt, das Fest der Bücher für Kinder. 2016 fand in Cotonou zum ersten mal der Wettbewerb 'Miss Littérature' statt, bei dem eine 16-jährige Schülerin den Sieg der 'intellektuellen Schönheit' errang.

Die Theaterlandschaft Benins manifestiert sich vor allem beim Festival International de Théâtre du Bénin (FITHEB), das seit 1991 alle zwei Jahre durchgeführt wird und  im Februar 2016 zum 13. Mal in fünf Orten stattfand. Der Schauspieler und Theaterregisseur Tola Koukoui ist Mitbegründer von FITHEB. Ein erstes internationales Theatertreffen fand in Athiémé statt. 

Ousmane Aledji, Autor, Schauspieler, Regisseur und Initiator von diversen kulturellen Projekten, war Herausgeber von Artistik Afrika, einem Magazin für afrikanische Kunst. Mittlerweile engagiert er sich für die Biennale in Cotonou. Alougbine Dine ist Theaterregisseur, der der Ecole Internationale de Théâtre du Bénin zum Aufstieg verhalf. Das Institut Français in Cotonou ist ein weiterer Veranstaltungsort für Theateraufführungen sowie ein wichtiges Forum für künstlerische Aktivitäten.

Musik

Die Musikszene Benins ist weit aufgefächert und brachte einige erfolgreiche, auch außerhalb des Landes bekannte Künstler hervor. El Rego ist einer der Väter des Funk in Benin und inspirierte die Band Poly-Rythmo. Das 'Le Tout Puissant Orchestre Poly-Rythmo de Cotonou' unter der Leitung des Gitarristen Papillon war die erfolgreichste Beniner Band und hatte ihre größten Erfolge in den 1970er Jahren. Der französischen Radioreporterin Elodie Maillot und den Frankfurter Musikproduzenten und 'Rare-Groove Diggern' Günter Gretz und Samy Ben Redjeb ist es zu verdanken, dass die legendäre Band 'Orchestre Poly-Rythmo de Cotonou' und einige andere Beniner Musiker aus der Vergessenheit hervorgeholt wurden und jetzt auch wieder auftreten. Auch musikalisch gibt es einige Gemeinsamkeiten zwischen Benin und Togo, etliche Musiker spielten in Formationen des jeweiligen anderen Landes, jedoch gibt es auch unterschiedliche Entwicklungen, wie ein Blick in die Musikgeschichte nach der Unabhängigkeit aufzeigt.

Der aus Lokossa stammende Sänger und Musiker Gnonnas Pedro spielte bereits in den 1960er Jahren mit seiner Band 'Pedro y su Sanchos'. International bekannt wurde er vor allem als Leadsänger von Africando von 1995 bis zu seinem Tod 2004. Wally Badarou, Keyboarder, Rockmusiker, Synthesizer-Spezialist und Mitglied der Compass Point All Stars spielte und arrangierte bei Aufnahmen der Gibson Brothers, bei Graces Jones und bei der britischen Band Level 42. Der Musiker Jimmy Houetinou trat auch als internationaler Produzent, vor allem der Band Loketa auf. Ignace de Souza spielte bereits in den 1950er Jahren in mehreren westafrikanischen Bands bevor er Gründer und Leader von Black Santiago wurde. G. G. Vicky (Gustave Gbénou Vikey), alias 'GG Vikey' wurde auch als 'Georges Brassens von Bénin' gefeiert. Die 'Diva der beninischen Musik', die Sängerin Vivi 'Internationale' (Victorine Agbato), die ihre Karriere Ende der 1970er Jahre begann, beteiligt sich immer wieder am öffentlichen DiskursStan Tohon & Le Tchink System ist Vertreter des Afrobeat, der aus den traditionellen Rhythmen des Tchinkoumé schöpfte und dem es gelang, sie wunderbar zu modernisieren. Die Gospelsängerin Anna Gabelus Teko wurde zur Künstlerin des Jahres 2015 gekürt und fünf Beniner Musikerinnen wurden für die Kora Awards 2016 nominiert.

Traditionelle beninische Musik wie die von Amikpon, Gbéssi ZolawadjiAllevi [Apollinaire Houénou] oder dem aus dem Norden stammenden Jolidon Lafia steht neben Synthesen von Tradition und Jazz wie sie die Gangbé Brass Band oder Jean Adagbénon produziert und neuer Musik aus Benin, deren wohl bekannteste Vertreterin der Worldmusic-Star Angélique Kidjo ist. Sie wurde vom amerikanischen Forbes Magazin zu der einflussreichsten Frau Afrikas gekürt und erhielt im Februar 2016 zum dritten Mal den Grammy. Sie setzt sich immer wieder für soziale Gerechtigkeit ein und erhielt in Dakar den Preis 'Ambassadeur de la Conscience'.
Der in Frankreich lebende Julien Jacob lässt sich von keltischer Kultur, dem Hinduismus und dem Vodoun-Kult inspirieren und produzierte zusammen mit Ghislain Baran und Thierry Nedelec erfolgreiche Alben. Die Gruppe 'H2O Assouka' steht für den 'Vodoun Rap' und gehört zu den populären Bands der jüngeren Zeit. Afropop, wie z.B. von Segun Ola, Hip Hop oder Rap, Reggae und andere Musikrichtungen, sind natürlich auch in Benin vertreten. Eine wahre Fundgrube von Musikvideos Beniner Künstler ist die Website 'The real Africa'. 

Im November 2014 fand zum fünften Mal das Festival für traditionelle Tänze, Ségan, und auch der kulturelle Wettbewerb 'Bénin Golden Awards' in Cotonou statt, wo auch das Festival 'Cotonou Couleurs Jazz' mit internationaler Beteiligung im November/Dezember 2015 zum vierten Mal stattfand, während das neue 'Festival international de musique du Bénin' (Fimub) die Erwartungen wohl noch nicht ganz befriedigen konnte. Anfangs August 2016 fand zum ersten mal in Cotonou das Festival für traditionelle Musik 'Zolawadji' statt.

Film und Fotografie

Filmfestival in Ouidah 2012 © Samurai Dave (CC BY 2.0)
Filmfestival in Ouidah 2012 © Samurai Dave (CC BY 2.0)

Einer der Pioniere des afrikanischen Kinos war Paulin Soumanou Vieyra, der 1952 an der Pariser Filmhochschule studierte. Sein Film 'Afrique-sur-Seine' (1955) kann als einer der ersten von Afrikanern gedrehten Filme gesehen werden.

Der Dokumentarfilmer Idrissou Mora-Kpaï aus dem Norden Benins (Borgou) studierte u. a. anderem an der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) 'Konrad Wolf' in Babelsberg. Seine letzten Filme waren 'Si-Gueriki, la reine-mère' und 'Indochina, Traces of A Mother'

Der wohl bekannteste Vertreter Benins im Kino ist der Schauspieler Djimon Hounsou, der in dem Film 'Amistad' von Steven Spielberg die Hauptrolle spielte. Sein neuestes Projekt ist ein Film über den König Gbêhanzin.
In dem Film 'Africa Paradis' (2007) von Sylvestre Amoussou, der im Jahr 2040 spielt, flüchten viele Europäer in die Vereinigten Staaten von Afrika, um dort ein besseres Leben führen zu können ... Das beninische Kino mit seinen Filmemachern wie Jean Odoutan wurde in den letzten Jahren vor allem durch das Internationale Filmfestival von Ouidah gestärkt. Auf der FESPACO 2015 in Ouagadougou waren sechs beninische Produktionen im Wettbewerb, darunter der Film 'A cœur ouvert' von Ayékoro Kossou, der bereits in Cannes ausgezeichnet wurde.
Die 2014 gegründete 'Fondation pour le Soutien à l’Industrie Cinématographique et audiovisuelle' (FOSICA) kann zum ersten Mal einen Film - 'Okuta' - mit acht Mio. Francs CFA fördern.

Zu den bedeutendsten Fotografen Benins zählen Joseph Moïse Agbojélou, 1912 in Védo geboren und die 1947 geborene Malerin und Fotografin Babelle Dunglass, die 1994 zusammen mit dem Sänger Stan Tohoun und dem Komponisten Fanick-Marie Verger die 'Artistes Béninois Associés - ABA gründete. Beniner Fotografen, die auch auf der renommierten Biennale der Fotografie in Bamako vertreten waren, sind Léon Ayékoni, Edouard Mehomé, Pélagie Gbaguidi, Justin Kayodé, dit Tintin Photo und Fagbedi Franck Rock mit seinem Studio Rocko in Ouidah. Charles Placide-Tossou hat sich einerseits als Theater- und Künstlerfotograf einen Namen gemacht, fotografiert aber auch bei religiösen Vodoun-Zeremonien und ist erfolgreicher Reportagefotograf für internationale Agenturen. 

Der französische Ethnologe Pierre Vatumbi Verger ließ sich 1953 in Kétou zum Babalawo (Priester) initiieren und nahm den Namen Vatumbi an. Er fotografierte und erforschte seit den 1930er Jahren die afro-brasilianischen Yoruba-Kulte und hinterließ in Salvador da Bahía ein Werk mit über 60.000 Fotografien. Die spirituelle Welt der Vodoun- und Yoruba-Kulte faszinierte Ethnologen und Fotografen wie Leonore Mau, Hubert Fichte oder Alberto Venzago. Der deutsch-amerikanische Anthropologe und Fotojournalist Henning Christoph publizierte mehrere Bildbände und drehte einige Filme über die religiösen Kulte Benins.

Sport

Sport spielt für viele Beniner eine große Rolle. Disziplin Nummer eins ist Fußball, aber auch andere Ballsportarten, Karate, Bodybuilding und Laufsport sind beliebt. Im Atakora spielt traditioneller Ringkampf eine Rolle. Für die Olympischen Sommerspiele 2016 in Brasilien hatten sich sechs Sportlerinnen und Sportler qualifiziert.

Die beninische Fußballnationalmannschaft wird, bzw. wurde, stets "die Eichhörnchen" (les écureuils) genannt. Da der sportliche Erfolg bislang überschaubar blieb, ordnete der zuständige Sportminister im Herbst 2008 an, die Mannschaft mit einem neuen Wappentier auszustatten, welches den Löwen aus Kamerun oder den Elephanten aus der Côte d'Ivoire besser standhalten könne als ein Eichhörnchen. Die Umbennennung in "Aufstrebende Panther" (Panthères de l'émergence) ist allerdings in der Öffentlichkeit umstritten. Für das Jahr 2014 bewilligte die Regierung 150 Mio. Franc CFA, um die beninischen Fußballmannschaften der ersten und zweiten Liga zu fördern. Mehr zum beninischen Fußball finden Sie auf der offiziellen Seite des Verbandes.

Religion

Verteilung der Religionszugehörigkeiten © M. Heldmann
Verteilung der Religionszugehörigkeiten © M. Heldmann

Was die Religionszugehörigkeit betrifft, so weichen die Zahlenangaben je nach Quelle voneinander ab. Dazu kommt noch die, für uns merkwürdig erscheinende Tatsache, dass es für viele Beniner keinen Widerspruch bedeutet, Christ oder Moslem zu sein und gleichzeitig einem Vodoun ein Opfer zu entrichten. Nach den Angaben der amerikanischen ARDA - Association of Religion Data Archives von 2010 waren von der Bevölkerung Benins 43,8 % Christen (wovon allein die Katholiken mit 27 % die bedeutendste Gruppe sind), 30,4 % Angehörige von Vodoun- und anderen traditionellen afrikanischen Kulten, 25,5 % Muslime (Sunniten) und 0,3 % Angehörige anderer Gemeinschaften oder ohne Religionszugehörigkeit. In der Verfassung wird Religionsfreiheit garantiert und von der Regierung respektiert.

Taufzeremonie der Mitglieder der Kirche der Himmlischen Christen am Strand von Cotonou © Ferdinand Reus, CC-BY-SA-2.0
Taufzeremonie der Mitglieder der Kirche der Himmlischen Christen am Strand von Cotonou © Ferdinand Reus, CC-BY-SA-2.0

Die römisch-katholische Kirche begann ihre Missionsarbeit bereits 1680 in Ouidah. Der Katholizismus ist heute auch die wichtigste christliche Konfession in Benin mit einem klaren Schwerpunkt im Süden. Englische Methodisten begannen 1843 zu missionieren, konzentrierten sich aber ebenfalls auf die Küstenbevölkerung. Andere protestantische Kirchen sind z.B. die Assemblées de Dieu, die Baptisten und der von der internationalen Missionsgesellschaft SIM gegründete Kirchenverband "Union des Eglises Evangeliques du Bénin" (UEEB). Eine weitere bedeutende Kirche ist die der 'Himmlischen Christen' (CCC Celestial Church of Christ) mit Glaubensannahmen aus dem Weltbild der Yoruba. 1947 in Porto Novo gegründet, hat sie heute über 10 Mio. Anhänger in vielen Ländern Westafrikas, aber auch in Europa, Kanada und den USA. In den 1960er Jahren etablierte sich eine kleine Gemeinde der Bahá'í.
Ein Phänomen der letzten Jahre sind die fundamentalistischen, teilweise sehr agressiven, Pfingst- und/oder Charismatischen Kirchen, bzw. Sekten. Zuerst waren es radikalfundamentalistische Sekten aus den USA, die in Westafrika missionierten, mittlerweile sind es aber mehr und mehr afrikanische 'Kirchen' aus Nigeria, die ein sehr prosperierendes Geschäftsmodell entwickelten und einen enormen Zulauf zu verzeichnen haben.
Einen letzten Auslandsbesuch stattete ein Papst Benin mit Papst Benedikt XVI. 2011 ab, während sein Vorgänger Papst Johannes Paul II. 1982 und 1993 das westafrikanische Land besuchte. Papst Franziskus empfing im April 2015 eine Delegation von Beniner Bischöfen und bestärkte sie, den Dialog mit dem Islam fortzuführen und einige Wochen später fand in Cotonou ein internationales Symposium statt, auf dem der interreligiöse Dialog im gemeinsamen Kampf gegen Boko Haram gefördert werden sollte. 

Die westafrikanische Ausprägung des Islam unterscheidet sich in vielen Dingen vom Islam in arabischen Ländern. Der Islam in Benin wurde durch muslimische Händler (Dendi) aus Mali und Niger verbreitet, die durch den Handel mit Kolanüssen und Gold in Kontakt mit den islamischen Manding-Händlern (Malinké, Bambara, Dioula) waren. 1962 waren 7 % der Bevölkerung Muslime, 1992 20 %. Dachorganisation der beninischen Muslime ist die Union Islamique du Bénin (UIB), die aber aufgrund ihrer Inhomogenität nur auf dem Papier existiert. Sie wurde 1980 auch zur besseren Kontrolle der einzelnen Gemeinschaften in den islamischen Zentren Benins wie Djougou, Parakou, Nikki, Kandi und Porto Novo gegründet, die heute aber eine relativ große politische Autonomie haben. Die islamische Gemeinde im südlichen Porto Novo entwickelte sich erst im 19. Jahrhundert , v. a. durch Yoruba und Hausa-Händler aus dem heutigen Nigeria.
In Benin gibt es unzählbar viele Koranschulen, deren Unterrichtsziel für die SchülerInnen im Alter zwischen 5 und 20 Jahren vor allem das Lesen der 114 Kapitel des Koran ist und die Fähigkeit einige davon beim Gebet zu rezitieren. Ab 1950 wurden die "écoles franco-arabes", von arabisch-islamischen Institutionen aus Nordnigeria, Sudan, Ägypten, Saudi-Arabien finanziert und ausgestattet. Seit Mitte der 1960er Jahre arbeiten auch Absolventen der islamischen Universität von Medina in Saudi Arabien als Lehrer und seit 1970 gibt es viele Beniner mit Diplomen arabischer Hochschulen.

Heiligtum im Forêt sacrée von Abomey © Otto Frick
Heiligtum im Forêt sacrée von Abomey © Otto Frick
Altar in Abomey © Otto Frick
Altar in Abomey © Otto Frick
Zangbeto Geheimgesellschaft, die Vodoun 'Polizisten' © Otto Frick
Zangbeto Geheimgesellschaft, die Vodoun 'Polizisten' © Otto Frick
Spirituelles Oberhaupt in Taneka © Otto Frick
Spirituelles Oberhaupt in Taneka © Otto Frick

 

Vodoun, Synkretismus und die gesellschaftliche Bedeutung von Religion

Benin wird auch oft als 'Wiege des Vodoun' bezeichnet. Die verschiedenen Vodoun-Kulte sind vor allem im südlichen Drittel des Landes beheimatet und haben einen festen Platz im Alltagsleben der Bevölkerung. Wenn man mit offenen Augen durch die Ortschaften geht, trifft man fast überall auf Spuren der religiösen Praxis: Altäre, Schreine, Opferstätten, Legbas (anthropomorphe Lehmfiguren), Tempel und Wegweiser zu den Priesterinnen und spirituellen Heilern. Ein am Wegrand liegender rostiger Motorblock ist hier keine Umweltsünde, sondern ein Altar für Gu (Ogun), den Gott des Eisens und der Schmiede. Bei all den verschiedenen Vodoun-Kulten spielen bei den Initiierten Frauen eine dominierende Rolle und die Männer sind eher in der Minderheit. 
Mami Wata, die Meeresgöttin mit dem Fischunterleib ist eine neue, überaus erfolgreiche und schillernde Göttin des Vodoun-Pantheons. Sie lacht, ist fröhlich und treibt gerne Schabernack. In ihrem Kult werden verschiedene Götter und Rituale kombiniert und sie verkörpert das moderne, städtische Leben mit den individuellen Fähigkeiten und den Verheißungen auf Erfolg, Macht und Sexualität.
Die Fon, Yoruba und einige Ewé-Gruppen haben einen elaborierten Zwillingskult. Die Eltern ersetzen ihre verstorbenen Kinder durch hölzerne Figuren, die sorgfältig aufbewahrt und gepflegt werden müssen, soll ihre Segenskraft nicht verlorengehen.

Glaubensinhalte und Götter des Vodoun ändern sich ständig seit sie mit den Sklaven ins Exil nach Amerika gingen und sich dort mit anderen Religionen (Christentum und Hinduismus) vermischten. Dieses Amalgam gelangte durch die zurückgekehrten 'Brasilianer' wieder an die westafrikanische Küste und vermengte sich erneut mit den alten afrikanischen Göttern und Kulten. Transatlantische Verbindungen zwischen Afrika, Amerika und Europa machten den Vodoun zu einer globalisierten Religion. Heute ist der Vodoun in Benin eine anerkannte Religion mit eigenem Feiertag, dem 10. Januar, und das 1992 erstmals in Ouidah abgehaltene internationale Vodoun-Festival hat sich mittlerweile zu einer wichtigen gesellschaftlichen, auch internationale Besucher anziehenden, Institution etabliert. Aber auch in diversen anderen Orten werden Vodoun-Festivals angehalten, wie z. B. in Savalou.

Vodoun ist eine Religion, die bei uns eher durch Trivialmythen (Hollywoodfilme) bekannt wurde, und mit der Realität vor Ort oft nichts gemeinsam hat. Der aus Benin stammende Schauspieler Djimon Hounsou plant einen Dokumentarfilm über den Vodoun, wobei er ausführliche Recherchen betreibt, um die Kräfte des Vodoun zu verstehen. Die Python genießt eine besondere Verehrung und in manchen Regionen gibt es einen Python-Kult mit eigenem Tempel. Der Schlangentempel in Ouidah ist jedoch zu einer zweifelhaften Touristenattraktion verkommen. Der Tänzer und Choreograph Koffi Kôkô, der auch in Berlin auftrat und Workshops durchführte, ist zugleich auch Priester eines Vodoun-Tempels in Benin.

Informationen zu Religionszugehörigkeit sollten immer vorsichtig betrachtet werden. Charakteristikum aller Religionen in Benin ist der Synkretismus. Alle Beniner ordnen sich demnach in einer Volksbefragung einer 'offiziellen' Religion zu, da ihnen ja schließlich nur eine Auswahlmöglichkeit gegeben wird. Tatsächlich aber verfolgen viele Beniner traditionelle spirituelle und religiöse Praktiken und bezeichnen sich gleichzeitig als Christ oder Moslem. Wie auch in anderen Teilen Afrikas sind Hexereidiskurse im Alltag eines großen Teils der beninischen Bevölkerung sehr präsent. So glauben viele Leute bei Erkrankungen nicht daran, sich beispielsweise durch einen Virus infiziert zu haben, sondern sind der festen Überzeugung, ein missgünstiger Verwandter oder Nachbar hätte ihnen die Krankheit geschickt. Auch im Umgang mit dem Tod spielen Geister und andere Mächte eine wesentliche Rolle. 

Eine besonders grausame rituelle Praxis, die mit lokalem Hexerei-Glauben zusammenhängt, gibt es vor allem in Nordbenin. Auf dem Land werden dort Babys und Kleinkinder rituell ermordet, wenn sie als Hexenkinder (enfants sorciers) verdächtigt werden. Für diesen Verdacht reicht es z.B. aus, dass ein Baby mit den Füßen zuerst geboren wird, die Schulter zuerst erscheint o.ä. Auch Kleinkinder werden getötet, wenn z.B. die Zähne in einer ungewohnten Reihenfolge wachsen oder andere bestimmte Entwicklungsmerkmale oder Behinderungen zutreffen. Es gibt jedoch einige NRO, Vertreter der christlichen Kirchen sowie einige Journalisten von Lokalradios, die versuchen Aufklärung zu betreiben und gegen den Kinder-Ritualmord kämpfen. 

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im November 2016 aktualisiert.

Autor

Otto Frick, † 03. Oktober 2016

arbeitete neun Jahre in Togo, leitete ein Atelier für visuelle Kommunikation und war in mehreren Projekten der EZ in Benin und Togo tätig. Er erstellte Publikationen zu landeskundlichen Themen Togos und Benins und zur Kunst und Kultur Afrikas, war Trainer für Interkulturelle Kommunikation und als Landeskenner in der Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes von Fach- und Führungskräften tätig.

Otto Frick verstarb an den Folgen eines Verkehrsunfalls in Lomé/Togo.
Wir verlieren mit ihm einen engagierten, einfühlsamen und sympathischen Mitstreiter und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

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