Die seit 1825 bestehende Republik Bolivien leitet ihren Namen von Simón Bolivar ab und wurde 2009 als Plurinationaler Staat Bolivien neu gegründet, um der Existenz der verschiedenen indigenen Bevölkerungsgruppen im Land Rechnung zu tragen. Bolivien ist ein Binnenstaat im Herzen Südamerikas und teilt seine Grenzen mit Peru, Brasilien, Paraguay, Argentinien und Chile.

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Die Waldbrände im bolivianischen Amazonien

Seit Juli 2019 haben Brände im Tiefland Boliviens zwischen 4 und 5 Millionen Hektar vernichtet. Noch immer (Ende September) sind Tausende von Brandherden nicht gelöscht. Noch nie ist in einem Jahr eine derart große Fläche durch - zumeist absichtlich gelegte Feuer – zerstört worden. Die jährlichen Entwaldungsraten in der Vergangenheit werden auf 250.000 bis 350.000 ha geschätzt.

Mit den Wäldern und Grasflächen, die den Flammen zum Opfer fallen, geht nicht nur die gesamte Pflanzendecke verloren und es werden Unmengen von Kohlendioxid in die Atmosphäre freigesetzt, sondern es verbrennen und ersticken Millionen von Lebewesen. Tausende von einheimischen Tieflandbewohnern verlieren ihre Lebensgrundlage und ihren Lebensraum.

Dem allen begegnet die Regierung vor allem mit Untätigkeit. Drei Wochen lang geschah gar nichts, danach wurde ein als „Super-Tanker“ in Szene gesetztes Löschflug aus den USA geordert. Bei maximal vier Einsätzen am Tag angesichts Tausender Brandherde in Santa Cruz, Beni und Pando allerdings kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Am stärksten betroffen ist die Chiquitanía.

Während eine abschließende Bilanz der Verheerungen noch aussteht, ist die Ursache für die ungewöhnlich ausgedehnten Wald- und Graslandbrände recht einfach auszumachen: Anfang Juli dieses Jahres hatte die Regierung von Evo Morales per Dekret die bestehenden Beschränkungen für Rodungen im Tiefland praktisch aufgehoben, das ungeordnete Ansiedeln von Kolonisationsbauern ermutigt und Exportabkommen mit China zur Lieferungen von Tausenden von Rindern geschlossen. Hinzu kommt die Tatsache, dass dieses Jahr – wie bereits 1998, 2005 und 2010 – sehr trocken in der gesamten Amazonas-Region ist. Eine gute Zusammenstellung der Gründe liefert der Experte für den Amazonaswald Tim Killeen in seinem Artikel „Warum steht Amazonien in Flammen?“

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Über den Autor

Dirk Hoffmann
Dirk Hoffmann

Dirk Hoffmann ist studierter Lateinamerikanist und Umweltwissenschaftler, Experte für internationale Klimapolitik und Landestrainer für Bolivien. Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist er in der Entwicklungszusammenarbeit tätig und hat in diesem Zusammenhang mehrfach für viele Jahre in Bolivien gelebt.

Hoffmann ist Autor verschiedener Publikationen zu Bolivien und Herausgeber des Klimablog ("Klimawandel Bolivien", www.cambioclimatico-bolivia.org).

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