Schülerinnen
Amtssprache
Französisch
Regionalsprachen
Mooré, Dioula, Peul
Religionen
Islam 50 %, Kath. 15 %
Lebenserwartung
53 Jahre
Städtische Bevölkerung
20 %

Gesellschaft

=> Makrosoziale Struktur

Die ethnischen Gruppen

Landeskarte zu den wichtigsten ethnischen Gruppen.
Die wichtigsten ethnischen Gruppen auf einen Blick.
© Honorat Badiel

Die Bevölkerung Burkina Fasos setzt sich aus etwa 60 unterschiedlichen ethnischen Gruppen zusammen. Zahlenmäßig dominieren die Mossi mit einem Anteil von über 40 %. Weitere wichtige Gruppen sind die Peul (Fulbe), Lobi, Bobo, Senufo, Gurunsi, Gourmantché, Bissa, Sanan, Kurumba. 

Mooré (die Sprache der Mossi), Dioula im Westen und Fulfulde im Norden des Landes sind die wichtigsten einheimischen Verkehrssprachen. (Karte zur Verbreitung der einheimischen Sprachen).

Mossimaske
Jahrhundertealter Maskentanz der Nioniosi Foto: Jörg Lange

Die räumliche Verteilung der lokalen Bevölkerung spiegelt die spezifische Wanderungs- und Siedlungsgeschichte der jeweiligen Volksgruppen wider. Viele der heutigen Ethnien haben sich während einer Zeit großer Völkerwanderungen vor ca. 500 - 800 Jahren durch Eroberung, Überlagerung, Gewaltenteilung oder friedliche Mischung mit autochthonen Völkern (Nioniosi) in ihrem heutigen Siedlungsgebiet formiert (Mossi, Gourmantché...). Die Sprache der Einwanderer dominierte, während die Sprache der Nioniosi bis heute als Sakralsprache fortbesteht. Mit Handel und modernem Berufsleben ist es zu einem immer stärkeren Miteinander- und Ineinanderleben der Ethnien gekommen. Dabei entstanden neue Ethnien wie die Silmi-Mossi, aus der Thomas Sankara hervorgegangen ist.

Zu gewalttätigen ethnischen Auseinandersetzungen kommt es in Burkina Faso so gut wie nie. Burkiner haben gelernt, mit Gegensätzen umzugehen und verhalten sich dem Fremden gegenüber ausgesprochen tolerant. Wenn trotzdem von Konflikten zwischen Ethnien berichtet wird, liegen die Motive meist in sozio-professionellen Differenzen. So liefern sich Hirten (Fulbe) und Bauern (Mossi) seit Jahrhunderten Keilereien. Meist geht es um Nutzung von Brunnenwasser oder Zertrampeln oder Kahlfressen von Feldern durch Viehherden, was die Gemüter erhitzt. Ein Beispiel ist ein dramatischer Konflikt zwischen Viehzüchtern und Bauern nahe der Provinzhauptstadt Manga. In Verbindung mit Migration kann es leicht zu Konflikten um Ressourcen mit der autochthonen Bevölkerung kommen, insbesondere wenn dabei Schürfrechte in Goldminengebieten auf dem Spiel stehen.

Scherzverwandtschaften

gegen Determination
In der Scherzverwandtschaft begegnen sich die Menschen auf gleicher Augenhöhe. Foto: Jörg Lange

Zwischen gewissen ethnischen Gruppen (z.B. Gurunsi/Bissa, Samo/Mossi, Fulbe/Bobo etc.) wird eine Kommunikationsform gepflegt, die in Burkina Faso unter der Bezeichnung "Rakiiré", französisch "Parenté à plaisanterie" (übersetzt "Scherzverwandtschaft" oder "joking relationship") bekannt ist. Bei solchen rituellen Komödien geht es darum, den anderen herabzusetzen bzw. sein Gegenüber als negatives Stereotyp seiner Volksgruppe zu verspotten, um sich zum Schluss über ihn zu stellen. Im "Gespräch" zwischen Angehörigen scherzverwandter Ethnien kommt es oft zu rituellem Beschimpfen und Beleidigen bis hin zu ausschüttendem Lachen. Neben einem mitunter hohen Unterhaltungswert trägt diese Art verbaler Rivalität dazu bei, Spannungen abzubauen und den sozialen Frieden in der multi-ethnischen Gesellschaft Burkina Fasos zu sichern. Ein Schuhputzer darf in diesem Spiel einen hohen Boss der scherzverwandten Ethnie beleidigen und die soziale Ungleichheit für einen Moment humorvoll aufheben. Ursprung der Scherzverwandtschaft zwischen Ethnien, die Beleidigungen bei Hochzeits- und Beerdigungsriten vorschreibt aber gleichzeitig beide Ethnien zu unbedingter Hilfeleistung und Solidarität verpflichtet, sind oft über 500 Jahre alte Friedensverträge zwischen den Ethnien und die Einsicht, dass kein Stamm den anderen physisch dominieren kann. Kaiser Soundiata Keita befahl seinen unter sich verfeindeten Stammesführern, ihren kriegswütigen Untertanen zu sagen: "Zieht mit den Waffen gegen die Feinde, aber wenn ihr sie seht, beschimpft sie erst solange, bis ihr euch krümmt vor Lachen, dann überlegt euch, ob ihr kämpft!" So entstand das erste afrikanische Großreich in Westafrika - im 13. Jahrhundert.

Altersgruppen und Geschlechterverhältnisse

In Burkina Faso werden alle 10 Jahre Volkszählungen durchgeführt. Die letzte Erhebung auf nationalem Niveau fand 2006 statt. Die Daten sind beim "Institut National de la Statistique et de la Démographie" (INSD) einzusehen. Daneben gibt es keine verlässlicheren Quellen. Trotzdem bietet das World Factbook der CIA eigene abweichende Zahlen. Deutlich wird, dass 46 % der Gesamtbevölkerung von 2006 jünger als 15 Jahre alt ist. Die folgende Tabelle bietet einen Vergleich der Altersstruktur in Deutschland und Burkina Faso nach Schätzungen von Juli 2011.

Burkina Faso Deutschland
Durchschnittsalter 16,82 44,90
Bevölkerungsanteil 0-14 Jahre (%) 45,80 13,30
Bevölkerungsanteil 15-64 Jahre (%) 51,70 66,10
Bevölkerungsanteil über 65 Jahre (%) 2,50 20,60
Verhältnis Männer/Frauen 0,96 0,99
Quelle: CIA - The World Factbook

Das Geschlechterverhältnis der Bevölkerung in Burkina Faso zeigt eine deutliche Mehrzahl der Männer im Alter von 0 bis 14. Das Geschlechterverhältnis schlägt nach dem 15. Lebensjahr um. Besonders im Alter zwischen 20 und 39 liegen die Zahlen der Männer und Frauen weit auseinander. Das dürfte daran liegen, dass der hohe Anteil im Ausland nach Arbeit suchender Männer bei Volkszählungen nicht erfasst werden kann.

Stadt-Land-Verhältnis

Überladener Pick-up
Migration in Burkina Faso © Jörg Lange

Die Kluft zwischen Stadt und Land kennzeichnet deutlich den Übergang von Tradition zu Moderne, in dem Burkina Faso ein Jahrtausend Entwicklung zu überspringen scheint. Die Infrastruktur auf dem Land (Wasser- und Stromversorgung, Schulen, Krankenanstalten, Straßen...) ist sehr dürftig bis inexistent. Es gibt auch heute noch Dörfer ohne Brunnen und ohne Schule. Die Analphabetenquote liegt in manchen ländlichen Gebieten über 90 %. Für Jugendliche übt die Stadt mit ihren trügerischen Möglichkeiten einen starken Sog aus, während sie genug haben von der gähnend langweiligen Arbeit ihrer Eltern auf den Feldern, und für sie Arbeit auf dem Land keinen finanziellen Anreiz hat. Die Folge ist Landflucht. Ouagadougou und Bobo-Dioulasso wachsen dadurch rasant.

Während in früheren Jahrzehnten Arbeitermigration hauptsächlich eine Domäne von Männern war, hat die Migration von Mädchen - schon ab 12 Jahren - aus ländlichen Gebieten in die Städte oder Nachbarländer, wo sie etwas Geld als Haushaltshilfe in Familien verdienen wollen, enorm zugenommen. Terre des hommes weist am Beispiel der Provinz Sourou auf die soziale und rechtliche Unsicherheit der Mädchen hin.

=> Mikrosoziale Strukturen

Chef de famille
Im Gehöft eines Mossibauern © Jörg Lange

Dorfgemeinden, Clans und Familie

Das Leben im Dorf bedeutet Leben als Teil einer Großfamilie. Die Prinzipien des Zusammenlebens sind weitgehend archaisch. Mit wenigen Ausnahmen (z.B. Lobi) ist die Familienstruktur patriarchal, es gilt Polygamie und Exogamie, d.h. die Frauen eines Dorfes stammen aus anderen Dörfern (ausgeweitetes Inzesttabu). Weitere Kennzeichen sind ein innerer Egalitarismus und das Senioritätsprinzip. Über die Regeln des Zusammenlebens wachen die Ahnen, mit denen ein Ältestenrat oder der Erdpriester in Verbindung steht. Vor allem das Eheversprechen von unmündigen Töchtern bzw. die Zwangsheirat haben in den letzten Jahrzehnten für viele Konflikte mit oft tödlichem Ausgang gesorgt.

Auf den Feldern arbeitet die ganze Familie, wobei Frauen u.U. auch eigene Felder bewirtschaften können. Frauen können durch Handel auf Märkten ihr Haushaltsgeld aufstocken. Ihnen obliegen die täglichen Aufgaben innerhalb des Hofes, während Männer für Bau und öffentliche Angelegenheiten zuständig sind.

Heute gibt es in so gut wie in jedem Dorf mindestens eine Bauern-Selbsthilfegruppe. Darunter sind viele Frauengruppen oder Jugendgruppen.

Infolge von ländlicher Armut und Landflucht fällt heute zunehmend auf, dass Dörfer von Alten und Kindern bewohnt werden, während die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter in den Städten lebt.

Die bäuerliche Tradition lebt auch bei denen, die längst in der Stadt wohnen, weiter. Auch ein Mossi, der seit Jahrzehnten in Abidjan arbeitet, fürchtet dort die Ahnen seiner Familie. Wer meint, sich von der alten Tradition lösen zu können, wird von ihr wieder eingeholt. Denn er bleibt ein Element in der tabubesetzten Vorstellungswelt seiner Familie.

Hierarchien und Kasten

feu Chef coutumier de Mahadaga
Traditioneller Chef der Gourmantché in Mahadaga/Tapoa © Jörg Lange

Ein gewählter "Délégué" oder "Conseiller" vertritt das Dorf gegenüber dem Präfekten des Departements, gibt ihm Rechenschaft über Vorgänge im Dorf ab und hat exekutive Gewalt.
Einem Ältesten oder Erdpriester obliegt dagegen die sakrale Macht. Er regelt auch Streitfälle und entscheidet über Landnutzung. Das Erdpriestertum wird vererbt.
An einzelnen Orten gibt es noch feudale Familien, die sog. Chefferie traditionnelle. Während zur Zeit Sankaras der Einfluss der traditionellen Autoritäten zugunsten der jungen CDR-Vertreter zurückgedrängt wurde, instrumentalisierte zur Zeit Compaorés die regierende Partei CDP das Ansehen traditioneller Autoritäten für ihre Wahlergebnisse. Während der Übergangszeit unter Kafando ist ein neuer Streit darüber entfacht, inwieweit traditionelle Chefs Parteigänger mit politischen Organisationen sein dürfen.

Bis heute gibt es in ländlichen Gegenden Burkina Fasos sozio-professionelle Gruppen, die alle Kennzeichen einer Kaste tragen. Dies gilt insbesondere für Schmiede in Yatenga oder Griots im Südwesten oder bei den Fulbe. Das "Wir-Gefühl" als Kaste ist bei Schmieden im Norden von Burkina Faso ausgeprägter als die ethnische Zugehörigkeit. Als Beherrscher von Blitz, Feuer und Metall werden ihnen magische Fähigkeiten zugeschrieben. Sie werden von der bäuerlichen Gesellschaft zugleich ausgestoßen, gefürchtet, respektiert und gebraucht. Einem Schmied ein Huhn zu schenken kann eventuell Unheil abwehren. Keramikgefäße dürfen nur die Frauen der Schmiede herstellen.

Eherecht und Frauenrechte

Das moderne Zivilrecht steht traditionellen Vorstellungen von Ehe und Unterordnung der Frau diametral entgegen. Über eine Frau bestimmt nach patriarchalem Denken bis zur Verheiratung ihr Vater, danach ihr Ehemann und nach dessen Tod einer seiner Brüder. Ein Mann behält somit die Kontrolle über weibliche Sexualität, um die gesellschaftlich bedeutsame Abstammung des Kindes von einem Mann sicherzustellen. Dass eine Frau ein Selbstbestimmungsrecht hat, ist für eine Burkinerin eine noch sehr junge Entdeckung, die mit dem Einbruch der Moderne, also Ende des 20.Jahrhunderts gekommen ist.

Die Forderung eines Brautpreises ist in traditionell bestimmten Gegenden bis heute üblich.
Das Alter der Frau bei Eheschließung ist traditionell sehr niedrig, wogegen sich heute Sensibilisierungskampagnen u.a. des Sozialministeriums wenden. Im Sahel heiraten 80 % aller Mädchen im Alter von 15-17 Jahren.

Laut Verfassung sind Männer und Frauen gleichberechtigt. Auch das Arbeitsrecht und die Gesetze zum Grundbesitz nehmen Bezug auf die Gleichbehandlung der Geschlechter. Im Eherecht stehen als Optionen Monogamie und Polygamie offen, wobei natürlich beide Ehepartner zustimmen müssen.

Ein Essay beschreibt, wie die Burkinerin auf einem Motoroller, der Yamaha dame, zu neuem Selbstbewusstsein in der Stadt gelangte. Entscheidende Impulse zur Übernahme neuer Rollen der Frau setzte die Zeit der Revolution 1983-1987, die sich auch Revolution der Frau nannte [Video]. Durch skurrile Maßnahmen wie Einkaufsverbotstage für Frauen wurde versucht, die Perspektiven der Frauen in den gesellschaftlichen Mittelpunkt zu stellen. 

Das panafrikanische Netzwerk der Organisationen für Frauenrechte und Entwicklung WiLDAF/FeDAFF bietet ein umfassendes Statement über die Stellung der Frau in Burkina Faso. Die Regierung versucht, die auf der Weltfrauenkonferenz von Peking verabschiedeten Instrumente zur Anwendung (nationaler Aktionsplan, Fortschrittsberichte an CEDAW etc.) zu bringen. 

Der Nationalrat gegen Beschneidungspraxis gibt während der FESPACO 2017 die Notfallnummer im Fall von Beschneidungen von Mädchen an. Foto: Jörg Lange

Weibliche Genitalverstümmelung, Zwangsheirat, Hexenvertreibung

Zwei Engagierte fordern die schnelle Abschaffung von Genitalverstümmelung, Foto: Jörg Lange
Das Plakat des CNLPE gibt die Telefonnummer an, über die Beschneidungen angezeigt werden sollen. Foto: Jörg Lange

Brisante Themen in der burkinischen Gesellschaft, die sich mit den Rechten der Frau beschäftigen, sind die weibliche Genitalverstümmelung, die Zwangsheirat und die Vertreibung von Hexen.

76 % aller erwachsenen Burkinerinnen sollen  Beschneidungen durch Klitoridekotomie oder Exzision erlitten haben. Das Durchschnittsalter ist 6 Jahre. Traditionelle Beschneiderinnen führen die Operation mit unsterilen Messern oder Klingen durch, was ein hohes Infektionsrisiko mit sich bringt. Auch wenn aus sozialer, religiöser, traditioneller, sexueller oder anderer Sicht Motive angeführt werden können, liegen Sinn und Ursprung dieser Praktik, die quer durch Ethnien und Religionen geht, im Dunkeln. Seit November 1996 ist Beschneidung per Gesetz verboten und muss angezeigt werden. Zahlreiche Vereine wie Songtaaba haben ihr den Kampf angesagt. Umfangreiche Sensibilisierungskampagnen, an denen auch Imame beteiligt sind, sowie Unterrichtseinheiten in Schulen haben in den letzten 15 Jahren für einen Rückgang dieser Praktik gesorgt. Aber Kampagnen und Verbote kommen nur bedingt gegen mentale Verstocktheit an. Es werden immer wieder Fälle heimlicher Beschneidung bekannt. In der Provinz Boulgou befreite die Bevölkerung gewaltsam inhaftierte Beschneiderinnen. Nach Eintreffen von Verstärkung konnte die Gendarmerie Rädelsführer festnehmen.
Das zentrale Krankenhaus "Yalgado" bietet Frauen durch die Rekonstruktion der Klitoris und einer Injektion im G-Punkt eine teilweise Reparatur an.

Die Verheiratung von Töchtern ist traditionell bei den Mossis und anderen Ethnien dem zwischenfamiliären Beziehungsnetz des Familienchefs untergeordnet. D.h. der Vater kann seine Tochter schon zum Zeitpunkt der Geburt oder davor einem Freund oder dessen Sohn versprechen und erhält darauf über Jahre Geschenke wie Tabak oder Kolanüsse. Er kann mit dem Versprechen auch Schuld sühnen oder wichtige Beziehungen einfädeln. Die spätere Weigerung der Tochter ist Tabubruch und wird mit Verbannung streng geahndet. Das moderne Gesetz verbietet Zwangsheirat, kann damit aber familiäre Tragödien nicht verhindern. Problematisch sind auch die vielen Fälle von Ehen mit minderjährigen Mädchen: Mehr als die Hälfte der Mädchen und Frauen werden vor ihrem 18. Geburtstag und 10% vor ihrem 15. Geburtstag verheiratet. Im Norden von Burkina Faso, wo die NGO Mwangaza gegen Kinderehe und Genitalverstümmelung kämpft, sind diese Zahlen noch höher. Laut Bericht von Amnesty International 2017 liegt die Quote verfrühter und erzwungener Ehen in Burkina Faso im weltweiten Vergleich sehr hoch.

Schweres Unheil hat nach traditionellem Denken seine Ursache im Willen eines anderen Menschen. Mit Hilfe von Magie werden Schuldige aufgespürt. Sündenböcke für den Tod von Kindern sind dabei alte Frauen, die als Seelenesserinnen entlarvt werden. Sie müssen aus ihren Dörfern fliehen und einige gelangen bis in die Hauptstadt Ouagadougou. Sie verbringen den Rest ihres Lebens in Asylen wie dem "Centre d´accueil de Delwende", das über 400 Frauen beherbergt. Im November 2011 berichtete das burkinische Fernsehen über die Umsiedlung des Asyls nach Sakoula, dem nord-östlichen Stadtrand von Ouagadougou. Die vertriebenen Frauen wurden dabei als "Pensionnaires" bezeichnet.

Bildung

=> Schulausbildung

Schulkinder in Burkina Faso
Schulkinder in Fada N´Gourma
© Jörg Lange

Das formelle Ausbildungssystem ist weitgehend vom französischen Vorbild übernommen, genauso wie die Schulabschlüsse C.E.P., B.E.P.C. und BAC. Obwohl Schulpflicht ab 6 Jahre besteht, durchlaufen weniger als die Hälfte aller Kinder die sechsjährige Grundschule. Es gibt viel zu wenig Lehrer und Schulen. Vor allem in der Ost-Region werden notdürftig Klassen unter Strohdächern eingerichtet. Da ein Schulabschluss keinen bezahlten Job mehr garantiert, ist die Bereitschaft der Eltern, ihre Kinder zur Schule zu schicken, gesunken. Kosten für Elternbeitrag, Schulmaterial und Kleidung belaufen sich bei einem Grundschüler auf nicht mehr als 10,- EURO pro Jahr. Schulkinder fallen aber als Haushaltshilfen oder zum Hüten von Schafen in den Familien aus. In Städten können Klassen mit über 100 Kindern besetzt sein. Bei solchen Verhältnissen sinkt die Qualität des Unterrichts stetig. 14 % aller Kinder erreichen weiterführende Schulen, also Collège (Realschule) oder Lycée (Gymnasium), die sich zu 90 % in Städten befinden.

Im Schuljahr 2013-14 waren laut Statistik 2.013.678 von 3.125.631 Kindern im schulpflichtigen Alter an Grundschulen eingeschrieben, das entspricht 64,4 %. Ein Unterschied zwischen der Einschulung von Mädchen und Jungen ist dabei kaum noch zu erkennen (64,7 % Jungen und 64,2 % Mädchen). 22,3 % gehen auf weiterführende Schulen. Auch hier liegt der prozentuale Anteil für Jungen nur noch bei 1,9 % über dem der Mädchen.

Im Jahr 2012 versuchten 49.492 Gymnasiasten, das Abitur (BAC) zu erreichen.
Im Jahr 2013 kam es erneut zu Streiks und Demonstrationen der Lehrer gegen schlechte Arbeitsbedingungen, denen sich die Schüler anschlossen.

Wer über Geldmittel verfügt, schickt seine Kinder - wie es die verantwortlichen Politiker und ausländische Entwicklungsexperten tun - auf private Schulen, die teure französische oder amerikanische Schule und lässt sie im Ausland studieren. Das Vertrauen in die staatlichen Schulen und Universitäten unter dem Ministère de l´Enseignement Nationale et de l´Alphabetisation (MENA) und dem Ministère de l´Enseignement Supérieur, de la Recherche Scientifique et de l´Innovation (MRSI) ist bei fehlender Ausstattung und schlecht bezahlten Lehrern gering.

Einschulung von Jungen und Mädchen seit 2000 an Grundschulen und weiterführenden Schulen © DGEES MENA D.R.
Schulausbildungsstand in den Provinzen
Entwicklungsstand der Schulbildung in den einzelnen Provinzen - auch nach 20 Jahren wenig Änderungen
© IRD

Einschulquote im internationalen Vergleich

Laut HDI von 2015 hat Burkina Faso eine der niedrigsten Quoten des Schulbesuchs auf der ganzen Welt. Es fehlt der politische Wille, Grundbildung als vorrangiges Ziel der Entwicklung des Landes anzuerkennen und zu fördern. Auch für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ist Bildung in Burkina Faso kein Schwerpunkt.
Laut NetAfrique rangiert Burkina Faso bei der Rate der alphabetisierten Erwachsenen im Dezember 2013 auf Rang 52 von 52 afrikanischen Ländern. Aus den Zahlen der letzte Analyse der UNESCO zur Schulsituation in Burkina Faso geht u.a. hervor, dass die Benachteiligung von Mädchen bei der Einschulung zurückgeht, weniger aber bei weiterführenden Schulen.
Insgesamt hat sich die Einschulungsrate in den letzten Jahren leicht erhöht.
Der weiteren bildungspolitischen Entwicklung liegt der Sektorplan 2012-21 zugrunde.

Drogenkonsum an Schulen

Der Drogenkonsum von Schülern in Burkina Faso ist zunehmend zu einem erschreckenden Phänomen geworden. Von der UNO (UNUDC), der CEDEAO und EU sowie einigen Kommunen werden Initiativen von Schülern und Eltern unterstützt, die mehr Aufklärung und Sensibilisierung zum Thema Drogenmissbrauch in Schulen fordern.

Zweisprachiger Unterricht

Versuche mit einem zweisprachigen Grundschulsystem, "école bilingue", mit besonderer Unterstützung der Schweizerischen NRO OSEO, stecken noch in den Anfängen.

=> Fach- und Hochschulausbildung

Es gibt in Burkina Faso drei staatliche Universitäten (die Université de Ouagadougou, die Université Polytechnique de Bobo-Dioulasso und die Université de Koudougou) und zwei katholische Privatuniversitäten (die Université St Thomas d'Aquin bei Ouagadougou und die Université Catholique d'Afrique de l'Ouest in Bobo-Dioulasso). Die größte Hochschule ist die Université de Ouagadougou. Bis heute fehlt es immer noch an ausreichenden Studienmöglichkeiten. Die Regierung gewährt deshalb für die Ausbildung an europäischen und afrikanischen Universitäten Stipendien. Die Universitäten bieten teilweise berufsbezogene Ausbildungsprogramme an.

In Ouagadougou gibt es auch mehrere Filmhochschulen, unter ihnen befinden sich das Institut Africain d´Education Cinématographique de Ouagadougou (INAFEC) und das Institut Supérieur de l´Images et du Son (ISIS).

Neben den Universitäten gibt es einige regionale Fachhochschulen wie 2ie. Weitere Informationen über die Hochschulausbildung in Burkina Faso bieten das MESS (Ministère de l'Enseignement Secondaire et Supérieur) und die Datenbanken des Internationalen Büros für Erziehung der UNESCO an. Ein weiterer Online-Service derselben Institution, UNEVOC, bereitet eine aktuelle Liste international anerkannter technischer Berufsschulen in Burkina Faso vor. Insgesamt bleiben berufsspezifische Ausbildungsangebote in Burkina Faso aber Mangelware. 

=> Non-formale Ausbildung

Eingang Tin Tua
Eingang von Tin-Tua in Fada N´Gourma Foto: Jörg Lange

Die non-formale Bildung umfasst im Wesentlichen das Alphabetisierungsprogramm des MENA (Ministère de l'Enseignement National et de l'Alphabétisation). Geldgeber für dieses Programm sind die EU, UNICEF, die Welthungerhilfe, die Weltbank, PAM und die Afrikanische Entwicklungsbank, Frankreich, Kanada, Belgien, Niederlande, Schweden, Luxemburg, VR China, Dänemark. 

Alphabetisierung in lokalen Sprachen bietet unter anderem die Selbsthilfeorganisation "Association Tin Tua" mit Sitz in Fada N´Gourma an. Tin Tua wurde 2009 dafür mit einem Preis der UNESCO ausgezeichnet.

Gesundheit und Sozialwesen

=> Moderne Medizin

Clinique Notre Dame de la Paix
Klinik des früheren Präsidenten von Obervolta Jean- Baptiste Ouedraogo Foto: Jörg Lange

Laut Statistik der WHO (Weltgesundheitsorganisation) sind Infektionen der Atemwege (insbesondere Lungenentzündung) die häufigste Krankheit und häufigste Ursache für den Tod von Kindern. Dicht darauf folgen Malaria und Durchfallerkrankungen. Ein weiteres Problem ist die Infektionsrate von HIV / AIDS. Die Prävalenz wurde 2015 mit 0,7 bis 1 % angegeben, 4 % niedriger als 15 Jahre zuvor. Eine gefährliche und oft tödlich verlaufende Infektionskrankheit ist auch Meningitis. Burkina Faso wird während der Trockenzeit in den Monaten Februar bis April regelmäßig von Epidemien der Meningokokken-Hirnhautentzündung (Meningitis) heimgesucht. 

Die moderne Gesundheitsversorgung ist auf insgesamt fünf Ebenen (vergleichsweise Dorf, Departement, Provinz, Region, Land) organisiert:

  • Poste de Santé Primaire (PSP)
  • Centre de Santé et de Promotion Sociale (CSPS)
  • Centre Médical (CM) bzw. Centre Médical avec Antenne Chirurgicale (CMA)
  • Centre Hospitalier Regional (CHR)
  • Centre Hospitalier National (CHN)

Auf unterster Ebene ist die Ausstattung sehr schlecht bis gar nicht vorhanden. In einem CSPS ist normalerweise kein Arzt anzutreffen. Das Zentrum wird von einem Krankenpfleger geleitet, der hier die Kompetenzen eines Chefarztes haben soll. Der "CHN Yalgado Ouedraogo" in Ouagadougou hat den Ruf, eine Sterbestation zu sein. Ärzte sind hier überfordert und schlecht bezahlt. Gelder fließen unter der Hand. Die Zustände sind für europäische Maßstäbe chaotisch. Wer es sich leisten kann, bringt seine Kranken in private Krankenanstalten, wo oft dieselben Ärzte aus "Yalgado" nach Feierabend behandeln.

=> Traditionelle Medizin

Die schulmedizinisch ausgebildeten Ärzte verschreiben in Burkina Faso oft ellenlange Rezepte und haben wenig Vorbehalte gegen die Anwendung von Antibiotika. Das schreckt bereits viele ab, für die "weiße" Medikamente unerschwinglich teuer sind, überhaupt zu einem Arzt zu gehen. Der Verkauf unkontrollierter Medikamente von fliegenden Händlern, die meist aus Ghana eingeführt werden, blüht trotz vieler Gegenkampagnen ("Les médicaments de la rue, ça tue!").

Viele gehen zu Heilern mit magischen Fähigkeiten oder Scharlatanen, die Gris-gris (Amulette/Glücksbringer) verkaufen oder geisterbeschwichtigende Handlungen auferlegen (z.B. ein Ei im Straßenverkehr aus einem Taxi fallen lassen, einem Blinden ein Tuch geben, Brot an bettelnde Koranschüler, einen roten Hahn an einen Schmied...). Nach ihrem Verständnis hat Krankheit seinen Ursprung in einer verborgenen Welt, in der sie auch durch Beruhigung der Geister (Kinkirgha) geheilt werden kann. 

Bilder ausgewählter Produkte der Naturheilpraktiker-Genossenschaft, Phytosalus
Ausgewählte Produkte der Naturheilpraktiker-Genossenschaft, Phytosalus.
© Phytosalus

Daneben ist die traditionelle Medizin auf pflanzlicher Basis (pharmacopée) Bestandteil des Gesundheitssystems geworden. Sie ist in Burkina Faso seit 1994 gesetzlich anerkannt. Im Jahre 2004 hat Burkina Faso dieser Medizin einen bezeichnenden Impuls gegeben. So ist eine nationale Politik zur Regulierung des Sektors am 13. Oktober 2004 von der Regierung angenommen worden. Die Praxisbedingungen und die Zulassung für Naturheilmittel sind ebenfalls von der Regierung in Zusammenarbeit mit den Akteuren des Fachgebietes definiert worden. Über 30.000 Heilpraktiker soll es im ganzen Land geben. Der Bereich entwickelt sich weiter. Moderne Strukturen und Unternehmen wie PROMETRA Burkina, Phytosalus, Phytofla usw. sind in städtischen Gebieten bereits anerkannte Institutionen.  

=> Sozialwesen: Organisationen und Institutionen

Im sozialen Bereich verfügt Burkina Faso über eine Vielzahl von Nichtregierungsorganisationen oder Selbsthilfegruppen aller Art. Die Vernetzung und Koordination dieser NRO wird durch eine Reihe von Dachorganisationen, wie beispielsweise das Sekretariat der NRO (SPONG), gesichert.

Eine der wichtigsten staatlichen Institutionen für Gesundheits- und Altersversorgung ist die seit über 50 Jahren bestehende CNSS (Caisse Nationale de Sécurité Sociale). Ihre Aufgabe ist es, die sozialen Sicherungssysteme für Lohnabhängige und ihre Familienangehörigen (ca. 20 % der Bevölkerung) in Burkina Faso zu verwalten. Die Vorsorge-Institution ist in drei Zweige gegliedert:
- Die Familienversicherung zahlt Leistungen (z.B.: Schwangerschaftsgeld, Familienzulagen und Unterstützungsleistungen für Mutter und Kind in Form von Sachleistungen) an Familienangehörige.
- Die betriebliche Versicherung ist zuständig für Leistungen bei Unfällen und Berufskrankheiten.
- Die Rentenversicherung greift bei Altersversorgung, Invalidität und Tod des Versicherten.
Diese Leistungen werden mit gesundheitlichen und sozialen Maßnahmen ergänzt.
In Burkina Faso besteht eine Pflichtversicherung für alle Arbeitnehmer.

Die CNSS bietet keine allgemeine Krankenversicherung an. Diese wird nur von privaten Versicherungsgesellschaften angeboten. Allerdings sind die Leistungen auch dort sehr beschränkt.

Der oft in Subsistenzwirtschaft arbeitenden ländlichen Bevölkerung, die 80 % der Bevölkerung ausmacht, kommen solche Möglichkeiten nicht zugute. Für sie ist weiterhin die Großfamilie Solidargemeinschaft im Fall von Hunger und Krankheit.

Um soziale Randgruppen wie Bettler, Menschen mit geistiger Behinderung (les fous), vertriebene Hexen, wegen Schwangerschaft verstoßene Teenager... aufzufangen, gibt es ein Sozialamt, "L´Action Sociale", dessen Möglichkeiten bei knappen Geldmitteln bescheiden ausfallen. 

Kultur

CCB
Die Kulturszene konzentriert sich mehr und mehr auf den Stadtteil Gounghin, hier: Centre Culturel Burkinabe Georges Kabore Foto: Jörg Lange

=> Events

FESPACO

Plakat vom burkinischen Filmemacher Idrissa Ouedraogo im FESPACO-Gebäude Foto: Jörg Lange
Plakat zum FESPACO 2017 in Ouagadougou Foto: Jörg Lange

Das bekannteste und weltweit beachtete kulturelle Großereignis von Burkina Faso sind die Filmfestspiele "Festival Panafricain du Cinéma et de la Télévision de Ouagadougou", das FESPACO. Diese finden seit 1969 alle zwei Jahre in Ouagadougou statt. Sie gelten als "Schaufenster" des afrikanischen Kinos.

Die 25. Ausgabe des FESPACO fand von 25.02.-04.03.2017 statt. Dafür wurden 950 Filme eingereicht, 70 davon aus Burkina Faso. 20 Filme wurden von der Jury für den Wettbewerb ausgewählt. Viele Filme behandeln aktuelle Themen Afrikas. Wie nie zuvor standen bei diesem FESPACO Frauen im  Zentrum. Der burkinische Eröffnungsfilm "Frontièrs" von Apoline Traore kritisiert die fehlende Grenzfreiheit zwischen CEDEAO-Staaten. In diesem Roadmovie reisen 4 Frauen von Dakar nach Lagos und ihre bescheidenen Geschäfte stoßen auf alle denkbaren Grenzen. "Wulu" aus Mali deckt die Komplizenschaft von malischem Militär und Al-Qaida im Drogenhandel auf. Der burkinische Film von Adama Roamba "Le forêt de Niolo" setzt sich mit Reichtum und todbringender Umweltzerstörung in Burkina Faso auseinander. Der Sieger des "Etalon d´or de Yennenga" wurde am 04.03.2017 bekannt gegeben: "Félicité" von Alain Gomis aus dem Senegal, der bereits vor 4 Jahren den ersten Preis mit Tey (= "heute") erhielt. Hauptperson des sehr musikalischen Films ist eine Barsängerin in Kinshasa, die in einem elektrisierenden Milieu lebt. Ihr Leben wird zu einem harten Kampf, den sie mutig und unerbittlich führt. Der Film wurde bereits 4 Wochen zuvor auf der Berlinale präsentiert und wurde als eine der traurigsten Geschichten bezeichnet, die jemals auf der Berlinale erzählt wurden. Er erhielt in Berlin den "Silbernen Bär des großen Preises der Jury".
Das FESPACO 2017 bewies, dass es in Ouagadougou eine lebhafte Filmkulturszene gibt, die aber von den Volksfestivitäten der "rues marchandes" (Reihen mit folkloristischen Verkaufsbuden und Bierschänken mit Grillfleisch) abgehoben ist und sich auch nicht im Konsens mit den sie begleitenden politischen Reden befindet.
Es gibt in Ouagadougou nur zwei größere burkinische Kinosäle und die Filme dringen nicht in die Stadtteile oder zur ländlichen Bevölkerung vor.

Während der Premierminister im Hintergrund abfährt, antwortet Produzentin Apoline Traore nach dem Eröffnungsfilm "Frontières" am 26.02.2017 den Fragen der internationalen Journalisten, Foto: Jörg Lange
Mancher Glanz und Glimmer von europäischen oder amerikanischen Filmfestspielen wird auch in Ouagadougou kopiert. Foto: Jörg Lange

SIAO

Zweitgrößtes kulturelles Ereignis ist der SIAO, der "Salon International de l'Artisanat de Ouagadougou", eine Kunsthandwerksmesse. Er findet in zweijährigem Rhythmus statt. (2014 fiel er wegen Ebolagefahr aus.) Die 14. Ausgabe des SIAO fand vom 28.10. bis 06.11.2016 statt. Gastland war Ghana. Die Messe zeigte auf etwa 10.000 m² Ausstellungsfläche Produkte aus ganz Afrika. 2.710 Aussteller standen 250.000 Besuchern gegenüber. Das reichhaltige Angebot an burkinischem Kunsthandwerk zeugte von der handwerklichen Tradition des Landes. Als wichtigste Handelswaren sind Bronzestatuetten, die mit der Technik der verlorenen Form hergestellt werden, Holzarbeiten wie Masken und Statuetten, aber auch Musikinstrumente (Djembé, Balafone etc.), Lederwaren, Flechtwaren, Baumwolldecken und traditionell gewebt, gefärbt und geschneiderte Stoffe (Nationaltracht: Faso dan Fani), sowie mit unterschiedlichen Batiktechniken bemalte Stoffe zu nennen. Schuhe und Schmuck wurden von Nordafrikanern angeboten. Der SIAO ist eine Demonstration gegen Massen- und Billigproduktion. Von vielen Besuchern wurden daher die hohen Preise der Produkte beklagt. Einige organisatorische Mängel (stundenlanges Schlangestehen vor dem Eingang, keine klare Strukturierung der Ausstellungshallen, kein Plan) konnten auch 2016 nicht behoben werden. Vielleicht verbessert sich das zur 15. Ausgabe der SIAO vom 26.10. bis 04.11.2018.



Village Artisanal
Kunsthandwerk im "Village Artisanal" permanent neben dem Gelände der SIAO Foto: Jörg Lange

Ebenfalls zweijährig wird die "Semaine Nationale de la Culture" (SNC) abgehalten. Ziel der SNC ist die Förderung der nationalen Kulturszene. Mit wechselnder Themenstellung wird sie seit 1990 in Bobo-Dioulasso abgehalten. Bei der Preisvergabe werden in unterschiedlichen Kategorien auch die kulturellen Unterschiede der Regionen berücksichtigt. Vom 22.03. bis 29.03.2014 fand die 17. Ausgabe der SNC in Bobo-Dioulassou statt. Die 18. Ausgabe der SNC fand vom 26.02.-02.04.2016 statt. Die 19. Ausgabe ist für 24.-31.03.2018 geplant

Nicht nur vom Staat wird die Kulturszene animiert, sondern auch von privaten und professionellen Kulturinstitutionen.

Einige international bekannte unabhängige Veranstaltungen sind:

=> Film und Theater

In Köln: Neue Filme aus Afrika Foto: Jörg Lange
In Köln: Neue Filme aus Afrika Foto: Jörg Lange
Dani Kouyaté Foto: Jörg Lange
Dani Kouyaté Foto: Jörg Lange

Neben der Austragung des FESPACO als größtem afrikanischem Filmfestival hat Burkina Faso selber international renommierte Filmemacher hervorgebracht. Unter anderem erhielten die Filme "Wend Kuuni" und "Buud Yam" von Gaston Kaboré sowie "Tilai" von Idrissa Ouedraogo mehrere  große Preise, auch in Cannes. Die Filme behandeln meist Probleme der Tradition Afrikas und sind ästhetisch und filmtechnisch vom französischen Film beeinflusst. Weiterhin international bekannt wurden Fanta Régina Nacro, Pierre Yaméogo, Appoline Traore, Sanou Kollo David und Dani Kouyaté, der Sohn des bekannten Schauspielers Sotigui Kouyaté.

Komödienhafte Fernsehserien werden im eigenen Land gedreht. Besonders beliebt sind "Commissariat de Tampy", "Kadi Jolie" und "Les Bobodiouf", "Faits de société" oder "Vis A Vis". Viel beachtet ist augenblicklich die Serie "Le Testament" von Appoline Traore, in der es nicht immer komödienhaft zugeht.

Die Theaterlandschaft ist sehr bunt. Es gibt viele kleine Theater, die zum Teil versuchen über soziale und gesundheitliche Probleme, wie z.B. AIDS, aufzuklären. Immer mehr ist das burkinische Theater aber zu einem Autorentheater geworden, das sich künstlerisch mit sozialen Themen auseinandersetzt. Seit 13 Jahren gibt es Theaterstrukturen, die Theater schaffen und zeigen und die sogar Spielpläne herausgeben.
Inspiriert vom brasilianischen "Theater Forum" gründete Prosper Compaore 1978 das Atelier-Théâtre-Burkinabé als "soziales Theater" oder "Entwicklungstheater". Der Schauspieler Etienne Minoungou war bereits mehrmals in Deutschland auf der Bühne zu sehen.
In Ouagadougou finden alle zwei Jahre die Récréâtrales, eines der größten Theaterfestivals im frankophonen Afrika, statt. Die Récréâtrales sind das einzige produzierende Theaterfestival Westafrikas. Sie bieten seit 2002 Kreativteams aus ganz Afrika Residenzen für panafrikanische Theaterproduktionen, Ausbildung und Dramaturgie an. Die 9. Ausgabe des Festivals der Récréâtrales fand vom 29.10.-05.11.2016 statt. Ein ganzer Straßenzug (Cartel) im Stadtteil Gounghin mit Bühnen, Livekonzerten, Tanz, Recyclingkunst, Straßenrestaurants und Festbeleuchtung zog tausende Besucher jeden Alters und Herkunft an. In den Theatern blieb kein Stuhl unbesetzt.

Während das FESPACO sein Pendant in der FilmInitiative Köln (18.09.-28.09.2014, Schirmherr Dani Kouyaté) hat, findet die Récréâtrale in Köln in dem africologneFESTIVAL, einem Festival des afrikanischen Theaters, alle zwei Jahre ihr Gegenüber.
Dani Kouyaté stellte bei der FilmInitiative Köln "Filme aus Afrika" seinen  Film "Soleil" vor. Am Tag zuvor fand im Caritas-Zentrum Köln ein Workshop zum Thema "Kultur ohne Grenzen" statt. Dabei ging es um die Erfahrungen, die bei der interkulturellen Zusammenarbeit Köln-Ouagadougou gemacht wurden. Der Autor dieses Länderinformationsportals konnte mit Dani Kouyaté ein Interview führen.

Die vierte Ausgabe des africologneFESTIVAL findet vom 14. bis 24. Juni 2017 statt.
Die dritte Ausgabe des africologneFESTIVAL hat am 17.06.2015 in Köln mit der Inzenierung der Choreographie von Serge Aimé Coulibaly "Nuit blanche à Ouagadougou" begonnen, einem Volksaufstand auf der Bühne, bei dem auch Rapper Smockey (Serge Bambara) mitwirkt und endete am 27.06.2015. Revolte in Afrika am Beispiel von Burkina Faso war Gegenstand des Dialog-Forums am 19.+20.06. im Filmforum Museum Ludwig. Neben afrikanischer Selbstbefreiung war Rohstoffausbeutung ein Thema. An dem Dokumentartheater "Coltan-Fieber" und seinem zweiten Teil "Musika" wirkte auch Aristide Tarnagda mit.

Präsentation "Nuit blanche à Ouagadougou" in Köln am 17.06.2015 Foto: Jörg Lange
Les Zéros Morts - Die Schutzlosen
Deutsch- burkinische Theaterzusammenarbeit, Les Zéros Morts ("Die Schutzlosen") im Theater CITO in Ouagadougou Foto: Jörg Lange
Regisseur und Autor
Nach der Premiere von "Les Zéros Morts" in Ouagadougou am 07.01.2015 - Schauspieldirektor Bernhard Stengele aus Altenburg-Gera und Autor Paul Zoungrana Foto: Jörg Lange
Carrefour International de Théâtre de Ouagadougou, Ankündigung von "L´autopsie" von Justin Drabo ©: CITO DR

Zu den bekanntesten Theatern in Ouagadougou gehört neben dem erwähnten ATB das CITO (Carrefour International de Théâtre de Ouagadougou), neben dem Stade municipale gelegen.

Außerdem sind "Espace Culturel Gambidi" in Dasassgho (Osten von Ouagadougou), "Théâtre le Roseau", "Cartel" und "Compagnie Marbayassa" viel besuchte Theater.

Operndorf von Christoph Schlingensief

Entwurf des Operndorfes
Entwurf des schneckenhausförmig angelegten Operndorfes Quelle: operndorf-afrika.com

Als ein Werk deutscher Aktionskunst wurde vor einigen Jahren etwa 35 km nord-östlich der Hauptstadt Ouagadougou der Bau eines "Operndorfes" begonnen, das von dem 2010 verstorbenen Christoph Schlingensief inspiriert und von dem Architekten Francis Kéré weiter gebaut wird. Geplant wurde ein Ort interkultureller Begegnung. Die Plattform für Kreativität und Umdenken ruht auf Bildung, Gesundheit und Kultur. Kunst und Leben bilden eine Einheit. Daher wurden zunächst eine Schule und eine Krankenanstalt errichtet. Gemäß dem Verständnis von Schlingensief "Wenn ein neugeborenes Kind schreit, dann ist das die wahre Opernmusik" entstand eine Geburtenstation. Die architektonische und versorgungstechnische Qualität der Einrichtungen für Patienten der Umgebung und für 200 Schüler ist für burkinische Verhältnisse überdurchschnittlich. Ein Tonstudio wurde mit der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf eingerichtet. Es gibt ein monatliches Kulturprogramm (Marionettentheater, Gastspiele, Konzerte), ein Festspielhaus ist aber noch nicht gebaut.
An dem Projekt wurde vor allem von Entwicklungstheoretikern kritisiert, dass ihm die exzentrische Idee eines selbstbezogenen deutschen Künstlers zu Grunde liegt und das Vorhaben nicht auf den Ideen und Initiativen der burkinischen Kulturszene basiert, die vielfältiger Förderung bedarf. Kritisiert werden die hohen Investitions- und Folgekosten, die das Projekt durch seine intensive Medienpräsenz bisher eintreiben konnte und vielleicht weiter kann. Zuviel Fördermittel (z.B. des Goethe-Instituts) gehen der mittellosen kulturellen Infrastruktur in Ouagadougou und damit talentierten burkinischen Künstlern verloren. Private Fördervereine behaupten, dass sie mit den gleichen Kosten ein Mehrfaches an Schulen und Krankenanstalten bauen lassen könnten.
Das Projekt erfuhr im Laufe der Zeit Umbrüche. Nicht ein deutsches Opernhaus soll in der Wüste gebaut werden. Der erweiterte Begriff "Oper" meint die Harmonie in der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen. Es geht heute vielmehr um eine Bühne zur Ansiedlung sich frei entfaltender burkinischer Musik, Tanz und Theater, die nicht an ein fest stehendes Haus gebunden sind. Die Projektverantwortlichen, an der Spitze die Witwe Schlingensiefs, Aino Laberenz, bemühen sich daher sehr, namhafte Kulturschaffende aus Burkina Faso in Planung und Veranstaltungen einzubinden. Dabei entsteht ein neuer Raum eigenständigen burkinischen Kulturlebens. Schauspieler Etienne Minougou, Rapper Smockey, Filmemacher Gaston Kaboré, Choreographin Irène Tassembédo, Komponist Konomba Traoré und Bildhauer Siriki Ky gehören zum künstlerischen Beirat des Vorhabens.
Das Zusammenwachsen von Kreativität in der ländlichen Bevölkerung und Kulturleben in der Metropole bleibt Herausforderung und ein Stück harte Arbeit im Operndorf. (Video)

=> Bildende Kunst

"Naiver" Maler Ilboudou Souleymane
"Naiver" Maler Ilboudou Souleymane Foto: Jörg Lange

Unter den Künstlern ist der Bildhauer Jean-Luc Bambara durch Ausstellungen in Europa bekannt. Er war auch gemeinsam mit Siriki Ky an der Entstehung des Skulpturenparks in Laongo beteiligt. Adama Pacode (geb. 1970) ist für seine Assemblagen bekannt, in denen er Mythen und Riten als lebendige Kräfte beschreibt. Als noch junge Maler sind Christophe Sawadogo, Fernand Nonkouni, Jean-Didier Yanogo, Sama, Mahamoudou Zinkoné ("naive" Malerei), Salimata Kaboré, Kader Boly und Inoussa Simporé zu nennen.

Suzanne Ouédraogo setzt sich in ihren zoomorphischen Darstellungen des Menschen mit der Verarbeitung von Themen wie Beschneidung, Geburt, Natur, Wildheit und Gleichstellung auseinander. Tiere sind das Medium der Tierarzttochter. "Der Mensch kann tierischer sein als das Tier." 2009 wurde sie als "Femme d´or de peinture" geehrt. Suzanne Ouédraogo arbeitet eng zusammen mit Marie-Blanche Ouédraogo.

Bild von Suzi
Les toros
Bild von Suzi
Rêve jaune
Bild von Suzi
Festival - Bilder von Suzanne Ouédraogo, Fotos: Jörg Lange

Fotografie

Im Bereich der Fotografie ist Nomwinde Vivien Savadogo über die Grenzen Burkina Fasos bekannt. Von 30. März bis 5.Juni 2017 stellt er seine Bilder in München aus.

=> Literatur

Literatur begann in Burkina Faso mit dem ersten Aufschreiben alter Mythen und Legenden. Literaturgeschichte begann aber erst nach der Unabhängigkeit mit dem Werk von Nazi Boni (1909-1969) "Crépuscule des temps anciens" aus dem Jahr 1962. Es geht dabei um die Konfrontation traditioneller Werte mit dem herrschenden Kolonialismus. Das Buch ist gleichzeitig eine Chronik der Geschichte seines Stammes, der Bwamu (Bwaba). Wie Boni waren Roger Nikiema, Pierre Dabiré und Maître Titinga Frédéric Pacéré als Schriftsteller von der Négritude beeinflusst, nicht zu vergessen Joseph Ki-Zerbo ("Die Geschichte Schwarz-Afrikas"). Als Schriftstellerinnen traten in neuerer Zeit Monique Ilboudo (Juristin, Politikerin, Romanautorin), Bernadette Sanou und Sophie Heidi Kam (geb. 1968, Dichterin und Dramaturgin) in Erscheinung. Mit Tradition und Kolonialismus befasst sich auch die esoterisch anmutende Autobiographie "Vom Geist Afrikas - Das Leben eines afrikanischen Schamanen" (Original: "Of water and the spirit") von Malidoma Patrice Somé, der seit langem als Professor in den USA lehrt. Sein Buch führt in Geheimnisse der magischen Welt der Dagara. Somé wurde als 6-jähriges Kind von einem französischen Pater entführt und auf einer Jesuitenschule erzogen.
Zu den zeitgenössischen Dichtern zählen auch Jaques Boureimane Guegane und Patrick Couldiaty.

Justin
Justin Stanislas Drabo, Literaturpreisträger der SNC Bobo 2016, Bobo 2014 und Bobo 2012 Foto: Jörg Lange

Justin Stanislas Drabo ist aktueller Preisträger des "Grand Prix Nationale des Arts et des Lettres". Bei den letzten SNC 2016 erhielt er den 1.Preis für Poesie für "Les terres amères". 2014 erhielt er den Literatur/Theaterpreis für sein Drama: "La république en jupon". Bei der SNC 2012 wurde sein Werk "Les Confessions d'une muette" in der Kategorie Literatur/Novelle mit dem 1. Preis ausgezeichnet.
Sein Werk "Le Fruit béni du péché" wurde 2013 bei den Spielen der Francophonie in Nizza nominiert. Bei der Recréâtrale 2014 stellte er sein Stück "L´autopsie" vor. Er kündigte auch sein Stück "L´ingérence" an, das sich mit dem Verhältnis der deutschen Kooperation zur burkinischen Politik kritisch auseinandersetzt. Dieses Stück wird am 18.06 2017 in Köln im Beisein des Autors in deutscher Sprache auf der africologne präsentiert werden.
Drabo schreibt auch Gedichte und Liedtexte. Zu seinen Gedichten gehören "Identité" und "Les proses roses sur une tombe", eine Hommage auf Thomas Sankara.
Leider fanden seine Werke noch keinen Verleger.

=> Musik

Wendy
Der Autor dieses Länderinformationsportals zu Burkina Faso mit Wendy (Stéphanie Nikiema) © Jörg Lange

Musik als ästhetisches Klangerlebnis kennt man in Burkina Faso erst seit dem 20. Jahrhundert. Traditionell hat Musik ihren Sitz im kultischen oder sakralen Leben. Geschichte(n) wurde(n) von Griots gesungen.

Das in Pentatonik gestimmte Balafon mit bis zu 21 Stäben ist im Westen von Burkina Faso vor allem bei den Senufo (Immatrielles Kulturerbe der UNESCO) verbreitet, während im Osten und im Mossigebiet traditionelle Musik aus Trommeln und Flöten hervorgebracht wird. Dabei ist Musik immer mit Bewegung verbunden. Flöten sind manchmal nur auf einen Ton gestimmt. Die Melodie entsteht, indem mehrere Flötisten ihren unterschiedlichen Ton synchron zu gemeinsamen rhythmischen Gehbewegungen blasen, jeder an seiner Stelle. In Ouagadougou befindet sich ein Museum für Musikinstrumente im Stadtteil Paspanga.

Der im Februar 2012 gestorbene Georges Ouédraogo prägte als Sänger und Komponist fast fünf Jahrzehnte lang die burkinische Musik. In den 1960er Jahren war er Schlagzeuger im "Volta-Jazz" und tingelte - nach Aufenthalten im "Jazz club quartier latin" von Treichville/Abidjan - in den 70ern mit der karibisch-afrikanischen Gruppe Bozambo durch Westdeutschland. Ins eigene Land zurückgekehrt ließ er mit langsamen oder schnellen Takten Generationen von Burkinabé tanzen. Er integrierte auch Elemente des Warba (dem traditionellen Tanz der Mossi) in seine zeitgenössisch popartigen Rhythmen und sang auf Französisch, Mooré und Dioula. Georges Ouedraogo wurde 2000 von Kundé zum "besten Künstler aller Zeiten" gewählt. 2003 schuf er mit "Rosalie" einen Hit, der bis heute in burkinischen Ohren wurmt. Sein Spitzname auf Mooré lautete "Gandaogo (= der, der wagt) National".
Drei Monate später, am 03.05.2012, verstarb auch der virtuose Saxophonist Thomas Tiendrébéogo, der 1963 die "L`Echo Volta" und 1975 "Les suprêmes Kombemba" gründete und mit ihnen die Jazzszene Obervoltas der 60er und 70er Jahre bereicherte.

In der Rock- und Reggaemusik errang Black So Man internationalen Ruhm. Der scharfe Systemkritiker starb 2002 an den Folgen eines Autounfalls. Ein weiterer bekannter Reggaekünstler ist seit 20 Jahren Zêdess.

Wie Georges Ouédraogo erhielt auch Amety Meria den Prix de Kundé d´or ("goldene Gitarre"), ebenso die in Abidjan geborene Sami Rama, deren Clips hohe Popularität erzielt haben. Amety Meria stellte im Juli 2014 ihr neues Album unter dem Namen "Djanto" vor. Darin singt sie zu Themen wie Glaube, Würde, Arbeitseifer, Loyalität.

Victor Démé, dessen Mutter Griot war, verbindet melodisch traditionelle Mandika-Musik mit modernen Rhythmen des Folk-Jazz und Salsa-Klängen. Sein 2008 erschienenes Album "Victor Démé, Chappa Blues Records" fand internationale Beachtung. 2010 folgte "Deli". Démé starb im September 2015.

Viel gehört wird auch die aus einer bekannten Musikerfamilie stammende Idak Bassave. Dez Altino konnte den 13. Prix de Kundé d´or 2013 gewinnen. Den 14. Prix de Kundé d´or erhielt 2014 zum ersten Mal Alif Naba. Am 24.04.2015 wurde der Kundé-Preis 2015 an den Reggae-Sänger Sana Bob verliehen, der auch "crieur public" genannt wird. Hervorgehoben wurde die Originalität seiner musikalischen Kreativität.

Bil Aka Kora (Interview) konnte schon zweimal den Prix de Kundé d´or gewinnen. In seinem "Afrobeat" greift er auf traditionellen Tanz und Musik seines Stammes der Kassena zurück und schuf damit einen neuen Stil, die "Djongo Music".

Im "Jazz in Ouaga" setzt augenblicklich Patrick Kabré neue Akzente.

Im Bereich des Hiphop ist seit 15 Jahren Smockey (Serge Martin Bambara) im öffentlichen Licht. Sein Name ist eine Kontraktion aus "se moquer" (= "sich lustig machen"). Smockey hat zusammen mit dem Sänger Sams´K Le Jah die Bürgerbewegung "Le balai citoyen" ins Leben gerufen (siehe Geschichte Staat/Politik). Sams´K Le Jah macht Hiphop und Reggaemusik. Seine Themen sind politisch brisant (Video). Er ist ein großer Verehrer von Thomas Sankara.
Sehr bekannt im Hiphop sind auch Faso Kombat und Black Maarabouts. Faso Kombat gewann 2011 den Prix de Kundé d´or und gab 2013 mit Erfolg ihr Album "Zem-Zem" heraus. Das Duo Faso Kombat hat sich am 09.09.2014 getrennt.
Yeleen (="Licht") ist ein Duo des aus dem Tschad stammenden Griot und Bildhauers Mawndoé und dem burkinischen Rapper und Dichter Salif (Smarty) (Interview). Sie interpretieren in einem melodiösen Hiphop und greifen dabei sozialkritische Themen in französischer, arabischer oder afrikanischer Sprache auf. Ihre musikalische Inspiration ist eine einzigartige Synthese aus dem Norden und Süden des Landes sowie aus Tradition und Moderne. Yeleen erhielt 2008 den Prix de Kundé d´or. Nach 10 gemeinsamen Jahren folgt Smarty heute einer Solokarriere. Er erhielt den Prix Découvertes RFI 2013 (Interview).

Neben anderen Sängerinnen und Sängern sind augenblicklich vor allem Floby, Yoni und Wendy (Interview) die großen Stars in Burkina Faso. Wendy singt in ihrem 18 Titel umfassenden Album "Gal Yam" auf Mooré zu Themen des Verlassenseins in gesellschaftlicher Zerrissenheit. Wendy und Bil Aka Kora spielen auch im CITO-Theater in dem Stück "Une nuit à la présidence" mit.

Die Musikszene in Burkina Faso steht außerdem stark unter dem Einfluss der Kultur der Elfenbeinküste. Beispiele sind Hits wie "Premier Gaou" oder der Tanz zu "Coupé décolé".

=> Sport

Die Provinz Sourou ist Hochburg des in Westafrika verbreiteten "Lutte traditionnelle", eines Jahrhunderte alten Ringkampfes. In Tougan und Toma finden jährlich Wettbewerbe statt.
Nationaler Meister im Schwergewicht (über 100 kg) wurde z.B. am 04.05.2014 Alfred Zan Bani, der auch "der Donner von Kadiogo" genannt wird.

Im Radrennsport findet seit 1987 jedes Jahr in Burkina Faso die "Tour du Faso" (audio DLF zum Dokumentarfilm) statt. Sieger im November 2013 wurde Abdoul Aziz Nikiema. Bei bisher 27 Ausgaben waren 13 Mal burkinische Radsportler erfolgreich. Die für Oktober 2014 vorgesehene Tour du Faso wurde wegen Ebolagefahr abgesagt. Die 28. Tour du Faso fand vom 30.10. bis 08.11.2015 statt. Die 29. Tour du Faso ging am 06.11.2016 zu Ende. Die Mannschaft aus Burkina gewann das gelbe Trikot, das Grüne ging an Eritrea, das Rosa an Algerien. Die letzte Epoche über 111 km führte über Kosimoro nach Ouagadougou. Harouna Ilboudou hatte nur eine Sekunde Vorsprung vor Vincent Graczyk aus Frankreich.

Irène Tiendrébéogo nahm als Hochspringerin an Weltmeisterschaften und den Olympischen Spielen in Atlanta 1996 teil. Laetitia Bambara errang bei der Afrikameisterschaft 2014 Gold im Hammerwerfen. Marthe Koala gewann dabei Gold im Siebenkampf. Letztere trat für Burkina Faso 2016 in Rio im 100 m Hürdenlauf an. Insgesamt waren 5 Sportler für Burkina Faso in Rio dabei.

Der Boxsport wurde Anfang der 1990er Jahre von dem Münchener Tourismusveranstalter Siggi Krigar († 2009) gefördert und brachte im Superfedergewicht den Afrikachampion 1996 Nabaloum Dramane hervor. Er wurde zu einem Idol der Jugend und ist noch heute unter dem Namen Boum-Boum bekannt.

Im Fußball kämpfen traditionell die Mannschaften ASFA Yennenga, EFO (Etoile filante de Ouagadougou), Planète Champion (Verein der Fußballakademie) oder Santos FC Ouagadougou jedes Jahr um die burkinische Meisterschaft.
International konnte sich die burkinische Fußballnationalmannschaft von 1978 bis 2017 für zehn Afrikameisterschaften (CAN) qualifizieren, schied jedoch sieben Mal, zuletzt im Januar 2015, in der Vorrunde aus. 1998 belegten die "Étalons" (=Hengste) im eigenen Land den vierten Rang. Bei der vorgezogenen CAN in Südafrika 2013 konnte sich Burkina Faso zum ersten Mal in der Geschichte für das Finale qualifizieren, unterlag aber am 10.02.2013 gegen Nigeria 0 : 1.
Für die CAN 2017 in Gabun konnte sich Burkina Faso am 4.September 2016 durch einen 2:1 Sieg über Botswana erneut qualifizieren und erreichte am 28. Januar durch einen 2:0 Sieg über Tunesien das Halbfinale. Am 4.02.2017 erreichte Burkina Faso durch einen 1 : 0  Sieg über Ghana den 3. Rang. Die Regierung zahlte für die Teilnahme etwa 4 Mio EURO.
Alle Nationalspieler sind bei ausländischen Vereinen verpflichtet. Fußballer wie Jonathan Pitroipa, Patrick Zoundi, Wilfried Sanou oder Aristide Bancé spielen oder spielten in der 1., 2. oder 3. Bundesliga. Ein Freundschaftsspiel gegen Nigeria musste am 25.03.2017 abgesagt werden, weil die Visa der Spieler und Betreuer für London, wo das Spiel stattfinden sollte, nicht zeitgerecht ausgestellt wurden.
Nach dem Ausscheiden Burkinas bei der CAN 2015 trennten sich Trainer und Fußballverband im Februar. Der Deutsch-Franzose Gernot Rohr wurde neuer Nationaltrainer, trat aber am 21.12.2015  zurück, obwohl Burkina Faso die Gruppenphase der Afrika-Ausscheidung erreicht hatte. Der Portugiese Paulo Duarte wurde erneut burkinischer Nationaltrainer.

Religion

Kathedrale
Unvollendete Kathedrale von Ouagadougou © Kyselak
Minarette
Moschee von Ouagadougou © Kyselak

In ländlichen Gebieten behaupten sich bis heute Formen eines seit Jahrhunderten, vielleicht Jahrtausenden gelebten "Animismus", deren Wesen die Kommunikation mit den Ahnen und die Beschwichtigung von Geistern ist. Nach den vorherrschenden religiös-metaphysischen Vorstellungen hat sich Gott "Wende", der Baumeister des Kosmos, weit von der Welt entfernt und die Herrschaft über Erde und Luft Geistwesen überlassen. Maskentänze - vor allem bei Totenfeiern -, Fetischopfer, rituelle Befragung der Ahnen, Ältestenräte, Talismane und übernatürliche Kraftausflüsse sind einige kultische Bestandteile, die das Leben in den Dörfern maßgebend bestimmen und deren Einfluss bis in das Stadtleben reicht.

Bis auf die Fulbe, die zu 99 % Moslems sind, sind die Ethnien - ja sogar die Familien - in ihrer Religionszugehörigkeit durchmischt. Weil Schulbildung ursprünglich in der Hand der katholischen Missionare lag, ist die überwiegende Zahl der Professoren und Politiker katholisch, obwohl Katholiken kaum 15 % der Bevölkerung ausmachen. Kaufleute sind in der Mehrheit Moslems und sind zum Teil in Koranschulen unterrichtet worden. Eine fanatisch intolerante Form des Islam ist in Burkina Faso nicht anzutreffen. Moslems besuchen ihre dem Christentum anhängenden Freunde an christlichen Feiertagen und umgekehrt. Laut NRO International Crisis Group ist Burkina Faso unter den Sahel-Ländern eine Ausnahme, was die Vielfältigkeit der Religionen und die Toleranz angeht.   

In der Ausübung ihrer Religion greifen sowohl Moslems als auch Katholiken auf viele Elemente des Ahnen- und Geisterglaubens zurück. Sofern diese Elemente nicht integriert werden können, leben ihre Derivate in den Städten als Parallelreligion weiter. Halb bedeckt bis offen blühen vielfältige Formen der Scharlatanerie und des "Maraboutage", in denen sich einige die Verunsicherung vieler zunutze machen und die mit Spiritualität nichts zu tun haben. Protestantische Gruppen  (ca. 5 % der Bevölkerung) benutzen den Animismus eher als Folie, von der sie die neue Lehre abheben wollen und haften ihr dadurch weiterhin negativ an.

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzen Mal im April 2017 aktualisiert.

Autor

Jörg Lange, Mag., Dipl.-Ing., geb. 1959, wohnhaft in Bad Honnef und Ouagadougou, Theologe,  Wasser- und Straßenbauingenieur, seit 1985 in Burkina Faso, 30 Jahre in der EZ mit frankophonen afrikanischen Ländern, seit 2009 selbständige Fachkraft und beratender Ingenieur in der EZ.

Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu den Themen:

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