Baumwolllieferung wird mechanisch entladen
BIP/ BIP pro Kopf
12,5 Mrd. US$ / 717 US$ (2014)
BIP pro Kopf (Kaufkraftparität)
1.202 US$
Rang menschl. Entwicklung (HDI), 2015
Rang 183 (von 188)
Anteil Armut (unter 1,25 $ pro Tag)
40,1 %, 2014
Wirtschaftswachstum
5,0 %, erwartet für 2016
Anteil alphabetisierte Erwachsene
28,7 %

Wirtschaftslage

Burkina Faso gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. In dem Human Development Index HDI 2015 des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) rangiert das Land mit einem Wert von 0,402 auf Platz 183 von insgesamt 188 Länder. Über 40 % der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze von 1,25 US$ pro Tag (Lexas). Das Bruttonationaleinkommen (BNE) betrug 2012 1.202 US$ pro Kopf. In Deutschland liegt es 30-mal höher, nämlich bei 34.854 US$.
In Burkina Faso sind so gut wie alle Wirtschaftsindikatoren schlecht. Die Wirtschaft leidet maßgeblich unter schwankenden Weltmarktpreisen für die Hauptexportprodukte. Die ungünstige geographische Lage als Binnenland und der fehlende Anschluss an Wirtschaftsmärkte und die dadurch verursachten hohen Transportkosten wirken sich nicht weniger negativ aus. Obwohl das Land über großes Potenzial im Hinblick auf Bodenschätze (Mangan, Silber, Gold, Zink, Kupfer, Phosphat, Titan, Nickel, Blei und Bauxit) verfügt, fehlen dort noch die Infrastrukturen zum Abbau. Manche Experten führen die desolate Wirtschaftslage auch auf das niedrige Bildungsniveau und das verhältnismäßig schnelle Bevölkerungswachstum zurück. Sehr schwankende Wetterbedingungen (Überschwemmungen 2009, 2010, Dürre 2011) sowie Mangel an preisgünstigen Energiequellen sind weitere Standortnachteilen, die die Wirtschaftsentwicklung beeinträchtigen und auch in absehbarer Zukunft in erheblichem Maße beeinträchtigen werden. Subventionen, Billigimporte und Geschenke führender Industrie- und Schwellenländer (USA - Baumwolle, Textilien aus Asien, EU - Milchpulver und Fleisch, Japan - Reis...) sorgen dafür, dass Burkina Faso in seinen ureigensten Bereichen als Agrarland nicht nur nicht mehr für den Export produzieren kann, sondern selbst auf dem Binnenmarkt nicht mehr konkurrenzfähig ist. Dass Korruption, Oligarchiebildung und schlechte Regierungsführung ebenfalls Hemmnisse für Wirtschaftsentwicklung sind, zeigt die Lizenzvergabe für den Goldabbau. Es ist nicht transparent, in wie weit die enormen Gewinne, die in diesem Sektor eingefahren werden, in angemessener Weise zur Erhöhung des Bildungsniveaus beitragen oder die Infrastruktur aufbauen und somit die Wirtschaftsindikatoren verbessern. 

Das Wirtschaftswachstum (BIP-Wachstumsrate) fiel 2014 (Jahr des politischen Umsturzes), laut Statistiken der Weltbank, auf 4,05 % zurück. Die reelle BIP-Wachstumsrate blieb 2015 stabil bei 4,0 %, was nach eigener Einschätzung angesichts von äußeren und inneren Schocks die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft unter Beweis stellte. Für 2016 werden mehr als 5 % Wachstum erwartet, für 2017 5,9 %. Gründe für den erneuten Wachstum liegen im Goldexport und der Rückkehr zur Demokratie. Die Inflationsrate lag 2015 bei 0,91 %, 2016 steigt sie leicht an.
Bei einem Bevölkerungswachstum von 3,1 % und dem hohen Grad an Unterentwicklung bedeuten solche Ziffern eher Stagnation und Rückschritt als tatsächliche Entwicklung. Die Armutsrate geht nur sehr schleppend zurück und die Jugendarbeitslosigkeit wird zu einem immer größer werdenden Problem.
Positive Trends und Entwicklungen sind in den Bereichen Bau, Transport, Kommunikation und Energie zu beobachten.

Wirtschaftssektoren

Agrarsektor

Burkina Faso ist ein Agrarland. Mehr als 80 % der Bevölkerung leben und arbeiten in ländlichen Gebieten. Insgesamt trägt der Primärsektor (Landwirtschaft, Viehzucht, Fischerei und Forsten) mit 30 bis 35 % zum BIP bei. Er stellt die Haupteinnahmequelle des Landes dar.

Der landwirtschaftliche Sektor verfügt über Potenziale, deren Ausschöpfung von zahlreichen Problemen behindert wird:

  • ungünstige klimatische Bedingungen (u.a. starke Regenabhängigkeit, die lediglich durch Bewässerungsmaßnahmen und Erosionsschutz abgemildert werden kann),
  • wenig ertragreiche Böden,
  • unzulängliche Anbaumethoden und Viehzuchttechniken der traditionellen Subsistenzwirtschaft,
  • unzureichende Managementkapazitäten bzw. -kompetenzen zur optimalen Nutzung der vorhandenen Potenziale.

Die Anbautechnik (mit der Daba = traditionelle Hacke) ist weitgehend rudimentär. Traktor und Pflug - wenn überhaupt erschwinglich - können auf Böden mit zu dünner Humusschicht oft mehr schaden als nutzen.
Sollten die Böden nicht ausreichend gegen Erosion geschützt werden, droht langfristig die Degradierung der natürlichen Ressourcen. Damit stehen die Produktionsgrundlagen insgesamt in Frage. Die etwas ertragreicheren Böden im Süden, Südwesten und Südosten werden für den Baumwollanbau unter Einsatz von Pestiziden intensiv genutzt, was unter Umweltgesichtspunkten weitere schwerwiegende Probleme darstellt.

Getreide- und Gemüseproduktion

Über 75 % der Anbauflächen werden für die Getreideproduktion genutzt, die im Wesentlichen der Eigenversorgung dient. Im trockenen Norden dominiert die Kultur der kleinkörnigen Perlhirse, während im übrigen Land Sorghum (großkörnige rote und weiße Hirse) und Perlhirse gleichermaßen angebaut werden. In den sudano-guineischen Vegetationsgebieten werden zusätzlich Reis, Mais und Wurzelknollen (Yams, Maniok, Süßkartoffeln) genutzt. Reis und Mais werden auch zunehmend in anderen Teilen des Landes in Bewässerungsperimetern angebaut. Die Reisproduktion ist in Burkina Faso in den letzten Jahren. Während 2008 etwa 100.000 Tonnen Reis geerntet wurden, waren es 2014 bereits mehr als 300.000 Tonnen. Damit ist Reis nach Sorgho, Mais und Hirse, die hauptsächlich zur Selbstversorgung angebaut werden, auf Platz 4 der in Burkina Faso angebauten Getreidesorten. Die Produzenten haben allerdings Schwierigkeiten, den Reis zu vermarkten. Sie organisieren sich in der "Union nationale des étuveuses de riz (UNERIZ)" und der "Soutenir l’émergence et la valorisation de l’économie locale en Afrique (SEVE-Africa)".

Der Gemüseanbau wird hauptsächlich in der Trockenzeit mit der Nutzung von Wasser aus Brunnen, Rückhaltebecken oder Flüssen intensiv betrieben. Durch moderne Methoden wie die Tröpfchenbewässerung konnten die Erträge in den letzten Jahren erhöht werden.

Weitere Kulturen, die sowohl der eigenen Ernährung dienen, als auch für den Export bestimmt sind, sind Sesam (zweitgrößstes landwirtschaftliches Exportprodukt), Erdnüsse, Fonio, Karité- und Cashewnüsse sowie Shea-Butter zur Verwertung in der Kosmetikindustrie.

Die Bilanz für die Getreideproduktion blieb in der Saison 2014/15 leicht unter den Erwartungen, wie aus dem Bericht des Landwirtschaftsministeriums hervorgeht.
Defizitäre Ernteerträge bleiben weiter ein Risiko für die Nahrungsmittelversorgung.  In der Sahelzone waren im Jahr 2012 10 – 15 Millionen Menschen von einer Hungerkrise betroffen. Zahlreiche humanitäre Organisationen waren in Burkina Faso im Einsatz.

Hirse
Perlhirse Ende September © Jörg Lange

Baumwolle

Baumwolle ist neben Gold Hauptexportware. Seit Schließung der Fabrik Faso Fani (früher Voltex) im Jahr 2000 wird Baumwolle zu weniger als 2,5 % im eigenen Land verarbeitet. Das Ziel, hinter Ägypten zweitgrößtes Anbauland für Baumwolle in Afrika zu werden, konnte Burkina Faso tatsächlich erreichen. Mit einer Ausfuhr von mindestens 700.000 Tonnen jährlich ist Burkina Faso heute der weltweit sechstgrößte Exporteur. 250.000 bäuerliche Familien leben derzeit vom Anbau. Insgesamt sind etwa zwei Millionen Menschen im Baumwollsektor tätig. Baumwolle bleibt damit Hauptstütze der burkinischen Volkswirtschaft.
Zu diesem Erfolg hat die seit 10 Jahren andauernde Neuorganisation und Teilprivatisierung des Baumwollsektors, der zuvor ein Monopol der Vertriebsgesellschaft "Société burkinabè des Fibres Textiles" SOFITEX war, beigetragen.
Die Produzenten sind in der UNPCB ("Union National des Producteur du Coton au Burkina") organisiert.

Zunehmend wehren sich Bauern gegen den jährlich von den Baumwollgesellschaften diktierten Preis für ein Kilo Baumwolle. Trotz steigenden Preises auf dem Weltmarkt wurden den Bauern 2011 kaum mehr Renditen bezahlt (insgesamt etwa 12 % des Weltmarktpreises). Diese werden sogleich von teurem Ankauf von Saatgut und Pestiziden aufgesogen. Es kam zu Anbauboykott und zu vorher nie erlebten gewaltsamen Auseinandersetzungen.

Burkina Faso hat als erster Staat Westafrikas Versuche mit gentechnisch veränderter Baumwolle (Bt-Variante des US-Herstellers Monsanto) zugelassen und damit heftige Verunsicherungen bei den Bauern hervorgerufen. Nach den ersten erfolgreichen Testergebnissen hat der Minister für Landwirtschaft beschlossen, die Kultur der gentechnisch veränderten Baumwolle ab 2007 zu verbreiten. Dies sollte helfen, die Produktionskosten zu senken. Die NRO CV-OGM/BF, Hauptgegner der genmanipulierten Kulturen in Burkina Faso, versuchte vergeblich, diese vorschnelle Entscheidung auch mit rechtlichen Mitteln zu verhindern. Strittig ist auch der gesundheits- und umweltschädliche Einsatz der Pestizide, die von den drei Baumwollgesellschaften auf Kredit verkauft wurden.
Die Kritiker behielten Recht. Es zeigte sich, dass die genmanipulierten Baumwollfasern kürzer wurden und somit von minderer Qualität waren. Das führte sogar zu Absatzschwierigkeiten. Der Baumwollverband fordert nun umgerechnet 74 Millionen Euro als Entschädigung von Monsanto.
Im Februar 2016 hat Burkina Faso beschlossen, auf die genmanipulierte Baumwollsorte Bt ab 2018 vollständig zu verzichten. Diese Entscheidung wird vermutlich für den Anbau von genmanipulierter Baumwolle in ganz Westafrika Folgen haben.

Im Januar 2012 wurde der Baumwollsektor von internationalen Banken mit einem Kredit in Höhe von 50 Mrd. FCFA unterstützt.
In seiner Jahreskampagne 2015 bestreitet Swissaid die Erfolge der neuen Gentechnik in Burkina Faso und wirft Agrarkonzernen und den USA vor, das Land beim Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen unter Druck gesetzt zu haben.

Unter dem Gesichtspunkt globalen Handels beschreibt der österreichische mit dem Deutschen Dokumentarfilm Preis 2009 ausgezeichnete Film "Let´s make Money" den Baumwollhandel als Symbol des unfairen Handels.

Baumwollfeld
Baumwollpflücker in Tapoa © Jörg Lange

Viehzucht

Die Viehzucht ist die zweitwichtigste Wirtschaftsaktivität des primären Sektors. Der Norden ist das Hauptgebiet der Viehwirtschaft. Vorherrschend ist traditionelle Wanderviehwirtschaft oder Transhumanz. Eine Modernisierung dieses Sektors ist noch nicht weit fortgeschritten. Rinder und Häute werden exportiert, hauptsächlich in die Elfenbeinküste. Als Tierbestand wird geschätzt:

  • Rinder                               8 Millionen
  • Schafe,Ziegen                15 Millionen
  • Geflügeltiere             36 Millionen

Viehhändler auf dem Viehmarkt
Viehmarkt in Fada N'Gourma. © Charles Bakyono

Industrielle Produktion

Der Anteil des sekundären Sektors am BIP liegt bei 19 %. Dieser Sektor ist noch weitgehend von staatlichen Unternehmungen (Elektrizität und Wasser) und dem Bausektor geprägt. Das Telekommunikationsunternehmen ONATEL wurde 2006 zu 49 % privatisiert. Nahrungsmittelverarbeitung, Montage von Mopeds und Getränkefabrikation sind weitere Industriezweige. Daneben umfasst der schwer messbare informelle Bereich über 60 %.

Eine Reihe negativer Standortfaktoren stehen einer nennenswerten industriellen Entwicklung im Wege. Zu nennen sind:

  • die ungünstige Binnenlage mit hohen Transportkosten
  • der Mangel an preisgünstigen Energiequellen
  • geringes Ausbildungs- und Produktionsniveau
ONEA
Bürogebäude der staatlichen Wasserversorgung ONEA Foto: Jörg Lange
SONABEL, Staatlicher Energieversorger Quelle: 226INFO DR

Energiesektor

Der staatliche Energieversorger SONABEL (Société Nationale Burkinabe de l´Electricité) wurde 1968 als Unternehmen "VOLTELEC" gegründet und verfügt über ein Kapital in Höhe von 46 Milliarden FCFA (70.000.000 EURO). SONABEL versorgt 181 Ortschaften. Insgesamt verkauft SONABEL 856.640 MWH jährlich (Angaben von 2011).

Etwa 40 % der Energie wird importiert, 50 % wird in 24 thermischen Kraftwerken erzeugt und 10 % aus Wasser- und Solarkraftwerken gewonnen (vier Wasserkraftwerke). Westlich von Ouagadougou (Zagtouli) entsteht eine große Solarstromanlage.
Das kanadische Unternehmen Windiga Energy beginnt im August mit dem Bau des zweiten größeren  Solarkraftwerkes in Burkina Faso für 25 Mrd. FCFA (38 Mio. €). Der Bau wird im Rahmen der Partnerschaft zwischen Staat und Privatindustrie (Partenariat public-privé (PPP)) realisiert. Das Kraftwerk soll eine Leistung von 20 MW haben und jährlich 33 Mio. kWh elektrische Energie zur Verfügung stellen. Damit ist es das größte privat betriebene Solarkraftwerk Afrikas südlich der Sahara. Sein Standort ist Dédougou im Westen des Landes. Die technische Ausstattung kommt von Siemens, die afrikanische Bank für Entwicklung BAD unterstützt das Projekt finanziell. Nach 25 Jahren soll das Kraftwerk für einen symbolischen Franc an den Staat gehen.
Das Ministerium für Energie und Bergbau startete am 17. März 2016 das Projekt „Dezentralisierte Versorgung des ländlichen Raumes mit elektrischer Energie durch Photovoltaik“. Der Fonds zur Entwicklung der Elektrifizierung (Fonds de développement de l’électrification (FDE)) soll das Projekt innerhalb von 30 Monaten umsetzen. 41 Ortschaften in sechs Regionen von Burkina Faso sollen davon profitieren. Die Gesamtkosten von 6,7 Mrd. FCFA (10 Mio. EUR) werden zu 90% von der Banque Islamique de Développement (BID) und zu 10% vom burkinischen Staat finanziert.
Außerdem stellt Taiwan Burkina Faso 77.806 autonome Solarstationen im Gesamtwert von 778 Mio. FCFA (1,2 Mio. €) zur Verfügung.

Mineralindustrie

In Burkina Faso spielt die Mineralindustrie zunehmend eine herausragende Rolle im Exporthandel. Das Land steht in Afrika in der Rangfolge des höchsten Rohstoffvorkommens an 6. Stelle (laut Institut Fraser 2011).  Die Revision der Bergbaugesetzgebung 2003 hat den Sektor anscheinend belebt. Zahlreiche Bodenforschungsunternehmen haben sich inzwischen im Land niedergelassen. Etwa 700 Sondierungszulassungen wurden bisher ausgestellt. Nach ersten Schätzungen verfügt Burkina Faso neben den reichen Gold- und Manganvorkommen auch über Kupfer, Eisenerz, Kassiterit (Zinnstein) und Phosphate in den etwa 75.000 km² birimischen Sedimenten. Abgebaut werden bereits Dolomit, Gold, Granit, Marmor, Phosphate, Bimsstein und andere Vulkangesteine sowie Salze. Die enormen Zuwächse der letzten Jahre in diesem Wirtschaftszweig würde dem Land sozial und wirtschaftlich viel mehr nützen, wenn der Sektor nicht so sehr von Korruption untergrabe wäre.

Zurzeit wird erneut über den Abbau des zur Stahlherstelung wichtigen Mangan diskutiert. Im Nordosten (Tambao) werden die Reserven auf 109 Millionen Tonnen geschätzt. Im April 2014 wurde der PAN AFRICAN TAMBAO SA eine Lizenz zum Abbau von Magnesium über 26 km² erteilt.

Am 19. Januar 2013 wurde in Perkoa, 135 km westlich von Ouagadougou, eine Zink-Mine eröffnet. Bei dem Joint-venture sind südafrikanische und schweizer Firmen beteiligt.

Einseitige Konzentration auf Mineralvorkommen haben in der Vergangenheit in Burkina Faso falsche Erwartungen geweckt. Davor warnen auch jetzt Vertreter der Weltbank.

Käufer mit Goldwaage
Goldwaage in einer Mine bei Gourcy © Jörg Lange

Gold

Karte: Gold-Lagerstätten

Seit 2005 steigen zunehmend kommerzielle Gesellschaften in die Goldförderung ein und steigern den Exporthandel. Etwa 30 internationale Konzerne bauen in Burkina Faso Gold ab, zu ihnen gehören Axmin Inc., Semafo Inc., Orezone Resources Inc., High river Gold Mines Ltd., Goldcrest Resources Ltd., Ampella Mining, Searchgold Recource Inc., Etruscan Resources Inc., Cluff Gold, Iamgold, Volta Ressources Inc., Riverston Resources Inc., Gryphon Minerals, Endeavour Mining und Goldplat.

Im Jahre 2009 entthronte Gold die Baumwolle als wichtigstes Exportgut des Landes, wie der Minister für Bergbau und Energie bei einem interministeriellen Treffen verkündete.

Der frühere Premierminister Luc Adolphe Tiao sagte vor der Nationalversammlung: "Die Minen sind jetzt ein Standbein unserer Entwicklung. Mit mehr als 754 Milliarden CFA-Francs (1,1 Milliarden Euro) Export im Jahr 2012 hat Gold seine Position als führendes Exportprodukt von Burkina Faso gefestigt." Die Goldexporte hätten etwa 5 Prozent zum BIP beigetragen. Nach einer Mitteilung der Initiative für Transparenz in der mineralgewinenden Industrie (Initiative pour la transparence des industries extractives (ITIE)) haben die Goldminen 2013 an Burkina Faso 194 Mrd. FCFA (300 Mio. EUR) überwiesen. Im Jahr 2014 lagen die Staatseinnahmen aus den Goldexporten bei über 200 Milliarden CFA-Franc (etwa 400 Millionen Dollar), das wären 20 % des Bruttoinlandsproduktes.

Viele Angaben widersprechen sich jedoch. Exakte Zahlen über die Gewinne und ihren Verbleib sind schwer zu ermitteln und von vielen höchst wahrscheinlich nicht gewollt.
Den von den beteiligten Firmen veröffentlichten Zahlen zufolge produzierte Burkina Faso

  • 2004                         1,1 t
  • 2008                         5,5 t
  • 2009                       13,1 t
  • 2010                       25,6 t
  • 2011                       32,6 t
  • 2012                       40,0 t
  • 2013                       33,0 t (nur industriell)
  • 2014 geschätzt       35,0 t (nur industriell) Gold.


Damit verdrängt Burkina Faso Tansania vom 4. Platz der afrikanischen Goldexporteure.

Es gibt in Burkina Faso acht industrielle Minen (Mana, Inata, Poura, Youga, Kalsaka, Taparko, Bouroum und Essakane) und etwa 200 "wilde" Goldgräberstätten. Essakane ist die größte Mine und befindet sich im Norden. Im weiteren Umkreis von Dori befinden sich auch die Minen Inata, Taparko und Bouroum.

Im Februar 2013 nahm Nordgold den Betrieb der Bissa-Mine ("Bissa-Hill") bei Kongoussi auf mit einer jährlichen Produktion von bis zu 200.000 Unzen Gold. Die kanadische Senafo gab im September 2013 bekannt, auf seiner Mana-Mine neue Goldreserven nachgewiesen zu haben. Die Gesamtreserven auf Mana nördlich von Hounde werden nun auf 2,4 Mio. Unzen geschätzt und sollen im Verlauf der nächsten 10 Jahre abgebaut werden. In der selben Gegend meldet Roxgold einen Ressourceanstieg von 143 %. Roxgold bemüht sich zur Zeit um neue Lizenzen für ihr Yaramoko-Projekt. In der Nähe verspricht sich auch die Sarama Resources mit ihrem Süd-Houndé-Projekt, 1,5 Mio. Unzen Gold abbauen zu können. Die kanadische TrueGold Mining begann im Jahr 2015 für eine Dauer von 8,5 Jahren eine Reserve von 949.000 Unzen Gold in Karma (in Yatenga) abzubauen. Im Januar 2014 meldete sie, noch eine neue Goldzone nördlich des Kao-Projektes durch Bohrungen identifiziert zu haben.

Trotz gefallenem Goldpreis boomte im Jahr 2014 Gold durch Entdeckung von immer mehr Reserven wie nie zuvor und wurde zu einem enormen machtpolitischen Faktor.

In der Bevölkerung wächst jedoch der Unmut darüber, dass sich das enorme Wachstum in diesem Sektor nicht auf die Gesamtwirtschaft auswirkt.
Eine Expertentagung im Februar 2012 kam zu dem Schluss, dass der Abbau von Rohstoffen in Afrika nicht der afrikanischen Bevölkerung zugute käme. (Offiziell erhält der Staat Burkina Faso 10 % der Gewinne.) Burkina Faso würde derzeit von Mineralkonzernen geplündert. Im April 2014 wurde in der Presse enthüllt, dass insgesamt 24 Personen in Burkina Faso - an der Spitze die Präsidentenfamilie - den Goldabbau kontrollieren.

Weitere negative Folgen des Goldabbaus sind die Zerstörung der Umwelt, die Gefährdung der Gesundheit, die Verschmutzung des Wassers, der Verlust landwirtschaftlicher Anbauflächen sowie die Vertreibung ansässiger Menschen.
Die Bevölkerung von Ramatoulaye und 28 umliegender Dörfer in Namissiguima im Norden von Burkina Faso fordert zur Zeit den Abzug von True Gold, die dort plant, ihre industrielle Goldmine Karma zu erweitern. Die Bevölkerung wurde nie informiert und fürchtet schwere Umweltschäden für ihre Region. Am 14. und 16. Januar 2015 kam es zu gewalttätigen Demonstrationen, bei denen die kanadische Firma einen Sachschaden von 2 - 4 Milliarden FCFA erlitten haben soll. "Ramatoulaye ist unser Artikel 37", so lautet der Slogan der Demonstranten gegen die "Nassara (Weißen) von True Gold".

Im Juni 2015 verabschiedete die Übergangsregierung neue Minengesetze, nach denen Staat und Kommunen mehr von dem Goldgewinn profitieren sollen, die Minen mehr in lokale Entwicklungsprojekte investieren und mehr Maßnahmen zum Umweltschutz ergriffen werden.

Daneben existiert weiterhin die traditionelle Goldwäscherei, an der einige lokale Chefs oder Eliten verdienen. Institutionen des Rechts sind in diesem Milieu oft nicht wirksam. Die Zahl der "wilden" Goldgräber in Burkina Faso wird auf 600.000 geschätzt. Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen und Verschüttungen in Goldminen. Ein Teil der harten Arbeit wird von Kindern erledigt (Film). Fast 20.000 Kinder wurden in nur 86 Goldgruben entdeckt. Nach dem Fall des alten Regimes hat die Regierung der Kinderarbeit in Goldgruben den Kampf angesagt.  

ermüderter Goldsucher
Goldschürfer im Umkreis von Gourcy © Jörg Lange
Sauerstoffschlauch
Sauerstoffversorgung im Schacht © Jörg Lange
Goldsucher
Goldwäscher in Yatenga © Jörg Lange
Goldsucher
Goldsucher bei Gourcy © Jörg Lange

Dienstleistungen

Der tertiäre Sektor ist regelmäßig mit 40 bis 45 % am BIP beteiligt. Er wird geprägt durch Export - und Importhandel sowie dem weit verbreiteten, meist informellen Kleinhandel, vom Transport und der Gastronomie.

Kompressor
Kreativität im informellen Sektor - Selbstgebastelter Kompressor einer Zweiradwerkstatt © Jörg Lange

Wanderarbeit und Beschäftigungslosigkeit der Jugend

Als Folge der schwach entwickelten Wirtschaft und der klimabedingt schwankenden Ernteerträge arbeiten 3 bis 5 Mio. burkinische ArbeitnehmerInnen im Ausland, hauptsächlich in der Elfenbeinküste. Der Bürgerkrieg im Nachbarland hatte starke negative Auswirkungen auf die Wirtschaft Burkina Fasos befürchten lassen. Diese sind jedoch weniger dramatisch ausgefallen als ursprünglich erwartet.

Eine der größten Herausforderung für Burkina Faso besteht heute darin, Arbeitsplätze und Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen, damit die schnell wachsende Bevölkerung nicht in Armut gerät. Die Ausrichtung des Programms »Aufbau mit dem Volk von Burkina Faso, eines Landes der Demokratie, des wirtschaftlichen und sozialen Fortschritts, der Freiheit und Gerechtigkeit« des Staatspräsidenten zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit zeigt das starke Engagement des Staatschefs in Hinblick auf die Schaffung von Arbeitsplätzen in der öffentlichen Verwaltung und in der privaten Wirtschaft:

  • 4.000 neue Arbeitsplätze im Bildungssektor
  • Kofinanzierung einjähriger Anstellungen für Absolventen technischer Berufsschulen
  • Kofinanzierung von Praktika im technischen Bereich
  • Förderung des informellen Sektors
  • Förderung Jugendlicher in der landwirtschaftlichen Produktion

Ein Programm über 512 Mio FCFA zur Unterstützung des Bildungssektors, insbesondere der technischen Berufsausbildung, wurde von den zuständigen Ministerien und dem Arbeitgeberverband zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit im August 2016 vereinbart.

Im Jahr 2016 werden im öffentlichen Dienst 12.324 Stellen neu besetzt. Dafür haben sich bereits eine Millionen Kandidaten beworben.

Der Premierminister kündigte die Schaffung weiterer 50.000 Arbeitsplätze in den nächsten 5 Jahren an.

Wirtschaftspolitik

Seit 1991 folgt Burkina Faso mehrere mit dem IWF ausgearbeiteten makroökonomischen Programmen.
Das Finanzsystem unterlag daher in den letzten 15 Jahren dem "Plan de renforcement de la gestion budgétaire" - PRGB, einem strengen Reformpaket, dessen Umsetzung allgemein als positiv beurteilt wird. 2003/04 wurde das Programm überarbeitet und 2007 fortentwickelt zur "Stratégie de Renforcement des Finances Publiques" (SRFP). Der Plan umfasst wirtschaftspolitische, finanzielle und soziale Aspekte und orientiert sich an den Millienniumsentwicklungszielen. Dabei geht es primär um eine Neuorientierung der gesamten Haushalts- und Finanzpolitik.

Die Privatisierung staatlicher Unternehmen stieß in den letzten Jahren an ihre Grenzen. Nach negativen Erfahrungen mit ONATEL wurde die Privatisierung der für Wasser, Strom und Gas zuständigen Unternehmen ONEA, SONABEL und SONABHY gestrichen. Sie wirtschaften zufriedenstellend und bleiben wegen ihrer Schlüsselfunktion in der Hand des Staates. Im Zuge der Erhöhung der Kraftstoffpreise wird eine Privatisierung oder Reform der SONABHY von Opposition und Verbraucherverbänden neu diskutiert.

Zur Erreichung der Millenniumsziele OMD (Objectifs du millénaire pour le développement) und zur Umsetzung des Programms zur Bekämpfung der Armut CSLP (Cadre stratégique de lutte contre la pauvreté) ließ der frühere Wirtschafts- und Finanzminister Lucien Marie Noël Bembamba als Orientierung der Wirtschaftspolitik die SCADD 2011-2015 (Stratégie de croissance accélérée et de développement durable) ausarbeiten. Ziel ist ein zweistelliges Wirtschaftswachstum. SCADD orientierte sich auf vier Achsen:

  • Fördern der wachstumsrelevanten Bereiche und Verminderung wirtschaftlicher Hemmnisse,
  • Entwickeln einer wirtschaftlichen Infrastruktur,
  • die Rahmenbedingungen für Entwicklung nachhaltig verstärken,
  • Fördern menschlicher Potenziale.

Im Vordergrund stand ein umfangreiches Beschäftigungsprogramm, insbesondere für Frauen und Jugendliche. Ein weiterer Punkt war die Subventionierung von Benzin. Die Landwirtschaft sollte durch Subventionierung von verbessertem Saatgut, Dünger, Mechanisierung und Verarbeitung der Produkte gefördert, der Bergbau sollte besser und gewinnbringender organisiert und ferner sollten Tourismus, Infrastruktur und Energie gefördert werden. Neue Großprojekte wurden in Angriff genommen. Für den Bau des neuen Flughafens Donsin (35 km nord-östlich von Ouagadougou) wurde ein Ausschuss gebildet. Weiterhin waren Straßenrehabilitierung, Elektrifizierung im ländlichen Raum und der Bau von 10.000 Sozialwohnungen Teil des Programms. Einer Geberrunde wurde das Programm  "Bâtir ensemble un pays émergent" (="Gemeinsam ein aufblühendes Land errichten") zur Finanzierung der SCADD in den Jahren 2011-2015 vorgestellt. Die Finanzierung belief sich auf 7.000 Milliarden FCFA, von denen 63,3 % aus eigenen Ressourcen gedeckt und für die verbleibenden 36,7 % ausländische Quellen gesucht werden sollen. Im März 2014 wurde die Wirtschaft durch besondere Maßnahmen in Höhe von 110 Milliarden FCFA angekurbelt. Ein Beispiel ist die In-Wert-Setzung des Staudamms von Bagre, "Bagrépôle", zu deren Finanzierung Partner geworben werden.
Kritiker werfen der Wirtschaftspolitik und der SCADD vor, sie wären zu sehr an Wachstumszahlen und deren Mystifikation interessiert, viel zu wenig aber an den reellen Grundbedürfnissen der Bevölkerung. Laut einer im Juli 2015 begonnenen Studie für eine zweite Phase der SCADD fehlt es bei der Umsetzung von wirtschaftlichen und entwicklungspolitischen Zielen an Kohärenz der verschiedenen politischen Entscheidungen. Sie empfiehlt eine Verstärkung des Planungssektors.

Ein von der Regierung eingesetztes Comité d’orientation et de supervision (COS) stellte im Juli 2016 den sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungsplan (Plan national de développement économique et social (PNDES)) vor. Das Programm kostet für die Jahre 2016 bis 2020 etwa 15.000 Mrd. FCFA (23 Mrd. €) und wird zu 60% vom Staat finanziert.
Jährlich 50.000 neue Arbeitsplätze, die Absenkung der Armutsquote unter 35% und ein durchschnittliches jährliches Wirtschaftswachstum von 8,5% sind die ehrgeizigen Ziele des Plans.

Nach Meinung der früheren burkinischen Botschafterin in Berlin (März 2014) haben sich die Aussichten für Investitionen in den letzten Jahren verbessert.

Wirtschafts- und Währungsunion

Die Geld-, Kredit und Währungspolitik liegt in der Hand der Zentralbank der Westafrikanischen Staaten (Banque Centrale des Etats de l'Afrique de l'Ouest - BCEAO). Seit der Einführung des Euro steht der FCFA (Franc de la Communauté Financière Africaine) in festem Wechselkurs zum Euro. Dieses System scheint sich - trotz der Krise in Côte d'Ivoire - bewährt zu haben.

Bank
Sitz der BCEAO in Ouagadougou © Wegmann (CC BY-SA 3.0)
Karte der UEMOA
UEMOA: Die Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion umfasst acht Länder. © UEMOA

 

Die Außenwirtschaftspolitik Burkina Fasos ist auf den Prozess der regionalen Integration gerichtet. Das Land ist Mitglied der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion, UEMOA, sowie der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten, ECOWAS/CEDEAO.

Karte von ECOWAS
Logo ECOWAS: Die Wirtschaftsgemeinschaft wurde 1975 gegründet. Ihr gehören fünfzehn Länder an. © ECOWAS

Im Rahmen der UEMOA sind die Handelsschranken weitgehend abgebaut worden. Die Mitgliedsstaaten haben zum 01.01.2000 einen gemeinsamen Außentarif eingeführt. Langfristig haben ECOWAS und UEMOA das Ziel, einen einheitlichen Markt mit einer Währung zu schaffen.

Handel

Über den Binnenhandel liegen selten zuverlässige Statistiken und Analysen vor.

Der Außenhandel hat sich von 2008 bis 2013 verdreifacht. Während 2008 die Exporte bei 221,1 Mrd FCFA  lagen, erreichten sie im Jahr 2013  1.162,5 Mrd FCFA (1.775 Mio EURO). Die Importe lagen 2008 bei 902,8 Mrd FCFA und 2013 bei 2.057 Mrd FCFA (3.140 Mio EURO), davon etwa 25 % Agrarprodukte. Die Handelsbilanz lag 2013 somit bei – 894,5 Mrd FCFA (-1.366 Mio EURO). Hauptabnehmerländer waren 2013 Schweiz (58,8 %), Südafrika (5,9 %), Singapur (5,8 %), VR China (5,8 %), Malaysia (2,5 %), Japan (2,4 %) Frankreich (2,3 %).  Quelle:INSD/DSSE/SSE 

Die Zahlen unterscheiden sich erheblich von denen bei Afribiz und anderen.
So exportierte Burkina Faso einer anderen Quelle zufolge im Jahr 2014 Güter im Wert von 3,62 Milliarden US$ und importierte Güter im Wert von 3,58 Milliarden US$, was zu einer positive Handelsbilanz von 43,9 Millionen US$ führte. Dabei machte Gold 55 % der Exporte aus.

Auf Grund des geringen Zuflusses von privatem Kapital schließt Burkina Faso die Finanzierungslücke hauptsächlich durch bilaterale und multilaterale Zuschüsse und Darlehen. Im Jahre 2010 hatte der Anteil ausländischer Zuschüsse zur Finanzierung des Staatshaushalts eine Höhe von 219,9 Mrd. FCFA, das sind 335,2 Mio. EURO. Das macht 22,7 % aus. Zusätzlich kam es zu ausländischen Finanzierungen in Höhe von 153,6 Mrd. FCFA, das sind ca. 234 Mio. Euro.   Quelle: IMF, Country Report

Staatsverschuldung

Die Staatsschulden von Burkina Faso wurden Mitte 2015 vom Finanzministerium für Ende Dezember 2014 auf 1.935 Milliarden F CFA  (= 2,96 Milliarden EURO) geschätzt. Das bedeutet einen Anstieg der Schulden um 11,36 % gegenüber dem Vorjahr. 73 % davon sind externe Schulden.

Im April 2002 hatte Burkina Faso den "Completion Point" unter der HIPC-Initiative erreicht. Ein umfassendes Entschuldungsprogramm wurde damit wirksam. Insgesamt wurden dem Land mehr als 500 Mio. US$ Schulden erlassen. Aufgrund der im Juni 2005 getroffenen Einigung der acht führenden Industriestaaten (G-8) wurden Burkina Faso (zusammen mit vorerst 17 weiteren HIPC-Staaten) sämtliche Schulden bei Weltbank, IWF und Afrikanischer Entwicklungsbank erlassen. Die Schulden erreichten damit im Jahre 2006 einen Tiefstand von 700 Mio. US$ und hatten sich bis 2011 wieder verdreifacht.

Entwicklung und Entwicklungspolitik

=> Armutsbekämpfung, Millenniumsziele, Post 2015-Entwicklung

Seit dem Millenniumsgipfel der Vereinten Nationen im September 2000 lief die Millenniumskampagne (Objectifs du millénaire pour le développement OMD) von Burkina Faso in enger Abstimmung mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank (WB) und den Gebern von Entwicklungshilfegeldern.
Sie bestand darin, bis 2015 Armut und Hunger zu halbieren und sichtbare Fortschritte im Bildungswesen zu machen. Weitere Punkte waren die Gleichstellung und Unabhängigkeit der Frau, gesundheitlicher Schutz für Mutter und Kind, AIDS-Bekämpfung und Umweltschutz. Nach dem ersten Fortschrittsbericht 2003 hat Burkina Faso 2010 einen zweiten vorgelegt. Darin wurden ermutigende Fortschritte in den Bereichen Grundbildung, Trinkwasserversorgung im städtischen Milieu, Gesundheitsversorgung und AIDS-Bekämpfung hervorgehoben. Von den Vereinten Nationen wurden vor allem die Fortschritte in der Trinkwasserversorgung auf dem Gipfel September 2010 in New York gelobt. Im Bericht von 2012 blieben die Ergebnisse zur Gleichstellung der Geschlechter und zum Umweltschutz aber hinter den Zielen zurück. Auch bei anderen Zielen war die Bilanz im Jahr 2015 negativ. Keines der acht Millenniumsentwicklungsziele konnte vollständig erreicht werden. Das gilt vor allem für die Abwasserentsorgung, die Bekämpfung der monetären Armut und den Hunger und der Verringerung der Mütter- und Kindersterblichkeit. 
Die Regierung hatte mit „Beschleunigungsprogrammen“, die seit 2011 umgesetzt wurden, reagiert und die Millenniumsziele mit den Zielen der Programme der Armutsbekämpfung (von PRSP bis SRFP) verknüpft:

  • Stratégie nationale d’accélération de l’atteinte des OMD (SNAO)
  • Cadre d’accélération pour les OMD (CAO)
  • Stratégie de croissance accélérée et de développement durable (SCADD)

Eine Konferenz der Vereinten Nationen zu Nachhaltiger Entwicklung hat "Entwicklungsprogramme Post-2015" erarbeitet und hat auf ihrem Gipfeltreffen in New York vom 25. September 2015 die Agenda 2030 mit ihren 17 neuen Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDG) beschlossen. Dabei liegen auch die Ergebnisse der Rio+20-Konferenz von 2012 zugrunde.
Besonders betont werden dabei in Burkina Faso Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sowie die Bekämpfung von Unterernährung.

=> Deutsche Entwicklungszusammenarbeit in Burkina Faso

Burkina Faso ist ein Schwerpunktland der bilateralen deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) des BMZ. Am 30.11. und 01.12.2011 fanden in Ouaga­dou­gou turnusgemäß die ent­wick­lungs­po­li­ti­schen Re­gie­rungs­ver­hand­lungen zwi­schen beiden Ländern statt. Dabei wurden für einen Zeit­raum von drei Jahren Mittel von ins­gesamt 82 Millionen Euro für die Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit in den nächsten drei Jahren zugesagt, davon 5 Millionen Euro pro Jahr direkte Budgethilfe. Am 14.06.2012 wurde ein Kooperationsabkommen über 59,5 Millionen EURO unterschrieben. Im August 2012 besuchte Bundesminister Dirk Niebel Burkina Faso.

Mit seiner Finanziellen Zusammen­arbeit (FZ) fördert das BMZ dabei In­ves­ti­tionen durch güns­tige Kre­dite, Be­tei­ligungs­kapital oder Zu­schüsse, die nicht zurück­ge­zahlt wer­den müs­sen. Ver­ant­wort­liche Orga­ni­sa­tion für die Fi­nan­zielle Zu­sam­men­arbeit ist die KfW Ent­wick­lungs­bank.

Die Technische Zusammenarbeit (TZ) berät, liefert in begrenztem Umfang Sachgüter, erstellt Anlagen, Studien und Gutachten. Die Vor­haben der TZ werden über­wie­gend im Auf­trag des BMZ von der Deut­schen Gesell­schaft für Inter­natio­nale Zu­sam­men­arbeit (GIZ) durchgeführt, die seit Anfang 2011 die Tätigkeiten der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) und der Internationalen Weiterbildung und Entwicklung (InWEnt) vereint. Tech­nische Zu­sam­men­arbeit er­folgt immer als Direkt­leistung, die vom Empfän­ger­land nicht zurück­er­stattet werden muss.

Mit der Regierung von Burkina Faso wurden drei Schwerpunkte der Zusammenarbeit verabredet. Sie ergänzen das Engagement anderer Geber in Burkina Faso:

  • Landwirtschaft
  • Dezentralisierung
  • Wasser

In weiteren Bereichen engagiert sich Deutschland in den Bereichen Förderung der Menschen-, besonders der Frauenrechte, Verbesserung der sexuellen Gesundheit besonders von Jugendlichen, Bekämpfung von HIV/AIDS und Engagement gegen Kinderarbeit. Mehrere Projekte zu Demokratie- und Zivilgesellschaftsförderung werden durchgeführt, insbesondere in den Bereichen Medien-, Menschenrechts- und Jugendförderung. Eine länderübergreifende Entwicklungspartnerschaft mit der Wirtschaft wird durchgeführt.
Ein regionales Programm des Zivilen Friedendienstes (ZFD) befasst sich mit Konflikten um die Nutzung natürlicher Ressourcen im Zuge grenzüberschreitender Transhumanz.

Gegenwärtig laufen folgende Programme und Projekte:

Die Aktivitäten der deutschen EZ konzentrieren sich schwerpunktmäßig auf den Südwesten und den Osten des Landes sowie auf die Hauptstadt Ouagadougou.

=> Andere bilaterale Entwicklungsorganisationen

Übersicht Partner
Wichtigste staatliche Partner und ihre Handlungsfelder
© OECD/ OECD Publishing, Paris: Aid at a glance charts by recipient

Das Binnenland Burkina Faso ist sehr stark auf ausländische Hilfe angewiesen. Nach wie vor ist Frankreich mit der Agence Française de Développement noch der wichtigste Partner der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit.

Die niederländische Entwicklungszusammenarbeit war von 1970 bis zur Schließung ihrer Botschaft im Juni 2013 in Burkina Faso tätig und konzentrierte sich auf

  • Bekämpfung der Armut
  • Gute Regierungsführung und Menschenrechte
  • Gender
  • Bildung
  • Gesundheit

Der niederländische Entwicklungsdienst SNV leistet trotz Schließung der Botschaft weiterhin seinen Beitrag in den Bereichen

  • Landwirtschaft
  • Erneuerbare Energie
  • Wasser 

Daneben sind

die in Burkina Faso am stärksten engagierten Partnerländer.

Im Jahre 2005 hat sich Burkina Faso für den Millennium Challenge Account (MCA), ein neues Instrument der Entwicklungszusammenarbeit der USA, qualifiziert. Dieses neue Instrument zeichnet sich durch besonders strenge, aber transparente Vergabebedingungen aus. In dieser Hinsicht bringt die Qualifizierung für Burkina Faso ein gutes Ansehen auf internationaler Ebene. 

=> Multilaterale Organisationen

Burkina Faso nimmt seit 2001 am Prozess NEPAD (New Partnership for Africa's Development) teil, einem Entwicklungsprogramm der Afrikanischen Union, in dem sich afrikanische Staaten der Eigenverantwortung, der Transparenz und der Rechenschaftspflicht verschreiben. Cord Jakobeit zog nach fünf Jahren NEPAD eine Zwischenbilanz.

Die EU wird Burkina Faso von 2014 bis 2020 mit 623 Mio. Euro unterstützen.

Weitere wichtige Partner in der multilateralen Entwicklungszusammenarbeit sind:

Nichtstaatliche Entwicklungszusammenarbeit

Einige größere professionelle Hilfsorganisationen führen Projekte in Burkina Faso durch. Zu ihnen gehören:

Basisnah und mit unvergleichbar effizientem Kosten-Nutzen-Verhältnis kooperieren auch nichtstaatliche Initiativen, die sich aus Spenden und Zuschüssen finanzieren und deren Träger ehrenamtlich tätig sind. Bei ihnen steht die menschliche Begegnung im Mittelpunkt.

Im deutschsprachigen Raum gibt es mehr als 200 Partnerschaften zwischen Gruppen, Vereinen, Orten oder Schulen mit solchen in Burkina Faso. Am bekanntesten ist die inzwischen über 20-jährige Initiative von Katrin Rohde: Sahel e.V.. Mit ihrem Verein AMPO hat die ehemalige Buchhändlerin aus Plön, "Mama Tenga", in Ouagadougou und Umgebung mehrere Zufluchts-, Ausbildungs-, Arbeits- und Wohnstätten für Waisenkinder, Straßenkinder, Behinderte und Jugendliche, die von bestehenden sozialen Netzen nicht aufgefangen werden können, geschaffen. Seit zehn Jahren ist die Nachhaltigkeit der Einrichtungen durch die Katrin Rohde-Stiftung gesichert.

Die Arbeit des "Solidaritätskreis Westafrika" unter Leitung von Notar "Charly" Simonis besticht durch die enorm hohe Zahl an Schulbauten, die aus seiner privaten Initiative entstanden ist.

Die Vereine "FATHIMA e.V." mit Sitz in Bad Honnef und Kinderhilfe-Westafrika e.V. in Thüringen unterstützen gezielt die Ausbildung von Mädchen in Burkina Faso.

Einige weitere Initiativen sind:

Die Deutsch-Burkinische-Freundschafts-Gesellschaft (DBFG) aktualisiert fortlaufend eine Liste von Vereinen, Organisationen und anderen Gruppen, die sich in Deutschland mit Burkina Faso beschäftigen und gibt in Karten deren Standorte in Deutschland und Burkina Faso an.

Gerade wegen ihrer Basisnähe wird den Nichtregierungsorganisationen (NRO) ein hohes Maß an Sensibilität und Verständnis der fremden Mentalität abverlangt, zumal private Aufbauhilfen mit der Zuverlässigkeit der Partner vor Ort stehen und fallen. Naive Unbedarftheit, die nicht über die eigenen mitgebrachten Standards und den eigenen guten Willen hinausdenkt, führt dabei häufig zu Enttäuschungen und Abkehr.
Der Zugang zu staatlichen Zuschüssen wird den meisten Vereinen trotz guter und erfolgreicher Zusammenarbeit durch zu hohe bürokratische Hürden verbaut.

Mama Tenga
Katrin Rohde, Gründerin sozialer Einrichtungen © Katrin-Rohde-Stiftung

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzen Mal im August 2016 aktualisiert.

Autor

Jörg Lange, Mag., Dipl.-Ing., geb. 1959, wohnhaft in Bad Honnef und Ouagadougou, Theologe,  Wasser- und Straßenbauingenieur, seit 1985 in Burkina Faso, 30 Jahre in der EZ mit frankophonen afrikanischen Ländern, seit 2009 selbständige Fachkraft und beratender Ingenieur in der EZ.

Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu den Themen:

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(Akademie für Internationale Zusammenarbeit)

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