Kinder auf dem Land, © Eva Biele
Anteil alphabetisierte Erwachsene
85,5% (2015)
Bedeutende Religionen
Christlich 78 %, Islam 3-4%, andere Religionen
Städtische Bevölkerung
12,1 % (2016)
Lebenserwartung
60,9 Jahre (2017)
Gender Inequality Index (GII)
Rang 114 von 160 (2017)
Anzahl der Geburten
5,86 Geburten pro Frau (2015)
Kindersterblichkeit
63,4 pro Tausend Lebendgeburten (2014)

Soziale Struktur

Volksgruppen oder Ethnien

Ähnlich wie in Ruanda leben in Burundi drei unterschiedliche Volksgruppen oder Ethnien: die Hutu, die zahlenmäßig die größte Gruppe darstellen (ca. 80%) und zu den Bantu-Völkern gehören, die Tutsi, eine Minderheit von ca. 10-15% wahrscheinlich nilotischen Ursprungs und die Twa. Letztere stellen mit ca. 1-2% nur noch eine Randgruppe dar, gelten aber als die eigentlich ursprüngliche Bevölkerung Zentralafrikas. Historisch ist der Konflikt zwischen den Hutu und Tutsi um politische Vormachtstellung und wirtschaftliche Ressourcen einer der Hauptursachen der Genozide in Ruanda, aber auch in Burundi. Die Twa oder Batwa sind heute eine Randgruppe, die von den beiden anderen Volksgruppen marginalisiert wird. Ursprünglich Jäger und Sammler, haben die Twa diese Lebensweise bis in das 20. Jahrhundert hinein beibehalten. Seit in den 1970er Jahren das Jagen in Burundis ohnehin bereits sehr stark gerodeten Wäldern offiziell verboten wurde, konnten die Twa diese Tradition nicht mehr fortführen. Sie leben häufig in separaten Vierteln und bestreiten ihren oftmals kargen Lebensunterhalt mit Betteln, Prostitution oder einfachen Arbeiten. Man versucht in den letzten Jahren, die Rechte der Twa zu stärken und Vorurteile abzubauen.

Die Verwendung des Begriffs der Ethnie ist wissenschaftlich nicht korrekt. Denn Ethnien unterscheiden sich in vielen Bereichen. Die Menschen in Burundi jedoch sprechen die gleiche Bantusprache Kirundi, bilden eine gemeinsame Sozialstruktur und teilen religiöse Überzeugungen. Eine gemeinsame Geschichte verbindet sie ebenso wie die gleiche Kultur und der Lebensraum. Eine ursprünglich ähnliche Sozialstruktur und die gleiche koloniale Vergangenheit mit dem Nachbarland Ruanda ist den Ländern gemeinsam. Vielfältige Ursachen werden dafür verantwortlich gemacht, dass die Bevölkerung Burundis im Laufe der Geschichte ein "ethnisches" Bewusstsein entwickelt hat, so dass eine Spaltung der Gesellschaft anhand von ethnischen Linien entstanden ist und die Menschen sich mit einer der Gruppen identifizieren. Fest steht, dass die Kolonialmächte Deutschland und Belgien hierbei auch eine Rolle gespielt haben. Kontrovers diskutiert wird bis heute die Frage der politischen Macht: ethnisch oder demokratisch orientiert? Auch die Besiedlungsgeschichte bzw. die zeitlichen Abläufe von Einwanderung und Siedlungskolonisation sind nicht klar, ähnlich wie in Ruanda. Man geht davon aus, dass die ursprüngliche Bevölkerung der Twa durch die Besiedlung der hauptsächlich aus Westafrika stammenden Bantu-Völker, der Hutu, in den Jahren 1300 n.Chr. stark dezimiert wurde. Die Ackerbau betreibenden Hutu haben wahrscheinlich dann in den darauffolgenden 1000 Jahren die Ankunft der Tutsi erlebt.

Bei der Jugend von Burundi scheinen zwischenethnische Differenzen immer weniger eine Rolle zu spielen: Hoffnung auf ein zukünftig konfliktfreies Zusammenleben der Bevölkerungsgruppen im Land.

Sprachen

In Burundi wird von der Mehrheit der Bevölkerung Kirundi gesprochen. Sie ist eine Niger-Kongo-Sprache und mit dem im Nachbarland Ruanda gesprochenen Kinyarwanda nahezu identisch. Nationalsprache ist außerdem Französisch. Bis heute ist Französisch Unterrichtssprache und die offizielle Amtssprache, während als Verkehrssprache Kirundi benutzt wird. Kirundi ist eine komplizierte Tonsprache. Als Besonderheit gilt, dass L und R häufig simultan benutzt bzw. ausgewechselt werden können, ohne dass dies am Bedeutungsgehalt etwas ändern würde. Das führt jedoch auch manchmal dazu, dass dies im Französischen beibehalten wird: "Cafetaliat" statt "Cafetariat", "l´oldle" anstatt "l´ordre" usw. Am Tanganjika-See und in der Region der Hauptstadt Bujumbura wird auch in Swahili kommuniziert. Da viele Jugendliche - zumindest in Bujumbura und Umgebung - mit Swahili, Kirundi und Französisch aufwachsen, wird bei der Verständigung oftmals ein Mix aus unterschiedlichen Wörtern der verschiedenen Sprachen genutzt, ein Umstand, der ein Verstehen für Ausländer häufig erschwert.
Englisch wird nicht gesprochen, aber die Bevölkerung ist durchaus an der Sprache interessiert. Da die Verkehrssprache der EAC Englisch ist, ist Burundi in der Formulierung klarer Ziele und Vereinbarungen innerhalb der wirtschaftlichen Gemeinschaft oftmals gehandicapt. Stimmen werden laut, die Englisch auch in Burundi "gesellschaftsfähig" machen wollen bzw. auf die Notwendigkeit hinweisen, wie wichtig eine Sprachenvielfalt im Land ist. Im Nachbarland Ruanda, das eine weitgehend ähnliche Geschichte hatte wie Burundi und ebenfalls unter belgischer Kolonialherrschaft stand, wurde 2009 als Amtssprache Englisch eingeführt. Durch rückkehrende Flüchtlinge, die Kirundi nicht mehr als ihre Muttersprache kennen, sondern eher Swahili (Tansania) oder Lingala (Demokratische Republik Kongo) bzw. Kinyarwanda (Ruanda) sprechen, wird allein schon durch die Verständigungsprobleme in der Bevölkerung Burundis Unmut erzeugt. So sind z.T. bereits nicht allein ethnisch-soziale Konflikte, sondern auch linguistisch begründete Auseinandersetzungen häufig. Die Integration von Flüchtlingen bzw. deren Kindern, die in Tansania mit Englisch aufwuchsen, ist in Burundi problematisch.

Altersstruktur

Jung und alt in Burundi, © Alain Dyumishigije
Jung und alt in Burundi, © Alain Dyumishigije
Bevölkerungspyramide von Burundi 2016, © CIA (public domain)
Bevölkerungspyramide von Burundi 2016, © CIA (public domain)

Die Altersstruktur in Burundi zeigt einen hohen Anteil an jungen Menschen. Fast die Hälfte der Bevölkerung (46%) ist unter 15 Jahre alt, sind also Kinder. Die Herausforderungen an das Bildungssystem und die Wirtschaft sind dadurch enorm. Kinderarbeit ist verbreitet und gehört neben anderen Faktoren zu den Risiken, denen Kinder in Burundi bis heute ausgesetzt sind. Kinder und Jugendliche sind oft benachteiligt in der Ernährung, Gesundheit und Bildung. Das Problem der Kindersoldaten ist auch in Burundi verbreitet. Die Gruppe der Erwachsenen bzw. der Jugend bis 50 Jahre ist vom HIV-Ansteckungsrisiko besonders betroffen. Über 65 Jahre werden nur ca. 2-3 % der Bevölkerung. Dies liegt an dem unzureichenden Gesundheitssystem (wenig Gesundheitsfürsorge, kaum Schwangerenvorsorge oder Geburtenbegleitung, kaum Möglichkeiten zu schwierigen Operationen, wenig Kenntnisse über Krankheiten und Hygiene usw.) und schwierigen Lebensverhältnissen auf dem Land (häufig schlechte Ernährungssituation, schwere Arbeit).

Alte Frau, © Eva Biele
Alte Frau, © Eva Biele
Neugeborenes Baby in einer ländlichen Familie, © Eva Biele
Neugeborenes Baby in einer ländlichen Familie, © Eva Biele

Soziale Klassen/Stadt-Land-Dualismus

Bei armen Dorfbewohnern, © Eva Biele
Bei armen Dorfbewohnern, © Eva Biele
Wohnzimmer der Mittelschicht, © Laurette Biashare
Wohnzimmer der Mittelschicht, © Laurette Biashare

Die burundische Gesellschaft zeigt eine Differenzierung in eine städtische Bevölkerung mit höheren Einkommen und eine ländliche Bevölkerung mit mehr oder minder schwerer Armut. Dabei überwiegen die ländlichen ärmeren Bevölkerungsschichten. Dieser starke Stadt-Land-Dualismus ist neben ethnisch-sozialen Problemen für vielfältige Unterschiede und Konflikte verantwortlich. Die soziale Realität im heutigen Burundi zeigt eine immer noch stark von Armut und Hunger bedrohte, breite Bevölkerungsschicht, die zudem meist in den ländlichen Bereichen und von der Landwirtschaft lebt. In anderen Niedriglohnbereichen wie als Wächter oder Hausangestellte verdienen die Menschen ebenso nur wenig. Hier wird täglich um das Überleben gekämpft, die Wohnsituation ist schlecht, die Ernährung unzureichend in quantitativer als auch qualitativer Hinsicht, der Zugang zu Gesundheitsdiensten beschränkt, die Bildungschancen schlecht. Demgegenüber existiert eine kleine "Mittelschicht" und eine wohl noch zahlenmäßig geringere "Oberschicht", die sich hauptsächlich in der Hauptstadt Bujumbura konzentriert und der überwiegend die Volksgruppe der Tutsi anzugehören scheint. Auch wenn die soziale Differenzierung historisch nicht ethnisch determiniert war - ein Hutu konnte durchaus zum Tutsi werden - so waren doch Tutsi schon vor, aber auch nach der Kolonialzeit - mehrheitlich in der "upper class", Hutu hauptsächlich in der "under class" zu finden. Die Konflikte in der politischen Landschaft Burundis tangieren die ländliche Bevölkerung kaum, außer dass sich ihre Lage weiterhin verschlechtert.

Die ländliche Bevölkerung arbeitet fast gänzlich in und für die Subsistenzwirtschaft. Das Handwerk hat nur einen geringen Anteil am BIP, der informelle Sektor ist von Bedeutung. Eine intensive Förderung des Handwerks, v.a. für die ländlichen Bereiche, würde sich positiv auf die Einkommensverhältnisse der stark von der Landwirtschaft abhängigen Bevölkerung auswirken. Dazu behindern Korruption und Misswirtschaft die korrekte Besteuerung der Bevölkerung bzw. Verwendung der Steuergelder. Wohlhabende Familien bewohnen meist die besseren Viertel von Bujumbura und profitieren von den zahlreichen Bars und Diskotheken der Stadt. Viele Eliten haben das Land verlassen oder wandern aufgrund der politisch und wirtschaftlich schlechten Situation seit 2015 aus. Allerdings wird ihr Einfluss aus dem Ausland auf die Entwicklung des Landes diskutiert. Minoritäten in Burundi sind zum einen ethnisch bedingt und kaum angesehen wie die Twa. Wirtschaftlich-soziale Ausgrenzung erfahren Straßenkinder. Für Homosexuelle ist es in Burundi besonders hart. Homosexualität steht seit 2010 unter Strafe und homosexuelle Menschen werden in Burundi verfolgt. Hier versuchen jedoch einige Betroffene, für ihre Rechte zu kämpfen. Behinderte werden von der Gesellschaft oft ausgegrenzt. Besonders problematisch ist die Verfolgung und die Ermordung von Albinos in Burundi. Die Bevölkerung soll in Zukunft mehr über den Albinismus erfahren und für die Problematik sensibilisiert werden. Davon verspricht man sich ein Ende der Gewalt und der Gefährdung von Albinos in Burundi und anderen ostafrikanischen Staaten.

Eine wohlhabende Familie bei einem Sonntagsausflug an den Tanganjikastrand in Bujumbura, © Eva Biele
Eine wohlhabende Familie bei einem Sonntagsausflug an den Tanganjikastrand in Bujumbura, © Eva Biele
Wohnzimmer der Oberschicht, © Alain Dyumishigije
Wohnzimmer der Oberschicht, © Alain Dyumishigije
Alltag auf dem Land, © Laurent De Ruyt
Alltag auf dem Land, © Laurent De Ruyt
Hochzeit in Bujumbura, © Maurice Bugabekazi
Hochzeit in Bujumbura, © Maurice Bugabekazi
Hochzeit auf dem Land, © Alice Nibimbashuka
Hochzeit auf dem Land, © Alice Nibimbashuka

Familie und Frauen

Reiche Familie in Bujumbura, © Aimable Nkarambaye
Reiche Familie in Bujumbura, © Aimable Nkarambaye

Die Familie hat einen hohen Stellenwert in Burundi. Die Polygamie ist offiziell verboten, existiert aber weiterhin illegal, v.a. in den ländlichen Bereichen. Traditionell unterliegt die burundische Gesellschaft dem Patriarchat. Die Stellung der Frau ist in den ländlichen Bereichen noch sehr traditionell, d.h. die Frau ist dem Mann unterstellt. Vergewaltigungen und Gewalt an Frauen werden leider häufig nicht strafrechtlich verfolgt. Das galt v.a. für die Bürgerkriegsjahre und kurz danach. Ganz traditionell darf die Frau sich nicht in Anwesenheit von Männern zu Wort melden. Auch andere Arten von Gewalt gegen Frauen existieren: Zwangsprostitution, Hausmädchen, die wie Sklavinnen arbeiten müssen oder Gewalt in der Ehe. Doch langsam, v.a. im städtischen Umfeld, mit verbesserter beruflicher Qualifikation und Zugang zu Wirtschaft, Justiz und Regierung ändert sich das Bild und damit die Stellung von Frauen in Burundi erheblich. 2017 hat der Präsident ein Gesetz erlassen, nach dem alle unverheirateten Paare offiziell heiraten müssen, um zusammenleben zu dürfen. Frauen kämpfen für bessere Rechte, Mitspracherechte in der Politik, Teilhabe an wirtschaftlichen Prozessen wie z.B. dem exportorientierten Kaffeesektor und für ein Ende der Gewalt.

In Bujumbura ist die Jugend sehr stark global orientiert, auch die weibliche. Auch international fördert man die Stärkung von Frauen in Burundi. Man verspricht sich hiervon auch ein verbessertes politisches Umfeld und durch Förderung von Frauen erhebliche Fortschritte in Frieden und Entwicklung für und zur Verringerung der Armut in Burundi. Besonders die Friedenskonsolidierung setzt auf die Förderung von Frauenaktivitäten. Einiges gilt es noch zu verändern, hauptsächlich in ländlichen Bereichen, so z.B. die mögliche Erbfolge für Mädchen und dem Recht für Frauen, Land zu erwerben. Viele internationale Organisationen sind v.a. in der Unterstützung von Kindern und Frauen tätig. Die Gleichberechtigung ist zwar im Gesetz verankert, doch in der Realität ist hier noch viel zu tun. Das galoppierende Bevölkerungswachstum in Burundi liegt wie in vielen Entwicklungsländern begründet in mangelnder sozialer Absicherung im Alter, unzureichendem Zugang zu Verhütungsmitteln und der Stellung der Frau in der Familie. Die Regierung erkennt zwar die Notwendigkeit der Drosselung des Bevölkerungswachstums insgesamt, propagiert jedoch nur die 3-Kind-Familie, ohne beeinflussende Faktoren zu verhindern oder verändern zu können. Die Batwa-Frauen werden sowohl ethnisch als auch frauenrechtlich diskriminiert, was man jedoch in letzter Zeit zu verändern versucht.

Familie in Bujumbura, © Alain Dyumuishigije
Familie in Bujumbura, © Alain Dyumuishigije
Ältere Herren bei einer Hochzeitsgesellschaft, © Alain Dyumishigije
Ältere Herren bei einer Hochzeitsgesellschaft, © Alain Dyumishigije
Oberschicht-Familie, © Eva Biele
Oberschicht-Familie, © Eva Biele
Frauen auf dem Land, © Tony Heriza (CC BY-NC-ND 2.0)
Frauen auf dem Land, © Tony Heriza (CC BY-NC-ND 2.0)

Die Jugend

Alkohol spielt in der burundischen Gesellschaft eine Rolle in der sozialen Verständigung. Die Jugendlichen sind nicht selten der Gefahr der Alkoholabhängigkeit ausgesetzt. Mehr als 60% der Bevölkerung Burundis sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Sie sind besonders von Burundis Problemen betroffen wie Schwächen des Bildungswesens, unzureichendem Zugang zu Gesundheitszentren oder Arbeitslosigkeit. Viele Studienabgänger werden trotz relativ guter Ausbildung arbeitslos. Mutig sind diejenigen, die aus eigener Kraft versuchen, kleinere Projekte im Dienstleistungssektor zu generieren. Auch die Landwirtschaft stützt sich zu einem großen Teil auf die Jugend. Doch kann auch sie keine gesellschaftspolitischen Veränderungen bewirken; diese müssen aus der Politik und der Wirtschaft kommen. So sind die Jugendlichen vielfach Verlierer der burundischen Gesellschaft, in den ländlichen Bereichen von Armut, Hunger und Perspektivlosigkeit betroffen. Mehr als jedes vierte Kind (27% der Mädchen und 26% der Jungen) sind von Kinderarbeit betroffen, viele Kinder arbeiten als Hausangestellte. Auch ethnische Probleme betreffen immer noch viele Jugendliche in Burundi. Zwar hat die Vision 2025 die Jugendlichen als besonders förderungswürdig eingestuft, doch die Umsetzung erfolgt nur langsam. Neuerdings gibt es mehrere Versuche, Jugendliche aktiv an der Politik zu beteiligen und ihnen auf der anderen Seite entgegenzukommen, z.B. mit einem neuen Radioprogramm für Jugendliche. Auch andere, z.T. internationale Programme, versuchen die burundischen Jugendlichen, besonders in der Bildungspolitik, zu unterstützen

Eine besorgniserregende Entwicklung ist die politische Formierung von Jugendgruppen, die mehrheitlich der CNDD-FDD folgen, die sogenannten Imbonerakure. Ähnlich den Interahamwe in Ruanda, die 1994 in den Genozid verwickelt waren, ist auch die Jugend in Burundi stark manipulierbar und daher als lokale Milizen gefährlich.

Kind mit Schaf im ländlichen Bereich Burundis, © Eva Biele
Kind mit Schaf im ländlichen Bereich Burundis, © Eva Biele
Kinder haben unter Armut und Hunger besonders zu leiden, © Laurent De Ruyt
Kinder haben unter Armut und Hunger besonders zu leiden, © Laurent De Ruyt
Wochenende an Bujumburas Strand, © Eva Biele
Wochenende an Bujumburas Strand, © Eva Biele
Junge Frau Bujumbura, © Minette Twarigamungu
Junge Frau Bujumbura, © Minette Twarigamungu
Jugend am Tanganjikasee in Bujumbura, © Eva Biele
Jugend am Tanganjikasee in Bujumbura, © Eva Biele

Bildung

Viele Kinder in einer Grundschule im ländlichen Bereich, © Eva Biele
Viele Kinder in einer Grundschule im ländlichen Bereich, © Eva Biele
Kinder einer Sekundarschule auf dem Schulweg, © Eva Biele
Kinder einer Sekundarschule auf dem Schulweg, © Eva Biele
Schulkinder, © Norwegian Agency for Development Cooperation (CC BY-NC-ND 2.0)
Schulkinder, © Norwegian Agency for Development Cooperation (CC BY-NC-ND 2.0)
Verteilung von Schulmaterial, © Liebenzeller Mission Burundi
Verteilung von Schulmaterial, © Liebenzeller Mission Burundi

Das Schulsystem in Burundi bestand bis 2011 aus einer sechsjährigen Grundschulzeit mit anschließender siebenjähriger Sekundarschulzeit. Nach der 10. Klasse konnte ein Fachabitur (Diplom A2) angestrebt werden, bspw. zur Krankenschwester oder zum Laboranten, das im Anschluss auch das Universitätsstudium erlaubte. Seit 2011 wird die Grundschule 9-jährig besucht. Das Schul- und Ausbildungssystem orientiert sich insgesamt am europäischen Vorbild, v.a. am belgischen Bildungssystem. Die überwiegend katholischen Missionare hatten dabei einen wesentlichen Einfluss auf Struktur und Inhalte des Unterrichts.

Das Bildungswesen in Burundi ist insgesamt in einem desolaten Zustand, stark politisiert, des Öfteren durch Streiks paralysiert, fällt durch Unregelmäßigkeiten in Abläufen auf und ist hochgradig von externer finanzieller Unterstützung abhängig, wie z.B. des UNDP, der UNESCO, der UNICEF und verschiedenen kleinen Spendenprogrammen, auch von deutscher Seite. V.a. in den Schulbau und in die Qualifizierung des Lehrpersonals muss investiert werden. Die durchschnittliche Klassengröße beträgt 80 Schüler, die Schulabschlussrate nur ca. 48 %. Der Durchschnitt der Schulzeit pro Kind wird mit ca. 2,5 Jahren angegeben. Der Schulweg ist oftmals sehr lang, da in Burundi die disperse Siedlungsweise überwiegt, die Wohnhäuser also oft weit auseinander liegen und dadurch eine Siedlungsagglomeration, außer in größeren Zentren, selten vorliegt. Kindergärten werden so gut wie gar nicht besucht: nur ca. 5% aller Kinder gehen in die sog. "école maternelle", die meisten Kindergartenkinder entstammen der Oberschicht.

Die Grundschule ist seit 2005 zwar kostenfrei, ein großer Schritt für die Regierung und eine große Verbesserung gegenüber früheren Verhältnissen. Die Einschulungsrate ist seither von ca. 57 % auf 73,1 (Jungen) bzw. 74,3 (Mädchen) 2012 gestiegen, die Alphabetisierungsjahre bei Jugendlichen von 53 % 1990 auf 89,6% (15-24 Jahre, Jungen) bzw. 88,1% (15-24 Jahre, Mädchen) 2012. Trotzdem wird ein gutes Schulsystem damit nicht gewährleistet: zu groß sind noch die Kosten für Schuluniformen, Schuhe und für die Sekundarschule Schulgebühren, die sogenannte "minérval". Mädchen scheinen ebenfalls immer noch benachteiligt zu werden, die Zahl der Schulabbrecher ist recht groß.

Der allgemeine Lehrermangel, die schlechte Qualifizierung und auch Bezahlung des Lehrpersonals, die großen Klassen und überwiegend schlecht ausgestattete Schulen stellen die Bildung Burundis vor große Probleme. Die Schule wird oft vorzeitig abgebrochen. Man ist sich dessen bewusst und Strategien existieren, doch finanzielle Mittel zur Veränderung des Bildungssystems fehlen. Häufig werden die Gehälter der Lehrer nicht oder verspätet bezahlt, so dass diese keine andere Möglichkeit als den Streik sehen, um dennoch ihr Gehalt zu bekommen. Die unter internationalem Druck bzw. Rat durchgeführten Reformen ohne Schaffung nennenswerter Basisstrukturen, wie gut qualifiziertes Lehrpersonal oder genügend Lehrmaterial oder auch die Anerkennung der Notwendigkeit der Schulbildung in der Bevölkerung, scheinen sogar eher zu einer Verschlechterung der Bildungssituation in Burundi zu führen.

In Burundi gibt es eine staatliche sowie eine Vielzahl privater Universitäten, die allerdings kaum leistungsfähig sind und die häufig am Rande der Legalität arbeiten. Sie sind von den Wirkungen jahrzehntelanger Unruhen, dem Mangel an qualifizierten Lehrkräften sowie von generellen finanziellen Notständen besonders betroffen - ganz besonders die staatliche Université du Burundi - ebenso die Sekundarschulen und die technischen Fachschulen, die überwiegend als Internate organisiert sind. Einige davon sind religiös orientiert. Die Studenten der Nationaluniversität erhalten nur eine geringe Unterstützung des Staates. Platzmangel und neue Restriktionen der Regierung 2017 - u.a. ein Demonstrationsverbot und die Androhung, die kümmerliche Unterstützung von umgerechnet 17 Euro im Monat nach dem Studium zurückzahlen zu müssen - frustrieren viele Studierende. 18 % des Staatshaushaltes ist für die Bildung vorgesehen. Die Hälfte davon wird für die Sekundar- und Tertiärausbildung ausgegeben. Während die Einschulungsrate noch relativ hoch ist, schaffen gerade einmal knapp die Hälfte der Schüler den Sprung in die Sekundarschulen und nur 1 % der 18 bis 22-jährigen besuchen eine Universität.

Hochschulbildung in der Universität von Burundi in Bujumbura, © Prof. Dr. H. Megerle
Hochschulbildung in der Universität von Burundi in Bujumbura, © Prof. Dr. H. Megerle
Geographisches Institut der Universität in Bujumbura, © Alain Dyumishigije
Geographisches Institut der Universität in Bujumbura, © Alain Dyumishigije

Gesundheit

In Burundi ist das Gesundheitssystem aufgrund von Materialmangel und Fehlen an qualifiziertem Personal in einem schlechten Zustand. Es gibt nur wenige gut ausgestattete Krankenhäuser. Privatkliniken sind teuer. Die meisten Menschen können sich eine kostenintensive Gesundheitsbehandlung nicht leisten, viele werden sogar nach Operationen in Krankenhäusern festgehalten, wenn sie die Rechnung nicht bezahlen können. 2006 hat die Regierung die Übernahme der Kosten für die Schwangerschaft von Frauen und für die Gesundheitsversorgung von Kindern unter 5 Jahren eingeführt, davor mussten die Patienten selbst bezahlen. Die Situation der Menschen hinsichtlich Gesundheit und Lebenserwartung ist sehr schlecht. Es gibt keine allgemeine Krankenversicherung für die ländliche Bevölkerung, obwohl Pläne hierfür existieren. Die Krankenversicherung für Funktionäre des Staates erreicht nicht eine reelle Umsetzung bzw. hat Probleme der Finanzierung. Bürgerkrieg und Armut verstärken die Gesundheitsprobleme in den ländlichen Bereichen Burundis. Auch die Korruption verschärft die Situation in den Krankenhäusern.

In Burundi existieren in allen Provinzen Gesundheitszentren und kleine Krankenhäuser. Die Ärztedichte wird jedoch nur mit 3 pro 100.000 Menschen angegeben (Rang 186 von 193). Malaria, HIV/AIDS und Tuberkulose sind immer noch weit verbreitet. Malaria ist bis heute die häufigste Todesursache im medizinischen Bereich, besonders bei Kindern. Dazu kommen gynäkologische Probleme bei den Frauen, wie z.B. das gehäufte Auftreten von Geburtsfisteln durch häufige Geburten in schlechtem Zustand der Mütter. Auch Durchfallerkrankungen durch unsauberes Trinkwasser sind sehr häufig. Bei Malaria kommt es immer wieder zu Epidemien, viele wissen nicht genug über die Übertragungswege und wirksamen Schutz durch Moskitonetze.

Die HIV/AIDS-Rate kann immer noch als relativ hoch bezeichnet werden, auch wenn hier in den letzten Jahren Erfolge bei der Prävention und Behandlung zu verzeichnen sind. Vor allem Frauen und Mütter müssen besser aufgeklärt werden. HIV/AIDS und Homosexualität sind hoch sensible Themen. Die Stigmatisierung von HIV-Infizierten ist stark ausgeprägt, vielfach wird der Tod durch AIDS verschwiegen. Auch Cholera tritt immer wieder auf, v.a. in den Flüchtlingslagern. Die Zahl der Tuberkulose-Kranken ist hoch, auch in Begleitung mit HIV/AIDS. Auch die Lepra ist in Burundi keineswegs ausgerottet. Immer wieder tritt die Krankheit auf und das nicht nur vereinzelt. Die Säuglings-, Kinder- und auch die Müttersterblichkeit kann als unvermindert hoch bezeichnet werden, Mangelernährung ist v.a. bei Kindern häufig. 2/3 der Bevölkerung ist bis heute unterernährt, Burundi gehört zu den drei Ländern mit der höchsten Rate an Unterernährten weltweit. Quantitative und qualitative Unter- bzw. Fehlernährung (Eiweißmangel) beeinträchtigt das Immunsystem und die intellektuelle und körperliche Leistungsfähigkeit. Das ist v.a. bei Kindern gefährlich.

Die traditionelle Medizin hat in den ländlichen Gebieten einen hohen Stellenwert, hier gibt es auch noch viele traditionelle Heiler, die die moderne Medizin ablehnen. Vielfach können traditionelle Mittel gefährlich werden, aber die positiven Möglichkeiten des Einsatzes von Medizinalpflanzen in der Medizin sind noch nicht gut erforscht. Traditionell werden toxische Medizinalpflanzen des Öfteren zum Giftmord verwendet, bis heute gibt es Mordfälle aufgrund von Vergiftungen. In den Krankenhäusern - auch den besseren in Bujumbura - kommt es häufig zu Todesfällen aufgrund infrastruktureller Probleme wie Stromausfall, fehlenden Personals oder zu wenig Blutkonserven. Europäische Fachkräfte oder deren Angehörige werden bei schwierigeren oder ungeklärten Krankheiten am besten nach Kenia (Nairobi), Europa oder Deutschland ausgeflogen.

Hinweisschild zum Krankenhaus in Kirundo, © Eva Biele
Hinweisschild zum Krankenhaus in Kirundo, © Eva Biele
AIDS-Plakat in Makamba, © Dave Proffer (CC BY 2.0)
AIDS-Plakat in Makamba, © Dave Proffer (CC BY 2.0)
Wohlhabende Mutter mit Neugeborenem im Krankenhaus, © Eva Biele
Wohlhabende Mutter mit Neugeborenem im Krankenhaus, © Eva Biele
Frauen mit ihren Kindern in einem Krankenhaus, © European Commission DG ECHO (CC BY-SA 2.0)
Frauen mit ihren Kindern in einem Krankenhaus, © European Commission DG ECHO (CC BY-SA 2.0)
Apotheke in Bujumbura, © AFSC Development (CC BY-NC-ND 2.0)
Apotheke in Bujumbura, © AFSC Development (CC BY-NC-ND 2.0)

Kultur

Langhornrinder, heute neben wirtschaftlicher Bedeutung auch noch immer ein Statussymbol für Reichtum und Ansehen, © Laurette Biashare
Langhornrinder, heute neben wirtschaftlicher Bedeutung auch noch immer ein Statussymbol für Reichtum und Ansehen, © Laurette Biashare

Kultur und Traditionen

Trotz jahrelanger Konflikte, Armut und Hunger ist die Solidargemeinschaft für die burundische Gesellschaft von hohem kulturellen Wert. Die auch kollektivistisch oder beziehungsorientierte burundische Gesellschaft achtet kulturell die Familie und persönliche Beziehungen und stellt sie vor Sachinhalte oder individuelle Interessen. Das Bashingantahe-Justizsystem ist vielleicht das beste Beispiel für das Funktionieren der traditionellen kollektivistisch orientierten burundischen Gesellschaft, in der Vertreter des Volkes, die Bashingantahe, die Rolle von Anwälten auf dem Land unternahmen. Dieses System kann auch heute wieder zur Förderung von Friedensbemühungen rehabilitiert werden. Soziales Miteinander, Kommunikation und Freundschaft haben einen hohen Stellenwert in der burundischen Gesellschaft. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass sich die Gesellschaft in Burundi durch eine hohe Machtdistanz auszeichnet, d.h. dass eine starke Autoritätsorientierung herrscht. Gleichzeitig gibt es ein großes Verantwortungsbewusstsein in der traditionellen Gesellschaft. Das zeigt, dass die Definition der burundischen Gesellschaft in bestimmten kulturellen Orientierungen sehr delikat ist. DIE burundische Kultur existiert nicht. Zur Vermeidung von Stereotypen und Vorurteilen sollte man immer den Kontext beachten, die Sozialstruktur der Gesellschaft (= Binnendifferenzierung) und das Individuum.

Traditionell wird in Burundi die Kuh (inka) verehrt. Kühe zu besitzen ist bis heute ein Statussymbol. Daneben gibt es viele Bräuche auf dem Land, die traditionellen Glaubensriten zugeordnet werden können, so z.B. dass man Eidechsen nicht töten darf. Auch Bäume werden verehrt und haben eine historische Bedeutung.

Einheimische Literatur fehlt in Burundi aufgrund von Armut und weit verbreitetem Analphabetismus weitgehend. Buchhandlungen sind eine Seltenheit. Oral tradierte Geschichten, Fabeln und Gedichten existieren jedoch und werden von Generation zu Generation weitererzählt. Als bekanntere, auch international erfolgreiche Autoren sind Roland Rugero oder Esther Kamatari zu nennen.

Das Theater wird in letzter Zeit wieder aktiver, wobei es dem Land zugute kommt, dass es eine einheitliche Sprache besitzt, in der die Stücke aufgeführt werden können. Interaktive Aufführungen oder auch das Kino sind zur Sensibilisierung der Bevölkerung, z.B. im Kampf gegen Malaria oder im Bereich Friedenskonsolidierung, Traumabewältigung oder auch als Präventivmaßnahme, sinnvoll.

Hochzeiten werden meistens sehr traditionell abgehalten. Wie in Europa werden Ehen in der Kirche geschlossen (die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung ist christlich-katholischen Glaubens), außerdem amtlich bestätigt. Der eigentlichen Hochzeit geht ein Fest voraus, dass man als "dot" bezeichnet, eine Art Brautpreisüberreichung. Symbole für Glück und Fruchtbarkeit - u.a. eine Kuh - werden gereicht, die Hochzeit ist ein großes Fest und bedeutendes Ereignis für die beiden Familien der Eheleute. Interessant ist die Übernahme von westlichen Kulturelementen bei Hochzeiten der Oberschicht, wie z.B. die mehrstöckige Torte, die man gemeinsam anschneidet. Die katholische Kirche hat insgesamt einen großen Einfluss. Vielfach sind die Hochzeiten für die Familien bzw. die Brautleute selbst sehr teuer - und nicht wenige verschulden sich für das Fest.

Zum Zeichen der Freundschaft nehmen sich junge Männer an die Hand - Händchenhalten unter Paaren in der Öffentlichkeit ist jedoch unüblich. Öffentliches Küssen ist ebenso unangebracht.

Dem globalen Weltglücksbericht zufolge (2017) liegt Burundi auf dem zweitletzten Platz (Platz 154 von 155 Ländern), ein Wert, der wohl die Situation der Menschen - wenn man dem Bericht Glauben schenken kann - gut beschreibt.

Traditionelle Hochzeit, © Eva Biele
Traditionelle Hochzeit, © Eva Biele
Traditioneller Kopfschmuck der Frauen bei einer Hochzeit, © Aimable Ndimenyaminya
Traditioneller Kopfschmuck der Frauen bei einer Hochzeit, © Aimable Ndimenyaminya
Traditionelles Bananenbier-Trinken, hier auf einer Hochzeit, © Silama Munyeshyaka
Traditionelles Bananenbier-Trinken, hier auf einer Hochzeit, © Silama Munyeshyaka
Zur burundischen Kultur gehört es auch, zum Zeichen der Freundschaft unter Männern Händchen zu halten, © Geordie Mott (CC BY 2.0)
Zur burundischen Kultur gehört es auch, zum Zeichen der Freundschaft unter Männern Händchen zu halten, © Geordie Mott (CC BY 2.0)
Musiker mit traditionellem Musikinstrument, © Aimable Ndimenyaminya
Musiker mit traditionellem Musikinstrument, © Aimable Ndimenyaminya

Musik

Musik und Tanz ist in Burundi von hoher kultureller Bedeutung. Zu offiziellen Anlässen und bei Hochzeiten sind die Tänze Abatimbo und der schnelle Abanyagasimbo populär. Es existieren einige sehr traditionelle Lieder, wie der Imvyino (Familiengesang), der Kwishongora (ein Männergesang) oder der Bilito (ein Frauengesang). Meist wird auch in der Kirche oder zu festlichen Anlässen viel gesungen. Sprache aller traditionellen Lieder und Gesänge ist dabei Kirundi.

Als Musikinstrumente werden die Flöte, die Zitter und andere traditionelle Musikinstrumente wie die Ikembe, Indonongo, Urukayamba, Umuduri, Inanga und die Inyagara benutzt. Moderne Musiker verwenden Gitarre und andere westliche Musikinstrumente.

Burundi produziert heute eine Reihe von Musikstücken zeitgenössischer Sänger, die hauptsächlich in der Oberschicht angesiedelt sind (Popmusik, Hiphop etc.) Beispiele sind:

Internationalen Erfolg verzeichnete Ende der 1990er Jahre Khadja Nin:

  • Khadja Nin: Mama
  • Khadja Nin: Sambolera - das wohl bekannteste Lied der Künstlerin

Eine relativ junge Reggaeband in Bujumbura kritisiert musikalisch heutige Missstände in Burundi. Die Gruppe Lion Story hat aktuell einen großen Zulauf, v.a. in der jüngeren Oberschicht.

Burundi ist weltweit bekannt für seine besondere Trommler-Kultur. Vorführungen von speziell geschulten Trommlern werden v.a. für Touristen und auf Hochzeiten einstudiert, sind aber auch im Alltag Burundis wichtig. Das Trommeln ist sehr traditionell und teilweise religiös besetzt.

Trommler bei einer Vorführung in Bujumbura, © Eva Biele
Trommler bei einer Vorführung in Bujumbura, © Eva Biele
Die burundische Reggaeband Lion Story, © Andrew Dubber (CC BY-NC-SA 2.0)
Die burundische Reggaeband Lion Story, © Andrew Dubber (CC BY-NC-SA 2.0)
Junge Musiker in Bujumbura, © Aimable Ndimenyaminya
Junge Musiker in Bujumbura, © Aimable Ndimenyaminya

Kunst

Die Bildende Kunst ist in Burundi weniger verbreitet als die Musik. Traditionell werden Mosaiken, Skulpturen und Gebrauchsgegenstände mit dekorativen Motiven hergestellt. Keramiken und Malerei sind ebenso verbreitet, wobei ihre Bedeutung v.a. durch italienische Missionare in den 1950er gestärkt wurde. Durch den Verkauf von Kunstgegenständen könnte auch die Wirtschaft gestärkt werden. 2012 war Burundi Gastgeber der Kunstbiennale der ostafrikanischen Länder (ESTAFAB). Von der Kunst zu leben ist indes in Burundi fast unmöglich. 

Sport

Neben Fußball wird gern Basketball gespielt, © Eva Biele
Neben Fußball wird gern Basketball gespielt, © Eva Biele

Die ländliche Bevölkerung läuft oft kilometerlang zum Markt und wieder zurück, lebt vom landwirtschaftlicher Schwerstarbeit auf dem Feld und hat Probleme mit Hunger, Mangel- und Unterernährung: dadurch wird klar, dass Sport als Bewegungsausgleich nur für die städtische Bevölkerung mit überwiegend sitzender Lebensweise interessant ist. In Bujumbura findet man einige Fitnessstudios in wachsender Zahl, viele auch an Hotels angeschlossen. Eine Form des Workouts nennt man in Burundi "GymTonic". Männer spielen am Wochenende gern Fußball oder Basketball in lokalen Vereinen. Die bescheidenen Erfolge der burundischen Fußball- Nationalmannschaft (Spitzname: "Die kriegerischen Schwalben") beschränken sich auf das mehrmalige Erreichen des Viertelfinals der Ost/Zentralafrikameisterschaften. Eine Teilnahme an Welt- oder Afrikameisterschaften ist in der Verbandsgeschichte noch nicht geglückt.

Die Oberschicht - und hier v.a. die Jugend - trainiert ihre Fitness häufig am Strand, u.a. auch mit Beachvolleyball. Es gibt einen Reitstall in Bujumbura, schwimmen kann man in den Schwimmbädern größerer Hotels und auch im Tanganijkasee.
Burundi nimmt regelmäßig auch an den Olympischen Spielen teil. Vénuste Niyongabo, 1973 in Burundi geboren, wurde 1996 Goldmedaillengewinner in der Leichtathletik über die 5000m. Das war lange die einzige Medaille für Burundi bei Olympischen Spielen. 2016 gewinnt die burundische Leichtathletin Francine Niyonsaba - 1993 geboren - die Goldmedaille über 800m bei den Hallenweltmeisterschaften. Auch 2017 gewinnt Niyonsaba die Silbermedaille über die 800m bei den Leichtathletikweltmeisterschaften in London. Die Diskussion, ob die Athletin zu hohe Testosteronwerte aufweist, um bei den Frauen mitzulaufen, keimt immer wieder auf. Eine bekannte burundische Leichtathletin ist auch Diane Nukuri, die bereits viele Rennen gewonnen hat und noch aktiv ist. 

Fußball ist ein beliebter Männersport, © Anastase Munezero
Fußball ist ein beliebter Männersport, © Anastase Munezero
Diane Nukuri, © Tom Page (CC BY-SA 2.0)
Diane Nukuri, © Tom Page (CC BY-SA 2.0)

Religion

Mann in islamischer Kleindung, © Silama Munyeshyaka
Mann in islamischer Kleindung, © Silama Munyeshyaka

Der größte Teil der Bevölkerung in Burundi gehört dem Christentum an. 62 % sind römisch-katholischen, 5 % protestantischen Glaubens. 10% sind Muslime. Das Christentum brachten Ende des 19 Jh. die Missionare nach Burundi, allen voran die Weissen Väter oder Pères Blancs. Dabei gelang es den Missionaren erst viel später als in Ruanda, die Bevölkerung in Burundi vom Christentum zu überzeugen. Die burundische Bevölkerung ist zum größten Teil sehr gläubig. Dabei wird Kritik an der Kirche und an der Religion im Allgemeinen nur selten geäußert. Die katholische Kirche hat bis heute eine gesellschaftspolitische Bedeutung, z.B. im Friedensprozess und auch in der Politik - mit großem Einfluss. Die Kirche - Katholiken und Protestanten - unterhält außerdem viele Entwicklungsprojekte in Burundi, auch viele deutsche Initiativen waren bisher darunter. Der Islam konnte sich neben dem Christentum nur schwer durchsetzen, die Muslime fühlen sich marginalisiert. Auch die anglikanische Kirche ist in Burundi aktiv. Daneben können sich auch viele neuere Religionsgemeinschaften in Burundi etablieren, eine Entwicklung, die jedoch nur von wenigen kritisch gesehen wird. Die burundische Bevölkerung ist größtenteils sehr tolerant gegenüber anderen religiösen Überzeugungen. Nur unter dem Bagaza-Regime wurde die Rolle der katholischen Kirche eingeschränkt, da Bagaza sie als Hutu-Versammlungsorte fürchtete. Auch die Zeugen Jehovas wurden 1986 als Religionsgemeinschaft verboten, nach dem Ende von Bagazas Regierungszeit jedoch wieder zugelassen. Neben den großen Kirchen bzw. Religionen sind auch Naturreligionen verbreitet, v.a. im ländlichen Raum. Das anthropologische Denken der Burunder steht dabei wesentlich im Zusammenhang mit dem Glauben an IMANA (Gott). Imana ist der Schöpfer aller Dinge und Vater aller Menschen.

Moschee in Bujumbura, ©  Andreas31 (CC BY-SA 3.0)
Moschee in Bujumbura, © Andreas31 (CC BY-SA 3.0)
Muslimische Frau, © Landry Nshimiye
Muslimische Frau, © Landry Nshimiye
Betende Frau in einer Kirche, © Maurice Bugabekazi
Betende Frau in einer Kirche, © Maurice Bugabekazi

Das Länderinformationsportal

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Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im November 2018 aktualisiert.

Die Autorin

Die Autorin Dr. Eva Biele hat in Geographie promoviert und war insgesamt sieben Jahre als Koordinatorin in Projekten der Entwicklungszusammenarbeit in Ruanda tätig. Außerdem lehrte sie als Hochschuldozentin an den Nationaluniversitäten in Burundi und Ruanda. Seit 2009 arbeitet sie als Consultant in Deutschland, ist interkulturelle Trainerin mit Schwerpunkten in der wirtschaftlichen und entwicklungspolitischen Zusammenarbeit mit Ostafrika und leitet die Landesanalysen für Burundi und Ruanda bei der AIZ. 

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