Der Tanganjikasee, © Eva Biele
Offizieller Name
Republik Burundi
Fläche
27.834 km²
Einwohner
11,7 Mio. (2017)
Regierungssitz
Bujumbura
Klima (für Hauptstadt)
Äquatoriales Regenklima

Generelle Angaben

Die Lage Burundis in Afrika, © Rei-artur (CC BY-SA 3.0)
Die Lage Burundis in Afrika, © Rei-artur (CC BY-SA 3.0)
Übersichtskarte Burundi, © CIA (public domain)
Übersichtskarte Burundi, © CIA (public domain)

Im östlichen Zentralafrika zwischen 2 und 4° südlich des Äquators gelegen, ist Burundi ein Binnenstaat ohne unmittelbaren Zugang zum Meer. Das Land grenzt im Norden an Ruanda, im Osten an Tansania und im Westen an die Demokratische Republik Kongo und hat im Südwesten Anteil am Tanganjikasee. Burundi ist damit ein Teil der Region der Großen Seen. Mit 27.834 km² Fläche rechnet Burundi zu den Zwergstaaten Afrikas. Die Geographie Ostafrikas ist durch vielfältige Besonderheiten im Landschaftsbild gekennzeichnet.

Siedlungsgeografisch ist Burundi in 18 Provinzen unterteilt, die sich jeweils wiederum in 116 Distrikte aufgliedern. Kleinste Verwaltungsgrößen sind die Collines, die Hügel, die häufig nur einige Dörfer oder Siedlungsgruppierungen umfassen.

Generelle Grunddaten zu Burundi liefern das CIA World Factbook, die Weltbank und die UN. Daten, die sich hauptsächlich auf demographische und bevölkerungsrelevante Verhältnisse beziehen, nennt die worldstat-Seite. Das UNDP liefert aktuelle Informationen zum Human Development Index Burundis. Interessante statistische Informationen zu Burundi liefert auch die einheimische Seite der ISTEEBU (Institut de Statistiques et d´Etudes Economiques du Burundi).

Sehr interessant - auch vom interkulturellen Standpunkt aus gesehen - ist ein Video: What is Burundi?

Übersichtskarten

Naturraum

Landschaft in Burundi, © Dave Proffer (CC BY 2.0)
Landschaft in Burundi, © Dave Proffer (CC BY 2.0)

Landschaftsbild

Die Landschaft Burundis, © Sadalmelik (public domain)
Die Landschaft Burundis, © Sadalmelik (public domain)

Naturräumlich liegt Burundi auf einem Hochplateau (1400 – 1800 m), das im Westen zur kongolesischen Wasserscheide auf bis zu 2700 m ansteigt. Der steile Abfall zum Tanganjikasee als einem Teil des Ostafrikanischen Grabenbruchs ist typisch für die Tektonik der Region. Die Gebirgskette in Burundi bildet die Wasserscheide zwischen dem Nil im Osten und dem Kongo im Westen. Der zentrale und v.a. der nördliche Teil Burundis sind durch eine Hügellandschaft geprägt, die geomorphologisch hauptsächlich durch fluviale Morphodynamik, d.h. durch die Kraft von Flüssen nach der Hebung Ostafrikas, entstanden ist. Nach Osten hin fällt die Oberfläche ab und wird zu einer savannenartigen Rumpffläche, die auch klimatisch bedingt ist. Der längste Fluss des Landes (Ruvubu) ist einer der Quellflüsse des Nils, dessen Quelle sich etwa 45 Kilometer östlich des Tanganjikasees befindet. Der Tanganjikasee ist einer der tiefsten Seen der Welt (bis 1435 m) und bedeutend als Süßwasserreservoir der Region und als wirtschaftlicher Transportweg. Während der deutschen Kolonialzeit waren hier auch deutsche Schiffe unterwegs. Er ist ca. 660 km lang und bis zu 80 km breit und liegt 773 m über dem Meeresspiegel. Außer Burundi haben auch noch die Staaten Tansania, Sambia und die Demokratische Republik Kongo Anteil am See. Im Tanganjikasee existieren viele endemische Pflanzen- und Tierarten wie z.B. viele Zier- und Essfische. Der Mukeke gehört zu den schmackhaftesten Fischen der Region. Daneben leben auch andere lokale Fischarten wie der Ndagala, Singala oder Singa im See. Für viele Fischer sind sie die Haupteinnahmequelle und ein wertvoller Eiweißlieferant.
Die Hauptstadt Bujumbura liegt am Ufer des Tanganjikasees im Südwesten des Landes. Das Landschaftsbild wird im Wesentlichen durch eine intensive landwirtschaftliche Nutzung geprägt; die natürliche Vegetation ist bis auf wenige Ausnahmen fast vollständig zurückgedrängt worden.

Kirundo See, © Trade for Development (CC BY-NC-ND 2.0)
Kirundo See, © Trade for Development (CC BY-NC-ND 2.0)
Landschaft in Burundi, zentraler Bereich
Landschaft in Burundi, © Eva Biele

Klima

Aufgrund der geographischen Lage nahe dem Äquator herrscht in Burundi tropisches Klima mit zwei Regenzeiten (März/April: große Regenzeit und September/Oktober/November: kleine Regenzeit). Das Klima wird insgesamt stark durch die Höhenlage charakterisiert und variiert demnach mit der Topographie. Die Trockenzeit in den Sommermonaten Juni bis September ist relativ stark ausgeprägt. Während dieser Trockenzeit fallen sehr oft nur 7 mm Regen im Monat. Eine weitere Trockenzeit gibt es im Januar und im Februar. Diese ist jedoch im Vergleich zur ersten Trockenzeit sehr kurz. Der meiste Regen fällt im April, dabei erhalten die Osthänge der Gebirge die meisten Niederschläge (durchschnittlich 1500 mm), mindestens 1000 mm sind es auf der Hochfläche und in der Senke des Tanganjikasees. Typisch wie für alle tropischen Regionen sind konvektive Starkregen, die häufig in ländlichen Regionen - aber auch in der Hauptstadt - zu zeitweisen Überschwemmungen führen können. Das erhöht auch die Gefährdung durch Rutschungen und generell die Bodenerosion. Die wenigsten Niederschläge werden in der östlichen Savannenregion gemessen. Hier kann es durchaus zu 4-5 Monaten Trockenzeit kommen. Die Temperaturen sind – typisch für tropische Klimate – im Jahresmittel gleichbleibend hoch (Tageszeitenklimate) und werden nur durch die Höhenlage differenziert. Im Durchschnitt ist es auf den Hochflächen 16° C bis 20°C warm und am Tanganjikasee ca. 24°C (Wettervorhersage zu Bujumbura, Klimadiagramm zu Bujumbura); auf den Gebirgszügen kann es nachts empfindlich kühl werden.

Regenzeit in Burundi, © Eva Biele
Regenzeit in Burundi, © Eva Biele
Trockenzeit in Burundi, © Eva Biele
Trockenzeit in Burundi, © Eva Biele

Flora und Fauna

Landschaft im Rusizi-Nationalpark, © Dave Proffer (CC BY 2.0)
Landschaft im Rusizi-Nationalpark, © Dave Proffer (CC BY 2.0)
Bananenstaude, © Laurette Biashare
Bananenstaude, © Laurette Biashare

Gemäß den topographischen und klimatischen Verhältnissen variiert die Vegetation und damit die Tierwelt in Burundi je nach Region und Höhenlage. Übergeordnet bestimmen das Tropenklima und damit auch die Bodenbeschaffenheit Pflanzen- und Tierausprägungen im Land. Insgesamt ist die natürliche potenzielle Vegetation in Burundi aufgrund der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung und einer starken Abholzung fast gänzlich verschwunden. Generell kann man je nach Höhenlage die schattenliebenden Bergwälder (1600m-2600m), die Wälder mittlerer Höhenlage (1000m - 1600m) und die Trockenwälder der unteren Landschaftsstufe (750m - 1000m) unterscheiden. Auf der Hochebene dominiert eine Feuchtsavanne mit Eukalyptusbäumen, stellenweise Akazien und Ölpalmen. Hier ist die natürliche Vegetation bereits durch den anthropogenen Einfluss stark überprägt worden. Es sind kaum noch zusammenhängende Waldgebiete vorhanden, nur an den Osthängen der Gebirgszüge finden sich noch Gebiete mit tropischem Regen- bzw. Bergwald. Die tiefer gelegenen, niederschlagsärmeren Gebiete sind dort, wo keine landwirtschaftliche Nutzung vorliegt, durch Trockensavanne gekennzeichnet.

Die dichte Besiedlung und eine dadurch bedingte intensive landwirtschaftliche Nutzung und starke Abholzung haben den Lebensraum vieler Tierarten stark eingeschränkt bzw. zerstört. In verschiedenen, jedoch kleinen Nationalparks und Naturreservaten, die sich hauptsächlich auf die nordwestlichen Gebirgsregionen und die Seen beschränken, bemüht sich Burundi um den Erhalt von Zebras, Antilopen, Büffeln, Warzenschweinen, Pavianen und Leoparden (v.a. Ruvubu National Park) oder Krokodilen, Flusspferden und einer vielfältigen Vogelwelt. Die wichtigsten geschützten Gebiete sind das Lake Rwihinda National Reserve, das Kigwena Nature Reserve oder der Kibira National Park. Verschiedene Landschaften und Schutzgebiete stehen auf der Vorschlagsliste zum UNESCO-Weltnaturerbe. Aber der Erhalt der Biodiversität in Burundi ist gefährdet: zu umfangreich ist die Abholzung, die Erosion der Böden, die anthropogene Einflussnahme insgesamt.

Bei den Getreidearten überwiegen tropische Getreide: Hirse ist hier als die wichtigste zu nennen. Um die steigende Nachfrage nach Brot v.a. in der Hauptstadt Bujumbura zu decken, wird auch zunehmend versucht, Weizen anzubauen. Tropische Früchte und Gemüse sind sowohl ernährungsphysiologisch als auch wirtschaftlich von Bedeutung. Hier sind Avocado und die "Jack-Frucht" zu nennen. Ganz besonders wichtig ist die Banane. Sie wird sowohl gegessen als auch als Basis für die Alkoholherstellung verwendet, ist also auch von wirtschaftlicher Bedeutung.

Hippos am Tanganijkasee, © Laurent De Ruyt
Hippos am Tanganijkasee, © Laurent De Ruyt
Bambus, das 'Riesengras', © Eva Biele
Bambus, das "Riesengras", © Eva Biele
Ndagala-Fische, © Peter Eichenauer, CC BY-NC-SA 2.0
Ndagala-Fische, © Peter Eichenauer, CC BY-NC-SA 2.0

Ökologische Probleme

Burundi hat mit erheblichen ökologischen Problemen zu kämpfen. Die hohe Bevölkerungsdichte hat in Burundi insgesamt dazu geführt, dass der größte Teil der Fläche landwirtschaftlich genutzt wird. Durch das hohe Bevölkerungswachstum und dem damit verbundenen Nutzungsdruck wird sich die Lage im Nahrungsmittelsektor weiter verschärfen, da die Böden dort, wo es möglich ist, bereits intensiv bearbeitet werden. Brachen sind kaum noch möglich, wären aber bei den vorliegenden nur schwach fruchtbaren Böden notwendig und sinnvoll, um die Produktion zu garantieren. Subsistenzwirtschaft kennzeichnet die ländlichen Bereiche, nur Kaffee und Tee werden für den Export produziert. Der Klimawandel verschärft die Situation, Dürren werden häufiger. Eine Reform der Landpolitik in Burundi ist dringend notwendig. Ein weiteres Problem ist die zunehmende Verschmutzung des Tanganjikasees durch industrielle Abwässer. Hier ist dringend Handlungsbedarf gegeben, um die wichtige Süßwasserressource nicht zu gefährden. In diesem Zusammenhang ist auch die Überfischung des Sees ein immer größer werdendes Problem, das einerseits ökologische als auch wirtschaftliche Auswirkungen und darüber hinaus ernährungsphysiologische Konsequenzen (Fisch als Eiweißquelle für die Bevölkerung) beinhaltet.

Entwaldung und Bodenerosion

Die im zentralen Landesteil vorherrschende Hügellandschaft mit Steilhängen favorisiert bei unangepassten Bewirtschaftungsmethoden die Bodenerosion. Die hohe Abholzungsrate für Brenn- und Bauholz vergrößert die Gefahr des Bodenverlustes auf den Hängen und wird in Zukunft zu einem Mangel an Energierohstoffen führen, da Holz bzw. Holzkohle der bedeutendste Energieträger in den ländlichen Regionen Burundis ist. Schon jetzt sind die meisten Waldgebiete stark gerodet worden; Aufforstung mit einheimischen Hölzern findet kaum statt. Zwischen 1990 und 2010 verlor Burundi 40% seiner Waldfläche. Die Nutzung von Eucalyptusholz ist verbreitet, so dass Anpflanzungen mit dieser - ursprünglich aus Australien stammenden Baumart - andere Aufforstungsinitiativen überlagern. Der Klimawandel trifft die ländlichen Regionen in Burundi besonders stark. Ökologische Landwirtschaft zur Reduzierung der Landschaftsdegradation und zum Erhalt der Biodiversität sowie die Terrassierung der Steilhänge wird nur sehr vereinzelt durchgeführt. Das größte Problem ist die intensive Nutzung der landwirtschaftlichen Nutzfläche, wobei höhere Produktionsraten insgesamt nur durch den erheblichen Einsatz von Düngemitteln und chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln erreicht werden können. Die starke Entwaldung hat auch Auswirkungen auf das Mikroklima. Das äußert sich in unregelmäßigen Niederschlägen, geringeren Regenmengen und einer dadurch erhöhten Zahl von Missernten. Schon in den 90er Jahren war man sich darüber bewusst, dass die Wälder schützenswert sind. Aufforstungsaktivitäten fanden statt, aber nicht nur mit einheimischen Arten, sondern vor allem mit schnellwachsenden exotischen Baumarten, deren Eigenschaften nicht dieselbe ökologische Wertigkeit besitzen wie die einheimische Vegetation. 

Bodenerosion - ein großes ökologisches Problem in Burundi, © Eva Biele
Bodenerosion - ein großes ökologisches Problem in Burundi, © Eva Biele
Auch Hangrutschungen sind ein großes ökologisches Problem, © Dave Proffer (CC BY 2.0)
Auch Hangrutschungen sind ein großes ökologisches Problem, © Dave Proffer (CC BY 2.0)

Klimawandel

Burundi ist außerdem besonders betroffen von möglichen Auswirkungen der Klimaveränderungen. Angesichts der hohen Abhängigkeit von der Subsistenzlandwirtschaft, einer landwirtschaftlich schwierig nutzbaren Topographie und der hohen Bevölkerungsdichte ist Burundi von der Ausweitung extremer Wetterereignisse wie der Zunahme von Dürren oder Überschwemmungen stark betroffen. Der Klimawandel scheint insbesondere für eine Verlängerung der Trockenzeit im Sommer verantwortlich zu sein. Das Problem der Desertifikation zeigt sich bereits in einigen Landesteilen. Durch die intensive Abholzung der Wälder, unangepasste Landnutzungsmethoden, Bodenerosion und der Zunahme von Trockenperioden hat Burundi mehr und mehr auch mit diesem Phänomen zu kämpfen, was sich auch auf die Produktivität der Landwirtschaft nachteilig auswirkt. Durch verstärkte Dürren sind außerdem Feuer für die Zerstörung weiter Teile von schützenswerten Gebieten verantwortlich. Die Bevölkerung kann momentan nur sehr unflexibel auf länger andauernde Trockenperioden, periodische Überschwemmungen oder zeitlich versetzte Regen- und Trockenzeiten reagieren. 

Große Überschwemmung in Bujumbura im Februar 2014, © Laurent De Ruyt
Große Überschwemmung in Bujumbura im Februar 2014, © Laurent De Ruyt

Staatliche Bemühungen und Schutzmaßnahmen

In letzter Zeit versucht man neuere Bestimmungen umzusetzen. Die Verringerung unerlaubter Abholzungsaktivitäten, die Verbesserung landwirtschaftlicher Praktiken und die Einführung ökologischer Bewirtschaftungsmaßnahmen sind wichtige Herausforderungen für die Regierung und die Entwicklungszusammenarbeit im ländlichen Bereich. Der Schutz der Böden ist ein wichtiges Ziel. Außerdem sind Strategien im Kampf gegen Armut und Bodendegradierung zu entwickeln und neue Tätigkeitsfelder außerhalb der Landwirtschaft zu schaffen. In der letzten Zeit sind auch durch äußere internationale Einflüsse Aktivitäten zu beobachten, die die starke Entwaldung eindämmen sollen. Dabei werden jedoch die Konsequenzen einer rigiden Verbotspolitik im Bereich der Forstwirtschaft schnell übersehen. So sind die lokalen Holzkohlehändler von einem Verbot der Abholzung stark betroffen und reagierten jüngst mit Streik. Die staatlichen Bemühungen reichen aber bei weitem nicht aus. Solange es keine klare nationale Landpolitik gibt, wird der Druck auf Burundi zunehmen, da die Bevölkerung weiter wächst. Es gibt dabei einen klaren Zusammenhang zwischen Umweltdegradation und Landkonflikten.
Das United Nations Development Program (UNDP) hat insgesamt ehrgeizige Pläne zur Unterstützung Burundis in verschiedenen Bereichen, unter anderem auch im Umweltsektor. Die burundische Regierung hat zwar erkannt, dass nur durch den Erhalt der Landschaft und Biodiversität langfristig eine Entwicklung gewährleistet werden kann, doch befinden sich nachhaltige Aktivitäten im Umweltschutzbereich noch in den Anfängen. In der Vision Burundi 2025 und der Convention sur la diversité biologique sowie in der Initiative zum Erhalt der Vogelwelt werden ehrgeizige Ziele zum Naturschutz gesetzt, aber der Mangel an personellen Ressourcen und ein insgesamt relativ niedriges Bewusstsein für Umweltthemen verzögern Aktivitäten für den Erhalt der Biodiversität in Burundi. Auch ein eigens zum Erhalt der Biodiversität eingerichtetes Zentrum in Bujumbura beschränkt sich bisher weitgehend auf die Gründe für die besorgniserregenden Umwelt- und Ökologieprobleme im Land und zeigt wenig aktuelle Aktivitäten. 2011 hat die FAO einen Management-Plan ins Leben gerufen, um die wichtigen aquatischen Ressourcen in Burundi zu schützen. Aktuell werden in verschiedenen Regionen Maßnahmen zur Sensibilisierung der Bevölkerung durchgeführt, die die Landwirte zur Wiederaufforstung degradierter Böden bewegen sollen. Außerdem ist die COMIFAC (= Commission des forêts d´Afrique Centrale) in Burundi aktiv. Aufgrund der schwierigen politischen Situation seit 2015 werden die Aktivitäten im Naturschutzsektor als weniger wesentlich eingestuft als andere dringlichere Maßnahmen und dementsprechend wenig umgesetzt.

Sozialgeographische Grundlagen

Bevölkerung

Räumliche Bevölkerungsverteilung in Burundi, © SEDACMaps (CC BY 2.0)
Räumliche Bevölkerungsverteilung in Burundi, © SEDACMaps (CC BY 2.0)

Burundi gehört mit einer Bevölkerung von aktuell (2017) 11,7 Mio. Einwohnern zu den am dichtesten besiedelten Ländern in Afrika (Stand 2000: ca. 6 Mio. Einwohner). Das Bevölkerungswachstum ist mit ca. 3,5 % eines der höchsten der Welt, jede Frau bekommt im Durchschnitt 6 Kinder. Die Bevölkerungsdichte erreicht durchschnittlich ca. 350 Einwohner pro km², eine Dichte, die ein Agrarland wie Burundi kaum noch ernähren kann. Dabei sind die östlichen Landesteile aufgrund der Trockenheit dünn besiedelt, so dass in den übrigen Landesteilen von einer Bevölkerungsdichte von weit über 400 Einwohnern pro km² ausgegangen werden muss. Verarmung, v.a. in den ländlichen Bereichen, ist die Folge. Die Verlangsamung des Bevölkerungswachstums ist zwar ein Ziel der Regierung in der „Vision 2025“ Burundis, doch bisher wurde hier kein nachhaltiger Erfolg erzielt. Bevölkerungsszenarien gehen eher von einem ungebremsten Bevölkerungswachstum aus, was die Entwicklung langfristig stark einschränken würde. Das sogenannte Medianalter teilt die Bevölkerung eines Landes in zwei Hälften: die eine Hälfte wird jünger, die andere Hälfte älter sein als dieser Wert. Im Jahr 2050 wird das Medianalter in Burundi bei 21 Jahren liegen, der kleinste Wert der Welt. Am Ende von 2017 wird die Bevölkerung Burundis bei über 12 Mio Menschen liegen. Die Bevölkerungsverteilung zeigt für die nördlicheren, feuchteren Regionen eine höhere Dichte als für den trockeneren Süden und Osten.

Der Anteil der städtischen Bevölkerung in Burundi liegt bei 11%, was den weltweit niedrigsten Wert bedeutet; der überwiegende Teil der Bevölkerung lebt demnach nach wie vor im ländlichen Bereich. 

Die Hauptstadt Bujumbura zählt ca. 700.000 Einwohner (Stand 2014). Bujumbura wurde 1889 als Militärposten von der deutschen Kolonialmacht gegründet und hieß Marienheim. Nach dem ersten Weltkrieg wurde es zum Verwaltungszentrum des belgischen Völkerbund-Mandats über Ruanda-Urundi in Usumbura umbenannt, nach der Unabhängigkeit in Bujumbura. Die Einwohnerdichte in manchen Vierteln übersteigt 4000 Einwohner pro km², außerdem sind die Einwohner in den verschiedenen Vierteln ungleich verteilt.

Weitere Städte sind Bubanza, Bururi, Cibitoke, Gitega, Kayanza,  Kirundo, Ngozi und Ruyigi.

In Burundi lebt der Großteil der Bevölkerung in Streusiedlungen. Dörfer oder Weiler, wie wir sie kennen, gibt es in dieser Ausprägung in Burundi nicht. Das typische, auch als „rugo“ bezeichnete Gehöft, steht inmitten eines Bananenhains, traditionell auf der Spitze eines Hügels, an dessen Hängen sich die Felder bzw. Parzellen befinden. Die Häuser sind durch Pisten und Wege miteinander verbunden. Von Vorteil ist diese Siedlungsstruktur für die einzelnen Familien, die keine langen Wege zu ihren Feldern zurücklegen müssen. Durch die starke Bevölkerungszunahme ist es aber heute kaum noch möglich, diese Siedlungsweise einzuhalten. Außerdem behindern die weit auseinander liegenden Hütten eine infrastrukturelle Entwicklung bzw. Modernisierung, z.B. die Versorgung mit Strom. Das "neue rugo" ist ein innovatives architektonisches Projekt der neueren Siedlungsplanung in Burundi.

Typisch für die burundische Bauweise sind Rundhütten, die auch heute noch häufig anzutreffen sind. Daneben baut man jedoch auch rechteckige Häuser. Als Dach verwendet man traditionell Bananenblätter, heute aber auch Ziegel oder Wellblech. Verbreitet ist die Gerüstbauweise, bei der Längs- und Querstangen aus Holz miteinander befestigt und die Wände aus Lehm gestaltet werden. Daneben existiert häufig ein Mauerwerk aus luftgetrockneten Ziegeln, die dann gelegentlich als Schutz vor Feuchtigkeit mit einem Außenputz versehen werden.

Typisches Landschaftsbild mit Häusern in Streusiedlungsweise in Burundi, © Eva Biele
Typisches Landschaftsbild mit Häusern in Streusiedlungsweise in Burundi, © Eva Biele
Typische Rundhütte auf den Hügeln Burundis, © Eva Biele
Typische Rundhütte auf den Hügeln Burundis, © Eva Biele
Typische Bauweise: Haus auf dem Land, © Eva Biele
Typische Bauweise: Haus auf dem Land, © Eva Biele
Haus auf dem Land nahe Gihanga, © Eliane Rusanganwa
Haus auf dem Land nahe Gihanga, © Eliane Rusanganwa

Transport und Verkehr

Internationaler Flughafen in Bujumbura, © Steverwanda (CC BY-SA 3.0)
Internationaler Flughafen in Bujumbura, © Steverwanda (CC BY-SA 3.0)
Verkehr im Norden des Landes, © Eva Biele
Verkehr im Norden des Landes, © Eva Biele

Die Dichte des Straßennetzes in Burundi wird mit 12.000 km angegeben. Davon sind nur die Hauptachsen zwischen den Städten asphaltiert (ca. 1000 km). Im übrigen Land herrschen Pisten vor, die in der Regenzeit nur schwer befahrbar sind. Auch die asphaltierten Straßen sind häufig in einem desolaten Zustand. Durch das tropische Klima sind sie anfällig für Schäden wie Schlaglöcher, Absplitterung oder Abbruch. Der einzige internationale Flughafen befindet sich in der Hauptstadt Bujumbura und wird regelmäßig von den Nachbarländern (Ruanda, Uganda, Tansania) oder z.B. Äthiopien angeflogen. Neben dem internationalen Flughafen gibt es noch zwei Kleinflughäfen in Gitega und Kirundo. Die Verkehrsführung ist - v.a. in Bujumbura - häufig chaotisch. Auf dem Land fährt die Bevölkerung Fahrrad oder geht zu Fuß. Auf dem Fahrrad werden oft große Lasten transportiert, oft über viele Kilometer. Häufig sind diese Fahrradfahrten recht gefährlich. Das Fahrrad bleibt ein sehr bedeutendes Transportmittel für die Mehrheit der burundischen Bevölkerung. Die traditionellen Holzroller auf dem Land sind oft das einzige Lastentransportmittel für die arme ländliche Bevölkerung. In den Städten und größeren Orten existieren Fahrrad- und Motorrad-Taxis sowie Autotaxis. Die Motorradtaxis sind, zumindest in Bujumbura, mittlerweile aus Sicherheitsgründen verboten. Der größte Hafen in Burundi befindet sich in Bujumbura. Schiffsverkehr besteht zwischen Bujumbura, Kigoma (Tansania), Kalémie (DR Kongo) und Mpulungu (Sambia), auch ein möglicher Schmuggelverkehr existiert hier.

Straße im Süden Burundis, © Eva Biele
Straße im Süden Burundis, © Eva Biele
Piste im Landesinnern von Burundi während der Regenzeit, © Eva Biele
Piste im Landesinnern von Burundi während der Regenzeit, © Eva Biele

Nationale Symbole

Die Flagge von Burundi
Die Flagge von Burundi

Die heutige Flagge Burundis existiert seit 1967, 1982 wurden nur noch die Seitenverhältnisse verändert. Vorher gab es ähnliche Flaggen mit gleichen Farben und Anordnungen, die sich jedoch durch die Symbole in der Mitte unterschieden. So zeigten sie entweder eine Sorghumpflanze, die königliche Standarte oder Trommeln.

Die Farben der Flagge werden folgendermaßen interpretiert: Rot steht für die Opfer im Kampf um die Unabhängigkeit, Grün symbolisiert Hoffnung und Fortschritt und Weiß steht für den Frieden. Die sechszackigen Sterne in der Mitte sollen den Wahlspruch Burundis symbolisieren, der außerdem im Wappen festgeschrieben ist: "Unité, Travail, Progrès" (Einigkeit, Arbeit, Fortschritt).

Das Wappen wurde 1962 zum Jahr der Unabhängigkeit eingeführt. Es zeigt einen roten Schild mit einem roten Löwenkopf, dahinter drei gekreuzte Speere. Das Staatsmotto wurde kurz nach 1962 von "Ganza Sabwa" - was soviel bedeutet wie "Herrschen - Regieren" in "Unité - Travail - Progrès" geändert.

Die Nationalhymne Burundi Bwacu (Geliebtes Burundi) besteht seit der Unabhängigkeit 1962.

Text auf Deutsch:

Geliebtes Burundi, du wunderschönes Land, Nimm deinen Platz unter den Nationen ein, Im Guten, in Ehre zur Unabhängigkeit gelangt. Versehrt und getötet wurdest du nun Meister deiner selbst. Die Stunde ist da, du hast dich erhoben, Und tapfer hast du dich zu den freien Völkern gesellt. Nimm nun das Lob der Nationen entgegen, Und lasse auch deine Kinder dich loben, Dass durchs gesamte Universum dein Name erschalle. Geliebtes Burundi, geheiligtes Erbe unserer Ahnen, Als würdig erachtet, dich selbst zu regieren, Zum Mut fügst du das Gefühl der Ehre, Singe das Lied deiner  wiedererrungenen Freiheit. Liebes Burundi, würdiges Objekt unserer allerzärtlichsten Liebe, Dem edlen Dienst an dir weihen wir unsere Arme, Herzen und Leben. Gebe Gott, der dich uns geschenkt, dass du unserer Verehrung erhalten bleibst, Unter dem Banner der Einheit, In Frieden, Glück und Gedeihen.

Die Texte auf Kirundi und Französisch können hier gefunden werden.

Das Länderinformationsportal

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im März 2017 aktualisiert.

Die Autorin

Die Autorin Dr. Eva Biele hat in Geographie promoviert und war insgesamt sieben Jahre als Koordinatorin in Projekten der Entwicklungszusammenarbeit in Ruanda tätig. Außerdem lehrte sie als Hochschuldozentin an den Nationaluniversitäten in Burundi und Ruanda. Seit 2009 arbeitet sie als Consultant in Deutschland, ist interkulturelle Trainerin mit Schwerpunkten in der wirtschaftlichen und entwicklungspolitischen Zusammenarbeit mit Ostafrika und leitet die Landeskundetutorien für Burundi und Ruanda bei der AIZ. 

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