Frauen pflanzen Tomaten © Eva Biele
Geschätztes BIP
3,81 Mrd US-Dollar (2018)
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
928 US-Dollar (2018)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Wert: 0,423, Rang 185 (von 187), 2018
Anteil Armut (MPI=Multidimensionaler Armutsindex)
74,3% (2016/2017)
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
31,6 (2018)
Wirtschaftlicher Transformationsindex (BTI)
Rang 119 von 137 (2020) - stark eingeschränkt

Wirtschaftslage und Wirtschaftssystem

Burundi zählt wirtschaftlich zu den ärmsten Staaten der Welt. Durch jahrelangen Bürgerkrieg, innenpolitische Instabilität und ethnisch-soziale Spannungen ist die Wirtschaft Burundis extrem geschwächt. Die Rückkehr und Integration der vertriebenen Flüchtlinge stellt eine zusätzliche Problematik dar. Missernten und die schlechte Ernährungslage der Bevölkerung auf dem Land führen dazu, dass ein Großteil der Einwohner Burundis unterhalb der Armutsgrenze lebt. Während sich einige Staaten Afrikas in letzter Zeit weiterentwickeln können - darunter das Nachbarland Ruanda - scheint Burundi seine Probleme nicht in den Griff zu bekommen. Dazu trägt auch die andauernde politische Konfliktsituation seit 2015 bei. 2016 wurde Burundi sogar als ärmstes Land der Welt eingestuft. Bei dem multidimensionalen Armutsindex (MPI) von 2016/2017 (aktuellere Zahlen sind auch im MPI-Bericht von 2019 nicht verfügbar) rangierte Burundi auf einem der letzten Plätze, der HDI (Human Development Index) hat sich seit Jahren kaum verändert (2018; 0,423) und veranschaulicht die prekäre Lage Burundis im globalen Vergleich (Rang 185 von 189). Bei der Liste der Länder, die den Anteil der Personen in absoluter Armut zeigt (unter 1,90 Dollar/Tag) belegt Burundi nach Madagaskar und der DR Kongo einen traurigen dritten Rang (73,7% der Bevölkerung lebt unter 1,90 Dollar/Tag, 91,1% unter 3,20 Dollar/Tag und 97,1% unter 5,50 Dollar/Tag)

Die Wirtschaftsentwicklung wird behindert durch die deutliche Überbevölkerung, die von auftretenden Hungersnöten besonders stark getroffen wird, die sehr geringe Produktivität im primären Sektor, v.a. in den östlichen Landesteilen und die stark angespannte politische Situation seit 2015. Die geographische Lage Burundis als Binnenstaat ist ein grundsätzliches Entwicklungshindernis. Hohe Transportkosten sowohl für Im- als auch für Exporte und sich auf die Wirtschaft unmittelbar auswirkende politische Konflikte sind weitere Hemmfaktoren. Der Staat ist bis heute auf internationale Finanzgeber angewiesen und verzeichnet, bis auf wenige Ausnahmen, geringe Investitionen z.B. von wichtigen Handelspartnern wie Südafrika. Die Regierung hat offenbar große Schwierigkeiten, Wachstumsimpulse richtig zu lenken und Finanzmittel langfristig einzusetzen. Auf fast allen Ebenen werden Initiativen der Armutsreduzierung zu gering umgesetzt. 

Bodenschätze sind zwar vorhanden (Kobalt, Gold, Uran, Erdöl, Nickel und Kupfer), werden aber kaum abgebaut, obwohl eine Intensivierung des Abbaus einen deutlichen Wirtschaftsimpuls zeigen würde. Aber für einen starken Wachstumsimpuls fehlt Burundi eine eigene materielle Ressourcenbasis. Die Industrie konzentriert sich auf die Textil- und Nahrungsmittelverarbeitung. Fast alle wichtigen Infrastrukturprojekte, insbesondere Wasserkraftwerke, sind auf externe Hilfe angewiesen. Der wichtigste Wirtschaftssektor ist die Landwirtschaft, die nur eine sehr geringe Produktivität aufweist. Für den Export relevant ist einzig Kaffee, hingegen müssen vor allem Nahrungsmittel und Maschinen eingeführt werden. Faktoren wie eine unvermindert hohe Armutsrate, mangelnder Zugang zu Bildung und Arbeit, ein schwaches Justizsystem und eine hohe Korruption sowie die aktuell äußerst schwierige politische Lage behindern die wirtschaftliche Entwicklung. Das Wirtschaftswachstum von ca. 3,8% (2018) jährlich bleibt weit hinter den Raten der Nachbarländer, wie z.B. Ruanda, zurück. Aufgrund seiner geringen Einbettung in das internationale Finanzsystem blieben die negativen Auswirkungen der globalen Finanzkrise aber gering. Burundis Wirtschaft wird zu einem Großteil durch bi- bzw. multilaterale Partner finanziert. Trotz jüngster Fortschritte bei der Verbesserung der Investitionsrahmenbedingungen bleibt der Privatsektor infolge bürokratischer und politischer Hemmnisse sowie weit verbreiteter Korruption schwach ausgeprägt und kann sich nur schwer entwickeln, auch wenn Burundi sich in den letzten Jahren seit dem Beitritt zur East African Community (EAC) darum bemüht. Viele Übereinkommen - wie z.B. eine einheitliche Steuerpolitik - sind noch zu treffen. Die überwiegend schlechte Infrastruktur und der Energiemangel, der sich auch in immer wiederkehrender Strom- und Benzinknappheit widerspiegelt, sind weitere Hemmnisse für die wirtschaftliche Entwicklung. Eine Verbesserung des Straßennetzes gehört zu den wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahre. Die Inflation von gegenwärtig rund 20 Prozent führt zu einer weiteren Verschlechterung der Einkommensverhältnisse der Bevölkerung. Die Geschäftsbedingungen in Burundi bleiben anhaltend schlecht (Doing Business Ranking 2019: 168 von 190 Staaten; 2018 war Burundi auf Platz 164 von 190 Staaten). Auch der Global Competitiveness Index (GCI) zeigt, dass Burundi eine der am wenigsten kompetitiven Volkswirtschaften weltweit ist. Burundi liegt hier 2019 auf Rang 129 von 140 Staaten.

Burundi hat Ende 2009 im Rahmen der Internationalen Entschuldungsinitiative (HIPC) den Completion Point (Vollendungszeitpunkt) erreicht, so dass Schulden von 800 Mio. US-Dollar erlassen wurden. 2008 hatte die starke Erhöhung der Preise für Importöl direkte Auswirkungen auch auf die Nahrungsmittelproduktion, so dass die Preise für Lebensmittel anstiegen. Gleichzeitig verringerte sich die Pro-Kopf-Produktion von Nahrungsmitteln von 120 kg 1996 auf nur 40 kg 2008. Das Benzin wird immer teurer und lag bereits Mitte 2014 bei umgerechnet 1,50 USD. Im März 2015 gab es zum wiederholten Mal Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Benzin bzw. Treibstoff, ebenso im Jahr 2017.

Durch die konfliktreiche Situation ab 2015 und die Streichung von Hilfsgeldern durch die EU ist die wirtschaftliche Lage desaströs, die Nahrungsmittelpreise steigen, Medikamente gehen aus. Um die Staatskassen aufzufüllen, erhebt die Regierung höhere Steuern, was sich auch auf die Nahrungsmittelpreise auswirkt - ein weiterer Schritt in die Armut vieler Burunder. Die wirtschaftliche Entwicklung hat zwar einige positive Aspekte, mehrheitlich jedoch negative Prognosen vorzuweisen. Nach dem Referendum von 2018 verzeichnet die Wirtschaft weitere Einbußen. Insgesamt wird die Wirtschaft auch von der politischen Entwicklung, besonders den in 2020 anstehenden Wahlen, beeinflusst werden. 

Obwohl Burundi zunächst offiziell keinen Corona-Fall bestätigt hat, schließt das Land im März 2020 im Zuge der Corona-Pandemie seine Grenzen zu Ruanda. Auch internationale Passagierflüge werden zunächst ausgesetzt, Frachtmaschinen dürfen weiter starten und landen. Insgesamt hat aber die Pandemie erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaft in ganz Ostafrika. 

Video zur prekären wirtschaftlichen Lage Burundis Ende 2016 (Französisch, ca. 2 Minuten)

Gitega Kaffeefabrik, © Dave Proffer (CC BY 2.0)
Gitega Kaffeefabrik, © Dave Proffer (CC BY 2.0)

Wirtschaftssektoren

Landwirtschaftlicher Hackbau auf dem Land, © Eva Biele
Landwirtschaftlicher Hackbau auf dem Land, © Eva Biele
Rinder am Straßenrand, nördliche ländliche Gebiete, © Eva Biele
Rinder am Straßenrand, nördliche ländliche Gebiete, © Eva Biele

Landwirtschaft

In Burundi leben über 90% der Bevölkerung von der Landwirtschaft, zum größten Teil wird Subsistenzwirtschaft betrieben. Burundis Landwirtschaft ist wenig produktiv und hat sich mit einer Vielzahl von limitierenden Faktoren auseinanderzusetzen. Die Produktion ist zwar in den letzten Jahren insgesamt gestiegen, doch durch Bevölkerungswachstum, Subsistenzwirtschaft und wenig Technologie in der Landwirtschaft haben heute weniger Einwohner genügend zu essen als früher, d.h. die Pro-Kopf-Produktion ist gefallen.

Das Land lässt sich in verschiedene Agrarzonen einteilen, je nach klimatischer und bodenökologischer Ausstattung. Hauptanbauprodukte sind Bananen, Maniok, Mais, Kartoffeln, Süßkartoffeln und Reis. Für den Export werden hauptsächlich Kaffee und Tee angebaut. Der Baumwollanbau ist in den letzten Jahren stark reduziert worden. Burundis Landwirtschaft ist kaum diversifiziert. Da die Devisenerwirtschaftung einseitig vom Hauptexportprodukt Kaffee abhängig ist, spürt die Wirtschaft Burundis die Preisschwankungen auf dem Weltmarkt unmittelbar. Der Teeanbau wird in den letzten Jahren - ähnlich wie in Ruanda - bedeutender, kann sich auf dem Weltmarkt jedoch kaum behaupten. Kaffee- und Teeanbau werden überwiegend in kleinbäuerlicher Produktion angebaut. Die Teewirtschaft erwägte bereits kurz nach 2005 die Privatisierung, hatte aber noch Anlaufschwierigkeiten, während im Kaffeesektor weit größere Fortschritte in der Privatisierung gemacht wurden. 2019 ruderte die Regierung jedoch wieder zurück: Aufgrund von Transparenzproblemen wird die Wieder-Verstaatlichung des Kaffees in naher Zukunft wahrscheinlich. Kaffee ist das Hauptexportprodukt des Landes - 80% des Exportes wird durch Kaffee bestritten. Die Exportlandwirtschaft ist insgesamt durch natürliche, aber auch politisch schwierige Situationen fragil in ihren Produktions- und Absatzzahlen.

Video zur Kaffeeproduktion in Burundi (Französisch, ca. 5 Minuten, 2017)

Die naturräumlichen Bedingungen der Landwirtschaft erlauben zwar meist zwei Ernten im Jahr, doch durch den Klimawandel, durch verstärkte Dürreperioden im Osten Burundis und die doch zum Teil nur mäßig fruchtbaren Böden bleibt die Produktion insgesamt gering. Krankheiten einzelner Kulturpflanzen wie Bananen oder Maniok, der Preisanstieg für Nahrungsmittel in den letzten Jahren, Starkregenfälle und die Inflation gefährden die Produktion und verschlechtern die Ernährungssituation der Bevölkerung zusätzlich. Agrobusiness ist kaum verbreitet. Dort, wo sich der Anbau aufgrund von klimatischen und bodenökologischen Bedingungen lohnt, sind häufig Bodenerosion oder eine schlechte Infrastruktur zum Verkauf von Überschussprodukten limitierende Faktoren der Landwirtschaft.
Die Viehzucht, v.a. die Rinderhaltung ist kaum entwickelt, hat aber noch traditionelle Bedeutung. Kleinbauern halten häufig Ziegen, die die Fleischversorgung im ländlichen Bereich garantieren. Ziegenmilch wird aus traditionellen Gründen nicht konsumiert.
Die landwirtschaftliche Nutzfläche pro Einwohner nimmt ab. Diese Problematik wird sich angesichts des hohen Bevölkerungswachstums weiter verschärfen. Die Nahrungsmittelproduktion wird außer durch naturräumliche Hemmfaktoren auch durch regionale Konflikte und die Rückkehr von Flüchtlingen erschwert. Die Ernährung der Bevölkerung wird zunehmend zum Problem, v.a. in den ländlichen Bereichen. Rund ein Drittel der Bevölkerung sind ständig von Hunger bedroht. Die Folgen vor allem für Kinder unter 5 Jahren sind dramatisch - eine gesunde Entwicklung wird stark beeinträchtigt. Lösungsansätze sind z.B. die Integration der Fischzucht in das ländliche Produktionssystem oder die verstärkte Hühnerproduktion. Aber auch hier gibt es Probleme, wenn Krankheiten auftreten. Die Regierung versucht neuerdings, die landwirtschaftliche Produktion durch Subventionen mit chemischem Dünger zu erhöhen - Kritik an dieser Art der Produktionssteigerung wird jedoch von jenen laut, die die ökologische Landwirtschaft als einzige langfristig wirksame Alternative sehen.

Das galoppierende Bevölkerungswachstum macht es unbedingt notwendig, in der landwirtschaftlichen Produktion neue Wege zu finden, genügend Nahrungsmittel für die burundische Bevölkerung zu produzieren, um nicht vollständig von externen Lebensmittellieferungen abhängig zu werden. Dabei gilt es vor allem, geeignete Mittel zu finden, um den veränderten Bedingungen durch den Klimawandel besser begegnen zu können. Es bestehen Zusammenhänge zwischen Landwirtschaft, Umwelt und Konflikten. Nur wenn es gelingt, in die Landwirtschaft zu investieren und die Bevölkerung dauerhaft zu ernähren, werden Konflikte gemindert und die Umwelt geschützt werden können.   

Maniok ist ein Grundnahrungsmittel, © I. Reinl
Maniok ist ein Grundnahrungsmittel, © I. Reinl
Die Teeproduktion auf Plantagen, © Trade for Development (CC BY-NC-ND 2.0)
Die Teeproduktion auf Plantagen, © Trade for Development (CC BY-NC-ND 2.0)
Trocknen von Kaffeebohnen, © couterculturecoffee (CC BY NC-ND 2.0)
Trocknen von Kaffeebohnen, © couterculturecoffee (CC BY-NC-ND 2.0)
Teeanbau in Burundi, © Eva Biele
Teeanbau in Burundi, © Eva Biele
Ziegen im kleinbäuerlichen Bereich sind von großer Bedeutung, © Eva Biele
Ziegen im kleinbäuerlichen Bereich sind von großer Bedeutung, © Eva Biele

Industrie

Insgesamt sind nur ca. 2 % der Bevölkerung in der Industrie beschäftigt. Der Bergbau beruht auf dem Abbau geringer Mengen an Gold und Kassiterit, einem Zinnerz. Bedeutende Uran-, Nickel- und Torfvorkommen wurden wirtschaftlich noch nicht genutzt, obwohl größere Vorkommen an Bodenschätzen vermutet werden. Das soll sich in Zukunft aber ändern: Burundi setzt ab 2018 verstärkt auf den Bergbau in der Wirtschaftspolitik. 2019 hat sich die Orientierung auf eine Verstärkung des Bergbaus bereits ausgezahlt: Die über den Export von Mineralien erwirtschafteten Devisen übersteigen die Einnahmen durch die Tee- und Kaffeeausfuhr. Dabei sind Partner v.a. Europa, China und Länder der EAC, wobei Ruanda eine Sonderrolle einnimmt. Die Zusammenarbeit mit Ruanda im Bereich des Bergbaus war geplant, ist aber vor dem Hintergrund der aktuellen Spannungen beider Länder wieder in die Ferne gerückt. 

Die verarbeitende Industrie in Burundi beschränkt sich weitgehend auf die Erzeugung von Agrarprodukten, darunter besitzt die Bierindustrie einen hohen Stellenwert bzw. ist wirtschaftlich von Bedeutung. Weitere Erzeugnisse sind Textilien, Zucker aus Zuckerrohr, Zement und Insektenvernichtungsmittel. Die Industrie leidet v.a. unter dem Infrastrukturproblem und unter dem Energiemangel, der eine kontinuierliche und lukrative Produktion unmöglich macht. Potenzielle Investoren scheuen bis heute die politische Unsicherheit im Land, Stabilität und Sicherheit sind grundlegende Voraussetzungen für eine dynamische industrielle Entwicklung.

Industrieviertel in Bujumbura, © Dave Proffer (CC BY 2.0)
Industrieviertel in Bujumbura, © Dave Proffer (CC BY 2.0)

Dienstleistungssektor

Burundi präsentiert sich auf der ITB in Berlin, 2012, © Burundi Safari & Souvenirs
Burundi präsentiert sich auf der ITB in Berlin, 2012, © Burundi Safari & Souvenirs

Der Dienstleistungssektor ist für die burundische Wirtschaft ist mit ca. der Hälfte des erwirtschafteten BIP bedeutsam, jedoch arbeiten nur ca. 4% der Bevölkerung im Bereich der Dienstleistungen. Außerdem ist der informelle Sektor als wesentlich zu bezeichnen. Obwohl Burundi über einen vielfältigen Naturraum mit überwältigender Flora und Fauna verfügt, ist der Tourismus aufgrund der politischen Instabilität und der infrastrukturellen Mängel nur wenig ausgebaut. Die Regierung bemüht sich jedoch, potenzielle Touristen auf Burundi aufmerksam zu machen, z.B. mit einer visuell schön gestalteten Seite der offiziellen Tourismusbehörde und mit Werbung bei der jährlichen ITB in Berlin. Investitionen im Tourismus sollen die Wirtschaft ankurbeln. Das Land wird auch per Film dargestellt. Dabei ist es eine Attraktion, ein noch sehr ursprüngliches Land anbieten zu können. Die Infrastruktur in den Nationalparks und Naturreservaten wird zwar langsam wieder aufgebaut, doch muss sich der Tourist noch auf viele Unvorhersehbarkeiten einstellen. Die größten drei Nationalparks locken mit einer noch unberührten Natur, man könnte hier durchaus von einem Ökotourismus sprechen. Es gibt mittlerweile einige gehobene Hotels und Restaurants in Burundi, die meisten davon in Bujumbura oder in der Umgebung der Nationalparks. Außerdem lohnt ein Besuch der Museen, des islamischen Kulturzentrums und des ausgezeichneten Marktes in Bujumbura. Der Tanganjikasee bietet eine Vielzahl von Wassersport- und Erholungsmöglichkeiten. Andere Sehenswürdigkeiten sind die alten Königsstädte Muramvya und Gitega. Die schwierige politische Situation ist ein großer Nachteil für den noch jungen Tourismus.

Wirtschaftspolitik und Entwicklungspotenzial

Bank in Kayanza, © Eva Biele
Bank in Kayanza, © Eva Biele

Der Beitritt Burundis zur East African Community (EAC) 2007 war ein wichtiger Schritt zur wirtschaftlichen Entwicklung des ostafrikanischen Kleinstaates. In der EAC ist Burundi (neben Südsudan) das wirtschaftlich schwächste Glied und liegt auch in der Infrastruktur und im Entwicklungsstand weit hinter den anderen Mitgliedstaaten zurück. Die Situation hat sich seit 2015 weiter verschlechtert. Ein gemeinsamer Markt der fünf Mitgliedstaaten existiert seit 2010. Dadurch soll der Warenaustausch erleichtert werden, eine Niederlassungsfreiheit für Arbeitskräfte ist geplant. Nach dem Vorbild der EU sollte es sogar eine gemeinsame Währung geben. Das Datum der Einführung 2012 konnte hier aber nicht eingehalten werden: Kenia fürchtete z.B. als wirtschaftsstärkste Kraft in Ostafrika finanzielle Nachteile, Burundi kann durch die politische Situation dem starken wirtschaftlichen Wettbewerb nicht standhalten. Die Pläne der gemeinsamen Währung wurden auf Eis gelegt. Neuere Überlegungen erwägen eine Einführung 2024. Positive kurz- und mittelfristige Auswirkungen der Zollunion der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC) sind bis heute nur wenig spürbar. Eine echte Integration des Landes in die Wirtschaftsunion findet nur unzureichend statt. Deutlich wird, dass Burundi seine Reformanstrengungen deutlich erhöhen muss, um in der Konkurrenz mit den anderen Mitgliedstaaten nicht abgehängt zu werden bzw. von der Integration profitieren zu können. Allerdings bietet die EAC die Möglichkeit der verbesserten regionalen Integration und Chancen auf eine effizientere wirtschaftliche Entwicklung in Burundi, z.B. auf dem Kaffeesektor. 2008 hat Burundi bescheidene Anstrengungen unternommen, den Kaffeesektor zu reformieren und zu privatisieren, doch bis heute sind hier wenig Exportsteigerungen verzeichnet worden. Bislang konnte Burundi seine Interessen innerhalb der EAC nicht vehement genug einfordern, was nicht zuletzt auch an der englischen Verhandlungssprache liegen mag. Seit 2016 ist der Burunder Libérat Mfumukeo Generalsekretär der EAC für 5 Jahre. Aufgrund der politischen Krise fürchtet Nkurunziza auch Nachteile durch die EAC und Spannungen mit Paul Kagame. Dem letzten Gipfel in Tansania (Februar 2019) blieb er fern.

Burundi ist Mitglied in der Afrikanischen Union und der NEPAD. Die NEPAD (= Initiative New Partnership for Africa´s Development) wurde 2001 von den Staats- und Regierungschefs der "Organisation für Afrikanische Einheit" ins Leben gerufen. Damit verpflichten sich die Staaten Afrikas zu Demokratie, Einhaltung der Menschenrechte, Good Governance und stabiler Wirtschaftspolitik. 2009 hat Burundi das Programm CAADP (= Comprehensive Africa Agriculture Development Programme), in Französisch PDDAA (= Programme détaillé de développement de l´agriculture en Afrique) unterschrieben, in dem die Staaten Ostafrikas durch die Initiative der NEPAD auf dem Agrarsektor gemeinsame Anstrengungen zu einer Verbesserung der Produktivität vereinbaren. Das CAADP wird durch die COMESA gesteuert.

Burundi hat Anfang 2017 die Mitgliedschaft bei der SADC (Southern African Development Community = Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika) beantragt. Gründe sind wohl wirtschaftlicher als auch politischer Struktur. Zuletzt hatte Burundi sich sehr zurückhaltend gegenüber der EAC verhalten, denn auch die EAC äußerte sich kritisch zu der politischen Situation in Burundi. Doch aufgrund stockender Friedensgespräche im Februar 2017 wird Burundi wohl länger auf den Eintritt in die SADC warten müssen. Im August 2017 stockten die Gespräche. Es bleibt abzuwarten, wann die Verhandlungen wieder aufgenommen werden.

Burundi möchte seine Wirtschaft und Verwaltung modernisieren, indem der Fokus auf die Stärkung staatlicher Institutionen und Verbesserungen im Infrastrukturbereich gelegt wird. Auch der Tourismus soll nachhaltig gefördert werden. 2010 wurde die National Public Finance Management Strategy auf den Weg gebracht, die Burundi bei der Reduzierung der Inflation und der Erhöhung von Steuereinnahmen unterstützen soll. Burundi hat als entwicklungspolitisches Ziel die Vision 2025 verabschiedet, in der als Hauptbereiche die Verbesserung des Justizsystems, die Transformation der Wirtschaft, die Stärkung der Zivilgesellschaft und die Vereinbarkeit von Landmanagement mit Naturschutz angestrebt werden. Für Bujumbura wurde die Vision 2045 verabschiedet, die die Transformation Bujumburas in ein regional bedeutendes Handlungszentrum zum Inhalt hat. Außerdem wirbt Burundi für Investitionen aus aller Welt, verbessert Konditionen im eigenen Land für Exporte und versucht, das doing business kleinerer Unternehmer zu stärken. Viele sehen Burundi auf einem guten Weg in eine bessere wirtschaftliche Zukunft, doch die Entwicklung wird stark von der Kontinuität der innenpolitischen Stabilität und der regionalen Integration in die EAC sowie der Demokratieentwicklung gesteuert werden. Burundi hat sich in der Vergangenheit hoch verschuldet. Das Verschuldungsproblem bremste die wirtschaftliche Entwicklung und das Interesse an Investitionen in dem kleinen ostafrikanischen Staat. 2009 erhielt Burundi einen Schuldenerlass im Rahmen der HIPC-Initiative von ca. 800 Mio. US Dollar. Trotz der relativ geringen Kreditwürdigkeit und der Gefahr der Überschuldung des Landes hat Burundi Ende 2011 neue Kredite vom IMF zum Bau eines Staudammes erhalten, um seinen Energiemangel zu decken bzw. die Infrastruktur zu verbessern.

Insgesamt wird es darauf ankommen strukturelle Probleme, die die Herausbildung einer funktionierenden Marktwirtschaft behindern, abzubauen: dazu zählt die vorherrschende Subsistenzwirtschaft zugunsten anderer Beschäftigungsmöglichkeiten zu verringern, das niedrige Einkommensniveau der dispers lebenden Bevölkerung anzuheben, die Aufsplitterung von Grund und Boden zu verhindern, Anreize für Investoren zu schaffen, die Wirtschaft insgesamt zu diversifizieren, ökologische Probleme zu erkennen und zu bekämpfen sowie die Abhängigkeit von Rohstoffen auf dem Weltmarkt abzubauen. Dies alles gestaltet sich als gewaltige Aufgabe für das Land und erschwert die wirtschaftliche Transformation Burundis in dem Maße, in dem auch die politische Stabilität und Rechtsstaatlichkeit nur geringe Fortschritte macht. Da der Wert des burundischen Franc hauptsächlich von externen Finanzströmen bzw. deren Schwankungen abhängt, kann auch die Wirtschaft insgesamt auf finanzielle Probleme nur schwer reagieren, so dass die Inflation dadurch wiederum auch die Erholung der Wirtschaft erschwert. 

Die politischen Unruhen 2015 haben der Wirtschaft Burundis stark geschadet. Ausländische Investitionen und Zahlungen der Entwicklungszusammenarbeit wurden gesenkt oder ausgesetzt. Die von der Europäischen Union beschlossene Aussetzung der finanziellen Unterstützung der Regierung im März 2016 bedeutete für die burundische Wirtschaft einen empfindlichen Rückschlag. Steuereinnahmen durch die OBR (Office Burundais des Recettes ) gingen dramatisch zurück, das Außenhandelsdefizit verbesserte sich kaum. Dazu kam eine zunehmende Geldentwertung. Burundi versucht, das Haushaltsdefizit durch größere wirtschaftliche Kooperation mit China auszugleichen. Der vereinbarte verstärkte Abbau seltener Erden scheitert jedoch noch an fehlender bzw. unzureichender Infrastruktur, den hohen Energiekosten und der politischen Unsicherheit. 

Handel und Handelsbilanz

Burundi verzeichnet in seiner Handelsbilanz einen hohen Importüberschuss. Maschinen, Investitionsgüter und Fahrzeuge werden importiert. Exportiert werden im Wesentlichen Kaffee und Tee, die zudem auf dem Weltmarkt starken Preisschwankungen unterliegen. Daneben werden noch Gold und Bier exportiert. Die zentralafrikanische Binnenlandlage ist ein stark limitierender Faktor für den wettbewerbsfähigen Handel Burundis mit dem globalen Markt. Transporte werden hauptsächlich mit Lastwagen auf der Straße bis Dar-Es-Salaam in Tansania abgewickelt. Burundi importiert in der Regel sechs bis acht Mal so viel wie es exportiert - ein Handelsungleichgewicht, das selbst im afrikanischen Kontext extrem hoch ist. Die Einfuhren sind aktuell wegen der angespannten politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Lage stark rückläufig.

Wichtige Abnehmerländer sind mit 60% die Arabischen Emirate, daneben in Asien Pakistan und China, in Afrika die DRC, Ruanda und Kenia, in Europa Deutschland, Schweden, Frankreich, Belgien-Luxemburg. In die USA wird insgesamt relativ wenig exportiert. Aufgrund der politischen Spannungen dürften die Handelsbeziehungen zu Ruanda mittlerweile sehr viel geringer ausfallen. Importiert wird hauptsächlich aus Afrika (Ruanda, Tansania, Uganda), Asien (China, Indien) und aus Europa (Belgien, Niederlande, Frankreich, Deutschland). 

Die logistische Leistungsfähigkeit, die für eine nationale Wirtschaft von Bedeutung ist, ist in Burundi nach Angola und Afghanistan so schlecht wie nirgendwo sonst auf der Welt. Der Logistic Performance Index ist zwar für viele andere ostafrikanische Staaten niedrig, aber Burundi hat vor allem mit dem Transportproblem für Im- und Exporte zu kämpfen. Bei der Kalkulation von Einzelhandelspreisen machen die Transportkosten mit fast der Hälfte den Großteil der Kosten aus. Es ist nicht abzusehen, dass sich die Transitkosten in Zukunft verringern werden.

Burundi ist Mitglied in verschiedenen multilateralen bzw. internationalen Organisationen wie z.B. der African Union, der WTO, der Weltbank, der Afrikanischen Entwicklungsbank, der COMESA – Common Market for Eastern and Southern Africa, der EAC - East African Community (seit 1.7.2007), der CPGL (Economic Community of Great Lakes Countries) und der EU-AKP. Die regionale Kooperation ist für Burundi fast ebenso bedeutsam wie die internationale Einbindung in das globale Handelsgeschehen. Da durchgreifende marktwirtschaftliche Reformen, die die wirtschaftliche und soziale Perspektive für Burundi verbessern könnten, bislang nur zögerlich angelaufen sind, bleibt auch die Handelsbilanz weiterhin negativ. Es gab Projekte für gemeinsame Verbesserungen, z.B. bei der Infrastruktur, aber im Zuge des politischen Konflikts haben sich z.B. die Kontakte zu Ruanda stark verschlechtert. Außerhalb der East African Community möchte Burundi auch den Handel mit der DR Kongo und Kongo-Brazzaville ausbauen. Durch die Regionalkonflikte im Gebiet der Großen Seen sind die politischen Beziehungen zur DRC (Demokratische Republik Kongo) aber schwierig, worunter auch die wirtschaftliche Kooperation leidet. Gute Handelsbeziehungen bestehen zu den Vereinten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien, Kenia, Uganda, (immer noch) der EU - u.a.  Frankreich, Belgien und Deutschland - daneben Kanada und China.

Entwicklung und Entwicklungspolitik

Von den Millennium Development Goals (MDGs) zu den Sustainable Development Goals (SDGs)

Burundi hatte sich - wie alle Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen - verpflichtet, bis 2015 die Millennium Development Goals zu erreichen. Die Armutsbekämpfungsstrategie (inklusive mehrerer Aktualisierungen) ist dabei das Instrument der Umsetzung. Allerdings bietet diese Strategie keinen zentralen Orientierungsrahmen für die Politik der burundischen Regierung. Und so war die Umsetzung schwierig. Auch Teilziele wurden nur in geringem Maße erreicht. Ein positiver Ausblick ist, dass die Rahmenvereinbarungen bzw. deren Umsetzung und Monitoring stärker als bisher in die Regierungsprogramme integriert werden sollen. Leider schaffte es Burundi jedoch nicht, die Gesamtziele zu verwirklichen; zu groß sind die Defizite in den meisten Bereichen. Burundi hat keines der MDGs erreicht. Die größten Probleme bestehen in der Beseitigung der extremen Armut und des Hungers sowie in der Bildung und im Umweltschutz. Dabei scheint z.B. auch die Bevölkerungsdynamik als Thema der Entwicklungspolitik in Vergessenheit geraten zu sein: die Bevölkerung in Burundi wird sich bei ungebremstem Wachstum bis 2050 auf ca. 15 Mio. fast verdoppelt haben. Auch im Gesundheitsbereich sind bislang nur wenig Fortschritte gemacht worden. Die HIV-Aids-Rate ist zwar gesunken, aber die Malariafälle sowie die Kinder- und Säuglingssterblichkeit und die Müttersterblichkeit (MDGs 4 und 5) gingen im Vergleich zu 2000 und 2005 kaum zurück. Die Einführung einer freien Gesundheitsversorgung für Schwangere und Kinder unter fünf Jahren wird nur dann positive Effekte zeigen können, wenn gleichzeitig Anstrengungen zur Verbesserung der Qualität und Quantität der Gesundheitsversorgung unternommen werden. Um stärkere Fortschritte bei den MDGs zu erreichen, ist weiterhin ein höheres, breitenwirksames Wachstum in Burundi erforderlich. Nationale Strategien werden durch verschiedene Initiativen nationaler NGOs unterstützt. Die Wasser- und Sanitärverbesserung ist dabei ein Fokus staatlicher und internationaler Entwicklungsziele, aber auch hier fehlen nachhaltige Fortschritte. Nur etwas über die Hälfte der Bevölkerung hat Zugang zu sauberem Trinkwasser.
Auch die SDGs (Sustainable Development Goals) zeigen für Burundi einen schlechten Rang, z.B. bei der Armutsbilanz, die die schlechteste in ganz Ostafrika ist. Die politische Situation seit 2015 hat auf die Entwicklung einen stark negativen Einfluss. Die Regierung ist jedoch gewillt, Schritte in die Realisierung der SDGs einzuleiten und dafür auch Geld in die Hand zu nehmen. Die Vision 2025 wurde dabei im Juni 2018 von dem aktualisierten Entwicklungsplan 2018-2027 abgelöst. Von den darin enthaltenen theoretischen Zielen sind jedoch z.B. Wirtschaftsreformen und Infrastrukturziele vertagt worden. Im Bertelsmann-SDG-Report liegt Burundi 2019 nur noch auf Rang 145 von 162 Staaten und ist damit weiter abgerutscht (2017: 132/157, 2016: 128/149). Insgesamt scheint die mangelnde Zielorientierung des politischen Systems im Rahmen der Machtabsicherung der Regierungspartei dafür verantwortlich zu sein, dass die Entwicklung rückschrittig ist und die Armut der Bevölkerung weiter zunimmt. 

Friedenskonsolidierung

Frieden und Stabilität in Burundi sind fragil, aber von entscheidende Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Trotz positiver Entwicklungen, wie den Friedensverhandlungen 2002, der Wahlen 2005 und des Friedensschlusses mit der letzten Rebellengruppe FNL in 2009, bleibt das Land von den langfristigen Folgen des jahrelangen Bürgerkriegs und politischer Instabilität beeinträchtigt. Die Fragmentierung der Parteienlandschaft, Gewaltbereitschaft und Feindbilder sind große Probleme für die Friedensperspektive. Die Friedenskonsolidierung bzw. die Unterstützung des Friedensprozesses haben sich verschiedene internationale Organisationen zur Aufgabe gemacht, da nur durch einen dauerhaften Frieden und Stabilität die wirtschaftliche Entwicklung Burundis und der gesamten zentralafrikanischen Region gesichert werden kann. Der Frieden in Burundi ist dabei stark von der regionalen Verständigung mit den Nachbarstaaten - wie der Demokratischen Republik Kongo oder Ruanda - abhängig. Dabei ist die Problematik der Instrumentalisierung von Konflikten, die Rekrutierung von Kindersoldaten und der in der Bevölkerung weit verbreitete Waffenbesitz bzw. der Waffenhandel immer noch sehr Besorgnis erregend. Der Anfang des Jahrtausends noch hoffnungsvoll erwartete Frieden hat sich nicht erfüllt.

Burundisches Flüchtlingscamp in Nord-Kivu (DRC) © European Commission DG ECHO (CC BY NC-ND 2.0)
Burundisches Flüchtlingscamp in Nord-Kivu (DRC) © European Commission DG ECHO (CC BY-NC-ND 2.0)

Ausländische bzw. multilaterale Kooperationen

Burundi ist stark von bi- und multilateralen Gebern der internationalen Gemeinschaft abhängig. Die Entwicklungszusammenarbeit hat einen hohen Anteil an der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung Burundis. Die OECD unterstützt Burundi seit der Jahrtausendwende in verschiedenen Bereichen. Auch die Aktivitäten des UNDP/PNUD und des IFAD sind außerordentlich wichtig für das Land. Für die Aufrechterhaltung der elementaren staatlichen Funktionen in Burundi ist die Unterstützung durch die African Development Bank Group (AfDB), die Weltbank, die EU (2011, 30,9 Mio. Euro durch die COMESA; das Projekt PIN = Programme Indicatif National mit voraussichtlich 432 Mio. Euro für den Zeitraum 2014-2020) und die USAID bedeutsam, denn über die Hälfte des burundischen Staatshaushaltes werden von externen Finanzgebern getragen. Dabei ist die EU einer der größten Finanzgeber. Aber auch Belgien, Norwegen, die Schweiz, Japan oder Frankreich unterstützen Burundi. Die Beziehungen zu China werden intensiver. Gegenseitige Erleichterungen im Visaverkehr sollen die Aktivitäten zwischen China und Burundi fördern. Die FAO - kofinanziert durch die EU - hilft Burundi im landwirtschaftlichen Bereich, die UNICEF bei der Unterstützung von Kindern und die WHO im Ernährungs- und Gesundheitsbereich. Deutschland konzentriert sich auf die Wasser-und Sanitärversorgung. Im Finanzmanagement hat Burundi auf Drängen der Geberländer einige Fortschritte gemacht, doch bleibt das Problem der Korruption fast unverändert stark. Auch der IMF ist in Burundi sehr aktiv. Der Beitritt zur SADC blieb 2017 versagt. Nach einem erneuten Antrag wurde jedoch auch 2019 Burundi nicht in die SADC aufgenommen. 

Die internationalen Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit sind in Burundi sehr bedeutend im Bereich der Armutsreduzierung, der Nothilfe oder der Unterstützung im Bildungs-, Gesundheits- und Wirtschaftsbereich auf lokaler Ebene. Im September 2018 irritiert Nkurunziza die internationale Gemeinschaft mit seiner Ankündigung, die Arbeit vieler NGOs zunächst für 3 Monate zu stoppen, da sie nicht das 2017 in Kraft getretene Gesetz über Freilegung der Finanzen und ethnische Quotenregelung korrekt anwenden. 

Kurzes Video zu burundisch-chinesischen Gesprächen (Französisch, ca. 50 Sekunden, 2017)

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit

Deutschland war mit ca. 50 Mio. € insgesamt (für den Zeitraum 2014/2015) bisher ein mittlerer bilateraler Geber. Es wurde eine Reihe von Schwerpunkten unterstützt, bei denen von 2000-2011 rund 181 Mio. US-Dollar ausgegeben wurden. Aufgrund der negativen politischen Entwicklungen hat Deutschland die Regierungsverhandlungen 2015 jedoch bis auf weiteres verschoben und die Zusammenarbeit mit der burundischen Regierung ausgesetzt. Nur die Aktivitäten, die direkt der Bevölkerung zugutekommen, werden weitergeführt. Auch im Rahmen der finanziellen Zusammenarbeit gab es seit 2015 keine neuen Zusagen.  

Im Schwerpunkt Wasser ist Deutschland bisher noch der federführende und größte Geber (GIZ). Die GIZ hat ihre Aktivitäten in Burundi 2002 wieder aufgenommen, von 1996 an ruhte die Zusammenarbeit. Aber erst 2005 begann man mit intensiveren Projektaktivitäten. Dabei konzentriert sich die GIZ auf die Verbesserung der Wasser- und Sanitärversorgung. Daneben existieren u.a. Projekte zur Dezentralisierung und Armutsbekämpfung, zur Förderung von Frieden und Sicherheit in der EAC, zur regionalen Integration Burundis und zur Unterstützung der Internationalen Konferenz Große Seen. In der Provinz Bujumbura Rural fördert das BMZ die Ernährungssicherheit und den sozialen Zusammenhalt. Gemeinsam mit dem ZFD und UNICEF wird zudem an einem psychosozialen Versorgungssystem für traumatisierte Frauen und Kinder gearbeitet. Seit 2011 arbeitet GIZ International Services im Auftrag der holländischen Regierung an der Reform des burundischen Sicherheitssektors mit. In Kooperation mit dem Zivilen Friedensdienst (ZFD) werden auch sozialintegrative Maßnahmen organisiert. Am ZFD sind auch die deutschen EZ-Organisationen Eirene, der Weltfriedensdienst und die Agiamondo beteiligt. Im Programm Weltwärts sind seit 2009 immer wieder Jugendliche in verschiedenen Projekten in Burundi aktiv. Seit 2013 engagiert sich die GIZ für zwei neue Vorhaben: zum einen handelt es sich um die regionale Unterstützung der Zentralafrikanischen Waldkommission (COMIFAC), zum anderen um die Stärkung der Gesundheitsstrukturen für die Familienplanung sowie für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte. Die BGR engagiert sich im Bereich des Schutzes von Grundwasserressourcen und der Verbesserung der Trinkwasserversorgung.  

Eine Vielzahl von Spendenorganisationen sind in Burundi aktiv, z.B.

Mit dem Land Baden-Württemberg verbindet Burundi eine Partnerschaft, die in den letzten Jahren wiederbelebt wurde. 2013 förderte das Land Baden-Württemberg ein Klimaschutzkonzept in Burundi durch die Bereitstellung von Geldern zur Anpflanzung von Bäumen und zur Verbesserung der Energienutzung. Auch die Welthungerhilfe und die Sparkassenstiftung sind in Burundi sehr aktiv.

Der Bau von Brunnen durch das Rote Kreuz, © Laurent De Ruyt
Der Bau von Brunnen durch das Rote Kreuz, © Laurent De Ruyt
Das Rote Kreuz in Burundi, © Laurent De Ruyt
Das Rote Kreuz in Burundi, © Laurent De Ruyt

Das Länderinformationsportal

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Juli 2020 aktualisiert.

Die Autorin

Die Autorin Dr. Eva Biele hat in Geographie promoviert und war insgesamt sieben Jahre als Koordinatorin in Projekten der Entwicklungszusammenarbeit in Ruanda tätig. Außerdem lehrte sie als Hochschuldozentin an den Nationaluniversitäten in Burundi und Ruanda. Seit 2009 arbeitet sie als Consultant in Deutschland, ist interkulturelle Trainerin mit Schwerpunkten in der wirtschaftlichen und entwicklungspolitischen Zusammenarbeit mit Ostafrika und leitet die Landesanalysen für Burundi und Ruanda bei der AIZ. 

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Die Akademie der GIZ gestaltet Lernangebote für die internationale Zusammenarbeit. Wir führen mehr als 2000 Fort- und Weiterbildungen durch und entwickeln innovative, wirksame und nachhaltige Lernkonzepte. Und das weltweit.

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