Handelshafen von Valparaíso; Foto: Kyle Simourd (CC BY 2.0)
Geschätztes BIP
452,1 Mrd. US-$ (2017)
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
24.600 US-$ (2017)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 38 (von 188) (2016)
Anteil Armut (unter 2 $ pro Tag)
2,7 %
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
45
Wirtschaftlicher Transformationsindex (BTI)
12 (von 129) (2016)

Das Wirtschaftssystem und seine Sektoren

Chile ist sicherlich dasjenige Land Lateinamerikas, in dem das Privatisierungs- und Deregularisierungsparadigma am konsequentesten umgesetzt wurde. Diese marktliberale Umstrukturierung der Wirtschaft wurde während der Militärdiktatur Augusto Pinochets (1973-1989) eingeleitet – als Gegenmodell zur sozialistisch-staatswirtschaftlichen Politik der Allende-Regierung. Die demokratischen Regierungen behielten diesen Kurs weitgehend bei, ergänzten ihn aber um dringend notwendige sozialpolitische Aspekte. Ausgenommen von der Deregularisierung und Privatisierung blieb nur der Kupferbergbau, der auch weiterhin in staatlicher Hand ist. In wirtschaftlicher Hinsicht floriert Chile seit Jahren.

Auf die Tatsache, dass Chile eine kleine und vom Export abhängige Volkswirtschaft ist, reagierte die Wirtschaftspolitik mit einer weitreichenden Öffnung zum Weltmarkt. Auch zu Deutschland bestehen traditionell gute Handelsbeziehungen. Der Förderung dieser Beziehungen hat sich die Deutsch-Chilenische Handelskammer verschrieben. 

Kupfermine von Chuquicamata, © Reinhard Jahn, CC BY-SA 2.0 de; https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/cf/Chuqui001.jpg
Kupfermine von Chuquicamata, © Reinhard Jahn, CC BY-SA 2.0 de; upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/cf/Chuqui001.jpg

Chiles Wirtschaftsstärke liegt vor allem im Bergbau: Das Land verfügt über die größten Kupfervorkommen der Welt (circa 40%). Die chilenische Kupferproduktion hat derzeit einen Anteil von 34% an der Weltproduktion. Weitere bedeutende Rohstoffe sind Molybdän, Rhenium, Gold und Lithium.

Obwohl die Regierung sich bemüht, die Wirtschaft zu diversifizieren, macht der Bergbau noch immer einen Anteil von rund 50% an den Ausfuhren aus. Diese große Bedeutung der Rohstoffexporte für die chilenische Wirtschaftsentwicklung macht diese aber zugleich stark abhängig von der internationalen Rohstoffnachfrage und der Preisentwicklung.

Ein wichtiger Wirtschaftszweig ist weiterhin die Forst-, Land- und Fischwirtschaft. Chile verfügt über eine der größten Fischfang-Flotten Lateinamerikas. Darüber hinaus spielt die Aquakultur, v.a. die Lachszucht, eine bedeutende Rolle. Diese Form der Massentierhaltung hat weitreichende Folgen für die Umwelt.

Die Sektoren der chilenischen Wirtschaft

Für das Jahr 2016 gibt das CIA-Factbook für die Wirtschaft Chiles folgende Verteilung der BIP-Anteile nach Wirtschaftssektoren an:

  • Landwirtschaft: 4% des BIP
  • Industrie: 32,4% des BIP
  • Dienstleistungen: 63,6% des BIP.

Die Mehrheit der Beschäftigten ist im Dienstleistungssektor beschäftigt.

Wirtschaftsindikatoren, Analyse und Statistiken

Zuverlässige und ständig aktualisierte (Kurz-)Informationen zur wirtschaftlichen Entwicklung bietet die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing (Germany Trade & Invest): Neben Berichten und Analysen zu einzelnen Sektoren finden sich hier auch Jahresberichte über die Wirtschaftsentwicklung Chiles.

Hilfreiche Zusammenfassungen bieten auch die Deutsch Chilenische Industrie- und Handelskammer, das Kompetenzzentrum Lateinamerika der IHK Pfalz, die Weltbank sowie die Homepage des Auswärtigen Amtes.

Einen umfassenden Überblick zu verschiedenen Aspekten bieten die jeweiligen OECD-Studien zu Chile.

Wirtschaftspolitik

Die chilenische Wirtschaftspolitik trägt den Besonderheiten des Wirtschaftssystems Rechnung, nämlich Exportabhängigkeit und der Konzentration auf den primären Sektor. So zielte die Wirtschaftspolitik der Concertación-Regierungen in besonderer Weise darauf ab, die Produktionsstrukturen und die Industrie zu diversifizieren. Die Regierung tat dies v.a. durch eine gezielte Innovations- und Forschungsförderung. Ein bedeutendes wirtschaftspolitisches Feld wurden in den vergangenen Jahren auch die erneuerbaren Energien und die Energiepolitik, die auch im Ausland auf reges Interesse stößt. Eine gute Möglichkeit, sich über aktuelle Projekte im Sektor der erneuerbaren Energien zu informieren, bietet die Suchfunktion der Seite renewablesb2b.com.

Auch hinsichtlich des Außenhandels konzentrierten sich die vergangenen Regierungen auf die Diversifizierung der Handelsbeziehungen sowie die regionale und globale Integration. Von besonderer Bedeutung sind die transpazifischen Handelsbeziehungen mit dem pazifischen Asien sowie die regionalen Handelbeziehungen entlang der Pazifikküste.

Handel: Binnen- und Außenhandel, Handelsbilanz

Aufgrund seiner Größe und der Produktionsstruktur haben Binnenhandel und Binnennachfrage in Chile traditionell eine geringere Bedeutung als der Außenhandel. Chile weist deshalb seit Jahren eine positive Außenhandelsbilanz auf.

Seit dem Jahr 2002 besteht ein Freihandelsabkommen zwischen Chile und der Europäischen Union. Die EU ist für Chile nach den USA die zweitwichtigste Importregion. Zugleich geht rund ein Drittel der chilenischen Exporte nach Europa. Nähere Details können den statistischen Angaben der EU entnommen werden. Chile bemüht sich, seine Wirtschaftsbeziehungen zu anderen Nationen auszubauen und so die Handlsverflechtungen zu diversifizieren. Von großer Bedeutung ist ebenfalls das Wirtschaftsbündis MECROSUR, eine regionale Freihandelszone, aus der Chile rund 16% seiner Importe bezieht. Seit 1996 besteht ein Assoziierungsabkommen zwischen Chile und dem MERCOSUR.

Im Jahr 2011 hat sich Chile mit Mexiko, Kolumbien und Peru zur sogenannten Alianza del Pacífico zusammengeschlossen. Dieses regionale Integrationsprojekt soll den freien Verkehr von Gütern, Dienstleistungen und Personen erleichtern. In den Ländern der Pazifikallianz leben rund 217 Millionen Menschen. Es handelt sich somit um den fünftgrößten Wirtschaftsraum der Welt.

Importe und Exporte Chiles

Chiles Wirtschaft stützt sich maßgeblich auf den Export. Hauptausfuhrgüter sind Metalle, Erze sowie mineralische Grundstoffe für die chemische Industrie. Chile exportiert v.a. nach China, Japan und in die USA. Bei den Importgütern stehen die USA vor China und Argentinien an erster Stelle. Einen ständig aktualisierten Überblick über die chilenischen Importe und Exporte bietet das Observatory of Economic Complexity.

Die Auslandsverschuldung Chiles erhöhte sich im Jahr 2016 auf rund 161 Mrd. US$. Das ensprach nach OECD-Angaben etwa 24 Prozent des BIP (bezogen auf 2014).

Entwicklung & Entwicklungspolitik

Armut und Armutsbekämpfung

Obwohl Chile eine prosperierende Volkswirtschaft ist, stellt die Armut dauerhaft ein großes Problem dar. Der Anteil der Armen an der Gesamtbevölkerung ist auf 11,7 Prozent (2015) zurückgegangen. Die soziale Ungleichheit besteht allerdings fort. Die Ungleichverteilung zeigt sich beispielsweise in den Erhebungen zur Einkommensverteilung, die das Nationale Statistikinstitut  (INE) regelmäßig durchführt. So entfielen 2015 lediglich 7,2% des Einkommens auf das unterste Quintil, während die oberen 20% insgesamt 45,9 % des Gesamteinkommens auf sich vereinen konnten. Die oberen zehn Prozent erhielten 30,7 % des Gesamteinkommens. Im Jahr 2001 war die Lage noch prekärer: 6,4% entfielen auf die unteren, 48,9% auf die oberen 20% der Haushalte. Chile weist somit seit Jahren die größte soziale Ungleichheit in ganz Lateinamerika auf.

Trotz der fortbestehenden Ungleichverteilung der Haushaltseinkommen konnten in Chile im Lauf der vergangenen zwei Jahrzehnte eine deutliche Reduzierung der (extremen) Armut erreicht werden. Hierbei ist allerdings zu bedenken, dass nach den Richtlinien der CEPAL „Armut“ (pobre bzw. pobreza) definiert wird als ein Einkommen, das nicht für zwei festgelegte „Einkaufskörbe“ mit der Mindestmenge an Grundlebensmitteln ausreicht. Als „extrem arm“ (indigente) gelten jene, bei denen das Einkommen noch nicht einmal für einen dieser Körbe reicht. Würde man die in Europa übliche Methode zugrunde legen, nämlich dass jene als „arm“ gelten, denen weniger als die Hälfte des chilenischen Durchschnittseinkommens zur Verfügung steht, würde man gewiss zu anderen Ergebnissen kommen.  

In den vergangenen Jahren bemühte sich die chilenische Regierung, durch gezielte Programme die Lebenssituation der sozial Schwachen zu verbessern: Reform der Altersversorgung und Renten, Verbesserungen im Bildungswesen, Programme zur Verbesserung der Wohnverhältnisse in Armenvierteln, Initiativen zur stärkeren Einbindung sozial Schwacher in die Sozialpolitik sowie Großprogramme zur Verbesserung der Lebenssituation von Frauen, Indígenas, Kindern und Jugendlichen sowie von Senioren und Behinderten.

UN-Millenniumsziele

 Hinsichtlich der der Millennium Development Goals (MDGs) konnte Chile in den vergangenen Jahren wichtige Teilerfolge erzielen. Im aktuellen dritten Bericht der chilenischen Regierung (2010) zu den MDGs zieht diese eine durchweg positive Bilanz

  • Im Kampf gegen Armut und Hunger ist es gelungen, die Armut von 38,6% (1990) auf 15,1% (2009) zu reduzieren.
  • Bei der (Grund-)Schulausbildung konnte bislang erreicht werden, dass 88% der Kinder zur Schule gehen und 93% der Schüler die Schule bis zum fünften Schuljahr besuchen. Die Alphabetisierungsrate unter den 15 bis 24-jährigen liegt bei 98,7%.
  • Hinsichtlich der Gleichstellung der Geschlechter konnte eine Annäherung des Bildungsniveaus und des Zugangs zum öffentlichen Dienst erreicht werden.
  • Die Kindersterblichkeit wurde von 16 pro 1000 Lebendgeburten (1990) auf 7,9 im Jahr 2008 gesenkt. Ebenso wurde die Müttersterblichkeit reduziert.
  • Fortschritte konnten auch im Kampf gegen Infektionskrankheiten erzielt werden.
  • Im Bereich der nachhaltigen Entwicklung gelang es, den Gebrauch von FCKWs und anderen umweltschädlichen Stoffen einzudämmen. Die Versorgung mit Trinkwasser und die Entsorgung von Abwässern konnte verbessert werden.

Insgesamt zeigt sich die chilenische Regierung zufrieden. Auch Beobachter loben die insgesamt gute Performance Chiles in Hinblick auf die Umsetzung der MDGs.

Auf der offiziellen Seite der Vereinten Nationen zu den MDGs findet sich eine Datenbank mit den stets aktualisierten Daten und Fakten zu den MDGs.

Ebenso beteiligt sich Chie aktiv an dem Nachfolgeprozess zum Erreichen der Sustainable Development Goals. Der freiwillige Jahresbericht informiert über die Fortschritte im SDG-Prozess. Gleichzeitig tritt Chile aber auch noch als Partner in Kooperationsprojekten zur Erreichung der SDGs auf.

 

 

Entwicklungszusammenarbeit

Chile gilt als Erfolgsmodell der Entwicklungszusammenarbeit. Es ist kein klassisches Empfängerland mehr, sondern fungiert stattdessen immer häufiger auch als Geberland.

Bei der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik und Chile liegen die Schwerpunkte der Kooperationsmaßnahmen v.a. in den Bereichen:

  • Erneuerbare Energie und Energieeffizienz
  • Staatsreform (Soziale Sicherung, Justizreform, Dezentralisierung)
  • Berufsbildung
  • Nachhaltiger Bergbau
  • Dreieckskooperationen (es handelt sich hierbei um Projekte, bei denen Chile mit deutscher Unterstützung Entwicklungserfahrungen an andere Länder der Region weitergeben soll – beispielsweise im industriellen Umweltschutz).

Über die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit des BMZ hinaus sind noch eine Reihe deutscher Organisationen in Chile vertreten bzw. in die EZ mit Chile eingebunden. Die Links verweisen – wenn möglich – direkt auf die jeweiligen Seiten, auf denen die Organisationen ihre Tätigkeitsschwerpunkte in Chile vorstellen:

Daneben sind vier parteinahe politische Stiftungen mit je einem eigenen Büro in Chile vertreten:

Auch die Europäische Union unterhält entwicklungspolitische Kooperationsabkommen mit Chile. Das „Länderstrategie-Papier 2007–2013“ der EU-Kommission gibt Auskunft über die unterschiedlichen Schwerpunkte dieser Kooperation.

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzen Mal im März 2018  aktualisiert.

Der Autor

Veit Straßner (geb. 1975) studierte in Mainz, Santiago/Chile und Kaiserslautern Politikwissenschaft, Soziologie und Erziehungswissenschaft (Dr. phil.), Philosophie und katholische Theologie (Lic. theol.) sowie Organisationsentwicklung (M.A.); Studien- und Forschungsaufenthalte in Chile, Argentinien, Uruguay und Peru.
Von 2003 bis 2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Mainz, seit 2008 im Schuldienst.

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