Amtssprache(n)
Hochchinesisch
Regionalsprachen
Kantonesisch, Mongolisch, Tibetisch u.a.
bedeutendste Religion
Buddhismus
weitere bedeutende Religion
Daoismus, Christentum, Islam
Städtische Bevölkerung
43 %
Lebenserwartung
73,47 Jahre

Gesellschaft

Bevölkerung

Die VR China ist zwar mit 1,36 Milliarden Einwohnern nach wie vor der bevölkerungsreichste Staat der Welt. Allerdings liegt das Bevölkerungswachstum seit Beginn des neuen Jahrtausends nur noch bei 0,6%. Da die Fertilitätsrate zudem nur noch bei 1,6 Kindern liegt, ist davon auszugehen, dass der Wert weiter sinken wird.

Derzeit ist der Großteil der chinesischen Bevölkerung noch im arbeitsfähigen Alter (15-64 Jahre: 72,9%) und der Anteil der über 65-Jährigen mit 10% relativ niedrig. Aufgrund der demographischen Entwicklung ist jedoch mit einer starken Überalterung der Gesellschaft ab Mitte des Jahrhunderts zu rechnen. Der Abhängigkeitsquotient, also das Verhältnis von Versorgungsbedürftigen und Versorgern, wird dann um die 70% betragen.

Zusätzlich negativ wirkt sich die seit den 1980er Jahren praktizierte rigide Ein-Kind-Politik aus. Ursprünglich dazu gedacht, das Bevölkerungswachstum zu bremsen und Unterernährung zu vermeiden, erzeugt die strikte Geburtenkontrolle heute eine demographische Lücke. Erst Ende 2015 vollzog die chinesische Führung einen radikalen Wechsel in der Geburtenpolitik und schaffte die über 30 Jahre geltende Ein-Kind-Politik ab. Ab Ende 2015 dürfen Familien nun zwei Kinder haben. 

Ethnien

Angehörige der Zhuang-Minderheit. Foto: Jialiang Gao. Lizenz:CC BY-SA 3.0.

Die größte ethnische Gruppe der VR China sind die Han-Chinesen, welche 91,5% der Bevölkerung ausmachen. Die übrigen 8,5 % setzten sich aus Zhuang (16,9 Mio.), Hui (10,6 Mio.), Mandschu (10,4 Mio.), Uyguren (10 Mio.), Miao (9,4 Mio.), Yi (8,7 Mio.), Tujia (8,4 Mio.), Tibetern (6,3 Mio.) Mongolen (6,0 Mio.) und zahlreichen anderen ethnischen Gruppen zusammen.

Insgesamt sind 55 ethnische Minderheiten offiziell anerkannt. Die meisten Minderheiten sind in armen Randregionen der VR China ansässig. Obwohl einige Minderheiten in sogenannten „Autonomen Regionen“ leben, werden sie in der freien Selbstverwaltung dennoch stark eingeschränkt. Dieses gilt vor allem für die die autonomen Regionen Tibet und Xinjiang, in welchen es immer wieder zu Spannungen kommt.

Spätestens seit dem großen Aufstand von 1959, nach dem der Dalai Lama ins indische Exil flüchten musste, ist Tibet unter strikter Aufsicht des chinesischen Staates. Die unter anderem als strategisches Bollwerk gegen Indien dienende Region ist auch später mehrfach von Aufständen erschüttert worden. Zuletzt ereigneten sich im März 2008 in Tibets Hauptstadt Lhasa und anderen tibetisch besiedelten Landesteilen die schwersten Unruhen seit 1989. Die Proteste richteten sich immer gegen kulturelle Beschränkungen, soziale Benachteiligungen und die Regierungsstrategie der Ansiedlung von Han-Chinesen in Tibet. Letztere wurde durch die Eröffnung der Tibet-Eisenbahn im Jahr 2006 noch einmal beschleunigt.

Eine weitere Unruheregion ist Xinjiang im Westen Chinas. Die hier ansässigen Uyguren sind Muslime mit engen kulturellen und sozialen Bindungen an die zentralasiatischen Nachbarländer. Seit den 1990er Jahren kam es immer wieder zu Unruhen und Anschlägen.

Im Jahr 2009 kam es aufgrund des Todes von zwei uygurischen Wanderarbeitern in der Hauptstadt Ürümqi zu den bisher größten Unruhen, bei denn 197 Menschen, zumeist Han-Chinesen, starben. Im März 2014 verübten Anhänger einer uigurischen Widerstandsbewegung ein Massaker in der Hauptstadt der Provinz Yunnan und töteten 29 Menschen. Als Folge dieser Ereignisse und weitere Anschläge auf staatliche Einrichtungen, hat die chinesische Regierung die Sicherheitsmaßnahmen in der Autonomen Region teilweise drastisch verschärft. So wurde beispielsweise Anfang 2015 in der Hauptstadt Urumtschi (Ürümqi) das Tragen von Bärten und Gesichtsschleiern verboten.

Sprachen

Die chinesischen Sprachen. Autor: Wyunhe. Lizenz: CC BY-SA 3.0.

Die Amtssprache der VR China ist Hochchinesisch (auch Mandarin oder Putonghua), welche von rd. 70 % der Bevölkerung gesprochen bzw. verstanden wird. Im Süden herrschen Dialekte vor (Yue, Wu, Minbei, Minnan, Xiang, Gan, Hakka), die sich in der Aussprache vom Hochchinesischen so stark unterscheiden, dass sich Sprecher verschiedener Dialekte nicht verstehen können.

Die chinesischen Schriftzeichen werden hingegen von allen Chinesen gleichermaßen verwendet. 1953 wurde auf dem chinesischen Festland eine Schriftreform durchgeführt, welche viele traditionelle Schriftzeichen durch sogenannte Kurzzeichen ersetzte, die Anzahl der Schriftzeichen aber nicht verringerte. Nur in Taiwan, Macao und Hongkong werden heutzutage noch die traditionellen Schriftzeichen verwendet.

Seit 1979 wird als offizielle Umschrift die Hanyu-Pinyin-Umschrift verwendet, welche mittlerweile als einzige Umschrift in allen Chinesisch-Kursen weltweit gelehrt wird.

Neben Chinesisch werden in der VR China zahlreiche Minderheitensprachen gesprochen. Uygurisch, Mongolisch und Tibetisch haben in der jeweiligen Autonomen Region offiziellen Status.

Online kann man auf verschiedene umfangreiche Chinesisch-Wörterbücher in englischer bzw. deutscher Sprache zugreifen.

Stadt-Land-Unterschiede

Wanderarbeiter in China. Foto: 枫彩. Lizenz: CC BY 2.5 CN.

Chinas Gesellschaft hat sich seit den 1970er Jahren aufgrund des ökonomischen Umbruches stark verändert. Die scharfe Trennung zwischen armen Bauern auf dem Lande und verhältnismäßig wohlhabenden Arbeitern in den Städten wurde aufgebrochen. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung entstand in den Städten eine neue Mittelschicht und Bauern wanderten in die Städte, um sich als günstige Arbeitskräfte zu verdingen.

Aller Pluralisierung zum Trotz existiert in der chinesischen Gesellschaft immer noch ein großes Wohlstandsgefälle zwischen der chinesischen Stadtbevölkerung und der Landbevölkerung. Dieser Unterschied geht auf das sogenannte Hukou-System, ein polizeiliches Melderegistrierungssystem, zurück. Dieses diente zur Mao-Zeit einer strikten Migrationskontrolle und untersagte es auf dem Land gemeldeten Personen, in Städten ansässig zu werden. Während die Arbeiter in den Städten einen festen Arbeitsplatz besaßen und über freien Wohnraum sowie etliche Sozialleistungen verfügten, mussten die Bauernkollektive auf dem Lande ihre Ernten zu niedrigen Preisen an den Staat verkaufen und mit den mageren Erlösen ihren gesamten Alltag bestreiten. Die Folge war eine staatlich verordnete ökonomische Spaltung der Gesellschaft.

Mitte der 1980er Jahren wurden die Migrationsbestimmungen gelockert und es wurde Chinas Bauern Jahre erstmals erlaubt, in den Städten zu arbeiten. Bis auf den heutigen Tag sind diese Wanderarbeiter ein wichtiges Element der chinesischen Wirtschaft. Mittlerweile gibt es offiziell 270 Millionen Wanderarbeiter in der VR China.

Da das Hukou-System aber nach wie vor existiert, haben die Wanderarbeiter jedoch kaum eine Möglichkeit, als Stadtbewohner registriert zu werden und sind Bürger zweiter Klasse. Sie sind gezwungen prekäre Beschäftigungsverhältnisse einzugehen, können nicht an den städtischen Sozialsystemen teilhaben und haben meistens keine Möglichkeit, ihre Kinder in die städtischen Schule zu schicken. Diese ordnungspolitisch verfügte Ungerechtigkeit ist nach wie vor eine der größten sozialen Herausforderungen im gegenwärtigen China. 

Die Rolle der Frau

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts begannen erste Wandlungprozesse die Stellung der Frau in der chinesischen Gesellschaft zu verändern. Die Kommunistische Revolution Anfang des 20. Jahrhundert wurde nicht zuletzt von zahlreichen Frauen mit getragen, die aktiv in der Roten Armee tätig waren oder diese im Untergrund unterstützen.

Mit der Machtergreifung Maos änderte sich auch die rechtliche Stellung der Frau. Die konfuzianischen Vorstellungen zum Verhalten einer Frau in der Gesellschaft wurden  zum Teil radikalen Änderungen unterworfen. Beispielsweise wurde das Binden der Füße unter Strafe gestellt, Frauen erhielten das Recht zur freien Partnerwahl und die Möglichkeit, sich Scheiden zu lassen. Sie wurden in das Schul- und Bildungssystem integriert und speziell für die junge Generation in den Städten sind viele Freiheiten im gesellschaftlichen Miteinander bereits selbstverständlich. Zum neuen Selbstbewusstsein der jungen Frauen mag auch die Ein-Kind-Politik beigetragen haben. Kleine Mädchen wurden dadurch vielfach "gleichberechtigt" erzogen, aus dem ganz einfachen Grund, weil sie keinen Bruder hatten.

Bildung

Die VR China hat seit ihrem Bestehen große Fortschritte bei der Alphabetisierung gemacht. Waren im Jahr 1949 noch 90% der Bevölkerung Analphabeten, so kann China heute in großen Teilen als alphabetisiert gelten. Im Jahr 2013 waren nach offiziellen Angaben nur noch 4,6% der Einwohner Analphabeten.

Laut der letzten Volkszählung besaßen im Jahr 2010 8,9% der Bevölkerung einen Hochschulabschluss. Weitere 14% verfügten über den Abschluss der oberen Mittelstufe, 38,8% über einen Mittelschulabschluss und 26,8% hatten lediglich einen Grundschulabschluss.

In der VR China gilt eine neunjährige Schulpflicht. Die Grundschule dauert sechs Jahre, die untere Sekundarstufe drei Jahre. Die obere Sekundarstufe bereitet die Schüler auf den Eintritt in die Universitäten vor. Am Ende der Schullaufbahn stehen die landesweiten Aufnahmeprüfungen (Gaokao) für die Universitäten, ein jährliches Großereignis, das maßgeblich über spätere Berufschancen mitentscheidet.

Obwohl die offizielle Einschulungsrate 99,7% beträgt, ist das Bildungssystem nach wie vor von starken regionalen Unterschieden gekennzeichnet. Da lokale Regierungen für die Bereitstellung von Bildungsleistungen zuständig sind, war es seit jeher schwierig, eine gebührenfreie Pflichtschulbildung landesweit durchzusetzen. Um dieses Ziel dennoch zu erreichen, wurde 2008 durch die Anhebung der staatlichen Bildungsausgaben eine landesweite Gebührenfreiheit erstmals realisiert. Die für die Hochschulreife erforderliche obere Sekundarstufe ist jedoch nach wie vor gebührenpflichtig, womit eine Gleichstellung im Bildungssystem bei höheren Abschlüssen nach wie vor nicht erreicht wird.

Im Bereich der Hochschulbildung hat sich die Zahl der Studenten seit dem Jahr 2000 mehr als vervierfacht. Im Jahr 2013 erhielten 6,39 Millionen Personen einen Universitätsabschluss. Auch die Zahl der Bürger der VR China, die ein Auslandsstudium absolvieren, wächst seit Jahren kontinuierlich: 2013 zählte man 413.900 Auslandsstudenten.

Die steigende Zahl von Hochschulabsolventen führte aber auch dazu, dass die Arbeitslosigkeit von Jungakademikern in den letzten Jahren stark gewachsen ist. Ein Universitätsabschluss garantiert nicht mehr automatisch eine gut bezahlte Arbeitsstelle. Damit sinkt auch die Hoffnung auf Rückzahlung der Mittel, die oft ganze Familien in die höhere Bildung eines Kindes stecken. 

Sozialsysteme und Gesundheit

Sozialsysteme

Zu Zeiten Maos kam nur die städtische Bevölkerung in den Genuss staatlicher Sozialleistungen. Die Landbevölkerung musste alle privaten und sozialen Kosten aus den Erträgen bestreiten, welche ihre Kommune erwirtschaftete. Produzierte die Kommune Überschüsse, so konnte sie Lehrer oder Sanitäter finanzieren, ansonsten nicht. Doch selbst diese Form der Finanzierung von Basisleistungen brach mit der Einführung der Reformen komplett zusammen, da die Kommunen abgeschafft wurden. Zwar glich der gestiegene Lebensstandard einiges aus, dennoch sollte es bis in die jüngste Zeit dauern, bevor die Landbevölkerung wieder auf ein rudimentäres Sozialsystem zurückgreifen konnte.

In den Städten gestaltete sich der Aufbau von Sozialsystemen grundlegend anders. Einerseits wollte man das alte System der Staatswirtschaft zwar abschaffen, traute sich auf der anderen Seite aber nicht die städtische Arbeiterschaft all ihrer Privilegien zu berauben. Folglich wurden für die Stadtbevölkerung umfassende Sozialsysteme errichtet.

Seit 1997 besteht für die städtischen Beschäftigten von Staatsbetrieben eine Grundrentenversicherung welche 2002 auf weitere Beschäftigte in urbanen Gebieten erweitert wurde. Im Altersvorsorgesystem für die städtische Bevölkerung waren Ende 2014 nach offiziellen Angaben 341,15 Mio. Personen erfasst. Auch existiert in den Städten eine Basiskrankenversicherung, in welcher 2014 597,74 Mio. Personen erfasst waren und eine Arbeitslosenversicherung, an der 170,43 Mio. Personen teilnahmen.

Es ist wichtig anzumerken, dass die 270 Millionen Wanderarbeiter nicht Teil der städtischen Sozialsysteme sind. Vielmehr sind sie Teilnehmer separater Sozialsysteme für die ländlichen Gebiete. So gibt es ein separates rudimentäres Altersvorsorgesystem und ein auf Freiwilligkeit beruhendes rudimentäres Krankenversicherungssystem (Neues kooperatives Gesundheitssystem).

Obwohl die Abdeckung der ländlichen Sozialversicherungen stark zugenommen hat, können sie nach wie vor nicht als Grundlage einer freien Lebensplanung dienen, da die Zahlungen im Leistungsfall wesentlich niedriger sind als diejenigen in den städtischen Systemen. So kann auf dem Land eine Rente nur 50 Yuan (8 US$) betragen, was weit unterhalb der von der Weltbank aufgestellten Armutsgrenze liegt. Bei Arztbesuchen sind Landbewohner und Wanderarbeiter nach wie vor auf ihre Ersparnisse angewiesen.

Neben dem Problem der regionalen Disparitäten sieht sich die VR China im Bereich der Rentenversicherung aufgrund des relativ niedrigen Renteneintrittsalters (Männer 60 Jahre, Frauen 50-55 Jahre) auch mit demographischen Problemen konfrontiert. So werden 2035 30 % der Einwohner der VR China über 60 Jahre alt sein.

Gesundheitswesen

Auch wenn sich das Gesundheitswesen der VR China selbst auf Dörfer in entlegenen Regionen erstreckt, ist die medizinische Versorgung in armen ländlichen Gebieten wesentlich schlechter als in den Boomstädten der östlichen Küstenregionen. Sind in Shanghai oder Beijing selbst komplizierte Operationen und Behandlungen möglich, so können viele Gesundheitsstationen im chinesischen Hinterland nicht viel mehr als erste Hilfe leisten.

Für Ärzte ist es aufgrund der disparaten Gesundheitsfinanzierung unattraktiv, in ländlichen Gebieten zu arbeiten. Obwohl in China im Schnitt 2 Ärzte auf 1000 Einwohner kommen (in Deutschland sind es vier), so sind es in den ländlichen Gebieten Chinas nur 1,33 Ärzte, in den Städten hingegen drei Ärzte.

2013 gab es in der VR China 24.709 Krankenhäuser (darunter auch 3.015 Kliniken für traditionelle chinesische Medizin), 37.015 Krankenstationen, 33.965 örtliche Gesundheitsstationen und 195.176 ambulante Krankenstationen. Insgesamt gabe es 5.160.000 Krankenhausbetten. Für das Gesundheitswesen wurden 2013 5,6 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aufgewendet, wobei die Gesundheitsausgaben pro Kopf 646 US$ betrugen. 91 % der Einwohner hatten Zugang zur Wasserversorgung und 64 % zu sanitären Anlagen.

Gesundheitslage

Trotz verschiedener Probleme, ist festzustellen, dass sich die generelle Gesundheitslage in China seit Beginn der Wirtschaftsreformen stetig verbessert hat. Ausschlaggebend hierfür sind höhere Einkommen, eine bessere Lebensmittelversorgung, medizinisch-technischer Fortschritt und ab Anfang der 2000er Jahre der Aufbau landesweiter rudimentärer Krankenversicherungssysteme.

Dieses lässt unter anderem auch daran erkennen, dass die häufigsten Todesursachen in China mittlerweile die sogenannten Zivilisationskrankheiten wie Atemwegserkrankungen, Krebs, Schlaganfall oder Herzinfarkt sind. Häufigste epidemische Erkrankungen sind Hepatitis (1,2 Mio Neuinfektionen pro Jahr), Tuberkulose (rd. 900.000 Neuinfektionen pro Jahr), Syphilis und Ruhr. Die Müttersterblichkeit betrug in der VR China 2011 32 Fälle auf 100.000 Geburten. 1,51 % der Kinder in der Altersgruppe bis fünf Jahre waren im selben Jahr untergewichtig.

Laut UNAIDS gab es 2014 501.000 Personen, die sich mit HIV infiziert hatten oder an Aids erkrankt waren. Eine große Gruppe von Betroffenen bildeten hier ehemalige Blutspender aus ländlichen Gebieten, die sich in den 1990er Jahren durch verseuchte unsaubere Blutabnahmen infizierten. Häufigster Übertragungsweg ist inzwischen aber Sexualverkehr.

Mittlerweile spielen auch die Folgen des rasanten Wirtschaftswachstums und deren Umwelteinflüsse eine immer wichtigere Rolle für die Gesundheitslage in der VR China. Die WHO schätzt beispielsweise, dass es im Jahr 2010 etwa 1,2 Millionen vorzeitige Todesfälle durch Luftverschmutzung in China gab. In vielen Städten überschreitet die Luftverschmutzung den von der WHO als Obergrenze empfohlenen Wert um das dutzendfache. Auch die Lebensmittelsicherheit ist ein wachsendes Problem.

Im Bereich der Seuchenbekämpfung hat die VR China durch die kurze SARS-Epidemie im Jahr 2003 verstärkte Anstrengungen unternommen. So gibt es mittlerweile landesweit 3.516 Seuchenbekämpfungsstellen. Das größte Risiko geht hier von einem potentiellen Ausbruch der gefährlichen Form der Vogelgrippe aus.

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

Akkupunkturpunkte. Lizenz: Public Domain.
Akkupunkturpunkte. Lizenz: Public Domain.

Europäer benötigen eine gehörige Portion Vorstellungskraft, um die Grundbegriffe der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) zu Verstehen: entlang unsichbarer Linien, den Meridianen, durchfliesst der "Lebenshauch" Qi den menschlichen Körper und versorgt die Organe mit lebensnotwendiger Energie.

Dazu kommt ein weiteres Grundprinzip der chinesischen Welt und somit auch der Medizin, nämlich die Lehre von Yin und Yang: Alles im Kosmos, sowie auch der Kosmos selbst, setzt sich nach daoistischer Vorstellung aus einer kühlen, dunklen und weiblichen Seite (Yin) sowie einer heissen, hellen und männlichen Seite (Yang) zusammen.

Der chinesischen Arzt achtet deshalb darauf, dass das Qi frei fliesen kann und das Verhältnis von Yin und Yang im Körper ausgeglichen ist. Krankheiten werden als Ungleichgewicht der Verhältnisse interpretiert und zum einen durch die Gabe von Yin und Yang im richtigen Verhältnis gekämpft. TCM-Ärzte arbeiten vielfach mit Tee-Zubereitung und Kräutern, sowie mit Akupunktur und Massagen.

Religion

China ist ein Land, dass auf eine lange und traditionsreiche Religionsgeschichte zurückblicken kann. Gleichwohl spielten religiöse Organisationen im meritokratischen Beamtensystem des Kaiserreiches nie die tragende politische Rolle, wie sie es in Europa taten.

Ein Großteil des religiösen Alltagslebens kam in der Mao-Zeit zum erliegen. Vor allem während der Kulturrevolution wurden Angehörige religiöser Gruppierungen verfolgt und ihre Heiligtümer tausendfach zerstört.

Die Verfassung von 1982 erlaubte den chinesischen Bürgern wieder Glaubensfreiheit. Die chinesische Regierung erkennt den Daoismus, den Buddhismus, den Islam und das Christentum offiziell an. Allerdings ist eine wichtige Voraussetzung hierfür, dass von einer Religionsorganisation keine weltlichen Herrschaftsansprüche ausgehen und diese nicht vom Ausland beeinflusst wird. Religiöse Organisationen müssen sich registrieren lassen und stehen unter staatlicher Aufsicht.

Religiöses Leben ist mittlerweile wieder in allen Landesteilen anzutreffen, obwohl ein Großteil der Bevölkerung keiner religiösen Organisation angehört. Man geht davon aus, dass etwa 200 Millionen Chinesen Buddhisten sind. Zudem gibt es mindestens 20 Millionen Muslime und 5 Millionen Daoisten. Offiziell gibt es 23-40 Millionen Protestanten und 13-15 Millionen Katholiken, wobei inoffizielle Schätzungen von bis zu 100 Millionen Personen ausgehen. Etwa 5 Millionen der Katholiken zählen zur romtreuen Untergrundkirche, welche in der VR China offiziell verboten ist.

Trotz der Tolerierung religiösen Lebens ist die chinesische Regierung jederzeit bereit, Zwangsmaßnahmen gegen Gruppierungen zu ergreifen, die sie für eine Bedrohung hält. Das bekannteste Beispiel ist die landesweite Verfolgung der buddhistisch beeinflussten Meditationsbewegung Falungong seit dem Jahr 1999. In jüngerer Zeit wurden Fälle von Regierungsgewalt gegen christliche Kirchen bekannt. So wurden in der Stadt Wenzhou in der Provinz Zhejiang im Jahr 2014 zahlreiche Kirchenbauten zerstört und hunderte Gläubige festgenommen.

Die chinesische Küche

Die chinesische Küche ist genauso bunt und vielfältig wie die Landschaft und das Klima des Landes, angefangen bei der Peking-Ente bis hin zur Schlangensuppe. Obwohl die Chinesen insbesondere im Süden des Landes praktisch keine Nahrungstabus kennen, verwenden sie in Wirklichkeit zu neunzig Prozent dieselben Zutaten, die auch auf unseren Märkten angeboten werden. Die Rezepte dazu sind einfacher als Sie denken - probieren Sie es doch einfach einmal aus.

Chinesisches Gericht. Foto: Archon6812. Lizenz: CC BY-SA 3.0.

Der chinesische Tee spielt nicht nur in der Geschichte, sondern auch in der Gegenwart eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Leben. Interessant ist neben dem Genuß von hochwertigem grünen Tee, die Teilnahme an einer chinesischen Tee-Zeremonie. 

Vor Ihrer Ausreise sollten Sie sich auf jeden Fall mit dem Gebrauch der sogenannten Kuaizi, den Eßstäbchen, vertraut machen.

Kunst und Kultur

Die Zeugnisse der chinesischen Kultur erfahren bis heute große Wertschätzung. Optisch reizvoll ist die Chinapage, die viele Einblicke in die traditionelle Kunst vermittelt. Ein umfangreicher Index verweist auf verschiedene Gemälde, kalligraphische Meisterwerke, Gedichte und vieles mehr.

Das Länderinformationsportal

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Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Juni 2016 aktualisiert.

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