Chinesische Yuan
Geschätztes BIP
12.682 Mrd. Euro (2019)
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
EUR 9.073,4 (2019)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
85. Rang (von 189) (2019)
Anteil Armut (nationaler Standard ca. 1 $ pro Tag)
3,3%
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
46,5 (2016)
Wirtschaftlicher Transformationsindex (BTI)
Rang 30 (von 137) (2020)

Wirtschaftslage

Ansicht von Shenzhen. Foto: SSDPenguin. Lizenz: CC BY-SA 3.0.

Kein Land hat jemals einen schnelleren ökonomischen Aufstieg erlebt als die VR China. In den Jahren von 2000 bis 2010 erreichte China ein Wirtschaftswachstum zwischen 8% und 14% und stieg zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt auf. Von der Weltbank wird China inzwischen zu den Ländern mit einem Einkommensniveau im oberen Mittelfeld gerechnet. Der vom UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) vergebene HDI (Human Development Index), der Indikatoren wie Lebenserwartung, Bildung und Gesundheit einbezieht, beträgt derzeit 0,758  (Rang 85). China wird hiermit eine hohe menschliche Entwicklung attestiert. 

Dennoch deutet die derzeitige Wirtschaftsentwicklung Chinas auf eine Abkehr von einem zweistelligen Wachstum hin. 2019 erreichte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der VR China einen Wert von 99.086,5 Mrd. Yuan (12.682 Mrd. Euro) und wuchs nur noch um 6,1%. Das niedrigere Wachstum ist darauf zurückzuführen, dass die chinesische Regierung eine Abkehr von einer investitionsgetrieben Wachstumsstrategie vollzieht und zukünftig verstärkt Wachstum durch Inlandskonsum generieren will. Die Coronakrise führte Anfang 2020 zum massiven Einbruch des Wirtschaftswachstums. Trotz einer wirtschaftlichen Erholung ab Mai 2020 werden selbst die moderaten Wachstumsziele wahrscheinlich nicht erreicht. 

Weitere Gründe für den Abwärtstrend sind Strukturprobleme, rückläufige Exporte, steigende Lohnkosten, Überkapazitäten von Staatsunternehmen und die Verschuldung lokaler Regierungen. Die chinesische Regierung bekämpft Krisensituationen mit kurzfristigen staatlichen Eingriffen. So wurden 2008 und 2009 riesige Konjunkturpakete im Wert von etwa 800 Mrd. $ aufgelegt, mit denen Wohnungsbau, Infrastrukturprojekte, medizinische Versorgung usw. gefördert wurden. Im Jahr 2015 wurde der Yuan abgewertet, um die einbrechenden Exporte zu stützen. Wichtige Strukturreformen werden hingegen immer wieder aufgeschoben. Hinzu kommt, dass sich die chinesische Wirtschaft auf der internationalen Bühne mit Donald Trumps aggressiver Handelspolitik konfrontiert sieht. Sowohl die USA als auch China verhängten Strafzölle in Milliardenhöhe. Erste Auswirkungen des Handelsstreits nicht nur auf das Wirtschaftswachstum, sondern auch auf die Struktur der Produktionsketten der chinesischen Industrie machten sich bereits vor der Coronakrise bemerkbar.

Xi Jinping wirtschaftspolitische Strategie verfolgt den Aufstieg Chinas zur wichtigsten globalen Wirtschaftsmacht. Hierzu werden im Zuge der Seidenstraßeninitiative große Infrastrukturprojekte auf dem eurasischen Kontinent vorangetrieben. Auch verfolgt man mit der "Made in China 2025"-Strategie das Ziel, wichtige Industriebranchen zu Weltmarktführern aufzubauen. Bei strukturellen Reformen zur Stärkung des Privatsektors war man hingegen bisher zögerlich.

Arbeit

Im Jahr 2019 arbeiteten in der VR China 775 Millionen Menschen. Hiervon waren 442 Millionen Personen und somit mehr als die Hälfte aller Arbeitnehmer im städtischen Raum beschäftigt (57,1%). Hierbei gibt des hohe Einkommensunterschiede zwischen Stadt und Land. Das städtische Pro-Kopf-Einkommen betrug 2019 42.359 Yuan, wohingegen auf dem Lande nur 16.021 Yuan verdient wurden.

2019 gab es 290,77 Millionen Wanderarbeiter, die in Chinas Städten ihre Arbeitskraft für geringe Löhne in prekären Beschäftigungsverhältnissen anbieten. Diese Gruppe ist besonders stark von konjunkturellen Schwankungen betroffen. Beispielsweise führten die Wirtschaftskrise 2008 , das Abflachen des Baubooms im Jahr 2012 oder die Coronakrise 2020 jeweils zu millionenfachen Entlassungen in dieser Gruppe. Die offizielle städtische Arbeitslosenrate betrug 2019 5,2%.

Auch wenn die Arbeitsbedingungen für einfache Arbeiter seit den 1990er Jahren sicherlich Verbesserungen erfahren haben, so gibt es nach wie vor zahlreiche Beispiele für Arbeitsverhältnisse, die nicht internationalen Standards genügen.

Wirtschaftsstruktur

Staatswirtschaft

Die VR China hat sich durch die Wirtschaftsreformen von einem planwirtschaftlich organisiertem zu einem primär nach marktwirtschaftlichen Mechanismen funktionierenden Wirtschaftssystem gewandelt. Die dominante Rolle des Staatskapitals ist seit Ende der 1990er Jahre stark rückläufig.

Allerdings darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass der chinesische Staat nach wie vor auf vielfältige Art und Weise mit der Wirtschaft verknüpft ist. Zum einen ist er an einer Vielzahl von Unternehmen beteiligt. Zum anderen sind die wichtigsten Schlüsselbranchen wie Energie, Kommunikation, Verkehrsinfrastruktur, Schiffbau usw. nach wie vor fest in der Hand von 96 staatlichen Großkonzernen. Wichtige Staatsunternehmen sind beispielsweise Sinopec, China Telecom usw.

Diese Konzerne werden direkt von der staatlichen Aufsichts- und Verwaltungskommission für Staatsvermögen des Staatsrates (SASAC) kontrolliert, welche auch die wichtigen Managerposten besetzt. Zugleich besitzen alle staatlichen Großkonzerne interne Parteigruppen der KPCh, die direkten Einfluss auf Konzernentscheidungen nehmen können. Die staatlichen Großkonzerne sind allesamt Monopolisten oder Oligopolisten und genießen etliche Vergünstigungen wie beispielsweise Zugang zu günstigen Krediten, Bauland usw.

Die Planwirtschaft selbst, welche auf einer Vorgabe konkreter materieller Ausstoßkennziffern beruhte, ist in den 1990er Jahren vollständig abgeschafft worden. Zwar gibt es nach wie vor Fünf-Jahresprogramme, diese legen allerdings nur noch die entwicklungspolitischen Richtlinien der Regierung fest.

Für die Ausarbeitung von jährlichen wirtschaftspolitischen Indikativplänen ist die Staatliche Kommission für Entwicklung und Reform zuständig, welche aus der früheren staatlichen Plankommission hervorgegangen ist. Das Anfang 2016 verabschiedete 13. Fünfjahresprogramm (2016-2020) stand im Zeichen der sogenannten „neuen Normalität“. Es setzt als Wachstumsziel einen Wert von nur noch 6,5% an. Das Wachstum soll durch Forschung und Innovationen gestützt und die Binnennachfrage durch die Ausweitung des Dienstleistungssektors gestärkt werden.

Agrarwirtschaft

Reisterrassen in China. Lizenz: Public Domain.

Die berühmten Reisterrassen versinnbildlichen treffend das Dilemma der Agrarwirtschaft Chinas: Obwohl in der Fläche ein großes Land, sind nur etwa ein Zehntel der Gesamtfläche für landwirtschaftliche Nutzung geeignet. Gleichzeitig ist China aber gezwungen mit 10% der weltweiten Agrarfläche über 20 % der Weltbevölkerung zu versorgen. Landwirtschaftlicher Erfindungsreichtum hat schon während der Kaiserzeit Terrassenbau, Bewässerungstechnik, ertragreichere Fruchtsorten uvm. hervorgebracht. Heutzutage kommt noch die intensive Nutzung von Kunstdünger hinzu.

Hauptanbauprodukte in Nordchina sind Weizen und Mais, im Nordosten überwiegen Mais und Sojabohnen. Die Hälfte des Reisanbaus findet sich am Mittel- und Unterlauf des Changjiang. Insgesamt erbringt die VR China fast 30 % der Weltreisernte. In der nordchinesische Ebene, dem Mittel- und Unterlauf des Changjiang sowie in Xinjiang wird Baumwolle angebaut. Weitere wichtige Ackerbauprodukte sind Süßkartoffeln, Zuckerrohr, Tabak und Jute. Neben Feldanbauprodukten verfügt China zudem über eine große Fleischproduktion und ist die größte Fischfangnation der Welt. Chinas Agrarwirtschaft erwirtschaftete 2019 nur noch etwa 7,1 des BIP. 

Aufgrund vieler Lebensmittelskandale versucht die chinesische Politik, durch strengere Lebensmittelgesetze und eine bessere Bio-Zertifizierung die Qualität der chinesischen Lebensmittel zu steigern. Tatsächlich gibt es in der VR China immer mehr Bio-Produzenten.

Industrie und Technologie

Bauarbeiten am Gebäude des chinesischen Staatsfernsehens. Foto: Jakob Montrasio. Lizenz: CC BY 2.0.

China ist heute ein Industrieland. Die Industrie erwirtschaftete im Jahr 2019 39% des BIP. Das industrielle Wachstum 2019 betrug 5,7% und lag somit deutlich unter dem durchschnittlichen Wachstum der letzten zehn Jahre (ca. 10%). Die VR China zählt zu den größten Produzenten von Dünger, Zement, Eisen und Stahl, Textilien, Papierprodukten, Fahrzeugen und Elektronik auf der Welt.

Auch ist China nach wie vor die „Werkbank der Welt“, was die zweistelligen Wachstumszahlen in den Bereichen Elektronik, Informations- und Kommunikationstechnik oder Umwelttechnik unterstreichen. Allerdings wird der Druck, der von anderen Billiglohnländern in der Nachbarschaft ausgeht größer. Vor allem die Textil- und Bekleidungsindustrie leidet unter steigenden Lohn- und Rohstoffkosten sowie unter Konkurrenz aus Ländern wie Bangladesh oder Vietnam.

Die Regierung Xi Jinping hat sich zum Ziel gesetzt, Schlüsselindustrien Chinas bis zum Jahr 2025 zu Weltmarktführern auszubauen. Diese als "Made in China 2025" bezeichnete Strategie erstreckt sich auf Industriezweige wie Robotik, Künstliche Intelligenz, Medizintechnik, energiesparende Fahrzeugtechnik, Industriesoftware usw.

Chinas Bestreben, sich zu einem Hochtechnologieland zu entwickeln, wird durch Ereignisse wie die Landung einer Raumsonde auf der Rückseite des Mondes im Januar 2019 öffentlichkeitswirksam unterstrichen. Gleichzeitig werden durch die in hohem Tempo vorangetriebene Innovationstätigkeit auch ethische Grenzen überschritten, wie weltweit erste Geburt von gentechnisch veränderten Säuglingen Ende 2018 gezeigt hat.

Energiewirtschaft

Die VR China ist der größte Energieverbraucher der Welt und zweitgrößter Erdölverbraucher. Auch ist China der größte Rohölimporteur der Welt und importierte 2019 10,1 Mio. Barrel pro Tag aus Russland, Angola, Saudi-Arabien, Iran, Oman und anderen Ländern.

Obwohl China mittlerweile hohe Investitionen im Bereich der erneuerbaren Energien tätigt, war Kohle 2017 mit ca. 64 % im Gesamtmix nach wie vor der wichtigste Energieträger. Auf Platz zwei rangierte Erdöl mit 18,5 %. Wasserkraft, Biokraftstoffe und Windkraft deckten zusammen 10,3% des landesweiten Energiebedarfs, Erdgas 6,4% und Kernkraft 2,1%.

Der große Energiehunger seiner Wirtschaft zwingt China dazu, seine Öl- und Gasvorkommen weitgehend selbst zu verbrauchen. Ein besonderes Interesse gilt daher der Erschließung von Offshore-Rohstoffsquellen vor der eigenen Haustür im ostchinesischen und im südchinesischen Meer, was allerdings aufgrund von Gebietsstreitigkeiten mit verschiedenen Anrainerstaaten problematisch ist. Gleichzeitig wird eifrig daran gearbeitet, weltweit neue Energiequellen und Know-how für China zu erschließen. Besonders in Afrika war die VR China in den letzten Jahren aktiv.

Binnen- und Außenhandel

Hafen von Shanghai. Foto: Alex Needham. Lizenz: Public Domain.

Ein zentrales Anliegen der chinesischen Regierung ist es, das Wachstum auf die Basis der Inlandsnachfrage zu stellen und sich von Exporten und Investionen unabhängiger zu machen. Der Dienstleistungssektor, welchem diese Aufgabe zukommt, machte 2019 53,9% des erbrachten BIP aus.

Tatsächlich boomt der Binnenhandel, welcher nach offiziellen Angaben 2019 einen Wert von 41.165 Mrd. Yuan (5.269 Mrd. €) erwirtschaftete. Allerdings steht er nach wie vor hinter dem Außenhandel zurück. Laut WTO belief sich 2017 der Anteil des "Exportweltmeisters" China am Welthandel auf 12,8%. Im Jahr 2019 wurden Waren im Wert von 2.205  Mrd. € exportiert und Waren im Wert von 1.832 Mrd. € importiert. Hauptsächlich exportierte man Elektronik, Textilien, Elektrotechnik und Maschinen. Die Hauptabnehmerländer waren die USA, Japan, Südkorea und Deutschland.

Chinas Abhängigkeit vom Export ist aber auch eine Schwäche, welcher die Politik immer stärkere Aufmerksamkeit schenkt. So ist China einerseits anfällig für eine einbrechende internationale Nachfrage im Zuge von Wirtschaftskrisen. Andererseits sind manche Branchen aufgrund gestiegener Lohnkosten gegenüber Ländern wie Bangladesh oder Vietnam nicht mehr konkurrenzfähig.

Für große Unsicherheit sorgt seit dem Amtsantritt Donald Trumps zudem ein Handelskrieg zwischen China und den USA. In einem ersten Schritt erhob die US-Regierung Zölle auf chinesische Ware, die Regierung in Beijing leitete ihrerseits Vergeltungsmaßnahmen ein. Im August 2019 wertete China seine Währung ab, um die Exporte zu stärken. Im September kündigten die USA weitere Zölle für chinesische Waren an. Der Handelskrieg macht sich mittlerweile in einem Rückgang des industriellen Wachstums bemerkbar. Erst Ende 2019 konnte eine Teileinigung erzielt werden, welche die Senkung von Zöllen auf chinesische Produkte und den Kauf amerikanischer Produkte durch China vorsieht.

Finanzsystem

Währung und Banksystem

Bankfiliale in China. Foto: 陈少举. Lizenz: Public Domain.

Chinas Währung ist der Renminbi (Yuan/RMB zu 10 Jiao [Chiao] bzw. 100 Fen). Der Wechselkurs des Yuan ist nicht frei, darf aber in Bezug auf den täglich von der Zentralbank festgesetzten Referenzkurs zum Dollar um 2% nach oben bzw. nach unten schwanken.

Zwar wurde der Yuan vom IWF Ende 2015 als Reservewährung anerkannt, jedoch ist der Yuan nach wie vor nur in speziellen Zahlungszentren (z.B. Frankfurt) handelbar und nicht frei konvertierbar. Insbesondere die USA warfen China in der Vergangenheit eine bewusste Unterbewertung des Yuans zur Ankurbelung der eigenen Exporte vor.

Ein Beispiel für ein solches Vorgehen waren die Kurssenkungen der chinesischen Zentralbank im Sommer 2015 um 1,9% bzw. 1,6%. Generell hat der Yuan über die Jahre allerdings an Wert gewonnen. So wertete er zwischen 2005 und 2013 um knapp 32% auf. Fakt ist aber auch, dass die VR China über die größten Währungsreserven der Welt verfügt, welche derzeit etwa 3,0 Billionen US$ betragen.

An der Spitze des chinesischen Finanzsystems steht die Volksbank (Renmin Yinhang), welche die Funktionen einer Zentralbank wie Geldmengensteuerung und Wechselkurspolitik wahrnimmt. Ansonsten wird das chinesische Bankenwesen durch vier staatlich gesteuerte Großbanken geprägt. Es handelt sich um die Bank of China (BOC), Industrial and Commercial Bank of China (ICBC), die Agricultural Bank of China (ABC) und die China Construction Bank (CCB). Weitere kleinere Banken sind beispielsweise die China Minsheng Bank oder die China CITIC Bank.

Chinas Banken sind eng mit dem Staat verknüpft und müssen notfalls dazu herhalten, auch unrentable Projekte mit hohen Krediten zu stützen. Viele Branchen und Lokalregierungen wurden so in die Überschuldung getrieben.

Da Privatpersonen wegen der Fokussierung der großen Banken auf staatliche Akteure nur schwer Kredite aufnehmen können, spielen Schattenbanken in China eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Staatshaushalt

Die chinesischen Staatsausgaben für das Jahr 2019 umfasste laut offiziellen Angaben 23.887,4 Mrd. Yuan. Zu den größten Ausgabeposten gehörten 2018 Bildung (15%), soziale Sicherung (11,5%) und Agrarwirtschaft (10%). Der Militärhaushalt beträgt offiziell 5,2% des Gesamthaushaltes, wird von Experten aber wesentlich höher eingeschätzt.

Die Staatsverschuldung der VR China betrug im Jahr 2018 44.762,2  Mrd. Yuan (5.721,1 Mrd. Euro) und damit 50,4 % des BIP. Dieses ist zwar eine vergleichsweise niedrige Schuldenquote, dennoch hat die Verschuldung vor allem der Lokalregierungen in den letzten Jahren drastisch zugenommen. Verstärkt wird dies durch den Umstand, dass Chinas Lokalregierungen nur über begrenzte Einnahmeflüsse verfügen, gleichzeitig aber für die hohen Kosten von Sozialleistungen und Schulbildung aufkommen müssen.

Einige internationale Experten gehen sogar von einer wesentlich höheren Gesamtverschuldung der VR China aus. So veranschlagte eine McKinsey-Studie 2015 unter Einbeziehung der Schulden von Staat, Unternehmen, Haushalten und Finanzinstituten die Gesamtschuldenlast Chinas auf 28,2 Billionen US$, was einem Anteil von 283% des BIP entspricht.

Armut und Entwicklungspolitik

Armut

Im Zuge der über 30 Jahre andauernden Wirtschaftsreformen hat sich die VR China von einem Entwicklungsland, in welchem Armut und Hunger für viele Menschen zum Alltag gehörten, zu einem Land mittleren Einkommens entwickelt. Die Weltbank geht davon aus, dass durch die Agrar- und Industriereformen zwischen 1981 und 2004 etwa 600 Mio. Menschen aus der Armut herauskatapultiert wurden.

Die absoluten Armutszahlen sind jedoch nach wie vor hoch. Ende 2019 lebten laut offiziellen Zahlen 0,6% der ländlichen Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze, was einer Zahl von 5,51 Mio. Personen entspricht. Auch ist seit Ende der 1990er Jahre immer mehr Armut in den Städten anzutreffen.

Erst seit Jahr 2010 entspricht Chinas offizielle Armutsgrenze, die zum Bezug staatlicher Grundsicherung berechtigt, dem Weltbankstandard. Sie beträgt aktuell 2.300 Yuan pro Jahr (= 363 US$). In den ländlichen Gebieten erhielten 2019 rd. 34,6 Mio. und in den Städten 8,6 Mio. Menschen eine staatliche Grundsicherung.

Trotz beispielloser Erfolge bei der Armutsbekämpfung geht die FAO davon aus, dass derzeit noch über 124,5 Millionen Personen unterernährt sind. Die ländliche Bevölkerung ist bezüglich der Nahrungsmittelsicherheit, vor allem in den unterentwickelten Westgebieten, strukturell benachteiligt. 

Neben Armutsproblemen hat die VR China vor allem mit einer immer stärkeren Einkommensungleichheit zu kämpfen und hat einen Gini-Koeffizienten von 0,46. Einer großen Masse mit niedrigen Einkommen steht eine kleine Schicht extrem reicher Chinesen gegenüber, die mittlerweile auch in internationale Ranglisten vertreten sind.

Entwicklungszusammenarbeit

Aufgrund der ökonomischen Konsolidierung und des rasanten Wachstums der 1990er und 2000er Jahre wurden vorher bestehende Entwicklungskooperationen mit der VR China allmählich zurückgefahren.

Von 1981 bis 2010 erhielt China von der Weltbank 47,4 Mrd. US$ an Krediten. Seit 1999 erhält China keine Kredite der International Development Association (IDA) mehr, sondern nur noch von der International Bank for Reconstruction and Development (IBRD). Auf dem Feld der Entwicklungsarbeit sind jedoch nach wie vor Organisationen wie die Weltbank, das UNDP oder die OECD vertreten.

Auch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) beendete mit Ablauf des Jahres 2010 die klassische Entwicklungszusammenarbeit mit der VR China und stellt keine Mittel für neue Projekte bereit. Noch laufende Projekte konzentrieren sich auf die Ausbildungsförderung in chinesischen Westgebieten, die ländliche Entwicklung (Aufforstung, Wassermanagement), Umweltschutz, erneuerbare Energien und die Bekämpfung der Tuberkulose.

Auch die großen politischen Stiftungen der Bundesrepublik Deutschland sind in der VR China tätig. Die Konrad-Adenauer-Stiftung, Die Friedrich-Ebert-Stiftung, die Heinrich-Bölll-Stiftung, die Rosa-Luxemburg-Stiftung und die Hans-Seidel-Stiftung verfügen über Büros in China. Allerdings ist die Arbeit der Stiftungen schwieriger geworden seit Anfang 2017 ein neues NRO-Gesetz in Kraft getreten ist, das ausländischen NROs strengere Auflagen auferlegt. 

Mittlerweile ist die VR China selbst in der Entwicklungshilfe tätig. Mitte 2015 wurde die von China initiierte Asiatische Infrastrukturinvestmentbank (AIIB) ins Leben gerufen, welche mit einem Grundkapital von 100 Mrd. US$ ausgestattet ist. Die Institution, an der die VR China 30,4% der Anteile hält, soll nach Chinas Wunsch vornehmlich Geld für Infrastrukturprojekte in Asien bereitstellen. Auch Deutschland ist an der AIIB mit 900 Mio. US$ beteiligt, die USA verweigerten bisher eine Mitarbeit.

Ein wichtiger Schwerpunkt von Chinas Entwicklungspolitik ist Afrika. Die hier betriebenen entwicklungspolitischen Maßnahmen stehen im Verdacht, lediglich Chinas Eigeninteressen, insbesondere der Rohstoffsicherung und Exportförderung zu dienen. Dennoch ist der durch China vorangetriebene Aufbau von Infrastruktur in Afrika beträchtlich. Leistungen der VR China umfassen neben Investitionen und Krediten auch die Bereitstellung technischen Personals. Im September 2018 kündigte die VR China an, weitere 60 Milliarden Dollar in den nächsten Jahren in Afrika zu investieren. Auch andere Schwellen- und Entwicklungsregionen wie zum Beispiel Lateinamerika werden von China unterstützt.

Neue Seidenstraße

Auch wenn Xi Jinping in seiner ersten Amtszeit keine grundlegenden Wirtschaftsreformen auf den Weg gebracht hat, so trat er doch immer als Fürsprecher des internationalen Handels in Erscheinung. Dieses Bestreben kommt vor allem in dem seit dem Jahr 2013 vorangetriebenen internationalen Infrastrukturprojekt zum Ausdruck, das unter dem Namen "Neue Seidenstraße" (auf Chinesisch Yidai-Yilu "Ein Band, eine Straße") bekannt geworden ist. Mit einem Investitionsvolumen von rund 900 Milliarden Dollar sollen zwischen Ostasien und Europa Straßen, Eisenbahnen, Häfen, Pipelines und Kraftwerke gebaut werden, um den Überland- und Überseehandel zwischen China und Europa anzukurbeln. Anvisiert ist der Aufbau von sechs internationalen Wirtschaftskorridoren, zu denen neben der Neuen Eurasischen Landbrücke auch der Korridor China-Mongolei-Russland oder China-Zentralasien-Westasien gehören. Aufgrund struktureller Probleme und Verschuldungstendenzen wurde die Seidenstraßen-Strategie im Jahr 2017 neu ausgerichtet.

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Juni 2020 aktualisiert.

Der Autor

Dr. Tobias Voß ist Chinawissenschaftler und befasst sich schwerpunktmäßig mit der chinesischen Bildungs- und Entwicklungspolitik. Er ist als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Sinologie der Universität Freiburg tätig. Seine Arbeitsgebiete sind politische und ökonomische Ideenlehre der VR China und das chinesische Bildungs- und Wissenschaftswesen. 

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