Chinesische Yuan
Geschätztes BIP
11.940 Mrd. US-$ (2017, Schätzung)
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
16.600 US-$ (2017, Schätzung)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
90. Rang (von 188) (2016)
Anteil Armut (nationaler Standard ca. 1 $ pro Tag)
3,3%
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
46,5 (2016)
Wirtschaftlicher Transformationsindex (BTI)
Rang 81 (von 129) (2018)

Wirtschaftslage

Ansicht von Shenzhen. Foto: SSDPenguin. Lizenz: CC BY-SA 3.0.

Kein Land hat jemals einen schnelleren ökonomischen Aufstieg erlebt als die VR China. In den Jahren von 2000 bis 2010 erreichte China ein Wirtschaftswachstum zwischen 8% und 14% und stieg zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt auf. Von der Weltbank wird China inzwischen zu den Ländern mit einem Einkommensniveau im oberen Mittelfeld gerechnet. Der vom UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) vergebene HDI (Human Development Index), der Indikatoren wie Lebenserwartung, Bildung und Gesundheit einbezieht, beträgt derzeit 0,738 (Rang 90). China wird hiermit eine hohe menschliche Entwicklung attestiert.

Dennoch deutet die derzeitige Wirtschaftsentwicklung Chinas auf eine Abkehr von einem zweistelligen Wachstum hin. 2017 erreichte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der VR China einen Wert von 82.712   Mrd. Yuan (10.595 Mrd. Euro) und wuchs nur noch um 6,9%. Das Wachstum war damit so niedrig, wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Dieses liegt auch daran, dass die chinesische Regierung eine Abkehr von einer investitionsgetrieben Wachstumsstrategie vollzieht und zukünftig verstärkt Wachstum durch Inlandskonsum generieren will. 

Weitere Gründe für den Abwärtstrend sind Strukturprobleme, rückläufige Exporte, steigende Lohnkosten, Überkapazitäten von Staatsunternehmen und die Verschuldung lokaler Regierungen. Die chinesische Regierung bekämpft Krisensituationen mit kurzfristigen staatlichen Eingriffen. So wurden 2008 und 2009 riesige Konjunkturpakete im Wert von etwa 800 Mrd. $ aufgelegt, mit denen Wohnungsbau, Infrastrukturprojekte, medizinische Versorgung usw. gefördert wurden. Im Jahr 2015 wurde der Yuan abgewertet, um die einbrechenden Exporte zu stützen. Wichtige Strukturreformen werden hingegen immer wieder aufgeschoben.

Xi Jinping wirtschaftspolitische Strategie verfolgt den Aufstieg Chinas zur wichtigsten globalen Wirtschaftsmacht. Hierzu werden im Zuge der Seidenstraßeninitiative große Infrastrukturprojekte auf dem eurasischen Kontinent vorangetrieben. Gleichzeit verfolgt die "Made in China 2025"-Strategie das Ziel wichtige Industriebranchen zu Weltmarktführern aufzubauen.

Arbeit

Im Jahr 2017 arbeiteten in der VR China 776,4 Millionen Menschen. Hiervon waren 424,6 Millionen Personen und somit mehr als die Hälfte aller Arbeitnehmer im städtischen Raum beschäftigt. Hierbei gibt des hohe Einkommensunterschiede zwischen Stadt und Land. Das städtische Pro-Kopf-Einkommen betrug 2016 33.616 Yuan, wohingegen auf dem Lande nur 12.363 Yuan verdient wurden.

2017 gab es in der VR China 244 Millionen Wanderarbeiter, die aus den ländlichen Gebieten kommend in den Städten ihre Arbeitskraft für geringe Löhne in prekären Beschäftigungsverhältnissen anbieten. Diese Gruppe ist besonders stark von konjunkturellen Schwankungen betroffen. Beispielsweise führten die Wirtschaftskrise 2008 und das Abflachen des Baubooms im Jahr 2012 jeweils zu millionenfachen Entlassungen in dieser Gruppe.

Die offizielle Arbeitslosenrate betrug 2017 zwar nur 3,9%. Da sie aber nur die in den Städten registrierte Bevölkerung erfasst, zu der Wanderarbeiter explizit nicht gehören, ist sie nicht aussagekräftig.

Wirtschaftsstruktur

Staatswirtschaft

Die VR China hat sich durch die Wirtschaftsreformen von einem planwirtschaftlich organisiertem zu einem primär nach marktwirtschaftlichen Mechanismen funktionierenden Wirtschaftssystem gewandelt. Die dominante Rolle des Staatskapitals  ist seit Ende der 1990er Jahre stark rückläufig.

Allerdings darf dieses nicht darüber hinwegtäuschen, dass der chinesische Staat nach wie vor auf vielfältige Art und Weise mit Wirtschaftsunternehmen verknüpft ist. Zum einen ist der chinesische Staat an einer Vielzahl von Unternehmen beteiligt. Zum anderen sind die wichtigsten Schlüsselbranchen wie Energie, Kommunikation, Verkehrsinfrastruktur, Schiffbau usw. nach wie vor fest in der Hand von 97 staatlichen Großkonzernen. Wichtige Staatsunternehmen sind beispielsweise Sinopec, China Telecom, Air China usw.

Diese Konzerne werden direkt von der staatlichen Aufsichts- und Verwaltungskommission für Staatsvermögen des Staatsrates (SASAC) kontrolliert, welche auch die wichtigen Managerposten besetzt. Zugleich besitzen alle staatlichen Großkonzerne interne Parteigruppen der KPCh, die direkten Einfluss auf Konzernentscheidungen nehmen können. Die staatlichen Großkonzerne sind allesamt Monopolisten oder Oligopolisten und haben etliche Vergünstigungen wie beispielsweise Zugang zu günstigen Krediten, Bauland usw.

Die Planwirtschaft selbst, welche auf einer Vorgabe konkreter materieller Ausstoßkennziffern beruhte, ist in den 1990er Jahren vollständig abgeschafft worden. Zwar gibt es nach wie vor Fünf-Jahresprogramme, diese legen allerdings nur noch die entwicklungspolitischen Richtlinien der Regierung fest.

Für die Ausarbeitung von jährlichen wirtschaftspolitischen Indikativplänen ist die Staatliche Kommission für Entwicklung und Reform zuständig, welche aus der früheren staatlichen Plankommission hervorgegangen ist. Das Anfang 2016 verabschiedete 13. Fünfjahresprogramm (2016-2020) stand im Zeichen der sogenannten „neuen Normalität“. Es setzt als Wachstumsziel einen Wert von nur noch 6,5% an. Das Wachstum soll durch Forschung und Innovationen gestützt und die Binnennachfrage durch die Ausweitung des Dienstleistungssektors gestärkt werden.

Agrarwirtschaft

Reisterrassen in China. Lizenz: Public Domain.

Chinas berühmte Reisterrassen versinnbildlichen treffend die Lage von Chinas Agrarwirtschaft: Obwohl in der Fläche ein großes Land, sind nur etwa ein Zehntel der Gesamtfläche Chinas für landwirtschaftliche Nutzung geeignet. Gleichzeitig ist China aber gezwungen mit 10% der weltweiten Agrarfläche 22 % der Weltbevölkerung zu versorgen. Der Erfindungsreichtum hinsichtlich des Terrassenanbaus und der Bewässerungstechnik wird mittlerweile durch die intensive Nutzung von Kunstdünger flankiert. Im Jahr 2016 wurden insgesamt 59,8  Mio. Tonnen Kunstdünger eingesetzt und 67,1  Mio. ha Land bewässert.

Hauptanbauprodukte in Nordchina sind Weizen und Mais, im Nordosten überwiegen Mais und Sojabohnen. Die Hälfte des Reisanbaus findet sich am Mittel- und Unterlauf des Changjiang. Insgesamt erbringt die VR China fast 30 % der Weltreisernte. In der nordchinesische Ebene, dem Mittel- und Unterlauf des Changjiang sowie in Xinjiang wird Baumwolle angebaut. Weitere wichtige Ackerbauprodukte sind Süßkartoffeln, Zuckerrohr, Tabak und Jute.

Neben Feldanbauprodukten verfügt China zudem über eine große Fleischproduktion und ist die größte Fischfangnation der Welt. Auch kommt etwa jeder fünfte Zuchtfisch aus der VR China.

Chinas Agrarwirtschaft erwirtschaftete 2016 nur noch etwa 8,9 des BIP, beschäftigt aber nach wie vor mehr als 30% aller erwerbsfähigen Personen.

Aufgrund vieler Lebensmittelskandale versucht die chinesische Politik, durch strengere Lebensmittelgesetze und eine bessere Bio-Zertifizierung die Qualität der chinesischen Lebensmittel zu steigern. Tatsächlich gibt es in der VR China immer mehr Bio-Produzenten.

Industrie und Baugewerbe

China ist ein Industrieland. Die Industrie erwirtschaftete im Jahr 2016 39,8% des BIP und stellte fast 30% aller Beschäftigten. Das industrielle Wachstum 2016 betrug 6% und lag somit deutlich unter dem durchschnittlichen Wachstum der letzten zehn Jahre von 10%. Die VR China zählt zu den größten Produzenten von Dünger, Zement, Eisen und Stahl, Textilien, Papierprodukten, Fahrzeugen und Elektronik auf der Welt.

China ist nach wie vor die „Werkbank der Welt“, was die hohen Wachstumszahlen in Bereichen wie Elektronik, Informations- und Kommunikationstechnik oder Umwelttechnik von über 10% verdeutlichen. Allerdings wird der Druck, der von anderen Billiglohnländern in der Nachbarschaft ausgeht größer. Vor allem die Textil- und Bekleidungsindustrie leidet unter steigenden Lohn- und Rohstoffkosten sowie unter Konkurrenz aus Ländern wie Bangladesh oder Vietnam.

Die Regierung Xi Jinping hat sich zum Ziel gesetzt, Schlüsselindustrien Chinas bis zum Jahr 2025 zu Weltmarktführern auszubauen. Diese als "Made in China 2025" bezeichnete Strategie erstreckt sich auf Industriezweige wie Robotik, Medizintechnik, energiesparende Fahrzeugtechnik, Industriesoftware usw..

Bauarbeiten am Gebäude des chinesischen Staatsfernsehens. Foto: Jakob Montrasio. Lizenz: CC BY 2.0.

Ein weiterer wichtiger Motor für Chinas Wirtschaft und vor allem den chinesischen Arbeitsmarkt ist das Baugewerbe. Die beinahe 81.000 Bauunternehmen der VR China erwirtschafteten im Jahr 2016 6,7% des BIP und beschäftigten rund 50,9 Millionen Menschen. Allerdings ist das Baugewerbe durch eine hohe Zahl informeller und saisonaler Arbeitsverhältnisse geprägt. Die Arbeitsplätze von Chinas Bauarbeitern – zumeist arme Wanderarbeiter aus den ländlichen Gebieten – sind daher immer durch konjunkturelle Schwankungen oder das mögliche Einbrechen des Immobilienmarktes gefährdet. So wurden beispielsweise im Jahr 2012 20 % der Bauarbeiter durch das Abflachen des Baubooms arbeitslos.

Energiewirtschaft

Die VR China ist der größte Energieverbraucher der Welt und zweitgrößter Erdölverbraucher. Auch ist China der größte Rohölimporteur der Welt und importierte 2017 8,4 Mio. Barrel pro Tag aus Russland, Angola, Saudi-Arabien, Iran, Oman und anderen Ländern.

Kohle war 2016 mit ca. 62 % im Gesamtmix nach wie vor der wichtigste Energieträger. Auf Platz zwei rangierte Erdöl mit 18,3 %. Wasserkraft, Kernkraft und Windkraft deckten zusammen 13,3% des landesweiten Energiebedarfs, Erdgas 6,4%. Mittlerweile tätigt China hohe Investitionen im Bereich der erneuerbaren Energien (2014: 90 Mrd. $). Im Jahr 2020 sollen diese 15% des Energieverbrauchs ausmachen.

Der große Energiehunger seiner Wirtschaft zwingt China dazu, seine Öl- und Gasvorkommen weitgehend selbst zu verbrauchen. Ein besonderes Interesse gilt daher der Erschließung von Offshore-Rohstoffsquellen vor der eigenen Haustür im ostchinesischen und im südchinesischen Meer, was allerdings aufgrund von Gebietsstreitigkeiten mit verschiedenen Anrainerstaaten problematisch ist. Gleichzeitig wird eifrig daran gearbeitet, weltweit neue Energiequellen für China zu erschließen. Besonders in Afrika war die VR China in den letzten Jahren aktiv.

Auch auf dem Feld internationaler Firmenübernahmen versucht man, an Rohstoffe und Know-how zu gelangen. So übernahm der drittgrößte Mineralölkonzern der VR China China CNOOC die kanadische Öl- und Gasgruppe Nexen.

Binnen- und Außenhandel

Hafen von Shanghai. Foto: Alex Needham. Lizenz: Public Domain.

Ein zentrales Anliegen der chinesischen Regierung ist es, das Wachstum auf die Basis der Inlandsnachfrage zu stellen und sich von Exporten und Investionen unabhängiger zu machen. Der Dienstleistungssektor, welchem diese Aufgabe zukommt, machte 2017 51,6% des erbrachten BIP aus.

Tatsächlich boomt der Binnenhandel, welcher nach offiziellen Angaben 2017 einen Wert von 36.626,2   Mrd. Yuan (4.546 Mrd. €) erwirtschaftete. Zwischen 2011 und 2013 entstanden hier 3,5 Mio neuer Arbeitsplätze.

Allerdings steht der Binnenhandel nach wie vor hinter dem Außenhandel zurück. Laut WTO belief sich 2016 der Anteil des "Exportweltmeisters" China am Welthandel auf 13,15%. Im Jahr 2016 wurden Waren im Wert von 2.097  Mrd. € exportiert und Waren im Wert von 1.587 € importiert. Hauptsächlich exportierte man Elektronik, Textilien, Elektrotechnik und Maschinen. Die Hauptabnehmerländer waren die USA, Japan, Südkorea und Deutschland.

Chinas Abhängigkeit vom Export ist aber auch eine Schwäche, welcher die Politik immer stärkere Aufmerksamkeit schenkt. So ist China einerseits anfällig für eine einbrechende internationale Nachfrage im Zuge von Wirtschaftskrisen. Andererseits sind manche Branchen aufgrund gestiegener Lohnkosten gegenüber Ländern wie Bangladesh oder Vietnam nicht mehr konkurrenzfähig.

Für große Unsicherheit sorgt seit dem Amtsantritt Donald Trumps zudem ein aufziehender Handelskrieg zwischen China und den USA. In einem ersten Schritt erhob die US-Regierung Zölle auf chinesische Waren im Wert von 50 Milliarden Dollar, die Regierung in Beijing drohte ihrerseits mit Vergeltungsmaßnahmen.

Finanzsystem

Währung und Banksystem

Bankfiliale in China. Foto: 陈少举. Lizenz: Public Domain.

Chinas Währung ist der Renminbi (Yuan/RMB zu 10 Jiao [Chiao] bzw. 100 Fen). Der Wechselkurs des Yuan ist nicht frei, darf aber in Bezug auf den täglich von der Zentralbank festgesetzten Referenzkurs zum Dollar um 2% nach oben bzw. nach unten schwanken.

Zwar wurde der Yuan vom IWF Ende 2015 als Reservewährung anerkannt, jedoch ist der Yuan nach wie vor nur in speziellen Zahlungszentren (z.B. Frankfurt) handelbar und nicht frei konvertierbar. Insbesondere die USA warfen China in der Vergangenheit eine bewusste Unterbewertung des Yuans zur Ankurbelung der eigenen Exporte vor.

Ein Beispiel für ein solches Vorgehen waren die Kurssenkungen der chinesischen Zentralbank im Sommer 2015 um 1,9% bzw. 1,6%. Generell hat der Yuan über die Jahre allerdings an Wert gewonnen. So wertete er zwischen 2005 und 2013 um knapp 32% auf. Fakt ist aber auch, dass die VR China über die größten Währungsreserven der Welt verfügt, welche derzeit etwa 3,0 Billionen US$ betragen.

An der Spitze des chinesischen Finanzsystems steht die Volksbank (Renmin Yinhang), welche die Funktionen einer Zentralbank wie Geldmengensteuerung und Wechselkurspolitik wahrnimmt. Ansonsten wird das chinesische Bankenwesen durch vier staatlich gesteuerte Großbanken geprägt. Es handelt sich um die Bank of China (BOC), Industrial and Commercial Bank of China (ICBC), die Agricultural Bank of China (ABC) und die China Construction Bank (CCB). Weitere kleinere Banken sind beispielsweise die China Minsheng Bank oder die China CITIC Bank.

Chinas Banken sind eng mit dem Staat verknüpft und müssen notfalls, wie etwa im Zuge der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 dazu herhalten, auch unrentable Projekte mit hohen Krediten zu stützen. Viele Branchen und Lokalregierungen wurden so in die Überschuldung getrieben, wobei eine Rückzahlung der Kredite fraglich ist.

Da Privatpersonen wegen der Fokussierung der großen Banken auf staatliche Akteure nur schwer Kredite aufnehmen können, spielen Schattenbanken in China eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Staatshaushalt

Der chinesische Staatshaushalt für das Jahr 2016 umfasste laut offiziellen Angaben Ausgaben von 18.775,5   Mrd. Yuan (Einnahmen: 15.960,4 Mrd. Yuan). Die Haushaltsmittel der Zentralregierung betrugen 2.740,4 Mrd. Yuan und diejenigen der Lokalregierungen 16.035,2 Mrd. Yuan. Zu den größten Ausgabeposten gehörten Bildung (15%), soziale Sicherung (11,5%) und Agrarwirtschaft (10%). Der Militärhaushalt beträgt offiziell 5,2% des Gesamthaushaltes, wird von Experten aber wesentlich höher eingeschätzt.

Die Staatsverschuldung der VR China betrug im Jahr 2016 offiziell 29.910,9 Mrd. Yuan (3.917,7 Mrd. Euro) und damit 16,2 % des BIP. Dieses ist zwar eine vergleichsweise niedrige Schuldenquote, dennoch hat die Verschuldung vor allem der Lokalregierungen in den letzten Jahren drastisch zugenommen. Hierfür sind zum einen die während der Weltwirtschaftskrise aufgelegten Rettungspakete, für welche die Lokalregierungen große Kredite aufnehmen mussten.

Hinzu kommt, dass Chinas Lokalregierungen nur über begrenzte Einnahmeflüsse verfügen, gleichzeitig aber für die hohen Kosten von Sozialleistungen und Schulbildung aufkommen müssen. Aus diesen Gründen wird die tatsächliche Verschuldung der Lokalregierungen Chinas auf umgerechnet 4 Billionen US$ geschätzt.

Andere internationale Experten gehen sogar von einer wesentlich höheren Gesamtverschuldung der VR China aus. So veranschlagte eine McKinsey-Studie 2015 unter Einbeziehung der Schulden von Staat, Unternehmen, Haushalten und Finanzinstituten die Gesamtschuldenlast Chinas auf 199 Billionen US$, was einem Anteil von 285% des BIP entspricht.

Armut und Entwicklungspolitik

Armut

Im Zuge der über 30 Jahre andauernden Wirtschaftsreformen hat sich die VR China von einem Entwicklungsland, in welchem Armut und Hunger für viele Menschen zum Alltag gehörten, zu einem Land mittleren Einkommens entwickelt. Die Weltbank geht davon aus, dass durch die Agrar- und Industriereformen zwischen 1981 und 2004 etwa 600 Mio. Menschen aus der Armut herauskatapultiert wurden.

Die absoluten Armutszahlen sind jedoch nach wie vor recht hoch. Ende 2017 lebten 3,1% der ländlichen Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze, was einer Zahl von 30,5 Mio. Personen entspricht. Auch ist seit Ende der 1990er Jahre immer mehr Armut in den Städten anzutreffen.

Erst seit Jahr 2010 entspricht Chinas offizielle Armutsgrenze, die zum Bezug staatlicher Grundsicherung berechtig, dem Weltbankstandard. Sie beträgt aktuell 2.300 Yuan pro Jahr (= 363 US$). In den ländlichen Gebieten erhielten 201 rd. 40,5 Mio. und in den Städten 12,7 Mio. Menschen eine staatliche Grundsicherung.

Trotz beispielloser Erfolge bei der Armutsbekämpfung geht die FAO davon aus, dass derzeit noch über 130 Millionen Personen, bzw. 9,6% der Bevölkerung unterernährt sind. Die ländliche Bevölkerung ist bezüglich der Nahrungsmittelsicherheit, vor allem in den unterentwickelten Westgebieten, strukturell benachteiligt. 

Neben Armutsproblemen hat die VR China vor allem mit einer immer stärkeren Einkommensungleichheit zu kämpfen und hat einen Gini-Koeffizienten von 0,46. Einer großen Masse mit niedrigen Einkommen steht eine kleine Schicht extrem reicher Chinesen gegenüber.

Entwicklungszusammenarbeit

Aufgrund der ökonomischen Konsolidierung und des rasanten Wachstums der 1990er und 2000er Jahre wurden vorher bestehende Entwicklungskooperationen mit der VR China allmählich zurückgefahren.

Von 1981 bis 2010 erhielt China von der Weltbank 47,4 Mrd. US$ an Krediten. Seit 1999 erhält China keine Kredite der International Development Association (IDA) mehr, sondern nur noch von der International Bank for Reconstruction and Development (IBRD).

Auch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) beendete mit Ablauf des Jahres 2010 die klassische Entwicklungszusammenarbeit mit der VR China und stellt keine Mittel für neue Projekte bereit. Noch laufende Projekte konzentrieren sich auf die Ausbildungsförderung in chinesischen Westgebieten, die ländliche Entwicklung (Aufforstung, Wassermanagement), Umweltschutz, erneuerbare Energien und die Bekämpfung der Tuberkulose.

Auch die großen politischen Stiftungen der Bundesrepublik Deutschland sind in der VR China tätig. Die Konrad-Adenauer-Stiftung, Die Friedrich-Ebert-Stiftung, die Heinrich-Bölll-Stiftung, die Rosa-Luxemburg-Stiftung und die Hans-Seidel-Stiftung verfügen über Büros in China. Allerdings ist die Arbeit der Stiftungen schwieriger geworden seit Anfang 2017 ein neues NRO-Gesetz in Kraft getreten ist, das ausländischen NROs strengere Auflagen auferlegt. 

Mittlerweile ist die VR China selbst in der Entwicklungshilfe tätig. Bis 2009 brachte sie 256 Mrd. Yuan für internationale Entwicklungsleistungen auf. Mitte 2015 wurde die von China initiierte Asiatische Infrastrukturinvestmentbank (AIIB) ins Leben gerufen, welche mit einem Grundkapital von 100 Mrd. US$ ausgestattet ist. Die Institution, an der die VR China 30,4% der Anteile hält, soll nach Chinas Wunsch vornehmlich Geld für Infrastrukturprojekte in Asien bereitstellen. Auch Deutschland ist an der AIIB mit 900 Mio. US$ beteiligt, die USA verweigerten bisher eine Mitarbeit.

Ein wichtiger Schwerpunkt von Chinas Entwicklungspolitik ist Afrika.  Die hier betriebenen entwicklungspolitischen Maßnahmen stehen im Verdacht, lediglich Chinas Eigeninteressen, insbesondere der Rohstoffsicherung und Exportförderung zu dienen. Dennoch ist der durch China vorangetriebene Aufbau von Infrastruktur in Afrika beträchtlich. Leistungen der VR China umfassen neben Investitionen und Krediten auch die Bereitstellung technischen Personals. Auch andere Schwellen- und Entwicklungsregionen wie zum Beispiel Lateinamerika werden von China unterstützt.

Neue Seidenstraße

Auch wenn Xi Jinping in seiner ersten Amtszeit keine grundlegenden Wirtschaftsreformen auf den Weg gebracht hat, so trat er doch immer als Fürsprecher des internationalen Handels in Erscheinung. Dieses Bestreben kommt vor allem in dem seit dem Jahr 2013 vorangetriebenen internationalen Infrastrukturprojekt zum Ausdruck, das unter dem Namen "Neue Seidenstraße" (auf Chinesisch Yidai-Yilu "Ein Band, eine Straße") bekannt geworden ist. Mit einem Investitionsvolumen von rund 900 Milliarden Dollar sollen zwischen Ostasien und Europa Straßen, Eisenbahnen, Häfen, Pipelines und Kraftwerke gebaut werden, um den Überland- und Überseehandel zwischen China und Europa anzukurbeln. Anvisiert ist der Aufbau von sechs internationalen Wirtschaftskorridoren, zu denen neben der Neuen Eurasischen Landbrücke auch der Korridor China-Mongolei-Russland oder China-Zentralasien-Westasien gehören. Auf dem Gipfeltreffen des "Belt and Road Forums" vom 12. bis 14. Mai 2017 in Beijing wurden jedoch auch einige Dissenzen zwischen den mehr als 60 kooperierenden Ländern deutlich. So verweigerten die EU-Staaten die Unterschrift unter eine Handelserklärung, weil sie ihre Vorstellungen von Transparenz, öffentlichen Ausschreibungen sowie Sozial- und Umweltstandards nicht verwirklicht sahen.    

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Juni 2018 aktualisiert.

Der Autor

Dr. Tobias Voß ist Chinawissenschaftler und befasst sich schwerpunktmäßig mit der chinesischen Bildungs- und Entwicklungspolitik. Er ist als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Sinologie der Universität Freiburg tätig. Seine Arbeitsgebiete sind politische und ökonomische Ideenlehre der VR China und das chinesische Bildungs- und Wissenschaftswesen. 

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