Fußgängerzone von San José - Foto: © Stefanie Eißing
Anteil alphabetisierte Erwachsene
97,8% (2016)
bedeutendste Religionen
katholisch 53%, evangelikal 27%
Städtische Bevölkerung
79,3% (2018)
Lebenserwartung
80 Jahre (2019 est.)
Gender Inequality Index
Rang 68 (von 189) (2018)
Bevölkerungswachstum
0,9% (2019 est.)
Kindersterblichkeit
8,8 / 1000 Lebendgeburten (2018)

Soziale Strukturen


Familienfeier in Costa Rica. Foto © Stefanie Eißing
Gefeiert wird viel und gerne, nicht nur im Kreise der Familie & Verwandtschaft, die insgesamt aber einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft hat. Foto © Stefanie Eißing

Pura Vida

Wo man auch hinkommt, das "Pura Vida" ist der Leitspruch der Menschen in Costa Rica. Er wird genauso zur Begrüßung wie auch als genereller Ausdruck von Freude und Zufriedenheit benutzt. Inzwischen ist es auch „amtlich“: Die Costa RicanerInnen sind nach dem Happy-Planet-Index der new economics foundation, das glücklichste Volk der Welt. Dabei sind Umweltschutz und Glücklichsein kein Widerspruch: Der HPI kombiniert die Lebenszufriedenheit und Lebenserwartung mit dem ökologischen Fußabdruck, und so steht Costa Rica immer wieder an erster Stelle. Deutschland belegte 2014 Platz 46 von 151 bewerteten Ländern. Nach dem World Happiness Report von 2019 der UN SDSN Initiative, bei der die Zufriedenheit der Menschen abgefragt wird, ist Costa Rica nach wie vor das glücklichste Land Lateinamerikas, und das 12. der ganzen Welt (noch vor Deutschland).
Den Beinamen Ticas und Ticos haben die Costa RicanerInnen bekommen, weil sie bei fast allen Verkleinerungsformen die Endung -ico/-ica benutzen, anstatt dem sonst üblichen -ito/-ita (chico wird so zu chicitico und nicht zu chicito).

Es existiert nach wie vor eine ausgeprägte Mittelschicht, auch wenn die Schere zwischen Armen und Reichen im Land immer weiter auseinander geht - der Gini-Koeffizient als Maß für die Einkommensgleichverteilung lag 2016 bei 48,5. Über 1 Mio. Menschen (21,7% der Bevölkerung) lebte 2014 unterhalb der nationalen Armutsgrenze (2018 waren es immer noch 20%), 5,4% (2009) davon in extremer Armut, 1% (2018) der Bevölkerung hatte nur 1,9 US $ pro Tag zur Verfügung. Die Ärmsten 20% der Haushalte verfügten 2018 nur über 4,4% der Einkommen, die Reichsten über 36,9% (2014). Diese Tatsache hat sich, allen Armutsbekämpfungspolitiken zum Trotz, in den letzten Jahren kaum geändert. Nach dem Welthunger-Index 2017 sind 5,6% der Bevölkerung in Costa Rica unterernährt.

Die Lebenserwartung ist mit über 79 Jahren vergleichsweise hoch. Zusammen mit Chile ist es die höchste in Lateinamerika. Das Bevölkerungswachstum lag 2016 bei geschätzten 1,2%. Die Geburtenrate sank schon 2010 auf 1,8 Kindern pro Frau im geburtsfähigen Alter.  Der Anteil der städtischen Bevölkerung liegt bei über 76,8% (2016), die Urbanisierungsrate bei 2,7% (2010-15 est.). Das Stadt-Land-Gefälle macht sich auf verschiedenen Ebenen bemerkbar: auf dem Land gibt es das stärkste Bevölkerungswachstum, der Anteil der armen Bevölkerung ist hier höher, aber auch in den Bereichen der Ausbildungschancen, des Gesundheitswesens, der Verdiensthöhe und Arbeitsmöglichkeiten gibt es beträchtliche Unterschiede.

Der Human Development Index lag 2017 bei 0,794 (Platz 63 von 189 weltweit). Damit zählt Costa Rica zu den Ländern mit einer hohen menschlichen Entwicklung. Der Human Development Report von UNDP stellt verschiedenste Indikatoren der gesellschaftlichen Entwicklung zusammen. Im Human Development Report von 2013 wird ausführlich auf die Herausforderungen der sich wandelnden Gesellschaft eingegangen.

Der Grad der gesellschaftlichen Freiheit wird im Atlas der Zivilgesellschaft für Costa Rica mit "eingeengt", der zweitbesten Stufe, eingestuft. Auch beim Human Freedom Index schneidet Costa Rica in den letzten Jahren mehr oder weniger konstant gut ab, ebenso beim Global Peace Index.

Seit 1941 gibt es für ArbeiterInnen eine staatliche Pflichtversicherung für Rente, Erwerbsunfähigkeit, Hinterbliebenenrente sowie Kranken- und Schwangerschaftsbeihilfen in die sowohl ArbeitnehmerInnen als auch Arbeitgeber und Staat einzahlen. Das Rentensystem steckt wie in vielen Ländern auf Grund der demographischen Entwicklung auch in Costa Rica mittelfristig in der Krise. Die Sozialversicherungskasse CCSS droht inzwischen unter einem Schuldenberg, den die Regierung bei ihr angehäuft hat, zu ersticken.

Sowohl die soziale Ungerechtigkeit als auch die Gewalt waren in 2010 so hoch wie nie zuvor. Die wachsende Verbreitung von illegalen Schusswaffen und auch der Einsatz von Waffen bei Verbrechen sind Themen, die immer mehr Beachtung finden. Costa Rica ist im lateinamerikanischen Vergleich – der als gefährlichster Kontinent der Welt eingestuft wird – noch ein sehr ruhiges Land. Aber auch hier ist beispielsweise die Mordrate mit fast 12 Tötungen pro 100.000 EinwohnerInnen (2016) fast doppelt so hoch wie im weltweiten Durchschnitt.

Ethnien

Mit rund 80% stellen Kreolen (Nachfahren der spanischen Eroberer) und Mestizen (spanische bzw. weiße und indigene Vorfahren) die größte Bevölkerungsgruppe. Etwa 3% sind Schwarze. Die ursprüngliche indigene Bevölkerung, zu der heute noch acht unterschiedliche Ethnien zählen, stellt nur noch gut 2,4% der Gesellschaft (etwa 100.000 Menschen).

Die Beziehungen zwischen den verschiedenen Ethnien waren lange Zeit nicht von freundlicher Integrationsbereitschaft geprägt. Der schwarzen Bevölkerung war es erst mit der Verfassung von 1949 überhaupt erlaubt, von der karibischen Küste in andere Landesteile zu gehen. Eine Integration begann aber erst langsam mit dem Straßenbau nach Limón in den 1970er Jahren. Aber noch immer gibt es viele Vorurteile gegen die 'verruchte' Karibikküste und Schwarze. Die "Black Live Matters"-Bewegung hat auch in Zentralamerika die Diskussion um Rassismus wieder angefacht.

Indigene Bevölkerung
Der größte Teil der indigenen Bevölkerung lebt heute in den indigenen Territorien, die 1977 eingerichtet wurden, vorwiegend in der Talamanca-Region. Erst im Jahr 1992 erfolgte in Costa Rica die Reform des Gesetzes, die eine sozial- und kulturpolitische Besserstellung garantieren sollte. Erst seitdem können Indigene z.B. überhaupt Pässe bekommen. Sowohl Indigene als auch MigrantInnen sind häufig von der Basisversorgung ausgeschlossen. Das Zentrum für indigene Entwicklung macht z.B. auf die Benachteiligung bei der Bildung aufmerksam. Anfang 2016 hat das staatliche Stromversorgungsinstitut ICE bekannt gegeben, dass es den im Südosten des Landes lebenden indigenen Gemeinschaften Zugang zum Festnetz und Internet ermöglichen will.

Die staatliche Indigenen-Politik wird ausführlich von Jana Rauch analysiert. Die zentralamerikanische Indigenen- und Bauernorganisation ACICAFOC bietet umfangreiches Material zum Thema. Nach wie vor fehlt es an einer nachhaltigen Politik, die die Rechte der Indigenen respektiert. Im Sommer 2014 hatte die Regierungspartei PAC eine Verfassungsänderung ins Parlament eingebracht, die die Diskriminierung der indigenen Bevölkerung verbieten soll.   

Im Herbst 2011 fällte ein costa-ricanisches Gericht ein historisches Urteil: Der Staat muss zugunsten der indigenen Bevölkerung Land innerhalb eines indigenen Territoriums enteignen und die momentan auf dem Gebiet lebenden nicht-indigenen Personen umsiedeln. Nach wie vor ist dies aber nur Theorie und die Indigenen wehren sich gegen die Großgrundbesitzer. Auch das US-Militär dringt immer mal wieder in indigene Gebiete ein.

Einen traurigen Höhepunkte erreichte das Thema Anfang 2019 und 2020. 2019 wurde der indigene Aktivist Sergio Rojas ermordet: er hatte an dem Tag Klage gegen die illegale Aneignung von indigenem Land und der zunehmenden Drohungen eingereicht. Auch zwei Monate nach dem Mord wurden immer noch keine Tatverdächtigen festgenommen, wie eine internationale Petition feststellt. Im Februar 2020 wurde mit Jerhy Rivera dann in der gleichen Region ein weiterer indigener Landaktivist ermordet.

Frauen & Gender

Frauen im Stadtzentrum von San Jose. Foto © Stefanie Eißing
Frauen im Stadtzentrum von San José. Foto © Stefanie Eißing

Die rechtliche und soziale Stellung der Frauen wurde relativ früh abgesichert. Das autonome nationale Fraueninstitut ist für die nationale Gleichstellungspolitik zuständig. Seit 1996 müssen bei öffentlichen Wahlen mindestens 40% der wählbaren Plätze an Frauen vergeben werden.

Die Alphabetisierungsquote bei jungen Frauen (15-24 Jahre) beträgt - wie bei den jungen Männern -  99% (2011). Rund 47% der Frauen über 15 sind berufstätig, bei den Männern sind es 77% (2016) in dieser Altersgruppe. Das durchschnittliche Einkommen der Frauen lag 2010 bei 84,9% von dem der Männer. Rund 82% der arbeitenden Frauen sind im Servicebereich tätig. Die Fundación Mujer beispielsweise vergibt Mikrokredite an Frauen.  

Insbesondere im politischen, aber auch im ökonomischen Bereich gibt es erhebliche Defizite in der Gleichstellung von Frauen, während im Gesundheits- und Bildungsbereich eine gute Gleichstellung erreicht ist. 2017 hat Costa Rica beim Global Gender Gap Report des World Economic Forums den 41. Platz (von 144) erreicht (Deutschland steht auf Platz 12). Der Gender Inequality Index des Human Development Reports sieht Costa Rica 2018 nur auf dem 68. von 189 Plätzen (Deutschland auf dem 4.). Der von der OECD herausgegebene Social Institutions and Gender Index (SIGI) sah Costa Rica 2012 auf Platz 2 (von 100 Ländern). Simone Reperger analysiert den lateinamerikanischen Arbeitsmarkt aus Genderperspektive. Die Gender-Beobachtungsstelle für Lateinamerika der Vereinten Nationen bietet weitere Daten.

Auch in Costa Rica ist der "Machismo" anzutreffen. Familiäre Gewalt trifft in erster Linie Frauen, die dann auch noch oft dafür als Schuldige hingestellt werden. Auch 2013 gingen am 25. November - dem internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen - wieder viele auf die Straße. Vor allem die Gewalt an Mädchen, deren Tabuisierung und die hohe Zahl von Schwangerschaften bei Minderjährigen waren dabei Themen. Anfang 2017 kam ein Gesetzentwurf ins Parlament, der sexuelle Belästigungen härter bestrafen wollte. 2020, nach jahrelangen Diskussionen, ist dann das "Gesetz gegen sexuelle Belästigung auf der Straße" vom Parlament beschlossen worden und wird so zu einer Straftat. Eine Sammlung von Zeitungsartikeln bietet die Zeitung Costa Rica Hoy.

Im Frühjahr 2014 forderten Prostituierte eine Legalisierung ihrer Arbeit. Die Prostitution selber ist in Costa Rica bisher geduldet. Eine Übersicht zum Menschenhandel mit dem Ziel der sexuellen Ausbeutung von Frauen in Costa Rica sowie deren Bekämpfung bietet eine Praktikumsarbeit der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Costa Rica ist das einzige westliche Land, in dem die in-vitro-Fertilisation (IVF) verboten ist und ist deshalb vor dem interamerikanischen Menschengerichtshof verklagt worden. Die katholische Kirche hat vor der IVF gewarnt und Kampagnen dagegen durchgeführt.

Ebenso verboten sind in den meisten Fällen Abtreibungen (außer wenn das Leben der Mutter gefährdet ist), selbst nach einer Vergewaltigung. Der Film Medea, der 2018 viele Preise gewann, befasst sich mit den verheerenden Auswirkungen der Abtreibungsverbote in Costa Rica.

Kinder

Kinder in Costa Rica. Foto © Stefanie Eißing
Kinder an der karibischen Küste. Foto © Stefanie Eißing

Die Situation der Kinder ist trotz der generell weiten Entwicklung oft prekär: die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Costa Rica wird in dem Buch von Sabine Pfaff für die Bereiche Bildung, Gesundheit, Nichtdiskriminierung und Minderheitenschutz, Familie, wirtschaftliche und sexuelle Ausbeutung durchleuchtet. Durch die Unterschrift eines Protokolls zu dieser Konvention hat Costa Rica den Weg frei gemacht, dass Kinder Schutzmaßnahmen vom Staat einfordern können, wenn ihre Rechte verletzt werden. Die Gewalt gegen Kleinkinder hat in den letzten Jahren wohl eher zugenommen. Sextourismus und Kinderpornographie sind ebenfalls präsent. Auch in Costa Rica gibt es zahlreiche Teenieschwangerschaften. Gegen ein Stillverbot in der Schule hat sich reger Protest entwickelt. Die Anzahl der arbeitenden Kinder ist auch in Costa Rica hoch, wobei neben den traditionellen Bereichen in der Landwirtschaft auch der informelle Sektor und die Arbeiten als Hausangestellte stärker zunehmen. Der Fotograf Ludwig Thalheimer hat 1986 Kinder auf der Straße fotografiert, sie 2017 erneut getroffen und daraus des Buch Costa Rica Time Warp erstellt.

Geschlechtervielfalt

Obwohl Costa Rica zu einem der liberalsten Länder Mittelamerikas zählt, kämpfen auch hier z.B. Homosexuelle um Gleichbehandlung. Nach viel Kritik und Protesten - auch aus der Kirche - gelang dem Parlament dann im Sommer 2013 ein Husarenstück: einstimmig hat es ein Gesetz zur Homo-Ehe zugestimmt - die konservativen Abgeordneten hatten wohl das Kleingedruckte nicht gelesen. Der erste Test für diese Neuregelung ist allerdings dann an einem Gericht gescheitert, die Homo-Ehe war weiterhin nicht erlaubt. Nach nur wenigen Tagen als neuer Präsident des Landes ließ Solís zum internationalen Tag gegen Homophobie die Regenbogenflagge am Präsidentenpalast hissen, er wollte Homo-Paare rechtlich anerkennen lassen. Im November 2017 fand in Costa Rica der erste Ehe-für-alle-Konferenz statt. 2018 fiel dann der interamerikanische Gerichtshof das Urteil zur Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Ehe, das vom Obersten Gericht in Costa Rica bestätigt wurde und bis 2020 umgesetzt werden muss. Die Gleichberechtigung von LGBTIQ* ist durch die Unterzeichnung von sechs Vereinbarungen durch den Präsidenten ein Stück näher gekommen. Am 26. Mai 2020 wurde dann die erste gleichgeschlechtliche Ehe in Costa Rica geschlossen. Die strukturelle Gewalt und Diskriminierung aber, beispielsweise von Trans-Personen, ist, wie in weiten Teilen der Welt, auch in Costa Rica oft Alltag.

Integration & Inklusion

Die Leben für Menschen mit Behinderungen ist auch in Costa Rica noch weit entfernt von Barrierefreiheit und Autonomie. Die Bibelgesellschaft Costa Ricas wurde jüngst von der UN für ihre Arbeit mit Menschen mit Behinderungen mit der silbernen Glocke gewürdigt.

Migration

Costa Rica hat einen geschätzten Migrantenanteil von gut 10% der Bevölkerung (laut Volkszählungen waren es von 1973 noch 1,2% und 2011 knapp 9%). Die nach wie vor recht hohe Zahl von illegalen Flüchtlingen und AsylantInnen aus den Nachbarländern stellt dabei teilweise ein soziales Problem dar. In 2014 lebten gut 22.000 Flüchtlinge in Costa Rica. Vor allem die Süd-Süd-Migration von Nicaragua nach Costa Rica macht einen erheblichen Teil aus. Geschätzt leben etwa 1 Mio. Nicaraguaner in Costa Rica, sowohl legal als auch illegal. Dabei sind es v.a. Frauen, die als Hausangestellte arbeiten. Organisationen wie z.B. Astradomes unterstützen und stärken insbesondere diese Gruppen. Im Herbst 2013 hat die Regierung ein Amnestie-Programm für ohne gültige Papiere im Land lebende Ausländer aufgelegt. Dabei ist das Verhältnis zu diesen Einwanderern recht ambivalent. Sie bilden eine wesentliche Arbeitskraft, beanspruchen aber auch die sozialen Einrichtungen. Aus Kolumbien stammen etwa 10.000 Flüchtlinge. Der nationale Integrationsplan 2018-2022 soll eine Orientierung bei der Integration von Migranten, Flüchtlingen und Asylsuchenden bieten. Die Migrationsrate liegt bei 2,7 pro 1.000 Einwohner. Oswald Céspedes untersucht die wirtschaftlichen Aspekte der Migration von Costa Rica. Schon 2012 kamen immer mehr Flüchtlinge aus Kuba in Costa Rica an. Die Situation Ende 2015 war geprägt von den in Costa Rica gestrandeten kubanischen Flüchtlingen, die eigentlich in die USA reisen wollten. Auch die Fluchtwelle aus Venezuela erreicht Costa Rica. Die neue Migrant-App der Internationalen Organisation für Migration (OIM) wird in Mittelamerika, dem größten Migrations-Korridor der Welt, getestet. Sie soll Flüchtlingen helfen, Risiken und Gefahren auf ihrem Weg zu vermeiden.

Ca. 2,6% der costa-ricanischen Bevölkerung lebt im Ausland, davon über 70% in Nordamerika. In 2007 überwiesen diese 635 Mio. US$ zurück in die Heimat. Die Rücküberweisungen der Emigranten sind somit ein Teil der eigenen Volkswirtschaft. Andersherum überwiesen die in Costa Rica lebenden Migranten 271 Mio. US$ zurück an ihre Familien. Diese Überweisungen tragen zu ca. 2% zum BIP bei, die Abhängigkeit ist lange nicht so hoch wie in vielen Nachbarländern.

Bildung

Gut 7% des BIP (2018) werden für Bildung ausgegeben. Die Einsparungen durch die Abschaffung des Militärs hat der costa-ricanische Staat schon sehr früh in das Bildungs- und Gesundheitssystem gesteckt. Costa Rica lag hinsichtlich Alphabetisierungsrate (knapp 98% in 2016), Einschulung, Hochschulabsolventen und anderen Bildungsindikatoren lange im oberen Bereich Lateinamerikas, inzwischen liegen sie bei dem aggregierten Bildungsindex von UNDP 'nur' noch im lateinamerikanischen Mittel. Inzwischen ist nicht mehr der Landbesitz, sondern der Bildungsstand für die soziale Entwicklung entscheidend.


Gesetzlich sind neun Jahre Schulpflicht vorgeschrieben (primaria, Einschulung mit sechs Jahren). Nach weiteren drei Jahren (secundaria) kann jede und jeder weiterführende Bildungseinrichtungen, wie z.B. Universitäten, besuchen. Geprägt wird das Bildungssystem von den kostenlosen staatlichen Schulen, die von 90% der SchülerInnen besucht werden. Daneben gibt es aber auch einige private Schulen, z.B. das deutsche Colegio Humboldt.


Auf den Seiten des Bildungsministeriums finden Sie z.B. ein Dokument über die Bildungspolitik im Land.
Auf dem Lanic-Server finden Sie eine Linkliste mit den Hochschulen von Costa Rica. Insgesamt gibt es über 20 Hochschulen im Land mit ca. 80.000 Studierenden, die staatliche Universität von Costa Rica (UCR) ist mit ca. 50.000 Studierenden die mit Abstand größte Universität des Landes, gefolgt von der Universität von Alajuela (UNA).

Die Business School INCAE hat sich als Privatschule für höhere Bildung auf die Betriebswirtschaftslehre spezialisiert. Die MBA-Studiengänge haben international einen guten Ruf, was sicherlich auch mit dem guten Kontakt zur Harvard Universität begründet ist. Die Lateinamerikanische Universität für Wissenschaft und Technik (ULACIT) veranstaltet auch 2010 wieder eine Sommeruniversität zu Nachhaltigkeit. Das CATIE ist ein renommiertes tropisches Agrarzentrum für Forschung und Lehre und bietet immer wieder unterschiedliche Fort- und Weiterbildungen an. Mit der Universität von Heredia hat die Universität Göttingen ein länderübergreifendes Masterprogramm zum internationalen Agrarhandel und ländlicher Entwicklung eingerichtet.

Gesundheit

Für das Gesundheitswesen werden 6,6% des BIP (2018) ausgegeben. Die medizinische Versorgung ist relativ gut, insbesondere im Zentraltal. In den übrigen Landesteilen ist die Versorgung mit Krankenhäusern und sonstigen medizinischen Einrichtungen uneinheitlich. In den dünner besiedelten und verkehrsmäßig wenig erschlossenen Gebieten fehlt häufig eine ausreichende ärztliche Betreuung. Abgelegene kleine Ortschaften werden meist durch ambulanten Behandlungsstationen (EBAIS) des staatlichen Gesundheitsdienstes versorgt. Eine neu eingerichtete mobile Arztstation soll nun insbesondere die ländlichen Gemeinden der Atlantikregion versorgen. Große Fortschritte wurden vor allem in der Zeit der 1960er bis 1980er Jahre gemacht, wo z.B. die Kindersterblichkeit von 25% auf 1,8% im Jahr 1990 zurückgegangen ist. Die Einkommensunterschiede haben beispielsweise in den USA einen deutlich höheren Einfluss auf die Gesundheit als in Costa Rica. Über die Gesundheitsseite des Ministeriums bekommt man einen guten Überblick über das System.

Über das nationale Versicherungsinstitut INS kann jede/r (unabhängig von Staatsbürgerschaft und Wohnsitz) eine gesetzliche Krankenversicherung abschließen. Die costa-ricanische Sozialversicherung CCSS (Caja Costarricense de Seguro Social) steckt inzwischen stark in der Krise, die Qualität der medizinischen Leistungen sinkt und die Verschuldung steigt. Einen Überblick über das Gesundheitssystem, die Reformen der letzten Jahre und die Herausforderungen gibt eine Analyse der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Die meisten typischen Tropenkrankheiten fehlen in Costa Rica bzw. kommen nur selten vor. Allerdings gibt es insbesondere in der Regenzeit von Mai bis Oktober durch das vermehrte Mückenaufkommen immer wieder Fälle von Malaria (Malaria tertiana) und vor allem Dengue. 2007 sagte die Regierung den Karneval in Limon, auf Grund von erhöhten Dengue-Fällen, ab. Auch in 2010 hat es einen deutlichen Anstieg von Dengue-Infektionen gegeben. Der starke Ausbruch des Dengue-Fiebers in Lateinamerika in der Regenzeit 2013 hat auch in Costa Rica zu einer Epidemie geführt. Wie in anderen Ländern Lateinamerikas kamen in 2016 auch in Costa Rica Übertragungen des Zika-Viruses durch Mücken vor. Eine Malariaprophylaxe ist i.d.R. nicht notwendig. Bakterielle Durchfallerkrankungen gibt es immer wieder. Verunreinigtes Wasser oder Speisen können diverse Infektionskrankheiten wie z.B. Hepatitis A, Typhus, Amöben, Lambliasis oder Würmer hervorrufen. Da aber 97,8% (99,6% in den Städten, 91,9% auf dem Land) der Bevölkerung Zugang zu sicherem Trinkwasser und 94,5% zu sanitären Anlagen hat, sind diese Infektionen lange nicht so verbreitet wie in anderen tropischen Ländern. Die Verbreitung von AIDS liegt bei 0,3% der Bevölkerung (2016).

Corona-Virus: Covid-19

In Costa Rica wurde am 06. März 2020 der erste Corona-Fall bestätigt. Schon sehr frühzeitig – und wohl sehr erfolgreich – wurden Einschränkungen und Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung zu verlangsamen. Bereits 10 Tage nach dem ersten bestätigten Corona-Fall hat Costa Rica den nationalen Notstand ausgerufen, die Schulen wurden geschlossen und home-schooling eingeführt, das öffentliche Leben heruntergefahren, Home Office forciert, Strände gesperrt und ein Einreisestopp für Touristen verhängt. Auch der Warenverkehr per LKW aus den Nachbarländern war zeitweise stark eingeschränkt.

Zwar ist Costa Ricas Gesundheitssystem verhältnismäßig gut aufgestellt, aber einem ganz großen Ansturm wäre es wohl nur kaum gewachsen. Sowohl die Dichte der ÄrztInnen als auch die der Krankenhausbetten liegt bei 1,2 pro 1.000 EinwohnerInnen (zum Vergleich: in Deutschland sind es 4,2 bzw. 8,3). Das öffentliche Gesundheitssystem und die staatliche, kostenlose Krankenversicherung zeigt aber auch gerade in diesen Zeiten ihre Vorteile. Die Regierung hat eine staatliche Schnapsfabrik Alkoholgels produzieren lassen, um sie dann per Postzusteller an alle Haushalte kostenlos zu verteilen. Auch die flächendeckende Trinkwasserversorgung im Land wird als ein wichtiger Faktor gesehen, weshalb Costa Rica vergleichsweise gut durch die Pandemie kommt.

Das Gesundheitsministerium gibt täglich aktuelle Canton-spezifische Zahlen und Informationen heraus. So waren es Mitte Mai gut 800 Fälle (davon über 500 Genesene und 6 Verstorbene). Ab Mitte Mai wurden schrittweise Lockerungen, wie z.B. Strände- und Kino-Besuche, umgesetzt. Da seit Juni die Infektionszahlen wieder steigen - so sind es Ende Juni schon fast 3.500 - wurden die begonnenen Lockerungen zeitweise wieder beschränkt. Seit Juli steigen die Zahlen aber rasant, lagen Mitte September bei fast 60 Tausend und Mitte November bei über 120 Tausend registrierte Infektionen sowie über 1.500 Todesfälle.

Die Corona-Pandemie wird sich auch in Costa Rica und Lateinamerika zu einer Wirtschaftskrise auswachsen und könnte diese Region besonders hart treffen. Dabei kann sie als Krisenkatalysator fungieren und gerade die schwächsten Gesellschaftsgruppen treffen. So bleiben nun oft auch die Rücküberweisungen von MigrantInnen aus und verstärken die Rezession. Die seit Anfang Juni zur Reaktivierung der Wirtschaft schrittweise eingeführten Lockerungen haben zu einem deutliche Anstieg der Infektionszahlen geführt. 

Als Teil des Krisenbewältigungsprogramms hat der neue Tourismusminister den internationalen Flughafen Costa Ricas zum 01. August 2020 wieder schrittweise für ausländische Flüge aus der Europäischen Union, Kanada und den Vereinigten Königreich geöffnet. Zahlreiche Einreisevorschriften sollen es ermöglichen trotz Covid-19 auch den Tourismus, die wichtigste Devisenquelle des Landes, wieder anzukurbeln. Seit November hat Costa Rica alle seine Grenzen geöffnet und damit auch den gesamten internationalen Flugverkehr, wieder aufgenommen. Eine Testpflicht bei Einreise gibt es nicht mehr. Die panamerikanische Gesundheitsorganisation (PAHO) warnt indes vor einer Lockerung der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus.

Die permanent aktualisierten weltweiten Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes sind zu beachten. Die Einreisesperre für Touristen vom 18.03., war bis Ende Juli 2020 verlängert worden. Weiterführende Informationen erhalten Sie auch über die Deutsche Botschaft in San José. 

Costa Rica hat zusammen mit Chile der Weltgesundheitsorganisation WHO vorgeschlagen, einen Patente-Pool mit Wirkstoffen gegen Covid-19 einzurichten. Die im Mai eingerichtete Plattform soll es allen Menschen der Erde ermöglichen, Zugang zu Impfstoffen, Therapien und Schutzausrüstung zu haben.

In der Corona-Krise den Klimaschutz nicht zu vergessen mahnt auch Costa Ricas Umweltminister an, die Vergabe von Krediten ohne Auflagen könnte kurzsichtige Politik begünstigen. Die sozialpolitischen sowie wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise sind enorm.

Kultur und Kunst

Marimbaspieler in der Fußgängerzone. Foto © Stefanie Eißing
Costa Rica ist bekannt für Marimba (Xylophon) Musik, die ihre Wurzeln in Afrika hat und nicht nur in der Karibik viel gespielt wird, sondern auch, so wie hier, in der Fußgängerzone von San José. Foto © Stefanie Eißing

Die kulturellen Identitäten sind stark durch die Geschichte und die verschiedenen Ethnien beeinflusst. Costa Rica war in vorkolumbianischer Zeit Kreuzweg und Treffpunkt von Wanderungsbewegungen und Kultureinflüssen aus dem mittelamerikanischen Norden und dem kolumbianisch-panamaischen Süden. Durch die spanische Eroberung ist jedoch ein großer Teil dieser Kulturformen unwiederbringlich verloren gegangen.

Insbesondere in den 1960er Jahren wurden viele Museen ausgebaut und lassen ein wachsendes Interesse an der Geschichte vor der spanischen Eroberung erkennen. Auch traditionelles Handwerk wird heute oft auf eigenen Kunsthandwerksmärkten wieder gewürdigt.
Dadurch, dass Costa Rica bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts von der Subsistenzlandwirtschaft geprägt war, entwickelten sich andere kulturelle Aktivitäten durch bessere Bildungsmöglichkeiten und einen gewissen Wohlstand vor allem in den letzten 100 Jahren.

Steinkugeln im Nationalmuseum. Foto © Stefanie Eißing
Steinkugeln im Nationalmuseum. Foto © Stefanie Eißing

Auf dem Gelände des Nationalmuseums steht eine der mysteriösen Steinkugeln, über die man immer noch nicht viel weiß. Die Größte hat einen Durchmesser von über 2 Metern. Viele der Kugeln fanden sich auf der Isla de Cano, wo das vulkanische Granitgestein aber gar nicht vorkommt. Nach der Beantragung zur Aufnahme in die Weltkulturerbeliste wurden im Juni 2014 insgesamt vier Ausgrabungsstätten im Diquís-Delta im Südosten von der UNESCO zum Welterbe der Menschheit erklärt.

Das Nationaltheater in San José. Foto: © Stefanie Eißing
Das Nationaltheater in San José. Foto © Stefanie Eißing

Das Nationaltheater von San José stammt aus den 1890er Jahren und ist wohl eines der schönsten Gebäude der Stadt. Als Stolz aller Ticos wurde es damals durch eine freiwillige Kaffeeexportsteuer finanziert. Im Eingangsbereich findet sich an der Decke das berühmte Kaffee- und Bananen-Gemälde von J. Villa, das auch den historischen 5-Colones-Schein ziert und auf dem so mancher Fehler "versteckt" ist.

Kunstausstellung in San José. Foto: © Stefanie Eißing
Kunstausstellung in San José. Foto © Stefanie Eißing

Das kulturelle Leben der Gegenwart ist sehr vielfältig. Es gibt ein breites Angebot an Veranstaltungen, modernen Künstlerzirkeln, Ausstellungen, Messen oder Galerien.

Eine kleine Filmszene hat sich etabliert. Costa-ricanische Filme, wie z.B. 'password' (2002) - der sich mit dem auch in Costa Rica zunehmendem Sextourismus, insbesondere mit Kindern, beschäftigt - finden auch über die Grenzen hinweg Anklang. Der Film 'Tanz der Gazelle' (2019) wurde auch in Deutschland gezeigt.

Die internationale Buchmesse in San José ist vor allem für Verleger und Autoren aus Mittelamerika eine gute Plattform. Sergio Ramírez hat in seiner Anthologie die neue Autorengeneration Mittelamerikas vorgestellt. Der costa-ricanische Literaturpreis ging 2015 an den Potsdamer Doktoranden Mijail Mondol Lópe.

Wie in vielen anderen Ländern, so prägen gerade auch in den touristischen Orten die vielen StraßenkünstlerInnen das Bild einer Stadt. Einmal im Jahr findet das Internationale Festival der Künste statt und verwandelt 10 Tage lang Orte und Gassen in Begegnungen für Kunst und Kultur. Das Kindermuseum gibt sicherlich auch Erwachsenen spannende Eindrücke. Das Kultur- und Jugendministerium gibt einen guten Überblick über die Museen, Ausstellungen und Programme. Daneben bietet die Wochenzeitung TicoTimes und die Tageszeitung La Nación einen Überblick über die aktuellen Angebote.

Religion

Karfreitagsprozession - Foto: © Stefanie Eißing
Ca. 90% der Costa RicanerInnen bekennen sich zum christlichen Glauben, die meisten von ihnen sind katholisch. In der Osterwoche hat quasi das ganze Land Urlaub und geht z.B. mit auf die Karfreitagsprozessionen. Foto © Stefanie Eißing

Die überwiegende Mehrheit der Costa RicanerInnen bekennt sich zum christlichen Glauben, wobei ca. 76% römisch-katholischen und ca. 27% protestantischen Glaubens sind. Laut einer Umfrage der nationalen Universität UNA von 2019 praktizieren aber nur rund 53% den katholischen Glauben, der Anteil der Evangelikalen ist hingegen innerhalb von 5 Jahren von 21 auf 27% angewachsen. Die katholische Religionszugehörigkeit hat seit der Kolonialzeit einen zentralen Integrationsfaktor dargestellt. Die lutherische Kirche wurde vor 20 Jahren gegründet. Der Einfluss von protestantischen Freikirchen hat vor allem seit den 1970er Jahren stark zugenommen. Auch auf der Straße sind oft Prediger oder Evangelisations-Gruppen zu finden. Das allgemeine Klima wachsenden religiösen Pluralismus macht das Land in jüngster Zeit auch zum Zielgebiet internationaler Sekten (Moon, Scientology). Einen Überblick über die Religionen gibt die spanische Wikipedia-Seite.

Der christliche Glaube ist dabei im Alltag sehr sichtbar: von Heiligenbildern und Kreuzchen in Bussen, Taxen und Wohnzimmern über größere Ritualen wie Prozessionen zur Heiligenverehrung - so z.B. am 2. August, an dem die Schutzpatronin von Costa Rica, die Virgen de los Ángeles, in der Básilica von Cartago verehrt wird - bis hin zur Osterwoche, in der quasi das ganze Land Urlaub hat und entweder mit auf die Karfreitagsprozessionen geht oder an den Strand fährt. Das seit über 70 Jahren geltende Alkoholverbot an Gründonnerstag und Karfreitag soll nun aufgehoben werden. Die Kirche hat gemeinsam mit den Gesundheitsbehörden auf Grund der Schweinegrippe-Welle das Pilgerfest im August 2009 erstmals seit 227 Jahren absagen müssen.

Die Genesung der Costa Ricanerin Floribeth Mora Díaz wurde von der katholischen Kirche als Wunder anerkannt und so konnte der Papst Johannes Paul II heilig gesprochen werden. Sie möchte nun die "Botschaft der Hoffnung und des Glaubens" weiter verbreiten.

Medizinalpflanzen auf einem Markt. Foto: © Stefanie Eißing
Medizinalpflanzen auf einem Markt in San José. Foto © Stefanie Eißing

Es lassen sich aber auch Reste von religiösen Symbolen und magischer Geisterwelt der ursprünglichen Bevölkerung finden. Heilpflanzen spielen auch in diesem Kontext eine wichtige Rolle. Insbesondere bei der schwarzen Bevölkerung lassen sich auch Mischformen aus afrikanischen und indigenen Naturglauben finden, die sich im Laufe der Zeit mit Formen des Protestantismus - dem Glauben, der den Schwarzen aus Jamaika von der dortigen englischen Kolonialmacht aufgezwungen wurde - vermischt haben.

Die katholische Amtskirche hat seit der Trennung von Kirche und Staat Ende des 19. Jahrhunderts nur noch eher indirekten Einfluss. Zwischen den Kriegen ist sie allerdings zur Fürsprecherin von sozial-politischen und arbeitsrechtlichen Neuerungen geworden. In den 1950er Jahren gewann sie dann wieder Einfluss auf die Politik und das Bildungswesen. In jüngster Zeit mischt sie sich vor allem - mit eher konservativer Zielrichtung - in Themen wie Familienplanung und Sexualkundeunterricht ein und spricht sich gegen die Legalisierung der Homo-Ehe aus. Sie sammelte auch Unterschriften für eine Volksabstimmung gegen die Homosexuellen-Ehe, das Verfassungsgericht urteilte jedoch, dass ein Referendum zu diesem Thema nicht mit der Verfassung vereinbar sei.

Aber auch mit kritischen Stellungnahmen, sei es zum Freihandelsabkommen, zu den Rechten der Kinder, zu Strukturwandel und Ungleichheit oder zu politischer Transparenz und IWF-Krediten beziehen die Bischöfe immer wieder Stellung.

Mit der Beichte per iPhone startet katholische Kirche in Costa Rica neue Wege der Kommunikation. In der Regierung von Solís (2014-2018) wurde ein katholischer Priester zum Fischereiminister ernannt.

Eine erneute Diskussion über die Religionsfreiheit hat eine Bürgerinitiative angestoßen, die den weltlichen Charakter des Staates festschreiben wollen. Die katholische Kirche in Costa Rica sieht darin allerdings eine große Gefahr. Costa Rica ist einer von sieben Staaten weltweit, in denen der Katholizismus offiziell Staatsreligion ist. Die ehemalige Staatspräsidentin Chinchilla sieht die christlichen Werte als Fundament der Gesellschaft, fordert aber auch Toleranz gegenüber z.B. Homosexuellen und anderen Religionen. Die Diskussion um eine solche Verfassungsänderung könnte nach dem jüngsten Missbrauchsskandal neu entfachen.

Sport

Sport spielt in Costa Rica eine große Rolle. Die Zeitungen und das nationale Fernsehen berichten stets ausführlich. Der wichtigste Nationalsport ist sicherlich Fußball, der manchmal auch als Zweitreligion gehandelt wird.

Nicht nur bei der WM 2006, auch 2010 bei der U20-Fußballweltmeisterschaft der Frauen, fand das Eröffnungsspiel in Deutschland gegen Costa Rica statt. Die Frauen U17-Fußballweltmeisterschaft 2014 wurde in Costa Rica ausgetragen.

Schon die WM-Qualifikation für Brasilien 2014 wurde im ganzen Land gefeiert. Nach Erreichen des Viertelfinales - mit "Teamgeist" und "Bildung" - war kein Halten mehr und die Ticos feiern ihr Sommermärchen.

Im August 2009 wurden an der pazifischen Playa Hermosa die Surf-Weltmeisterschaften ausgetragen. Auf der Ruta de los Conquistadores können sich Mountainbiker über fast 400 km bewähren.

Das Länderinformationsportal

Das Länderinformationsportal
Das Länderinformationsportal

Die Beiträge im Länderinformationsportal (LIPortal) wurden bis Dezember 2020 von ausgewiesenen Landesexpertinnen und Landesexperten betreut, um eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern zu geben. Das LIPortal bot damit eine Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb - viele Verweise sind auch weiterhin aktuell.

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im November 2020 aktualisiert.

Autorin

© Stefanie Eißing

Stefanie Eißing

Dipl. Biologin

Freiberuflerin - Consultant für Bildung, Naturschutz & Entwicklung

Langjährige Erfahrungen in den Bereichen Bildung für nachhaltige Entwicklung, Umsetzung der Biodiversitätskonvention und Schutzgebietsmanagement in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Regionaler Schwerpunkt Lateinamerika, darunter mehrere Jahre in Costa Rica. Seit 2002 Landestrainerin für Costa Rica sowie seit 2005 als Redakteurin für das Länderinformationsportal.

Trainingsangebote der Akademie

Die Akademie der GIZ gestaltet Lernangebote für die internationale Zusammenarbeit. Wir führen mehr als 2000 Fort- und Weiterbildungen durch und entwickeln innovative, wirksame und nachhaltige Lernkonzepte. Und das weltweit.

> Angebote aus dem Weiterbildungskatalog

Bei allen Fragen rund um das Fort- und Weiterbildungsprogramm der Akademie helfen wir Ihnen gerne weiter.

> Wir freuen uns über Ihre Anfragen!

Kontakt

Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Kommentare zu diesem Länderbeitrag oder zum LIPortal insgesamt. Richten Sie Ihre Anfrage an:

Rolf Sackenheim
(Akademie für Internationale Zusammenarbeit)

Zum Kontaktformular

Download