Karibikküste Costa Ricas - Foto: © Stefanie Eißing
Offizieller Name
Republik Costa Rica
Fläche
51.100 km²
Einwohner
4,9 Mio. (2016 est.)
Bevölkerungswachstum
1,2% (2016 est.)
Regierungssitz
San José
Amtssprache
Spanisch

Costa Rica - no artificial ingredients

Landesübersichtskarte - aus: CIA factbook - public domain
Landesübersichtskarte - Diese Karte stammt aus dem CIA World Factbook und gilt als public domain.

So wirbt die nationale Tourismusbehörde ICT für das Naturparadies Costa Rica, das immer wieder als Schweiz Mittelamerikas - sowohl wegen seiner bergigen Landschaft als auch wegen seines relativen Wohlstandes - bezeichnet wird. Es ist nach El Salvador das kleinste zentralamerikanische Land und mit 51.100 km² nur etwas größer als Niedersachsen oder die Schweiz. Es bildet den südlichen Teil der Landbrücke zwischen Süd- und Nordamerika, die erst vor 3 Mio. Jahren geschlossen wurde. Der Fluss Río San Juan bildet im Norden weite Teile der Grenze zu Nicaragua, im Süden schließt sich Panama an.

Provinzen von Costa Rica - TUBS, CC BY-SA-4.0/3.0/2.5/2.0/1.0
Provinzkarte Costa Ricas. Dieses Bild stammt aus Wikimedia Commons, stammt von TUBS und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation sowie unter der Creativ Commons-Lizenz.

Das Land teilt sich in sieben Provinzen ein:
Alajuela
2 Cartago
Guanacaste
4 Heredia
5 Limón
6 Puntarenas
7 San José

Weitere Karten von Costa Rica finden Sie z.B. bei weltkarte.com oder stepmap.de.

Auf den Seiten des nationalen Meteorologieinstitutes finden Sie Wettervorhersagen und Satellitenbilder. Es gibt auch eine Zusammenstellung der verschiedenen Anbieter mit Satellitenbildern. Detaillierte Karten stellen Maptak und Google Maps zusammen.

Grunddaten

Kinder an der karibischen Küste<br />© SE
Kinder an der karibischen Küste
© SE
Amtl. Vollform República de Costa Rica
Hauptstadt San José
Lage Mittelamerika, 8°-11°n.Br. & 83°-86° westl. Länge
Fläche 51.100 km²
Bevölkerung 4,9 Mio. (2016 est.)
Durchschnittsalter: 30,9 (2016 est.)
Einwohner / km²: 95,1 (2016)
städt. Bevölkerung: 76,8% (2015 est.)
Bevölkerungswachstum: 1,2% (2016 est.)
Lebenserwartung: 79,6 (2016)
Weiße & Mestizen: 83,6%
Mulatten: 6,7%
afrikanische Schwarze: 1,1%
Indigene: 2,4%
Sonstige: 5,1%
Amtssprache Spanisch
Daneben haben sich aber auch verschiedene indigene Sprachen halten können. Insbesondere an der karibischen Küste, im Zentraltal und in den touristischen Gebieten ist Englisch relativ weit verbreitet.
Staatsreligion römisch-katholisch
Nationalfeiertag 15. September
Währung Costa-ricanische Colones (1 ¢ = 100 Céntimos)
Politik seit der Verfassung von 1949: zentralistisch verwaltete Republik mit präsidialem Regierungssystem

Aktuelle Zahlen werden von den verschiedensten Institutionen herausgegeben, so z.B. vom nationalen Institut für Statistik und Volkszählungen INEC, dem Projekt Estado de Nación, von der UNDP in den Human Development Reports, oder auch von der CIA im World Factbook.

Naturräumliche und sozialgeographische Gegebenheiten

Costa Rica teilt sich zu ungefähr je einem Drittel in Gebirge, Hügelländer und Tiefebenen. Knapp fünf Prozent sind Ackerflächen, gut sechs Prozent sind mit Dauerkulturen bewirtschaftet, über 1.000 km² sind bewässerte landwirtschaftliche Flächen. Etwa 45 Prozent der Landesfläche dienen der Weidewirtschaft. 

Das zentrale Bergland, größtenteils vulkanischen Ursprungs, trennt dabei das atlantisch-karibische und das pazifische Küstentiefland und bildet eine Klimascheide. Es lässt sich in vier Bergketten unterteilen: Die Cordillera de Guanacaste im Nordwesten des Landes ist geprägt von jungen Vulkankegeln, an deren Hängen zahlreiche Flüsse entspringen, wie dem Río Tempisque, die in die Provinz Guanacaste abfließen. Der aktive Vulkan Arenal hat auch auf Touristen eine hohe Anziehungskraft.

Der Gas- und Schlammvulkan Rincón de la Vieja ist für seine Fumarolen bekannt. © Stefanie Eißing
Der Gas- und Schlammvulkan Rincón de la Vieja ist für seine Fumarolen bekannt. Foto © Stefanie Eißing
Arenalsee - Foto © Stefanie Eißing
Der 80km² große Arenalsee wurde künstlich aufgestaut und liefert nicht nur Strom, sondern bewässert auch weite Teile der nordwestlichen Trockensavannen. Foto © Stefanie Eißing

Die relativ kleine, sich südöstlich daran anschließende Cordillera de Tilarán ist größtenteils bewaldet und erlebte im 19. Jahrhundert einen kurzzeitigen Boom durch den Abbau von Erzen. Die wohl bekannteste Bergkette ist die Cordillera Volcánica Central mit den am besten erschlossenen Vulkanen des Landes. Im Oktober 2012 gab es einen kleinen Ausbruch am Vulkan Poás. Seit 2010 ist der Vulkan Turrialba nach über 40 Jahren wieder stärker aktiv geworden und hat Asche, Magma und Gase ausgespuckt. Im Januar 2012 führten Gas- und Ascheausstöße zur Schließung des Nationalparks, im Mai 2013 wurde ein rechtzeitig evakuiertes Dorf mit Asche überschüttet. Im Oktober 2014 bildete sich ein neuer Krater beim Ausbruch und die Asche ging auch noch in San José nieder. Im Frühjahr 2015 ist der Turrialba so stark ausgebrochen, dass der internationale Flughafen in San José gesperrt werden musste. Auch 2016 und 2017 gab es immer wieder Eruptionen. Durch die Ausbrüche im September 2016 bzw. im November musste der Flughafen in San José geschlossen bzw. Flüge abgesagt werden. Das vulkanologische und seismologische Observatorium OVISCORI gibt einen Überblick zum Thema und stellt aktuelle Daten zur Verfügung. Die nationale Katastrophenschutz-Kommission gibt zudem Informationen über verhängte Alarmstufen.

Die Erde bebt immer mal wieder in Costa Rica. Im Januar 2009 bebte sie nahe der Hauptstadt rund um den Vulkan Poás. Es war das stärkste Erdbeben seit 150 Jahren. Es kostete 23 Menschen das Leben, viele wurden verletzt und Tausende obdachlos. Straßen und Brücken sowie 61 Ortschaften wurden zerstört, die Schäden beliefen sich auf rund 75 Mio. €. Auch im November 2009 bebte die Erde wieder. Im September 2012 gab es ein schweres Erdbeben, das mindestens 2 Menschen das Leben kostete und Schäden in Höhe von rund 45 Mio. US-Dollar verursacht hat. Rettungsteams nehmen auch an internationalen Einsatzübungen zur Erdbebenprävention teil.

Auch Unwetter gibt es leider immer wieder. Nach den schwersten Regenfällen der letzten 100 Jahre musste die Regierung im Oktober 2008 den Notstand ausrufen. Mehrere Menschen kamen damals ums Leben, Zehntausende mussten ihre Häuser verlassen, auch viele landwirtschaftliche Flächen wurden beschädigt. Viele Todesopfer forderte ein Erdrutsch, den der Hurrikan Tomas 2010 auslöste. Das Tief im Herbst 2011 bescherte ganz Mittelamerika große Unwetter mit etlichen Todesopfern und hohen Schäden bei Landwirtschaft und Infrastruktur. Auch Mitte 2012 gab es wieder schwere Unwetter, vor allem in der Provinz Limon. Nach starken Regenfällen im Juli 2015 sowie nach dem Tropensturm Nate im Herbst 2017 wurde der nationale Notstand ausgerufen.

Grüner Kratersee des Vulkan Irazú - Foto: © Stefanie Eißing
Der Vulkan Irazú (3.432müNN) hat bei seinem letzten großen Ausbruch 1963 mit seinen Ascheregen und Schlammströmen viele Kaffeeplantagen an seinen Hängen vergiftet. Eine gut ausgebaute Straße führt direkt an den Rand des intensivgrünen Kratersees. Foto: © Stefanie Eißing
Vulkan Poás - Foto: © Stefanie Eißing
In nur zwei Stunden ist der Vulkan Poás von der Hauptstadt aus zu erreichen. Über 200.000 BesucherInnen zählt der Nationalpark pro Jahr. Foto: © Stefanie Eißing
Blick auf das Zentraltal Costa Ricas - Foto: © Stefanie Eißing
Blick auf das Zentraltal Costa Ricas - Foto: © Stefanie Eißing

Im nur 50km langen und knapp 25km breiten Zentraltal konzentrieren sich mit der Hauptstadt San José und den Städten Alajuela, Heredia und Cartago die meisten urbanen Zentren.
Es war einst Ausgangspunkt für die Kolonisation des Landes und durch die fruchtbaren vulkanischen Böden ideales Gebiet für den Kaffeeanbau, der heute durch den Siedlungsausbau immer stärker verdrängt wird.
San José, auf gut 1.100müNN liegend, hat eine Jahresdurchschnittstemperatur von gut 20°C und eine jährliche Niederschlagsmenge von über 1.800mm.

Die Cordillera de Talamanca, die sich südöstlich an das Zentraltal anschließt, ist ein tertiäres Bruch- und Faltengebirge mit einigen vulkanischen Einschlüssen. Das Gebiet ist relativ wenig erschlossen. Hier befinden sich auch die meisten der indigenen Territorien, die 1977 über das Indigenengesetz eingerichtet wurden.

Bilick vom Gipfel des Chirripó, dem höchsten Berg Costa Ricas. Foto: © Stefanie Eißing
Blick vom Gipfel des Chirripó, dem höchsten Berg Costa Ricas. Foto: © Stefanie Eißing

Der Gipfel des Chirripó, mit 3.819müNN der höchste Berg des Landes, war während der Eiszeit eines der wenigen vergletscherten Massive in Zentralamerika. Das heute als Nationalpark ausgewiesene Gebiet grenzt an den Parque Internacional La Amistad, einem länderübergreifendem Nationalpark mit Panama, der als grenzüberschreitendes Weltnaturerbegebiet von der UNESCO anerkannt ist.

Östlich der Kordilleren schließt sich das immerfeuchte karibische Tiefland an. Im Norden, wo es bis zu 200km breit wird, dehnen sich Überschwemmungs- und Sumpfgebiete aus. Im Süden verengt sich der karibische Küstenstreifen auf wenige hundert Meter. Die Hafenstadt Limón ist das wichtigste Zentrum in dieser Region. Neben seinen Stränden prägen vor allem Bananenplantagen das Bild. Das Klima auf der atlantischen Seite ist immerfeucht, die Jahresmitteltemperaturen von Limón liegen bei gut 25°C, die Niederschlagsmenge über 3.500mm. Mit ein bisschen Glück kann man von August bis November im Nationalpark Tortuguero die Suppenschildkröten bei der Eiablage beobachten.

Bananenplantagen an der Karibikküste. Foto: © Stefanie Eißing
Die weitläufigen Monokulturen der Bananenplantagen sind das vorherrschende Bild im karibischen Tiefland. Zwar haben sich manche Sozial- und Umweltstandards gebessert, aber noch immer hat der Anbau dieser Exportfrucht gravierende Folgen im Land. Foto: © Stefanie Eißing
Die Atlantikküste beim Nationalpark Cahuita. Foto: © Stefanie Eißing
Die atlantische Küste ist von afrokaribischen Kulturen geprägt. Erst mit der Verfassung von 1949 war es den Schwarzen erlaubt von der Küste weg ins Zentraltal zu gehen. Eine Integration begann aber erst Anfang der 1970er mit dem Straßenbau nach Limón. Foto: © Stefanie Eißing

Das pazifische Tiefland ist Trocken- bis Feuchtsavanne und geprägt von extensiven Viehweiden. Die über 1.000km lange Pazifikküste ist mit seinen vielen malerischen Stränden und Buchten, vor allem in der Trockenzeit (Dezember bis April), ein immer beliebteres Urlaubsziel. Die Niederschlagsmengen sind deutlich geringer als auf der karibischen Seite und liegen z.B. in der Hafenstadt Puntarenas bei gut 1.600mm und einer Jahresdurchschnittstemperatur von über 27°C. Die gesamte Schutzzone Guanacaste ist von der UNESCO als Weltnaturerbegebiet anerkannt. In das Schutzgebiet Ostional kommen jedes Jahr im Juli tausende von Oliv-Bastardschildkröten zur Eiablage.

Pazifikküste - Foto: © Stefanie Eißing
Vor allem die Halbinsel Nicoya und die Strände von Guanacaste sind sowohl für Einheimische als auch für viele AusländerInnen beliebte Urlaubsgebiete. Foto: © Stefanie Eißing
Weidelandschaft in Guanacaste. Foto: © Stefanie Eißing
Großräumig Weideflächen prägen die Landschaft von Guanacaste und der Zona Norte um San Carlos. Weiden und Wiesen nehmen etwa 45% der costa-ricanischen Landesfläche ein. Foto: © Stefanie Eißing

Ökologische Probleme und Naturschutz

Costa Rica beherbergt rund 4 bis 5% aller Pflanzen- und Tierarten auf seiner Fläche, die nur 0,01% der gesamten Landmassen darstellt. Es gilt international als eines der Musterländer im Bereich des Naturschutzes. Für ihr Biodiversitätsgesetz wurde Costa Rica gemeinsam mit Australien mit dem Future Policy Award 2010 ausgezeichnet. Gut 26% der gesamten Landesfläche und gut 16% der Meeresfläche sind als Schutzgebiet ausgewiesen (die World Database on Protected Areas bietet eine gute Übersicht). Dennoch gibt es auch hier einige Probleme, so z.B. die Verbindung der stark isolierten Gebiete oder die Einbeziehung der Bevölkerung in das Management der Schutzgebiete.


Auf den Seiten des Umweltministeriums MINAE und des nationalen Schutzgebietssystems (SINAC) finden sich sowohl allgemeine Informationen als auch spezielle zu den einzelnen Schutzgebieten. Aventuras Tierra Verde gibt einen guten Überblick über die Nationalparke, Schutzgebiete und Sehenswürdigkeiten im Land. Ungefähr 2/3 aller TouristInnen besuchen mindestens ein Schutzgebiet des Landes. Damit wird der Tourismus auch ein wichtiges wirtschaftliches Argument für den Naturschutz und das Schutzgebietssystem im Land.

Das nationale Biodiversitätsinstitut INBio wurde 1989 gegründet, um die biologische Diversität zu erforschen und deren nachhaltige Nutzung zu fördern. Die Praktiken des INBio stoßen aber auch auf Kritik, da es sich u.a. von der Pharmafirma Merck im Bereich der Bioprospektion finanzieren lässt. Die Ökonomie der Biodiversität (TEEB) wird inzwischen auch weltweit diskutiert, um den Serviceleistungen der Natur auch eine volkswirtschaftliche Bedeutung beizumessen. Costa Rica war hier durch die Finanzierung von INBio sicherlich einer der Pioniere. Die langfristige Finanzierung für den Erhalt der Artenvielfalt bleibt nach wie vor eine große Herausforderung.

Die vulkanischen Kokos-Insel liegt knapp 500km vor der costa-ricanischen Pazifikküste. Das unbewohnte Gebiet ist seit 1978 als Nationalpark geschützt, auch um noch mehr Schäden durch Schatzsucher, Taucher und Fischer zu verhindern. Von der UNESCO sind die Coco Islands als Weltnaturerbe anerkannt.

Teakplantagen in Costa Rica. Foto © Stefanie Eißing
Der Anteil der Hölzer, die aus Plantagen gewonnen werden steigt, wie hier aus einer FSC-gesiegelten Teakplantage. Foto © Stefanie Eißing

Seit Mitte der 1980er Jahre wird in weiten Teilen des Landes eine nachhaltige Forstwirtschaft betrieben. Inzwischen sind über 50% der Landesfläche wieder bewaldet, wobei der Anteil von Plantagen zunimmt. Viele von ihnen sind mit dem internationalen Siegel FSC zertifiziert. Dennoch ist Entwaldung, insbesondere zur Gewinnung von Weide- und Ackerflächen, aber auch illegaler Holzeinschlag, immer noch ein Problem. Auch die immer wieder auftretenden Waldbrände, auch innerhalb von Schutzgebieten, stellen ein großes Problem dar.

Seit 1996 gibt es in Costa Rica Zahlungen für die Umweltdienstleistungen, die Wälder und Plantagen bieten. Der costa-ricanische Fond für Forstfinanzierung FONAFIFO bietet hierzu Informationen. Die Investitionen auch von ausländischen Finanziers in Wälder steigt auch in Costa Rica an.

Trotzdem gehört das Land noch immer zu den Gebieten Lateinamerikas, in denen Bodendegradierung, Brandzerstörung, Hangerosion, Gewässerverschmutzung oder illegale Nutzungen zum Alltag gehören. So gibt es z.B. keine funktionierenden Kläranlagen und auch die Müllentsorgung ist sehr problematisch. Ebenfalls ein großes Problem stellen die Belastungen durch die Plantagenwirtschaft dar, allen voran der Bananen- und inzwischen auch der Ananasanbau. Auch der Klimawandel stellt die Bauern immer wieder vor große Herausforderungen. Insbesondere die zunehmende Trockenheit verursacht Ernteausfälle und Wassermangel für Mensch und Vieh. Und es sind meist die Armen, die von der steigenden Anzahl von Naturkatastrophen betroffen sind. So steigt der Meeresspiegel und mit ihm das Risiko für Überschwemmungen. Ein von der GIZ unterstütztes Projekt hilft hier z.B. bei der Wiederaufforstung von Mangrovenwäldern. Eine Übersicht zum Thema Klimawandel mit Gesetzen, politischen Strategien und deren Umsetzung gibt der Länderbericht des Grantham Research Insitutes (London School of Economics, LSE), der im Vorfeld des Klimagipfels Ende 2015 erstellt wurde.

Auch der ökologische Fußabdruck des Landes ist weiter gewachsen: mit 2,5 gha/Person übersteigt die Nutzung die biologischen Kapazitäten des Landes von 1,6 gha/Person. Insbesondere die Abnahme der biologischen Kapazitäten haben dazu geführt, dass Costa Rica seit den 1990er Jahren zu den „ökologischen Schuldnern“ zählt. Der XV. Zustandsbericht des Landes gibt eine gute Analyse der Situation. Die Weltbank hat auch für Costa Rica eine Landesanalyse zu Klimarisiken und Anpassungsmöglichkeiten erstellt.

Die Situation vor den Küsten Costa Ricas ist beherrscht von den internationalen großen Fangflotten, die nicht nur Haie und Meeresschildkröten gefährden, sondern auch das Einkommen der einheimischen KleinfischerInnen. Auch die steigende Nachfrage nach Haifischflossen wird in Costa Rica zu einem Problem, zudem die Ausführungsbestimmungen nach wie vor nicht ausgearbeitet sind.
Der Artikel Meeresräuber als Piratenbeute gibt einen guten Überblick und fasst das neue Fischereigesetz zusammen. Der im Frühjahr 2008 gestartete Dokumentarfilm "Sharkwater" zeigt mit beeindruckenden Bildern das Leben der bedrohten Tiere. Inzwischen hat Costa Rica auch seine Territorialgewässer zu Walschutzgebieten erklärt. Aufsehen erregte nun vor allem der "Ökoterrorist" Paul Watson, Chef der Wal- und Haischutzorganisation Sea-Shepherd: im Mai 2012 wurde er am Frankfurter Flughafen festgenommen, im Juli ist er untergetaucht. Sowohl Costa Rica als auch Japan hatten einen Auslieferungsantrag gestellt - wobei es um Aktionen gegen Haifischflossenjägern und natürlich um eine Menge Geld geht. Im Oktober 2012 hat Costa Rica den Fang von Haien auf den persönlichen Bedarf beschränkt. Ende 2013 hatte die damalige Präsidentin Costa Ricas den Sharkproject-Award erhalten. Der Überbringer Gerhard Wegner verteidigt in einem Interview die nicht ganz unumstrittene Entscheidung.

Ein junger Umweltschützer wurde im Mai 2013 ermordet. Er gehörte zu den Freiwilligen, die nachts an den Stränden die Nester der bedrohten Schildkröten bewachten, um die Eier vor Wilderern zu schützen. Die Regierung weist dabei eine Mitverantwortung von sich und verweist auf den Drogenhandel. Die Verflechtungen von Jagdvergehen und Drogenhandel werden dabei aber immer mehr thematisiert. Bei der Urteilsverkündung Anfang 2015 machte die Richterin ihrem Ärger über schwere Ermittlungspannen Luft und musste aus Mangel an Beweisen die Angeklagten freisprechen. Anfang 2016 wurde der Prozess noch einmal aufgerollt. Ende März 2016 wurden 4 Täter zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. 2018 wurde auf einer lateinamerikanischen Konferenz in Costa Rica als Teil der Rio-Konvention über Umwelt und Entwicklung, ein regionales Abkommen zum Schutz von UmweltaktivistInnen verabschiedet.

Ende 2012 hat Costa Rica als erstes Land Lateinamerikas die Sportjagd verboten. Ebenso dürfen nun keine Wildtiere mehr als Haustiere gehalten werden. 2013 kündigte der Umweltminister an, alle Zoos schließen zu wollen, in 10 Jahren sollen auch in den letzten beiden Zoos die Käfige abgeschafft werden. Aufsehen erregte der Tukan, der einen neuen Schnabel aus dem 3-D-Drucker erhalten soll.

Vielen Bewohnern an den Küsten droht inzwischen die Vertreibung: ca. 50.000 Einwohner von Fischerdörfern wohnen weniger als 200 Meter vom Strand entfernt – was laut bestehendem Umweltgesetz seit 30 Jahren verboten ist. Dass nun das Umweltministerium durchgreifen will, hat wohl auch seine Gründe in den begehrten Grundstücken für finanzkräftige ausländische Tourismusinvestoren. Das sind wohl auch die Hintergründe für die Planungen, den Nationalpark Las Baulas zum Wildtierrefugium zu degradieren und seine Grenzen zu verschieben. Mitte 2011 sollen die ersten Häuser in Garabito zerstört worden sein. Auch der Klimawandel verstärkt die Probleme beim Küsten- und Meeresschutz. So sind auch in Costa Rica die Korallenriffe in Gefahr.

Costa Rica hat wichtige internationale Abkommen unterzeichnet, so z.B. über Biodiversität und Klimawandel, das Kyoto-Protokoll oder über die Desertifikationsbekämpfung.

Im März 2010 nominierte es als zweites Land die Klimaexpertin Christiana Figuerez als Anwärterin für die Nachfolge des UN-Klimachefpostens. Die "Expertin für Kompromisse" hatte Anfang Juli 2010 ihr Amt in Bonn angetreten und wird als Herz der Klimakonferenz bezeichnet. Ihren großen Auftritt hatte sie sicherlich auf dem UN-Klimagipfel in Paris Ende 2015. Nach 6-jähriger Leitung hat sie die Mission 2020 mitbegründet und muss so wieder als Politikerin nicht mehr ganz so diplomatisch sein. Während des Klimagipfels 2017 in Bonn hat sich Costa Rica der Initiative zum Verzicht auf Kohleenergie angeschlossen.

Aber Umweltschutz kann in Costa Rica aber auch ein Kündigungsgrund sein: die Kritik der angesehenen Klimaunterhändlerin Monica Araya an dem Bau einer neuen Öl-Raffinerie - für die China einen großzügigen Kredit gegeben hat - hat sie ihren Job gekostet. Das Image, das sich Costa Rica auf internationaler Bühne gibt, hat so auch noch eine andere Seite.

Nationale Symbole

Flagge von Costa Rica - Drawn by User:SKopp, rewritten by User:Gabbe - public domain
Flagge von Costa Rica. Quelle: freie Enzyklopädie Wikimedia, public domain, drawn by User:SKopp, rewritten by User:Gabbe

Die Flagge von Costa Rica geht zurück auf 1848, dem Jahr der Unabhängigkeit von der zentralamerikanischen Konföderation. Vorbild war die Tricolore der Franzosen und die blau-weiß-blaue Flagge der zentralamerikanischen Föderation.

Wappen von Costa Rica - Dieses Bild stammt aus der freien Enzyklopädie Wikimedia und gilt als public domain - original from xrmap flag collection 2.9, HansenBCN.
Wappen von Costa Rica. Quelle: freie Enzyklopädie Wikimedia, public domain, original from xrmap flag collection 2.9, HansenBCN

Das Wappen von Costa Rica blickt vom Pazifik über das Land, mit seinen wichtigen Vulkanen, zur aufgehenden Sonne über der Karibik. Die sieben Sterne symbolisieren die sieben Provinzen des Landes. Der Schriftzug America Central am oberen Rand deutet auf die langen historischen Beziehungen und den wachsenden zentralamerikanischen Integrationsprozess.

Den Text der Nationalhymne können sie auf Spanisch und Deutsch nachlesen und mit einem geeigneten Programm auch hören.

Ein Rezept verrät, wie man die typischen tamales oder das Nationalgericht "Gallo Pinto" herstellt.

Nationalbaum Costa Ricas. Foto: © Stefanie Eißing
Der Nationalbaum Costa Ricas (Arbol de Guanacaste) wird wegen seiner Fruchtform auch Ohrenbaum genannt und wächst vor allem in den Trockensavannen der Provinz Guanacaste. Foto © Stefanie Eißing
Traditionller Ochsenkarren. Foto: © Stefanie Eißing
Mit den carretas, den traditionellen Ochsenkarren, wurde früher der Kaffee vom Hochland zum pazifischen Hafen in Puntarenas gebracht. 2005 hat die UNESCO sie in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen. Foto © Stefanie Eißing

Das Länderinformationsportal

Das Länderinformationsportal
Das Länderinformationsportal

Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im September 2018 aktualisiert.

Autorin

© Stefanie Eißing

Stefanie Eißing

Dipl. Biologin

Freiberuflerin - Consultant für Bildung, Naturschutz & Entwicklung

Langjährige Erfahrungen in den Bereichen Bildung für nachhaltige Entwicklung, Umsetzung der Biodiversitätskonvention und Schutzgebietsmanagement in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Regionaler Schwerpunkt Lateinamerika, darunter mehrere Jahre in Costa Rica. Seit 2002 Landestrainerin für Costa Rica sowie seit 2005 als Redakteurin für das Länderinformationsportal.

Literaturhinweise

Die Mediathek der GIZ bietet viele Informationen und eine umfangreiche Literaturdatenbank zu Entwicklungszusammenarbeit, Entwicklungsländern und Globaler Strukturpolitik:

Trainingsangebote der Akademie

Die Akademie der GIZ ist der führende Weiterbildungsanbieter für die internationale Kompetenzentwicklung. Wir stehen für innovative, wirksame und nachhaltige Lösungen.

> Angebote aus dem Weiterbildungskatalog

Gerne konzipieren wir für Sie maßgeschneiderte Trainingskurse, die sich an Ihren individuellen Bedürfnissen und Interessen orientieren.

> Wir freuen uns über Ihre Anfragen!

Kontakt

Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Kommentare zu diesem Länderbeitrag oder zum LIPortal insgesamt. Richten Sie Ihre Anfrage an:

Thorsten Hölzer
(Akademie für Internationale Zusammenarbeit)

+49 (0)228 4460 2036

Zum Kontaktformular