Sägewerk - Foto: © Stefanie Eißing
Bruttoinlandsprodukt (BIP)
60,1 Mrd. US$ (2018)
Pro Kopf Einkommen (BIP / Kopf)
12.017 US$ (2018)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 63 (von 189) (2017)
Anteil Armut (nat. Armutsgrenze)
20% (2018)
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
48,5 (2016)
Wirtschaftlicher Transformationsindex (BTI)
Rang 16 (von 129) (2016)

Bis Anfang der 1930er Jahre erwirtschafteten Kaffee und Bananen 90% der Deviseneinnahmen. Zwar ist Costa Rica immer noch stark landwirtschaftlich geprägt, aber der Anteil an Industrie- und Elektronikprodukten (Mikrochips, integrierte Schaltkreise, Textilien, medizinische und pharmazeutische Produkte, Lebensmittelverarbeitung und Plastikprodukte) hat stark zugenommen. Anfang der 1990er Jahre begann die wirtschaftliche Öffnung des Landes mit den ersten Freihandelsabkommen - die Folgen der Modernisierung sind aber nicht nur positiv. Insgesamt hat Costa Rica eine der wettbewerbsfähigsten Ökonomien in Lateinamerika.

Tourismus

Volkan Poás mit Besucherterrasse - Foto © Stefanie Eißing
Tourismus - wie hier am Vulkan Poás - ist inzwischen der Devisenbringer Nummer eins des Landes. Foto © Stefanie Eißing

Schon 2010 kamen über 2 Mio. Touristen ins Land, 2013 waren es 2,42 Mio. und 2016 dann knapp 3 Mio. (davon knapp 70.000 aus Deutschland). Wie auch in gesamt Mittelamerika ist die Tendenz weiterhin steigend. Um diesem Anstieg auch in Zukunft begegnen zu können, wird bis 2027 ein neuer internationaler Flughafen gebaut.

Der touristische Sektor beschäftigt direkt und indirekt ca. 550.000 ArbeiterInnen - die Arbeitsbedingungen sind dabei nicht immer die besten. Der Umsatz liegt bei ca. 2,1 Mrd. US-$ (2010) bzw. rund 8% des BIP. Auch weiterhin wird mit steigenden Investitionen in diesen Bereich gerechnet. Costa Rica liegt auch im weltweiten Tourismus immer wieder gut im Rennen. Immer mehr Touristen verbringen oft auch Zeit als freiwillige Helfer in Schutzgebieten und -projekten. Dieser Voluntoursimus (die Kombination von Urlaub und Freiwilligenarbeit) ist inzwischen ein riesiger Markt, wodurch aber nicht immer nur positive Effekte erzielt werden. Auch ob alles immer Ökotourismus ist, was als solches verkauft wird, darf angezweifelt werden - "Etikettenschwindel" kommt auch hier vor. Die Stimmen, dass sich der Tourismus - auch der Ökotourismus - nachteilig auswirken kann, werden immer lauter. Gegen diesen schädlichen Boom stemmen sich manche lokale Initiativen. Ein Gemeindetourismus als Entwicklungsalternative wird z.B. durch den eed gefördert. Die costa-ricanische Vereinigung für ländlichen Gemeinde-Tourismus ACTUAR hat 2014 den internationalen Wettbewerb für sozialverantwortlichen Tourismus - TO DO! gemeinsam mit zwei weiteren Projekten gewonnen. Tourismus in indigene Dörfer oder Kunsthandwerksgeschäfte gibt es mittlerweile auch im Programm.
Im November 2008 wurde eine neue Steuer von 15 US-$ auf Flugtickets erhoben. Mit den Einnahmen sollen noch mehr Touristen angelockt werden. Die costa-ricanische Fluggesellschaft Nature Air kompensiert seit 2004 all ihre CO2-Emissionen. Auch der Medizintourismus spielt eine Rolle und soll noch weiter ausgebaut werden. 2013 wurde ein neues Logo eingeführt, um mit dem neuen Markenauftritt die Wirtschaft weiter anzukurbeln. Diese Ländermarke "essential Costa Rica" soll dabei auf das Wesentliche fokussieren: Naturschutz, Demokratie und Freundlichkeit.

Landwirtschaft

Zentralmarkt - Foto © Stefanie Eißing
Das Angebot von im Land produziertem Obst und Gemüse ist, wie hier im Zentralmarkt, sehr vielfältig. Foto © Stefanie Eißing

Landwirtschaftliche Produkte, der generell exportorientierten Marktwirtschaft, sind für die Beschäftigung und den Export immer noch sehr wichtig. Eine Diversifizierung der Produktpalette konnte in den letzten Jahren auch im landwirtschaftlichen Bereich erzielt werden. Neben Kaffee (Rohkaffee: 2,7% der Exporteinnahmen in 2018) und Bananen (9,1%), kommen vor allem Ananas (mit 8,9% an dritter Stelle der Exporteinnahmen) sowie Palmöl, Melonen und Blumen hinzu. Schwierigkeiten bei der Produktion bereiten auch hier starke Regenfälle und Überflutungen sowie beim Export die durch Erdrutsche blockierten Straßen.

Gentechnisch verändertes Saatgut
Die Artikel über das Paradies für Agrarmulties bzw. fehlende Überwachung als Standortvorteil setzen sich kritisch mit der Produktion und Anwendung von gentechnisch manipuliertem Saatgut in Costa Rica auseinander. Der Nutzen von transgenem Saatgut, der in Costa Rica nur für den Export angebaut wird (Baumwolle, Soja), wird inzwischen im Land selbst kontrovers diskutiert. Die Genehmigung für Monsanto zur Aussaat von Genmais auf zwei Hektar wurde durch eine Verfassungsbeschwerde erst einmal auf Eis gelegt. Für Monsanto gab es im Ende 2014 allerdings einen Rückschlag: das Gentechnik-Zulassungsverfahren wurde für verfassungswidrig erklärt. Nun will Costa Rica ein 15-jähriges Moratorium per Gesetz erwirken, um Gen-Nahrungsanbau auszuschließen. Die USA üben scharfe Kritik.

Industrielle Landwirtschaft
Wie in den anderen lateinamerikanischen Staaten auch, setzen immer mehr Agrarbetriebe auf Monokulturen, Kritik und Folgen bleiben nicht aus.
Der Einsatz von Herbiziden ist ein großes Problem. Auch die immer mehr auf hiesigen Märkten auftauchenden Ananas sind stark belastet. Unter der bitteren Seite der Ananas haben vor allem die Arbeiter und Arbeiterinnen zu leiden. Die Arbeitsrechte und Schikanierungen von Gewerkschaftsmitgliedern sind auch hier immer wieder Thema. Oft verseuchen auch Pestizide das Trinkwasser. Nach Vorfällen mit verschmutztem Wasser hat die Regierung im August 2017 eine Nachhaltigkeits-Initiative für die Ananas-Produktion beschlossen. Die Zustände auf den Plantagen sind oft "gruselig", wie in einer ausführlichen Studie von Oxfam festgestellt wurde - und auch ein Jahr danach müssen sie immer noch ein gewissenloses Handeln beklagen. Der zunehmende Ananasexport hat den Handel mit Bananen bereits überholt. Der chinesische Marktzugang für frische Ananas, der Anfang 2017 genehmigt wurde, könnte die Anbauplantagen von knapp 40.000 ha noch erweitern und die Vormachtstellung des weltweit größten Ananasexporteurs noch ausbauen. Die Erzeuger denken inzwischen auch über eine Zertifizierung des Ursprungsortes nach. Der Kampf um die Monopolisierung des Anbaus macht auch vor Costa Rica nicht halt. Die Auswirkungen des Südfrüchteanbaus sind auch Thema eines Interviews mit rdl Redakteur Fabian. Die industrielle Landwirtschaft enteignet dabei oft Kleinbauern und zerstört die Umwelt. Costa Rica ist weltweit Spitzenreiter im Einsatz von Pestiziden - dieser enorme Einsatz steht oft im Widerspruch zum grünen Image des Landes.

Biologische Landwirtschaft
Gleichzeitig wächst aber auch die Anbaufläche von nachhaltig produzierten landwirtschaftlichen Produkten, vor allem Kaffee und Kakao, aber auch Bananen, wie z.B. von der Platanera Río Sixaola. Alternative Landwirtschaft sucht sich dabei vor allem Nischen. Auch beim Ananasanbau scheint es einzelne Verbesserungen zu geben. Auch fair gehandelte Ananas und aus ökologischem Anbau gibt es inzwischen. Mit Unterstützung u.a. von UNDP wurde die Initiative Verantwortungsbewusste Ananas gestartet. Aber allein die Ausweitung der Anbauflächen für Ananas ist enorm und problematisch.

Ebenso gibt es die ersten Bio-Garnelen mit EU- und Naturland-Prüfsiegel. Für die "Shrimps aus glücklicher Haltung" steigt der Markt langsam, aber kontinuierlich - und bringt verlässliche Einnahmen für die Produzenten.


Die Landwirtschaft ist für den Arbeitsmarkt zwar immer noch von Bedeutung, aber die Tendenz ist rückläufig: hier sind noch 11,5% der Arbeitnehmer beschäftigt.

High-Tech-Produktion und Freihandelszonen

Auf Grund der politischen Stabilität und einem hohen Bildungsstandard sind die Auslandsinvestitionen sehr hoch. Seit 1998 produziert Intel Mikrochips in Costa Rica und erzielte in seiner Spitze 2000 über 27% aller Exporterlöse (der Artikel Riese im Zwergenstaat fasst diese Entwicklungen zusammen). 2009 bestritt Intel 23% der Exporte und expandierte weiter in Costa Rica. Im Frühjahr 2014 entschied das Unternehmen, das Werk für die Montage und Tests in Costa Rica zu schließen. Dies stellte für Costa Rica einen herben Schlag dar, der sicherlich zu Einbußen bei den Ausfuhren und dem Bruttoinlandsprodukt führen wird.

Laut CINDE steht Costa Rica inzwischen weltweit, nach den Philippinen, Malaysia und Singapur auf dem vierten Platz der High-Tech Exporteure. Diese Produkte machten laut CINDE 2008 ca. 45% aller costa-ricanischen Exporte aus. Viele ausländische Firmen, insbesondere aus den USA, lassen sich in den Freihandelszonen nieder. Die Direktinvestitionen hatten 2015 mit einem Wert von 3.096,1 Mio. US$ einen Höhepunkt erreicht. Aus den USA kamen dabei in 2010 schon fast 70%.

Mit der Eröffnung des Nationalen Zentrums für Biotechnologie in 2009 konnte Costa Rica seine Standortvorteile für Biotechnologie weiter erhöhen.

Eine Übersicht über die Situation in den maquilas der Freihandelszonen gibt die zentralamerikanische NGO ASEPROLA. Eine Übersicht über die Arbeiterrechte in Zentralamerika bietet der Artikel "Amerika und seine neuen Sklaven".

Wirtschaftliche Eckdaten

Wirtschaftssektoren

Anteil am BIP
1950
Anteil am BIP
2017 (est.)
Anteil der Beschäftigten
2006 (est.)
Landwirtschaft 40,9% 5,5% 14%
Industrie 13,4% 20,6% 22%
Dienstleistungen 45,7% 74,9% 64%

Anteil am Exporterlös

1995 2018
traditionelle Produkte 35,8% 12,4%
nicht-traditionelle Produkte 64,2% 87,6%

Der Export von traditionellen Produkten (Kaffee, Bananen, Zucker, Rindfleisch) fällt kontinuierlich. 2018 betrug er nur noch gut 12%, 1995 lag der Anteil noch bei fast 36% aller Exporte.  

Wirtschaftsleistung

  • BIP: 60,1 Mrd. US$ (2018)
  • BIP pro Kopf: 12.017 US$ (2018)
  • Wirtschaftswachstum: 3,4% (2018)
  • Inflationsrate: 1,6 (2017 est.)

Beschäftigung und Arbeitslosigkeit

  • offene Arbeitslosigkeit: 9,1% (2017)
  • Jugendarbeitslosigkeit (15-24jährige): 25% (2015 est.)
  • Unterbeschäftigung: 7,8% (2009)

Verschuldung

  • Auslandsverschuldung: 26,9 Mio. US $ (2017 est.)
  • öffentliche Schulden: 48,9% des BIP (2017 est.)
  • Schuldendienst: 6,2% des BIP (2013)
  • Haushaltsdefizit: -6,1% des BIP (2017 est.)

Außenhandel

  • Handelsbilanz: -5,3 Mio. US$ (2018)
  • Export von landwirtschaftlichen Produkten: 41,4% aller Exporte (2018)
  • Export von Industrieprodukten: 58,6% aller Exporte (2018)
  • Exportwachstum: +12,8% (2005); -6% (2009), 6,3% (2018)

Handelspartner sind dabei vor allem die USA: 2018 gingen über 40% aller Exporte dorthin (2000 waren es noch fast 55%), gefolgt von den mittelamerikanischen Staaten (inkl. Panama) mit insgesamt 21,4%, der Europäischen Union mit 20,7% (davon entfallen auf Deutschland 1,1%). Der größte Teil der Exporte waren 2018 mit 28% Medizinprodukte, Bananen (9,1%) sowie mit knapp 9% Ananas. Auch bei den Importen sind die USA die wichtigsten Handelspartner mit gut 39% aller Importe in 2018 vor China (13,7%%) und Mexiko (7%). Aus Deutschland kommen 2,5% der Importe. Importiert werden vor allem Öl und PKWs. Das Außenhandelsministerium bietet aktuelle Zahlen.

Ende Februar 2019 wurde der neue Tiefsee-Containerhafen in Moín eröffnet. Costa Rica erhofft sich dadurch starke wirtschaftliche Impulse und eine erhöhte Wettbewerbsfähigkeit.

Die offizielle Wirtschaftsförderungsgesellschaft von Costa Rica (PROCOMER) hat in vielen Ländern der Welt, so auch in Deutschland, ein Auslandsbüro. Sie veranstalteten zum Beispiel im Januar 2010 einen "Wirtschaftstag in Stuttgart zum Thema erneuerbare Energien und Umwelttechnologie“. Im Oktober bereisten sie mit einer Delegation von Pharmaunternehmen Süd-Deutschland. Im aktuellen Doing Business Report der Weltbank liegt Costa Rica auf Platz 67 (von 190).

Die OECD hat beschlossen, den Beitrittsprozess von vier neuen Ländern, darunter Costa Rica, aufzunehmen.

Costa Rica - das als einer von vier Staaten auf der schwarzen Liste für Steueroasen der OECD stand - hat sich verpflichtet, die internationalen Standards einzuhalten. Die Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 hat auch Costa Rica hart getroffen. Die Länder Lateinamerikas machen die USA für die Krise verantwortlich, die internationalen Investoren kehren Lateinamerika den Rücken. In 2006 wuchs die Wirtschaft noch um über 8%, in 2009 schrumpfte sie um 1,3%. Die Regierung erhöhte daraufhin ihre Investitionen im sozialen und arbeitsintensiven Infrastrukturbereich. In 2010 und auch 2016 wuchs die Wirtschaft wieder um über 4%.

Übersichten über wirtschaftliche Daten und Entwicklungen finden Sie z.B. bei der costa-ricanischen Bank BCCR (mit detaillierten ökonomischen Indikatoren für jeden Monat), dem deutschen Auswärtigen Amt, den Human Development Reports der UNDP, der interamerikanischen Entwicklungsbank IDB, der Weltbank oder im CIA Factbook. Der Lateinamerika Verein bietet Informationen für deutsche Unternehmen mit Interessen in Lateinamerika. Die German Trade and Invest (GTAI) bietet aktuelle Informationen im Bereich Wirtschaft, so auch die Wirtschaftsdaten kompakt.

Costa Rica und Lateinamerika insgesamt gelten als eine Region im Aufbruch, wie auf dem World Economic Forum 2013 in Lima diskutiert wurde.

Sozioökonomie

Die Schere der internen Ungleichverteilung wird größer. So lag der Gini-Koeffizient, der ein Maß für die personelle Einkommensverteilung eines Landes ist, 2016 bei 48,5.

Die Verfassung garantiert jedem Arbeiter und jeder Arbeiterin einen Mindestlohn, der immer wieder den aktuellen Entwicklungen angepasst wird und über den das Arbeitsministerium in aktuellen Listen regelmäßig informiert. So liegt er z.B. für 2019 für nicht qualifizierte ArbeiterInnen bei 9.822 CRC (ca. 15 €) pro Arbeitstag und für einen diplomierten Hochschulabsolventen bei 663.722 CRC (ca. 1.003 €) monatlich.

Costa Rica ist ein beliebtes Zielland für Arbeitsmigranten, insbesondere aus Nicaragua (45% der nicaraguanischen Migranten leben in Costa Rica, 40% in den USA). Aber auch ca. 49.000 costa-ricanische Familien erhalten Zahlungen von im Ausland lebenden Verwandten. Im dritten Trimester 2008 waren es auf Grund der Wirtschaftskrise allerdings schon 13% weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Ebenso gingen die Zahlungen von in Costa Rica lebenden Ausländern an ihre Familien zurück. Die Ökonomie dieser Remesas offenbart durch die Wirtschaftskrise ihre Schwächen.

Ökonomie und Ökologie

Das Naturparadies Costa Rica lebt schon jetzt über seinen Verhältnissen: Der ökologische Fußabdruck als Maß für die Nachhaltigkeit, vergleicht den Verbrauch der verwendeten Güter & Rohstoffe (als Fläche dargestellt) mit der Kapazität des jeweiligen Landes diese bereitzustellen. Costa Ricas brauchte 2011 schon 2,2ha/Person (Weltdurchschnitt: 2,6ha/Person), während es aber nur 1,5ha/Person selber produzieren kann (Weltdurchschnitt: 1,7ha/Person).

Gleichzeitig hat sich das Land ehrgeizige Ziele gesetzt: es möchte bis 2021 CO2-neutral und so Vorreiter und Vorbild sein. Dafür soll auch ein Energy-Efficiency-Center der Universität von Costa Rica im Zentraltal aufgebaut werden. Lokale Lösungen durch Solarzellen oder Biogasanlagen sollen beispielsweise helfen, den Strom sauberer zu machen. Aufforstung und Artenschutz spielen eine große Rolle.

Schwierig ist immer noch das Thema Verkehr, der für 60% der CO2-Emmissionen verantwortlich ist. Im September 2017 hat ein großer Carsharing Anbieter seine Expansion nach Costa Rica bekannt gegeben. Nun möchte die Regierung mehr Menschen auf das Fahrrad bringen, um dem selbstgesteckten Klimazielen näher zu kommen.

 

Anfang 2019 hat die Regierung einen nationalen Plan zum Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen bis 2050 vorgelegt. Als Zwischenschritt ist z.B. geplant bis 2035 70% der Busse und Taxen auf Strom umgestellt zu haben.

Die internationale Fridays for Future Bewegung hat auch in Costa Rica Spuren hinterlassen, denn obwohl viel für eine nachhaltige Entwicklung getan wird, wird das Land doch die Folgen des Klimawandels zu spüren bekommen.

Mitte 2017 verkündete Costa Rica, dass es bis 2021 frei von Einwegplastik sein will. Damit wäre es nach der Stadt Neu Delhi das erste Land ohne Plastiktüten, Coffee-To-Go-Deckel oder Einwegflaschen. Der neue Präsident Carlos Alvarado verbot im Juni 2018 den Gebrauch von Einwegplastik in öffentlichen Einrichtungen des Erziehungs- und Gesundheitssystems sowie der Gefängnisse. Anfang 2019 hat Costa Rica, neben sieben weiteren Ländern der Karibik und Mittelamerikas, Herstellung und Import von Einwegplastik verboten.

Bisher werden ca. 80% der Energieversorgung durch eigene Wasserkraftwerke bestritten. 2016 wurde das Wasserkraftwerk Reventazón eingeweiht - das größte in Mittelamerika. Unumstritten sind diese Großprojekte allerdings nicht, denn die Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung und die Ökosysteme können groß sein. Mangels eigener Rohstoffe muss z.B. Öl vollständig importiert werden. Aber auch die Windenergie wird immer wichtiger. 2009 wurde der große Windpark "Planta Eólica Guanacaste" der Juwi-Gruppe eingeweiht. Im März 2009 wurde ein Gesetz verabschiedet, wonach nun auch Privatunternehmen die Gewässer für die Gewinnung von elektrischer Energie nutzen dürfen. Um die Flussökologie nicht weiter zu belasten, hat der Präsident 2015 die Entwicklung von größeren Wasserkraftwerken an zwei Flüssen verboten.

Erneuerbare Energien haben in Lateinamerika ein großes Potential - Costa Rica nimmt hier eine Vorreiterrolle ein. In 2015 konnten ca. 99% des Strombedarfs aus erneuerbaren Energien gewonnen werden. Auch ein neues Geothermie-Kraftwerk wird gebaut. Mit Bolivien hat Costa Rica 2015 einen Kooperationsvertrag zum Bau eines Geothermiefeldes in den Anden geschlossen. Bislang wird schon fast der gesamte Strom aus regenerativen Energien bereitgestellt – bis zum Jahr 2021 sollen es 100% sein. Der neuen Präsident Alvarado will diesen Weg noch forcieren und bis 2021 das Land dekarbonisieren

Noch gibt es allerdings viele Unstimmigkeiten bei der Energieumstellung. Denn z.B. der Verkehr fußt noch fast ganz auf Benzin. Das Buch „Erneuerbare Energien in Lateinamerika am Beispiel Costa Ricas“ gibt detaillierte Einblicke in das Thema. Aber auch neue Öl-Stromkraftwerke sind nach wie vor in Bau bzw. Planung, so wie das neue Dieselkraftwerk von MAN in Garabito, das von der KfW mitfinanziert wird. Die deutsch - costa-ricanische Industrie- und Handelskammer bietet viele Informationen. Ebenso finden auch deutsch - costa-ricanische Wirtschaftstage zum Thema Erneuerbare Energien & Umwelttechnik statt. Beim Bau von "El Diquís", dem größten Wasserkraftwerk in Zentralamerika, musste die staatliche Elektrizitätsgesellschaft ICE nun einen Rückschlag in Kauf nehmen: Der UN-Sonderberichterstatter fand klare Worte für die Besetzung von indigenem Territorium. 

Freihandelsabkommen

CAFTA, die mittelamerikanische Freihandelszone
Nach dem Vorbild des nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA (North American Free Trade Agreement) zwischen Kanada, USA und Mexiko wurde in den letzten Jahren das zentralamerikanische Freihandelsabkommen CAFTA (Central American Free Trade Agreement) zwischen den USA, den Staaten Mittelamerikas und der Dominikanischen Republik verhandelt. Der Vertrag ist seit Anfang 2004 ausgehandelt. Offiziell hätte das Abkommen spätestens bis zum 1. März 2008 durch das costa-ricanische Parlament ratifiziert werden müssen, es fehlte aber an der Umsetzung einiger Gesetze und die Regierung konnte so den Zeitplan nicht einhalten. Das Verfassungsgericht hatte im September 2008 die Umsetzung auf Grund von Formfehlern gestoppt, so dass der Termin für das Inkrafttreten erneut verschoben werden musste. Zum 1. Januar 2009 trat der Vertrag dann auch für Costa Rica in Kraft. Die offizielle Homepage des CAFTA in Costa Rica befindet sich beim Außenhandelsministerium.

Am 7. Oktober 2007 fand das erste Referendum in der Geschichte Costa Ricas statt: eine knappe Mehrheit von 51,6% der Bevölkerung hat sich für das Wirtschaftsabkommen entschieden (bei einer Wahlbeteiligung von 60%). Ein paar Pressestimmen: Costa Rica sagt "Si" zur Freihandelszone mit den USA und: Ja zur Freihandelszone. Kurz vor dem Referendum weitete sich der Skandal über die Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch die Regierung stark aus.

Schwerpunkte des Abkommens sind Investitionsschutz, freier Verkehr von Waren und Kapital, Homogenisierung von Normen, Gesetzen und Import/Export, Beschaffungswesen und Eigentumsrechte. In dem Abkommen ist die Aufhebung der costa-ricanischen staatlichen Monopole im Bereich der Versicherungen und Telekommunikation vorgesehen - auch um hier die privaten ausländischen Direktinvestitionen zu ermöglichen und zu fördern. Dies bot in den letzten Jahren immer wieder Anlass für Proteste und Streiks im ganzen Land, war wichtiges Wahlkampfthema 2006 und mobilisierte viele Menschen im Vorfeld des Referendums. Eine reibungslose Umsetzung des Abkommens wird sicherlich noch einiges dauern, wie der Streit zwischen Costa Rica und der Dominikanischen Republik beispielhaft zeigt. Dieser Disput, in den sich weitere Länder eingeschaltet hatten, wurde von der Welthandelsorganisation beigelegt: die Dominikanische Republik wurde dazu verpflichtet, ihre umstrittenen "Schutzzölle" dem Abkommen anzupassen.

Die Verhandlungen für eine (Gesamt)Amerikanische Freihandleszone ALCA sind derweilen ins Stocken geraten.

Die 2007 begonnenen Verhandlungen über ein Assoziierungsabkommen zwischen den Zentralamerikanischen Staaten und der Europäischen Union waren nach dem Ausstieg Nicaraguas vorerst stillgelegt. Im Mai 2010 wurde das Assoziierungsabkommen dann von beiden Regionen unterzeichnet, die Konrad-Adenauer-Stiftung berichtet über den Ablauf der Verhandlungen. Auch Panama, das zuerst nur Beobachterstatus hatte, ist nun Mitglied dieses Abkommens. Im Juni 2013 hat der deutsche Bundesrat mit knapper Mehrheit das umstrittene Abkommen gebilligt. Am 1. Oktober 2013 trat der Handelsteil des Assoziierungsabkommens mit Costa Rica in Kraft. Viele soziale Bewegungen in Süd- und Mittelamerika sehen das "Freihandelsangebot" der EU jedoch kritisch und befürchten eine Vertiefung der sozialen Spaltung. Die Bananeneinfuhrzölle in die EU sollen demnach schrittweise gesenkt werden - das wird wohl vor allem den Bananenmultis zu Gute kommen. Ob das Assoziierungsabkommen seinem Anspruch, mehr als ein Freihandelsabkommen zu sein, gerecht wird, muss sich erst in der Praxis zeigen - aber kritische Stimmen gibt es durchaus. Der salvadorianische Ökonom Raúl Moreno spricht in einem Interview über das Gerangel um Ressourcen. Insgesamt entwickelt sich die Partnerschaft zwischen EU und Lateinamerika mehr hin zu Handelsbeziehungen auf gleicher Augenhöhe.

Mit den EFTA-Staaten Schweiz, Island, Norwegen und Lichtenstein wurde im Juni 2013 ein Freihandelsabkommen unterzeichnet. Die Schweiz hat es dann ihrem Parlament übergeben, wo es 2014 im Schweizer Nationalrat und anschließend im Ständerat für Costa Rica und Panama Zustimmung fand. Inzwischen ist auch mit Guatemala das Beitrittsabkommen unterzeichnet, Verhandlungen mit weiteren Ländern laufen. Insbesondere über die gesenkten Zollkosten können schweizer Unternehmen profitieren, so soll auch die "Schweizer Schoggi" zollfrei eingeführt werden dürfen.

Verhandlungen über ein Freihandelsgebiet mit China haben Anfang 2009 begonnen, wurden im April 2010 unterzeichnet und 2011 trat das Abkommen schon in Kraft. Viele Unternehmer fürchten jedoch auch Nachteile durch das Abkommen. Während des Besuchs des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping in Costa Rica im Juni 2013 wurden verschiedene Wirtschaftsabkommen zwischen den beiden Ländern unterzeichnet. Die diplomatischen Beziehungen haben sich in kürzester Zeit sehr positiv entwickelt. Erst nach seinem Besuch in Trinidad, Costa Rica und Mexiko reiste Xi Jinping in die USA. Auch auf dem Treffen in Brasilien mit dem costa-ricanischen Präsidenten Solis betonte Xi die Fortsetzung der guten Kontakte.

Ein Freihandelsabkommen mit Peru soll im Sommer 2012 in Kraft treten können. In 2015 wurde die Visumsfreiheit zwischen Peru und Costa Rica unterzeichnet. Mit Kolumbien wurde im Frühjahr 2013 ein Freihandelsabkommen unterzeichnet, das inzwischen sowohl der kolumbianische Senat genehmigt hat als auch der kolumbianische Kongress. Der Beitrittsprozess zur Pazifik-Allianz (Chile, Peru, Kolumbien, Mexiko) hat begonnen, der Fahrplan bis zum ursprünglich geplanten vollen Eintritt 2015 wurde unterzeichnet, der Aufnahmeprozess läuft noch immer. Voraussetzung für den Eintritt in diese neoliberal ausgerichtete Allianz sind Freihandelsabkommen mit den Mitgliedsstaaten.

Viele gesellschaftliche Gruppierungen sehen durch das Freihandelsabkommen eine Gefahr für die Länder Mittelamerikas, da wohl eher die großen (US-amerikanischen) Firmen profitieren würden und lokale Klein(st)betriebe keine Chance mehr hätten. Sie fürchten z.B. auch um ArbeiterInnenrechte, Umweltschutz und Sozialleistungen, wie z.B. bei der geplanten Hafenprivatisierung. Die Armut könnte sich verstärken und die Rechte der indigenen Bevölkerung weiter untergraben werden. Nach dem nur knapp verlorenen Referendum muss sich die Anti-CAFTA-Bewegung nun neu formieren.
Verschiedenste Gruppen informieren über den Stand des Abkommens und deren mögliche Konsequenzen:

  • Der Encuentro Popular ist ein Zusammenschluss costa-ricanischer Zivilgesellschaften, der sich kritisch mit den Freihandelsabkommen und Großprojekten wie dem Plan Puebla Panama auseinander setzt.
  • In den Web-Blogs Pueblo und No al TLC sind viele Informationen aus Sicht der Gegner des Freihandelsabkommens zusammengestellt.
  • Die Kampagne "Yo Firmo" hat über 100.000 Unterschriften gegen die Unterzeichnung des UPOV (Internationales Übereinkommen zum Schutz von Pflanzenzüchtungen) gesammelt, das im Zuge des Freihandelsabkommens mit den USA unterschrieben werden muss. Gegener fürchten um die Ernährungssicherung im Land. 
  • Die Partei "Frente Amplio", die seit 2006 im Parlament mit einem Abgeordneten vertreten ist, hat einen Web-Blog zum Thema Freihandelsabkommen und parlamentarischer Widerstand gestartet.
  • Ein Artikel der Konrad Adenauer Stiftung über Stand und Perspektiven nach der Unterzeichnung des Freihandelsabkommens.
  • Beim ökumenischen Büro für Frieden und Gerechtigkeit kann eine 64-seitige Broschüre zum Thema Freihandel und Widerstand in Zentralamerika gegen Portokosten bestellt werden.
  • Von den vielen Gewerkschaften und Dachverbänden gibt der Dachverband CMTC, sowie der Dachverband Rerum Novarum ebenfalls Stellungnahmen ab.

Kaffee und Bananen

Kaffeeplantagen - Foto: © Stefanie Eißing
Kaffeeplantagen im Zentraltal von Costa Rica. Foto © Stefanie Eißing

Ende der 1980er Jahre stellte Kaffee das wichtigste Exportprodukt Costa Ricas dar. Obwohl sein Anteil heute weit unter 5% liegt, prägen Kaffeeplantagen noch immer weite Teile des Landes, insbesondere das Zentraltal um die urbanen Zentren. Das nationale Kaffeeinstitut ICAFE bietet ein vielfältiges Angebot an Informationen rund um den Kaffee in Costa Rica. 

Die Kooperative COOCAFE vertritt etwa 3.500 costa-ricanische Kaffeekleinbauern und -bäuerinnen und vermarktet über den Fairen Handel, auch nach Deutschland. Die nachhaltige Kaffeeerzeugung ist in den letzten Jahren enorm gewachsen.

Der Klimawandel, der in vielen Regionen den Kaffeeanbau und damit die Lebensgrundlage vieler Menschen bedroht, könnte in Costa Rica die Bedingungen für den Anbau leicht verbessern. Gleichzeitig ist der Kaffeeanbau ein großer Treibhausgasemmittent. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit berät das Land unter anderem bei einem klimafreundlichen Kaffeeanbau.



Bananenplantagen an der Karibikküste Costa Ricas - Foto: © Stefanie Eißing
Bananenplantagen an der Karibikküste Costa Ricas. Foto © Stefanie Eißing

Ende des 19. Jahrhunderts wurden von Minor Keith entlang der Eisenbahnstrecke die ersten Bananenplantagen angelegt. Anfang der 1990er Jahre wurde diese Frucht noch vor Kaffee zum wichtigsten Exportprodukt. Insbesondere im atlantischen Tiefland sind die Monokulturen prägend, wie hier auf dem Foto die Bananenplantagen an der Karibikküste Costa Ricas.

Etwa 40.000 Menschen sind in der Bananenproduktion beschäftigt. 2011 machte der Export noch 7,4% der gesamten Exporterlöse aus.

Das Foro Emaus in Costa Rica setzt sich stark für die Rechte der ArbeiterInnen und der Umwelt in den Bananenplantagen ein. Dort finden Sie z.B. auch das Buch 'Bananos para el Mundo, y el daño para Costa Rica'. Auch Banafair bietet Hintergrundmaterial rund um die Banane.

Die Rainforest Alliance hat Standards für die Bananenproduktion entwickelt und zertifiziert auch verschiedene Plantagen in Costa Rica. Die Reportage "ein bisschen bio und gar nicht böse" verfolgt den langen Weg den Chiquita dabei bisher zurückgelegt hat. Ob der so genannte nachhaltige Bananenanbau seinen Namen verdient, untersucht der Artikel von Jörn Breiholz. In einer Entwicklungspartnerschaft (PPP) mit der Wirtschaft fördert das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung nachhaltige Anbaupraktiken. In einem Musterprozess erstritten Bananenarbeiter eine Entschädigung von Dole für erlittene Gesundheitsschäden. Inzwischen hat Corbana (Verband der Bananenerzeuger) erklärt, dass die gesamte costa-ricanische Bananenproduktion bis 2012 kohlenstoffneutral sein soll.

Entwicklung und Entwicklungspolitik

Planungsworkshop eines Projektes - Foto: © Stefanie Eißing
Ziele und Inhalte der Zusammenarbeit werden gemeinsam definiert. Foto © Stefanie Eißing

Auch wenn viele Entwicklungen als Erfolgsgeschichte gelten, so hängt die zukünftige Entwicklung doch stark von den großen Herausforderungen ab, die sich vor allem im Bereich der Wettbewerbsfähigkeit, der immer größer werdenden Einkommensschere und der Armutsbekämpfung abzeichnen. Costa Rica gilt nach wie vor als stabiler Staat mit einem positiven Trend in den letzten 10 Jahren. Dennoch ist beispielsweise der Sicherheitsbereich oder auch der Brain Drain deutlich größer geworden. Die jetzige Regierung legt den Schwerpunkt vor allem auf den Bildungsbereich und dort auf die Sekundarstufen, um dort bessere Ergebnisse zu erzielen und somit diesen Herausforderungen entgegentreten zu können.
Auf der makroökonomischen Ebene sind es vor allem die hohe Auslandsverschuldung, die Dollarisierung und die Inflation, die das Wachstum behindern. Notwendige Reformen im Sozialwesen und im Finanzbereich wurden bisher nicht durchgreifend angegangen.

Costa Rica möchte eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz spielen und hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2021 CO2-neutral zu sein. Erreichen möchten sie dieses Ziel u.a. durch die Stilllegung von Kohlekraftwerken, der Förderung von Autos mit Hybrid-Antrieb, den Emissionssenkungen aus Landwirtschaft (so unterstützt beispielsweise die GIZ klimafreundlichere Anbau- und Verarbeitungsmethoden im Kaffeeanbau) und Industrie (so produziert z.B. Bridgestone jetzt Dampf mit Biomasse und reduziert so seinen CO2-Ausstoß) sowie der Wiederbewaldung. "Im Land selbst gilt es, die krassen sozialen Disparitäten zu verringern, um die Effekte des Klimawandels auffangen zu können", so die Analyse von Michael Langer. Im Rahmen der internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) unterstützt die GIZ das costa-ricanische Ministerium für Umwelt und Energie MINAE sowohl auf dem Weg zum Niedrigemissionsland als auch bei der Anpassung der Küsten- und Meeresdiversität an den Klimawandel. Die Deutsche Welle berichtet in ihrem Film "Preserving Costa Rica's coasts" über die Strategie des Projektes. Im Rahmen der internationalen Klimaschutzinitiative wird auch ein Projekt zur Verbesserung der Biotopvernetzung unterstützt. Die beiden Umweltminister Gutiérrez und Hendriks bekräftigen während ihres Treffens im Juni 2017 in Costa Rica ihre Zusammenarbeit für den Klimaschutz.

Neben den staatlichen Institutionen gibt es in Costa Rica eine große Anzahl an Nichtregierungsorganisationen, die sich sowohl im sozialen Bereich als auch für Themen des Umwelt- und Naturschutzes engagieren.

Costa Rica zählt zu den Schwellenländern oder "medium developed countries", weshalb auch nicht mehr viele Geber in diesem Land aktiv sind. Den stärksten Einfluss auf die Wirtschafts- und Entwicklungspolitik haben der IWF, US-AID und die Weltbank.

In Bezug auf die acht Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs) - auf die sich die Weltgemeinschaft angesichts der drängenden Probleme zur Jahrtausendwende verständigt haben - steht Costa Rica relativ gut da. Allerdings muss dies zum einen in Relation zu anderen Ländern und zum anderen in den Landeskontext gesetzt werden. So ist z.B. der Anteil der Bevölkerung, die von weniger als 1 US $ pro Tag Leben müssen von 5,2% 1990 auf 3,3% in 2003 gefallen. Allerdings sind auch die Lebenshaltungskosten in Costa Rica sehr hoch verglichen mit anderen Entwicklungsländern. Unterhalb der nationalen Armutsgrenze lebten 2010 beispielsweise 24,2%. Daten zu den verschiedenen Indikatoren bietet die UN-Seite der MDGs. Die UN Millenniumsziele aus Sicht Costa Ricas werden in dem folgenden Beitrag zusammengestellt. Im September 2010 fand in New York ein weltweites Gipfeltreffen statt, ob die MDGs in den verbleibenden 5 Jahren noch erreicht werden können - auch Lateinamerika wurde dabei unter die Lupe genommen. Víctor Hugo Céspedes und Ronulfo Jiménez analysieren, wie die Politiken die Armutsbekämpfung unterstützt.

Auf Grund seines relativ hohen Entwicklungsstands, im Vergleich zu anderen Ländern der Region, ist Costa Rica häufig kein Schwerpunkt der Entwicklungszusammenarbeit mehr für viele Länder. Allerdings ist es oft durch die vielen überregionalen Vorhaben in Zentralamerika eingebunden. Auch über Katastrophenvorsorge-Maßnahmen, wie z.B. aus dem Programm DIPECHO der EU, wird Costa Rica immer wieder mit einbezogen.

Im Jahr 2009 sind 109,3 Mio. US$ an offizieller staatlicher Entwicklungshilfe (ODA) ins Land geflossen. Dies entsprach 23,8 US$ pro EinwohnerIn. In 2008 wurden 10,5% der Regierungsausgaben für externe und 11,9% für interne Schuldentilgungen aufgebracht.

Neben den guten politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zählt Costa Rica zu den Ländern, die im Rahmen von regionalen oder thematischen Programmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit gefördert werden. Diese regionale Entwicklungspartnerschaft mit Costa Rica liegt im Bereich Wasser und Umwelt. Das Konzept der Bundesregierung für die Zusammenarbeit mit den Ländern Lateinamerikas sowie das Regionalkonzept stehen im Netz zur Verfügung, ebenso das Konzept zur Entwicklungszusammenarbeit mit den indigenen Völkern in Lateinamerika und der Karibik. Welchen Beitrag die deutsche Entwicklungspolitik zur Überwindung der Folgen der Finanzkrise für Lateinamerika leisten kann, analysiert Wolfram Klein.

Ausbildung von heimischem Personal - Foto: © Stefanie Eißing
Aus- und Fortbildungen des heimischen Personals sind wichtige Instrumente in der Entwicklungszusammenarbeit. Foto © Stefanie Eißing
Umweltbildung mit Schulkindern - Foto: © Stefanie Eißing
Bildung für nachhaltige Entwicklung ist zentraler Bestandteil der Entwicklungszusammenarbeit. Foto © Stefanie Eißing

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Costa Rica begann 1965 und lag lange im Bereich des "grünen" Umweltschutzes und der agroforstlichen Entwicklung. Von 2002 an lag der Schwerpunkt der deutschen Kooperation im städtisch-industriellen Umweltschutz (insbesondere Abfallwirtschaft und Abwasserentsorgung), der durch den Bereich der partizipativen ländlichen Entwicklung ergänzt wird. Heute stehen dabei die Bereiche erneuerbare Energien sowie Umwelt- und Klimaschutz und die nachhaltige Wirtschaftsentwicklung im Mittelpunkt. Dabei werden häufig auch deutsche Technologien mit eingebaut. Im Juni 2015 haben die Bundeskanzlerin Angela Merkel und der costa-ricanische Präsident Solís die Zusammenarbeit im Bereich der dualen Ausbildung vereinbart. Die GIZ z.B. arbeitet aber auch direkt im Auftrag der costa-ricanischen Regierung, so z.B. für das Verkehrsministerium zur Rehabilitierung des kantonalen Wegenetzes.

Neben der internationalen Zusammenarbeit durch die GIZ und der finanziellen Zusammenarbeit durch die KfW Entwicklungsbank wird ein Teil der deutschen Entwicklungszusammenarbeit über integriertes Fachpersonal, das im Rahmen des CIM-Programms vermittelt wird, geleistet. Verstärkt werden auch mit Costa Rica Projekte im Rahmen der Public Private Partnership unterstützt, so beispielsweise mit Chiquita, die in der Region zu Panama im San San Pond Sak Gebiet die biologische Vielfalt erhalten wollen. Die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) unterstützt durch die IUCN beispielsweise ein Projekt zur Anpassung an den Klimaschutz am Grenzfluss zwischen Costa Rica und Panama.
Ebenso entsendet Brot für die Welt - Evangelischer Entwicklungsdienst Fachkräfte nach Costa Rica. Das Projekt Fußball für das Leben, dass ebenso unteerstützt wird, soll Jugendlichen in den Armenvierteln von San José neue Perspektiven eröffnen. Es hat insbesondere durch das Eröffnungsspiel Deutschlands gegen Costa Rica während der Fußballweltmeisterschaft im Sommer 2006, neue Aufmerksamkeit bekommen. Eirene hat meist nur indirekt mit Costa Rica zu tun, z.B. über Projekte, die nicaraguanischen MigrantInnen helfen. Im Rahmen der Internationalen Klimainitiative (IKI) des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) haben auch verschiedene Durchführungsorganisationen Zuwendungen für Projekte bekommen.

Die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) unterstützt mit einem langfristigem Darlehen ein mittelständisches Unternehmen in der Lebensmittelproduktion.
Darüber hinaus fördert auch die Deutsche Botschaft in Costa Rica jährlich zahlreiche Kleinprojekte, vor allem sozial schwache Gruppen, Fraueninitiativen und Umweltschutzmaßnahmen. So unterstützte sie beispielsweise 2008 die Samuel-Stiftung, die in Costa Rica mit einem Ausbildungszentrum und Kinderheimen vertreten sind, für ihre Ausbildungstätigkeiten im Bereich KFZ-Mechatronik.
Von den politischen Stiftungen Deutschlands sind sowohl die Friedrich-Ebert-Stiftung, die Konrad-Adenauer-Stiftung, als auch die Friedrich-Naumann-Stiftung im Land vertreten. Die Heinrich-Böll-Stiftung und die Rosa-Luxemburg-Stiftung beziehen Costa Rica über ihre regionalen Projekte mit ein.

Der Deutsche Akademische Austausch Dienst DAAD hat sein Zentralamerika-Büro in Costa Rica. In 2014 konnten durch den DAAD beispielsweise über 100 deutsche Studierende und Wissenschaftler in Costa Rica und über 200 Costa Ricaner und Costa Ricanerinnen in Deutschland studieren, lehren und arbeiten. Das 2014 eröffnete Costa Rica Zentrum der Universität Osnabrück wird auch auf hoher politischer Ebene unterstützt. Im Herbst 2017 hat die Universität eine Niederlassung in San José eröffnet.

Weltwärts, der entwicklungspolitische Freiwilligendienst des BMZ, bietet auch Möglichkeiten für Einsätze in Costa Rica. Der Freiwilligenarbeit aus vielen Ländern in Costa Rica hat regelrecht zu einem, nicht ganz unumstrittenen, "Voluntourismus-Markt" geführt.

Die Universität Wien unterhält inzwischen seit 25 Jahren die Tropenwaldstation "La Gamba" im Esquina-Regenwald, Teil des Nationalparks La Gamba. Die Organisation Vidanueva, die besonders durch ihren "Circo Fantazztico" bekannt wurde, unterstützt vor allem Straßenkinder und versucht meist sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen, eine Chance zu geben.

Landesspezifische Aktivitäten weiterer relevanter Institutionen und Organisationen:

Das Länderinformationsportal

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Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im August 2019 aktualisiert.

Autorin

© Stefanie Eißing

Stefanie Eißing

Dipl. Biologin

Freiberuflerin - Consultant für Bildung, Naturschutz & Entwicklung

Langjährige Erfahrungen in den Bereichen Bildung für nachhaltige Entwicklung, Umsetzung der Biodiversitätskonvention und Schutzgebietsmanagement in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Regionaler Schwerpunkt Lateinamerika, darunter mehrere Jahre in Costa Rica. Seit 2002 Landestrainerin für Costa Rica sowie seit 2005 als Redakteurin für das Länderinformationsportal.

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Die Akademie der GIZ gestaltet Lernangebote für die internationale Zusammenarbeit. Wir führen mehr als 2000 Fort- und Weiterbildungen durch und entwickeln innovative, wirksame und nachhaltige Lernkonzepte. Und das weltweit.

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