Straßenkontrolle in Abidjan, © Issaak Touboui-Kento
Anteil alphabetisierte Erwachsene
43,3% (2015)
Bedeutende Religionen
Islam ca. 35 %, Christentum 22%, andere 18%
Städtische Bevölkerung
51,2 % (2019)
Lebenserwartung
60,1 Jahre (2018)
Gender Inequality Index
Rang 157 von 162 (2018)
Geburtenrate
30,1 Geburten/1000 Einwohner (2018)
Kindersterblichkeit
55,8 pro 1000 Lebendgeburten (2017)

Soziale Struktur

Ethnien der Côte d´Ivoire, © Etienne Ruedin, CC BY 2.5
Ethnien der Côte d´Ivoire, © Etienne Ruedin, CC BY 2.5

Volksgruppen oder Ethnien

Die Elfenbeinküste ist ein Schmelztiegel einer Vielzahl von Ethnien. Die meisten der Ethnien sind Nachkommen ehemaliger Königreiche aus benachbarten westafrikanischen Ländern, vielfach existieren auch Untergruppen. Vor der Kolonisation haben große Migrationen vom Sahelbereich und von den östlichen Königreichen (Ghana) in das Staatsgebiet der heutigen Elfenbeinküste stattgefunden. Viele Völker und Subgruppen ehemaliger Abkömmlinge von Königreichen wehrten sich zunächst standhaft gegen die Kolonisation durch Frankreich. Die Volksgruppen und Ethnien unterscheiden sich vor allem durch ihre Herkunft und ihre heutige Besiedlungskonzentration. Sie haben auch häufig eigene Sprachen.

Von der Vielzahl der unterschiedlichen Volksgruppen sind die Baule oder Baoulé die wichtigste in der Côte d´Ivoire. Sie stellen eigentlich eine Untergruppe der Akan dar, ebenso wie die Agni oder die Abron, die ursprünglich aus Ghana stammten. Geografisch konzentrieren sie sich im zentralen Bereich der Côte d´Ivoire. Ebenfalls bedeutend sind die in den nördlichen Regionen anzutreffenden Senoufo und die Malinke, während die Bissa, die Birifor, die Kulango, die Yakouba (auch Dan gennant), die Bété oder die Ligbi kleinere Volksgruppen sind, die in ihrem Besiedlungsgebiet auch nicht unbedingt den Staatsgrenzen folgen, sondern durchaus auch in mehreren afrikanischen Nachbarstaaten leben. Ganz grob kann man die Ethnien oder Völker in vier Hauptgruppen unterteilen: die Mandé-Gruppe im Nordwesten, die Voltaique-Gruppe im Norden und Nordosten, die Krou im Südwesten und die Akan im Südosten und im östlichen Zentralbereich. Die Voltaique-Gruppen stammten ursprünglich aus Obervolta, dem heutigen Burkina Faso, die Krou aus Liberia und die Mande aus Liberia und Guinea. Die Dioula werden häufig mit den nördlichen Bevölkerungsgruppen gleichgesetzt, obwohl man offiziell daran zweifelt, hier von einer eigenen Volksgruppe sprechen zu können. Vielfach besitzen die Volksgruppen neben einer eigenen Sprache auch noch eine eigenständige Tradition und Kultur. Vor der Kolonisierung hatten die verschiedenen Völker unterschiedliche Lebensweisen, die sie zum Teil bis heute beibehalten haben. Die Akan erbauten lokale Königreiche, während die Krou und die Senoufo kleinere Gemeinschaften bevorzugten.

Neben verschiedenen afrikanischen Ethnien haben sich im Laufe der Kolonisation und danach in Zahl und Herkunft ausländische Arbeitskräfte, Händler und Investoren angesiedelt. Auch wenn sie nur einen geringen Teil an der Gesamtbevölkerung darstellen, verändern europäische und asiatische Einwanderer doch die soziokulturellen gesellschaftlichen Strukturen v.a. in den Städten. Die Côte d´Ivoire ist das wichtigste Einwanderungsland für Arbeitsmigranten in Westafrika. Vor allem aus Burkina Faso, Mali und Ghana stammen die meisten der heute vielfach immer noch in der Landwirtschaft arbeitenden Afrikaner in der Elfenbeinküste, was nicht immer ohne Konflikte bleibt. Neben der Einwanderung in landwirtschaftliche Gebiete kam es in der Elfenbeinküste jahrzehntelang zu einer starken Landflucht in Richtung Abidjan bzw. in andere urbane Zentren. Die Côte d´Ivoire gehört auch heute noch zu den am stärksten urbanisierten Ländern Westafrikas. Doch in den letzten Jahren sind auch entgegengesetzte Tendenzen zu beobachten. Konfliktfrei ist das Zusammenleben der Bevölkerung in der Côte d´Ivoire nie gewesen. Ethnische, kulturelle, aber hauptsächlich religiöse Unterschiede in der Bevölkerung haben auch zu soziopolitischen Konsequenzen geführt wie z.B. die Einführung des Gesetzes der Ivoirité oder einer gesellschaftsspaltenden Regionalpolitik, die wiederum zu zahlreichen Ausgrenzungen und damit zu schweren Konflikten geführt haben. So ist auch das Phänomen der Emigration bzw. der Rückkehr von ehemaligen eingewanderten Afrikaner aus den ivorischen Nachbarstaaten zurück in ihr Heimatland nicht selten.

Akan - traditionelle Gewänder, © Jacquitoz (CC BY-SA 4.0)
Akan - traditionelle Gewänder, © Jacquitoz (CC BY-SA 4.0)
Geschmückte Tänzer im Norden der Côte d´Ivoire (Region Tchologo, Ferkessédougou), © Konan Soleymane
Geschmückte Tänzer im Norden der Côte d´Ivoire (Region Tchologo, Ferkessédougou), © Konan Soleymane

Sprachen

Französisch ist die offizielle Amtssprache der Côte d´Ivoire. Ohne Zweifel mit der historischen Vergangenheit des Landes verbunden, sprechen und lesen jedoch nur ca. 25% der Ivorer Französisch. Das zeigt eine große Vielfalt, Vitalität und Dynamik der lokalen Linguistik einheimischer Sprachen, denn im Norden sprechen viele Einwohner Dioula oder Bambara und in anderen Regionen einen Mix aus verschiedenen ivorischen Dialekten. Zu den geläufigsten Lokalsprachen gehört das Abbey, das Attié, das Baoulé, das Bété, das Dida, das Dioula, das Ebrié, das Gouro, das Gué, das Koulango, das Senoufo, das Yakouba und das Moré. Das Moré ist streng genommen keine ivorische Sprache, wird aber von den burkinischen Einwanderern gesprochen und ist so im Norden sehr häufig zu hören. Dioula und Bambara gehören beide zu den in Mali gesprochenen Mande-Sprachen. Die Anzahl verschiedener Sprachen neben dem Französischen und deren räumliche Verteilung stellt das Land vor Probleme, wenn administrative und politische Strukturen verändert werden sollen.

Ethnische Konflikte erwachsen fast immer auch aus Kommunikationsschwierigkeiten, so auch in der Côte d´Ivoire. Ein Beispiel zeigt Dioula: Dioula bezeichnete ursprünglich die muslimischen Händler, die sich durch ihre Sprache von den nicht-muslimischen und Ackerbau betreibenden Senoufo unterschieden. Während der französischen Kolonialzeit wandelte sich der Begriff jedoch aufgrund von Verständigungsproblemen und so werden heute die im Norden lebenden Ivorer häufig mit dem Begriff Dioula als "Ausländer" bezeichnet. Das hat politische und gesellschaftliche Konsequenzen, die aus linguistischen und soziokulturellen Konflikten entstehen. Viele Ivorer nutzen zwei Sprachen: die lokale Sprache für Privates, unter Freunden und mit der Familie, Französisch für die Kommunikation mit Behörden, im Verwaltungs- und Regierungsbereich und in Schulen. Französisch, das häufig bis heute als "langue ivorienne" (Sprache des Landes Côte d´Ivoire) bezeichnet wurde, behielt man auch nach der Unabhängigkeit als Nationalsprache bei. Zum einen, weil es administrativ schwierig gewesen wäre, einen Staat mit fast sechzig Sprachen zu führen. Zum anderen hatten wohl viele der ivorischen Oberschicht - die meisten hatten in Frankreich studiert und waren nahezu perfekt frankophon - kein Interesse daran, ihren Status aufgrund einer Änderung der Nationalsprache zu verlieren. Einige Linguisten fordern die Zulassung lokaler ivorischer Sprachen auch in Technik und Wissenschaft. Bis heute hält jedoch die Regierung an Französisch als einziger offizieller Amtssprache und damit für alle Bereiche des öffentlichen Lebens fest.

Da Französisch die Sprache der Verwaltung, der Presse, der weiteren Medien, der Literatur und vielfach der Musik ist, werden einheimische Sprachen wie das Baoulé, das Senoufo oder das Dioula nur im täglichen Sprachgebrauch der jeweiligen Ethnien und Regionen verwendet. Viele junge Ivorer benutzen "Nouchi", ein Sprachkonstrukt aus Französisch und verschiedenen ivorischen Sprachen. Nouchi ist ein Ausdruck der Globalisierung in der Côte d´Ivoire und hilft bei der Verständigung besonders unter Jugendlichen. Es wird auch als das "Kreolisch Abidjans" oder "argot" bezeichnet, da es in den ärmeren Kreisen der Wirtschaftsmetropole entstanden ist. Auf jeden Fall kann "nouchi" als eine interessante Sprachentwicklung bezeichnet werden, entstanden durch die kulturell-sprachliche Vielfalt der unterschiedlichen in der Elfenbeinküste heimisch gewordenen Volksgruppen und der momentanen Situation der Jugendlichen hinsichtlich beruflicher und persönlicher Zukunftsaussichten in ihrem Heimatland.

Soziale Klassen/Stadt-Land-Dualismus

78% der Ivorer leben in der Stadt, 22% auf dem Land. Die Bevölkerung konzentriert sich in den zentralen und südlichen Landesteilen aufgrund der günstigen naturräumlichen Ausstattung und der agrarischen sowie darauf aufbauenden industriellen Entwicklung. Wie in vielen weiteren westafrikanischen Staaten, korreliert auch in der Côte d´Ivoire ein städtischer Wohnplatz häufiger mit mehr Wohlstand als ein ländlicher Lebensraum. Abgesehen von der Armut in den Slums um Abidjan existiert in den größeren Städten des Südens eine Mittel- und Oberschicht, die ivorische Elite, die über gute bis sehr gute Gehälter verfügt. Der Mittelschicht kann bei der Wirtschaftsentwicklung und der politischen Stabilität des Landes eine große Bedeutung zugeschrieben werden. Der Norden ist dagegen sehr viel ländlicher und ärmer. Zum einen hat das naturräumliche Gründe: Trocken- und Dornsavanne im Norden lassen keine hohe Exportorientierung der Landwirtschaft zu, dagegen konzentriert sich der lukrative Kaffee- und Kakaoanbau im zentralen Teil und im Süden. So konnten sich hier auch agroindustrielle Betriebe mit einer hohen Produktion ansiedeln, während der Norden auch heute noch hauptsächlich durch kleine Familienbetriebe in Subsistenzwirtschaft gekennzeichnet ist, die kaum den Lebensunterhalt der Familie erwirtschaften können. Doch auch die Urbanisation im Süden des Landes hat Nachteile, vor allem die Infrastruktur kommt mit der Migration tausender Arbeitskräfte nicht zurecht. Hier liegt eine der großen Herausforderungen an die Politik der Côte d´Ivoire für die kommenden Jahre. 

Die Einkommensunterschiede trennen auch Ethnien und zeigen Differenzen in der Religionszugehörigkeit. Während im Norden überwiegend Senoufo und Mandé-Angehörige islamischen Glaubens leben, sind im Zentrum und im Süden eher Baule- und Krou-Gruppen vorherrschend. Einwanderer aus den afrikanischen Nachbarstaaten findet man hauptsächlich auch in den arbeitsintensiven landwirtschaftlichen Betrieben der Kakao- und Kaffeeproduktion.

In Abidjan ist die ethnische und kulturelle Vielfalt größer, die Vermischung intensiver. Die Arbeitslosigkeit ist hauptsächlich unter Jugendlichen hoch und hat komplexe Ursachen: zum einen ist der Arbeitsmarkt in vielen Domänen gesättigt, die soziopolitische Krise hält viele junge Menschen in einer ökonomischen Orientierungslosigkeit und Verbesserungen in der Bildungspolitik haben bisher kaum einen positiven Impakt auf die Beschäftigungsstruktur. Jugendliche Banden, die sogenannten Mikroben, verunsichern seit einiger Zeit die Umgebung von Abidjan. Diese Jugendkriminalität ist ein großes Problem in der Côte d´Ivoire. Das Problem der Straßenkinder ist nicht neu, aber die politische Krise hat die Anzahl von verlassenen Kindern drastisch erhöht, wobei die urbanen Räume besonders betroffen sind. Hier konzentrieren sich auch die Hilfsmaßnahmen.  Außerdem haben Landstreitigkeiten zwischen einheimischen und ausländischen Bürgern, verschärft durch intranationale und internationale Flüchtlinge sowie nur schwache nationale Institutionen, zu Konflikten geführt, die häufig gewaltsam ausgetragen werden.Die Armut der ländlichen Bevölkerung wird durch fehlenden Zugang zu Land bzw. die Bodenrechtsproblematik in der Côte d´Ivoire erschwert, was dann in den meisten Fällen die Frauen trifft. Aber auch Abidjan hat mit Arbeitslosigkeit und neuer Armut zu kämpfen.

Oberschichtfamilie zu Hause, © Konan Soleymane
Oberschichtfamilie zu Hause, © Konan Soleymane
Ärmere Familie auf dem Land in Ngoranko, © jbdodane (CC BY-NC 2.0)
Ärmere Familie auf dem Land in Ngoranko, © jbdodane (CC BY-NC 2.0)

Altersstruktur

Kleines Mädchen in Bouaké, © Zanga Touré
Kleines Mädchen in Bouaké, © Zanga Touré

60% der Bevölkerung der Côte d´Ivoire ist unter 24 Jahre alt, über 65 Jahre werden nur ca. 3%. Der hohe Anteil von jungen Menschen bzw. Kindern ist auch für viele andere afrikanische Staaten typisch. Für die Côte d´Ivoire heißt das, dass der sozioökonomische Sektor durch die Altersstruktur besonders tangiert wird. Konsequenzen ergeben sich für den Bildungsbereich und für die Arbeitsmarktpolitik. Dringend notwendig sind daher Programme der Familienplanung und die bessere Bereitstellung von Verhütungsmitteln für Frauen. Die Jugend ist stark von Arbeitslosigkeit betroffen. Internationale Aufmerksamkeit erlangte die Côte d´Ivoire mit der Tatsache, dass auf den Kakaoplantagen auch viele Kinder als Arbeiter eingesetzt werden. Daraufhin haben sich zahlreiche Organisationen dagegen ausgesprochen und Initiativen gegründet, um die Kinderarbeit in der Elfenbeinküste zu reduzieren. Ältere Menschen in der Côte d´Ivoire werden traditionell sehr respektvoll behandelt. Mit der starken Modernisierung und der Änderung von Familienstrukturen sind ältere Familienmitglieder auch häufiger auf sich gestellt. Meist bleiben auch Eltern auf dem Land, während es die Kinder in die Agglomeration Abidjan zieht - so lässt es sich erklären, dass der größte Teil der älteren Bevölkerung im ländlichen Raum lebt. Der Zugang zu gesundheitlichen Einrichtungen ist für ältere Menschen häufig erschwert.

Dokumentation über ehemalige Kindersoldaten in der Côte d´Ivoire und Straßenkinder in Abidjan (Deutsch, ca. 24 Minuten)

Jugendliche in Bouaké, © Zanga Touré
Jugendliche in Bouaké, © Zanga Touré
Bevölkerungspyramide der Côte d'Ivoire, © CIA World Factbook (Public domain)
Bevölkerungspyramide der Côte d'Ivoire, © CIA World Factbook (Public domain)
Ältere und jüngere Männer auf dem Land, © Zanga Touré
Ältere und jüngere Männer auf dem Land, © Zanga Touré
Kinder in Grand Bassam, © Lassina Coulibaly
Kinder in Grand Bassam, © Lassina Coulibaly
Älterer Mann in Korhogo, Norden der Côte d´Ivoire, © Eva Biele
Älterer Mann in Korhogo, Norden der Côte d´Ivoire, © Eva Biele

Familie und Frauen

Mädchen in Korhogo, © Eva Biele
Mädchen in Korhogo, © Eva Biele

In der Côte d´Ivoire ist das Ministère de la Solidarité, de la Famille, de la Femme et de l´Enfant (MSFFE) für die Belange der Familien auf Regierungsniveau zuständig. Dazu zählen auch Abteilungen zur Bildung und Förderung von Frauen, zum Schutz von Kindern und zur besseren Einbindung von Frauen in die Wirtschaft. Wie in vielen afrikanischen Ländern korreliert eine bessere Stellung der Frauen in Beruf und im privaten Bereich mit städtischem Umfeld, höherer Schulbildung und mit steigendem sozialen Niveau. Gewalt gegen Frauen ist in der Elfenbeinküste weit verbreitet. Ökonomisch und rechtlich problematisch ist die Tatsache, dass Frauen kaum Landrechte haben, also wirtschaftlich auf den Partner oder andere männliche Angehörige angewiesen sind, um wirtschaften zu können. Außerdem haben Frauen noch kein Erbrecht. So ist die rechtliche Gleichstellung von Frauen zwar formal im Gesetz anerkannt, doch sieht die Realität anders aus, wie auch das Ranking der Côte d´Ivoire im Global Gender Gap Index (Rang 136 von 144 Ländern, 2016) zeigt.

Im ländlichen Bereich leben 75% der Frauen unter der Armutsgrenze; nur 15% der industriellen bzw. Handelsunternehmen sind in der Hand von Frauen. Obwohl Frauen über 50% der Wählerschaft darstellen, sind von 29 Ministern zur Zeit nur 5 Frauen und in der Nationalversammlung gibt es einen Frauenanteil von nur 10%. 75% aller Frauen sind Analphabeten, die meisten davon leben im ländlichen Norden der Côte d´Ivoire. Hier muss noch viel getan werden, um den Frauen mehr Bildung und wirtschaftliche Unterstützung zu gewährleisten. 1964 wurde in der Elfenbeinküste die Polygamie verboten. Trotzdem scheint sie vor allem unter den muslimischen Ivorern verbreitet zu sein und seit neuestem wieder an Zustimmung zu gewinnen. Hochzeiten sind teilweise traditionell besetzt, häufig aber auch durch die hohen Ansprüche der Gesellschaft geprägt. So verschulden sich viele Paare bei der Ausrichtung ihrer Hochzeit.

Im städtischen Umfeld, also hauptsächlich in Abidjan, sind die Frauen sehr westlich eingestellt, kämpfen für bessere Rechte, Mitspracherechte in der Politik und Wirtschaft. Viele internationale Organisationen sind in der Unterstützung von Frauen und Mädchen tätig. Es bilden sich aber auch im Land viele Initiativen, Frauen zu helfen, z.B. Kooperativen oder von Frauen gegründete Organisationen, die Frauen hauptsächlich im wirtschaftlichen Bereich unterstützen. Es müssen zudem neue Konzepte der Familienplanung ausgearbeitet werden. Außerdem ist eine Sensibilisierung in der Aufklärung beispielsweise von der Übertragung des HI-Virus, von Hygienemaßnahmen oder Geburtenkontrolle dringend notwendig. Die Verwendung von Verhütungsmitteln ist gering, v.a. in den ländlichen Bereichen. Die Abtreibung ist verboten, wird aber praktiziert. Obwohl seit 1998 offiziell verboten, ist auch heute noch die Beschneidung von Frauen und Mädchen stark verbreitet, v.a. in den ländlichen Bereichen. Im Nordwesten sind offenbar mehr als zwei Drittel aller Frauen beschnitten. Diese schwere Menschenrechtsverletzung hat gesundheitlich erhebliche Konsequenzen. Viele Frauen haben jahrelang Schmerzen, Blutungen und Probleme bei den Geburten. Doch gesellschaftlich ist es immer noch ein Makel für die Frauen, nicht beschnitten zu sein: So lange sich in der Tradition, im Ansehen und damit in der ökonomischen Versorgung von Frauen (nichtbeschnittene Mädchen werden nicht geheiratet) nichts verändert, wird sich auch die Praxis der Mädchen- bzw. Frauenbeschneidung nur schwer eindämmen lassen. So wird auch die Anwendung des Gesetzes von 1998 hier nur wenig ausrichten können. Problematisch ist auch die Verbreitung der Kinderheirat: Ein Drittel der Mädchen und Frauen werden vor ihrem 18. Geburtstag und 10% vor ihrem 15. Geburtstag verheiratet. Insgesamt ist man von einer Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen noch weit entfernt.

Frau im ländlichen Norden der Côte d´Ivoire, © Kouré Coulibaly
Frau im ländlichen Norden der Côte d´Ivoire, © Kouré Coulibaly
Frauen arbeiten in Abidjan, © Zanga Touré
Frauen arbeiten in Abidjan, © Zanga Touré
Hochzeit in Bouaké, © Konan Soleymane
Hochzeit in Bouaké, © Konan Soleymane
Die Familie hat einen hohen kulturellen Stellenwert in der Côte d´Ivoire, © Issaak Touboui-Kento
Die Familie hat einen hohen kulturellen Stellenwert in der Côte d´Ivoire, © Issaak Touboui-Kento

Homosexualität

Die Homosexualität ist entgegen vieler Länder in Ostafrika kein großes Tabu und wird auch nicht bestraft. Aber es gibt auch hier Vorbehalte gegenüber der Homosexualität und es wird, wie in Europa, über Akzeptanz und Gleichstellung heftig diskutiert. In Abidjan bzw. den urbanen westlich geprägten Räumen gehen manche recht locker mit der Thematik um. Viele homosexuelle Einwanderer aus afrikanischen Ländern, in denen Homosexualität meist streng bestraft wird, scheinen Zuflucht in der Elfenbeinküste zu suchen. Die Meinungen gehen häufig aber stark auseinander und Homosexualität wird nur vordergründig akzeptiert; Homosexuelle verbal oder tätlich angegriffen. Manche befürchten einen Moralverlust und die Sexualisierung der Gesellschaft.  

Dokumentation über die Situation der Homosexuellen in der Côte d´Ivoire (Deutsch, ca. 6 Minuten)

Bildung

Schule auf dem Land, © Abobo Lassina
Schule auf dem Land, © Abobo Lassina

Bildungssystem

Das heutige Bildungssystem in der Côte d´Ivoire ist stark an das französische System angelehnt. Es besteht Schulpflicht. Der Aufbau zeigt eine Grundschulbildung von sechs Jahren, eine anschließende Sekundarschule von sieben Jahren (4 jährige sogenannte untere Sekundarschule, 3 jährige sogenannte obere Sekundarschule) und daran anschließend eine tertiäre Ausbildung an einer Universität. Eine Sekundarschulausbildung bekommen nur etwa 20% der Kinder.

Staatliche Schulen sind zwar offiziell kostenfrei, doch vielfach durch Mängel in Infrastruktur und Bildungsniveau der Lehrkräfte gekennzeichnet. Außerdem müssen hier oft Prüfungsgelder bezahlt werden. Daher exisitieren v.a. im Sekundarschulbereich viele Privatschulen, die sehr teuer sind, meist aber eine bessere Ausbildung bieten. Die Schulbildung in der Côte d´Ivoire hat mit Problemen zu kämpfen, die während der Krisenzeiten noch schwerwiegender waren als heute. 2002 und 2011 wurden viele Schulen geschlossen, wenige Kinder besuchten die Schule. Jahrzehntelange Versäumnisse im Ausbau der Infrastruktur und der Bildungspolitik zeigen schwerwiegende Konsequenzen. Obwohl die Regierung fast ein Viertel des Staatsetats für die Bildung ausbibt, geht fast jedes zweite Kind heute nicht zur Schule, die Analphabetenrate liegt trotz aller Anstrengungen der Regierung, den Bildungssektor zu stärken, bei ca. 30% der Jungen und ca. 40% der Mädchen, andere Zahlen sprechen sogar von einer Analphabetenrate von über 50%. Vor allem in den ländlichen Bereichen wird keine flächendeckende Alphabetisierung erreicht. Die Mädchen sind dabei besonders betroffen. Vielfach wird es von den Eltern nicht für nötig befunden, ihre Töchter zur Schule zu schicken. Hier muss noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden und die Voraussetzungen für eine verstärkte Teilhabe von Mädchen am Bildungssystem geschaffen werden. Es beenden nur ca. 70% der Schüler die Grundschule. Das bedeutet in Verbindung mit den Kindern, die keinerlei Zugang zu einer Schulbildung haben, dass unter den Jugendlichen ca. 70% keine oder nur eine ungenügende Schulbildung haben. 

Die Schulen in den nördlichen Landesteilen sind vielfach Koranschulen, im Süden überwiegen christlich ausgerichtete Einrichtungen. Es gibt insgesamt nicht genügend Lehrer und Professoren und auch nicht ausreichend viele Schulen. Das geringe Niveau der Grund- und Sekundarschulausbildung reduziert die Motivation vieler Eltern, ihre Kinder in die Schule zu schicken. In den Koranschulen ist vielfach nicht Französisch die Unterrichtssprache, sondern Arabisch und Malinké. Die Schüler werden hier außerdem nicht genügend auf eine berufliche Zukunft vorbereitet.

Doch die Bildung und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen ist äußerst wichtig: für die Wirtschaft, für die Stellung der Frau, für den Frieden. In den letzten Jahren wird daher verstärkt der Bildungsbereich gefördert, hauptsächlich durch internationale Organisationen, z. B. durch UNICEF, aber auch die Regierung selbst unternimmt verstärkt Anstrengungen. 

Hochschulwesen

Studenten der Cocody-Universität Abidjan, © Patrick Hamidi Fada
Studenten der Cocody-Universität Abidjan, © Patrick Hamidi Fada

In der Elfenbeinküste gibt es eine Reihe von Universitäten, Instituten und Oberschulen. Fünf davon sind staatlich, die meisten privat. Zum überwiegenden Teil liegen sie in den großen Städten wie Abidjan, Bouaké, Korhogo, Grand-Bassam oder Yamoussoukro. Am bekanntesten ist die staatliche Universität von Cocody (die seit 2012 Université Félix Houphouët Boigny heißt), die private Oberschule ESTAM (Ecole Supérieure des Technologies Avancées et de Management) und das private Institut Supérieur de Technologie de Côte d´Ivoire (ISTCI), alle in Abidjan. Die Universitäten haben mit den Schließungen, dem niedrigen Ausbildungsniveau, dem Professorenmangel, Mängel im Infrastrukturbereich oder mit Organisations- und Sicherheitsproblemen zu kämpfen. Es kommt immer wieder zu Streitigkeiten zwischen unzufriedenen Studenten und der Polizei und zu Streiks. In Abidjan existieren eine Vielzahl von französischen Schulen, die auch an das französische Schulsystem gekoppelt sind. Hervorzuheben ist auch das CIFAD (Centre International de Formation à Distance), das vor allem Partnerschulen in Frankreich hat. 

Die Universität Félix Houphouet-Boigny in Cocody/Abidjan, © Patrick Hamidi Fada
Die Universität Félix Houphouet-Boigny in Cocody/Abidjan, © Patrick Hamidi Fada

Gesundheit

Das Gesundheitssystem der Côte d´Ivoire ist hauptsächlich durch das europäische System geprägt, trägt aber auch bis heute traditionelle Züge durch Naturheiler und islamische Medizintechniken. Infolge der Kolonisation wurden hauptsächlich Krankenhäuser und Gesundheitszentren nach französischem Vorbild gebaut.

Man kann von einer Einteilung in drei Untersektoren sprechen: auf dem Land existieren sogenannte ESPC (Etablissements Sanitaires de Premier Contact), ein zweites Niveau sind die CHR (Centres Hospitaliers Régionaux) und auf einem tertiären Niveau sind schließlich die CHU (Centres Hospitaliers Universitaires) zu nennen. Ein Kranker kann vom ESPC zum CHR überwiesen werden, bevor er zum CHU kommt. Doch das ist nur theoretisch so, denn eine Behandlung im CHU ist teuer und das können sich nur die wenigsten leisten. Vielfach wenden sich die Menschen daher wieder der traditionellen Medizin zu.

Das Gesundheitssystem leidet insgesamt außerdem an infrastrukturellen Problemen, mangelnder Ausstattung und einer schwierigen Personalsituation, da die Regierung dem Sektor nur ein unzureichendes Budget zukommen lässt. Die Organisation für Notfälle ist schwerfällig, so dass im schlimmsten Fall Menschen sterben, da Überweisungen zu langsam durchgeführt werden. Wer in der Côte d´Ivoire gesundheitlich behandelt werden will, muss für die Behandlung bezahlen. Das benachteiligt naturgemäß die Armen in ihrem Zugang zu medizinischen Leistungen. Überlegungen und Initiativen (Alma Ata, die Initiative von Bamako), im Gesundheitssystem einige - v.a. für die Armen - Behandlungen kostenlos anzubieten, scheiterte an den Finanzen des Landes und an der logistischen Problematik. Es ist unstrittig, dass die Probleme im Gesundheitsbereich der Côte d´Ivoire dringend behoben werden müssen.

Der WHO-Bericht von 2012 stellt fest, dass die HIV-Rate 2012 noch immer die Todesursache Nummer 1 ist und die Rate damit höher ist als in den afrikanischen Nachbarstaaten. Auch die Rate der Tuberkulosefälle war höher und scheint weiter zu steigen. Das ist beunruhigend, da Tuberkulose als Infektion häufig HIV begleitet. Mütter- und Kindersterblichkeit haben sich hingegen verringert, wenngleich die Raten immer noch hoch sind. Die Rate der Kindersterblichkeit hat sich leicht verbessert. Zwei von drei HIV-positiven Menschen erhalten keine Behandlung, die Lebenserwartung war im Jahr 2006 sogar auf 46 Jahre gefallen, nur 0,9% des BIP wird für den Gesundheitssektor ausgegeben.

Die Côte d´Ivoire hat eine hohe Malariarate. Malaria ist eine der bedeutendsten Todesursachen im Land, hier sind vor allem Kinder unter fünf Jahren betroffen. Neben der Regierung beteiligen sich verschiedene Organisationen am Kampf gegen Malaria, darunter die UNICEF. Durchfall- und Lungenerkrankungen sind immer noch für viele Kinder gefährlich, da sie zu wenig behandelt werden. Dringend müssen auch Impfungen gegen Tetanus und Polio (Kinderlähmung) durchgeführt werden. Die Lepra wird wieder häufiger und ist ein großes Problem, da sie sehr ansteckend ist.

Die Regierung der Côte d´Ivoire versucht auch, gegen das Rauchen vorzugehen. Das Rauchen wurde in öffentlichen Gebäuden verboten, was bei vielen Ivorern Unverständnis auslöst, da es sehr viel dringendere gesundheitliche Probleme zu lösen gäbe. Die hohe Sterblichkeit der Ebola-Pandemie in Sierra Leone und Liberia 2014 beunruhigte auch die Côte d´Ivoire. Vor allem die Grenzregionen sind in ständiger Alarmbereitschaft. Neuere Investitionen sollen die Krankenhäuser in Abidjan stärken.

2015 wurden ehrgeizige Pläne für eine universelle Krankenversicherung (couverture médicale universelle = CMU) in der Côte d´Ivoire aufgestellt. 2017 hat auch die Regierung die CMU verabschiedet. Man verspricht sich dabei zunächst Verbesserungen in der Kinderheilkunde, in der Gynäkologie und bei der Behandlung von Infektionskrankheiten. Für jeden Versicherten werden dazu Krankenversicherungskarten ausgegeben.

Provinzkrankenhaus in Daloa, © Patrick Hamidi Fada
Provinzkrankenhaus in Daloa, © Patrick Hamidi Fada
Distriktkrankenhaus in Man, © European Commission DG ECHO  (CC BY-ND 2.0)
Distriktkrankenhaus in Man, © European Commission DG ECHO (CC BY-ND 2.0)

Religion

Muslim im Norden der Côte d´Ivoire, © Soleymane Konan
Muslim im Norden der Côte d´Ivoire, © Soleymane Konan

Charakteristisch für die Côte d´Ivoire ist die Präsenz des Islams und des Christentums etwa zu gleich großen Teilen (ca. 35% und ca. 22%), wobei der Islam stärker vertreten ist. Praktiziert werden beide Religionen in einer großen Diversität, bedingt durch soziale und kulturelle Unterschiede im Land und durch die Geschichte der Ethnien. Das bedeutet auch, dass Naturreligionen und Elemente traditioneller Glaubensgebräuche häufig sind und die reinen Religionen durchmischen. Dabei ist die Religion der Akan eine der häufigsten westafrikanischen naturalistischen Glaubensgemeinschaften.

Seit Jahrzehnten ist eine wachsende Islamisierung der Bevölkerung - hauptsächlich im Norden - zu beobachten, wobei viele Gläubige von Naturreligionen zu Muslimen wurden. Die zahlenmäßig starke Gruppe der Senoufo im Nordosten der Côte d´Ivoire hat dazu beigetragen, dass sich mehr Gläubige dem Islam zuwenden. Generell herrscht in der Côte d´Ivoire eine religiöse Toleranz, doch sind auch manchmal religiöse Unterschiede Grund für Konflikte. Auch scheinen viele Menschen in der Elfenbeinküste an Hexenzauber zu glauben, und das nicht nur in den ländlichen Regionen. Hexerei kann vor allem dann gefährlich werden, wenn damit Morde oder andere Verbrechen verbunden werden. Daher soll diese Praxis der Hexerei bekämpft werden.

Der Süden der Elfenbeinküste ist historisch bedingt eher christlich geprägt, da europäische Missionare im 17. Jahrhundert zunächst die Bevölkerung der Küstenregionen bekehrten. Dazu zählt auch die Agglomeration Abidjan. Die lange Zeit gültige Tatsache, dass das Christentum eine Religion der Weißen sei, stimmt heute nicht mehr. Unter den Christen sind die meisten katholisch (19%), ein kleinerer Teil ist protestantisch (6%) und der Rest folgt dem Glauben der Pfingstgemeinde.

Im Islam stellt die Malinke-Dioula die stärkste Gruppierung dar, hier ist die sunnitische Glaubensgemeinschaft vorherrschend. Im Gegensatz dazu sind die sudistischen Muslime nur eine Minorität. Der Islam der Côte d´Ivoire zeigt eine sehr heterogene Struktur: ethnische Zugehörigkeit und ökonomischer Status sind maßgebliche Faktoren für die religiöse Ausrichtung. Die arabische Welt zeigt großes Interesse an der muslimischen Gemeinschaft des subsaharischen Afrika und versucht auch die Muslime der Côte d´Ivoire stärker an die arabischen Gruppen zu binden, z.B. durch Entwicklungshilfe. Traditionell bedeutsam sind auch die indigen-religiösen Glaubensstrukturen des Teils der Bevölkerung, der der animistischen Religion angehört (15%).

Islamische Familie in Korhoho, © Isaak Bakyoko
Islamische Familie in Korhoho, © Isaak Bakyoko
Der Islam ist v.a. im Norden der Côte d´Ivoire bedeutend, © Isaak Bayoko
Der Islam ist v.a. im Norden der Côte d´Ivoire bedeutend, © Isaak Bayoko

Kultur, Musik und Kunst

Kultur

Die Kultur der Côte d´Ivoire zeigt eine außerordentliche Vielfalt. Zum einen sind kulturelle Unterschiede infolge der ethnischen Zugehörigkeit, dann aber auch aufgrund unterschiedlicher religiöser Überzeugungen, der Herkunft oder des ökonomischen Status festzustellen. Daher kann man in der Elfenbeinküste auch von einer sehr starken Binnendifferenzierung der Kultur sprechen. Dieser kulturelle Reichtum hat aber auch seine Schattenseiten: ethnische Spannungen, Rivalitäten und Konflikte sind häufig.

Die grobe Einteilung der Ethnien in die Akan, die Senoufo, die Krou und die Mandé lässt nur eine oberflächliche Unterscheidung der Gruppen nach ihrem kulturellen Ausdruck und nach ihren unterschiedlichen Traditionen zu. Doch bereits hier zeigen sich vielfältige Unterschiede. Zunächst sind die religiösen Überzeugungen und die damit verbundenen Riten und Sitten unterschiedlich. Aber auch die überlieferten Traditionen, teilweise aus den alten Königreichen, werden auch heute noch geschätzt und angewendet und kollidieren teilweise mit modernen Ansichten. Die Akan und die Senoufo kennen beispielsweise das Matriarchat, die Senoufo praktizieren jedoch auch die Polygamie. Sozial besser gestellte Angehörige beider Gruppen jedoch leben in einer modernen Familie.
Der Zeitbegriff und der Umgang mit Zeit ist ein anderes Beispiel: die Zeit existiert traditionell bei den Urvölkern nicht, Festlegungen von Terminen und Pünktlichkeit sind unbekannt bzw. unwichtig. In den Städten jedoch ist ein Wirtschaften ohne Termine unmöglich und dort sind auch Ivorer für die Änderung der "afrikanischen Stunde". Kulturell weist die Côte d´Ivoire somit vielschichtige Strukturen auf, die einen Aufenthalt in dem Land äußerst interessant machen.

Wer die Côte d´Ivoire kennt, der kennt auch "Akwaba", den ivorischen Ausdruck für Gastfreundschaft ("Willkommen"), das Lächeln seiner Einwohner, die Fähigkeit der Ivorer, den Alltag und das Leben zu meistern. Akwaba steht für die Lebensfreude der Ivorer, das Miteinander und die Hilfsbereitschaft. Akwaba gibt es so in keinem anderen Land der Welt. Allerdings steht die Côte d´Ivoire in der Rangliste des Weltglücksreports sehr weit hinten (Platz 151 von 158).

Wie in ganz Westafrika sind auch in der Elfenbeinküste die Herstellung und der Verkauf der traditionellen pagnes, einer speziellen Stoffart bedeutsam. Diese aus robustem, buntem Baumwollstoff bestehenden Stoffstücke werden als Kleidung und zum Tragen der Säuglinge genutzt und in unterschiedlichen Qualitäten angeboten. Viele Frauen sind sehr stolz auf ihre "pagnes" und behandeln sie sehr sorgsam. Bemalt sind sie häufig mit mythologischen Motiven.

Friseur auf dem Land, © European Commission DG ECHO, CC BY-ND 2.0
Friseur auf dem Land, © European Commission DG ECHO, CC BY-ND 2.0
"Akwaba" in Abengourou, einer Stadt im Osten der Côte d´Ivoire, © Issaak Touboui-Kento
"Akwaba" in Abengourou, einer Stadt im Osten der Côte d´Ivoire, © Issaak Touboui-Kento
Traditionelle AKAN-Kleidung im Museum von Grand Bassam, © Cyriac Gbogou (CC BY-SA 4.0)
Traditionelle AKAN-Kleidung im Museum von Grand Bassam, © Cyriac Gbogou (CC BY-SA 4.0)

Kunst

Kunst der Côte d´Ivoire, © Topeka Library, CC BY-NC-SA 2.0
Kunst der Côte d´Ivoire, © Topeka Library, CC BY-NC-SA 2.0

Die Côte d´Ivoire ist bekannt für ihre vielfältige Kunst. Die Herstellung von Masken, Bildern, Collagen, Skulpturen, Holzschnitzarbeiten, Stoffen und vielem mehr ist traditionell und wird heute auch als Beruf von vielen renommierten Künstlern in der Elfenbeinküste ausgeübt. Die Herstellung von Masken ist bei den verschiedenen Ethnien sehr verbreitet. Hauptschaffensstätte vieler Künstler ist Abidjan, da hier auch der Kunstmarkt am dynamischsten ist.  Das gilt nicht nur für die Côte d´Ivoire, sondern für ganz Westafrika.
Einer der bekanntesten Maler ist Michel Kodjo mit Ausstellungen in Paris und New York. Aber das Leben als Künstler ist auch in der Elfenbeinküste schwer; zu groß sind die finanziellen Probleme der meisten Ivorer.

In der Musik gibt es viele Künstler, die auch Missstände in der Côte d´Ivoire thematisieren. Man kann zwischen traditioneller Musik und moderner Musik unterscheiden: während erstere auch sehr traditionelle Instrumente benutzt, wie das Tam-Tam (eine Art Metallgong), das Balafon, die Kalimba, die Talking Drums oder die Tambours, sind in der modernen Musik auch alle westlichen Instrumente und verschiedene Gesangsarten vertreten. Der Zouglou ist eine in den Städten der Côte d´Ivoire entstandene Musikrichtung und ist sehr populär. Dabei steht der Zouglou für die Philosophie junger Studenten und greift bis heute auch politische Themen auf. Der Ziglibithy gilt als Vorreiter des Zouglou und vereinigt traditionelle Musikrichtungen verschiedener Volksstämme der Elfenbeinküste mit kongolesischen Rhythmen. Berühmtester Vertreter des Ziglibithy ist Ernesto Djedje. Als internationale Musikrichtungen sind in der Côte d´Ivoire besonders Reggae und Hip Hop beliebt. Reggae wird dabei immer bedeutender und Bob Marley wird immer noch viel gespielt. Als berühmter Reggae-Sänger interessiert sich Alpha Blondy auch für die Politik. Die Pariser Diaspora von Musikern der Côte d´Ivoire kreierte 2003 die Musikrichtung des Coupé Decalé aus dem ursprünglichen Ziglibithy. Bekanntester Künstler des Coupé Decalé war der ivorische Musiker DJ Arafat, der 2019 in Folge eines Autounfalls verstarb.

Die Basilika von Yamoussoukro, eine Nachbildung des Petersdomes im Vatikan, gehört zu den bekanntesten architektonischen Wahrzeichen der Elfenbeinküste und gilt als eine der größten Kirchen der Welt. 1989 von dem ersten Präsidenten des Landes Felix Houphouët-Boigny in Auftrag gegeben, war sie vor allem aufgrund ihrer hohen Kosten - u.a. wurde der Innenraum gänzlich mit aus Italien importiertem Marmor ausgekleidet - auch international kritisiert worden.

Traditioneller Tanz in Bouaké, © Konan Soleymane
Ivorische Sänger, © Yasield (CC BY-SA 4.0)
Ivorische Sänger, © Yasield (CC BY-SA 4.0)
Batik in Yamoussoukro, © Asram (CC BY-SA 3.0)
Batik in Yamoussoukro, © Asram (CC BY-SA 3.0)

Dokumentation über die Kunst in der Côte d´Ivoire (Deutsch, ca. 4 Minuten)

Literatur, Theater und Film

Erzählungen und Geschichten wurden bis zur Kolonialzeit überwiegend mündlich tradiert. Erst mit der Einführung der französischen Sprache wurden Überlieferungen auch schriftlich erfasst. Die Literatur der Elfenbeinküste hat seitdem einige bekannte Autoren hervorgebracht. Darunter sind beispielsweise Bernard Dadié, Ahmadou Kourouma, Jean-Marie Adiaffi-Moussa Coulibaly oder Isaïe Biton Koulibaly sowie viele weitere, auch weibliche erfolgreiche Autorinnen wie Véronique Tadjo, Flore Hazoumé oder Assamala Amoi.

Auch das Theater ist in der Côte d´Ivoire beliebt und greift dabei gesellschaftliche und politische Themen auf. Nach der politischen Krise versucht das Theater, wieder Fuß zu fassen, aber von einem Aufschwung kann man noch nicht sprechen. Das INSAAC (Institut National Supérieur des Arts et de l´Action Culturelle) bildet junge Künstler aus. Es wird u.a. auch vom Ministerium für Kultur und die französische Sprache (Ministère de la Culture et de la Francophonie) unterstützt.

In der Côte d´Ivoire gibt es mehrere Kinos, die meisten in Abidjan und der näheren Umgebung. Dabei versucht man auch hier, dem ivorischen Kino wieder mehr Dynamik zu verleihen, da es eine wichtige kulturelle Ausdrucksweise der Bevölkerung ist. Wie das Theater greift auch der ivorische Film wichtige politische Themen auf. Es gibt hier sogar seit 2013 ein nationales Büro des ivorischen Kinos (Office National du Cinéma du Côte d´Ivoire = ONAC-CI). International interessant sind die Koproduktionen des ivorischen Kinos mit verschiedenen Ländern in Afrika, aber auch mit Frankreich.

Beliebtes Trommeln, © Lassina Coulybaly
Beliebtes Trommeln, © Lassina Coulybaly
Junge Musiker in Abidjan, © Issaak Touboui-Kento
Junge Musiker in Abidjan, © Issaak Touboui-Kento

Sport

Die Côte d´Ivoire ist sehr stolz auf ihre Fußballmannschaft, die auch international erfolgreich ist. Die ivorische Fußballnationalmannschaft - genannt "les Éléphants" (die Elefanten) hat die Endrunden der Weltmeisterschaften 2006, 2010 und 2014 erreicht und ist eine der stärksten Fußballnationalmannschaften Afrikas. Die Fédération Ivorienne de Football (FIF) ist der Dachverband des Fußballs in der Elfenbeinküste. Didier Drogba, der Kapitän der Nationalmannschaft, wird von den Ivorern fast wie ein Held verehrt. Fußball wird von allen Ivorern - v.a. den Jungen und Männern - geliebt und überall gespielt. Auch zu einer besseren Verständigung, zur Friedenskonsolidierung und Versöhnung kann Fußball beitragen. Auch wenn Frauen und Mädchen im Alltag weniger Fußball spielen, gibt es doch eine Frauen-Fußballnationalmannschaft, die sich - in Anlehnung an die Männer - "les Éléphantes" nennt. Neben Fußball wird auch Basketball und Volleyball gespielt, wenn auch international weniger erfolgreich. In Abidjan boomen außerdem Fitness-Studios. Insgesamt sind die städtischen Ivorer sportbegeistert, wenn auch weniger auf dem Land als in der Stadt.

Die Elfenbeinküste spielt gegen Tunesien 2013, © Arvedui89, CC BY 2.0
Die Elfenbeinküste spielt gegen Tunesien 2013, © Arvedui89, CC BY 2.0
Der bekannte Fußballspieler Didier Drogba, © Stefan Meisel (CC BY 2.0)
Der bekannte Fußballspieler Didier Drogba, © Stefan Meisel (CC BY 2.0)
Fußball als beliebter Freizeitsport, © Moctar Malick Kouassi
Fußball als beliebter Freizeitsport, © Moctar Malick Kouassi

Fotoimpressionen

Wohnzimmer, © Ibrahim Cisse-Moundala
Wohnzimmer, © Ibrahim Cisse-Moundala
Im Norden der Côte d´Ivoire, © Eva Biele
Im Norden der Côte d´Ivoire, © Eva Biele
Frisör in einem kleinen Dorf nördlich von Korhogo, © Eva Biele
Frisör in einem kleinen Dorf nördlich von Korhogo, © Eva Biele
Hochzeit auf dem Land, © Abobo Lassina
Hochzeit auf dem Land, © Abobo Lassina
Gemeinsames Kochen, © Abobo Lassina
Gemeinsames Kochen, © Abobo Lassina
Junge Frauen in Abidjan, © Abobo Lassina
Junge Frauen in Abidjan, © Abobo Lassina
Junge Männer in Abidjan, © Issaak Touboui-Kento
Junge Männer in Abidjan, © Issaak Touboui-Kento
Mittagessen in einem Lokal in Korhogo, © Issaak Touboui-Kento
Mittagessen in einem Lokal in Korhogo, © Issaak Touboui-Kento
Junge Ivorianer, © Zanga Touré
Junge Ivorianer, © Zanga Touré

Das Länderinformationsportal

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Februar 2020 aktualisiert.

Die Autorin

Die Autorin Dr. Eva Biele hat in Geographie promoviert und war fast zehn Jahre lang in Projekten der Entwicklungszusammenarbeit und der Hochschullehre in Ost- (Rwanda, Burundi) und Westafrika (Elfenbeinküste, Benin) tätig. Ein intensiver wissenschaftlicher Austausch verbindet sie bis heute mit Dozenten der Universität Cocody in Abidjan und der Université Nationale du Bénin in Cotonou. Sie arbeitet heute für die GIZ, ist aber auch im schulischen Bereich und der Erwachsenenbildung tätig.

Trainingsangebote der Akademie

Die Akademie der GIZ gestaltet Lernangebote für die internationale Zusammenarbeit. Wir führen mehr als 2000 Fort- und Weiterbildungen durch und entwickeln innovative, wirksame und nachhaltige Lernkonzepte. Und das weltweit.

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