Präsidentenpalast Quito © A.L. Salinas de Dosch
Tag der Unabhängigkeit
24.05.1822
Staatsoberhaupt
Lenín Moreno
Regierungschef
Lenín Moreno
Politisches System
Präsidialrepublik
Demokratie Status-Index (BTI, 2018)
Rang 58 (von 129)
Korruptionsindex (TI, 2018)
Rang 114 (von 180)

Geschichte

Präkolonialzeit

Im heutigen Staatsgebiet von Ecuador existierten in der Prä-Inka Epoche mehrere kleine voneinander weitgehend unabhängige Stammesgebiete zwischen den Großreichen der Chimu im Süden und der Chibcha im Norden. Im 15. Jahrhundert eroberten die Inka in langwierigen Kämpfen gegen die Quitu-Cara das Gebiet bis in die Gegend von Pasto (heute Südkolumbien) und etablierten den Hauptort Quito als nördliche Hauptstadt ihres Reiches. Von hier aus errang der letzte Inkakaiser Atahualpa in einem kurzen Bürgerkrieg gegen seinen Bruder Huáscar die Macht.

Kolonialherrschaft

Die spanische Kolonialherrschaft dauerte in Ecuador etwa 300 Jahre. Sie begann 1532 mit der Ankunft der Spanier und endete 1822 mit der Unabhängigkeit. 1823 schuf Simón Bolívar Großkolumbien, zu dem Ecuador (damals Audiencia de Quito), Venezuela und Kolumbien gehörten. Die Republik Ecuador schließlich entstand 1830 aus dem Zerfall der Gran Colombia.

In der Geschichte des Landes lassen sich fünf deutlich voneinander getrennte Phasen unterscheiden, die hier im Überblick vorgestellt werden:

Kakaoboom

Die erste Phase erstreckt sich vom Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg und wurde durch eine stetige Zunahme des Kakaoexports bestimmt. Während dieser Epoche beschränkten sich die sozio-politischen Auseinandersetzungen auf Teile der Oberschicht. Dabei ging es im wesentlichen um widersprüchliche Interessen zweier Lager: einerseits die protektionistischen, am Binnenmarkt orientierten Großgrundbesitzer des Hochlandes, die mit dem Klerus verbunden waren und andererseits die auf den Weltmarkt ausgerichteten liberalen Plantagenbesitzer, Kaufleute und Finanzkreise des Küstengebietes.

Wirtschaftskrise

Nach dem Niedergang der Kakaoproduktion ab 1916 u.a. infolge nachlassender Weltmarktnachfrage, kam es zu einer tiefen Wirtschaftskrise, die bis in die 1940er Jahre andauerte. In diese Zeit fällt auch die Entstehung der meisten noch existierenden linksorientierten politischen Parteien, Gewerkschaften und populistischen Bewegungen.

Bananenboom

Anfang der 1950er Jahre setzte der Bananenboom ein, der zwei Jahrzehnte anhielt. Während dieser Zeit wurden die bis dahin vorhandenen vorkapitalistischen Produktionsweisen im Agrarsektor fast restlos aufgegeben. In Verbindung mit der einsetzenden Industrialisierung entstand das heutige Ecuador mit seiner Infrastruktur und Vermarktung sowie den zwei Großstadtzentren Quito und Guayaquil. Gleichzeitig hat die Ära des Bananenbooms jene ökonomischen und sozio-politischen Probleme hinterlassen (Auslandsverschuldung, ungleiche Vermögensverteilung, Arbeitslosigkeit etc.), mit denen sich das Land bis heute konfrontiert sieht.

Erdölboom

Als 1972 erstmals große Mengen Erdöl exportiert werden konnten, begann die bislang letzte Phase ökonomischen Wohlstands in Ecuador. Das Ende diese Epoche fällt in etwa zusammen mit der Überwindung der Militärherrschaft. Erdöl spielt jedoch weiterhin eine zentrale Rolle für die Wirtschaft Ecuadors. Fast ein Drittel seiner Einnahmen bezieht das Land aus dem "schwarzen Gold", das jedoch auch eine zunehmende umweltpolitische Herausforderung darstellt.

Demokratisierung

Die Verfassung von 1979 leitete den fünften Abschnitt der Geschichte des ecuadorianischen Staates ein und ist durch einen Demokratisierungsprozess, aber auch durch eine Verschärfung politischer, ökonomischer und sozialer Problemfelder charakterisiert. Zu den wichtigsten Ereignissen der jüngsten Geschichte zählt die 1998 erzielte Lösung des vormals größten außenpolitischen Problems Ecuadors, die Beilegung des seit der Unabhängigkeit schwelenden Grenzkonfliktes mit Peru.

Der Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Situation und politischer Herrschaft ist prägend für die Geschichte Ecuadors. Während des Kakao- und Bananenbooms konnte das Land von Konservativen und Liberalen ohne Intervenierung des Militärs regiert werden. Wenn sich die ökonomischen Voraussetzungen hingegen verschlechterten, ergriffen selbsternannte Militärdiktatoren (Caudillos) oder durch vom Volk getragene "echte" Caudillos die Macht. Zumeist durchlebte Ecuador dann politische Krisen. "Der Caudillo bezeichnet einen Typus autoritärer Herrschaft, der nicht institutionell verankert ist und primär auf den persönlichen Führungsqualitäten des Herrschenden beruht. Er erkennt keine staatliche Institution und höhere Autorität an und ordnet sich allenfalls mächtigeren Vertretern seiner Gattung unter" (Karl-Dieter Hoffmann: Militärherrschaft und Entwicklung in der Dritten Welt. Der Fall Ecuador, Saarbrücken und Fort Lauderdale 1985, S.249f.). Eine besondere Bedeutung erlangte der Caudillio José María Velasco Ibarra, dessen politische Ideen als 'Velasquismo' von 1833 bis weit ins 20. Jahrhundert Anhängerschaft besaßen.

Inzwischen blickt das Land auf die längste demokratische Periode in der Geschichte Ecuadors als unabhängige Republik zurück. Gleichzeitig wird das formal-demokratische System aber weiterhin durch informelle Faktoren, wie Korruption, die persönlichen Interessen einzelner Politiker und Familienclans und politische Skandale, massiv unterminiert, wobei sich die Gesamtsituation und die politische Landschaft während der Präsidentschaft Rafael Correas (2007-2017) deutlich zu verändern und dabei zu verbessern erschien. Die Einschätzung der politischen Entwicklungen unter seinem Nachfolger Lenín Moreno fällt gemischt aus. Während Freedom House eine "Stärkung demokratischer Governance"; größere Pressefreiheit und die Aufhebung von Restriktionen für zivilgesellschaftliche Akteure erkennt, sprechen andere Beobachter von einer "institutionellen Krise in Ecuador", bei der der Präsident stetig an Glaubwürdigkeit verliere. 

Museo Los Amantes de Sumpa in Santa Elena
Oben: Das Museo Los Amantes de Sumpa in Santa Elena ist der Las-Vegas-Kultur (9000 bis 6000 v. Chr.) gewidmet, der ältesten bekannten Kulturstufe Ecuadors. Rechts: Iglesia de la Merced in Ceunca ©A.L. Salinas de Dosch

Staat

Blick vom Hügel Santa Ana auf Guayaquil
Blick vom Hügel Santa Ana auf Guayaquil, mit 2,53 Millionen Einwohnern die größte Stadt des Landes; © A.L. Salinas de Dosch
Die Gasse La Ronda am Rande des historischen Viertels in Quito
Die Gasse La Ronda am Rande des historischen Viertels der Hauptstadt Quito, angeblich die älteste Straße der Stadt und deren "künstlerisches Herz" © A.L. Salinas de Dosch

Ecuador ist eine Präsidialrepublik mit repräsentativer Demokratie und Mehrparteiensystem. Eine wichtige Etappe auf dem Weg zur Herausbildung des heutigen Staatswesens bildete die 1885 beginnende liberale Revolution von Eloy Alfaro. Er war zweimal (1895-1901 und 1906-1911) Präsident von Ecuador. Er gilt als der herausragende liberale Politiker in der Geschichte seines Landes und als zentrale Figur des politischen Lebens an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Alfaro sorgte für die Trennung von Kirche und Staat, säkularisierte das Bildungswesen, führte Religionsfreiheit und Zivilehe ein und schaffte die Todesstrafe ab. Alfaro gründete verschiedene Bildungsinstitutionen und widmete sich stärker als seine Vorgänger der Indígenas- und der Frauenfrage, und verbesserte die rechtliche Stellung beider Gruppen.

Trotz diverser Dezentralisierungsbemühungen in den vergangenen Jahren ist das politische System Ecuadors weiterhin zentralisiert. Die politische Macht liegt hauptsächlich beim Präsidenten und damit in der Hauptstadt Quito. In der Praxis jedoch muss die politische Macht ständig zwischen den beiden bedeutenden Großregionen Costa und Sierra mit ihren Zentren Guayaquil und Quito austariert werden. 2010 begann die damalige Correa-Regierung als Teil des Buen Vivir-Konzeptes, Pläne für eine weitgehende Neustrukturierung der nationalen Administration auf regionaler und lokaler Ebene umzusetzen. Auf diese Weise sind neun neue administrative Zonen entstanden, die jeweils mehrere Provinzen zusammenfassen und der besseren Koordinierung nationaler und regionaler Planungs- und Entscheidungsebenen dienen sollen. Durch die in den Zonen stattfindende Zusammenarbeit von Provinzen unterschiedlicher geographischer Regionen soll auch der traditionelle Gegensatz von Sierra und Costa reduziert werden.

Das Staatsoberhaupt

Der ecuadorianische Präsident Lenin Moreno
Lenín Moreno - Präsident Ecuadors- Foto: Agencia de Noticias ANDES, frei unter cc-by-sa-2.0
Die fünfte Vizepräsidentin der Moreno-Regierung: Maria Alejandra Muñoz
Die fünfte Vizepräsidentin der Moreno-Regierung: Maria Alejandra Muñoz Foto: Asamblea Nacional del Ecuador, frei unter CC BY-SA 2.0

Zwischen 1997 und 2007 hatte Ecuador sieben Präsidenten, von denen drei nach tumultartigen Aufständen das Amt niederlegen mussten. Das darauffolgende Staatsoberhaupt, Rafael Correa, regierte von 2007 bis 2017 und absolvierte damit drei Amtszeiten. Der in den USA ausgebildete Ökonom betrieb, seine schon kurz nach Amtsantritt begonnene, sozialreformerische Agenda unter dem Schlagwort der "Bürgerrevolution". Die Sozialausgaben für einkommensschwache Familien wurden angehoben, während Correa die staatliche Kontrolle über die Wirtschaft des ölreichen Landes verschärfte. Unbestritten ist jedoch, dass Ecuador unter Correa deutliche Entwicklungsfortschritte erzielen konnte und zur politischen Stabilität zurückfand. Die ideologische Grundlage der Politik Correas bildete das von ihm propagierte Konzept des "Buen Vivir", des "Guten Lebens": Eine Lebensphilosophie, die einen Gleichgewichtszustand zwischen Mensch und Natur als höchstes Ziel anstrebt und inzwischen bereits über die Grenzen Ecuadors hinaus als alternative Entwicklungsleitlinie Aufsehen erregt hat.

Im Laufe seiner Amtszeit mehrten sich jedoch die kritischen Stimmen, die Correa einen autoritären Führungsstil vorwarfen. Kontrovers wurde insbesondere das Thema Pressefreiheit diskutiert. Correa war mit einigen der Medien des Landes in einen Machtkampf verwickelt, bei dem es um die Balance zwischen freier Berichterstattung und den Persönlichkeitsrechten geht. Im September 2014 kam es erstmals zu größeren Protesten gegen Correa. Die Demonstrationen in Quito und anderen Städten richteten sich u.a. gegen eine geplante Arbeitsmarktreform und eine mögliche Verfassungsreform, welche die Amtszeitbegrenzung des Präsidenten aufheben würde. 

Die Präsidentschaftswahlen 2017 vollzogen sich vor dem Hintergrund einer gespaltenen Gesellschaft, in der sich die Befürworter und Gegner der Regierungspolitik in etwa die Waage hielten. Die Wahlen gewann Lenín Moreno, der wie Correa der Partei Alianza País (AP) angehört und zu deren Gründungsmitgliedern. Von 2007 bis 2013 bekleidete er das Amt des Vizepräsidenten Ecuadors. Durch den Wahlsieg Morenos etablierte sich die erst vor einer Dekade entstandene Alianza País (AP), zu deren Gründungsmitgliedern Moreno zählt, erneut als größte und stabilste politische Organisation des Landes. 

Seit seinem Amtsantritt hat Moreno die Politik der Vorgängerregierung, der er selbst angehört hatte, zunehmend kritisiert. Correa und Teile der Alianza País (AP) werfen Moreno vor, den in den vergangenen Jahren eingeleiteten Reformprozess zu gefährden und zu diskreditieren. Dies hat zu Spaltungsprozessen innerhalb der Partei geführt, die sich in einer tiefe Krise befindet. Im Oktober 2018 leitete der Oberste Gerichtshof Ecuadors auf Antrag der Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Correa sowie drei weitere Personen wegen Gründung einer kriminellen Vereinigung und versuchter Entführung ein. Der Ex-Präsident soll an der Entführung des ehemaligen konservativen Abgeordneten Fernando Balda in Kolumbien beteiligt gewesen sein. Correa wies die Vorwürfe als politisch motiviert zurück beantragte Asyl in Belgien. Dort hält er sich derzeit bei der Familie seiner belgischen Ehefrau aufhält. Auch im Land selbst gibt es Stimmen, die vom Versuch Morenos sprechen, mit Hilfe der Justiz Vorgängerregierung mundtot machen zu wollen.

Anfang April 2020 wurde Correa in Abwesenheit wegen "Führung eines Bestechungsrings" zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Zusammen mit Correa wurden 19 weitere Personen aus seiner ehemaligen Regierung - darunter auch Correas einstiger Vizepräsident Jorge Glas, der bereits wegen eines anderen Korruptionsfalls in Haft sitzt - sowie aus der Privatwirtschaft verurteilt. Ausländischer und inländische Unternehmen sollten laut Staatsanwaltschaft zwischen 2012 und 2016 als Gegenleistung für staatliche Bauaufträge Schmiergeldzahlungen an die Regierungspartei Alianza País gezahlt haben. Correra hat die Vorwürfe vehement bestritten und Rechtsmittel gegen das Urteil angekündigt. Gleichzeitig droht ihm die Auslieferung nach Ecuador. Auch unter Beobachtern ist das Verfahren kritisch bewertet worden. So kritisiert eine große zivilgesellschaftliche Organisation in Ecuador die "Verletzung der Verfahrensrechte des Angeklagten und die klare politische Ausrichtung" des Prozesses. Im Juli 2021 schloss die nationale Wahlbehörde (Consejo Nacional Electoral, CNE) die neue politische Partei Correas, FCS (Fuerza Compromiso Social), von den Parlamentswahlen im Februar 2021 aus. Das letzte Wort schien hier zunächst noch nicht gesprochen zu sein, da es offenbar Uneinigkeit unter den Richtern des ecuadorianischen Wahlgerichts hinsichtlich des Ausschlusses gab. Inzwischen hat die Wahlbehörde der FCS zusammen mit drei weiteren Parteien mit dem Verweis auf "Unkorrektheiten der Unterstützungsunterschriften für die Wahlbeteiligung" endgültig eine Beteiligung an den Wahlen untersagt. Gleichzeitig hat die CNE Correa die Teilnahme an den Präsidentschaftswahlen 2021 verboten. Er wollte sich als Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten im Team mit dem Präsidentschaftskandiaten Andrés Arauz des Links-Bündnisses "Union für die Hoffnung" (Unión por la Esperanza, UNES) aufstellen lassen. UNES hat nun statt Correa den Ökonomen und Journalisten Carlos Rabascall nominiert. 

Seit 2019 ist die Unzufriedenheit mit der Moreno-Regierung gewachsen. So protestierten im Juli mehrere soziale Organisationen und Gewerkschaften gegen die neoliberale Politik des Präsidenten. Die Kritik richtet sich vor allem gegen Kürzung öffentlicher Ausgaben, die  Deregulierung des Arbeitsmarkts und die Privatisierungspolitik der Regierung. Auch die Erhöhung von Treibstoffpreisen hat in der Bevölkerung zu vielen Protesten geführt. Der Präsident begründete die Maßnahmen mit der Notwendigkeit zu Strukturanpassungen als Gegenleistungen von Kreditzusagen des Internationalen Währungsfonds (IWF) von 4,2 Milliarden US Dollar. Heftige Kritik ist auch am Covid 19-Krisenmanagement der Regierung artikuliert worden. Ecuador zählt pro Kopf der Bevölkerung zu den am schwersten betroffenen Ländern der Pandemie.

Seit dem Amtsantritt der Moreno-Regierung hat das Amt des Vize-Präsidenten bereits viermal gewechselt. Dem ursprünglichen Amtsinhaber Jorge Glas, der im August 2017 aufgrund seiner Verwicklung in den Odebrecht Bestechungsskandal von seinen Aufgaben freigestellt und später inhaftiert wurde (siehe unter Korruption), folgte Maria Alejandra Vicuña, die ihrerseits nach Korruptionsvorwürfen im Dezember 2018 zurücktrat und kurz darauf zu einem Jahr Haft verurteilt wurde. Übergangsweise übte José Augusto Briones das Amt für einige Tage aus, bevor der deutschstämmige Journalist und Wirtschaftswissenschaftler Otto Sonnenholzner noch im selben Monat als 50. Vize-Präsident Ecuador vereidigt wurde. Sonnenholzer trat am 7. Juli 2020 zurück. Nach Medienberichten gaben Differenzen mit anderen Regierungsmitgliedern hierzu den Ausschlag. Spekuliert wurde aber auch, dass Sonnenholzer durch seinen Rücktritt formal den Weg für die eigene Präsidentschaftskandidatur für die Wahlen im Februar 2021 ebnen wollte. Zehn Tage später wählte die Nationalversammlung die Direktorin der nationalen Zollbehörde Maria Alejandra Muñoz zur neuen Vizepräsidentin.

Verfassung

Plaza de la Independencia
Plaza de la Independencia und Regierungspalast in Quito. © Amelie Dosch

Im Oktober 2008 trat eine neue Verfassung in Kraft, die dem Präsidenten deutlich mehr Macht zubilligt. Bei einer Volksabstimmung hatten fast 64 Prozent der Wähler für die neue Konstitution gestimmt. Die 444 Artikel ermöglichen unter anderem eine einmalige Wiederwahl des Staatsoberhauptes. Außerdem darf der Präsident künftig das Parlament auflösen und Neuwahlen ansetzen. Die neue Verfassung stärkt zudem die Rolle des Staates und setzt auf ein "soziales und solidarisches" Gesellschaftsmodell. Sie soll den Ausverkauf der natürlichen Ressourcen des Landes verhindern und verbietet die Stationierung ausländischer Truppen auf ecuadorianischem Territorium. Darüber hinaus sieht die Verfassung die Einführung einer kostenlosen Bildungs- und Gesundheitsversorgung für alle vor, ein Ziel, das bisher jedoch nicht in vollem Umgang erreicht worden ist.

Formaler Staatsaufbau

Der Präsident und das Parlament, der Nationalkongress mit 137 Sitzen, werden am selben Tag direkt gewählt. Der Präsident ist gleichzeitig Staatsoberhaupt und Regierungschef. Die Gesetzgebungsfunktion wird von Regierung und Nationalkongress gemeinsam ausgeübt. Die letzten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen fanden am 19. Februar 2017 statt. Nach der früheren Verfassung (von 1998) bestand der Kongress aus 100 Abgeordneten (diputados) mit Sitz in der Hauptstadt Quito. Die Abgeordneten wurden als Vertreter der Provinzen für eine Vier-Jahres-Periode gewählt. Jede der 24 Provinzen stellte mindestens zwei Abgeordnete, einwohnerreiche Provinzen erhielten weitere Sitze. Die Verfassunggebende Versammlung Ecuadors verabschiedete an ihrem ersten Sitzungstag am 30. November 2007 ein Dekret, nach dem der Kongress in eine unbefristete Sitzungspause eintrete. Am 26. April 2009 fanden Neuwahlen zum Parlament, das seither Nationalversammlung heißt, statt. Die neue Verfassung hat die Macht der Legislative als Gegengewicht zum Präsidenten zu wirken, deutlich geschwächt. Sie wird über eine nationale und Provinzlisten gewählt. 

Bei den Wahlen zur Nationalversammlung am 19.02.2017 erzielte die Regierungspartei Movimiento Alianza Pais mit 39,07% der Stimmen und 79 Sitzen die Mehrheit, musste aber 26 Sitze gegenüber den Wahlen von 2013 einbüßen.

Im Februar 2018 sprach sich die Mehrheit der Wahlbevölkerung in einem von Präsident Moreno angeordnetem Referendum dafür aus, die Amtszeit von Politikern auf höchstens zwei Wahlperioden zu beschränken. Damit wurde die unbegrenzte Wiederwahl abgeschafft, die 2015 unter dem damaligen Präsidenten Rafael Correa eingeführt worden war. Große Zustimmung fand auch ein weiterer Antrag, der vorsieht, dass Personen, die wegen Korruption verurteilt wurden, von der Teilnahme am politischen Leben des Landes ausgeschlossen werden. Zudem kann ihr Besitz beschlagnahmt werden.

Präsidentschaftswahlkampf in Ecuador 2017
Präsidentschaftswahlkampf in Ecuador 2017: Am 2. April traten Lenín Moreno und Guillermo Lasso in der Stichwahl gegeneinander an. © Ana Lucia Salinas de Dosch

Covid-19 in Ecuador

Ecuador zählt weltweit zu den am stärksten von der Corona-Krise getroffen Länder. Am 17. August 2020 waren für Ecuador 100.688  bestätigte Infektionen und 6065 Todesfälle gemeldet. Damit verzeichnete Ecuador mit 35,5 Corona-Toten per 100,000 Bewohnern die global siebzehnthöchste Todesrate. Am 18. März 2020 verhängte die Regierung eine weitgehende Ausgangssperre für das gesamte Land. Der nationalen Ausnahmezustand gilt bis 15. Juni 2020. Traurige Berühmtheit erlangte Ecuador vor allem durch die Bilder von Toten auf den Straßen von Guayaquil, die Ende April 2020 um die Welt gingen. In Guayaquil, dem  Corona-Epizentrum des Landes, waren die Gesundheitsbehörden mit der großen Zahl der Leichen völlig überfordert. Verstorbene wurden teils in Häusern oder auf Straßen zurückgelassen. Zwar setzte die Regierung die Armee und die Polizei zur Unterstützung ein, doch auch einen Monat später stellte sich die Situation weiterhin dramatisch dar. Am 19. Mai kündigte Präsident Moreno neue Maßnahmen an, um die Staatsausgaben zu senken. 4 Milliarden Euro sollen durch die Reduzierung der Investitionen, die Reduzierung der Löhne und Gehälter und die Schließung (z.B. die staatliche Fluglinie TAME) und Privatisierung von Staatsunternehmen (z.B. die Post) eingespart werden. Die Kürzungspolitik stand im Rahmen des neoliberalen Wirtschaftskurses der Regierung auf der Agenda, wurde aber durch die Corona-Krise und den rapiden Verfall des Erdölpreises beschleunigt.  Zwar wurden gleichzeitig Mittel zur Stabilisierung und Reaktivierung der Wirtschaft zur Verfügung gestellt, doch sind die Sparmaßnahmen der Regierung, vor allem die Kürzungen im Gesundheits- und Bildungswesen, auf zunehmende Kritik gestoßen. In zahlreichen Städten kam es zu Protesten. Soziale Organisationen, Studierende, Gewerkschaften und indigene Gruppen forderten die Aufhebung der von der Regierung beschlossenen Sozialkürzungen. Trotz geltender Corona-Maßnahmen hatten mehrere Gewerkschaften zu Demonstrationen aufgerufen. Die Proteste richteten sich auch gegen die geplante Reformierung des Arbeitsrechts. Wie viele andere Länder hat die Pandemie verheerende Folgen für den Arbeitsmarkt. Mit Stand Anfang August 2020 haben haben seit Beginn der Corona-Pandemie 289.000 Menschen ihre Arbeit verloren. 

Proteste und Ausnahmezustand (Oktober 2019)

In der ersten Oktoberhälfte 2019 war Ecuador durch eine Protestwelle gegen die Sparpolitik der Regierung, gelähmt. Auslöser der schweren Unruhen waren die Umsetzung von Maßnahmen zum Abbau der hohen Staatsverschuldung im Rahmen eines Strukturanpassungsprogramms. Dieses hatte die Regierung als Kondition für einen Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 4,2 Milliarden Dollar beschlossen. Ende September erklärte Ecuador zudem, aus der Organisation der erdölexportierender Länder (OPEC) auszutreten, um auf diese Weise die Fördermenge zu erhöhen und mehr Staatseinnahmen erzielen zu können. Das Maßnahmenpaket umfasst Privatisierungen, Kürzung von Urlaub bei Staatsangestellten, Einschränkungen beim Arbeitsschutz und sah vor allem eine Streichung der Subventionen für Benzin und Diesel vor, für die der Staat 1,4 Milliarden Dollar jährlich aufbringt. Der Wegfall der Subventionen zum 1. Oktober verteuerte die Kraftstoffpreise zum Teil um mehr als das Doppelte. Massenproteste in zahlreichen Städten, landesweite Straßensperren durch Protestierende, ein Generalstreik, Ausschreitungen und Plünderung vor allem in Quito waren die Folge. Eine Polizeistation brannte und in einem anderen Vorfall wurden mehrere Polizisten festgesetzt. Die Behörden reagierten mit Gegengewalt, sodass die Gesamtsituation schnell eskalierte. 

Am 3. Oktober rief die Regierung einen landesweiten Ausnahmezustand aus, der zunächst für 30 Tage gelten sollte. Am 12. Oktober verhängte Präsident Lenín Moreno aufgrund der andauernden Proteste in Quito eine Ausgangssperre für die Stadt. Am selben Tag verschafften sich Demonstranten Zugang zum Rechnungshof. Nach Augenzeugenaussagen "griff eine Gruppe von Demonstranten das Gebäude mit Molotowcocktails an, legte Feuer und drang anschließend ins Innere des Gebäudes ein." Außerdem wurde der Sitz des Fernsehsenders Teleamazonas und der Zeitung "El Mercurio" angegriffen. Einige Tage zuvor hatte der Moreno aus Sicherheitsgründen den Regierungssitz von Quito nach Guayaquil verlegt. CONAIE, die zu den Anführern der Proteste gehört, erklärte, an keinem der Angriffe beteiligt gewesen zu sein. Kurz zuvor hatte sich die Dachorganisation zu einem direkten Gespräch mit dem Präsidenten bereit gezeigt. Dieser hatte in einer Fernsehansprache angesichts der ausufernden Gewalt zum Dialog aufgerufen. Kurz darauf zog CONAIE das Gesprächsangebot wieder zurück. Verhandlungen seien erst dann möglich, wenn das Dekret zur Streichung der staatlichen Kraftstoffsubventionen aufgehoben werde.

Der Spiegel analysierte: "Erst waren es LKW-Fahrer und Transportunternehmer, dann mobilisierten sich die Indigenen, inzwischen sind auch Studenten, Gewerkschafter und Anhänger des früheren Präsidenten Rafael Correa auf der Straße. [...] Vordergründig geht es um die Erhöhung der Benzinpreise. Die Ursachen für die Kontroverse in dem südamerikanischen Land aber liegen tiefer und haben sich zu einer veritablen Staatskrise ausgeweitet. Längst geht es nicht mehr nur um unliebsame Sparmaßnahmen des hochverschuldeten Staates, die der Bevölkerung missfallen, sondern um den Kopf von Moreno. Die Demonstranten werfen dem 66-Jährigen vor, sein Land dem IWF ausgeliefert zu haben und so die Bevölkerung in finanzielle und soziale Not zu treiben."

Schließlich zeigten die Proteste Wirkung. Am 13. Oktober einigten sich Moreno und Vertreter der CONAIE in Verhandlungen, die im Fernsehen übertragen wurden, auf die Rücknahme der Subventionsstreichungen für Kraftstoffe. Das Gespräch war auf Initiative der Vereinten Nationen und der katholischen Kirche zustande gekommen. CONAIE rief im Anschluss zu einer Beendigung der Proteste auf. Insgesamt kamen während der Unruhen sieben Menschen ums Leben, 1340 wurden verletzt und es kam zu 1152 Festnahmen.

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Innenpolitische Themen

Machtträger und Machtgruppen 

Die sich ursprünglich aus den Großgrundbesitzern des Hochlands und der Küste rekrutierende ecuadorianische Elite hat über Jahrhunderte als Oligarchie das Land regiert, die Mittelschicht hat in den letzten Jahren jedoch stark an Bedeutung gewonnen, hier vor allem die libanesischen Einwanderer, die nicht zuletzt mit Mahuad zum wiederholten Mal einen Präsidenten stellten. Das Militär bleibt nach wie vor ein wichtiger Machtfaktor. Wie in anderen Ländern Lateinamerikas hat die Bedeutung der Zivilgesellschaft zugenommen. Die Schwäche der zivilgesellschaftlichen Organisationen liegt aber weiterhin in ihrer Zersplitterung, d.h. die einzelnen Organisationen vertreten häufig einander widersprechende Partikularinteressen.

Wahlen und andere Formen der politischen Partizipation der Bevölkerung

Die letzten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen fanden 2017 statt. Am 19. Februar vollzog sich die erste Runde der PräsidentschaftswahlenLenín Moreno erhielt 39,2% der Stimmen. Er kündigte an, den Kurs Correas fortsetzen zu wollen. In der Stichwahl am 2. April trat Moreno gegen den ehemaligen Banker Guillermo Lasso an, der mit 28,1% das zweitbeste Ergebnis erreichte. Nach dem amtlichen Wahlergebnis setzte sich Moreno (51,16 % der Stimmen) knapp gegen Lasso (48,84 %) durch. Der 64-Jährige Moreno trat sein Amt am 24. Mai 2017 an. 

Aus den Wahlen zur Nationalversammlung ging die Regierungspartei Alianza PAÍS trotz deutlicher Verluste im Vergleich zu den Wahlen von 2013 mit 74 Mandaten als stärkste Partei hervor, gefolgt von der neuen Partei Creando Oportunidades (CREO) des unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Guillermo Lasso mit 34 Sitzen sowie der Partido Social Cristiano (PSC) mit 15 und einigen kleineren Parteien. Im Juli 2018 spalteten sich 28 Abgeordnete der Alianza PAÍS von der Fraktion ab und gründeten eine neue Partei mit dem Namen Revolución Ciudadana. Die Mitglieder verstehen sich als Anhänger Correras. Seither ist Moreno auf die Unterstützung der Opposition angewiesen.

Bei den Regional- und Kommunalwahlen vom 24. März 2019 musste die Alianza País deutliche Verluste hinnehmen. Gewinner waren die von der Alianza País abgespaltene Gruppe und dem ehemaligen Präsidenten Rafael Correa nahestehende Revolución Ciudadana sowie die sozialdemokratische Partei und zahlreiche regionale Gruppen und Bündnisse. 

Das herausragende politische Ereignis der letzten Jahre stellt das selbstbewusste Auftreten der organisierten indigenen Völker Ecuadors in Form der Konföderation der Indigenen Nationen Ecuadors CONAIE dar. Zwar ist ihr institutioneller Einfluss noch begrenzt, sie hat jedoch über ihre Aktionen (Besetzung des Parlaments oder Unterstützung der Opposition) die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Nicht wenige Akteure in Ecuador versuchen regelmäßig, die Arbeit von CONAIE zu behindern, die bis zu Morddrohungen und sogar Mordanschlägen reichen.

Einige ihre Forderungen, wie beispielsweise die Definition Ecuadors als Vielvölkerstaat oder die Deklaration der Rechte der indianischen Bevölkerung und Afroecuadorianer, haben Eingang in die neue Verfassung von 1998 gefunden. Die indianischen Organisationen spielten seit dem Generalstreik von Juli 1999 bis zum Militärputsch von Januar 2000 ebenfalls eine zentrale Rolle. Inzwischen ist es jedoch zu einem Bruch zwischen der Regierung und CONAIE gekommen.

Presse und andere öffentliche Medien, Pressefreiheit

Am 14. Juni 2013 verabschiedete das ecuadorianischen Parlament ein höchst umstrittenes Kommunikationsgesetz, das von vielen Beobachtern als Beschränkung der Medienfreiheit bewertet wird. Zweifelsohne handelt es sich um eines der kontroversesten Themen der vergangenen Jahre in Ecuador. Zu den wichtigsten online verfügbaren Medien in Ecuadors zählen die konservative Tageszeitung El Comercio, die Zeitschrift Vistazo und das Portal La Hora. Aktuelle Nachrichten zu Ecuador finden sich auch in der online-Zeitung Southamerica DailyDeutschsprachige Presseerzeugnisse gibt es in Ecuador ebenfalls.

Menschenrechte

Der Ecuador-Bericht 2017/18 von Amnesty International stellt u.a. fest: "Sprecher indigener Gemeinschaften, Menschenrechtsverteidiger und Mitarbeiter von NGOs sahen sich strafrechtlicher Verfolgung und Schikanen ausgesetzt, und es gab auch weiterhin Einschränkungen der Rechte auf Meinungs- und Vereinigungsfreiheit." Die Verfassung, die auf sozialem Gebiet als eine der fortschrittlichsten des Kontinents gilt, hat jedoch zur Stärkung der Menschenrechte beigetragen. Freedom House kritisiert vor allem deutliche Tendenzen in Richtung einer Einschränkung der Pressefreiheit und berichtet auch von mehrfachen Übergriffen auf Journalisten. Im August 2019 warnten lateinamerikanische Politiker und Intellektuelle in einem Appell vor dem Verfall der Bürger- und Menschenrechte unter Lenín Moreno. Sie warten, dass zentrale Institutionen der ecuadorianischen partizipativen Demokratie systematisch zerstört würden. Im selben Monat stellte die regierungskritische Internetplattform Ecuador Inmediato (EI) nach 15 Jahren ihre Arbeit aus "Protest gegen die Einschränkung der freien Meinungsäußerung in Ecuador" ein. 

Korruption

Ecuador hat in den vergangenen Jahren Fortschritte bei der Korruptionsbekämpfung erzielen können. Auf dem Korruptions-Perzeptions Index (2018) von Transparency International nimmt Ecuador Position 114 unter 180 aufgeführten Ländern ein. Je weiter unten ein Land auf dem Index steht, desto höher wird die Korruption anhand der zugrunde gelegten Indikatoren eingeschätzt. Ecuadors Position hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert - um 36 Positionen alleine seit 2007. Allerdings ist Ecuador gegenwärtig massiv in den globalen Korruptionsskandal um die Odebrecht-Gruppe, den größten Industriekonzern Brasiliens, verwickelt. Ecuador ist einer von neun lateinamerikanischen Staaten, in denen Odebrecht nach eigenen Angaben ab 2001 Regierungsmitarbeitern Schmiergelder bezahlt hat. An die 100 Projekte habe man sich auf diesem Weg gesichert. Gegen zahlreiche Politiker und Staatsangestellte wurden Ermittlungen eingeleitet. Im Dezember 2017 befand das oberste Gericht Ecuadors den ehemaligen Vizepräsidenten Jorge Glas und acht weitere Angeklagte für schuldig, Bestechungsgeld angenommen und dafür öffentliche Aufträge zum Bau von Erdölinfrastrukturprojekten an Odebrecht vergeben zu haben. Glas, der stets seine Unschuld beteuert hat, wurde zu sechs Jahre Haft verurteilt. Im Oktober 2018 trat Glas in einen Hungerstreik ein, den er im folgenden Dezember aus gesundheitlichen Gründen abbrach. Im Februar 2019 wurden erstmals Korruptionsvorwürfe auch gegen Lenín Moreno laut. Demnach sei die Familie des Präsidenten an einem Offshore-Unternehmen in Panama beteiligt. 

Datenskandal

Am 17. September 2019 wurde bekannt, dass die persönlichen Daten von beinahe der gesamten Bevölkerung Ecuadors im Netz veröffentlicht wurden. Betroffen sind offenbar 17 Millionen Menschen, darunter fast 7 Millionen Minderjährige. Auch die Daten des ecuadorianischen Präsidenten und des Wikileaks-Gründer Julian Assange wurden waren öffentlich zugänglich. Die Daten stammen nach bisherigen Erkenntnissen von einem ungesicherten Server des ecuadorianischen Marketing- und Analyseunternehmens Novaestrat. 

Wahlplakate zur Regional- und Kommunalwahl im März 2019
Am 24. März 2019 fanden Regional- und Kommunalwahlen statt. Rund 6000 Ämter und Positionen von der Provinz- bis zur Gemeindeebene standen zur Wahl. © A.L. Salinas de Dosch

Außenpolitische Themen

Beziehungen mit Kolumbien

Nachdem die Beziehungen zu Kolumbien zwischen 2006 and 2009 stark belastet und für 20 Monate komplett unterbrochen waren, setzte ab November 2009 ein Prozess der Normalisierung ein, der im Januar 2011 mit dem Austausch von Botschaftern seinen vorläufigen Abschluss fand.

2006 waren Maschinen der kolumbianischen Luftwaffe bei der Verfolgung von Rebellen der Guerillaorganisation Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (FARC) mehrfach in den Luftraum des Nachbarlandes eingedrungen. Im September 2005 hatten Soldaten der ecuadorianischen Armee auf ihrem Territorium einen Stützpunkt der FARC entdeckt und ausgehoben. Der Rebellen-Unterschlupf befand sich im Norden Ecuadors, 200 Meter von der Grenze zu Kolumbien entfernt.

Am 1. März 2008 drang das kolumbianische Militär erneut auf ecuadorianisches Gebiet vor und tötete den stellvertretenden Farc-Anführer Raúl Reyes und mindestens 23 weitere Rebellen, sowie einen ecuadorianischen und vier mexikanische Staatsbürger bei einem kombinierten Luft- und Bodenangriff. Ecuador und Venezuela, das die Militäraktion ebenfalls scharf verurteilt hatte, stationierten daraufhin Soldaten an den Grenzen zum Nachbarland.

Laut Berichten der Streitkräfte Ecuadors, hatte es bis zum Jahr 2008 zwischen beiden Ländern 55 illegale Grenzübergänge gegeben. Zwar pflegen die beiden Länder nun wieder freundschaftliche Beziehungen, doch dringen nach wie vor kolumbianische Guerilleros der FARC und Paramilitärs über die schwer zu kontrollierende Grenze in die ecuadorianischen Nordprovinzen ein, die auch begrenzt als Rückzugs- und Erholungsgebiete dienen. 

Im April 2018 ermordeten Angehörige der Oliver Sinisterra Front, einer Splittergruppe ehemaliger FARC-Rebellen, ein ecuadorianisches Reporterteam im Grenzgebiet. Der Reporter Javier Ortega, der Fotograf Paúl Rivas und ihr Fahrer Efraín Segarra waren im März verschleppt worden. Die Journalisten hatten in der Grenzregion zwischen Ecuador und Kolumbien für eine Reportage über Guerilla-Kämpfer recherchiert, die sich dem Friedensprozess zwischen der kolumbianischen Regierung und den Rebellenorganisationen widersetzen. Innenminister César Navas und Verteidigungsminister Patricio Zambrano traten infolge der Ereignisse zurück

Beziehungen mit Multinationalen und der Weltbank

2013 verurteilte der Nationale Gerichtshof Ecuadors den US-Erdölkonzern Chevron wegen Umweltverschmutzungen im Amazonasgebiet zu einer Geldstrafe von 9,5 Milliarden US$. Im März 2014 wies jedoch ein New Yorker Gericht den Antrag ecuadorianischer Kläger zurück, die das Urteil in den USA durchzusetzen versuchten. Im Juni 2017 bestätigte der Oberste Gerichtshof der USA die diese Entscheidung und beendete damit den Rechtsstreit, der somit mit einem Sieg für Chevron endete. 

Ecuadors Beziehungen mit der Weltbank erreichten 2007 einen Tiefpunkt, der Ende April 2007 dazu führte, dass Präsident Rafael Correa den Vertreter der Weltbank in Ecuador, Eduardo Somensatto, ausweisen lies. Inzwischen haben sich die Beziehungen jedoch wieder weitgehend normalisiert.

Beziehungen mit Peru

Am 26. Oktober 1998 wurde das Friedensabkommen zwischen Peru und Ecuador unterzeichnet, das einen Schlussstrich unter den 50 Jahre lang anhaltenden Grenzkonflikt zog, der noch 1995 zu einem Grenzkrieg eskalierte. Am 15.05.1999 wurde die Grenzziehung beendet. Im Juni 2017 begann Ecuador offenbar mit dem Bau einer Grenzmauer, die illegale Aktivitäten wie Schmuggel zwischen den beiden Ländern verhindern sollte. Kurz darauf wurde das Vorhaben aber aufgrund peruanischer Proteste gestoppt.

Beziehungen mit der EU

Obwohl Ecuador inzwischen den Status eines Landes hohen mittleren Einkommens erreicht hat, entschied die EU, die bilaterale Entwicklungskooperation bis 2020 fortzusetzen. Seit 2014 steht hiefür ein Budget von 67 Millionen Euro zur Verfügung. Die Zielsetzung der Kooperation besteht darin, nachhaltiges und inklusives Wachstum auf lokaler Ebene zu fördern und den nachhaltigen Handel zu stärken. Ecuador profitiert auch von der strategischen Zusammenarbeit und  vom regionalen Kooperationsprogramm der EU mit Lateinamerika, das im Zeitraum 2014-2020 ein Gesamtvolumen un 805 Millionen Euro umfasst.  In den vergangenen Jahren waren die Verhandlungen über den künftigen einheitlichen EU-Zoll für Bananen, der die bisherige EU-Bananenmarktordnung ablöst, von großer Bedeutung für Ecuador. Das Land war als größter lateinamerikanischer Bananenexporteur in die EU Verhandlungsführer Lateinamerikas. Eine Einigung erfolgte 2009 und ein wichtiges Handelsproblem wurde damit aus dem Weg geräumt. Damit war die Tür geöffnet für ein Handels- und Entwicklungsübereinkommen, das die EU und Ecuador 2014 unterzeichneten. Es trat im Januar 2017 in Kraft und führte im ersten Jahr zu einer deutlichen Steigerung der ecuadorianischen Exporte in die EU.

Beziehungen mit Deutschland 

Die wichtigsten Themen in den bilateralen Beziehungen sind Handel und Investitionen, Entwicklungszusammenarbeit, Umweltpolitik und Duale Ausbildung. Deutschland einer der wichtigsten Handelspartner Ecuadors und wichtigster europäischer Exporteur nach Ecuador. Deutsche Exporte nach Ecuador betrugen im Jahr 2017 450 Millionen US Dollar, Einfuhren aus Ecuador 511 Millionen US Dollar. Damit gingen 2017 3,15 % der ecuadorianischen Exporte nach Deutschland. Die ecuadorianische Regierung hat beschlossen, das duale Berufsausbildungssystem nach deutschem Vorbild in ganz Ecuador einzuführen und hierfür 40 Berufsschulzentren neu einzurichten. Deutschland ist außerdem einer Deutschland ist einer der größten bilateralen Geber der Entwicklungszusammenarbeit mit Ecuador. Im Februar 2019 hielt sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu einem Staatsbesuch in Ecuador auf und eröffnete an der katholischen Universität in Quito das Humboldt-Jahr. Auf dem Programm stand auch ein Besuch der Galapagos-Inseln - der erste eines deutschen Staatsoberhaupts. 

Beziehungen mit den USA

Die Beziehungen zwischen den Regierungen Ecuadors und der USA sind seit dem Amtsantritt von Rafael Correa im Januar 2007 angespannt. Erster Streitpunkt war die Zukunft der amerikanischen Militärbasis in Manta. 1999 hatten beide Länder ein für zehn Jahre gültiges Abkommen geschlossen, das es den USA ermöglichte, militärische Lufteinsätze gegen den Drogenanbau in Kolumbien durchzuführen. In der ecuadorianischen Bevölkerung war der Vertrag jedoch nicht populär und so wurde das Abkommen - auch auf Grundlage der Verfassung von 2008, die ausländische Truppenstationierungen verbietet - letztlich nicht verlängert. Im September 2009 verließ der letzte US-Soldat die Basis in Manta. Im Juni 2010 besuchte die damalige Außenministerin Hillary Clinton Ecuador. Einen starken Einbruch erlitten die bilateralen Beziehungen, als Anfang April 2011 die US-Botschafterin Hodges - nach aus ecuadorianischer Sicht unbefriedigenden Erklärungen zu in Wikileaks veröffentlichten US-Telegrammen - aus Quito ausgewiesen worden war. Zwei Tage später wurde der Botschafter Ecuadors in Washington ausgewiesen. Unter der Regierung Moreno haben sich die Beziehungen deutlich verbessert. Im Mai 2018 unterzeichneten beide Staaten eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit in sicherheitspolitischen Fragen. Dabei geht es vor allem um die Bekämpfung von Drogen- Waffen- und Menschenhandel sowie Geldwäsche. Ende Juni 2018 trug ein Besuch des US Vize-Präsidenten Mike Pence zu einer weiteren Annäherung zwischen den beiden Staaten bei. Dieser Trend setzte sich im Mai 2019 mit einem des Besuch des Vize-Außenministers der USA, David Hale, in Ecuador fort. Mehrere Abkommen in den Bereichen Sicherheit, Demokratie und soziale Entwicklung wurden unterzeichnet. Außerdem wurde vereinbart, dass die US-Entwicklungsagentur USAID nach Ecuador zurückkehrt.

Beziehungen mit China

“China finanziert den halben Planeten, einschließlich der Vereinigten Staaten. Wieso sollen sie deshalb Entwicklungsvorhaben in Lateinamerika und Ecuador nicht ebenfalls finanzieren”, so beschrieb Rafael Correa im Juli 2011 die Motivation Ecuadors, die Beziehungen mit China zu stärken. China, dessen Einfluss in Lateinamerika stetig wächst, hat Petroecuador, dem staatlichen Ölkonzern Ecuadors, bereits mehrere Milliarden-Darlehen gewährt. Insgesamt machen die chinesischen Darlehen bereits 4% des ecuadorianischen BIP aus. Chinesische Firmen werden zukünftig auch an der Förderung von Kupfer, Gold und Silber in Ecuador beteiligt sein. Der Handel zwischen den beiden Nationen ist in den vergangenen fünf Jahren stark angestiegen. Ende 2016 vereinbarten die beiden Staaten eine umfassende strategische Partnerschaft. Jedoch offenbaren sich zunehmend die Schattenseiten dieser Beziehung. So sollte das von chinesischen Unternehmen gebaute, 150 Kilometer von Quito entfernte gigantische Wasserkraftwerk Coca Codo Sinclair (CCS) zum Symbol für die unter der Regierung Correas eingeläuteten Energiewende werden sollen. Das grösste Infrastrukturprojekt Ecuadors produziert 30% des Energiebedarfs des Landes. Doch der vermeintliche Vorzeigebau ist ein überteuertes Projekt von minderwertiger Qualität, wie ein kürzlicher Bericht des nationalen Rechnungsprüfungsamtes offenbarte. Seit Juli 2020 sorgte das die wiederholte Präsenz einer chinesische Fischfangflotte von diesmal etwa 260 Schiffen vor den Galapagos Inseln für Verstimmung in den bilateralen Beziehungen. Obwohl die Flotte das einzigartiges Ökosystem der Inseln bedroht, fehlt Ecuador eine rechtliche Handhabe, da sich die Schiffe gerade noch in internationalen Gewässern und nicht in der exklusiven 200 Seemeilen-Zone Ecuadors befanden. Allerdings wird berichtet, dass manche Boote ihr Automatic Identification System (AIS) häufig abgeschalten, wodurch dann  nicht  mehr nachzuvollziehen, wo gefischt wird. Zum Teil sollen 99 Prozent des Fischfangs vor den Galapagos-Inseln momentan auf die chinesischen Boote entfallen. 

Regionale Integration

Während der Präsidentschaft Rafael Correas unternahmen Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Venezuela und Perú einen neuen Anlauf, ihre Länder wirtschaftlich und politisch enger in der Andengemeinschaft zu integrieren. Ziele der Andengemeinschaft sind eine intensive regionale Zu­sam­men­ar­beit auf politischer, recht­licher und wirt­schaft­licher Ebene, die Ver­bes­se­rung der Lebens­be­din­gungen der Bevölkerung, der schritt­weise Aufbau eines gemein­samen Marktes und die bessere Positionierung der Region auf dem Weltmarkt. Jedoch wurde die künftige Bedeutung der Andengemeinschaft durch das Aufkommen neuer regionaler Organisationen in Frage gestellt. Hohe Priorität kam zunächst der 2004 von Venezuela und Kuba gegründeten "Bolivarianischen Allianz für die Völker unseres Amerika" (ALBA) zu, der Ecuador 2009 beitrat. Die Beziehungen zu anderen regionalen Zusammenschlüssen - wie der EU und dem Mercosur - sollten ebenfalls verstärkt werden. Im Mai 2018 kündigte Ecuador an, der 2012 gegründeten Pazifik-Allianz beitreten zu wollen. Der Organisation gehören bisher als Vollmitglieder Chile, Peru, Kolumbien und Mexiko an. Die Regierung unter Präsident Moreno setzte dieses Vorhaben jedoch nicht um und hat sich inzwischen deutlich von lateinamerikanischen Integrationsprojekten im Allgemeinen und den Organisationen UNASUR und ALBA im Besonderen abgewandt. Stattdessen unterstützt Ecuador die außenpolitischen Leitlinien der USA für die Region. 

Immigration und Emigration

Armut und ökonomische Krisen haben in der jüngeren Geschichte Ecuadors immer wieder maßgeblich zu Migrationswellen beigetragen. Schätzungsweise haben insgesamt etwa 10% bis 15% der Ecuadorianer in den vergangenen 25 Jahren ihre Heimat verlassen. Gegenwärtig leben zwischen 1,5 und 2 Millionen Ecuadorianer im Ausland - die meisten in Spanien, gefolgt von Italien. Seit 2009 hat sich die geschätzte Quote jedoch deutlich reduziert und es ist seither zu einer verstärkten Rückeinwanderung gekommen. Seit 2018 stellt die hohe Zahl venezuelanischer Emigranten Ecuador, wie andere Länder in der Region auch, vor Herausforderungen. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHRC (Stand: Februar 2019) haben 3,4 Millionen Venezolaner ihre Heimat als Folge der dortigen Krise verlassen; etwa 2,7 Millionen halten sich in anderen Ländern Lateinamerikas und der Karibik auf. Ecuador beherbergt 221.000 Venezolaner - zum Vergleich: Kolumbien: 1,1 Millionen; Peru; 506.000, Chile: 288.000; Argentinien: 130.000; Brasilien: 96.000.

Der Fall Assange

Am 19. Juni 2012 geriet Ecuador international in die Schlagzeilen, nachdem sich Wikileaks-Gründer Julian Assange - er ist australischer Staatsbürger - in die ecuadorianische Botschaft in London absetzte und einen Asylantrag stellte. Assange wollte damit einer Auslieferung nach Schweden entgehen, wo er zu Vergewaltigungsvorwürfen befragt werden sollte. In den folgenden Jahren lebte Assange in einem 20 Quadratmeter großen Botschaftszimmer, das ihm sowohl als Wohnraum als auch Büro diente. Im Januar 2018 erhielt er die ecuadorianische Staatsangehörigkeit, die ihm  jedoch im April 2019 wieder entzogen wurde. Gleichzeitig hob er Assanges politisches Asyl auf. Zu diesem Zeitpunkt war zum offenen Bruch zwischen der Regierung Ecuadors und Assange gekommen. Während Moreno Assange wiederholtes Fehlverhalten vorwarf und ihn u.a. beschuldigte, gegen die Auflage verstoßen zu haben, sich nicht in innere Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen, warf Wikileaks der ecuadorianischen Regierung vor, Assange auszuspionieren. Am 11. April 2019 nahm die britische Polizei Assange in der Botschaft fest. Am 1. Mai verurteilte ein britisches Gericht Assange zu einer Gefängnisstrafe von 50 Wochen, da er sich durch seine Flucht in die Botschaft der Justiz entzogen habe.  

Der Fluss Tomebamba in Cuenca
Der Fluss Tomebamba in Cuenca, der drittgrößten Stadt Ecuadors. Sie auch eine der meistbesuchten des Landes: Jährlich kommen mehr als eine Million Besucher. © A.L. Salinas de Dosch

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im September 2020 aktualisiert.

Die Autorin

Ana Lucia Salinas de Dosch

Dr. Ana Lucía Salinas de Dosch stammt aus Cuenca, Ecuador, und ist Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin. Seit der Promotion an der Universität Panthéon-Assas (Paris II) hat sie an Universitäten in Ecuador, Großbritannien, Deutschland und den USA gelehrt. Sie ist Autorin eines Buches über die Medien in Ecuador und mehrerer Artikel und Aufsätze zu diversen Themen Lateinamerikas.

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