Präsidentenpalast Quito © A.L. Salinas de Dosch
Tag der Unabhängigkeit
24.05.1822
Staatsoberhaupt
Rafael Correa
Regierungschef
Rafael Correa
Politisches System
Präsidialrepublik
Demokratie Status-Index (BTI, 2016)
Rang 65 (von 129)
Korruptionsindex (TI, 2015)
Rang 107 (von 167)

Geschichte

Präkolonialzeit

Im heutigen Staatsgebiet von Ecuador existierten in präinkaischer Zeit mehrere kleine voneinander weitgehend unabhängige Stammesgebiete zwischen den Großreichen der Chimu im Süden und der Chibcha im Norden. Im 15. Jahrhundert eroberten die Inka in langwierigen Kämpfen gegen die Quitu-Cara das Gebiet bis in die Gegend von Pasto (heute Südkolumbien) und etablierten den Hauptort Quito als nördliche Hauptstadt ihres Reiches. Von hier aus errang der letzte Inkakaiser Atahualpa in einem kurzen Bürgerkrieg gegen seinen Bruder Huáscar die Macht.

Kolonialherrschaft

Die spanische Kolonialherrschaft dauerte in Ecuador etwa 300 Jahre. Sie begann 1532 mit der Ankunft der Spanier und endete 1822 mit der Unabhängigkeit. 1823 schuf Simón Bolívar  "Großkolumbien", zu dem Ecuador (damals Audiencia de Quito), Venezuela und Kolumbien gehörten. Die Republik Ecuador schließlich entstand 1830 aus dem Zerfall der Gran Colombia .

In der Geschichte des Landes lassen sich fünf deutlich voneinander getrennte Phasen unterscheiden, die hier im Überblick vorgestellt werden:

Kakaoboom

Die erste Phase erstreckt sich vom Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg und wurde durch eine stetige Zunahme des Kakaoexports bestimmt. Während dieser Epoche beschränkten sich die sozio-politischen Auseinandersetzungen auf Teile der Oberschicht. Dabei ging es im wesentlichen um widersprüchliche Interessen zweier Lager: einerseits die protektionistischen, am Binnenmarkt orientierten Großgrundbesitzer des Hochlandes, die mit dem Klerus verbunden waren und andererseits die auf den Weltmarkt ausgerichteten liberalen Plantagenbesitzer, Kaufleute und Finanzkreise des Küstengebietes.

Wirtschaftskrise

Nach dem Niedergang der Kakaoproduktion ab 1916 u.a. infolge nachlassender Weltmarktnachfrage, kam es zu einer tiefen Wirtschaftskrise, die bis in die 1940er Jahre andauerte. In diese Zeit fällt auch die Entstehung der meisten noch existierenden linksorientierten politischen Parteien, Gewerkschaften und populistischen Bewegungen.

Bananenboom

Anfang der 1950er Jahre setzte der Bananenboom ein, der zwei Jahrzehnte anhielt. Während dieser Zeit wurden die bis dahin vorhandenen vorkapitalistischen Produktionsweisen im Agrarsektor fast restlos aufgegeben. In Verbindung mit der einsetzenden Industrialisierung entstand das heutige Ecuador mit seiner Infrastruktur und Vermarktung sowie den zwei Großstadtzentren Quito und Guayaquil. Gleichzeitig hat die Ära des Bananenbooms jene ökonomischen und sozio-politischen Probleme hinterlassen (Auslandsverschuldung, ungleiche Vermögensverteilung, Arbeitslosigkeit etc.), mit denen sich das Land bis heute konfrontiert sieht.

Erdölboom

Als 1972 erstmals große Mengen Erdöl exportiert werden konnten, begann die bislang letzte Phase ökonomischen Wohlstands in Ecuador. Das Ende diese Epoche fällt in etwa zusammen mit der Überwindung der Militärherrschaft. Erdöl spielt jedoch weiterhin eine zentrale Rolle für die Wirtschaft Ecuadors. Fast ein Drittel seiner Einnahmen bezieht das Land aus dem "schwarzen Gold", das jedoch auch eine zunehmende umweltpolitische Herausforderung darstellt.

Demokratisierung

Die Verfassung von 1979 leitete den fünften Abschnitt der Geschichte des ecuadorianischen Staates ein und ist durch einen Demokratisierungsprozess, aber auch durch eine Verschärfung politischer, ökonomischer und sozialer Problemfelder charakterisiert. Zu den wichtigsten Ereignissen der jüngsten Geschichte zählt die 1998 erzielte Lösung des vormals größten außenpolitischen Problems Ecuadors, die Beilegung des seit der Unabhängigkeit schwelenden Grenzkonfliktes mit Peru.

Der Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Situation und politischer Herrschaft ist prägend für die Geschichte Ecuadors. Während des Kakao- und Bananenbooms konnte das Land von Konservativen und Liberalen ohne Intervenierung des Militärs regiert werden. Wenn sich die ökonomischen Voraussetzungen hingegen verschlechterten, ergriffen selbsternannte Militärdiktatoren (Caudillos) oder durch vom Volk getragene "echte" Caudillos die Macht. Zumeist durchlebte Ecuador dann politische Krisen. "Der Caudillo bezeichnet einen Typus autoritärer Herrschaft, der nicht institutionell verankert ist und primär auf den persönlichen Führungsqualitäten des Herrschenden beruht. Er erkennt keine staatliche Institution und höhere Autorität an und ordnet sich allenfalls mächtigeren Vertretern seiner Gattung unter" (Karl-Dieter Hoffmann: Militärherrschaft und Entwicklung in der Dritten Welt. Der Fall Ecuador, Saarbrücken und Fort Lauderdale 1985, S.249f.). Eine besondere Bedeutung erlangte der Caudillio José María Velasco Ibarra, dessen politische Ideen als 'Velasquismo' von 1833 bis weit ins 20. Jahrhundert Anhängerschaft besaßen.

Inzwischen blickt das Land auf die längste demokratische Periode in der Geschichte Ecuadors als unabhängige Republik zurück. Gleichzeitig wird das formal-demokratische System aber weiterhin durch informale Faktoren, wie Korruption, die persönlichen Interessen einzelner Politiker und Familienclans und politische Skandale, massiv unterminiert, wobei sich die Gesamtsituation und die politische Landschaft in den vergangenen Jahren jedoch deutlich verändert und dabei verbessert haben.

Staat

Ecuador ist eine Präsidialrepublik mit repräsentativer Demokratie und Mehrparteiensystem. Eine wichtige Etappe auf dem Weg zur Herausbildung des heutigen Staatswesens bildete die 1885 beginnende liberale Revolution von Eloy Alfaro. Er war zweimal (1895-1901 und 1906-1911) Präsident von Ecuador. Er gilt als der herausragende liberale Politiker in der Geschichte seines Landes und als zentrale Figur des politischen Lebens an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Alfaro sorgte für die Trennung von Kirche und Staat, säkularisierte das Bildungswesen, führte Religionsfreiheit und Zivilehe ein und schaffte die Todesstrafe ab. Alfaro gründete verschiedene Bildungsinstitutionen und widmete sich stärker als seine Vorgänger der Indígenas- und der Frauenfrage, und verbesserte die rechtliche Stellung beider Gruppen.

Der Präsident und das Parlament, der Nationalkongress mit 137 Sitzen, werden am selben Tag direkt gewählt. Der Präsident ist gleichzeitig Staatsoberhaupt und Regierungschef. Die Gesetzgebungsfunktion wird von Regierung und Nationalkongress gemeinsam ausgeübt. Die letzten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen fanden am 17. Februar 2013  statt. Trotz diverser Dezentralisierungsbemühungen in den vergangenen Jahren ist das politische System Ecuadors weiterhin zentralisiert. Die politische Macht liegt hauptsächlich beim Präsidenten und damit in der Hauptstadt Quito. In der Praxis jedoch muss die politische Macht ständig zwischen den beiden bedeutenden Großregionen Costa und Sierra mit ihren Zentren Guayaquil und Quito austariert werden. Seit 2010 setzt die Correa-Regierung jedoch als Teil des Buen Vivir-Konzeptes Pläne für eine weitgehende Neustrukturierung der nationalen Administration auf regionaler und lokaler Ebene um. Auf diese Weise sind neun neue administrative Zonen entstanden, die jeweils mehrere Provinzen zusammenfassen und der besseren Koordinierung nationaler und regionaler Politikebenen dienen sollen. Durch die in den Zonen stattfindende Zusammenarbeit von Provinzen unterschiedlicher geographischer Regionen soll auch der traditionelle Gegensatz von Sierra und Costa reduziert werden.

Das Staatsoberhaupt

Präsident Rafael Correa, Fernanda LeMarie - Cancillería del Ecuador, CC BY-SA 2.0
Präsident Rafael Correa ©Fernanda LeMarie - Cancillería del Ecuador, CC BY-SA 2.0

Zwischen 1997 und 2007 hatte Ecuador sieben Präsidenten von denen drei nach tumultartigen Aufständen gehen mussten. Seit 2006 regiert Rafael Correa und führte das Land zu politischer Stabilität. Bei den Präsidentschaftswahlen am 17. Februar 2013 wurde er mit  56,7 Prozent der Stimmen - und damit bereits im ersten Wahlgang - im Amt bestätigt. Sein stärkster Rivale, der konservative Bankier Guillermo Lasso, erreichte lediglich 23,3 Prozent. Somit konnte Correa am 24. Mai 2013  seine dritte Amtszeit antreten. Der derzeitige Vize-Präsident ist Jorge Glas. Bei gleichzeitig stattfindenden Wahlen zur Asamblea National, dem nationalen Parlament Ecuadors, konnte Correas Partei, die 1999 gegründete Bewegung Alianza PAÍS, 31 Mandate hinzugewinnen und verfügt mit 91 von 131 Abgeordneten somit über eine Zwei-Drittel-Mehrheit, die ihr auch Verfassungsänderungen im Alleingang ermöglicht.

Der in den USA ausgebildete Ökonom treibt seine 2007 begonnene sozialreformerische Agenda unter dem Schlagwort der "Bürgerrevolution" weiter voran. Die Sozialausgaben für einkommensschwache Familien wurden angehoben, während Correa die staatliche Kontrolle über die Wirtschaft des ölreichen Landes verschärft hat. Im Streit mit den multinationalen Ölkonzernen setzte er 2010 neue Verträge durch, die Ecuador einen größeren Anteil an den Bodenschätzen des Landes sicherten. Kritiker werfen Correa anderseits seit langem vor, Investoren aus dem Land zu vertreiben, worauf der Präsident aber zuletzt mit aktivem Werben um Investitionen reagiert hat nicht zuletzt auch in Deutschland. Unbestritten ist jedoch, dass Ecuador unter Correa deutliche Entwicklungsfortschritte erzielen konnte. Im globalen Vergleich ist das Land überdurchschnittlich gut auf dem Weg zur Erreichung der Millennium Development Goals vorangekommen (aktuelle Daten sind über die UN MDG-Datenbank abrufbar). Die ideologische Grundlage der Politik Correas bildet das von ihm propagierte Konzept des "Buen Vivir", des "Guten Lebens": Eine Lebensphilosophie, die einen Gleichgewichtszustand zwischen Mensch und Natur als höchstes Ziel anstrebt und inzwischen bereits über die Grenzen Ecuadors hinaus als alternative Entwicklungsleitlinie Aufsehen erregt hat. 

Kontrovers wird seit einiger Zeit insbesondere das Thema Pressefreiheit diskutiert. Correa ist mit einigen der Medien des Landes in einen Machtkampf verwickelt, bei dem es um die Balance zwischen freier Berichterstattung und den Persönlichkeitsrechten geht. Im September 2014 kam es erstmals zu größeren Protesten gegen Correa. Die Demonstrationen in Quito und anderen Städten richteten sich u.a. gegen eine geplante Arbeitsmarktreform und eine mögliche Verfassungsreform, welche die Amtszeitbegrenzung des Präsidenten aufheben würde.

Die nächsten Präsidentschaftswahlen sind für den 19. Februar 2017 geplant. Aussichtsreichster Kandidat ist gegenwärtig Lenín Moreno, der, wie Correa der Partei Alianza PAIS angehört und zu deren Gründungsmitgliedern zählt. Von 2007  bis 2013 war Moreno Vize-Präsident Ecuadors. 

Verfassung

Plaza de la Independencia und Regierungspalast in Quito.
Plaza de la Independencia und Regierungspalast in Quito. © Amelie Dosch

Im Oktober 2008 trat eine neue Verfassung in Kraft, die dem Präsidenten deutlich mehr Macht zubilligt. Bei einer Volksabstimmung hatten fast 64 Prozent der Wähler für die neue Konstitution gestimmt. Die 444 Artikel ermöglichen unter anderem eine einmalige Wiederwahl des Staatsoberhauptes. Außerdem darf der Präsident künftig das Parlament auflösen und Neuwahlen ansetzen. Die neue Verfassung stärkt zudem die Rolle des Staates und setzt auf ein "soziales und solidarisches" Gesellschaftsmodell. Sie soll den Ausverkauf der natürlichen Ressourcen des Landes verhindern und verbietet die Stationierung ausländischer Truppen auf ecuadorianischem Territorium. Darüber hinaus ist die Einführung einer kostenlosen Bildungs- und Gesundheitsversorgung für alle vorgesehen.

Formaler Staatsaufbau

Der Präsident ist gleichzeitig Staatsoberhaupt und Regierungschef. Die Gesetzgebungsfunktion wird von Regierung und Nationalkongress gemeinsam ausgeübt. Der Präsident und das Parlament, der Nationalkongress mit 137 Sitzen, werden am selben Tag direkt gewählt. Nach der früheren Verfassung (von 1998) bestand der Kongress aus 100 Abgeordneten (diputados) mit Sitz in der Hauptstadt Quito. Die Abgeordneten wurden als Vertreter der Provinzen für eine Vier-Jahres-Periode gewählt. Jede der 24 Provinzen stellte mindestens zwei Abgeordnete, einwohnerreiche Provinzen erhielten weitere Sitze. Die Verfassunggebende Versammlung Ecuadors verabschiedete an ihrem ersten Sitzungstag am 30. November 2007 ein Dekret, nach dem der Kongress in eine unbefristete Sitzungspause eintrete. Am 26. April 2009 fanden Neuwahlen zum Parlament, das jetzt Nationalversammlung heisst, statt. Die neue Verfassung hat die Macht der Legislative als Gegengewicht zum Präsidenten zu wirken, deutlich geschwächt. Sie wird über eine nationale  und Provinzlisten gewählt. 

Trotz diverser Dezentralisierungsbemühungen in den vergangenen Jahren ist das politische System Ecuadors weiterhin zentralisiert. Die politische Macht liegt hauptsächlich beim Präsidenten und damit in der Hauptstadt Quito. In der Praxis jedoch muss die politische Macht ständig zwischen den beiden bedeutenden Großregionen Costa und Sierra mit ihren Zentren Guayaquil und Quito austariert werden. Seit 2010 setzt die Correa-Regierung jedoch als Teil des Buen Vivir-Konzeptes Pläne für eine weitgehende Neustrukturierung der nationalen Administration auf regionaler und lokaler Ebene um. Auf diese Weise sind neun neue administrative Zonen entstanden, die jeweils mehrere Provinzen zusammenfassen und der besseren Koordinierung nationaler und regionaler Politikebenen dienen sollen. Durch die in den Zonen stattfindende Zusammenarbeit von Provinzen unterschiedlicher geographischer Regionen soll auch der traditionelle Gegensatz von Sierra und Costa reduziert werden.

Kommunalwahlkampf in Ecuador 2014
Kommunalwahlkampf in Ecuador 2014: Die Opposition setzte sich in den großen Städten durch. © Amelie Dosch
Kommunalwahlkampf in Ecuador 2014

Innenpolitische Themen

Machtträger und Machtgruppen 

Die sich ursprünglich aus den Großgrundbesitzern des Hochlands und der Küste rekrutierende ecuadorianische Elite hat über Jahrhunderte als Oligarchie das Land regiert, die Mittelschicht hat in den letzten Jahren jedoch stark an Bedeutung gewonnen, hier vor allem die libanesischen Einwanderer, die nicht zuletzt mit Mahuad zum wiederholten Mal einen Präsidenten stellten. Das Militär bleibt nach wie vor ein wichtiger Machtfaktor. Wie in anderen Ländern Lateinamerikas hat die Bedeutung der Zivilgesellschaft zugenommen. Die Schwäche der zivilgesellschaftlichen Organisationen liegt aber weiterhin in ihrer Zersplitterung, d.h. die einzelnen Organisationen vertreten häufig einander widersprechende Partikularinteressen.

Wahlen und andere Formen der politischen Partizipation der Bevölkerung

Die letzten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen fanden am 17. Februar 2013  statt. Aus den Wahlen zur Nationalversammlung ging die Regierungspartei Alianza PAÍS mit 91 Mandaten als stärkste Partei hervor, gefolgt von der neuen Partei Creando Oportunidades (CREO) des unterlegenen Präsidentschaftskandiaten Guillermo Lasso mit 12 Sitzen sowie den Parteien Partido Social Cristiano (PSC), Partido Sociedad Patriótica (PSP) und Unidad Plurinacional de las Izquierdas, die über jeweils 6 Abgeordnete verfügen. Derzeitige Präsidentin der Nationalversammlung ist Gabriela Rivadeneira - die erste Frau in diesem Amt. 

Die bürgerliche Opposition konnte bei den Kommunal- und Provinzwahlen am 23. Februar 2014 ein wenig Boden gegenüber der Regierungspartei Alianza PAÍS gutmachen. In den Metropolen Guayaquil, Quito, Cuenca sowie in zwei weiteren Großstädten setzten sich die Bürgermeister-Kandidaten der Oppositon durch. Auch in den Provinzen musste die Partei Correas Verluste hinnehmen.

Das herausragende politische Ereignis der letzten Jahre stellt das selbstbewusste Auftreten der organisierten indigenen Völker Ecuadors in Form der Konföderation der Indigenen Nationen Ecuadors CONAIE dar. Zwar ist ihr institutioneller Einfluss noch begrenzt, sie hat jedoch über ihre Aktionen (Besetzung des Parlaments oder Unterstützung der Opposition) die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Nicht wenige Akteure in Ecuador versuchen regelmäßig, die Arbeit von CONAIE zu behindern, die bis zu Morddrohungen und sogar Mordanschlägen reichen.

Einige ihre Forderungen, wie beispielsweise die Definition Ecuadors als Vielvölkerstaat oder die Deklaration der Rechte der indianischen Bevölkerung und Afroecuadorianer, haben Eingang in die neue Verfassung von 1998 gefunden. Die indianischen Organisationen spielten seit dem Generalstreik von Juli 1999 bis zum Militärputsch von Januar 2000 ebenfalls eine zentrale Rolle. Inzwischen ist es jedoch zu einem Bruch zwischen der Regierung und CONAIE gekommen.

Presse und andere öffentliche Medien, Pressefreiheit

Am 14. Juni 2013 verabschiedete das ecuadorianischen Parlament ein höchst umstrittenes Kommunikationsgesetz, das von vielen Beobachtern als Beschränkung der Medienfreiheit bewertet wird. Zweifelsohne handelt es sich um eines der kontroversesten Themen der vergangenen Jahre in Ecuador. Wenn Sie politisch "auf dem Laufenden" bleiben wollen, sollten Sie wissen, dass die wichtigsten Tageszeitungen Ecuadors auch "online" verfügbar sind: die konservative El Comercio, die online-Version der Zeitschrift Vistazo und schließlich das online Portal La Hora. Aktuelle Nachrichten zu Ecuador finden sich auch in der online-Zeitung Southamerica DailyDeutschsprachige Zeitungen gibt es in Ecuador ebenfalls.

Menschenrechte

Der Ecuador-Jahresbericht 2015 von Amnesty International stellt u.a. fest: "Menschenrechtsverteidiger und Regierungskritiker wurden nach wie vor angegriffen und diskreditiert. Das Recht indigener Bevölkerungsgruppen auf vorherige Konsultation und eine freiwillige, vorab und in Kenntnis der Sachlage gegebene Zustimmung wurde nicht gewahrt." Die neue Verfassung, die auf sozialem Gebiet als eine der fortschrittlichsten des Kontinents gilt, hat jedoch zur Stärkung der Menschenrechte beigetragen. Freedom House kritisiert vor allem deutliche Tendenzen in Richtung einer Einschränkung der Pressefreiheit und berichtet auch von mehrfachen Übergriiffen auf Journalisten. 

Korruption

Ecuador hat in den vergangenen Jahren Fortschritte bei der Korruptionsbekämpfung erzielen können. Auf dem Korruptions-Perzeptions Index (2014) von Transparency International nimmt Ecuador Position 110 unter 178 aufgeführten Ländern ein. Je weiter unten ein Land auf dem Index steht, desto höher wird die Korruption anhand der zugrunde gelegten Indikatoren eingeschätzt. Ecuadors Position hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert - um 40 Positionen alleine seit 2007. Auf dem Demokratie-Index Lateinamerika (2013) schneidet Ecuador nicht sehr gut ab und befindet sich in der Gruppe der Länder mit "niedriger demokratischer Entwicklung", was jedoch bereits eine leichte Verbesserung gegenüber früheren Jahren darstellt. 

Außenpolitische Themen

Beziehungen mit Kolumbien

Nachdem die Beziehungen zu Kolumbien zwischen 2006 and 2009 stark belastet und für 20 Monate komplett unterbrochen waren, setzte ab November 2009 ein Prozess der Normalisierung ein, der im Januar 2011 mit dem Austausch von Botschaftern seinen vorläufigen Abschluss fand.

2006 waren Maschinen der kolumbianischen Luftwaffe bei der Verfolgung von Rebellen der Guerillaorganisation Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (FARC) mehrfach in den Luftraum des Nachbarlandes eingedrungen. Im September 2005 hatten Soldaten der ecuadorianischen Armee auf ihrem Territorium einen Stützpunkt der FARC entdeckt und ausgehoben. Der Rebellen-Unterschlupf befand sich im Norden Ecuadors, 200 Meter von der Grenze zu Kolumbien entfernt.

Am 1. März 2008 drang das kolumbianische Militär erneut auf ecuadorianisches Gebiet vor und tötete den stellvertretenden Farc-Anführer Raúl Reyes Reyes und mindestens 23 weitere Rebellen, sowie einen ecadorianischen und vier mexikanische Staatsbürger bei einem kombinierten Luft- und Bodenangriff. Ecuador und Venezuela, das die Militäraktion ebenfalls scharf verurteilt hatte, stationierten daraufhin Soldaten an den Grenzen zum Nachbarland.

Laut Berichten der Streitkräfte Ecuadors, hatte es bis zum Jahr 2008 zwischen beiden Ländern 55 illegale Grenzübergänge gegeben. Zwar pflegen die beiden Länder nun wieder freundschaftliche Beziehungen, doch dringen nach wie vor kolumbianische Guerilleros der FARC und Paramilitärs über die schwer zu kontrollierende Grenze in die ecuadorianischen Nordprovinzen ein, die auch begrenzt als Rückzugs- und Erholungsgebiete dienen. 

Beziehungen mit Multinationalen und der Weltbank

2013 verurteilte der Nationale Gerichtshof Ecuadors den US-Erdölkonzern Chevron wegen Umweltverschmutzungen im Amazonasgebiet zu einer Geldstrafe von 9,5 Milliarden US$.  Im März 2014 wies jedoch ein New Yorker Gericht den Antrag ecuadorianischer Kläger zurück, die das Urteil in den USA durchzusetzen versuchten.

Ecuadors Beziehungen mit der Weltbank erreichten 2007 einen Tiefpunkt, der Ende April 2007 dazu führte, dass Präsident Rafael Correa den Vertreter der Weltbank in Ecuador, Eduardo Somensatto, ausweisen lies. Inzwischen haben sich die Beziehungen jedoch wieder weitgehend normalisiert.

Beziehungen mit Peru

Am 26. Oktober 1998 wurde das Friedensabkommen zwischen Peru und Ecuador unterzeichnet, das einen Schlußstrich unter den 50 Jahre lang anhaltenden Grenzkonflikt zog, der noch 1995 zu einem Grenzkrieg eskalierte. Am 15.05.1999 wurde die Grenzziehung beendet.

Beziehungen mit der EU

Im April 2007 veröffentlichte die EU Kommission ein neues Country Strategy Paper für Ecuador, das den Ansatz für die europäisch-ecuadorianischen Beziehungen für den Zeitraum bis 2013 skizzierte. Obwohl Ecuador inzwischen den Status eines Landes hohen mittleren Einkommens erreicht hat, entschied die EU, die Entwicklungskooperation in der Periode 2014-2017 fortzusetzen. Hierfür steht ein Budget  von 67 Millionen Euro zur Verfügung. Die Zielsetzung der Kooperation besteht darin, nachhaltiges und inklusives Wachstum auf lokaler Ebene zu fördern und den nachhaltigen Handel zu stärken. In den vergangenen Jahren waren die Verhandlungen über den künftigen einheitlichen EU-Zoll für Bananen, der die bisherige EU-Bananenmarktordnung ablöst, von großer Bedeutung für Ecuador.  Das Land war als größter lateinamerikanischer Bananenexporteur in die EU Verhandlungsführer Lateinamerikas. Eine Einigung erfolgte 2009 und ein wichtiges Handelsproblem wurde damit aus dem Weg geräumt. Damit war die Tür geöffnet für ein Handels- und Entwicklungsübereinkommen, das die EU und Ecuador 2014 unterzeichneten.

Beziehungen mit den USA

Die Beziehungen zwischen den Regierungen Ecuadors und der USA sind seit dem Amtsantritt von Rafael Correa im Januar 2007 angespannt. Erster Streitpunkt war die Zukunft der amerikanischen Militärbasis in Manta. 1999 hatten beide Länder ein für zehn Jahre gültiges Abkommen geschlossen, das es den USA ermöglichte, militärische Lufteinsätze gegen den Drogenanbau in Kolumbien durchzuführen. In der ecuadorianischen Bevölkerung war der Vertrag jedoch nicht populär und so wurde das Abkommen - auch auf Grundlage der Verfassung von 2008, die ausländische Truppenstationierungen verbietet -  letztlich nicht verlängert. Im September 2009 verließ der letzte US-Soldat die Basis in Manta. Im Juni 2010 besuchte die damalige Außenministerin Hillary Clinton Ecuador. Seither haben keine hochrangigen Staatsbesuche im US-ecuadorianischen Verhältnis stattgefunden. Einen starken Einbruch erlitten die bilateralen Beziehungen, als Anfang April 2011 die US-Botschafterin Hodges - nach aus ecuadorianischer Sicht unbefriedigenden Erklärungen zu in Wikileaks veröffentlichten US-Telegrammen - aus Quito ausgewiesen worden war. Zwei Tage später wurde der Botschafter Ecuadors in Washington ausgewiesen. Seither sind die bilateralen Beziehungen angespannt geblieben

Beziehungen mit China

“China finanziert den halben Planeten, einschließlich der Vereinigten Staaten. Wieso sollen sie deshalb Entwicklungsvorhaben in Lateinamerika und Ecuador nicht ebenfalls finanzieren”, so beschrieb Rafael Correa im Juli 2011 die Motivation Ecuadors, die Beziehungen mit China zu stärken. China, dessen Einfluss in Lateinamerika stetig wächst, hat Petroecuador, dem staatlichen Ölkonzern Ecuadors, bereits mehrere Milliarden-Darlehen gewährt. Insgesamt machen die chinesischen Darlehen bereits 4% des ecuadorianischen BIP aus. Chinesische Firmen werden zukünftigt auch an der Förderung von Kupfer, Gold und Silber in Ecuador beteiligt sein. Der Handel zwischen den beiden Nationen ist in den vergangenen fünf Jahren stark angestiegen und inzwischen ist sogar ein Ausbau der militärischen Kooperation im Gespräch.

Regionale Integration

Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Venezuela und Perú haben einen neuen Anlauf genommen, ihre Länder wirtschaftlich und politisch enger in der Andengemeinschaft zu integrieren. Ziele der Andengemeinschaft sind eine intensive regionale Zu­sam­men­ar­beit auf politischer, recht­licher und wirt­schaft­licher Ebene, die Ver­bes­se­rung der Lebens­be­din­gungen der Bevölkerung, der schritt­weise Aufbau eines gemein­samen Marktes und die bessere Positionierung der Region auf dem Weltmarkt. Jedoch ist die künftige Bedeutung der Andengemeinschaft durch das Aufkommen neuer regionaler Organisationen in Frage gestellt. Hohe Priorität kommt der 2004 von Venezuela und Kuba gegründeten "Bolivarianischen Allianz für die Völker unseres Amerika" (ALBA) zu, der Ecuador 2009 beitrat. Die Beziehungen zu anderen regionalen Zusammenschlüssen - wie der EU und dem Mercosur - sollen ebenfalls verstärkt werden.

Der Fall Assange

Am 19. Juni 2012 geriet Ecuador international in die Schlagzeilen, nachdem sich Wikileaks-Gründer Julian Assange - er ist australischer Staatsbürger - in die ecuadorianische Botschaft in London abgesetzt und einen Antrag auf politisches Asyl gestellt hatte. Er wehrt sich seit 2010 gegen seine Auslieferung nach Schweden, wo er zu Vergewaltigungsvorwürfen befragt werden soll. Am 19. August 2012 gewährte Präsident Correa Assange Asyl. Durch diese Entscheidung geriet Ecuador jedoch in einen diplomatischen Streit mit Großbritannien, das sich weigert, Assange freies Geleit zu garantieren. Insofern hat der Australier die Botschaft bisher nicht verlassen können.  Im Dezember 2013 sicherte Ecuadors Außenminister Ricardo Patiño Assange die weitere Unterstützung Ecuadors zu. Eine Lösung ist jedoch weiterhin nicht in Sicht und so lebt Assange weiterhin in einem 20 Quadratmeter großen Botschaftszimmer, das ihm sowohl als Wohnraum als auch Büro dient. Mitte Oktober 2016 entschied Ecuadors Außenministerium, Assange den Internetzugang in der Botschaft zu sperren. Im November begann -  in der ecuadorianischen Botschaft in London - eine Befragung Assanges durch die schwedische Staatsantwaltschaft zum Vorwurf der Vergewaltigung.

Immigration und Emigration

Armut und ökonomische Krisen haben in der jüngeren Geschichte Ecuadors immer wieder  maßgeblich zu Migrationswellen  beigetragen. Schätzungsweise haben insgesamt etwa 10% bis 15% der Ecuadorianer in den vergangenen 25 Jahren ihre Heimat verlassen. Gegenwärtig leben zwischen 1,5 und 2 Millionen Ecuadorianer im Ausland - die meisten in Spanien, gefolgt von Italien. Seit 2009 hat sich die geschätzte Quote jedoch deutlich reduziert und es ist seither zu einer verstärkten Rückeinwanderung gekommen.

Assange in der Botschaft Ecuadors in London, CC BY-SA 2.0
Seit 19.06.12 hält sich Julian Assange in der Botschaft Ecuadors in London auf. Quelle: Snapperjack from London, UK. - DSC_4486, CC BY-SA 2.0

Das Länderinformationsportal

Das Länderinformationsportal
Das Länderinformationsportal

Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Dezember 2016 aktualisiert.

Die Autorin

Dr. Ana Lucía Salinas de Dosch stammt aus Cuenca, Ecuador, und ist Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin. Seit der Promotion an der Universität Panthéon-Assas (Paris II) hat sie an Universitäten in Ecuador, Großbritannien, Deutschland und den USA gelehrt. Sie ist Autorin eines Buches über die Medien in Ecuador und mehrerer Artikel und Aufsätze zu diversen Themen Lateinamerikas.

Trainingsangebote der Akademie

Die Akademie der GIZ ist der führende Weiterbildungsanbieter für die internationale Kompetenzentwicklung. Wir stehen für innovative, wirksame und nachhaltige Lösungen.

> Angebote aus dem Weiterbildungskatalog

Gerne konzipieren wir für Sie maßgeschneiderte Trainingskurse, die sich an Ihren individuellen Bedürfnissen und Interessen orientieren.

> Wir freuen uns über Ihre Anfragen!

Kontakt

Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Kommentare zu diesem Länderbeitrag oder zum LIPortal insgesamt. Richten Sie Ihre Anfrage an:

Thorsten Hölzer
(Akademie für Internationale Zusammenarbeit)

+49 (0)2224 926 - 144

Zum Kontaktformular