Folkloristische Tänze in Bucay
Anzahl alphabetisierter Erwachsener
94%
Bedeutende Religionen
Katholizismus 95%, Protestantismus 2%, andere 3%
Städtische Bevölkerung
64%
Lebenserwartung
73,8 Jahre (Männer), 79,9 Jahre (Frauen)
Gender Inequality Index
Rang 86 (von 189)
Anzahl der Geburten
2,49/Frau
Kindersteblichkeit
16,9/1000 Lebendgeburten

Sozialstruktur

Folklore Aufführung und der Markt für Kunsthandwerk in Cuenca
Folklore und Kunsthandwerk in Cuenca © A.L. Salinas de Dosch

Ethnische Struktur

In den vergangenen Jahrzehnten haben indigene Gruppen in Lateinamerika im Allgemeinen und in Ecuador im Besonderen eine bedeutende Entwicklung von marginalisierten Bevölkerungsteilen in der Gesellschaft zu bedeutenden sozialen und politischen Bewegungen vollzogen. Die Indígenas wurden stets von den verschiedenen Regierungen als unbedeutende Minderheit betrachtet, obwohl sie je nach statistischer Erhebung 20-50% der Bevölkerung ausmachen. Seit etwa einem Jahrzehnt zeigen sie sich als eine aufstrebende politische Kraft und Speerspitze sozialer Bewegungen in Ecuador. Ihre Interessen werden im politischen Systems von der Partei Pachakutik ("Zeitenwende") vertreten. Nun sitzen indigene Führer im Parlament und in verschiedenen Kommunen. Bei den Wahlen zur Nationalversammlung 2017 gewann Pachakutik vier Mandate.

Zur relativen Verbesserung der gesellschaftlichen Position der indigenen Bevölkerungsgruppe hat vor allem die 1986 gegründete "Konföderation der indigenen Nationalitäten Ecuadors" (CONAIE) beigetragen. CONAIE ist es in den vergangenen Jahren nicht nur gelungen, die Aufmerksamkeit und das Bewusstsein für die Probleme der indigenen Bevölkerung zu schärfen, sondern auch konkret die sozio-politische Situation der Indígenas zu verbessern.

Die Afro-Ecuadorianer, etwa 5% der Einwohner Ecuadors, stellen die am meisten benachteiligte und diskriminierte gesellschaftliche Gruppe dar. Jahrhundertelang sind die Afro-Ecuadorianer versklavt, ausgegrenzt und totgeschwiegen worden.

Gleichsam auf der gesellschaftlichen Sonnenseite steht hingegen die Bevölkerungsgruppe der libanesischen und anderer arabischer Einwanderer und deren Nachfahren, die sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in der ecuadorianischen Küstenregion niedergelassen haben. Insgesamt handelt es sich nur um 75 Familien, die jedoch über einen großen Anteil an der wirtschaftlichen und politischen Macht im Land verfügen. Auch die Ex-Präsidenten Abdalá Bucaram und Jamil Mahuad gehören dieser Gruppe an.

Kulturell bedingte Konflikte

Das kulturelle Leben in Ecuador ist seit der spanischen Eroberung durch die Konfrontation zweier Kulturen gekennzeichnet: die europäisch geprägte und die indianische. Spätere Einwanderungen ließen ein neues dynamisches Zentrum an der Küste (Guayaquil) entstehen, das in Konkurrenz zu der traditionellen, geschichtsträchtigen Hauptstadt (Quito) in der Sierra steht. Diese Konflikte werden durch eine weitere ethnische Ausprägung überlagert. Die indigene - eher ländliche- Bevölkerung wird von der weißen "kreolischen" städtischen Bevölkerung als "minderwertig" betrachtet. Erst das selbstbewusste Auftreten der indigenen Bevölkerung in den 1990er Jahren scheint einen Beitrag zur Überwindung dieses Problems zu leisten

Situation der Frauen

Verfassungsrechtlich wurde Frauen in Ecuador 1929 zunächst ein beschränktes Wahlrecht zuerkannt, diesbezüglich nahm das Land in der Region eine Pionierstellung ein. 1967 wurden diese Beschränkungen aufgehoben und Frauen erhielten das volle Wahlrecht. In den letzten Jahren wurden diverse Quotenregelungen eingeführt. Bei den Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung 2007 wurde die Frauenquote auf 50 Prozent angehoben und ein alternierendes System (Mann – Frau – Mann etc.) für die Aufstellung der Wahllisten vorgeschrieben.

Einerseits hat Ecuador die Frauenrechte somit in den vergangenen Jahren gestärkt und alle internationalen Abkommen in dieser Hinsicht unterzeichnet. Viele Reformen für Frauen wurden in den letzten Jahren initiiert. U.a wurde ein "Comisaría de la mujer" eingerichtet, eine staatliche Behörde, die Frauen Hilfe in persönlichen Problemsituationen jeglicher Art und rechtlichen Beistand gewährt. Die Regierung spricht folglich von einer deutlichen Verbesserung der sozio-ökonomischen Situation von Frauen im Land. 2015 starte die Regierung eine Aktion zur Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen. Insgesamt sind Frauen in der ecuadorianischen Gesellschaft weiterhin benachteiligt - dies gilt insbesondere für indigene Frauen. Aktuelle Statistiken und Zensusdaten stellt die Statistikbehörde Ecuadors zur Verfügung.

Galerie in Guayaquil
Galerie in Guayaquil © A.L. Salinas de Dosch

Bildung

Sonntägliche Unterhaltung in Cuenca
Sonntägliche Unterhaltung in Cuenca © A.L. Salinas de Dosch

Trotz entsprechender Initiativen der Regierung sind die Bildungschancen in Ecuador insgesamt ungleich verteilt: regional, weil ländliche Gebiete unterversorgt sind; sozial, weil ein finanziell meist gut ausgestattetes privates Ausbildungswesen einer größtenteils stark defizitären staatlichen Schulbildung gegenübersteht; und kulturell, weil der Identitätsanspruch der großen Gruppe der Indigenen nicht ausreichend Berücksichtigung im Bildungswesen findet.

Bildungssystem: Kinder werden mit 5-6 Jahren in die erste Grundschulklasse eingeschult. Die Grundschule ist obligatorisch, wenn auch nicht alle Kinder die Schule besuchen. Nur 76% schließen das fünfte Schuljahr ab. Es gibt staatliche, halbprivate und private Schulen. Die staatliche (fiscal) Schule ist kostenfrei. Grundschulen gibt es oft auch auf dem Lande (Großklassen mit verschiedenen Altersstufen). Nach sechs Jahren Grundschule folgt das Colegio mit den selben Schultypen. Hierfür muss aber eine Schulgebühr entrichtet werden. Kosten für das Schulmaterial, Uniformen und zumeist auch laufende Kosten für eine Extrabesoldung der Lehrkräfte (um sie in der Schule zu halten), sowie den Schulbus und Verpflegung kommen hinzu. Insofern ist bereits das Colegio für viele unerschwinglich. Nur 52% der Bevölkerung besuchen Sekundarschulen. Ecuador hat etwa 300 Bildungseinrichtungen des tertiären Sektors, die aber nicht alle vom Erziehungsministerium anerkannt sind. Es gibt 22 offizielle staatliche und 30 private Universitäten.  Formal existiert eine Hochschulautonomie, die auch von der Moreno-Regierung bekräftigt wurde. De facto übt der Staat jedoch direkte Kontrolle über die Curricula, den Aufbau von Studiengängen und die Klassifizierung der Universitäten aus. Der DAAD hat jüngst eine umfangreiche Bestandsaufnahme des Hochschulsektors in Ecuador vorgenommen. 

Große Unterschiede im Bildungssektor sind sowohl im Stadt-Land-Gefälle als auch zwischen den einzelnen Bevölkerungsschichten zu verzeichnen.

Gesundheitssystem

Die Verfassung von 2008 verpflichtet den Staat, den Bürgern einen kostenlosen Zugang zu ärztlicher Behandlung und Medikamenten zu garantieren. Eine hinreichende Gesundheitsversorgung existiert jedoch weiterhin nur in den großen Städten Quito, Cuenca und Guayaquil. Auf dem Land hat sich der Zugang zum Gesundheitssystem in den vergangenen Jahren verbessert, ist aber weiterhin deutlich beschwerlicher als in den urbanen Zentren. Das staatliche Gesundheitssystem ist zweigliedrig. Die medizinische Infrastuktur, die vom Ministerio de Salud Pública (MSP) unterhalten wird, ist kostenlos - zumindest auf dem Papier. In der Regel fallen aber doch Kosten für Medikamente, Röntgenaufnahmen und Operationsmaterialien an. In die staatliche Kategorie fallen die Regionalkrankenhäuser in den Städten und Dispensarios Medicos (Arztpraxen mit Notfalleinrichtungen). Dieses öffentliche Gesundheitswesen ist aber unterentwickelt und wird nur von der armen Bevölkerungsgruppe genutzt. Die dem Instituto Ecuatoriano de Seguridad Social (IESS) unterstehenden Einrichtungen werden durch ein Krankenversicherungssystem finanziert, das sich durch Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern speist. Die besser begüterten Ecuadorianer lassen sich von Privatärzten und Privatkliniken behandeln. Die Arzthonorare für eine einfache Konsultation liegen bei 20-30 US$.

Kultur

Werk von Guayasamin auf dem Flughafen Madrid-Barajas
Werk von Guayasamin auf dem Flughafen Madrid-Barajas, Quelle: Awkiku - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0
Die Musikrichtung Cumbia ist auch in Ecuador sehr beliebt
Cumbia Band in Salinas: Cumbia stammt aus Kolumbien, erfreut sich aber auch in Ecuador großer Beliebtheit © A. L. Salinas de Dosch (Video)

Bildende Kunst

Zu den wichtigen Künstlern der Kolonialepoche zählen Caspicara und Caspar Sangurima, deren Plastiken und Gemälde heute in der Kirche San Francisco in Quito und im Museo de las Conceptas in Cuenca zu sehen sind. Unter den herausragenden Künstlern der jüngeren Vergangenheit seien hier die international renommierten Maler Oswaldo Guayasamín (1919-1999) und Eduardo Kingman (1913-1998) gennant. Kingman war einer der Begründer des Indígenismo, einer bildlichen Darstellung des Lebens der Indiginas. Während frühere Bilder sich fast nur mit Landschaftsthemen auseinandersetzten, stellten Künstler wie Kingman das Leben der Urbevölkerung dar.

Literatur

Die Ursprünge einer eigenständigen ecuadorianischen Literatur reichen bis in die Kolonialzeit zurück, als Autoren wie Eugenio Espejo (der als erster ecuadorianischer Journalist gilt) im Untergrund Schriften gegen die spanische Herrschaft verfassten und damit dem Unabhängigkeitskampf Vorschub leisteten. Der bekannteste Schriftsteller der frühen Republik ist Juan Montalvo, der einerseits mit seinen Roman "Cumanda" als Vater der ecuadorianischen Romantik gilt. Anderseits übte er in Pamphleten Kritik an den politischen Verhältnissen seiner Epoche. Die Ermordung des Diktators García Moreno führte er auf seinen schriftstellerischen Einfluß zurück: "Mi pluma lo mató" ("Meine Feder hat ihn getötet"). Typisch für das 20. Jahrhundert ist ein breiter Bestand an Literatur, die sich mit der indigenen Bevölkerung beschäftigt (Literatura indigenista). Einer der bekanntesten Vertreter ist Jorge Ycaza, dessen Roman "Huasipungo" zu den wichtigsten epischen Werken zählt (Titel der deutschen Übersetzungen: Huasi-Pungo: Ruf des Indios / Huasipungo: Unser kleines Stückchen Erde). Als wichtigster Autor der Gegenwart, der auch internationales Ansehen genießt, gilt Jorge Enrique Adoum. Eines seiner wichtigsten - und auch verfilmten - Werke des 2009 verstorbenen Schriftstellers trägt den Titel "Entre Marx y una mujer desnuda".

Musik

Die Musik in Ecuador ist so vielfältig wie das Land selbst. Sie hat sich aus einer Mischung indigener, spanischer und afrikanischen Musik und Klänge herausgebildet und einige markante Stilrichtungen hervorgebracht. Zu den unverwechselbaren und beliebtesten Musikrichtungen zählt der Pasillo, der in den Anden als poetische Ausdrucksform ihren Ursprung hat und heute als populäre Musik vor allem an der Küste gespielt wird. Zu den bedeutendsten Vertretern gehört Julio Jaramillo, bekannt als der Ruiseñor Lateinamerikas. Ein weiterer populärer Stil ist der Sanjuanito, der als kultureller Ausdruck der indigenen Bevölkerung in den Anden entstand. Die Provinz Esmeraldas ist für Marimba bekannt, ein unveränderter Import aus Westafrika. Marimba wird auf einem gleichnamigen Musikinstrument gespielt. Gleichzeitig sind die in anderen Ländern Lateinamerikas entstandenen Musik- und Tanzrichtungen Cumbia (video) (Kolumbien), Merengue (Dominikanische Republik) und Salsa in Ecuador beliebt 

Sprache

Die Landessprache Ecuadors ist Spanisch, wobei auffällige Unterschiede in der Aussprache zwischen Costa und Sierra bemerkbar sind. Im Hochland ist ein deutlicher Einfluss des Quichua (interessant auch die Fun facts to know and tell about Quichua), auch Kichwa genannt, vorhanden, der von allen Hochlandindios gesprochene alten Inkasprache. Darüber hinaus existieren mehrere weitere indigene Sprachen, die im Gegensatz zu Quechua aber zu einem großen Teil allmählich verdrängt werden. Wollen Sie die Zahlen und die Farben kennen oder Quichua hören, dann testen Sie diese Lektion eines Sprachkurses in Quichua.

Religion

Die Kuppeln der Nueva Catedral in Cuenca, die bis zu 10 000 Gläubigen Platz bietet. Der Bau der Kathedrale wurde 1885 begonnen, aber wegen mehrerer Erdbeben nicht endgültig fertiggestellt © A.L. Salinas de Dosch
Fenstergemälde in der Catedral San Jacinto de Yaguach
Fenstergemälde in der Catedral San Jacinto de Yaguachi, die 2015 von Papst Franziskus besucht wurde © A.L. Salinas de Dosch

95% der Bevölkerung gehören der katholischen Kirche an. Nach der Gründung der Republik Ecuador wurde der Katholizismus Staatsreligion, wie generell Staat und Kirche eine Einheit bildeten. Eine Trennung erfolgte erst im Zuge der "liberalen Revolution" (1895-1925) unter Eloy Alfaro, die eine Reihe antiklerikal gefärbter Reformen mit sich brachte. Obwohl sich der politische Einfluss der Kirche somit im 20. Jahrhundert reduziert hat, richtet die Mehrheit der ecuadorianischen Bevölkerung ihr Leben auch heute noch nach traditionellen katholischen Moralkonzepten aus. In Teilen des Hochlandes und bei einigen kleineren Ethnien im Oriente wächst in der jüngsten Gegenwart stetig der Einfluss protestantischer Religionsgemeinschaften US-amerikanischer Herkunft. In einem Zeitraum von nur zwanzig Jahren versechsfachte sich die Zahl der Protestanten in Ecuador.

Kathedrale von Babahoyo
Catedral de Nuestra Señora de la Merced in Babahoyo, erbaut zwischen 1957 und 1963 © Nils-Mateo Dosch
Die Kirche San Francisco in Quito
Die Kirche San Francisco in Quito, deren Bauzeit sich über 150 Jahre von 1534 bis 1680 erstreckte © A.L. Salinas de Dosch
Musum in der Capilla del Mar Virgen de El Cisne in Farrallón Dillon, Provinz Santa Elena
Die Capilla del Mar Virgen de El Cisne in Farrallón Dillon, Provinz Santa Elena, beheimatet heute ein kleines Museum © A.L. Salinas de Dosch

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Dezember 2019 aktualisiert.

Die Autorin

Ana Lucia Salinas de Dosch

Dr. Ana Lucía Salinas de Dosch stammt aus Cuenca, Ecuador, und ist Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin. Seit der Promotion an der Universität Panthéon-Assas (Paris II) hat sie an Universitäten in Ecuador, Großbritannien, Deutschland und den USA gelehrt. Sie ist Autorin eines Buches über die Medien in Ecuador und mehrerer Artikel und Aufsätze zu diversen Themen Lateinamerikas.

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