Verkaufsstände in Quito
Geschätztes BIP
98,83 Mrd. US-$
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
11.840 US-$
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 88 (von 188)
Anteil Armut (unter 1,90 $ pro Tag)
4,43%
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
49,3
Anteil alphabetisierte Erwachsene
93,3%

Wirtschaftsordnung

Die wirtschaftliche Entwicklung seit den 70er Jahren wurde durch die Erdöleinnahmen getragen und war durch eine wachsende Rolle des Staates charakterisiert. Fallende Erdölpreise, Ineffizienz der Staatsunternehmen und die stark zunehmende Verschuldung hatten das Land in eine schwierige Lage gebracht.

Der ehemalige, im November 2016 verstorbene,  Präsident Duran-Ballen versuchte durch die Einführung eines Strukturanpassungsprogramm die wirtschaftliche Entwicklung auf eine stabile Basis zu stellen. Dieses hatte erhebliche negative Folgen auf die Bevölkerung, was den Präsidenten veranlaßte, einen Sozialfonds zur Abfederung dieser Auswirkungen anzulegen. Die Anpassungspolitik ist von den verschiedenen Regierungen halbherzig betrieben worden. Auch der Versuch von Präsident Mahuad, mit einem strengen neoliberalen Kurs und Strukturanpassungsmaßnahmen dringend benötigte ausländische Investitionen anzulocken, scheitere. Eine tiefe Wirtschaftskrise begann 1998 u.a. infolge der verheerenden Auswirkungen des Klimaphänomens "El Niño" und der Asienkrise (Verfall der Erdölpreise), vor allem aber aufgrund interner Probleme. Als Hauptstrategie zur Überwindung der Krise beschloss noch die Mahuad-Regierung eine Dollarisierung der Volkwirtschaft. Mahuad scheiterte an diesem Plan, doch seinem Nachfolger Noboa gelang es, die Zustimmung des Parlaments zu erhalten und im März 2000 die Einführung des Dollar als offizielles Zahlungsmittel durchzusetzen. Die neue Verfassung von 2008 stärkte die staatliche Kontrolle über die Wirtschaft - so verlor etwa die Zentralbank ihre Autonomie. Die großen Finanz- und Industriekonglomerate des Landes dürfen keine Medien mehr besitzen. Die Verfassung schreibt außerdem eine Reihe von sozialen Rechten fest, etwa kostenfreien Zugang zum Gesundheits- und Bildungssystem und Sozialversicherung für alle.

Die angesehene britische Tageszeitung The Guardian beschreibt Ecuador als "neues Paradigma für wirtschaftliche Entwicklung". Jedoch rangiert das Land trotz aller Regierungsanstrengungen weiterhin auf einem der hinteren Plätze in Lateinamerika und der Welt hinsichtlich des Liberalisierungsgrades der Wirtschaft (Platz 159 von 178). 2016 verschlechterte sich der Wert auf dem Index of Economic Freedom leicht, und das Wirtschaftssystem Ecuadors wird weiterhin als "repressed" charakterisiert. Für aktuelle Daten siehe die Ecuador-Seiten des BMZ und für Analysen zur wirtschaftlichen (wie politischen) Transformation den ausführlichen Ecuador-Report des Bertelsmann Transformation Index 2016.

Erdölraffinerie in La Libertad, Santa Elena
Erdölraffinerie in La Libertad, Santa Elena © Amelie Dosch
Wasserkraft im Oriente
Wasserkraft im Oriente © A.L. Salinas de Dosch

Human Development

Der im aktuellen Human Development Report des UNDP (2015) veröffentlichte Human Development Index  - er berücksichtigt Lebenserwartung, Bildung und Lebensstandard - steht Ecuador auf Platz 88 von 188 Ländern. Das Land hat damit zwar seinen HDI Wert seit 1980 kontinuierlich verbessern können und auch den Sprung in die Kategorie "high human development" geschafft, gehört aber weiterhin zu den Schlusslichtern in Südamerika

Hinsichtlich der Erreichung der Millennium Entwicklungsziele (MGD) konnte Ecuador deutliche Erfolge erzielen. So reduzierte sich der Anteil der in absoluter Armut lebenden Menschen im Land zwischen 1990 und 2013 um 73%.  Eine ZDF-Dokumentation beschäftigte sich im September 2015 mit einer Bilanz der MDGs und kam auch hinsichtlich Ecuador zu einem eher negativen Ergebnis. In die Diskussion der Sustainable Development Goals (SGD) hat  sich Ecuador vor allem mit dem Konzept des Buen Vivir bzw. Sumak Kawsay eingebracht. 

Scherenschleifer bei der Arbeit
Scherenschleifer bei der Arbeit @A.L. Salinas de Dosch

Makroökonomische Situation und Außenhandel

Mit einem BIP pro Kopf  von 6297 US Dollar (2014) ist Ecuador ein Land mit mittlerem Einkommensniveau des oberen Segments. Die wirtschaftliche Entwicklung Ecuadors verlief in den vergangenen Jahren positiv, wenn man dies allein auf der Grundlage der makroökonomischen Daten bewertet. So wuchs das BIP zwischen 2006 und 2014 um jährlich durchschnittlich 4,6%. 2015 betrug das reale Wachstum nach offiziellen Angaben jedoch lediglich 0,4%; für 2016 wird sogar ein Rückgang von mehr als 4% erwartet. Ursache für die angespannte wirtschaftliche Lage ist vor allem der 2015 stark gefallene Ölpreis und die dadurch deutlich gesunkenen Einnahmen aus dem Erdölexport. Die Exporterlöse werden zudem durch den hohen Dollar-Kurs beeinträchtigt, wodurch sich die ecuadorianischen Produkte gegenüber den Nachbarländern verteuert haben. Ecuador ist der fünftgrößte Rohölproduzent Südamerikas (etwa 556.000 Barrels pro Tag), verfügt selbst aber nur über geringe Raffineriekapazitäten und muss deshalb den Großteil der Treibstoffe importieren. Im Oktober 2007 trat Ecuador nach 15jähriger Abstinenz wieder der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) bei, in der es als kleinstes Mitglied aber kaum um Einfluss verfügt..Gleichzeitig hat der Erdölsektor seit 2007 an relativem Gewicht verloren, bedingt durch geringere Erdölproduktion. Dies wiederum ist das Ergebnis unzureichender Investitionen im staatlichen Ölsektor einerseits und drastisch eingeschränkter Investitionen des privaten Ölsektors andererseits (Folge einer deutlichen Verschlechterung der staatlich gesetzten Rahmenbedingungen in den Jahren 2006 und 2007). Der Erdölsektor ist statistisch der führende Wirtschaftszweig. Im Jahr 2013 förderte Ecuador 29,8 Millionen Tonnen Erdöl, der größte Output in der Geschichte des Landes. Dies entsprach 54% der Exporte und 16,2% des BIP. Der Agrarsektor erwirtschaftet hingegen nur knapp 7,2% des BIP. Dieser Wert ist niedrig in Anbetracht der Tatsache, dass rund ein Drittel der Bevölkerung auf dem Land lebt und großenteils in der Landwirtschaft tätig ist. Jüngst scheint Ecuador von einer steigenden Nachfrage in Europa nach "fair gehandelten" Agrarprodukten, wie z.B. Bananen, zu profitieren. Jedoch kritisiert Oxfam die Arbeitsbedingungen in der Bananenindustrie. Bananen sind mit einem Anteil von 28,9% das Hauptexportgut (ohne Erdölexport), gefolgt von Krabben mit 15,2%. Daneben konnten sich neue international wettbewerbsfähige Produkte, wie vor allem Schnittblumen etablieren. Ecuador zählt zu den weltweit bedeutendsten Produzenten qualitativ hochwertigen Kakaos (circa 50% der Weltproduktion), und spielt eine wichtige Rolle im Kontext fair gehandelten Kakaos, gehört jedoch nicht zu den wichtigsten Massenproduzenten.

Tourismus ist ein wichtiger Zweig der Wirtschaft in Ecuador
Tourismus ist ein wichtiger Zweig der Wirtschaft in Ecuador © Amelie Dosch
Montañita gilt als internationales Surfer- und Hippie-Paradies
Montañita gilt als internationales Surfer- und Hippie-Paradies © Amelie Dosch

Verschuldung

2015 betrug Ecuadors Staatsverschuldung 33,1% des BIP und ist damit deutlich höher als noch vor fünf Jahren (18,4% im Jahr 2011). Insgesamt hat sich Ecuadors Verschuldungssituation seit den späten 1990er Jahren jedoch deutlich verbessert (85,5% im Jahr 1999). Damals galt Ecuador als das am höchsten verschuldete Land Lateinamerikas. Damit folgte er einer Empfehlung der Nationalen Kommission zur Schuldenprüfung und löste ein Wahlversprechen ein. Ein Großteil der zwischen 1976 und 2006 aufgenommenen Schulden sei "nicht rechtmäßig und unmoralisch"

Armut

Ecuador konnte innerhalb der vergangenen Dekade den Anteil der in extremer Armut  lebenden Menschen deutlich reduzieren. Dies wurde vor allem durch eine Stärkung des Sozialsystems und einer - zumindest in Ansätzen  - Umverteilungspolitik erreicht. Laut Angaben des nationalen Statistikamtes INEC ist die extreme Armut seit 2007 um 55,4 Prozent zurückgegangen.  So leben heute 900.000 Menschen weniger in absoluter Armut als noch vor acht Jahren. Allerdings existiert weiterhin ein deutliches Stadt-Land-Gefälle. Während die absolute Armut in den Städten 1,9% beträgt, liegt die Quote auf dem Land bei 13,8%. Ein enormes soziales Problem ist die Kinderarbeit. In Ecuador gibt es anderthalb Millionen Kinder, die arbeiten müssen - das sind fast 40% aller Kinder im Land. Bereits Siebenjährige verdienen mit dem Verkauf von Feuerzeugen und Kaugummi auf der Straße ein paar Cent. Das statistische Amt geht jedoch davon aus, dass es in den vergangenen Jahren zu einem deutlichen Rückgang der Kinderarbeit gekommen ist. Die Regierung setzte bisher auf eine Politik der Befriedigung der Grundbedürfnisse, um die Armutssituation zu überwinden. Dieser Ansatz orientiert sich an Correas Leitbild der "solidarischen Wirtschaft". So ist es z.B. Ziel des Ministeriums für städtische Entwicklung und Wohnungsfragen, durch die Förderung der städtischen Entwicklung, im Wohnungsbau sowie in der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung die Lebensbedingungen in den Städten zu verbessern. In diesen und anderen Bereichen (Nachhaltiges Management natürlicher Ressourcen, Modernisierung des Staates, Kommunalentwicklung, Dezentralisierung) engagieren sich auch die deutschen Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit. 

Entwicklungszusammenarbeit

Deutschland engagiert sich seit den 1950er Jahren entwicklungspolitisch in Ecuador. Die Bundesrepublik ist nach den USA und Spanien der drittwichtigste bilaterale Geber. Von 2011 bis 2013 erhielt Ecuador insgesamt 60,95 Millionen Euro an deutscher Entwicklungshilfe. In Absprache mit der ecuadorianischen Regierung war die deutsche Unterstützung  in jüngster Vergangenheit auf zwei Schwerpunkte ausgerichtet (derzeit arbeitet das BMZ an einer Aktualisierung):

  • Umwelt- und Ressourcenschutz

  • Modernisierung des Staates, Dezentralisierung und Stärkung der autonomen dezentralisierten Regierungen. 

Die EU förderte in Ecuador im Zeitraum von 2007 bis 2013 mit insgesamt 137 Mio. Euro die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Förderung des Produktionssektors und die Modernisierung des Bildungswesens.

Folgende Links führen zu den landesspezifischen Aktivitäten einzelner Institutionen und Organisationen.

Blick über die Anden entlang der Route von Guayaquil nach Cuenca
Blick über die Anden entlang der Route von Guayaquil nach Cuenca © A.L. Salinas-Dosch

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Juni 2016 aktualisiert.

Die Autorin

Dr. Ana Lucía Salinas de Dosch stammt aus Cuenca, Ecuador, und ist Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin. Seit der Promotion an der Universität Panthéon-Assas (Paris II) hat sie an Universitäten in Ecuador, Großbritannien, Deutschland und den USA gelehrt. Sie ist Autorin eines Buches über die Medien in Ecuador und mehrerer Artikel und Aufsätze zu diversen Themen Lateinamerikas.

BMZ: Zusammenarbeit mit Ecuador

Länderdarstellung des BMZ mit entwicklungspolitischen Daten sowie einem Überblick zur aktuellen Situation und Zusammenarbeit.

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