Verkaufsstände in Quito
Geschätztes BIP
103 Mrd. US-$
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
11.200 US-$
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 89 (von 188)
Anteil Armut (unter 1,90 $ pro Tag)
3,6%
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
45
Anteil alphabetisierte Erwachsene
94,3%

Wirtschaftsordnung

Die wirtschaftliche Entwicklung seit den 1970er Jahren wurde durch die Erdöleinnahmen getragen und war durch eine wachsende Rolle des Staates charakterisiert. Fallende Erdölpreise, Ineffizienz der Staatsunternehmen und die stark zunehmende Verschuldung hatten das Land in eine schwierige Lage gebracht.

Der ehemalige, im November 2016, verstorbene Präsident Duran-Ballen versuchte durch die Einführung eines Strukturanpassungsprogramms die wirtschaftliche Entwicklung auf eine stabile Basis zu stellen. Dieses hatte erhebliche negative Folgen für die Bevölkerung, was den Präsidenten veranlasste, einen Sozialfond zur Abfederung dieser Auswirkungen anzulegen. Die Anpassungspolitik ist von den verschiedenen Regierungen halbherzig betrieben worden. Auch der Versuch von Präsident Mahuad (1998-2000), mit einem strengen neoliberalen Kurs und Strukturanpassungsmaßnahmen dringend benötigte ausländische Investitionen anzulocken, scheitere. Eine tiefe Wirtschaftskrise begann 1998 u.a. infolge der verheerenden Auswirkungen des Klimaphänomens "El Niño" und der Asienkrise (Verfall der Erdölpreise), vor allem aber aufgrund interner Probleme. Als Hauptstrategie zur Überwindung der Krise beschloss noch die Mahuad-Regierung eine Dollarisierung der Volkwirtschaft. Mahuad scheiterte an diesem Plan, doch seinem Nachfolger Gustavo Noboa (2000-2003) gelang es, die Zustimmung des Parlaments zu erhalten und im März 2000 die Einführung des Dollar als offizielles Zahlungsmittel durchzusetzen. Die neue, während der Präsidentschaft von Raphael Correa (2007-2014) verabschiedete, Verfassung von 2008 stärkte die staatliche Kontrolle über die Wirtschaft - so verlor etwa die Zentralbank ihre Autonomie. Die großen Finanz- und Industriekonglomerate des Landes dürfen keine Medien mehr besitzen. Die Verfassung schreibt außerdem eine Reihe von sozialen Rechten fest, etwa kostenfreien Zugang zum Gesundheits- und Bildungssystem und Sozialversicherung für alle.

Die Bilanz der Wirtschaftspolitik Correas fiel zum Ende seiner Amtszeit insgesamt positiv aus, selbst wenn schon damals kritische Stimmen von einer "Spaltung" der Bevölkerung sprachen. Trotz aller Regierungsanstrengungen belegt Ecuador nach wie vor auf einem der hinteren Plätze in Lateinamerika und der Welt hinsichtlich des Liberalisierungsgrades der Wirtschaft (Platz 165 von 180). 2018 verschlechterte sich der Wert auf dem Index of Economic Freedom erneut leicht und das Wirtschaftssystem Ecuadors wird weiterhin als "repressed" charakterisiert. Für aktuelle Daten siehe die Ecuador-Seiten des BMZ und für Analysen zur wirtschaftlichen (wie politischen) Transformation den ausführlichen Ecuador-Report des Bertelsmann Transformation Index 2018. Schon bald nach seinem Amtsantritt leitete Präsident Lenín Moreno eine politische Kehrtwende ein. Der neue wirtschaftspolitische Kurs ist auf einen Dialog zwischen Regierung, multilateralen Organisationen und der Privatwirtschaft ausgelegt ist uns strebt eine Normalisierung der Beziehungen zum IWF an. Die Strategie Morenos setzt auf Wirtschaftsentwicklung durch die Mobilisierung von privatem Kapital, um die die Produktion anzukurbeln. Zu den Maßnahmen zählen Steuererleichterungen für große Unternehmen, die Reduzierung der Steuer für den Transfer von Devisen ins Ausland, die Erhöhung des Freibetrags für die Besteuerung von einkommensstarken Gruppen sowie die Öffnung des Finanzsektors für ausländisches Finanzkapital. 

Erdölraffinerie in La Libertad, Santa Elena
Erdölraffinerie in La Libertad, Santa Elena © Amelie Dosch
Wasserkraft im Oriente
Wasserkraft im Oriente © A.L. Salinas de Dosch

Human Development

Der im aktuellen Human Development Report des UNDP (2016) veröffentlichte Human Development Index  - er berücksichtigt Lebenserwartung, Bildung und Lebensstandard - steht Ecuador auf Platz 89 von 188 Ländern. Das Land hat damit zwar seinen HDI Wert seit 1980 kontinuierlich verbessern können und auch den Sprung in die Kategorie "high human development" geschafft, gehört aber weiterhin zu den Schlusslichtern in Südamerika

Hinsichtlich der Erreichung der Millennium Entwicklungsziele (MGD) konnte Ecuador deutliche Erfolge erzielen. So reduzierte sich der Anteil der in absoluter Armut lebenden Menschen im Land zwischen 1990 und 2013 um 73%. In die Diskussion der Sustainable Development Goals (SDGs) hat  sich Ecuador vor allem mit dem Konzept des Buen Vivir bzw. Sumak Kawsay eingebracht. Derzeit mangelt es jedoch noch an den institutionellen und finanziellen Voraussetzungen für eine möglichst umfassende Umsetzung der SDGs

Zum Ende der Präsidentschaft Correas zogen die meisten Analysten eine positive Bilanz der Entwicklung des Landes. Z.B. kommt eine Studie des  Center for Economic and Policy Research (CEPR) in Washington DC zu folgendem Ergebnis:

  • Als Resultat von Wirtschaftswachstum und Beschäftigungsprogrammen konnte die Armutsrate während der Amtszeit Correas um 38% gesenkt werden; die extreme Armut reduzierte sich um 47%.
  • Zwischen 2006 und 2016 betrug das jährliche Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) pro Kopf 1,5% - trotz der internationalen Finanzkrise 2008/2009 und Verfalls des Ölpreises seit 2014); in den 26 Jahren davor lag das Wachstum bei durchschnittlich 0,6%.
  • erhebliche Steigerungen der Sozialausgaben im Gesundheitsbereich, Wohnungsbau, bei der Stadtentwicklung und im Bildungssektor.
  • Die Regierung investierte 2,1% des BIP für die Hochschulbildung – damit ist Ecuador Spitzenreiter in Lateinamerika (und liegt über OECD-Durchschnitt)
  • Ecuador ist ein „Vorbild für andere Länder des Globalen Südens“.
Scherenschleifer bei der Arbeit
Scherenschleifer bei der Arbeit @A.L. Salinas de Dosch

Makroökonomische Situation und Außenhandel

Mit einem BIP pro Kopf  von 6098 US Dollar (2017) ist Ecuador ein Land mit mittlerem Einkommensniveau des oberen Segments. Die wirtschaftliche Entwicklung Ecuadors verlief in den vergangenen Jahren weitgehend positiv, wenn man dies allein auf der Grundlage der makroökonomischen Daten bewertet. So wuchs das BIP seit 2000 um jährlich durchschnittlich 0,97% - allerdings mit großen Schwankungen. Nach Jahren des robusten Wachstums vor allem zwischen 2003 und 2012, schwächte die Konjunktur un den vergangenen fünf Jahren ab. Zwischen Mitte 2015 und Mitte 2016 reduzierte sich das BIP um zeitweise bis 1,6%, erst seit der zweiten Jahreshälfte 2016 befindet sich das Wachstum wieder im leicht positiven Bereich. Ursache für die insgesamt angespannte wirtschaftliche Lage ist vor allem der 2015 stark gefallene Ölpreis und die dadurch deutlich gesunkenen Einnahmen aus dem Erdölexport. 2015 reduzierten sich die Nettoerlöse aus dem Erdölexport im Vergleich zum Vorjahr um 4,3 Milliarden US-Dollar auf nur noch 2,9 Milliarden US Dollar.  Die Exporterlöse werden zudem durch den hohen Dollar-Kurs beeinträchtigt, wodurch sich die ecuadorianischen Produkte gegenüber den Nachbarländern verteuert haben. Mit einer durchschnittlichen täglichen Fördermenge von etwa 516.000 Barrels (Mai 2018) ist Ecuador ist der sechstgrößte Rohölproduzent Südamerikas und Nr. 29 in der Welt. Das Land verfügt selbst aber nur über geringe Raffineriekapazitäten und muss deshalb den Großteil der Treibstoffe importieren. Im Oktober 2007 trat Ecuador nach 15jähriger Abstinenz wieder der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) bei, in der es als kleinstes Mitglied aber nur über wenig Einfluss verfügt. Im Juli 2017 machte das Land jedoch Schlagzeilen, als es die einige Monate zuvor getroffene Vereinbarung zur gemeinsamen Förderkürzung der OPEC-Staaten aufkündigte. Das Ölkartell erlitt dadurch einen Rückschlag bei dem Versuch, die weltweiten Ölpreise anzuheben. Gleichzeitig hat der Erdölsektor in Ecuador seit etwa 10 Jahren an relativem Gewicht verloren, bedingt durch geringere Erdölproduktion. Dies wiederum ist das Ergebnis unzureichender Investitionen im staatlichen Ölsektor einerseits und drastisch eingeschränkter Investitionen des privaten Ölsektors andererseits. Der Erdölsektor ist mit einem Anteil von 32,4% an den Exporterlösen und rund 16% am BIP statistisch jedoch weiterhin der führende Wirtschaftszweig. Eine weitere Expansion der Erdölförderung ist geplant, wobei jedoch auch erhebliche ökologische Bedenken bestehen -  vor allen hinsichtlich der Förderung im Yasuní Nationalpark. Der Agrarsektor erwirtschaftet nur 6,5% des BIP. Dieser Wert ist niedrig in Anbetracht der Tatsache, dass rund ein Drittel der Bevölkerung auf dem Land lebt und großenteils in der Landwirtschaft tätig ist. Jüngst scheint Ecuador von einer steigenden Nachfrage in Europa nach "fair gehandelten" Agrarprodukten, wie z.B. Bananen, zu profitieren. Jedoch kritisiert Oxfam die Arbeitsbedingungen in der Bananenindustrie. Bananen sind das landwirtschaftliche Hauptexportgut , gefolgt von Krabben. Daneben konnten sich neue international wettbewerbsfähige Produkte, wie vor allem Schnittblumen etablieren. Ecuador zählt zu den weltweit bedeutendsten Kakao-Produzenten, wobei es sich vor allem um qualitativ hochwertigen Kakao handelt (der Anteil Ecuadors beträgt circa 50% an der Weltproduktion). Ecuador spielt auch eine wichtige Rolle im Kontext fair gehandelten Kakaos, gehört hier jedoch nicht zu den wichtigsten Massenproduzenten.

Tourismus ist ein wichtiger Zweig der Wirtschaft in Ecuador
Tourismus ist ein wichtiger Zweig der Wirtschaft in Ecuador © Amelie Dosch
Montañita gilt als internationales Surfer- und Hippie-Paradies
Montañita gilt als internationales Surfer- und Hippie-Paradies © Amelie Dosch

Verschuldung

Nach dem Tiefstand der Staatsverschuldung von 12,2% des BIP im Jahr 2009, ist die Verschuldung wieder gewachsen und lag 2017 bei 32,5% des BIP, dem höchsten Wert seit zehn Jahren. Im April 2018 entsprach die Höhe der öffentlichen Verschuldung 57% des BIP, obwohl sie gesetzlich 40% nicht überschreiten darf. Trotz der jüngsten negativen Entwicklung hat sich Ecuadors Verschuldungssituation seit den späten 1990er Jahren jedoch insgesamt deutlich verbessert (85,5% des BIP im Jahr 1999). Damals galt Ecuador als das am am höchsten verschuldete Land Lateinamerikas. 

Armut

Squatter-Siedlungen in der Provinz Los Ríos (oben) und in der Provinz Guayas (unten) © Nils-Mateo Dosch

Ecuador konnte innerhalb der vergangenen Dekade den Anteil der in extremer Armut  lebenden Menschen deutlich reduzieren. Dies wurde vor allem durch eine Stärkung des Sozialsystems und einer - zumindest in Ansätzen  - Umverteilungspolitik erreicht. Laut Angaben des nationalen Statistikamtes INEC ist die extreme Armut seit 2007 um 55,4 Prozent zurückgegangen.  Laut Angabe der Regierung lebten 2015 900.000 Menschen weniger in absoluter Armut als acht Jahre zuvor. Allerdings existiert weiterhin ein deutliches Stadt-Land-Gefälle. Während die absolute Armut in den Städten 1,9% beträgt, liegt die Quote auf dem Land bei 13,8%. Im Januar 2018 veröffentlichte die Regierung eine Strategie nach die extreme Armut bis 2021 (dem Ende der Regierungszeit von Präsident Lenín Moreno) von gegenwärtig national 8,6% auf 3,2% reduziert werden soll. Ein enormes soziales Problem ist die Kinderarbeit. In Ecuador gibt es anderthalb Millionen Kinder, die arbeiten müssen - das sind fast 40% aller Kinder im Land. Bereits Siebenjährige verdienen mit dem Verkauf von Feuerzeugen und Kaugummi auf der Straße ein paar Cent. Das statistische Amt geht jedoch davon aus, dass es in den vergangenen Jahren zu einem deutlichen Rückgang der Kinderarbeit gekommen ist. 

Entwicklungszusammenarbeit

Deutschland engagiert sich seit den 1950er Jahren entwicklungspolitisch in Ecuador. Die Bundesrepublik ist nach den USA und Spanien der drittwichtigste bilaterale Geber. Von 2011 bis 2013 erhielt Ecuador insgesamt 60,95 Millionen Euro an deutscher Entwicklungshilfe. 2017 wurden 37,5 Millionen Euro neu zugesagt. Davon entfallen 19,5 Millionen Euro auf die finanzielle- und 18 Millionen Euro auf die technische Zusammenarbeit. In Absprache mit der ecuadorianischen Regierung ist die deutsche Unterstützung derzeit auf zwei Schwerpunkte ausgerichtet:

  • Umwelt- und Ressourcenschutz
  • Öffentliche Verwaltung/Wirtschaftsreformen 

Die EU förderte in Ecuador im Zeitraum von 2007 bis 2013 mit insgesamt 137 Mio. Euro die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Förderung des Produktionssektors und die Modernisierung des Bildungswesens. Im Zeitraum 2014-2017 waren 67 Mio Euro für die Bereiche "Unterstützung nachhaltigen und inklusiven Wachstums auf der lokalen Ebene" und "Förderung nachhaltigen Handels" zugesagt. 

Folgende Links führen zu den landesspezifischen Aktivitäten einzelner Institutionen und Organisationen.

Blick über die Anden entlang der Route von Guayaquil nach Cuenca
Blick über die Anden entlang der Route von Guayaquil nach Cuenca © A.L. Salinas-Dosch

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Juni 2018 aktualisiert.

Die Autorin

Ana Lucia Salinas de Dosch

Dr. Ana Lucía Salinas de Dosch stammt aus Cuenca, Ecuador, und ist Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin. Seit der Promotion an der Universität Panthéon-Assas (Paris II) hat sie an Universitäten in Ecuador, Großbritannien, Deutschland und den USA gelehrt. Sie ist Autorin eines Buches über die Medien in Ecuador und mehrerer Artikel und Aufsätze zu diversen Themen Lateinamerikas.

BMZ: Zusammenarbeit mit Ecuador

Länderdarstellung des BMZ mit entwicklungspolitischen Daten sowie einem Überblick zur aktuellen Situation und Zusammenarbeit.

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