Georgische Festtafel, gemalt von Pirosmani
Alphabetisierungsrate
99,6 % (2016)
Bedeutende Religionen
83% Christentum (Georgisch-Orthodox), 11% Islam
Städtische Bevölkerung
53 %
Lebenserwartung (w/m)
80 / 72 Jahre (2016, geschätzt)
Gender Inequality Index
Rang 76 von 159 (HDR 2016)
Anzahl der Geburten
1,76 / Frau (2016, geschätzt)
Kindersterblichkeit
16 /1000 Lebendgeburten (2016, geschätzt)

Ethnisch-sprachliche Vielfalt

Swanetischer Wohnturm
Swanetischer Wohnturm
© Ojj! 600 (CC BY-SA 3.0)
Kinder © Georg. Tourismusmin.

Innerhalb der georgischen Bürger bilden die Karvelebi (georg. ქართველები) die größte Kulturgruppe. Im Nordwesten, in Odischi und Gurien sowie in der Region Mingrelien – Semo-Swanetien leben die christlichen Mingrelier/Megrelen/Kolcher. Sie sprechen eine dem Georgischen verwandte, südkaukasische Sprache. 

Mit den Mingreliern verwandt sind die an der südöstlichen Schwarzmeerküste in Teilen der Provinzen Artvin und Rize lebenden Lasen, von denen kleinere Gruppen auch in der georgischen Autonomen Republik Adscharien sowie in der Türkei leben. Anders als die Mingrelier sind die Lasen sunnitische Muslime hanafitischer Rechtsschule. Alle Lasen sprechen Lasisch, das zusammen mit dem Mingrelischen zur Familie der San-Sprachen gehört, welche wiederum eine Untergruppe der Kartwelischen Sprachen sind. 

Die vierte der größeren georgischen Kulturgruppen bilden die Svans/Swanen/Swanetier. Auch sie sprechen eine eigene Sprache, Swanisch, das ebenfalls zur Kartwelischen Sprachfamilie gehört. Obwohl jede Kulturgruppe ihre eigene Sprache hat, vermitteln sich Literatur und Bildung über die gemeinsame Sprache und das Alphabet „des Georgischen“, welches seine Ursprünge im fünften Jahrhundert hat und seit Staatsgründung offizielle Amtssprache ist.

Zur Lage der Frauen

Kartlis Deda - Mutter Georgien
Kartlis Deda - Mutter Georgien
© TheFlyingDutchman (CC BY 3.0)

Durch die Annäherung an die EU hat Georgien zwar die internationale Konvention gegen alle Formen von Diskriminierung bestätigt (CEDAW), allerdings mangelt es an einer Umsetzung in die Praxis.

Am 27.3.2010 verabschiedete das Parlament ein Gesetz zur Gleichstellung der Geschlechter, das auch sofort in Kraft trat. Es wurde erlassen um etwaige Benachteiligungen in den Bereichen Erwerbstätigkeit, Bildung, Gesundheit und Sozialsystem sowie in der Familie zu bekämpfen. Nichtregierungsorganisationen beklagten jedoch die bislang mangelhafte Umsetzung.

Die Situation für viele alleinstehende bzw. alleinerziehende Frauen in Georgien ist aufgrund der eher konservativen Gesellschaft nicht einfach. Den höchsten Respekt bringt die Gesellschaft einer verheirateten Frau mit Kindern entgegen. Für bedürftige Frauen gibt es diverse Anlaufstellen, die den Betroffenen mit Rat und Tat zur Seite stehen: Frauen (mit Kindern), die unter der Armutsgrenze leben, haben  die Möglichkeit sich in das staatliche Register für besonders schutzbedürftige Familien eintragen zu lassen, um bestimmte Vergünstigungen zu erhalten. Unterschiedliche Organisationen bieten zahlreiche Projekte,um Hilfsbedürftige zu unterstützen. 

Im rechtlichen Bereich gelten das Gesetz zu häuslicher Gewalt (2006) und das Gesetz zur Geschlechtergleichstellung (2010) als große Fortschritte. Entschließt sich eine von häuslicher Gewalt betroffene Frau Anzeige zu erstatten, so hat die Polizei die Möglichkeit, einstweilige Verfügungen auszustellen, damit kann die Frau 24 Stunden lang vorübergehend unter Schutz gestellt werden. Danach kommt der Fall vor Gericht. Zudem gibt es Möglichkeiten für die Opfer, sofortige Schutzverfügungen gegen die Gewalttäter zu erwirken. Nach Meinung der frauenspezifischen NGOs wurde die Polizei diesbezüglich in den letzten Jahren definitiv vertrauenswürdiger und Frauen werden in der Praxis auch tatsächlich unter Schutz gestellt. Trotzdem werden Polizisten weiterhin im Umgang mit Opfern von häuslicher Gewalt geschult.

Frauen die von häuslicher Gewalt betroffen sind, haben die Möglichkeit in einem der Frauenhäuser unterzukommen. In der Hauptstadt Tbilisi gibt es eine staatliche und zwei von NGO's betriebene Unterkünfte, in Gori und Kachetien ergänzen Frauenhäuser bestehende Krisenzentren. Die offiziell mögliche Aufenthaltsdauer beträgt drei Monate, in Ausnahmefällen können Frauen aber auch länger bleiben. Die Unterstützung endet nicht mit dem Auszug aus dem Frauenhaus, sondern der Beistand erstreckt sich auch über Job- bzw. Wohnungssuche und juristische Beratung. Problematisch sind trotz allem die Kapazitäten der Häuser. Das verbesserte Bewusstsein der Bevölkerung in Bezug auf häusliche Gewalt wurde bei Umfragen im April 2011 von befragten Organisationen bestätigt. Das Problem dürfte eher darin liegen, dass nur wenige Frauen Anzeige bei der Polizei erstatten (vgl. D-A-CH Fact Finding Mission Studie sowie eine Studie zur Lage der Frauen in Georgien Chkheidze, Ketevan: Gender Politics in Georgia. Gunda Werner Institute. Feminism and Gender Democracy, o.J.).  

Hintergrund ist ein traditionelles Rollenverständnis: "Die Frau ist in der georgischen Vorstellung der Inbegriff der Feinheit, Schönheit und Geduld. Sie wird als Trägerin der Kultur gesehen, die georgische Lieder und Gedichte an ihre Kinder weitergibt. Sie schützt die Familienehre, indem sie fleißig im Haushalt arbeitet und sich gemäß den Ehrvorstellungen verhält. Ein Mann muss in der Lage sein, Recht und Gerechtigkeit zu schaffen. Das gehört zu der Vorstellung von Männlichkeit in Georgien. Dazu soll Gewalt, Einfluss, List und Macht gerecht angewendet werden." (Elke Kamm)

Die Frauenstiftung filia benennt die Grundprobleme folgendermaßen:

  • Durch den starken Einbruch im Arbeitsangebot in den letzten Jahren drängte es die meisten Frauen in die Schwarzarbeit ab und die Stellen, die sie besetzen, befinden sich üblicherweise im schlecht bezahlten Dienstleistungssektor.
  • Die große Anzahl an IDPs, die aus Abchasien und Südossetien kommen, strömten überwiegend nach Tiflis, ca. 55% sind Frauen. Diese Vertriebenen leben unterhalb der Armutsgrenze und haben kein Wissen von ihren Rechten.
  • Religion spielt eine wichtige Rolle in Georgien und die georgische orthodoxe Kirche unterstützt die Verbreitung von traditionellen Frauenbildern.
  • Arbeit in Haushalt und Pflege werden als traditionelle Betätigungsfelder für Frauen angesehen.
  • Das Bewusstsein von Frauenrechtsthemen in der georgischen Gesellschaft ist niedrig, die Rechtspraxis unzureichend.

Weitere Probleme sind das frühe Heiraten (ca. 60% heiraten vor dem 20. Lebensjahr), Entführungen mit Vergewaltigungen (um Heirat zu erzwingen) und das schweren Los der Witwen.

Gesundheits- und Sozialwesen

Die Weltgesundheitsorganisation der UN (WHO) zeigt in der Studie “Health System Performance Assessment“ von 2009 den Zustand und Entwicklungspotenziale des Gesundheitssystems Georgiens auf. Die Deutschen Wirtschaftsvereinigung Georgien fasste die Studie zur Gesundheitsversorgung im Juni 2010 wie folgt zusammen:

  • Die öffentlichen Ausgaben für den Gesundheitssektor müssen weiter ausgebaut werden.
  • Investitionsbedarf besteht besonders in den Bereichen medizinische Grundversorgung, öffentliche Gesundheit und Gesundheitsförderung. Verbesserungspotenzial gibt es auch bei der Qualitätsüberwachung von Medikamenten, die durch Marktreformen und den Rückgang der Regulierungsinstrumente drastisch reduziert wurden.
  • Der Plan zur Aus- und Weiterbildung von Personal im Grundversorgungssektor befindet sich auf gutem Weg, die Hälfte aller Doktoren und Krankenschwestern in diesem Bereich wurden geschult oder weitergeschult.
  • Es gilt, die regionalen Unterschiede zu beseitigen.
  • Die neuen privatisierten Krankenhäuser sollten sorgfältigst überwacht werden, damit sichergestellt werden kann, dass die neue Konkurrenzsituation und erhöhter Kostendruck nicht zu Lasten der Patienten ausfällt.
  • In der Zukunft muss auch dafür gesorgt werden, dass mehr Teile der Bevölkerung eine Krankenversicherung erhalten. Zwar hat schon ein großer Teil (751.000) der armen Bevölkerung eine kostenlose Grundversorgung, jedoch nur 25% der gesamten Bevölkerung hat überhaupt eine Versicherung und nur 7,6% eine Private.
  • Die WHO empfiehlt eine staatlich subventionierte private Krankenversicherung.
  • Es soll gewährleistet werden, dass mehr Menschen finanziell in der Lage sind, sich verschriebene Medikamente, Tests und Krankenhausaufenthalte leisten zu können. (einer von vier Georgiern kann sich verschriebene Labortests nicht leisten und einer von zehn kann auf Grund fehlender Mittel keine verschriebenen Medikamente erwerben oder ein Krankenhaus besuchen).

Um gegen die hohe Raucherrate und den Konsum von Drogen vorzugehen, empfiehlt die WHO mehr staatlich finanzierte Präventionsprogramme auf den Weg zu bringen. Die Drogenproblematik ist für den Kaukasus besonders relevant. Weder in Georgien noch in Aserbaidschan stehen jedoch bisher umfassende Studien zu Umfang und Mustern der Drogenproblematik zur Verfügung. Ende 2004 waren in der Datenbank des Georgian Research Institute on Addiction (GRIA) 24.000 Drogengebraucher registriert, 14.400 davon injizierende Drogenabhängige. Nach Schätzungen des Instituts beläuft sich die tatsächliche Zahl der Abhängigen von intravenösen Drogen in Georgien auf ca. 80.000 bei einer Einwohnerzahl von 5 Millionen. (vgl. Workshop Kommunale Drogenpolitik, Eschborn 2006). Andere Angaben sprechen von 6% der georgische Bevölkerung als drogenabhängig. Anfang 2017 wurde das drakonische Anti-Drogengesetz, welches auch den Konsum von Marihuana unter Strafe stellte, abgemildert.

Betroffen sind vor allem Jugendliche. Die Gruppe der 18- bis 26-Jährigen in Georgien umfasst rund 700 000 junge Menschen. Hauptprobleme dieser Altersgruppe sind:

  • die schwierige soziale und wirtschaftliche Lage,
  • Arbeitslosigkeit,
  • mangelhafter Zugang zu jugendfreundlichen Dienstleistungen,
  • eingeschränkter Zugriff zu Informationen über Studium- und  Beschäftigungsmöglichkeiten im In- und Ausland,
  • mangelhafte außerschulische Ausbildungsangebote,
  • erschwerte Integration der Flüchtlinge, Straßen- und Waisenkinder,
  • Durchführung der Jugendarbeit in Gebirgsregionen.

Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung führen dazu, dass oft Betreuungsmöglichkeiten für Kleinkinder fehlen. Manche Eltern sehen sich gezwungen, ihre Kinder betteln zu schicken. Alleinerziehende Haushalte mit Waisenkindern und Invaliden geht es nicht selten dann sogar um so genannte „freiwillig gewählte“ Armut. Daneben kann man zeitweilig auch über "bekämpfte" oder „vorübergehende“ Armut sprechen. Die meisten Flüchtlingskinder, die in ihrem kurzen Leben nicht viel anderes kennen gelernt haben als Gewalt, Vertreibung und Armut, gehören Straßenbanden an oder werden von ihnen terrorisiert. (vgl. Bericht des Nationalen Jugendrats Georgiens zur Situation der Jugend in Georgien)

Auch muss die Aufklärung über sexuell übertragbare Krankheiten (HIV, ca. 10.000 Infizierte) verbessert werden, um die Zahl der Neuansteckungen mit Geschlechtskrankheiten zu verringern. Das Bewusstsein der Empfängnisverhütung ist gemäß Untersuchungen hoch in Georgien, dennoch besteht eine große Diskrepanz zwischen dem Bewusstsein und dem Gebrauchs dieser Möglichkeiten.

Ähnlich wie die Programme gegen Drogenkonsum müssen auch die Krebsvorsorgeprogramme ausgebaut werden. Zwar finanziert die Stadt Tbilisi und internationale Partner ein Vorsorgeprogramm und Kampagnen, die das Bewusstsein für Krebs erhöhen sollen, dies findet aber nur Anwendung in Tbilisi. Für die Zukunft gilt, ein nationales Programm aufzubauen.

Die Lage vieler Senioren in Georgien ist prekär. Sie erhalten lediglich eine monatliche Einheitsrente von 100 Lari, etwa 45 Euro. Dieser Betrag reicht kaum aus, um ihr tägliches Überleben zu sichern. Zudem sind viele ältere Menschen auf sich allein gestellt, da ihre Kinder oftmals in anderen Städten wohnen. Insgesamt sind etwa 60 Prozent aller Rentner in Georgien sozialhilfebedürftig. 

Laut offiziellen Angaben (WHO) gibt es in Georgien mehr als 130.000 Menschen mit Behinderung. Davon haben 10%, also etwa 13.000 Personen, Einschränkungen am Bewegungsapparat und benötigen orthopädische Hilfsmittel. Neben Kriegsverletzungen und Minenunfällen sind Krankheiten wie Diabetes, Hepatitis und Gefäßkrankheiten, mangelnde Präventionsmaßnahmen sowie Unfälle und Erbschäden die Hauptursachen von körperlichen Behinderungen. Menschen mit Behinderung zählen in Georgien zu den ärmsten Bevölkerungsgruppen und haben einen sehr eingeschränkten Zugang zu Bildung, Ausbildung, Arbeit, Gesundheits- und sozialen Diensten. Zudem sind die gesellschaftliche Partizipation und die Einbindung von behinderten Menschen in soziale Netzwerke extrem gering. Vielmehr leben sie zumeist isoliert und sind von Familienangehörigen und Pflegekräften abhängig.

Bildung

Bildungssystem

Die Stufen des georgischen Bildungswesens umfassen folgende Etapen:

  • Vorschulbereich für noch nicht schulpflichtige Kinder
  • Primarstufe (6 Pflichtschuljahre)
  • Sekundarstufe I (bis zur Klasse 9)
  • Sekundarstufe II („mittlerer Bildungsabschluss“)
  • die Hochschulausbildung (Bachelor, Magister)
  • postgraduales Studium (Doktorstudium)   

Georgien ist 2005 dem Bologna-Prozess beigetreten. In Tbilisi gibt es neben staatlichen auch private Hochschulen, die vom Wissenschafts- und Bildungsministerium Georgiens akkreditiert sind. Die größte Universität Georgiens ist die Staatliche Iwane Dschawachischwili Universität von Tbilisi, die 1918 gegründet wurde. Sie verfügt über fünf Zweigstellen in verschiedenen Regionen Georgiens und über etwa 60 wissenschaftliche Forschungslaboratorien und - zentren. Durch ein Zertifizierungsverfahren konnte die Anzahl von landesweit mehr als 360 staatlich anerkannten Hochschulen im Jahr 1991 auf inzwischen schon 63 reduziert werden

Eine kritische Analyse des Hochschulsystems legte 2008 eine Studie aus Kassel vor, aus dem Jahr 2010/11 stammt eine Studie zur Bildungsreform der UNESCO.

Ein akutes Problem ist die berufliche Ausbildung. Trotz hoher Arbeitslosigkeit können Stellen nicht besetzt werden, weil die arbeitslosen Stellenbewerber andere Fähigkeitsprofile aufweisen, als sie von den Unternehmen am Arbeitsmarkt gefordert werden. In vielen Berufsfeldern wächst der Bedarf an neu und bedarfsgerecht qualifizierten Arbeitskräften, die das bestehende Berufsausbildungssystem nicht garantieren kann. Viele junge Leute haben entweder ein Studium absolviert oder sind ungelernte Arbeiter, dazwischen gibt es wenig.

Kultur

So vielfältig wie die Natur, die sprachlichen und ethnischen Elemente Georgiens ist die Kultur des relativ kleinen Landes.

Musik

"Was die Georgier singen ist wichtiger als alle Neuentdeckungen der modernen Musik. Es ist unvergleichlich und einfach. Ich habe nie etwas Besseres gehört!" (IGOR STRAWINSKY)

Die traditionelle georgische Musik ist mehrstimmig/polyphon. Die Einzigartigkeit dieser jahrhundertealten Tradition wurde durch die UNESCO zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt.

Beispiele georgischer Musik
Musik Video georgisches Lied und georgischer Tanz
Tschakrulo (Chakrulo),
UNESCO Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit
Georgisches Volkslied
Liebeslied aus Tuschetien: Zkaroze (an der Quelle)
Sakartwelo Lamaso (Du schönes Georgien)
Lied über Georgien, Hausmusik
Mimino, Georgischer Schlager,
Filmmusik aus dem Film Mimino von Rezo Gabriadze
Abesalom und Eteri, Liebesszene
Oper Abesalom und Eteri von Sakaria Paliashvili / Paliaschwili

Tanz

Sukschischwili Tanzensemble Männer © Ministerium für Tourismus Georgiens
Sukschischwili Tanzensemble Männer © Ministerium für Tourismus Georgiens
Sukschischwili Tanzensemble Frauen © Ministerium für Tourismus Georgiens
Sukschischwili Tanzensemble Frauen © Ministerium für Tourismus Georgiens

Georgischer Tanz ist absolute Körperbeherrschung verbunden mit Leidenschaft und Sinnlichkeit.

Das erste staatliche Tanzensemble gründeten im Jahr 1945, direkt nach dem 2. Weltkrieg, die Tänzer ILIKO SUKHISHHWILI und NINO RAMISCHWILI. In mehr als 1.700 Städten in 87 Staaten absolvierte die "Sukhishvili - Georgian State Dance Academy" mehr als 200 Tourneen für mehr als 50 Millionen Zuschauer und wurde zum prägenden Vorbild für Generationen weiterer Tänzer und Tanzgruppen im Land. 

Leiter und General Manager des Georgischen National Balletts mit etwa siebzig Tänzern und einem traditionellen Orchester ist der Sohn des Gründers Tengiz Sukhishvili. Der Enkel Iliko Sukhishvili Jr. ist einer der Chefchoreografen, seine Schwester Nino Sukhishvili ist stellvertretende Managerin und Kostümbildnerin. 

Vielfalt der Talente

Briefmarken widerspiegeln die Vielfalt der Kultur: von der Malerei über den Zirkus bis zur Karikatur.

Ein besonderes Kulturgut stellt das "Gastmahl" / "Supra" dar. Das Supra gilt nicht nur als Möglichkeit, Netzwerke zu knüpfen, Allianzen zu bestärken und Informationen zu handeln sondern vielen auch als Bildungsmittel und Verkörperung nationaler Kultur. Ein "Tamada" wird zum Tischführer gewählt und gestaltet eine geistvolle Tafel, die strengen Regeln folgt. Diesen Tischsitten kann man sich auch als ausländischer Gast nicht entziehen.  

Literatur

Rustaweli und Zereteli Jubiläumsbriefmarke 1973
Rustaweli und Zereteli Jubiläumsbriefmarke 1973
Jubiläumsbriefmarke Ilia Tschawtschawadse
Jubiläumsbriefmarke Ilia Tschawtschawadse

Als das erste überlieferte literarische Werk gilt in Georgien die von Jakob Zurtaweli niedergeschriebene Legende vom "Martyrium der heiligen Schuschanik" aus der ersten Hälfte des fünften Jahrhunderts.

Im "Goldenen Zeitalter" gelangte die georgische Literatur mit dem Meisterwerk "Der Recke im Tigerfell" von Schota Rustaweli zu ihrem ersten Höhepunkt.

Wachtang VI. (1675-1737), der als Staatsmann fast gänzlich zur Wirkungslosigkeit verurteilt war, erwarb sich Verdienste als Gelehrter, Dichter und Übersetzer. Seiner Initiative ist die Entstehung der ersten Druckerei auf georgischem Boden zu verdanken, kurze Zeit später veröffentlichte der Erzieher Wachtangs, Fürst Sulchan-Saba Orbeliani (1658-1725), das erste Begriffswörterbuch der georgischen Sprache.

Unter den Dichtern des 18. Jahrhunderts ragen zwei Poeten hervor: Dawit Guramischwili (1705-1792) und Bessarion Gabaschwili (1750-1791).

Im das 19. Jh. waren Fürst Alexander Tschawtschawadse (1786-1846), Grigol Orbeliani (1804-1883), Nikolos Barataschwili (1817-1845), Alexander Kasbegi (1848-1893) und Washa Pschawela (1861-1915) sowie Ilia Tschawtschawadse (1837-1907) und Akaki Zereteli (1840-1915) prägend, da sie die Grundlagen für die moderne georgische Literatur legten. 

Einer der bedeutendsten Schriftsteller des 20 Jahrhunderts war Konstantine Gamsachurdia, der von 1912 bis 1919 in Deutschland studierte und an der Berliner Humboldt-Universität zum Doktor promovierte. Seine Romane "Dawit der Erbauer" und "Die rechte Hand des Meisters" wurden auch ins Deutsche übersetzt.

Unter den Schriftstellern der sowjetischen Periode verdient vor allem Nodar Dumbadse Beachtung, dessen Romane sich wie Chroniken aus dem Leben "des kleinen Menschen" lesen. Zur modernen Literatur gehören auch Otar Tschiladse, Rewas Inanischwili, Guram Pandshikidse.   

Film

Der erste georgische Film stammt aus dem Jahre 1912 und begleitet die Reise des Dichters Akaki Zereteli (1840-1915) durch die westgeorgischen Provinzen Ratscha und Letschchumi.

In den 30er Jahren war Nikolos Schengelaia der bekannteste Filmregisseur. Verheiratet war er mit der Schauspielerin Nato Watschnadse, dem ersten weiblichen Filmstar. Der Sohn Eldar gehört heute zu den einflussreichsten Regisseuren. 1956 gewann "Magdanas Esel" eine goldene Palme in Cannes. Es war der erste Film des Regisseurs Tengis Abuladse. In den folgenden Jahren erlangte er mit den Filmen "Baum der Wünsche" und "Die Reue" internationalen Ruhm. Mit "Die Reue" - ein Filmwerk über Tyrannei und Angst, in der Stalinzeit - gewann Abuladse 1987 den Spezialpreis der Jury von Cannes. 

Religion

Georgische Kirchen auf Briefmarken
Georgische Kirchen auf Briefmarken
Glocke © Auch
Glocke © Auch

"Meine Heimat ist meine Ikone und die ganze Welt ist ihr Ikonenschrein. Glänzendes Berg- und Tiefland teilen wir mit Gott." (Erste Worte der georgischen NATIONALHYMNE)

Georgien ist ein christlich geprägtes Land, schon im 4. Jahrhundert wurde das Christentum zur Staatsreligion Iberiens erklärt und Südkaukasien christianisiert. Seit dem frühen Mittelalter und im Ringen um nationale Unabhängigkeit, gegen Russifizierung entwickelte sich innerhalb der Ostkirchen die Georgische Orthodoxe Kirche zu einem nationalen Symbol.

Am 14. September 2002 unterzeichnete Schewardnadze einen Staatsvertrag mit der georgisch-orthodoxen Kirche, der ihr eine Sonderrolle im Staat einräumt, erst am 5. Juli 2011 wurden die Rechte der sogenannten "Minderheitenkirchen" neu geregelt, um dem Verfassungsgrundsatz der Glaubensfreiheit besser gerecht zu werden und Minderheitenrechte besser zu schützen. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung bekennen sich zur georgischen orthodoxen Kirche, ca. 10% zur russisch-orthodoxen Kirche. Die Kirchenarchitektur ist in Georgien von herausragender kulturhistorischer Bedeutung.

Ca. 11-13 Prozent der Einwohner Georgiens sind Muslime. Dazu zählen die mehrheitlich schiitischen Aserbaidschaner und Bewohner Adschariens, deren Vorfahren während der osmanischen Herrschaft zwischen dem 16.und 18. Jahrhundert zum sunnitischen Islam übergetreten waren sowie die 1944 deportierten Mescheten. Heute gibt es im Land noch über 260 Moscheen, eine erste Übersetzung des Korans ins Georgische erfolgte 1906 durch Georgij Lobschanidze. 2011 löste sich eine eigenständige muslimische Verwaltung Georgiens aus der "Transkaukasischen Muslimischen Verwaltung" mit Sitz in Baku.

Der armenisch-gregorianischen Kirche gehört ungefähr vier Prozent der Bevölkerung an, während sich weniger als ein Prozent auf katholische Glaubensgemeinschaften (armenisch-, römisch- und  chaldäisch-katholisch) verteilt. Die Apostolische Nuntiatur für Georgien wurde 1992 eingerichtet.

Ein noch geringerer Teil der Bewohner Georgiens bekennt sich zum Protestantismus und den Zeugen Jehovas. Die Evangelisch-Lutherische Kirche wurde zu Beginn des 19. Jh.s begründet und zählt in Tbilisi ca. 400 Gemeindemitglieder.

Bei den jüdischen Gemeinden lassen sich europäische und kaukasische Juden unterscheiden; beide Gruppen unterhalten Synagogen in Tbilisi, Kutaisi und Batumi. Nach der Unabhängigkeit 1991 sind allerdings viele Juden nach Israel ausgewandert, ohne aber die enge Verbindung zu ihren Glaubensgenossen in Georgien aufzugeben.

Das Länderinformationsportal

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Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im September 2017 aktualisiert.

Über die Autorin

Prof. Dr. Eva-Maria Auch studierte Orientalistik/Islamwissenschaft und Slawistik. Sie lehrt und forscht an deutschen, kaukasischen und zentralasiatischen Universitäten, arbeitete für das Goethe-Institut, die GTZ/GIZ, die OSZE und die Michael-Succow-Stiftung. Sie ist Vorstand des Kultur- und Wissenschaftsvereins EuroKaukAsia und bei der AIZ als Landes- und Regionaltrainerin und Trainerin für Interkulturelle Kommunikation tätig.

Wichtige georgische Begriffe

  •  „Gaumarzos“ -  „Auf den Sieg“ =  „Zum Wohl“ = Zeichen zum Erheben des Glases (gagimarzos – „Mögest Du siegreich sein“!)
  • Supra – georgisches Bankett/Festmahl, Tafelrunde
  • Tamada – Tischmeister (tamadoba – Kunst des Tischmeisters die Tafel zu führen)
  • Chatschapuri – Hefestücke mit Lakenkäsefüllung
  • Baže – Soße aus Walnüssen
  • Pchali - Nusspasten
  • Atschika – Scharfe Pfefferpaste mit Knoblauch, Salz und pikanten anderen Gewürzen
  • Gadschi – Trinkhorn

Beliebte Trinksprüche

  • „Eine Tafel ist nur von geringer Qualität, wenn sie nicht begleitet ist von Liedern,  Geschichten, Tänzen und geliebten Menschen“
  • „Nichts Altes ist gut, außer ein alter Freund und ein alter Wein“
  • „Wasser spiegelt das Antlitz des Menschen, der Wein sein Herz“

Bedeutung der Weinrebe

  • „Behandle mich wie etwas Heiliges und ich schenke Dir Talent und Verstand“
  • „Ich bin ein Rebstock, Du bist ein Blatt. Der größte Teil der Sonne ist in mir. Willst Du die Sonne sei mit Dir, so sei mit mir!“
  • „Das Wesen des Kults um die Gäste ist: empfange den Gast vergnügt, trinke Wein in Maßen, sei ein Feinschmecker, aber iß nicht zuviel, liebe Deine Freunde aber auch Deine Feinde“
  • „Wie uns ein einfühlsam gelebtes Leben das Recht gibt, dem Tod friedlich zu begegnen, so gibt uns eine gut geführte Tafel das Recht, uns zu entspannen.“

Literatur

  • Georgien. Wostok spezial, Frühjahr 2005
  • Die georgische Tafel. Hrsg. von Nana Ansari, Mandelbaum Verlag Wien 2004

Trainingsangebote der Akademie

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Thorsten Hölzer
(Akademie für Internationale Zusammenarbeit)

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