Stadtteilansicht von Tbilisi
Offizieller Name
Georgien
Fläche
rd. 69.700 km²
Einwohner
4,47 Mio. (2015)
Bevölkerungswachstum
-0,05 % (2016, geschätzt)
Regierungssitz
Tbilisi
Amtssprache
Georgisch
Regionalsprachen
Mingrelisch, Lasisch, Swanisch u.a.

Lage und Größe

Lage Georgiens im Südkaukasus
Lage Georgiens im Südkaukasus
© Chipmunkdavis (CC BY-SA 3.0)

Georgien erstreckt sich auf einer Länge von ca. 450 km südwestlich der steil abfallenden Berge des Großen Kaukasus über Zwischengebirge bis zum Hochland des Kleinen Kaukasusgebirges. Während der Große Kaukasus das Land vor dem rauen Kontinentalklima Russlands schützt, teilt es das Lichi-Gebirge in einen West- und einen Ostteil. Zwei Drittel der Gesamtoberfläche des Landes (69.700 km² ungefähr wie Bayern oder Irland) ist bei einer Bevölkerung von rd. 3,7 Mio. (2016 - 2010: 4,45 Mio.) mit Bergen die bis auf 5.000 m (der Schchara gilt mit 5200 m Höhe als höchster Berg Georgiens) heranreichen, bedeckt. Gern vergleichen sich die Georgier deshalb mit der Schweiz. Wichtigste Nachbarstaaten sind neben der Russländischen Föderation und der Türkei die Republiken Armenien und Aserbaidschan.

Die ehemalige Autonome Region Südossetien (georg. historische Provinz Samatschablo) untersteht - ebenso wie die frühere Autonome Republik Abchasien -  derzeit nicht der georgischen Staatsgewalt. Hintergründe zum georgisch-abchasischen Konflikt mit weiterführenden Links und Literaturangaben finden sich im Kapitel "Geschichte und Staat" dieses Länderportals.

Karten

Übersichtskarte von Georgien
Übersichtskarte von Georgien (public domain)

Impressionen

Blick von Signachi in die Alasani-Ebene
Blick von Signachi in die Alasani-Ebene © F. Frick
Blick auf die Altstadt von Tbilisi
Blick auf die Altstadt von Tbilisi © Auch

Zahlreiche Fotoreportagen vermitteln ein eindrucksvolles Bild der Städte und Naturlandschaften Georgiens, wie z.B. die Bildergalerie von Irma Berscheid-Kimeridze. Virtuelle Trips laden zu einem Besuch des Landes ein.

Gebirgssee Keli
Gebirgssee Keli © Georg. Tourismusministerium
Blick auf die Sameba Kirche am Kazbegi
Blick auf die Sameba Kirche am Kazbegi © Georg. Tourismusministerium

Grunddaten

Im aktuellen Bericht des Entwicklungsprogramms der UN zur menschlichen Entwicklung von 2016 liegt Georgien auf Rang 70 von 188 untersuchten Nationen.

Relativ aktuelle Grunddaten zu Georgien bieten die Deutsche Wirtschaftsvereinigung Georgien, der Datendienst der UN und die Weltbank. Aktuelle Schätzungen hält die Länderseite des World Factbooks der CIA bereit. Auf georgischer Seite informiert das Statistische Amt der Republik Georgien

Naturraum

Topografie Georgiens
Topografie Georgiens © Sadalmelik (CC BY-SA 3.0)

Auf kleinstem Raum finden sich acht verschiedene Klima- und Vegetationszonen, die eine Vielzahl von Kulturlandschaften hervorbrachten.

An der Schwarzmeerküste herrscht subtropisches, feucht-warmes Klima. Hier - in der Zone des Tees, der Zitrusfrüchte und eines früher blühenden Tourismus - liegen (von Nord nach Süd) - Abchasien, Mingrelien, Gurien und Adscharien.

Weiter landeinwärts schließen sich die Gebirgslandschaften Swanetien, Raschta und Letschchumi an - berühmt durch Wehrdörfer und Gesangeskunst. Davon südlich kommt man in das westgeorgische Kernland Imeretien mit Kutaisi als Zentrum.
Östlich des Lichi-Gebirges befindet sich die zentrale Senke Ostgeorgiens - die Region Kartli, geprägt durch trockene Sommer und kalte Winter.
Südlich von Kartli erhebt sich der Kleine Kaukasus mit den Regionen Mes'cheti und Dschawacheti, stark besiedelt von Armeniern (Zensus 2002 über 50 %) und aus der Deportation zurück gekehrten turksprachigen Mes'cheten.
Im äußersten Osten - im Grenzgebiet zu Aserbaidschan - schließlich kommt man in das Weinanbaugebiet Kachetien.
Nördlich davon liegen im zerklüfteten Großen Kaukasus Talschaften mit ihrer eigenen Tradition: Chewsureti, Chewi, Tuscheti, Pschawi und Mtiuleti.

Georgien hat dank unterschiedlicher Klimazonen eine hohe Artenvielfalt. Abgeschlossene Täler begünstigten die Entwicklung endemischer, nur in dieser Region beheimateter, Pflanzen und Tierarten. Der WWF zählt Georgien zu den 238 wichtigsten Ökoregionen der Erde. Die IUCN (Internationale Union für die Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen‘) hat Georgien als globales Zentrum der Pflanzenvielfalt benannt und BirdLife International als weltweites endemisches Vogelgebiet ausgewiesen. 

Berge: Shchara (5.086 m), Jangi-tou (5.058 m), Kasbegi (5.047 m).

Flüsse: Mtkvari (Kura) – 1.515 km (davon 351 in Georgien), Alazani 407 km (davon 390 in Georgien).

Seen: Paravani (38 qkm, 3,3 m tief, auf 2.073 m gelegen), Tabatskuri (14 qkm, 40 m tief, 2.000 m hoch gelegen), Keli (1,3 qkm, 63 m tief, liegt in 2.900 m Höhe), Ritsa (1,5 qkm, 101 m tief, 880 m hoch gelegen).

Klima: Die unterschiedlichen Klimazonen reichen von einem subtropisch-feuchten Klima im Westen bis hin zu einem trockenen und gemäßigten Kontinentalklima im Osten. Die durchschnittliche Lufttemperatur schwankt zwischen 15 °C im West- und 11 bis 13 °C im Ostteil. Der durchschnittliche Niederschlag im Westen beträgt 3.000 mm, im Osten 400 mm. Der Frühling in Georgien ist kurz mit abrupten Klimaschwankungen, der Sommer oft heiß. Der Herbst ist sonnig-warm, der Winter schneearm. Wettervorhersagen für die Hauptstadt und andere Städte sind über das Internet jederzeit verfügbar.

Natürliche Ressourcen: Wald (ca. 3 Mio ha), Wasserkraft, "Nischenprodukte" wie Nüsse, Rosenöl, Heilkräuter; das subtropische Klima am Schwarzen Meer ermöglicht den Anbau von Zitrusfrüchten und Tee (insgesamt nur 11,51 % LNF, 3,79 % Ackerland, aber 55,6 % der Erwerbstätigen leben von der Landwirtschaft!); ca. 450 Fundstätten von 27 verschiedenen Bodenschätzen, darunter hochwertiges Manganerz (Tschiaturia Vorräte — 200 Mio t, Förderung jährlich bis 6 Mio t), Steinkohle (Tkibuli, Vorräte — 400 Mio t), Kupfererze (Marneuli — 250 T. t), Erdöl (Samgori, Patardzeuli, Vorräte ca. 30 Mio. t); Baurohstoffe; ca. zweitausend Wasserquellen, darunter Heilquellen mit ca. 40 Mrd. Liter im Jahr. 

Ökologische Probleme & Natur- und Umweltschutz

Erdbebenaktivität
Erdbebenaktivität © grida

Georgien gehört zu den Gebieten mit der größten Biodiversität Europas. Dem gegenüber stehen zahlreiche noch unzureichend gelöste Probleme des Natur- und Umweltschutzes. Bereits 1974 wurde in Georgien eines der ersten Staatlichen Komitees für den Naturschutz geschaffen, 1991 übernahm ein Ministerium für Umweltschutz und Naturressourcen dessen Aufgaben. 2011 wurde es in Ministerium für Umweltschutz umbenannt. 15 internationale Konventionen des Umwelt- und Naturschutzes wurden bisher unterzeichnet und ratifiziert, sieben stehen noch aus.

Zwar konnte die Luft- und Wasserverschmutzung in den letzten Jahren reduziert werden, aber die Problemzonen um die Eisenhüttenstadt Rustawi, die Verschmutzung von Kura und Schwarzem Meer, die Kontaminierung von Böden mit giftigen Chemikalien sind, wie Fragen der Abfallbeseitigung und des Wassermanagements, zu lösende Aufgaben. Gearbeitet wird auch an Landnutzungsplänen, die die geschützte Natur von landwirtschaftlichen und industriellen Flächen trennt. Zwar werden Probleme der Abholzung von Waldgebieten und Überweidung als Probleme genannt, aber in den letzten sieben Jahren konnte die Fläche der 17 Schutzgebiete von 4,2% auf 13,5% des Staatsterritoriums erweitert werden. Allerdings befinden sich weitere ausgewiesene Schutzgebiete unter Besatzung.

Der größte von 9 Nationalparks ist Bordshomi-Charagauli (76.000 Hektar). Er wurde mit deutscher Hilfe und Unterstützung des WWF 2001 eröffnet und gilt auch als touristisches Ausflugsziel. Er ist eines der größten zusammenhängenden Naturschutzgebiete in Asien. Der Nationalpark Tuscheti umfasst 83.007 Hektar, der Nationalpark Waschlowani 25.112 Hektar und das Schutzgebiet Tuscheti 27.903 Hektar. Ältester Nationalpark Georgiens ist der Lagodechi Nationalpark (1912) mit 17.688 Hektar. Umwelt- und Naturschutz sind ein wichtiger Schwerpunkt der Kaukasus-Initiative der deutschen Bundesregierung, die vor allem auch grenzüberschreitende Projekte fördert. In ihrem Projekt zum Integriertem Biodiversitäts-Management im Südkaukasus unterstützt die GIZ im Auftrag des BMZ die georgische Regierung. Der NABU Deutschland regte in den vergangenen Jahren Unternehmeraktivitäten in Georgien an, die ein Einklang mit Natur- und Umweltschutz sehen sollen.

Sozialgeographische Gegebenheiten

Bevölkerung: 3,718 Mio. (Jan. 2017, ohne Abchasien), davon 83.8% Georgier, 6.5% Aserbaidschaner, 5.7% Armenier, 1.5% Russen, 'andere' 2.5% (lt. letzter Volkszählung von 2002)

Wichtige Städte: Tbilisi/Tiflis (1,113 Mio Einwohner) Kutaisi (230.000 ), Rustavi (150.000), Batumi (130.000), Suchumi (120.000), Gori (68.000) 

Sprachen: 23 Sprachen aus sechs verschiedenen Sprachfamilien: Georgisch 71%, Russisch 9%, Armenisch 7%, Aserbaidschanisch 6%, 'andere' (darunter Ossetisch) 7%: In Abchasien ist das Abchasische offizielle Sprache.

Ethnien: von 3,7138 Mio EW (Volkszählung 2014): 86,8% Georgier, 6,3% Aserbaidschaner, 4,5% Armenier, 0,7% Russen, 0,4% Osseten, 0,3% Yeziden, je 0,2% Ukrainer, Kisten, je 0,1% Assyrer, Griechen

Religionen:
(offiziell nach letzter Volkszählung 2014) orthodoxe Christen: 83.4%, Muslime: 10,7%, Armenisch-Apost.: 2.9%, Katholiken: 0.5%, Zeugen Jehovas: 0,3%, Yeziden: 0,2%, Protestanten: 0,1% 

Alters- und Geschlechterstruktur:
0-14 Jahre: 18,8%
15-64: 67,1%
65 Jahre und älter: 14,3%

Zum 1. Jan. 2015 waren 47,7% der Bevölkerung männlich, 52,3% weiblich.

Die Bevölkerungsentwicklung weist einen negativen Trend aus. Seit der staatlichen Unabhängigkeit 1991 und den Bürgerkriegen hat über eine Million Menschen das Land verlassen, ca. 2 Mio. sollen in GUS-Staaten leben.

Bürgerkriege in Abchasien und Südossetien in den 1990er Jahren führten dazu, dass etwa 250.000 Menschen flohen oder vertrieben wurden. Nach dem russischen-georgischen Konflikt um Südossetien 2008 erhöhte sich die Zahl drastisch. Ende 2011 registrierte der UNHCR in Georgien über 335 Tausend Flüchtlinge und Zwangsvertriebene; 7.195 Menschen wurden als Asylsuchende und 1.900 als "Staatenlose" registriert. Ende 2016 betrugen die offiziellen Zahlen: 271.525 IDPs, Flüchtlinge und „humanitarian status holders“: 1.273 .

Georgien galt bis zum Zweiten Weltkrieg als ein Agrarland, 2015 lebten 57,4 Prozent der Einwohner in den städtischen Ballungsgebieten, 42,6 Prozent in Dörfern und ländlichen Gebieten (1970 waren es noch 52,2 Prozent). Im landwirtschaftlichen Bereich (Ackerbau, Gemüseanbau, Viehzucht) sind vor allem Aserbaidschaner (mit 6,5% der Bevölkerung die größte ethnische Minderheit vor den Armenier mit 5,7%) tätig. Sie siedeln vor allem in den (süd)östlichen Regionen; Armenier in den Gebieten Achalziche, Achalkalaki. Viele Griechen und Juden haben inzwischen das Land verlassen.

Staatssymbolik

Flagge Georgiens
Flagge Georgiens
Quelle: SKopp (gemeinfrei)
Wappen Georgiens
Wappen Georgiens
Quelle: Mamuka Gongadze (gemeinfrei)
Notenblatt der georgischen Nationalhymne
Notenblatt der georgischen Nationalhymne
Quelle: Rastrelli F (gemeinfrei)

Flagge: Die Flagge zeigt im Zentrum ein allein stehendes rechtwinkliges Kreuz auf einem silbernen (weißen) Hintergrund sowie vier kleinere Kreuze in den Ecken. Es handelt sich um das Jerusalemkreuz, ursprünglich ein Symbol für Christus und die vier Evangelisten oder die fünf Wunden Christi. Der silberne (weiße) Hintergrund steht für Unschuld, Keuschheit, Reinheit und Weisheit. Das Rot der Kreuze symbolisiert Mut, Tapferkeit, Gerechtigkeit und Liebe.

Wappen: Das große Staatswappen zeigt einen roten Schild, auf dem Georgiens Schutzpatron, der Heilige Georg als silbernen Reiter mit einem goldenen Heiligenschein abgebildet ist. Er bezwingt einen silbernen Drachen mit silbernem Speer. Über dem Schild steht die georgisch-iberische Krone. Er wird von zwei goldenen Löwen gehalten. Unter dem Schild befindet sich ein stilisierter Weingarten, in den ein Spruchband mit dem Nationalmotto und zwei roten Kreuzen der Flagge Georgiens geflochten ist: "Kraft durch Einheit".

Hymne Georgiens: Tawisupleba (თავისუფლება; deutsch Freiheit) ist der Titel der georgischen Nationalhymne. Sie wurde am 20. Mai 2004 vom georgischen Parlament verabschiedet und im September des gleichen Jahres uraufgeführt. Der Text stammt von Davit Maghradse (geb. 1962), die Melodie von Zacharija Paliaschwili (1871–1933). Es handelt sich um ein Arrangement von Motiven aus den Opern Abesalom und Eteri (1919) sowie Daisi (1923). Das Arrangement hat Joseph Ketschaqmadse vorgenommen.

Tawisupleba ersetzt die frühere Nationalhymne Dideba, die bereits von der Ersten Republik 1918-1921 verwendet worden war. Weil sich Georgien in der Rechtsnachfolge dieses Staates sieht, wurde sie 1991 zunächst übernommen.

Der deutsche Text der Nationalhymne lautet:

Meine Heimat ist meine Ikone,

und die ganze Welt ist ihr (Ikonen-) Schrein,

glänzendes Berg- und Tiefland

teilen wir mit Gott.

Unsere heutige Freiheit

lobpreist unsere Zukunft,

der Stern der Morgenröte erscheint

und erleuchtet zwischen den zwei Meeren,

gepriesen sei die Freiheit,

die Freiheit sei gepriesen.

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im September 2017 aktualisiert.

Über die Autorin

Prof. Dr. Eva-Maria Auch studierte Orientalistik/Islamwissenschaft und Slawistik. Sie lehrt und forscht an deutschen, kaukasischen und zentralasiatischen Universitäten, arbeitete für das Goethe-Institut, die GTZ/GIZ, die OSZE und die Michael-Succow-Stiftung. Sie ist Vorstand des Kultur- und Wissenschaftsvereins EuroKaukAsia und bei der AIZ als Landes- und Regionaltrainerin und Trainerin für Interkulturelle Kommunikation tätig.

"Als Gott das Land an die Völker verteilte, verspäteten sich die Georgier. Zuerst zürnte der Herr, denn alles Land war bereits verteilt. Doch die Fröhlichkeit und der Charme der Abgesandten dieses Volkes versöhnten ihn, und er schenkte den Georgiern den Flecken Erde, den er eigentlich sich selbst vorbehalten hatte." - so die Legende über die Schönheit einer Landschaft und den Charme ihrer Bewohner.

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