Ghanas Wahrzeichen der Unabhängigkeit
Tag der Unabhängigkeit
06. März 1957
Staatspräsident
Nana Addo Dankwa Akufo-Addo
Vizepräsident
Mahamudu Bawumia
Politisches System
Präsidialdemokratie
Politische Transformation (BTI)
Rang 20 (von 129), 2016
Korruptionsindex (CPI)
Rang 70 (von 176), 2016
Ibrahim Index of African Governance
Rang 8 von 54 (2016)

Aktuelle politische und sozioökonomische Entwicklung

Präsident Akufo-Addo bei der G20 Afrikakonferenz in Berlin

Ghanas neu gewählter Präsident Akufo-Addo gehörte in Berlin zum kleinen Kreis jener Staats- und Regierungschefs, die sich der ”G20 Compact with Africa-Initiative“ der deutschen G20 Präsidentschaft angeschlossen haben. Die zweitägige Konferenz in Berlin (12.-13. Juni 2017), an der auch Finanzminister aus Afrika und der G20-Staaten und Vertreter der wichtigsten internationalen Institutionen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit teilnahmen, war der Startschuss für einen neuen Ansatz in der Entwicklungszusammenarbeit. Im Kern geht es dabei um mehr Verantwortung der afrikanischen Staaten, die Rahmenbedingungen für Privatinvestitionen merklich zu verbessern, um Arbeitsplätze, Wachstum und Entwicklung nachhaltiger zu fördern. Dies spiegelte sich auch im Redebeitrag des ghanaischen Präsidenten, der damit unterstrich, dass der Machtwechsel in Ghana zeitnah auch eine Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik nach sich ziehen wird.

Präsident Akufo-Addos Rede an die Nation

Wenige Wochen nach seiner Amtseinführung am 7. Januar 2017 richtete der neugewählte Präsident erneut das Wort an das ghanaische Volk, diesmal aber im Rahmen seiner politischen Pflicht, ein Mal im Jahr die Rede an die Nation zu halten. In der Regel findet dieses Ereignis innerhalb der ersten Wochen des Kalenderjahres statt. Dieser Verpflichtung kam Akufo-Addo am 21. Februar nach, als er im Parlament seine zukünftige Regierungspolitik darlegte.

Flagstaff House
Flagstaff House an der Liberation Road in Accra - Amtssitz des Präsidenten © Cyriac Gbogu (CC BY-SA 4.0)

Der gewählte Präsident Nana Dankwa Akufo-Addo zieht ins Flagstaff House ein

Die Wahlen vom 07. Dezember 2016 werden in die Geschichtsbücher Ghanas eingehen. Denn erstmals haben die Wähler einen Präsidenten abgewählt und die ihn tragende Regierungs- und Mehrheitspartei NDC in die Opposition geschickt. Amtsinhaber John Dramani Mahama musste eine in dieser Höhe nicht erwartete Niederlage gegen den Präsidentschaftskandidaten der NPP Nana Dankwa Akufo-Addo einstecken, der bei den beiden zurückliegenden Wahlen 2012 und 2008 das Nachsehen hatte. Seine Partei NPP siegte ähnlich souverän und gewann eine klare absolute Mehrheit im Parlament. Die kleinen Parteien gingen diesmal leer aus. Für Ghanas Demokratie und die politische Kultur bedeutet diese Wahl eine positive Zäsur. Der gewählte Präsident wird traditionell am 7. Januar, einen Monat nach dem ersten Wahlgang, eingeschworen. Anschließend hielt Akufo-Addo seine erste Rede als Präsident, in der er sich u.a. positiv über Kwame Nkrumah äußerte, aus der Sicht der Ashanti-Eliten ein Novum in der historischen Betrachtung des Staatsgründers.

Internationer Seegerichtshof in Hamburg © Wmeinhart (CC BY-SA 3.0)

Beziehungen zwischen Ghana und die Côte d'Ivoire verbessern sich

Der Besuch des neuen ghanaischen Präsidenten Nana Akufo-Addo in der Côte d'Ivoire Anfang Mai 2017 markiert einen Neubeginn der bilateralen Beziehungen. Beide Seiten signalisierten, trotz des Gerichtsverfahrens vor dem Internationale Seegerichtshof, eine stategische Partnerschaft einzugehen. Das Gerichtsverfahren soll die maritimen Grenzverläufe klären und die Rechtmäßigkeit der Off-Shore-Förderung Ghanas in diesem Gebiet überprüfen. Die Côte d'Ivoire zweifelte die beiderseitigen maritimen Grenzen und damit auch die Rechtmäßigkeit der Off-Shore-Förderung Ghanas an. Um das schwierige Verhältnis nicht weiter zu belasten, einigten sich die Regierungen beider Staaten, den Streit vor Gericht auszutragen. Ort für derartige völkerrechtliche Auseinandersetzungen ist der noch junge Seegerichtshof in der Elbmetropole Hamburg, wo seit dem 29. März 2015 im Fall Nr. 23 über die Staatsgrenzen vor der Küste der beiden Staaten verhandelt wird. Die Côte d'Ivoire wollte schnellstmöglich eine einstweilige Verfügung erwirken, die es der ghanaischen Seite verbietet, bis zur Entscheidung in der Hauptverhandlung dort weiter nach Öl- und Gasvorkommen zu suchen und zu fördern und damit Fakten zu schaffen. Ein endgültiges Urteil ist frühestens 2018 zu erwarten.

Nun hat der Internationale Seegerichtshof am 25. April 2015 eine Verfügung erlassen, die Ghana untersagt, unumkehrbare Fakten zuungunsten der Côte d'Ivoire zu schaffen. Im Kern besagt sie, dass Ghana während des laufenden Verfahrens keine neuen Bohrungen durchführen darf, wohl aber bestehende Aktivitäten fortführen kann. Die Côte d'Ivoire hatte nicht hinreichend darlegen können, so das Gericht, warum alle Aktivitäten Ghanas bis auf weiteres unterbunden werden sollten. Beide Regierungen wurden ermahnt, alles zu unternehmen, um irreparable Umweltschäden zu vermeiden. Neben dem ghanaischen Staat ist auch das britische Unternehmen 'Tullow Oil' direkt von dieser Entscheidung betroffen.

IWF-Chefin Christine Lagarde © World Economic Forum (CC BY-SA 2.0)

Neues Kapitel in den Beziehungen zwischen Ghana und dem IWF

Nun ist es also amtlich: der Internationale Währungsfonds (IWF) in Washington tritt wieder einmal als Krisenmanager in Ghana auf, dessen Regierung die seit einigen Jahren herrschende Wirtschaftskrise nicht mehr in den Griff bekam. Schon Mitte 2014 sah sich die ghanaische Führung genötigt, Verhandlungen mit dem ’Finanzpolizisten‘ über ein Struktur- und Hilfsprogramm aufzunehmen. Ende Februar 2015 einigten sich nun beide Seiten auf ein 940 Millionen Dollar umfassendes Dreijahresprogramm zur Wiederbelebung und Stabilisierung der angeschlagenen Wirtschaft, deren jährliche Wachstumsrate um die Hälfte auf etwa 4 % gefallen war, Stromausfälle inzwischen zum Alltag gehörten und die nationale Währung Cedi merklich an Wert verloren hat. Die Auflagen des IMF sind hart und erinnern ein wenig an die bitteren Strukturanpassungsprogramme in den 1980er und 1990er Jahren, die den Niedergang der ghanaischen Wirtschaft beendeten. So stehen Benzinpreiserhöhungen, Subventionsabbau bei der Stromversorgung und ein Einstellungsstopp im öffentlichen Dienst an, alles klassische Maßnahmen, gegenzusteuern und Ghana zurück auf den Weg zu Wachstum und Stabilität zu bringen.

Staat

Politisches System

Ein weiteres Wahrzeichen der Unabhängigkeit
Independence Arch auf dem Black Star Square © Heinrich Bergstresser

Das Regierungssystem der Republik Ghana basiert auf der am 7. Januar 1993 in Kraft getretenen Verfassung. Sie garantiert Parteienpluralismus, Gewaltenteilung und die Menschenrechte. Der Staatspräsident ist zugleich Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte und wird mit der absoluten Mehrheit der Stimmen vom Volk direkt gewählt. Treten mehr als zwei Kandidaten zur Wahl an und erhält keiner die absolute Mehrheit, findet eine Stichwahl mit den beiden Kandidaten statt, die die meisten Stimmen auf sich vereinen konnten. Die Amtszeit beträgt vier Jahre, einmalige Wiederwahl ist möglich. Vor der Wahl benennen die Präsidentschaftskandidaten ihre jeweiligen Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten. Der Staatspräsident ernennt die Mitglieder des Kabinetts, die aber vom Parlament bestätigt werden müssen.

Die Legislative besteht aus einem Einkammerparlament mit derzeit 275 Abgeordneten, die zugleich die Zahl der Wahlkreise spiegeln. Dabei richtet sich die Anzahl der Wahlkreise in den zehn Regionen nach der jeweiligen Bevölkerungsgröße. Darüber hinaus verfügt jede Region über ein House of Chiefs und District Assemblies. In den ersten drei Wahlperioden zählte das Parlament noch 200 Abgeordnete. Im Jahre 2004 wurde das Parlament zunächst auf 230 und im Jahre 2012 auf 275 Sitze vergrößert. Für die Parlamentswahlen gilt das Mehrheitswahlrecht, d.h., der jeweilige Wahlkreiskandidat mit den meisten Stimmen erhält das Mandat, Wiederwahl ist unbeschränkt möglich. Die Legislaturperiode beträgt vier Jahre und deckt sich mit der Amtszeit des Staatspräsidenten. Die Wahlkommission hat durch ihre Kompetenz und Unabhängigkeit maßgeblich zur politischen Stabilisierung Ghanas beigetragen und wurde seit Beginn der Re-Demokratisierung von Kwadwo Afari-Gyan geleitet. Erst im Juni 2015, im Alter von 70 Jahren, endete sein Mandat, und Präsident Mahama ernannte Carlotte Osei zur neuen Vorsitzenden. Sie ist damit die erste Frau auf diesem zentralen Posten. Zuvor hatte sie die National Commission for Civic Education (NCCE) geleitet. 

Neben der Regierung gibt es einen 25-köpfigen Staatsrat (Council of State), der bei der Gesetzgebung und wichtigen Personalentscheidungen eine beratende Funktion einnehmen kann. Ihm gehören ein ehemaliger Vorsitzender Richter am Supreme Court, jeweils ein Ex-Generalinspekteur der Armee und der Polizei, der Präsident des National House of Chiefs, ein gewählter Vertreter jeder Region und elf vom Staatspräsidenten berufene Mitglieder an. Des weiteren gibt es einen Nationalen Sicherheitsrat, besetzt mit dem Staatspräsidenten, seinem Stellvertreter, mehreren Ministern, Spitzen des Militärs und der Polizei sowie der Nachrichtendienste.

Recht und Justiz

In Ghana herrscht Rechtspluralismus, wobei das säkulare nationale Recht auf dem englischen Common Law basiert. Im Familien- und Privatrecht wird oft auch nach traditionellem Recht entschieden. Die Gerichtsbarkeit gliedert sich in den Obersten Gerichtshof (Supreme Court), der auch über Verfassungsklagen entscheidet, und den nachgeordneten Instanzen (Court of Appeal), High Courts, Regional Tribunals und den Fast Track Courts.

Die Globalisierung verändert auch die Rechtsbeziehungen zwischen afrikanischen Staaten und ihren ehemaligen Kolonialherren. Etliche Millionen Afrikaner bilden inzwischen große Diasporagemeinschaften in Übersee. Darunter befinden sich auch viele Ghanaer, die überwiegend nach Großbritannien und in die USA migriert sind und dort zumeist einen legalen Aufenthaltsstatus besitzen. Wurden Ghanaer, die nach wie vor die ghanaische Staatsbürgerschaft besaßen, in Großbritannien straffällig, verbüßten sie ihre Strafe in britischen Haftanstalten. Nun aber haben sich die Regierungen beider Staaten auf ein Abkommen zur Überstellung von rechtskräftig verurteilten Straftätern in das jeweilige Heimatland geeinigt. Dort können die Straftäter ihre Strafe absitzen. Vorbild dieses Abkommens ist ein vergleichbarer Vertrag zwischen Großbritannien und Nigeria.

Innenpolitische Themen

Re-Demokratisierung

Seit Beginn der Re-Demokratisierung Ghanas 1992, beherrschen die beiden Parteien NDC (National Democratic Congress) und die NPP (New Patriotic Party) das Machtgefüge Ghanas. Während der NDC in der Tradition Nkrumahs und seinen sozialistischen, kleinbürgerlichen und kleinbäuerlichen Vorstellungen steht, gehen die ideologischen Wurzeln der NPP auf die bürgerlich-liberalen Einstellungen von Joseph Boakye Danquah und Kofi Busia, den wichtigsten Gegenspielern des Staatsgründers, zurück. Alle anderen Parteien standen und stehen dagegen, ebenso wie der NDC, in der geistigen und ideologischen Tradition Nkrumahs. Regierte der NDC unter seinem Gründer und charismatischen Führer Jerry John Rawlings unangefochten die beiden ersten Legislaturperioden (1993-2001), so setzten sich die NPP und ihr Spitzenkandidat John Kufuor in den darauffolgenden zwei Wahlgängen durch und prägten mit klaren Parlamentsmehrheiten ihrerseits die Politik (2001-2009). Doch stand der nächste Machtwechsel bevor, als John Atta Mills und der NDC Ende 2008 die Wahlen gewannen und wieder die politische Macht übernahmen. Der Tod des Amtinhabers führte seinen Stellvertreter John Dramani Mahama ins höchste Staatsamt, der wenige Monate später die  Wahl Ende 2012 knapp für sich entscheiden konnte. Darüber hinaus sicherte sich der NDC die absolute Parlamentsmehrheit. Bei den Wahlen Ende 2016 kehrten sich die Verhältnisse wieder um. Die NPP und ihr Kandidat Akufo-Addo siegten klar gegen den Amtsinhaber Mahama und seine Partei NDC.

Menschenrechte und Zivilgesellschaft

Die Menschenrechtskommission CHRAJ, die auch für die Korruptionsbekämpfung zuständig ist, hat trotz verfassungsrechtlicher Nähe zur Regierung ebenso wie die Wahlkommission einen erheblichen Anteil an der Demokratisierung des Landes. Insbesondere in den ersten beiden Legislaturperioden unter J. J. Rawlings konterkarierte die Kommission angesichts einer strukturellen und teilweise selbstverschuldeten Schwäche der Oppositionsparteien, allen voran der NPP, durch etliche berechtigte regierungskritische Entscheidungen den absoluten Machtanspruch des NDC und des Staatspräsidenten Rawlings.

Auch die erstarkende ghanaische Zivilgesellschaft trägt maßgeblich zur politischen Stabilität des politischen Systems bei. Die CHRAJ kooperiert mit zivilgesellschaftlichen Organisationen innerhalb der Ghana Anti-Corruption Alliance (GACC), der es gelungen ist, in breiten Bevölkerungskreisen ein Bewusstsein für die negativen Auswirkungen von Korruption zu schaffen. So kamen nicht zuletzt aus der Mitte der Zivilgesellschaft und aus staatlichen Behörden handfeste Hinweise auf finanzielle Unregelmäßigkeiten der Savannah Accelerated Development Authority (SADA) sowie auf intransparente Vorgänge im Management der Ghana Youth Employment and Entrepreneurship Development Agency (GYEEDA), die im Oktober 2014 zu einem Strafverfahren gegen den früheren Koordinator führten.

Medienlandschaft

Die Re-Demokratisierung des Landes umfasste auch die inzwischen deregulierten Medien, insbesondere die Printmedien. Widerwillig hatte Rawlings im Kontext seiner Re-Zivilisierung das Medienmonopol des Staates aufgehoben. Und die privaten Medien entpuppten sich schon bald als wichtigster Akteur der noch schwachen Zivilgesellschaft und spielten lange Zeit und unter schwierigsten Bedingungen den Part der Opposition. Inzwischen gelten Presse- und Meinungsfreiheit in Ghana als selbstverständlicher Bestandteil des demokratischen Systems, wo sich eine lebendige und vielfältige Medienlandschaft entwickelt hat, insbesondere im elektronischen und digitalen Sektor. So verwundert es wenig, dass Ghana im internationalen Vergleich hinsichtlich der Pressefreiheit gut abschneidet. Im neuesten Bericht von ’Reporter ohne Grenzen‘ liegt Ghana auf Platz 26 von 180 bewerteten Ländern und hat gegenüber dem Vorjahr seine Position gehalten. Der Hang zum Infotainment und zum Boulevard macht aber auch vor Ghana nicht halt, sodass auch dort der Journalismus nur eingeschränkt dazu beiträgt, eine fundierte öffentliche Meinung herzustellen. Die großen internationalen Sender wie BBC, VoA und die Deutsche Welle (DW) sind in Ghana aktiv, und die DW arbeitet im Bereich Re-Broadcasting eng mit Dutzenden von Radiostationen wie Choice FM in Accra und Kapital Radio in Kumasi sowie der Multi TV Group zusammen. Eine besonders erfolgreiche Programmreihe war im Jahr 2015 das DW Heromobile, das seine Reise durch verschiedene afrikanische Länder in Ghana beendete.

Außenpolitik

Kwame Nkrumah trifft John F. Kennedy ©Abbie Rowe (public domain)
Kwame Nkrumah trifft John F. Kennedy ©Abbie Rowe (public domain)
John Dramani Mahama und US-Außenminister John Kerry ©US State Department (public domain)
John Dramani Mahama und US-Außenminister John Kerry ©US State Department (public domain)

Bestimmungsfaktoren der Außenpolitik und außenpolitischer Entscheidungsprozesse

Vier Phasen konstituieren im wesentlichen die ghanaische Außenpolitik. Phase eins umfasst die Emanzipationsbewegung der Ära Nkrumah, Phase zwei das erratische Spannungsverhältnis der verschiedenen Militärregime und der kurzlebigen Zivilregierungen Busia und Liman. Phase drei unter Rawlings institutionalisiert, stabilisiert und modifiziert das dialektische Verhältnis Ghanas zu den beiden Bretton-Woods-Institutionen IWF und Weltbank und der übrigen westlichen Gebergemeinschaft, während Kufuor die Phase vier einleitete. Mills und Mahama setzten diese Phase ungebrochen fort, die für Kontinuität und Konsolidierung des ghanaischen Entwicklungs- und Demokratisierungsprojektes steht. Dabei weisen die entscheidenden Koordinaten der Außenpolitik zielgerichtet auf die USA und die EU.

In diesem Kontext entschied die ghanaische Regierung Anfang 2016, zwei Jemeniten aufzunehmen, die infolge des historisch bedeutsamen Datums 11. September 2001 ohne Anklage im "Camp 5" in Guantánamo einsitzen. Die Obama-Administration vermochte es trotz mehrerer Anläufe nicht, innerhalb ihrer Amtszeit, die im Januar 2017 endete, das rechtlich äußerst umstrittenene US-Gefangenenlager auf Kuba zu schließen. Ghanas oberstes Gericht - Supreme Court - entschied jedoch am 22. Juni 2017, dass die Entscheidung der ghanaischen Regierung unter Präsident Mahama verfassungswidrig gewesen sei, da sie ohne Zustimmung des Parlaments erfolgte.

Trotz dieser dezidiert westlichen Ausrichtung unterstrich der neue Präsident Akufo-Addo das genuin ghanaische Interesse an stabilen politischen Verhältnissen in der ECOWAS. So bereiste der Präsident im Mai 2017 innerhalb weniger Wochen alle Mitgliedstaaten, und er begann seine Westafrika-Tour im benachbarten Togo. Damit unterstrich er erneut, dass Ghana auch unter der neuen Regierung dazu stehe, die inzwischen guten Beziehungen zum einstigen schwierigen Nachbarn auch in Zukunft aufrechtzuerhalten.

Phase I: 1957-66

Das außenpolitische Denken des Staatsgründers Kwame Nkrumah hatte starke eklektische Züge. Darin spiegelten sich insbesondere seine USA-Erfahrungen und die von Afro-Amerikanern in den USA und der Karibik entwickelte Idee des Panafrikanismus wider. Aber auch die Prinzipien des gewaltlosen Widerstandes Mahatma Gandhis, die emanzipatorischen radikalen Inhalte der Blockfreienbewegung und die Vorstellungen, innerhalb der neuen Weltordnung nach dem II. Weltkrieg als souveränes und gleichberechtigtes Völkerrechtssubjekt agieren zu können, spielten eine zentrale Rolle. Aber gerade dieser letzte Aspekt erwies sich als fatale politische Fehleinschätzung und überforderte die wirtschaftlichen und finanziellen Ressourcen des kleinen Landes.

Phase II: 1966-72

Die Putschisten unter General Joseph Ankrah, die sich 1966 an die Spitze des Staates stellten, übernahmen mangels politischer und wirtschaftlicher Kompetenz alle Verpflichtungen der gestürzten Regierung. Das Regime geriet somit schnell unter Kuratel der internationalen Finanzwelt, musste damit einen zentralen Bereich seiner Souveränität an den IWF abgeben, beraubte sich somit jeglicher außenpolitischer Handlungsspielräume und verschärfte schließlich die Entwicklungskrise. Auch auf dem Feld des subregionalen Krisenmanagements und der Diplomatie fehlten der Junta sowohl Autorität als auch das notwenige Fingerspitzengefühl. Folgerichtig scheiterte der Versuch, auf ghanaischem Territorium im drohenden nigerianischen Bürgerkrieg zu vermitteln, kläglich. Denn die ghanaische Führung vermittelte den Eindruck, zugunsten Biafras zu verhandeln, was das ghanaisch-nigerianische Verhältnis, das bereits seit der spätkolonialen Phase nicht ganz unproblematisch war, für Jahre erheblich belastete. Zwei weitere Ereignisse sorgten ebenfalls für äußerst frostige Beziehungen: die Exekution dreier ehemaliger Juntachefs durch Jerry Rawlings 1979 und die Ausweisung von mehr als einer Million ghanaischer Staatsbürger durch die gewählte nigerianische Regierung unter Shehu Shagari 1983. Das Verhältnis dieser beiden Staaten zueinander - ob unter Militärregimen oder gewählten Regierungen - blieb bis in die Gegenwart zumindest unterschwellig getrübt.

Die Zivilregierung Kofi Busia, die seit 1969 die kurzlebige II. Republik prägte, verfolgte eine gegen Ausländer gerichtete Diskriminierungspolitik, die zwar Ghanaern einige Arbeitsplätze sicherte, Ghana aber in der gesamten Subregion isolierte. Die Hoffnung, den dezidiert pro-westlichen Kurs und eingeschlagenen Entwicklungsweg im Sinne des IWF und der Weltbank fortzusetzen und dafür die notwendige Unterstützung zu bekommen, erfüllte sich nicht. Weder gelang es, durch Wachstum um jeden Preis, die Wirtschafts- und Verschuldungskrise zu meistern, noch waren die westlichen Gläubiger angesichts der geo-strategischen Bedeutungslosigkeit Ghanas bereit, der Regierung in irgendeiner Weise entgegenzukommen. 

Phase III: 1972-81

Das Militärregime unter Ignatius Acheampong, dass sich 1972 an die Macht putschte, erkannte die Umschuldungsabkommen der Vorgängerregierungen nicht an und kehrte das Beweisprinzip hinsichtlich der Nkrumah-Schulden um. Darüber hinaus stellte es die Idee des Panafrikanismus wieder in den Mittelpunkt der Außenpolitik, richtete mit Blick auf Südafrika ein Informationszentrum zur Befreiung des Kontinents ein, überführte die sterblichen Überreste des Staatsgründer aus dem guineischen Exil, intensivierte erneut die Beziehungen zu den sozialistischen Ländern und brach die diplomatischen Beziehungen zu Israel ab. Zahlreiche afrikanische Staaten verfolgten äußerst interessiert die Kampagne, auch ohne ein IWF-Abkommen die außenwirtschaftlichen Beziehungen zu stabilisieren. Diese Kampagne befreite, zusammen mit Ghanas konstruktiver Rolle bei der Gründung der ECOWAS, das Land aus der selbstverschuldeten Isolation.

Die Ölpreiskrise 1973 beendete die Erholungs- und Emanzipationsphase. Korruption und Schmuggel nahmen zu und erstickten alle erzielten Fortschritte. Der Palastrevolte unter General Frederick Akuffo 1978 folgte eine radikale außenpolitische Kehrtwendung hin zum IWF und dessen Programmen und der Versuch, das Land unter kleptokratischen Bedingungen zu stabilisieren und schon im Vorfeld einen potenziellen Putsch unterer Ränge zu vereiteln. Statt Stabilität provozierte das Regime massive Proteste der Bevölkerung und verhängte schließlich den Ausnahmezustand, der das baldige Ende des Regimes einläutete.

Phase IV: 1982-2014

Die Ära Rawlings prägten von Beginn an zwei scheinbar gegensätzliche außenpolitische Beziehungsstränge. Einerseits erkannten die Bretton-Woods-Zwillinge, dass der ghanaischen Krise eine Entwicklungskrise zugrunde lag, der nur langfristig und mit massivem Einsatz der Weltbank beizukommen sei. Dazu bedurfte es aber der erneuten Unterwerfung der Wirtschafts- und Finanzpolitik Ghanas unter das Diktat der westlichen Geber. Andererseits hielt Ghana an den engen Beziehungen zu sozialistischen, populistischen und revolutionären Regimen wie Kuba, Libyen, Iran und Nordkorea und an einer anfangs militanten und später moderaten anti-imperialistischen Rhetorik fest. Diese Dichotomie bildete die politische Plattform, auf der die internationalen Finanzpolizisten wie auch das Rawlings-Regime zu beiderseitigem Nutzen agieren konnten.

Das Scheitern des sozialistischen Modells Anfang der 1990er Jahre modifizierte auch die außenpolitischen Parameter. Panafrikanische Inhalte traten zugunsten einer dezidiert subregionalen Ausrichtung und einer offenen Orientierung hin zu den USA und zur EU in den Hintergrund. Auch das äußerst gespannte Verhältnis zum Nachbarn Togo begann sich zu entspannen, nachdem die Regierung Rawlings erkennen musste, dass die Unterstützung togoischer Oppositioneller und Regimegegner in keinem vertretbaren Verhältnis zum politischen Ertrag stand. Zudem bekundeten beide Seiten inzwischen ihr gestiegenes Interesse, das ambitiöse und langfristig angelegte Westafrikanische Gasprojekt nicht zu gefährden.

Die politischen Früchte der verbesserten Beziehungen zum Nachbarn Togo erntete jedoch der neu gewählte Staatspräsident John Kufuor. Sein togoischer Amtskollege Eyadéma nahm an der Amtseinführung 2001 teil. Und die erste Auslandsreise des ghanaischen Präsidenten führte ihn nach Togo, wo er an den Feierlichkeiten zum 34. Jahr der Machtergreifung Eyadémas teilnahm, was kaum Kritik hervorrief. Vielmehr wurde der erfahrene Außenpolitiker Ibn Chambas von den ECOWAS-Staaten zum Generalsekretär gewählt, und die westlichen Geber, allen voran Deutschland, finanzierten das Kofi Annan Peace Keeping Center, eine Hommage an den ehemaligen UN-Generalsekretär und das positive Image ghanaischer Blauhelmsoldaten.

Die außenpolitischen Gestaltungsmöglichkeiten Ghanas stiegen wieder leicht, nachdem Mahama Ende März 2014 zum ECOWAS-Vorsitzenden gewählt worden war und Nigeria weiterhin von gewalttätigen Islamisten im eigenen Land herausgefordert wurde. Das heißt, dass das seit Jahrzehnten schwierige Verhältnis zum großen Nachbarn Nigeria eine konstitutive Rolle spielt. Im afrikanischen Kontext gleicht nämlich die außenpolitische Relevanz und Durchsetzungsfähigkeit Ghanas einem Nullsummenspiel, in dem Nigeria den Handlungsspielraum definiert. So weist ein stabiles Nigeria Ghana die Rolle eines Juniorpartners zu, ein instabiles dagegen eine Führungsrolle.

Geschichte

Vom 'Erlöser' Nkrumah zum 'Entfant Terrible' Rawlings

1947 Gründung der United Gold Coast Convention (UGCC)
1949 Gründung der Convention People's Party (CPP) durch Kwame Nkrumah
1950 Generalstreik - Nkrumah zu drei Jahren Haft verurteilt
1951 Vorzeitige Entlassung Nkrumahs nach Wahlsieg seiner Partei - Geschäftsführender Regierungschef
1954 Erneuter klarer Wahlsieg der CPP - Nkrumah Premierminister
1956 Briten setzen willkürlich erneut Wahlgang an - Klarer Sieg der CPP und große Mehrheit im Parlament für die baldige Unabhängigkeit
1957 Unabhängigkeit (06. März) - Nkrumah wird Regierungschef und die Königin bleibt Staatsoberhaupt, vertreten durch einen Gouverneur
1960 Abkehr vom Westminister Modell - Ghana wird Republik und Nkrumah Staatspräsident
1964 Plebiszit verwandelt Ghana in einen Einparteienstaat
1966 Februar: Militärputsch - Ende der I. Republik
1969 Oktober: Beginn der II. Republik - Busia Premierminister
1972 Im Januar Militärputsch - Ende der II. Republik
1978 Juli: Palastrevolte
1979 Juni: Militärputsch unterer Ränge - Interregnum Rawlings
1979 September: Beginn der III. Republik - Limann Staatspräsident
1981 Silvesterputsch - Beginn der Ära Rawlings
1993 Januar: Beginn der IV. Republik - Rawlings (NDC) Staatspräsident
2001 Januar: Machtwechsel - Ende der Ära Rawlings

Das Ende der II. Weltkrieges 1945 leitete weltweit eine beschleunigte Dekolonisierungsphase ein, die die europäischen Kolonialmächte völlig unvorbereitet traf. So gründeten mit dem Fernziel Unabhängigkeit in der Goldküste Vertreter der städtischen Eliten, angeführt von Aktivisten wie Boakye Danquah, Emmanuel Obetsebi Lamptey, Ebenezer Ako-Adjei, William Ofori Atta und Edward Akuffo-Addo, im Jahr 1947 die United Gold Coast Convention (UGCC) und beriefen den in London weilenden Kwame Nkrumah zu ihrem Generalsekretär. Diese sechs Aktivisten gingen als die 'Big Six' in die ghanaischen Geschichtsbücher ein. Danquah selbst schlug vor, die Goldküste in Ghana umzubenennen. Doch schon bald kam es zur Spaltung, und Nkrumah gründete 1949 mit massiver Unterstützung breiter und weniger gebildeter Bevölkerungskreise die Convention People's Party (CPP). Dabei kontrastierte die radikale Forderung der CPP nach sofortiger Selbstbestimmung mit der vagen Formulierung der elitären UGCC, dieses Ziel sobald wie möglich zu erreichen.

Die von Mahatma Gandhi adaptierten politischen Waffen der 'Positive Action' und des gewaltfreien Widerstandes, unterfüttert mit teils scharfer politischer Agitation, sicherten der kleinbürgerlichen CPP weiteren Zulauf aus den unteren und mittleren Schichten, die das von den britischen Kolonialherren entlehnte Gehabe der kleinen Elite und der Chiefs nicht mehr widerstandslos hinnehmen wollten. Anfang 1950 kam nach Ausrufung des Generalstreiks das soziale und wirtschaftliche Leben zum Erliegen, und den Briten fiel nichts weiter ein als den Ausnahmezustand auszurufen und CPP-Aktivisten zu verhaften. So erhielt die neue Führungsfigur Nkrumah wegen aufrührerischen Verhaltens und Volksverhetzung drei Jahre Gefängnis, eine Strafe, die wesentlich zur Mythenbildung des späteren Staatsgründers Nkrumah beitrug. Doch schon bald mussten ihn die Briten vorzeitig entlassen, zu klar war der Sieg seiner CPP bei den Wahlen 1951. Somit tauschte er seine Gefängniszelle mit einer Amtstube, von wo er das Amt des Geschäftsführenden Regierungschefs ausübte, eine Position ohne eigentliche Macht, aber mit viel Symbolik für den Kampf um die Unabhängigkeit. Sie bot eine Plattform für die neue Verhandlungsstrategie der 'Tactical Action', eine Mischung aus politischen und verfassungsrechtlichen Ansätzen. Doch schon 1954 änderten sich die Machtverhältnisse. Wieder gewann die CPP, und Nkrumah wurde Premierminister. Weder die ethnisch definierte Ashanti-Partei National Liberation Movement (NLM), noch die religiös und regional ausgerichteten Parteien Muslim Association Party (MAP), Northern People's Party (NPP) und der Togoland Congress besaßen genügend Anhänger, eine Gegenmacht zur CPP und deren Galionsfigur Nkrumah aufzubauen. Noch zögerten die Briten, dem Land die Unabhängigkeit zu gewähren. Insbesondere in Ashanti nahmen Gewalt und Gesetzlosigkeit zu, im wesentlichen getragen von der NLM. Mit allen Mitteln versuchte die Partei, ihren historisch abgeleiteten unterschwelligen Anspruch als Staatsvolk aufrecht zu erhalten und zugunsten der Ashanti-Region noch vor der Unabhängigkeit zumindest eine föderative Lösung durchzusetzen.

Die Briten versuchten, die Befürworter einer sofortigen Unabhängigkeit auszubremsen und ihnen neue Steine in den Weg zu legen. So legte die Kolonialregierung schließlich einen weiteren Wahlgang für 1956 fest, um festzustellen, inwieweit die Bevölkerung hinter der Forderung eines unabhängigen Staates stünde. Wieder ging die CPP, die zuvor vergeblich versucht hatte, die NLM und deren Bündnispartner zur Teilnahme an der Achimota Konferenz Anfang 1956 zu bewegen, als klarer Sieger aus diesem Wahlgang hervor. Sodann legten die CPP und die britische Regierung allein die Schritte zur Unabhängigkeit, die künftige Verfassungsordnung und das Regierungssystem fest, die sich am Westminster Modell orientierten und in denen auch die Institution der Chiefs ihren Platz finden sollte. Darüber hinaus stimmte die Bevölkerung im britischen Togo-Treuhandgebiet für den Anschluss an die Goldküste.

Osagyefo 1961 auf dem Gipfel seiner Macht und Popularität
Osagyefo Kwame Nkrumah © Abbie Rowe (public domain)
Die zerstörte Nkrumah Statue - der Öffentlichkeit im Kwame Nkrumah Memorial Park in Accra zugänglich gemacht
Zerstörte Nkrumah Statue besiegelte auch äußerlich das Ende der Ära Nkrumah © Heinrich Bergstresser

Unabhängigkeit und der Weg in den Einparteienstaat

Kurz nach der Wahl stimmte im August 1956 eine große Mehrheit im Parlament für die Unabhängigkeit der Goldküste, ein Votum, das die Kolonialmacht akzeptieren musste. In Anlehnung an das im Mittelalter bestehende Reich Ghana im Gebiet des heutigen Mali und Mauretanien wurde die Goldküste in Ghana umbenannt und als Mitglied im Commonwealth am 6. März 1957 als erstes Land Afrikas südlich der Sahara unabhängig. Nkrumah blieb Premierminister und die britische Königin nominelles Staatsoberhaupt, vertreten durch einen Generalgouverneur. Doch schon wenige Jahre später, am 1. Juli 1960, erfolgte die Umwandlung in eine Präsidialrepublik, und Nkrumah übernahm das Amt des Staatspräsidenten. Dennoch blieb Ghana im Commonwealth.

Statt ausländischer Investitionen und wirtschaftlicher Fortschritte prägen Kapitalabfluss, Stagnation und Entwicklung hin zu einer Willkürherrschaft die ersten Jahre der Unabhängigkeit. Die Gewerkschaften und der Verband der Kakaobauern wurden gleichgeschaltet, Oppositionelle mit Hilfe scharfer Sicherheitsgesetze ins Gefängnis gebracht, wo der wichtigste politische Gegenspieler und einstige Weggefährte Danquah 1965 verstarb. Das plebiszitär abgesicherte CPP-Einparteiensystem verlieh Nkrumah diktatorische Vollmachten. Der sich zum 'Erlöser' (Osagyefo) stilisierende Nkrumah wandelte Ghana in einen Einparteienstaat um und wies dem Staat die entscheidende Rolle im Entwicklungsprozess zu. Das Ergebnis war mehr als ernüchternd. Denn die Ausweitung des Staatssektors stellte die Weichen für die Entwicklung einer bürokratischen Kleinbourgeoisie, die den Staat zur Beute kleinbourgeoiser Elemente machte. Unter diesen Vorzeichen konnte Ghana weder eine akkumulationsfähige Bourgeoisie noch einen produktiven staatssozialistischen Sektor hervorbringen. Zusätzlich verfielen die Weltmarktpreise für den Hauptdevisenbringer Kakao, und Ghana finanzierte seinen Staatssektor nun durch Lieferkredite und Rückgriff auf die Reserven. Die ruinöse Politik mündete alsbald in eine schwere Wirtschafts- und Verschuldungskrise, die schließlich Anfang 1966 zum unblutigen Putsch der Militärs führte, als sich Nkrumah auf einer Auslandsreise befand. Er fand schließlich in Guinea Asyl, wo er auch begraben wurde. Er war 1972 in Bukarest verstorben.

Militärputsch und Ende der I. Republik 1966

Den Initiatoren des Staatsstreichs vom Februar 1966 ging es vor allem um die Wahrung ihrer Interessen als Offiziere. Doch schon bald musste die achtköpfige Junta des 'National Liberation Council' (NLC) unter General Joseph Ankrah - später abgelöst von Akwasi Afrifa - erkennen, dass sie auch außerhalb des Militärs und der Polizei politischen Rückhalt brauchten, um ihre Machtübernahme legitimieren zu können. So umgab sich die Junta folgerichtig mit jenen gesellschaftlichen Gruppen, die Nkrumah und seine CPP vernachlässigt oder diskriminiert hatten. Dazu zählten vor allem die Beamtenschaft, die aus dem Kolonialismus hervorgegangene Bildungs- und Verwaltungselite, die Chiefs, Freiberufler, Händler und Unternehmer, jedoch nicht die Kakaobauern. Damit erhielt die Junta die notwendige Unterstützung jener Kräfte, die in den 1950er Jahren gegen Nkrumah agiert hatten. Trotz dieser Konstellation waren die 'Technokraten' nicht imstande, gegen die gewieften Verhandlungsführer der internationalen Finanzinstitutionen und Gläubiger eine Verhandlungsmacht aufzubauen, die die Ursachen der Krise und Lösungsansätze zugunsten Ghanas hätten durchsetzen können. Es fehlte der ghanaischen Seite schlichtweg an Wirtschaftskompetenz, Erfahrung und Verhandlungsgeschick. So nahmen die sozialen Spannungen angesichts der verordneten Strukturanpassungen zu, die Arbeitslosigkeit stieg dramatisch an, und das Pro-Kopf-Einkommen und die Realeinkommen sanken. Die Legitimationsgrundlage der Junta war nach gut drei Jahren verbraucht.

Die kurzlebige II. Republik unter Kofi Busia (1969-72)

Ein von der Junta abgesegnetes parlamentarisches Mehrparteiensystem brachte Kofi Busia, einen der ärgsten Widersacher Nkrumahs im Unabhängigkeitskampf, und seine 'Progressive Party' im Oktober 1969 an die Macht. Ein Wahlmännergremium wählte im darauffolgenden Jahr Edward Akuffo-Addo zum Präsidenten ohne Machtbefugnisse. Der Versuch der gewählten Regierung Busia, mit einer gezielten Wachstumspolitik die hohen Erwartungen der Bevölkerung zu erfüllen, scheiterte bereits im Ansatz. Denn diese Politik war auf das Engste mit der Liberalisierung der Importe verknüpft und mündete schnell in eine Wirtschaftskrise. Eine Ende Dezember 1971 vom IWF verordnete Schockabwertung diskreditierte vollends die inzwischen bei allen gesellschaftlichen Gruppen unbeliebte Regierung. Und die Militärs nutzten im Januar 1972 diesen Zustand und übernahmen erneut die Macht, als Regierungschef Busia sich im Ausland aufhielt. 

Die Militärs unter Acheampong und Akuffo putschen sich zurück an die Macht

Das Militärregime unter Ignatius Acheampong, anfangs als 'National Redemption Council' und zwei Jahre später als 'Supreme Military Council', verwandelten Ghana endgültig in eine institutionalisierte Kleptokratie. Eine kleine Clique hoher Militärs und ein Teil der Händlerkaste beuteten das Land auf Kosten aller anderen Gesellschaftsschichten hemmungslos aus und führten die Wirtschaft schließlich in den Ruin.

Die Palastrevolte im Juli 1978 brachte General Frederick Akuffo, einen Komplizen des gestürzten Acheampong, an die Macht. Vergeblich versuchte Akuffo, im Parforceritt den wirtschaftlichen Niedergang mit einem harten IWF-Strukturanpassungsprogramm aufzuhalten und zugleich die Rückkehr zu einer gewählten Zivilregierung einzuleiten, auch um einem Putsch junger Offiziere zuvorzukommen. Die Lebensbedingungen, insbesondere der unteren Bevölkerungsschichten, verschlechterten sich weiter, und die Junta sah sich mit einem in der ghanaischen Geschichte beispiellosen Proteststurm konfrontiert. Sie verhängte den Ausnahmezustand und konnte nur mühsam die Kontrolle über das Land zurückgewinnen. Der Rawlings-Putsch am 4. Juni 1979 machte das anstehende Stabilisierungsprogramm obsolet.

Jerry John Rawlings ©Pruneau/Wikimedia Commons (CC-BY-SA-3.0)

Das Interregnum unter Jerry John Rawlings und die III. Republik unter Limann (1979-81)

Bereits am 15. Mai hatte Fliegerhauptmann Rawlings vergeblich versucht, das Regime gewaltsam zu stürzen. Er wurde verhaftet, vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt, aber von Gesinnungsgenossen unmittelbar vor dem erfolgreichen Putsch befreit. So markiert der 4. Juni den Aufstand insbesondere der Mannschaften gegen die Kleptokratie. Denn die Machenschaften ihrer Offiziere hatten die ganze Armee desavouiert, und als Akuffo den verhassten Acheampong lediglich an seinen Heimatort verbannt hatte, statt ihn vor Gericht zu stellen, hatte sich der Unmut zur Wut gesteigert.

Die Putschisten und der von Rawlings gegründete 'Armed Forces Ruling Council' (AFRC) zielten nicht auf die Machtübernahme, sondern auf das 'Große Reinemachen', das 'House Cleaning', das innerhalb weniger Monate beendet sein sollte, und die Rückkehr zu einer gewählten Regierung. Akuffo hatte noch als Juntachef den 18. Juni als Termin für die Parlaments- und Präsidentschaftswahl festgelegt, und die Wahlen fanden auch wie geplant zu diesem Termin statt. Limanns 'People's National Party' (PNP), die sich als Erbin der Nkrumah-Partei CPP verstand, wurde stärkste Fraktion. Einen Monat später wurde Hilla Limann nach einer Stichwahl gegen Victor Owosu Staatspräsident, und am 24. September 1979 übernahm die gewählte Regierung ihre Amtsgeschäfte.

Zwischen dem Rawlings-Putsch und der Amtseinführung wurden alle Aktionen des AFRC von den städtischen Massen enthusiastisch beklatscht und gefeiert. Das galt sowohl für die geheimen Schnellverfahren gegen Acheampong, Akuffo, Afrifa, Utuka and einige andere hochrangige Offiziere, als auch für unkonventionelle Bestrafungen von Marktfrauen und  Händlern, die verprügelt und gedemütigt wurden. Unteren Offiziersrängen schor man zur Strafe die Haare. Die hohen Offiziere endeten knapp zwei Wochen nach dem Putsch vor Erschießungskommandos, und Geschäftsleute, denen illegale Praktiken vorgeworfen wurden, erhielten hohe Haftstrafen und verloren ihren Besitz.

Auch wenn die Wiedereinführung von Preiskontrollen durch den AFRC sehr populär war, und die Junta diese Maßnahme mit aller gebotenen Härte durchsetzte, entwickelten sich erhebliche Versorgungsprobleme. Der AFRC machte dafür jedoch Händler, Zwischenhändler und Nigeria verantwortlich. So hatte die nigerianische Militärjunta, die im Begriff war, die Macht an eine gewählte Regierung zu übergeben, nach den Exekutionen ein Ölembargo gegen Ghana verhängt. Wie widersprüchlich die sozioökonomische Lage auch war, in einem waren sich Rawlings und der Durchschnittsghanaer einig: es gab zu wenig Rechtschaffenheit, und der Niedergang des Landes war vor allem ein Problem der Moral. Dieses Problem schien Rawlings mit eiserner Hand anzugehen, und die Massen dankten es ihm.

Der Rawlings von 1979 verkörperte den klassischen Volkstribun, der sich auch unter widrigsten Umständen dem Volk stellte. Unvergessen bleiben die Bilder, die den jungen Fliegerhauptmann inmitten der erwartungsfrohen Menge bei brütender Hitze auf einem Jeep zeigen, statt auf der schattigen Bühne zu stehen und von dort aus über die Würde zu räsonieren, die die Ghanaer verloren hätten. Zugleich erinnern diese Bilder und das Vorgehen Rawlings an Don Quijote, der versucht, mittels demonstrativer Bestrafung und moralischer Überzeugungskraft ökonomische Wirkungsketten außer Kraft zu setzen. Sei die Korruption erst einmal ausgerottet, so der Volkstribun, werde alles gut. Nichts wurde gut, im Gegenteil. Denn die Anti-Korruptionskampagne verschärfte die Wirtschaftsprobleme. Aber das Interregnum war zu kurz, um dies erkennen zu können, und Rawlings blieb das Idol der Massen. Verheerend waren dagegen die außenpolitischen Implikationen. Denn internationale Geber und Investoren, auf die Ghana zu diesem Zeitpunkt stärker den je angewiesen war, hatten jegliches Vertrauen in dieses Land verloren.

Unter diesen Umständen stand die III. Republik und die Regierung Limann weitgehend auf verlorenem Posten. Binnen kurzer Zeit bemächtigten sich kleptokratische Kräfte erneut des Staates und pressten auch noch die letzten Ressourcen heraus, wohl wissend, dass es nur eine Frage der Zeit sei, wann Rawlings zurückkehren würde.

Die Ära Rawlings: Putsch, Repression, wirtschaftlicher Neustart und Demokratisierung

Das Ende kam Silvester 1981, und der zwangspensionierte Fliegerhauptmann Jerry John Rawlings putschte sich erneut an die Macht. In seiner ersten Rundfunkansprache verkündete er, dass es nicht weniger als einer Revolution bedürfe, um die soziale und wirtschaftliche Ordnung im Lande wieder herzustellen. Unter seinem Vorsitz konstituierte sich der 'Provisional National Defence Council' (PNDC) als höchstes Entscheidungsgremium. Binnen weniger Wochen entstanden landesweit 'People's Defence Committees' (PDCs) und 'Workers' Defence Committees (WDCs). Sie sollten, basisdemokratisch organisiert, über die künftige Machtverteilung zugunsten der Arbeiter und Bauern entscheiden und die Grundlage für eine soziale Transformation der Gesellschaft schaffen.

Die unteren Offiziersränge, vornehmlich der Luftwaffe, und die Mannschaften, Studenten, linke Gewerkschafter und die Industriearbeiter in den Städten unterstützten den PNDC. Diese Gruppen dominierten bereits die Basis des vormaligen AFRC. Zu den Gegnern zählten das ghanaische Establishment, Freiberufler, leitende Angestellte und Beamte, reiche Händler und Teile der Bauernschaft. Die 'Association of Recognised Professional Bodies' (ARPB) und die 'Ghana Bar Association' (GBA) entpuppten sich, wie in der Acheampong-Ära, erneut als ernstzunehmende Opposition.

Rawlings Image, seine dezidiert militante, anti-imperialistische Rhetorik aus dem Interregnum 1979 und seine offensichtlich vom libyschen Modell inspirierte Vorstellung des künftigen politischen System erstickte jeglichen Ansatz westlicher potenzieller Geber, an substantielle Finanzhilfen überhaupt zu denken. Der PNDC war seinerseits Lichtjahre davon entfernt, sich an den 'imperialistischen' Westen, geschweige denn an den IWF zu wenden und sich den Auflagen des Finanzpolizisten zu unterwerfen. Die absolute Funkstille dauerte allerdings nur gut ein Jahr.

Die schon im Interregnum angewandten Methoden kamen erneut zum Tragen, ohne dass merkliche Verbesserungen der Lebensumstände erkennbar gewesen wären. Hehre revolutionäre Ideale, aber kein Konzept zur Lösung praktischer Probleme - das war das tiefe Dilemma des PNDC. Mehrere gescheiterte Putschversuche 1982 offenbarten nun einen tiefen Riss innerhalb der achtköpfigen Junta, der Komitees und der jeweiligen Klientel. Letztlich blieben alle Gefährten von Rawlings auf der Strecke, traten zurück oder flüchteten ins Exil. Ein Mitglied, der ehemalige Gewerkschaftsführer Amartey Kwei, wurde hingerichtet, da er am Mord an drei Richtern und einem pensionierten Offizier beteiligt gewesen war. Das Image des PNDC war nach diesen Morden für längere Zeit schwer belastet.

Im Laufe des Jahres 1982 setzte sich die Fraktion durch, die den Gang zum IWF als einzige realistische Möglichkeit sah, die schwere akute Wirtschaftskrise anzugehen. Die Ultralinken, die den Bruch mit dem 'imperialistischen Weltmarkt' auf die Tagesordnung gesetzt hatten und mit dem Prinzip der 'Self-Reliance' die Krise bewältigen wollten, hatten nach dem gescheiterten Putschversuch im November 1982 jeglichen Einfluss auf den weiteren Gang der Dinge verloren. Die übrige Führungsspitze um Rawlings war durchaus bereit, taktische Kompromisse mit der imperialistischen Institution einzugehen, wollte dabei aber keinerlei revolutionäre Substanz aufgeben. So verbündeten sich schließlich westliche Geber, angeführt von IWF und Weltbank, mit einem sich sozialistisch gebährdenden Regime. Der Gegensatz konnte kaum größer sein, doch konnten beide Seiten in dieser sonderbaren Konstellation ihre jeweiligen Ziele verfolgen. Die Bretton-Woods-Zwillinge fanden in Rawlings einen Partner, der das Charisma besaß, die Massen zu mobilisieren und gleichzeitig die bittere Medizin aus Washington durchzusetzen. Damit glaubten die Entscheider aus Übersee endlich den Beweis antreten zu können, dass ihre Konzepte geeignet seien, in einem überschaubaren Zeitraum Unterentwicklung zu überwinden. Rawlings seinerseits brauchte die internationale Gebergemeinschaft, um seine anfangs noch zerbrechliche Machtbasis zu festigen und dann abzusichern. Dafür wandelte sich das einstige Enfant Terrible zum Musterschüler von IWF und Weltbank und setzte in seinem Land ohne wenn und aber klassische Strukturanpassungsprogramme um, was für die große Mehrheit der Ghanaer nur schwer verdaulich war. So bitter die Medizin auch war, die Bevölkerung schluckte sie angesichts einer erkennbaren, wenn auch erzwungenen Demokratisierung, die die Therapie etwas versüßte und sie somit erträglicher gestaltete. Das Phänomen Jerry John Rawlings prägte bis zum Machtwechsel Anfang 2001 auch diesen Prozess, nachdem er die Uniform ausgezogen hatte und demokratisch legitimiert, unangefochten zwei Amtszeiten als gewählter Präsident der IV. Republik das Land regierte.

Elmina Castle ©Damien Halleux Radermecker (CC-BY-SA 2.0)
Cape Cost Castle - Auch hier begann der Leidensweg der Sklaven
Cape Coast Castle © Heinrich Bergstresser

Europas Aufbruch zur Goldküste und das Reich Ashanti

Die Völker der damaligen Goldküste kamen erstmals ab 1471 in Kontakt mit Europäern, als portugiesische Seefahrer am Fluss Prah Handelsaktivitäten entfalteten. Kurz darauf bauten die Portugiesen die Festungen Elmina (1482) und Axim (1515), und die Schweden errichteten 1653 ein Fort in Cape Coast. Doch auch britische Händler, die erstmals 1553 erwähnt wurden, und Kaufleute und Händler aus den Niederlanden, Dänemark und Preußen (Kurfürstliche Afrikanische-Brandenburgische Compagnie, 1683) errichteten Handelsstützpunkte an der Küste. Innerhalb der nächsten drei Jahrhunderte entstanden so mehr als 60 Festungsanlagen und Handelsniederlassungen, die diesen Küstenstreifen auf einer Länge von 500 km in eine historische Einkaufsmeile verwandelten.

Christiansborg Castle in Accra in den 1870er Jahren ©National Archives (United Kingdom) CO 1069 (public domain)

Die Konkurrenz zwischen den Europäern nahm im 17. Jahrhundert stetig zu. Die Portugiesen verließen in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts die Goldküste, und Anfang des 18. Jahrhunderts versuchte Frankreich vergeblich, seinen Einflussbereich auf die Goldküste auszuweiten. Der Sklavenhandel florierte, und um 1800 hatten sich britische Interessen endgültig durchgesetzt. Zu dieser Zeit endete auch dieses menschenverachtende Geschäft. Die Aufklärung hatte begonnen, ihre geistige und politische Kraft zu entfalten und führte schließlich innerhalb des Britischen Empire zur Abschaffung des Sklavenhandels (1807). Der Verlust der nordamerikanischen Kolonien hatte das Seine dazu beigetragen, und Frankreich folgte nach dem Ende der napoleonischen Kriege dem britischen Beispiel. Die Briten schlossen 1844 mit Fante-Chiefs den Bond-Vertrag und sicherten damit an der Küste die bereits bestehende Verwaltungs- und Rechtsordnung ab. Nur wenige Jahre später, 1850, errichtet das Empire sein Protektorat über britische Militärstützpunkte und Niederlassungen und erklärt schließlich 1874 den Süden, einschließlich der Fante-Föderation und Lagos, zur Kronkolonie 'Gold Coast Colony'.

Porträt des amtierenden Asantehene
Porträt des 16. Asantehene Otumfuo Osei Tutu II ©Heinrich Bergstresser
Der einstige Palast des Ashantehene - Seit Mitte der 1990er Jahre öffentlich zugängliches Museum
Der einstige Palast des Ashantehene © Heinrich Bergstresser

Dieses Datum markiert zugleich das Ende der 200-jährigen Expansion und Blütezeit des Ashanti-Reichs. Dessen Aufstieg im Hinterland begann 1701 unter Osei Tutu, und Kumasi wurde zum Zentrum des Reichs und Sitz des Königs (Asantehene). Seine größte territoriale Ausdehnung erfuhr das Reich unter Osei Bonsu (1800-23), der sein Herrschaftsgebiet bis an die Küste ausweiten konnte. Dieses Ereignis fiel zusammen mit der Abschaffung des Sklavenhandels und brachte das Reich um eine lukrative Einnahmequelle. Der Konflikt mit der Fante-Konföderation, die erheblichen Widerstand leistete, und dem britischen Empire und seinen imperialistischen Interessen war schließlich unausweichlich. Vier Kriege (1824, 1826, 1836, 1874) führten zum Niedergang des Reiches und zur Zerstörung Kumasis (1874). Nochmals drangen britische Truppen ins Ashanti-Reich ein (1896), nachdem König Prempeh I. sich geweigert hatte, sich den Briten zu unterwerfen. Sie nahmen ihn gefangen, stellten ihn vier Jahre auf der Festung Elmina unter Hausarrest und deportierten ihn dann auf die Seychellen. Erst wenige Jahre vor seinem Tod 1931 kehrte er nach Ashanti zurück. Die Forderung der Briten, den 'Golden Stool', das göttliche Symbol der königlichen Macht zu übergeben, mündete 1900 in einen Aufstand, der jedoch schnell niedergeschlagen wurde. Kurz darauf gliederten die neuen Machthaber aus Europa Ashanti und die nördlichen Gebiete als Protektorate in ihre Kolonie Goldküste ein (1902). Die Erinnerung an das Reich, der lange Kampf und der erbitterte Widerstand der Ashanti gegen die europäischen Eindringlinge prägt den unterschwelligen Anspruch des Ashanti-Volkes bis heute, verdientermaßen 'Staatsvolk sein zu müssen'. Nach dem I. Weltkrieg erhielten die Briten zusätzlich das Völkerbundsmandat über West-Togo (1922).

Asante Festival of Kings & Queens [Englisch]

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Juni 2017 aktualisiert.

Über den Autor

Heinrich Bergstresser ist Freier Journalist, Freier Wissenschaftlicher Mitarbeiter am GIGA in Hamburg und Trainer in der AIZ.

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