Straßenszene in Accra
Amtssprache
Englisch
Regionalsprachen
Akan, Ewe, Ga, Haussa, Dagbani
Religion
Christentum 60-70%, Islam ca. 20%, Traditionelle R
Urbanisierungsgrad
52 %
Lebenserwartung
64,6 Jahre

Makrosoziale Struktur

Ethnizität und Konflikt

Ghana ist ein multiethnisches Land, in dem die Akan-Völker in Zentralghana und im Südwesten, die Mole-Dagbani im Norden und die im Grenzgebiet zu Togo lebenden Ewe etwa dreiviertel der Bevölkerung stellen, wobei die Akan-Völker mit annähernd 50% dominieren. Die anderen Hauptgruppen umfassen die Ga, die im Großraum Accra und im Südosten leben, und die Guan, Gurma, Grusi und Mande-Busanga, die allesamt in den nördlichen Landesteilen anzutreffen sind. Die etwa 70 Sprachen gehören fast durchweg zum Sprachstamm des Niger-Kongo. Lediglich die tschadische Sprache Hausa zählt zum Sprachstamm des Afro-Asiatischen. Hausa ist im unterentwickelten Norden und im Völkergemisch der sogenannten 'Zongos' in Ballungszentren wie in Accra und Kumasi als Verkehrssprache weit verbreitet. Diese Stadtviertel sind Ziel und Zentrum ärmerer Schichten, zumeist muslimischer Migranten aus dem Norden und Zuwanderern aus den benachbarten Sahelstaaten. Entsprechend ist der Islam hier besonders stark vertreten, inmitten eines christlich dominierten Umfeldes, was selbst im relativ konfliktarmen Großraum Accra gelegentlich soziale Konflikte mit religiösen Untertönen hervorruft.

Nima Highway in Accra
Nima Highway in Accra ©finish eye (CC BY-SA 2.0)

In den zurückliegenden zwei Jahrzehnten blieben die nördlichen Regionen das politische und sozioökonomische Sorgenkind einer jeden Regierung. Armut, Abwanderung in den Süden, wachsendes Desinteresse der politischen Führung in Accra an der Entwicklung im Norden und Krisen in den Nachbarstaaten verschärften lokale Spannungen, die sich seit 1994 mehrmals entluden und beträchtliche, teils sogar schwerste Schäden anrichteten. Schon in den 1980er Jahren hatte es in dieser Region immer wieder räumlich und zeitlich begrenzte Konflikte um Eigentumsverhältnisse und Nutzungsrechte gegeben. Aber das Jahr 1994 hat das Selbstbewusstsein der Ghanaer schwer erschüttert und ihnen fast den Glauben genommen, ein friedliebendes, tolerantes Land zu sein. Denn das Ausmaß der Gewalt und Zerstörung hatte ein Maß erreicht, das schockierte, das aber von der Weltöffentlichkeit angesichts der Ereignisse in Somalia, Rwanda und Südafrika kaum wahrgenommen wurde. Mehrere tausend Opfer, hunderte geschleifte Dörfer und mehrere zehntausend Flüchtlinge im eigenen Land waren das bittere Ergebnis einer Auseinandersetzung um Landnutzungsrechte und den Anspruch auf einen Paramount Chief für die Konkomba. Diese Ethnie hatte als einzige der größeren lokalen Ethnien keinen eigenen Paramount Chief und war zugleich auf Pachtüberlassungen angewiesen. Im Vorfeld der ersten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen der IV. Republik 1992 hatten Rawlings und seine Partei NDC versprochen, sich nach der Wahl dieses Themas im Sinne der Konkomba anzunehmen. Die zahlreichen Wählerstimmen waren gesichert und die Zusagen vergessen. So reichte ein normalerweise nichtiges Ereignis wie ein Streit auf einem Marktplatz im Nanumba-Distrikt im Januar 1994, aufgestauten Hass zu entladen und einen Flächenbrand zu erzeugen, der die Region mehrere Monate in Atem hielt.

Bei der Wahl Ende 2000, die das Ende der Rawlings-Ära einläutete, kam es in der Stadt Bawku in der Upper East Region zu schweren Ausschreitungen mit ethnischen Untertönen, nachdem die NPP, die Partei des späteren Siegers der Präsidentschaftswahlen Kufuor, dem NDC den Wahlkreis abgenommen hatte. Etwa 30 Menschen kamen ums Leben, mehrere Häuser wurden niedergebrannt und über Bawku schließlich eine mehrtägige nächtliche Ausgangssperre verhängt.

Die neue Regierung unter John Kufuor und seiner NPP sah sich 2002 einem schwelenden und teilweise blutigen ethnischen Konflikt innerhalb der Dagomba gegenüber. Erinnerungen an 1994 wurden wach. Anlass der Gewaltwelle war der Streit innerhalb der beiden wichtigsten Dagomba-Clans Andani und Abudu über die Durchführung des alljährlichen Bugum Festivals in Dagbon, nahe der Stadt Yendi, dem Königssitz. Dahinter verbargen sich interne Machtkämpfe um den Einfluss der beiden Clans, die abwechselnd den König in Dagbon stellten. Als der Konflikt im März offen ausbrach, saß ein Andani auf dem Thron der Dagomba. König Ya Naa Andani II und mehrere Dutzend seiner Anhänger wurden ermordet und sein Palast niedergebrannt, und die Welle der Gewalt breitete sich weiter aus. Staatspräsident Kufuor rief in Dagbon den Notstand aus, der vom Parlament bestätigt und in der Folge immer wieder verlängert wurde. Damit verbunden war eine nächtliche Ausgangssperre, und das Festival wurde abgesagt. Der Konflikt schwelte weiter, denn die beiden Clans konnten sich weder auf die Beerdigung noch auf die Nachfolge einigen. Selbst der Versuch des damaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan, zu vermitteln, scheiterte. Erst ein Jahr später gelang es unter Vermittlung des Asantehene, den ermordeten König in einer provisorischen Ruhestätte zu begraben. Es dauerte aber bis zum Jahre 2006, bevor er in Yendi ein Staatsbegräbnis erhielt, und sein Erstgeborener, Kankupya Na Abdullai Andani, den Thron besteigen konnte. Die Rotation wurde somit ausgesetzt, da der König keines natürlichen Todes gestorben war. Alle juristischen Versuche in den darauf folgenden Jahren, die Drahtzieher zur Rechenschaft zu ziehen, scheiterten letztlich an inkompetenten Sicherheitsbehörden, an der Politik und an belastbaren Beweisen.

Weiterhin ungeklärt ist die Frage, was mit dem Leichnam des einstigen Königs Na-Mahamadu Abdullai geschehen soll, der dem Abudu-Clan angehörte und Ende der 1980er Jahre verstorben war. Er wurde von der Militärregierung unter General Acheampong 1974 seines Amtes enthoben, was jedoch allen traditionellen Regeln und Vorstellungen widersprach. Der Andani-Clan verweigert bislang das traditionelle Begräbnis, das nach Auffassung des Abudu-Clans im Königsplast in Yendi stattfinden müsste.

Mitte März 2016 kam es in mehreren nördlichen Landesteilen erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, diesmal im Großraum Kumasi und in der Volta und der Northern Region. Die Regierung sah sich sogar gezwungen, über mehrere Ortschaften eine nächtliche Ausgangssperre zu verhängen, so in Old Tofa, Bimbilla, Bunkprugu, Alavanyo und Nkonya.

 

 

Bildung

Schule und Hochschule

Mädchen in der Grundschule
Grundschule für Mädchen in Cape Coast 1893 © The National Archives UK CO1069/33

Christianisierung und britischer Kolonialismus haben die Grundlagen für westliche Bildungsinhalte und Curricula geschaffen, die letztlich auch Mädchen den Zugang zu Bildungseinrichtungen modernen Typs ermöglichten. Die Gold Coast förderte spätestens mit der Gründung des Prince of Wales College Bildung als Wert an sich. Aus dieser Institution ging 1927 dann das Achimota College hervor, das schon bald einen legendären Ruf als Kaderschmiede für die künftigen Eliten erwarb. Die neuen ghanaischen Eliten wie Nkrumah, Danquah und Busia, die das Land in die Unabhängigkeit führen sollten, hatten schon frühzeitig die politische Mobilisierungskraft mittels Bildung erkannt. So gab es Anfang der 1950er Jahre etwa 3.000 Primary und Secondary Schools.

Junior High School
Junior High School in Winneba © OER Africa (CC BY 2.0)
University of Ghana
Legon Tower der University of Ghana in Accra © Rtevels (CC BY-SA 3.0)

Das Bildungssystem basiert auf dem 6-3-4-4 Modell: d.h. sechs Jahre Grundschule, drei Jahre für die Sekundarstufe 1 und vier Jahre für die Stufe 2 und schließlich bis zu vier Jahren an einer tertiären Institution. Die Alphabetisierungsrate liegt zurzeit bei 67 %, ein eher mäßiger Wert. Inzwischen besuchen zwei Millionen Kinder die mehr als 21.000 Grundschulen. Das entspricht etwa einer Einschulung von 65 % aller Schulpflichtigen. Allerdings verlassen mehr als ein Viertel der Schüler die Grundschule. Doch hat sich seit Beginn der 1980er Jahre die Verweildauer inzwischen auf sieben Jahre verdoppelt. Und an den mehr als 8.800 Junior High Schools und 900 Senior High Schools tummeln sich über 100.000 Schüler. Auch wenn der Lehrerberuf nicht mehr das unglaublich positive Image hat wie zu kolonialen und postkolonialen Zeiten, hat die Ausweitung und Privatisierung des Bildungssystems die Nachfrage nach Lehrkräften wieder enorm gesteigert, wie die Zahl von mehr als 40 Colleges of Education belegt. Und an den 10 Polytechnics und annähernd 60 Universitäten - darunter acht staatliche und zahlreiche christliche - versuchen die Studenten einen qualifizierten akademischen Abschluss zu schaffen. Auch hier spielen islamische Bildungsinstitutionen nur eine nachgeordnete Rolle. Die mehr als zwei Jahrzehnte währende schwere politische, sozioökonomische und soziokulturelle Krise zwischen 1966 und 1992 scheint somit überwunden. Und die digitale Welt hat auch zu technischem Fortschritt und neuerlichem Ansehen Ghanas in Afrika und der Welt beigetragen, wo die öffentliche Hand 5,5 % des BIP dem Bildungsektor zur Verfügung stellt.

Gesundheitswesen

Der Gesundheitszustand der ghanaischen Bevölkerung hat sich seit den 1980er Jahren merklich verbessert. So stieg in diesem Zeitraum der Gesundheits-Index im Human Development Report von 0.522 auf 0.703 an. Die Kindersterblichkeit der unter Fünfjährigen fiel innerhalb von 20 Jahren beträchtlich, von 122 auf 74 pro 1.000 Lebendgeburten. Und die Lebenserwartung stieg in diesem Zeitraum von 57 auf über 64 Jahre. Laut WHO liegt die Sterberate mit 250 pro 1.000 bei Männern und 217 bei Frauen deutlich unter dem regionalen Durchschnitt, aber immer noch erheblich über dem globalen Durchschnitt von 190 bei Männern und 129 bei Frauen. Leichte Fortschritte hat es bei der Müttersterblichkeit gegeben, und bei der Bekämpfung der Tuberkolose gab es beachtliche Erfolge im Vergleich zur gesamten westafrikanischen Region, in der drei Mal mehr Fälle zu verzeichnen sind. Dieser leicht positive Trend basiert auf staatlichen Ausgaben von mehr als vier Prozent des BIP für den Gesundheitssektor, aber auch auf Privatinitiativen, zumeist aus dem westlichen Ausland und kirchlichen und islamischen Organisationen aus dem In- und Ausland. So unterstützen zum Beispiel die German Rotary Volunteer Doctors (GRVD) ein Sreening-Programm auf Zervixkarzinom in Ghana. Zwar ist im Land Brustkrebs weiter verbreitet, aber die Mortalitätsrate beim Zervixkarzinom ist deutlich höher, abzulesen an der Prävalenz der HPV-Infektion von mehr als 10%. Demgegenüber beträgt die Prävalenz bei AIDS lediglich zwei Prozent. Ein wesentlicher Teil des Screening-Programms besteht in der praktischen Aus- und Fortbildung ghanaischer Ärzte in Zytologie, insbesondere in Kolposkopie zur Krebsfrüherkennung.

In Ghana gibt es nur wenige medizinische Fakultäten. Jedes Jahr schließen rund 250 Ghanaer ihr Medizinstudium ab. Obwohl das Land im Grunde über ausreichende Kapazitäten für die Ausbildung von Ärzten, Krankenschwestern, Pflegern und sonstigem medizinischen Personal verfügt, besteht dennoch ein struktureller Mangel. Denn auch Ghana leidet unter dem 'Brain-Drain' qualifizierten Personals. Dieses Problem wird zumindest teilweise von ausländischen Ärzten aus Asien und Kuba kompensiert. Auch die Arbeit der German Rotary Volunteer Doctors lindert zumindest ein wenig den 'Brain Drain'.

Bedrohungspotenzial durch Ebola

Die Verbreitung des Ebola-Virus ist in der westafrikanischen Region eingedämmt. In den ehemals am schwersten betroffenen Gebieten Guinea, Liberia und Sierra Leone, wo die hoch ansteckende Krankheit im März 2014 ausbrach, tauchen aber noch immer vereinzelt Fälle auf. Auf einer zweitägigen Klausurtagung in der ghanaischen Hauptstadt Accra Ende August 2014 suchten die Gesundheitsminister der Region nach einer gemeinsamen Strategie, um die Epidemie, die ein bis dato nie dagewesenes Ausmaß angenommen hat, zum Stillstand zu bringen und über vorbeugende Maßnahmen für zukünftige Ausbrüche dieser hoch infektiösen Krankheit zu beraten. Allen Beteiligten war klar, dass im Kampf gegen das Virus nur eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Staaten innerhalb der ECOWAS erfolgreich sein würde und die Regierungen politisch und institutionell enger als bisher kooperieren müssten.

Noch ist die Ebola-Epidemie nicht vollends unter Kontrolle. Auch wenn Ghana bislang verschont blieb, haben die ghanaischen Behörden inzwischen einige Vorsichtsmaßnahmen getroffen. So schuf die Tema Metropolitan Assembly ein 24-köpfiges Gremium als eine Art 'Taskforce', das in einem ersten Schritt den Großraum Accra auf mögliche Ebolafälle beobachten und im gegebenen Fall umgehend die nötigen Maßnahmen einleiten soll.

Kultur

Kunst

Kente
Kente Stoffe © User:Bottracker (CC BY-SA 3.0)
Adinkra Symbole
Adinkra Symbole © Robert Sutherland Rattray (CC BY-SA 3.0)

Kunst und Kultur ist für die meisten Ghanaer auf das Engste verknüpft mit den bunten, schillernden Farben der Kente-Weberei, den einst geheimnisvollen Symbolen der Adinkra, die inzwischen auch Eingang in die Ästhetik gehobener Konsumgüter gefunden haben, und natürlich mit dem Highlife. Dennoch lässt sich auch moderne ghanaische Kunst, wie sie u.a. El Anatsui und Ablade Glover verkörpern, nicht unbedingt in Ghana verorten. Sie sind abstrakt und spiegeln zugleich die auch in Afrika weit verbreitete globale Vorstellung von grenz- und kulturübergreifenden Formen und Farben wider. Zwar hatte Anatsui schon früh seinen Lebens- und Schaffensmittelpunkt nach Nigeria verlegt, wo sich in den späten 1960er Jahren in Oshogbo und Nsukka eine spektakuläre Entwicklung der bildenden Kunst und des Theaters entwickelt hatte. Aber seine künstlerische Ausbildung hatte Anatsui an der Universität in Kumasi erhalten. Dort hatte auch Glover als junger Künstler und Dozent gewirkt. Seine erste Galerie GLO ART GALLERY eröffnete er 1968. Die Erfolge waren noch sehr bescheiden, da Glover sich überwiegend in Übersee aufhielt. So endete das Projekt nach nur wenigen Jahren. Als Galerist kam der Durchbruch Anfang der 1990er Jahre mit seiner Kunstgalerie Artists Alliance Gallery in Nungua, einem Vorort Accras. Inzwischen befindet sie sich im Omanye House La zwischen Accra und Tema. Eine Übersicht über zeitgenössische ghanaische Künstler gibt die Foundation of Contemporary Art Ghana. Und auch die National Commission on Culture und das International Council of Museums liefern brauchbare Informationen zur Kultur, zu traditioneller und moderner Kunst und zu Festivals. Auch das wissenschaftliche Informationsportal für die Afrika-Studien ilissAfrica, das Internetadressen, Volltext-Dokumente,  Monographien und mehr anbietet, ist eine hervorragende Fundgrube.

Ein klassischer Glover
A. Glover: Market Corridor © H. Bergstresser
Ein klassischer Anatsui
El Anatsui: Man's Cloth © hanchen (CC BY-SA 3.0)

 

 

Das neueste und sehr wahrscheinlich spektakulärste Projekt läuft zurzeit in Cape Coast, wo ein Museum zur Geschichte der Sklaverei und Freiheit entsteht, eingebunden in das Cape Coast Castle. Der ghanaisch-britische Stararchitekt David Ajaye, der auch für die Skolkovo Business School verantwortlich zeichnete, ist für das ambitiöse Projekt in Ghana verantwortlich, das in dieser Form das erste seiner Art auf dem afrikanischen Kontinent sein wird. Die Eröffnung ist für 2017 geplant, und viele Augen sind bereits auf Cape Coast gerichtet. Einen ersten Eindruck bietet der virtuelle Rundgang, der schon jetzt neugierig macht.

Erwähnenswert ist sicherlich die Gestaltung der Särge, die im Süden Ghanas seit Jahrzehnten eine eigenständige Rolle innerhalb der Kunstszene spielt. Adaptionen von Autos, Flugzeugen, Schiffen und Flaschen - z.B. Coca Cola - sind äußerst beliebt. Denn der Tod wird nicht nur betrauert, sondern auch gefeiert. So glauben die Ga, dass sich der Verstorbene in eine andere Welt begibt, was wiederum stilvoll geschehen soll. Trash und Kreativität liegen nahe beieinander, und wer die belebte Küstenstraße Accra-Tema passiert, erhält einen guten Einblick in diese ungewöhnliche Kunstrichtung.

Sargkunst in Ghana ©Regula Thschumi (CC BY-SA 1.0)

Religion

Religiöse Vielfalt in einer multireligiösen Gesellschaft

Wie die meisten afrikanischen Staaten, ist auch Ghana ein multireligiöses Land. Weit mehr als 60% bekennen sich zum Christentum, annähernd 20% zum Islam, und auch traditionelle Religionen, verkörpert durch Könige und Chiefs, spielen nach wie vor eine gewichtige gesellschaftliche Rolle im Leben der Ghanaer. Seine politische und gesellschaftliche Form verdankt das heutige Ghana zu einem Großteil der Christianisierung, die schon frühzeitig zu einer Elitenbildung westlichen Typs führte. Sie schuf zudem die Grundlage, auf der innerhalb weniger Generationen der Ruf nach politischer Freiheit und Unabhängigkeit entstehen konnte. Die Geschichte der presbyterianischen Kirche, die mit dem Namen der Basler Mission verknüpft ist, beginnt bereits 1828, und nur wenige Jahre später erreichten die Methodisten die Goldküste (1835), derweil die Wurzeln der anglikanischen Kirche, dank der Missionsgesellschaft 'Society for the Propagation of the Gospel (in Foreign Parts)', sogar bis ins 18. Jh. zurückgehen.

Katholische Santa Barbara Kirche
Katholische Kirche in Akosombo ©SandisterTei (CC BY-SA 3.0)
Peter Kodwo Appiah Turkson
Ghanas erster Kardinal Turkson ©Haiducul (CC BY 3.0)
Pentacostale kirche in der Küstenstadt Elmina
Pentacostale Kirche in Elmina ©Loek Tangel (CC BY-SA 3.0 NL)

Die katholische Kirche war zwar ein Nachzügler, der sich erst einige Jahrzehnte später an der Goldküste etablierte. Doch sie vermochte sich auf Grund ihrer Macht und Organisationsfähigkeit auch in Ghana recht schnell auszubreiten und gilt heute als größte Glaubensgemeinschaft mit vier Erzdiözesen und 15 Diözesen. Sei einigen Jahren verfügt sie auch über ihren ersten ghanaischen Kardinal, Peter Kodwo Appiah Turkson, der bei der letzten Papstwahl sogar als potenzieller Kandidat gehandelt wurde.

Ein Teil der vielfältigen protestantischen Kirchen gehört dem Christian Council of Ghana an, der u.a. sowohl mit dem World Council of Churches als auch mit der Organisation PROCMURA enge Beziehungen pflegt, wobei PROCMURA sich dem christlich-islamischen Dialog in Afrika widmet.
Zunehmend aber prägen pentacostale Kirchen den öffentlichen Raum, die über die westafrikanische Region und den afrikanischen Kontinent hinaus inzwischen über zahlreiche Ableger in Europa und den USA verfügen. So fand Ende Oktober 2013 in Accra die mehrtägige Apostolic World Conference der Apostolic Church statt, an der rund 1.200 Personen aus aller Welt teilnahmen. Das Motto lautete 'Belting the Globe with the Gospel'. Der einstige Anglikaner Mensah Otabil, das Gesicht der von ihm 1984 gegründeten International Central Gospel Church, Christ Temple (ICGC) und Dag Heward-Mills mit seiner Lighthouse Chapel International verkörpern beispielhaft die Dynamik ghanaischer und afrikanischer Kirchen, die insbesondere von Ghana und Nigeria aus weltweite Netzwerke aufgebaut haben, spirituell und finanziell erfolgreich international agieren und missionieren.

Dag Heward-Mills©Kurhula shalom (CC BY-SA 3.0)

Dag Heward-Mills und seine Kirche sind besonders im frankophonen Westafrika aktiv, wo sie in den überwiegend muslimisch geprägten Gebieten "Kreuzzüge" veranstalten, die stark an die Evangelisationen Reinhard Bonnkes erinnern, der sich selbst als "Mähdrescher Gottes" bezeichnet. Die neue digitale Welt und ihre unglaublichen Möglichkeiten der Kommunikation haben diese Dynamik nochmals befeuert und zugleich auch das lukrative Geschäftsmodell Religion weiter vorangetrieben. Dabei steht neben der Verbreitung ihrer zum Teil sehr eigenen Vorstellungen vom Christentum und der intellektuellen Ausbildung an eigenen Universitäten der Gedanke im Mittelpunkt, den Glaubensbrüdern den Stolz auf das 'Schwarzsein' zu vermitteln. Damit hat Otabil selbst in den USA großen Erfolg und verfügt insbesondere in Kalifornien über eine beträchtliche Anhängerschaft.

Auch in Deutschland sind ghanaische Kirchen aktiv, so u.a. in Hamburg die United Methodist Church Ghana of UMC Germany, Ebenezer Society, Hamburg Circuit, die als 'klassische' Kirche gut in die methodistische Kirche integriert ist, und als 'klassische' Pfingstkirche die Church of Pentacost.

Ghanas Mormonentempel
Tempel der Mormonen in Accra ©Paul Moncur (CC BY-SA 2.0)

Religion und das Praktizieren von Religion ist keine Privatsache, sondern fester Bestandteil des Alltags, und die Religionsgemeinschaften sind zudem fester Bestandteil des politischen Systems. Dabei dominiert die christliche Religion das Straßenbild, denn großflächige Plakate werben für die zahllosen Kirchen, und mindestens die Hälfte aller Fahrzeuge fährt mit Gott und Jesus. Slogans wie 'God is greater than any problem I have' oder 'I will make it in Jesus' Name' schmücken Autos und Busse. Und selbst Firmen nutzen religiöse Inhalte wie die Beispiele 'Wonderful Jesus Hardware Stores' oder The Lord is my Light Car Wash' zeigen. Angesichts dieses attraktiven Umfeldes entschieden sich sogar die Mormonen, in Ghana einen eigenen Tempel zu bauen. Dies war nach Südafrika das zweite Gotteshaus auf dem Kontinent und das erste in Westafrika. Seit Anfang 2004 prägt ihre stattliche Kirche eines der besten Viertel Accras. 

Prachtvolle Moschee der Ahmadiyya im nordghanaischen Tamale
Ahmadiyya Moschee in Tamale ©ZSM (CC BY 3.0)

Demgegenüber spielen der Islam und seine Selbstdarstellung in Ghana nur eine Nebenrolle. Lediglich die islamische Sondergemeinschaft der Ahmadiyya ist unübersehbar. Denn außer ihren Moscheen betreiben sie recht erfolgreich Krankenhäuser, Schulen und theologische Bildungseinrichtungen. Hervorgegangen aus dem indisch-sunnitischen Islam, entstand diese Reformbewegung im frühen 19. Jh. im Umfeld islamisch-messianischer Bewegungen. Ein Schwerpunkt ihrer Missionsarbeit auf dem afrikanischen Kontinent liegt in Westafrika, insbesondere in Ghana und Nigeria. Innerhalb der islamischen Weltgemeinschaft wird sie jedoch nicht als vollwertige islamische Gemeinschaft anerkannt und ist aus diesem Grunde auch kein Mitglied der Organisation of Islamic Cooperation (OIC), vormals Organzation of Islamic Conference.

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Juli 2016 aktualisiert.

Über den Autor

Heinrich Bergstresser ist Freier Journalist, Freier Wissenschaftlicher Mitarbeiter am GIGA in Hamburg und Tutor in der AIZ. Der Autor freut sich auf Ihre Anregungen und Kommentare!

Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu den Themen:

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