Als spanische Eroberer verkleidete Tänzer
Amtssprache
Spanisch
verbreiteste Mayasprachen
Quiché, Kekchi, Kakchikel
bedeutendste Religion
Katholisch ca. 60 %
weitere bedeutende Religion
evangelikale Kirchen ca. 30%
Städtische Bevölkerung
50,68 % (2014)
Lebenserwartung
71,74 Jahre (2014)

Soziale Strukturen & ethnische Bevölkerung

Schaubild mit der territorialen Verteilung der Mayavölker und Sprachgruppen in Guatemala
Mayavölker und Sprachgruppen in Guatemala (Grafik: J. Mayr)

Guatemala ist ein Land mit groβen Gegensätzen zwischen arm und reich: Eine kleine Oberschicht von Weißen und Ladinosso wird in Guatemala die Bevölkerung europäischer und gemischt-indigener Abstammung bezeichnet, verfügt über den Großteil des Nationaleinkommens, während mehr als 75% der Gesamtbevölkerung in Armut und 59,3% unter der Armutslinie leben (2014).

Das auf den ersten Blick beeindruckende Bild einer seit Jahrhunderten vermeintlich multikulturellen Gesellschaft  der 23 verschiedenen indigenen Völker, Ladinos, Weißen, Garífunas und Asiaten, hält einer näheren Betrachtung nicht stand. Zu groß sind die kulturellen Unterschiede zwischen den Mayas und den Ladinos bzw. Weißen. Zu offensichtlich ist die Ausgrenzung der indigenen Bevölkerung von den Ressourcen des Landes, der wirtschaftlichen Entwicklung und aus politischen Entscheidungsabläufen.

Obwohl die Maya seit Jahrhunderten vielfältigen „westlichen” Einflüssen unterliegen, ist es ihnen gelungen, bis in die Gegenwart wesentliche Teile ihrer Kultur zu bewahren und bestimmte eigene Traditionen mit den fremden Kulturelementen zu neuen und eigenständigen Formen zu verschmelzen. 

Bis heute werden die verschiedenen Mayasprachen in den einzelnen Landesteilen gesprochen. Die mit der Bestellung der milpa verbundenen Riten, die Bekleidung, das zyklische Kalendersystem der Maya, das Popol Vuh oder die einem "indigenen Weltbild" vergleichbare "Cosmovisión Maya" als identitätsstiftende Elemente für die indigene Bevölkerung zeugen von der gelebten Mayakultur. 

Soziale und wirtschaftliche Teilhabe

Museum, Gedänkstätte und Unterkunft: Das Riij Ib'ooy - Zentrum am Chixoystausee
Das Historisch-Pädagogische Zentrum Riij Ib'ooy am Chixoy Stausee © Riij Ib'ooy

Mehr als 75% der indigenen Bevölkerung leben in ländlichen Regionen. Da die Landwirtschaft nach wie vor eine der wichtigsten Einkommensquellen für die Maya darstellt, sind sie von Landmangel und ungerechter Landverteilung besonders betroffen:

  • Armut ist in Guatemala vor allem ländlich und indigen: Über 90% der indigenen Bevölkerung des westlichen Hochlandes leben  von Einkünften weit unter der  Armutsgrenze
  • Sehr viele Angehörige der indigenen Volksgruppen sind aus wirtschaftlicher Not gezwungen, sich unter oftmals unzumutbaren Arbeitsbedingungen auf den Plantagen an der Pazifikküste oder in den Betrieben der maquiladora-Industrie als billige Arbeitskräfte zu verdingen
  • Kinderarbeit  betrifft vorwiegend die indigene Bevölkerung

Rio Negro – „To Do! 2010"

Im März 2011 wurde auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin der Preis"To Do!” für sozial verantwortlichen Tourismus vergeben. Unter den drei gleichrangigen Preisträgern aus aller Welt war auch das „Centro Histórico y Educativo Riij Ibóoy” (Historisch-Pädagogisches Zentrum) der Achi-Gemeinde Rio Negro am Stausee Chixoy (Baja Verapaz).

Das gemeindebasierte Touristenprojekt war 2007/08 mit Unterstützung der Deutschen Entwicklungshilfe (BMZ/GIZ) gebaut worden und macht auf das Unrecht aufmerksam, das den Menschen am See wiederfahren ist. Im Jahr 1982 wurden Einwohner von Rio Negro  Opfer mehrerer Massaker, bei denen mindestens 440 Menschen, darunter vor allem Kinder und Frauen, ums Leben kamen. Die Gemeinden der Zone hatten gegen den Bau des Chixoy-Wasserkraftwerks protestiert, da durch das Bauwerk der Bevölkerung heilige Maya-Stätten und archäologische Fundorte überschwemmt wurden.

Frauen & Gender

Zur Geschlechtergleichheit ist es in Guatemala noch ein langer Weg:

  • Frauen verdienen ein geringeres durchschnittliches Einkommen als Männer
  • In etwa einem Drittel der Haushalte sind Frauen die Haushaltsvorstände
  • Im Jahr 2011 waren nahezu 40% der zwischen 15 und 19jährigen Indigena-Mädchen verheiratet
  • Bis Ende 2015 erlaubte Guatemalas Rechtssystem Heiraten ab dem 14. Lebensjahr für Mädchen und ab dem 16. Lebensjahr für Jungen. Seit November 2015 dürfen Kinder nur mit einer Ausnahmegenehmigung heiraten.
  • Gewalt gegen Frauen ist Alltag. Vergewaltigung durch den Ehemann ist in Guatemala kein Delikt.
  • Im Jahr 2000 wurden in Guatemala 213 Frauen ermordet, im Jahr 2009 waren es 708. Der Grund: Sie waren Frauen (Femizid).
  • Da nur eine geringe Zahl an Frauen Landbesitzerinnen sind (weniger als 10%), haben auch nur wenige Zugang zu Bankkrediten.
  • Im Jahr 2016 wurde der Sepur - Zarco Prozess eröffnet. Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes stehen Militärs wegeb sexualisierter Gewalt im Bürgerkrieg vor Gericht.

In Guatemala haben Frauen seit 1947 das Recht an den in der Verfassung garantierten, allgemeinen und freien Wahlen teilzunehmen. Bis heute sind nur wenige Frauen sind in der politischen Öffentlichkeit  Guatemalas präsent. Bei den Präsidentschaftswahlen 2011 stand aber schon damals fest, dass Guatemala nach dem zweiten Wahlgang zum ersten Mal eine Vize-Präsidentin haben würde.

Wandmalerei mit dem Thema: Gewalt gegen Frauen
Wandmalerei in Poptún © J. Mayr

Gesundheit & Sozialwesen

Mit einem durchschnittlichen Bevölkerungswachstum  von annähernd zwei Prozent, liegt Guatemala im Jahr 2015 weltweit auf Platz 63 (Deutschland liegt mit einer negativen Wachstumsrate von - 0,17% auf Platz 214). In Guatemala sind die Geburtenraten unter der indigenen Bevölkerung deutlich höher als der Durchschnitt. Zudem ist die Müttersterblichkeit in Guatemala mit 88 Sterbefälle auf 100.000 Lebendgeburten (2015) sehr hoch; im ländlichen Raum ist sie bei Indigena-Frauen noch bedeutend höher.

Diese Zahlen bestätigen, dass es in Guatemala kein funktionierendes Gesundheitssystem gibt. Auf dem Land kümmern sich vorwiegend die kaum ausgebildeten und auf so gut wie freiwilliger Basis arbeitenden Gesundheitsassistenten und in den Mayagemeinden die unverzichtbaren "Comadronas", die traditionellen Geburtshelferinnen, um die schwangeren Frauen, Kranken und Bedürftigen.

Für das Jahr 2010 schätzte die Weltbank, dass in Mittelamerika die Prävalenzrate von HIV  auf 2% liegen werde. In Guatemala lag sie im Jahr 2015 bei 0,6%. Dies bedeutete in Guatemala lebten 55.000 Personen zwischen 15 und 49 Jahren mit HIV/AIDS. Im Jahr 2015 starben in Guatemala 1.700 Menschen an AIDS.

Bildung

Schulaufbau in Guatemala (screenshot: www.esperanza.de)

Nach wie vor stellen für viele Familien der unzureichende Zugang zu Bildungseinrichtungen in den ländlichen Regionen und die mangelhafte Qualität der staatlichen Bildung große Probleme dar. In Guatemala haben weniger als 13% der Bevölkerung die Grundschule abgeschlossen. Im Bildungssektor bieten deshalb viele Privatschulen ihre Dienste an, die sich aber nur Besserverdienende leisten können. Über das Schulwesen in Guatemala und die Konzepte der aktuellen Bildungspolitik informiert das Bildungsministerium.

Deutschland unterstützt Guatemala im Bereich der zweisprachigen Grundschulbildung.

Universitäten in Guatemala (Auswahl)

Universidad Francisco MarroquínUniversidad de San Carlos de GuatemalaUniversidad del Valle de Guatemala, Universidad GalileoUniversidad Rafael Landívar

Kultur & Kunst

Uli Stelzner bei der Live-Vorführung seines Dokumentarfilms in Guatemala
Der Deutsche Filmemacher Uli Stelzner stellte 2007 in Guatemala seinen Film "Angriff auf den Traum" vor © J. Mayr

Die kulturelle Diskrepanz zwischen indigener und nicht-indigener Bevölkerung gehört auch zu den wichtigsten Themen der guatemaltekischen Kunst und Literatur.

Der Literaturnobelpreisträger von 1967 Miguel Ángel Asturias Rosales (1899-1974) oder der Chronist und Schriftsteller Rodrigo Rey Rosa (geb. 1958), er ist inzwischen aus dem marokkanischen Exil wieder nach Guatemala zurück gekehrt) sowie Filmemacher wie Luis Argueta setzen sich in ihren Werken mit der fundamentalen Spaltung des Landes vor dem Hintergrund seiner Geschichte auseinander und tragen damit auch zu einem besseren Verständnis der ethnischen Gegensätze bei.

Seit 1988 vergibt das guatemaltekische Kulturministerium jedes Jahr den „Literaturpreis Miguel Asturias”. Bisher ging er an 17 Männer und vier Frauen. Humberto Ak'abel, einer der benannten Preisträger, hatte die Auszeichnung wegen der in Guatemala vorherrschenden Diskriminierung abgelehnt. Der bekannte und auch ins Deutsche übersetzte Poet (geb. 1952), er schreibt seine Gedichte auf K'iché und übersetzt sie ins Spanische, löste damit eine Diskussion über die Rassendiskriminierung im Werk Asturias' aus.

Der Himmel

Kletterst du auf eine alte Zypresse,

schwingst dich von Ast zu Ast immer höher,

wirst du sehen, die Erde

ist nicht weit vom Himmel.

in Momostenango,

kannst du ihn greifen.

(Humberto Ak’abal, Das Weinen des Jaguar, Übersetzung Erich Hackl, Edition Thannhäuser, Ottensheim an der Donau, 2005)

Musik

Auch die guatemaltekische Musik setzt sich mit den verschiedenen gesellschaftlichen Entwicklungen auseinander: Salsa, Merengue,Rancheras, Reggae und Rock und Liedermacher stehen inzwischen für eine stilistische Vielfalt, die weit über die „traditionellen” Marimbaklänge hinausreicht.

Film

„La Isla. Archiv einer Tragödie” (2010) ist ein preisgekrönter Dokumentarfilm , über das im Jahr 2005 nach einer Bombenexplosion in Guatemala entdeckte geheime Polizeiarchiv, in dem unzählige Dokumente gefunden wurden, die die von den Militärregimen immer noch zu verantwortenden Vergehen gegen die Bevölkerung Guatemalas belegen. Uli Stelzner, der Macher dieses außergewöhnlichen Dokumentalfilms über den unrühmlichen Teil Guatemalas Vergangenheit, hat sein Schaffen dem Land gewidmet. Stelzner hat die Geschichte der Deutschen Einwanderer in Guatemala dokumentiert (Los conquistadores, 1997) und mit Filmen wie der von der Deutschen Entwicklungszusammenarbeit und der Heinrich Böll Stiftung mit unterstützte Film „Angriff auf den Traum” (2006) illegale Auswanderer bei ihrem Versuch in die USA zu migrieren begleitet.

Sport

Erik Barrondo, hier an erster Stelle bei einem 20 km Geherwettbewerb in Moskau 2013), gewann als erster Guatemalteke eine olympische Medallie (CC BY-SA 3.0)

2012: Guatemalas erste olympische Medallie

Bei den olympischen Spielen des Jahres 2012 kam der Guatemalteke Erick Barrondo beim Gehen über 20 Kilometer auf den zweiten Platz. Mit der Silbermedallie gewann Barronda die erste olympische Medallie überhaupt für sein Land. Sein Kommentar zu seinem Erfolg: "Falls irgendwer morgen sein Gewehr oder sein Messer gegen ein Paar Sportschuhe eintauscht, um zu trainieren, würde ich der glücklichste Mensch der Welt sein." Im Medallienspiegel positionierte sich Guatemala damit auf Rang 69.

Der Fussball ist neben dem populären Basketballspiel, die verbreiteste Sportart in Guatemala. Vergangene Regierungen haben den von vielen Mädchen und Frauen gespielten Basketball verstärkt gefördert, indem sie im ganzen Land, auch in den kleinsten Landgemeinden,  Basketballplätze einrichteten.

Religion

Geschnitzte Heiligenfiguren aus der Kolonialzeit in einer Kirche Guatemalas
Geschnitzte Figuren aus der Kolonialzeit in einer Kirche Guatemalas © Lillian van den Broeck

In Guatemala gehören laut Angaben der Bischofkonferenz 59,9% der Bevölkerung der römisch-katholischen Kirche an. Zwischen 30% und 40% sind Gläubige des Protestantismus. Die Christen unter der Mayabevölkerung feiern die Sakramente der katholischen Kirche, und pflegen gleichermassen die Zeremonien und Festtage der Mayas.

Weder die katholische Missionierung seit der Kolonialzeit noch das Vordringen protestantischer Sekten als Zeichen religiöser Reorganisation in den letzten Jahrzehnten konnten die Existenz vieler synkretistischer Organisationen der traditionellen Dorfverwaltung wie den cofradías, den typischen „Laienbruderschaften” mit ihrer wichtigen Rolle in der Vielzahl der Festlichkeiten, bisher entscheidend beeinträchtigen.

Die Alianza Evangélica de Guatemala (ALFAGUAT) vereint an die 20.000 evangelicale Kirchengemeinden mit  unterschiedlicher Ausrichtung die fünf Millionen Gläubige erreichen; weitere 5.000 Gemeinden sind ihr nicht angeschlossen.  In der Bevölkerung gibt es religiöse Gruppierungen die den weniger verbreiteten Religionen wie dem Judentum, dem Islam, den Mormonen und den Zeugen Jehovas angehören. 

Das Länderinformationsportal

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Juni 2016 aktualisiert.

Über den Autor

Johannes Mayr, Jahrgang 1953, ist schon viele Jahre in der Entwicklungszusammenarbeit tätig und hat von 2002 bis 2008 als Entwicklungshelfer für den ehemaligen DED (heute GIZ GmbH) in Guatemala gearbeitet. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland war er Landestutor der heutigen AIZ für Guatemala. Seine Themenschwerpunkte sind: berufliche Bildung, Demokratieförderung und ländliche wirtschaftliche Entwicklung.

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Literaturhinweise

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