Wasserfall im Nationalpark La Visite, ©Fritz-Henri Viala
Offizieller Name
Republik Haiti (République d'Haïti)
Fläche
27.750 qkm
Einwohner
ca. 10. Mio
Regierungssitz
Port-au-Prince
Klima (für Hauptstadt)
subtropisch - tropisch
Amtssprachen
Französisch, Kreyol
Bevölkerungswachstum
1,3% (2018, Quelle: BTI)

Lage und Größe

Lage Haitis in der Karibik
Lage Haitis in der Karibik © Vardion (Public Domain)

Haiti liegt auf dem westlichen Teil der Karibikinsel Hispaniola, deren östliche Hälfte von der als Urlaubsparadies bekannten Dominikanischen Republik eingenommen wird. Die Grundfläche Haitis entspricht mit 27.750 km² in etwa der Belgiens. Im Norden wird Haiti vom Atlantischen Ozean und an der Südküste vom Karibischen Meer begrenzt. Südwestlich Haitis liegt Jamaica, westlich trennt die Windward Passage es von Kuba.

Die Insel Hispaniola liegt über der Grenze zwischen der Karibischen und der Nordamerikanischen Platte. Diese Lage führte immer wieder zu schweren Erdbeben in der Region. Das letzte schwere Erdbeben ereignete sich in Haiti am 12.01.2010.

Durch das Erdbeben 2010 zerstörte Straße in Port-au-Prince
Durch das Erdbeben 2010 zerstörte Straße in Port-au-Prince © Emmanuel Viala

Karten

Grunddaten

Basiswissen zum Einstieg liefern Fischer Weltalmanach und die CIA.

Weiteres statistisches Datenmaterial werden vom Statistischen Bundesamt und von der Weltbank bereitgestellt. Weitere statistische Daten zu Haiti stellt der Human Development Report des UNDP zur Verfügung

Impressionen

  • Einige Erfahrungen und Berichte von Haiti-Reisenden auf Rastlos.com
  • Fotos von Haiti bietet Trekearth
  • Musikvideo eines der bekanntesten Musikers Haitis BelO

Naturraum

Der Artibonite, ©Alexandre Viala,
Der Artibonite, ©Alexandre Viala,
Strand bei Port Salut, ©Andrea Viala
Strand bei Port Salut, ©Andrea Viala
Gecko, ©Emmanuel Viala
Gecko, ©Emmanuel Viala

Der Name Haiti leitet sich von dem Wort Ayiti aus der Sprache der Taino ab und bedeutet „Bergiges Land“, entsprechend teilen fünf Gebirgszüge das Land in drei Teile: Den Norden, den Süden und die zentrale Hochebene. Der nördliche Teil umfasst das Massif du Nord, eine Verlängerung des zentralen Gebirgszuges der Dominikanischen Republik, welcher von Haitis östlicher Grenze in Richtung Nordwesten verläuft und Höhen von 600 bis 1000 m erreicht, und die Plaîne du Nord, die sich entlang des nördlichen Teils der Grenze zur Dominikanischen Republik  auf einer Fläche von 2000 km² auf einer Länge von ungefähr 150 km zwischen dem Massif du Nord und dem Nordatlantischen Ozean erstreckt.
Die zentrale Region besteht aus zwei Hochebenen und zwei Gebirgszügen. Das Plateau Central verläuft südlich des Massif du Nord beidseitig entlang des Guayamouc. Südlich davon liegen die Montagnes Noires, die eine Höhe von bis zu 600 m erreichen und im Norden in das Massif du Nord übergehen.  Südwestlich der Montagnes Noires und rund um den Fluss Artibonite liegt die Plaîne d’Artibonite, die ungefähr 800 km² misst. Südlich davon verlaufen die Chaine des Matheux und die Trou d’Eau, die eine Verlängerung der Sierra de Neiba in der Dominikanischen Republik darstellen.
Die südliche Region besteht aus der Ebene Cul-de-Sac, welche zwischen der Grenze zur Dominikanischen Republik und der Bucht von Port-au-Prince liegt und sich über eine Länge von ca. 30 km erstreckt, und der gebirgigen südlichen Halbinsel. Die Gebirge, die diesen Teil Haitis prägen, stellen eine Verlängerung der südlichen Gebirgskette der Dominikanischen Republik dar und gehen in das Massif de la Selle im Osten und  in das Massif de la Hotte im Westen über. Der höchste Gipfel dieses Gebirgszuges, der Morne de la Selle, erreicht eine Höhe von 2715 m. Das Massif de la Hotte erreicht Höhen zwischen 1270 und 2255 m.

Zu Haiti gehören neben einer Anzahl von kleinen Inseln vier größere Inseln, von denen die größte die Ȋle de la Gonave darstellt, die im Golf von Gonave gelegen ist. An der Nordküste liegt vor Port de Paix die Ȋle de la Tortue, welche auch als die Pirateninsel Tortuga bekannt ist. Weitere bedeutende Inseln sind die Grand Cayemite an der Nordküste der südlichen Halbinsel und die Ȋle a Vache an der südlichen Küste der südlichen Halbinsel.
Haiti verfügt über eine Vielzahl an relativ kurzen Wasserläufen, die sich aus den Bergen in die Täler stürzen und die in der Regenzeit zu reißenden Bächen werden können, während sie in der Trockenzeit lediglich als Rinnsale erkennbar sind. Der wichtigste Fluss ist der Artibonite, der längste Fluss der Insel Hispaniola. Er entspringt in der Dominikanischen Republik in der Cordillera Central und mündet nach einer Länge von 320 km nördlich von Saint Marc in den Golf von Gonave. Der Artibonite ist der einzige schiffbare Fluss Haitis und stellt die Wasserversorgung des fruchtbaren Departements Artibonite, dem Brotkorb Haitis, sicher. Am oberen Lauf bildet ein Staudamm den Lac Peligré, den größten Süßwassersee des Landes und ein wichtiges Trinkwasserreservoir für die Hauptstadt Port-au-Prince. Der Salzwassersee Etang Saumatre, östlich von Port-au-Prince in der Ebene Cul-de-Sac gelegen, stellt den größten See Haitis und den zweitgrößten der Insel Hispaniola dar.

Klima

Auf der Insel Hispaniola, zu der auch Haiti gehört, herrscht tropisches Klima. Dabei besteht ein deutliches Temperaturgefälle zwischen den Küstenregionen und den Bergregionen. So beträgt die Durchschnittstemperatur an den Küsten um die 27 Celsius, während es in den Bergen deutlich kühler sein kann. Es gibt zwei Regenzeiten: von April bis Juni und von September bis November. Die durchschnittlichen Niederschlagsmengen betragen in Port-au-Prince im Jahresmittel 1.300 mm, im Nordwesten, wo es nur im Sommer regnet, jedoch lediglich 500 mm.
Bedingt durch seine geographische Lage wird Haiti regelmäßig von Tropenstürmen getroffen. Die Hurrikansaison liegt in der Zeit von August bis Oktober. Die Hurrikans erreichen eine Geschwindigkeit von bis zu 300 km/h und richten regelmäßig schwere Verwüstungen an. Im Jahr 2004 gab es in Folge des Hurrikans Jeanne geschätzte 1.900 Tote in Haiti und ungefähr 200.000 Menschen wurden obdachlos. Im Jahr 2008 tobte eine Reihe von Hurrikans mit katastrophalen Folgen über Haiti.

Ökologische Probleme

Wilde Müllkippe in Port-au-Prince, ©Andrea Viala
Schutt als Folge des Erdbebens,©Andrea Viala
Erosionsschäden in den Bergen über Port-au-Prince, ©Emmanuel Viala

Aus der Luft betrachtet stellt sich Haiti als gelb-braune Fläche dar, die deutlich von der wesentlich grüneren Dominikanischen Republik unterschieden werden kann. Das hauptsächliche ökologische Problem des Landes, die Entwaldung und die damit verbundene Bodenerosion, sind auf den ersten Blick sichtbar.

Ursprünglich war das Land von Regenwald bedeckt, aber schon die Kolonisatoren begannen mit der Abholzung der Wälder, um Plantagen anzulegen. Die wachsende Bevölkerungsdichte führte dazu, dass immer mehr Fläche landwirtschaftlich genutzt werden musste. Dazu kam intensive Abholzung von tropischen Edelhölzern wie Mahagoni für den Export. Ein weiteres gravierendes Problem ergibt sich aus der Tatsache, dass Holzkohle in Haiti den am meisten genutzten Brennstoff darstellt. Zur Holzkohlegewinnung werden sogar Bäume in Obstplantagen und Naturschutzgebieten abgeholzt. Als Folge der Abholzung wurden in  der Zeit seit der Besiedlung 1492 bis heute ungefähr 98% der Regenwälder zerstört – nur im Süden sind noch Reste davon vorhanden. Durch die damit verbundene Bodenerosion wurde ungefähr die Hälfte des fruchtbaren Landes vernichtet. Dies hatte schwere Folgen für das Land – ökologisch sowie ökonomisch und erklärt auch die verheerenden Folgen der Überschwemmungen während der Regenzeit: das Wasser kann auf den Bergen nicht versickern und stürzt als reißende Flüsse zu Tal. Vor allem im nördlichen Teil des Landes fordern Überschwemmungen in der Regenzeit immer wieder eine hohe Zahl an Opfern. Dabei muss Holzkohlegewinnung nicht zwangsläufig zu einer Umweltkatastrophe führen. Neuere Studien haben ergeben, dass in der Produktion von Holzkohle durch nachhaltigen Anbau sogar eine Chance für eine positive ökologische Entwicklung Haitis liegen könnte.

Ein weiteres Umweltproblem ergibt sich aus der Abwesenheit einer funktionieren Abfallwirtschaft. Der größte Teil des Mülls wird in den Straßen oder in den Wasserläufen entsorgt, von wo er ins Meer gelangt. Durch die unkontrollierte Abfallentsorgung sind nicht nur die Umwelt sondern auch die öffentliche Gesundheit und die ohnehin knappen Wasservorräte akut gefährdet. Ein besonerdes Problem bildet der allgegenwärtige Plastikmüll in den Straßen, der - da er nicht verrottet - die Abwasserkanäle verstopft und Überschwemmungen verursacht. Zwar hat die haitianische Regierung 2012 ein Gesetz erlassen, das den Import von Polystyrol- und Polyethylenverpackungen verbietet, die konsequente Durchsetzung scheitert aber an mangelnden Kontrollen. Allerdings wurden in den letzten Jahren auch erfolgreiche Recycling-Projekte gestartet, die das Müllaufkommen reduzieren und Einkommensquellen bieten.

Der Hurrikan Matthew und die Folgen

Haiti wird regelmäßig von Hurrikans heimgesucht, die wegen der durch Abholzung verursachten Bodenerosion immer wieder mit starken Überschwemmungen einhergehen, welche verheerende Schäden nach sich ziehen. In Haiti sind nur noch ungefähr 2% der Gesamtfläche bewaldet und circa 70% der Fläche weisen Steigungen von über 40% auf, wodurch Erdrutsche vorprogrammiert sind.

Am 24.10.2012 traf der Hurrikan SANDY auf Hispaniola und verwüstete von allem den Süden der Insel. Durch den Sturm wurden Tausende von Häusern abgedeckt und durch die Regenmassen, die über Haiti fielen (teilweise mehr als 500mm) wurden vor allem im Süden weite Landstriche verwüstet. Schätzungen gehen davon aus, dass 50 – 60 Menschen ums Leben kamen, davon allein 11 in der Region um Port-au-Prince. Durch die Regenfälle flackerte auch die in Haiti grassierende Cholera-Epidemie neu auf und zahlreiche neue Fälle wurden verzeichnet.

Am vierten Oktober 2016 wurde Haiti wieder von einem schweren Tropensturm heimgesucht. Matthew, der zweite schwere Hurrikan der Saison 2016, richtete vor allem im Süden Haitis schwere Zerstörungen an. Der Sturm hatte sich bereits einige Tage zuvor durch hohen Wellengang angekündigt, der auf  Île a Vâche zwei Todesopfer gefordert hatte. Matthew wurde als Hurrikan der Kategorie 5 eingestuft und ist damit der stärkste Tropensturm, der seit Cleo in Haiti wütete. Am Flughafen von Les Cayes wurden Windgeschwindigkeiten von 172 km/h gemessen; in Port-au-Prince erreichte der Wind Geschwindigkeiten von ca. 97 km/h. Begleitet wurde der Sturm von Starkregenfällen, die Überschwemmungen in weiten Teilen des Landes verursachten. Vor allem die Menschen, die in Camps leben, waren dem Sturm schutzlos ausgeliefert. Auf der Tiburon-Halbinsel wurde das Kommunikationsnetz zerstört und ein Großteil der betroffenen Gebiete konnte nicht erreicht werden. Da bei Petit Goave eine Brücke fortgespült wurde, die die einzige Verbindung in den Süden darstellt, welche auf von Fernverkehr genutzt werden kann, konnten die betroffenen Gebieten zunächst nicht von Hilfskonvois erreicht werden.

Schätzungen zufolge würde im Süden Haitis in einigen Gemeinden 80 bis 90% aller Gebäude zerstört. Die Zahl der Toten wird auf 1000 geschätzt. Die ohnehin defizitäre Infrastruktur im Süden ist beinah komplett vernichtet worden. Die Versorgungslag in den betroffenen Gebieten ist katastrophal. Zahlreiche Gegenden sind auch Wochen nach dem Hurrikan noch überschwemmt. Im Süden des Landes ist mit einem kompletten Ernteausfall zu rechnen. Aufgrund der mangelhaften Versorgung mit sauberem Trinkwasser droht ein erneuter Ausbruch der Cholera. Außerdem vermehren sich in dem stehenden Wasser die Stechmücken, sodass ein Anstieg der Infektion mit Cholera, Dengue und Zika erwartet wird.  Interimspräsident Privert ordnete am 9.10.2016 eine dreitägige Staatstrauer an. Die Zerstörungen in Haiti sind wesentlich größer als in anderen betroffenen Ländern. Diese ist vor allem auf die mangelhafte Infrastruktur und die handlungsunfähige haitianische Regierung zurückzuführen.

Durch die anhaltenden Regenfälle werden die Hilfsmaßnahmen und die Aufräumarbeiten erschwert. Direkt nach dem Sturm wurden von den USA Hilfsmaßnahmen eingeleitet, die am 4.10.2016 den Flugzeugträger USS George Washington und das Hospitalschiff USNS Comfort bereitstellten. Die Bundesregierung sagte Hilfsgelder in Höhe von 600.00 € zu. Inzwischen wird davon ausgegangen, dass mehr als ungefähr 1,4 Millionen Menschen Hilfe benötigen. Ban Ki Moon forderte daher bei seinem Besuch in Haiti die Bereitstellung von ausreichenden Hilfsmitteln. Die UN beziffert den Bedarf für die nächsten 3 Monate mit 120 Millionen Dollar. Davon sind bisher allerdings erst 12% eingegangen. Es wird davon ausgegangen, dass es bis zu 10 Jahre dauern könnte, bis die durch Matthew entstandenen Schäden beseitigt sind.

Aufgrund der zerstörten Infrastruktur im Süden des Landes hat Interimspräsident Privert angekündigt, dass die geplanten Präsidentschaftswahlen auf den 20. November verlegt werden.

Das Erdbeben 2010

Zerstörte Kathedrale von Port-au-Prince © Emmanuel Viala
Zerstörte Kathedrale von Port-au-Prince © Emmanuel Viala
Demonstration am 12.01.12 anlässlich des 2. jahrestags des Erdbebens, ©Emmanuel Viala
Demonstration am 12.01.12 anlässlich des 2. Jahrestag des Erdbebens © Emmanuel Viala
Verwüstungen durch das Erdbeben 2010 in den Straßen von Port-au-Prince, ©Emmanuel Viala
Verwüstungen durch das Erdbeben 2010 in den Straßen von Port-au-Prince © Emmanuel Viala

Am 12 Januar 2010 wurde die Tiburon-Halbinsel Haitis von einem verheerenden Erdbeben erschüttert. Um 16.53 Uhr Ortszeit bebte die Erde für 52 Sekunden. Die Stärke des Bebens wurde von der United States Geological Survey (USGS)  mit einer Stärke von 7.0 auf der Momenten-Magnituden-Skala angegeben. Das Epizentrum des Bebens lag ungefähr 25 km südlich von der Hauptstadt Port-au-Prince entfernt in der Nähe der Stadt Leogane in einer Tiefe von km 17 km. Die Ursache wird in einer Verschiebung der Karibischen und der Nordamerikanischen Platte gesehen, die hier aufeinandertreffen. Die zerstörerische Kraft dieses Erdbebens  wird von einigen Wissenschaftlern mit der von 35 Atombomben  der Stärke der Hiroshima-Bombe verglichen. Das Ausmaß der Schäden war dementsprechend verheerend: Große Teile der Hauptstadt wurden dem Erdboden gleichgemacht. Vor allem die Innenstadt und das Regierungsviertel um den Champ-de-Mars wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Betroffen waren das Finanz-, das Erziehungs- und das Justizministerium. Des Weiteren wurden das Parlamentsgebäude, das Postamt, das Finanz- und das Katasteramt komplett zerstört. Der Präsidentenpalast,  zwischen 1914 und 1921 erbaut, wurde stark beschädigt und die Mittelkuppel des Gebäudes rutschte ab. Weiterhin wurden die Kathedrale und der historische, von Gustave Eiffel erbaute, Marché en Fer in der Rue Travesière zerstört, der inzwischen von dem Telekommunikationsunternehmen Digicel wieder aufgebaut wurde. Ebenfalls zerstört wurde das Hotel Christopher, das als Verwaltungszentrale und politisches Hauptquartier der UN-Mission in Haiti diente. Hier waren 200 Opfer zu beklagen, darunter 4 Deutsche und Hédi Annabi, der Missionschef und Chef der United Nations Police Force (UNPOL). Die Zerstörung reichte vom Nordwesten von Port-au-Prince bis hinauf in die Berge von Pétionville, zog sich durch das gesamte Stadtgebiet bis in den Süden nach Petit Goave. Auch die Küstenstadt Jacmel mit ihren Arkadenhäusern aus dem 19. Jahrhundert wurde stark beschädigt und war tagelang auf dem Landweg nicht erreichbar, da die Straßen blockiert waren. Ebenso waren Petit Goave und Leogane von der Außenwelt abgeschnitten. Tagelang lag eine weiße Staubwolke über dem zerstörten Gebiet. Menschen irrten durch die Stadt auf der Suche nach ihren Angehörigen oder versuchten, die Überlebenden oder die Überreste der Verstorbenen  mit bloßen Händen aus dem Schutt zu bergen. Monatelang noch lag Leichengeruch über der Stadt und noch heute liegen die Überreste der Verschütteten in den Trümmern.

Die Bilanz des Bebens sieht wie folgt aus: Dem Internationalen Roten Kreuz zufolge waren 3 Millionen Menschen direkt oder indirekt von dem Erdbeben betroffen, das entspricht 30% der haitianischen Gesamtbevölkerung.  Offiziell gibt die UNO die Zahl der Toten mit 225000 an; insgesamt schwanken die Angaben aber zwischen 225000 und 250000. Unter den Toten befinden sich 1300 Lehrer; über die Anzahl der toten Schüler und Schülerinnen gibt es keine Angaben. Außerdem starben in den Trümmern Justizminister Paul Denis und weitere hohe Funktionäre, der Erzbischof von Port-au-Prince Joseph Serge Miot, der Sozialdemokrat Michel Gaillard, der Schriftsteller Georges Anglade.

Nach dem Beben waren 1,3 Millionen Menschen obdachlos und 800000 von ihnen lebten in provisorischen Lagern. 50000 Personen zogen als Binnenmigranten in ländliche Gebiete. Insgesamt wurden 97294 Gebäude (Angabe haitianische Regierung) zerstört, darunter 4000 Schulgebäude und mehr als 50 Krankenhäuser und Gesundheitszentren. Der materielle Wert der zerstörten Infrastruktur beläuft sich auf geschätzte 4,3 Milliarden US-Dollar. Die Regionalwirtschaft musste Verluste von weiteren geschätzten 3,6 Milliarden US Dollar durch Produktionsausfälle, Arbeitsplatzverluste und erhöhte Produktionskosten hinnehmen. Damit bilanzieren sich die Gesamtschäden auf 7,9 Milliarden US Dollar – was der Höhe des BIP im Jahre 2009 entspricht. Gleichzeitig stieg die Arbeitslosigkeit um 8,9%. Besonders betroffene Wirtschaftssektoren waren der Handel, der Tourismus, das Kommunikationswesen und die Logistik.

Allerdings kam das Beben nicht ohne Vorankündigung. Bereits in der Vergangenheit hat es in Haiti Ereignisse dieser Art gegeben. So wurde die Stadt Port-au-Prince in den Jahren 1751 und 1770 schon zweimal komplett durch Erdbeben zerstört. Geologen untersuchten 2008 die unterirdischen Verwerfungen und warnten davor, dass sich die Spannungen, die sich seit 1751 aufgebaut haben, in einem Erdbeben in einer Stärke von bis zu 7,2 auf der Richterskala entladen könnten. Als weiteres Indiz für tektonische Aktivitäten werden der Anstieg des Wasserspiegels des  Etang Saumatre und des Lago Enriquillo um zwei Meter seit 2008 betrachtet. Nur sechs Monate vor der Katastrophe protestierte der haitianische Filmemacher und  Direktor des Zentrums Pétion-Bolivar in Pétionville, Arnold Antonin, mit einer kleinen Gruppe von Aktivisten für die Etablierung eines funktionierenden Katastrophenschutzes. Aber niemand nahm die Befürchtungen ernst.

Sozialraum

Haiti ist mit 362 Bewohnern pro km2 eines der am engsten besiedelten Länder des mittelamerikanischen Raumes. Während die Bevölkerungszahl bei der letzten Zählung im Jahr 2003 eine Einwohnerzahl von 8.373.750 ergab, geht man heute von 10.033.000 Bewohnern aus. Da Geburten und Todesfälle nicht immer registriert werden, gestaltet sich die genaue Erfassung der Bevölkerung schwierig. 33% der Bevölkerung leben in den Städten, die meisten konzentrieren sich mit geschätzten 2,4 Mio. auf den Großraum Port-au-Prince. Die Gesellschaft Haitis ist nicht stark fragmentiert; sie besteht hauptsächlich aus Menschen afrikanischer und afrikanischer-europäischer Herkunft. Die Schätzungen hinsichtlich der demografischen Verteilung schwanken. So variieren die Angaben über den Anteil der Bewohner rein afrikanischer Herkunft zwischen 60% und 95%. Die offiziellen Sprachen Haitis sind haitianisches Kreolisch und Französisch, dabei spielt Französisch als Bildungssprache noch immer die übergeordnete Rolle, während Kreolisch im Alltag überwiegt. 

Nationale Symbole

Die Nationalhymne

Die Nationalhymne Haitis ist seit 1904 die Dessalinienne, benannt nach dem Gründer des Staates Jean-Jacques Dessaline. Sie wurde von Nicolas Geffrard komponiert. Der Text stammt von Justin Lhérisson.

Nationalfeiertag

Der haitianische Nationalfeiertag ist der 1. Januar. An diesem Tag wird der Unabhängigkeit Haitis am 1. Januar 1804 gedacht.

Die Nationalflagge

Die Nationalflagge Haitis besteht aus einem blauen und ein roten Querstreifen, wobei auf Kriegs- und Dienstflaggen in der Mitte das haitianische Wappen, auf dem eine Palme und Kanonen auf grünem Grund nebst weiteren Gegenständen, unter anderem der Jakobinermütze, zu sehen ist.  Die Flagge ist aus der französischen Trikolore entstanden, aus der Dessalines nach dem Sieg über die Weißen 1804 den weißen Teil herausriss.

Flagge Haiti,©Andrea Viala,
Flagge Haiti,©Andrea Viala,
Nationalwappen Haiti, ©Andrea Viala
Nationalwappen Haiti, ©Andrea Viala

Das Länderinformationsportal

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im April 2018 aktualisiert.

Autorin

Andrea Viala wurde am 26.06.1961 in Gütersloh geboren. Nach einem Studium der Anglistik und Germanistik lag ihr Forschungsschwerpunkt im Bereich der Postkolonialen Literaturen, insbesondere der Literatur des englischsprachigen Karibikraumes. Zurzeit arbeitet sie als Lehrbeauftragte für Specialized English an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Sie ist seit 1985  mit einem Haitianer verheiratet und hält durch regelmäßige Aufenthalte in Haiti engen Kontakt zu diesem Land. 

Literaturhinweise

Literaturhinweise zu Haiti

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