Maskentänzer der Garífuna
Amtssprache(n)
Spanisch
Regionalsprachen
Indigene Sprachen (z.B. Pech), Garífuna und Kreol-Englisch
bedeutendste Religion
Römisch-Katholisch
weitere bedeutende Religion
Evangelikale u.a. protestantische Kirchen, indigene Religionen
Städtische Bevölkerung
53,9 %
Lebenserwartung
73,1 Jahre

Soziale Struktur

Die honduranische Gesellschaft ist stark hierarchisch nach der sozialen Herkunft, bei der auch der ethnische Hintergrund eine Rolle spielt, gegliedert. Je hellhäutiger die Menschen sind, umso eher sind sie in der Oberschicht zu finden. Ebenso werden höhere Posten in staatlichen Institutionen traditionellerweise eher von Angehörigen der mestizisch-kreolischen Oberschicht bekleidet.

Historisch gesehen entstanden zwei starke Gruppen: die Großgrundbesitzer auf dem Land und die Oberschicht in Tegucigalpa. Die Randlage Honduras´ während der Kolonialzeit und die lange Fremdbestimmung in der republikanischen Epoche verhinderten die Herausbildung einer starken, einheitlichen Oligarchie. Diese Tatsache machte die Oberschicht durchlässiger für die Industrie- und Handelsbourgeoisie, die Militärs und den Beamtenapparat und gab der Entstehung einer Finanzoligarchie Raum.

Die relativ junge Finanzoligarchie etablierte sich in den 60er Jahren, denen es durch Handel und  Finanzgeschäfte gelang Eingang in die Oberschicht zu finden. Diese Finanzoligarchie vereinigt heute ca. 25 Gruppen und kontrolliert ca. 60 Prozent des Kapitals. Allgemein gilt für diese neue Oberschicht, dass sie nach innen wenig durchlässig ist.

Eine mittlere und untere Schicht sind nicht so eindeutig voneinander zu trennen, da die Übergänge fließend sind. Im Laufe der Geschichte haben sich Mittelschicht, die Schicht der Arbeiterklasse und armen Bauern und Bäuerinnen sowie eine Parallelstruktur aus Kleinstunternehmern, informellen Arbeiter/innen und Selbstbeschäftigten gebildet. Durch die hohe Arbeitslosigkeit und die Zunahme der Beschäftigung im informellen Sektor ist ein anhaltender Prozess der Prekarisierung und Verarmung der Mittelschicht zu verzeichnen. Staatsbedienstete wie im Gesundheits- und Bildungssektor bilden einen Großteil der unteren Mittelschicht, da sie im Gegensatz zu prekär und informell Arbeitenden, ein festes, wenn auch niedriges Einkommen beziehen und eine Altersvorsorge haben.

Soziale Lage

Je nach Definition sind zwischen knapp einem und gut zwei Dritteln der Honduranerinnen und Honduraner arm. Zuverlässige aktuelle Daten zu bekommen ist nicht einfach:

  • Die Weltbank gibt für 2013 (aktuellste Datenerhebung) an, dass 42,6% der Bevölkerung in extremer Armut (in ländlichen Regionen 58%) und 63% der Bevölkerung unterhalb der nationalen Armutsgrenze leben.
  • Das Nationale Institut für Statistik (INE) gibt an, dass 2014 die allgemeine Armut auf 62,8% und die extreme Armut auf 39,7% zurückgegangen ist, 2015 jedoch wieder gestiegen ist (vor allem in ländlichen Gebieten)
  • Das "CIA World Factbook" beziffert die Rate der unterhalb der Armutsgrenze Lebenden für das Jahr 2010 mit 60 %, neuere Daten finden sich hier nicht.
  • Laut CEPAL führt Honduras die Liste der armen Länder in Lateinamerika für 2012 an, mit 67,4% in Armut lebender Bevölkerung.
  • Die Oxford Poverty and Human Development Initiative hat den MPI (Multidimensional Poverty Index) für Honduras auch nach Regionen erstellt.
  • Im Bericht zur menschlichen Entwicklung des UNDP finden sich aktuelle Statistiken.

Laut Oxfam Honduras ist die Armut in den letzten 30 Jahren gestiegen. Ländliche Bevölkerung und Indigene sind am meisten von Armut betroffen, nicht nur in ökonomischer Hinsicht, sondern auch bezüglich dem Zugang zu Bildung, Gesundheitsleistungen und Zugang zum Rechtssstem.

In engem Zusammenhang mit der Armut steht die sozioökonomische Ungleichverteilung, wie sie am Wert des "Gini-Koeffizienten von 55,3 (Durchschnitt 2000-2010), bzw. laut CEPAL 0,57 für 2010 abzulesen ist. 

Der Stand der menschlichen Entwicklung in Honduras stagniert seit den letzten 10 Jahren auf mittlerem Niveau und erreichte im Jahr 2014 einen Wert von 0,606 im HDI (Human Development-Index), damit steht Honduras auf Platz 131 von 188 Ländern. Einen extremen Rückschlag für die Entwicklung des Landes bedeutete der Hurrikan "Mitch",der im Herbst 1998 Zentralamerika verwüstete. Allein in Honduras kostete er über 7.000 Menschen das Leben und verursachte Schäden von ca. 3,6 Mrd. US-Dollar. Die massive externe Wiederaufbauhilfe verhalf Honduras nicht zu substanziellen Fortschritten in der Armutsreduzierung. Seit "Mitch" gab es verschiedene weniger verheerende Tropenstürme, von denen vor allem arme Bevölkerungsteile betroffen waren (z. B. 2005 Hurrikane Beta und Gamma).

Es liegen keine genauen Zahlen zur Arbeitslosigkeit vor. Beim "CIA World Factbook" sind 4,5 % angegeben. Hinzu kommt, dass ca. ein Drittel der Bevölkerung unterbeschäftigt ist.

Adäquater Wohnraum für alle ist nicht gewährleistet
Angemessener Wohnraum ist für ein Großteil der Bevölkerung nicht gewährleistet.

Die prekären wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse erschweren einem großen Teil der Bevölkerung den Zugang zu menschenwürdigem Wohnraum und Bildung. Die Analphabetenrate liegt laut CIA Worldfactbook aktuell bei 14,9 % der Über-15-Jährigen (laut Daten des honduranischen Statistikinstituts liegt sie derzeit insgesamt bei 15,6, aber bei den über 60-Jährigen bei 43,7 %). Honduras hat erhebliche Schwierigkeiten, für alle Bürger/-innen das Recht auf Nahrung zu gewährleisten. 11,1% der Bevölkerung verfügen über keinen ausreichenden Zugang zu Trinkwasser und 19,4% haben unzureichende Sanitäranlagen; in beiden Fällen ist die ländliche Bevölkerung davon stärker betroffen.

Es gibt keine soziale Grundsicherung, auch nicht für Menschen im Ruhestand. In der Rangliste des GlobalAgeWatch liegt Honduras 2014 auf Platz 75 von 96 Ländern und nimmt unter lateinamerikanischen Ländern damit den vorletzten Platz ein.

Altersstruktur / Kinder und Jugend

Die Altersstruktur der honduranischen Bevölkerung ist durch das relativ hohe Bevölkerungswachstum von derzeit jährlich 1,74 -2% geprägt. Kinder, Jugendliche und junge Menschen unter 24 Jahren machen über die Hälfte der Gesamtbevölkerung aus. Die Alphabetisierungsrate bei Menschen zwischen 15 und 24 Jahren beträgt 97,2%. Honduras liegt bei etlichen demographischen Indikatoren erheblich über dem lateinamerikanischen Durchschnitt. (Demographische Daten finden sich in der Länderdatenbank der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung.)

Jugendliche und Kinder sind besonders von Gewalt betroffen, da sie häufig in prekären ökonomischen, sozialen oder familiären Situationen leben. Nicht umsonst ist die Rate der Kinderarbeit in Honduras mit eine der höchsten in Lateinamerika. Perspektivlosigkeit bringt junge Menschen dazu im informellen Sektor tätig zu werden, junge Frauen suchen oft ihr Glück in Maquila-Sektor. Migration ist für Jugendliche und Kinder eine Möglichkeit dem Elend zu entfliehen. Mit der Veröffentlichung der Studie "Children on the run" vom UNHCR rückte das Thema der Migration von Kindern und Menschenrechte unbegleiteter Kinder in die Öffentlichkeit und die politische Debatte. Im Jahr 2014 haben mehr als 57.000 Minderjährige die Grenzen in die USA illegal passiert. Jährlich versuchen Hunderte von Kindern auf einer der gefährlichsten Migrationsrouten der Welt Honduras zu verlassen.

Jugendliche Gewaltopfer finden sich vor allem in urbanen Zentren, wie Tegucigalpa und San Pedro Sula. Gründe für die Gewalt, deren Opfer Jugendliche und Kinder werden bzw. in die sie als "Täter/-innen" verwickelt sind, sind vielschichtig. Hohe Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen, fehlender Zugang zu Bildung, Armut, das soziale Umfeld und strukturelle gesellschaftliche Barrierren sind nur einige. Analysen zu Gewaltursachen findet man bei Defensores en línea und in einer Studie der giz.

Die Ursachen der Gewalt unter Jugendlichen und deren Bekämpfung stehen nicht ausreichend im Fokus der Politik und noch immer fördern Medien ein stigmatisierendes Bild von Jugendlichen durch die einseitige Berichterstattung zu Jugendbanden (maras).

Jugendlicher auf der Straße unterwegs
Jugendlicher auf der Carretera Norte nahe Tegucigalpas unterwegs

Frauen / Gender

Männer auf der Straße
Männer dominieren vor allem auf dem Land häufig das Straßenbild

Frauen und Männer sind rechtlich gleichgestellt (dies gilt auch im Militär und bei der Polizei). Die Auswirkungen solcher Bestimmungen sind im politischen und gesellschaftlichen Alltag jedoch gering.

Frauen sind in Honduras in hohem Maße Gewalt, vor allem häuslicher und sexueller Gewalt ausgesetzt. In den letzten 6 Jahren erreichten Frauenmorde (femicidios) ein alarmierendes Ausmaß. Ursachen der stetigen Zunahme von Femiziden außerhalb der Familie sind gefährliche Migrationsrouten, Maras, organisierter Kriminalität und die Militarisierung der Gesellschaft. Femizid ist per Dekret ein Straftatbestand; Strafmaßregelungen existieren jedoch nicht. Das hohe Maß an Straflosigkeit leistet den Femiziden weiterhin Vorschub.

In der organisierten Zivilgesellschaft sind Frauen und Frauenorganisationen präsent und prägend, dennoch sind auch innerhalb der Zivilgesellschaften, wie zum Beispiel der Widerstandsfront Strukturen des machismo erkennbar. Wie stark die Gesellschaft von Männern und vom Katholizismus geprägt ist, zeigt sich in Debatte wie über die "Pille danach".

Für eine Reihe von Organisationen ist der Kampf für die Rechte der Frau das Hauptziel, z.B. für das CDM (Centro de Derechos de Mujeres ), für die Gruppe "Las Chonas" (Movimiento de Mujeres por la Paz Visitación Padilla; Schwerpunkt: Gewalt gegen Frauen) oder für das Centro de Estudios de la Mujer (CEM-H). Die Frauenorganisationen haben in der honduranischen Gesellschaft etliche Veränderungen bewirkt, wie beispielsweise 1994 die Aufhebung des obligatorischen Militärdienstes durch die Mobilisierung und den Hungerstreik der Frauen der Frauenbewegung Las Chonas.

Das Rollenverständnis von Frau und Mann ist von der in Lateinamerika üblichen Kultur des machismo geprägt, vor allem - aber nicht nur - in ländlichen Gegenden. Hohe Raten an ungewollten Schwangerschaften und an Schwangerschaften von Jugendlichen (15 % der Neugeborenen haben Mütter zwischen 14 und 18 Jahren) tragen zum Anwachsen der Zahl von Familien mit weiblichem Familienvorstand bei. Diese Familien sind häufiger von Armut betroffen als andere (66 % zu 58 %).

In den maquila-Fabriken, wo Frauen über 75 % des Personals ausmachen, kommt es immer wieder zu Entlassungen und sonstigen Diskriminierungen insbesondere schwangerer Frauen. Frauen finden sich häufig in Sektoren mit prekären Arbeitsbedingungen, wie der Bereich der Hausangestellten. Nach Angaben von CEM-H arbeiten 100.000 Frauen in Honduras in diesem durch das Arbeitsgesetzbuch nicht regulierten Bereich.

Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern soll ein im März 2015 beschlossenes Gesetz beenden. 

Sexuelle Orientierung, sexuelle Minderheiten

Angehörige sexueller Minderheiten (Homosexuelle, Transgender usw.) sind in Honduras vor allem seit dem Putsch 2009 Diskriminierungen und massiven Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt, obwohl Homosexualität nicht verboten ist. Es existieren nur wenige Gruppen, die sich für die Rechte von Schwulen und Lesben einsetzen. 2004 nahm das Parlament einstimmig einen Artikel in die Verfassung auf, der jede Art der rechtlichen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften verbietet. Die kleine, aber aktive LGTBI-Bewegung war wichtiger Teil der Widerstandsbwegung gegen den Putsch und nehmen heute einen wichtigen Platz in sozialen Bewegungen in Honduras ein. Morde an LGTBI nahmen in den ersten Monaten in 2016 zu. Einen guten Einblick in die Lebensrealität der LGTBI-Community und deren Diskriminierung zeigt der Film "En mis tacones" ("Auf meinen Highheels") des honduranischen Filmemachers und LGTBI-Aktivisten Fernando Reyes.

Bildung

Bildung hat in Honduras auf individueller Ebene einen hohen Stellenwert. Die gute Ausbildung der Kinder ist für die meisten Menschen in Honduras ein Lebensziel. An eine gute Bildung ist die Hoffnung auf eine bessere Zukunft geknüpft.

In Honduras herrscht Schulpflicht für Kinder zwischen 7 und 12 Jahren. Das Schulsystem teilt sich in Grundschule (1.-6. Klasse) und Sekundarschule (7.-9. bzw. bis 12. Klasse). Trotz Schulpflicht besuchen ca. 10 % der Kinder keine Schule. Der Stadt-Land-Unterschied macht sich im Schulwesen besonders bemerkbar. Für den Besuch von weiterführenden Schulen müssen Familien die Kinder oft in größere Städte schicken, was für viele Menschen auf dem Land ein enormer Kostenfaktor ist.

Das Schulsystem ist geprägt durch unzureichende Qualifizierung der Lehrkräfte, Schulen in schlechtem Zustand, fehlendem Unterrichtsmaterial und wiederkehrendem Unterrichtsausfall durch Proteste und Streiks der Lehrenden. Die Forderungen der Lehrkräfte richten sich vor allem gegen die Privatisierung der Bildung, für die Einhaltungen des Lehrkräftestatuts und pünktlicher Zahlung von Löhnen. Gegen die Gewerkschaften der Lehrer/-innen geht die Regierung repressiv vor. Die wichtigsten Lehrer/-innengewerkschaften sind: COLPROSUMAH (Colegio profesional Superación Magisterial), COPEMH (Colegio de Profesores de Educación Media de Honduras) und COPRUMH (Colegio Profesional Union Magisterial de Honduras); diese sind im Dachverband FOMH zusammengeschlossen.

Das zivilgesellschaftliche Netzwerk Transformemos Honduras setzt sich u.a. für die Verbesserung der Bildung ein und hat eine Monitoring der Lehrkräfte per Internet eingeführt.

Nach abgeschlossener Grundschule kann man in bis zu 3-jährigen Kursen verschiedene handwerkliche und technische Kenntnisse erwerben. Berufsqualifizierende Abschlüsse können erst mit abgeschlossener Sekundarschule an berufsbildenden Instituten bzw. Universitäten erlangt werden.

Es gibt zwei staatliche Universitäten (UNAH, UPNFM). Die Nationale Autonome Universität von Honduras (UNAH) mit Hauptsitz in Tegucigalpa unterhält in den größeren Städten Studienzentren. Neben dem Direktstudium sind Fernstudiengänge unter Erwachsenen sehr beliebt.

Die bedeutendsten privaten Universitäten sind die Escuela Agrícola Panamericana (Zamorano), die technische Universität UNITEC und die katholische Universität (Universidad Católica).

An der UNAH hat sich ein Studierendenprotest formiert, der für mehr Partizipation und die Wahrung studentischer Rechte sowie gegen die undemokratischen Immatrikulationspraktiken eintritt. Gegen die Protestierenden wird mit starker Repression seitens der Polizei vorgegangen. Die Studierendenbewegung MEU wird kriminalisiert.

Die durch verschiedene Gesetzesreformen auf den Weg gebrachte Privatisierung und Dezentralisierung der Bildung schwächt die Position der Gewerkschaften. Neben immer wiederkehrenden Protesten der Lehrenden, gingen im März 2015 auch Schüler/-innen auf die Straße. Ausgelöst wurden die Schüler/-innen-Proteste durch ein neues Gesetz, dass u.a. die Verlängerung der Unterrichtszeit und den Wegfall der Abendschulen vorsieht. Das Programm Trabajo Educativo Social (TES) verlangt von Schüler/-innen kostenlos Alphabetisierungsarbeit zu leisten, um den Mittleren Schulabschluss zu erlangen. Gegen dieses Programm gibt es Proteste von Schüler/-innen, Lehrkräften und Eltern. Die Polizei geht gegen die friedlichen Proteste der minderjährigen Schüler/-innen vor.

Gesundheitsversorgung

Das staatliche Gesundheitssystem verwaltet durch die Secretaría de Salud (Gesundheitsministerium) verfügt über 28 Krankenhäuser und einer Vielzahl von kleinen Gesundheitszentren. Es weist jedoch eine regionale Unterversorgung sowie fehlende Koordination zwischen den zuständigen Institutionen (Secretaría de Salud, Instituto Hondureño de Seguridad Social -IHSS, privater Sektor) auf. Der Fokus der Versorgung liegt auf der Behandlung und versieht die ebenso wichtige Gesundheitsvorbeugung mit gerade mal 5% des Etats. Ein weiteres Merkmal ist die soziale Exklusion weiter Bevölkerungsteile. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) erhält 30,1% der Bevölkerung keine ärztliche Versorgung und 83% ist nicht krankenversichert. Diese Exklusion trifft besonders ethnische Minderheiten und die ländliche Bevölkerung. Die staatlichen Ausgaben sind die niedrigsten im zentralamerikanischen Vergleich. 

Das IHSS (Honduranische Institut für Sozialversicherung) verfügt über weit weniger Infrastruktur als das Gesundheitsministerium, diese Einrichtungen sind jedoch nur für die in der sozialen Krankenversicherung versicherten Honduraner/-innen zugänglich. Der seit mehr als einem Jahr anhaltende Skandal um das IHSS hat zu einem neuen Gesetzesvorschlag der Regierung geführt, um das Gesundheitssystem zu retten. Dieser Vorschlag hat jedoch viele Schwachpunkte.

Neben den staatlichen Einrichtungen bietet der private Sektor eine Vielzahl von Krankenhäusern und ärztlichen Praxen, die jedoch nur für die gut zahlende Bevölkerung in Anspruch genommen werden kann.

Die sozioökonomisch benachteiligten Gruppen haben allgemein einen schlechteren Zugang zu öffentlichen Diensten, wie Bildung, Wasser-, Energieversorgung und Gesundheit als besser gestellte Bevölkerungsgruppen. Gerade in ländlichen Gegenden erreicht das staatliche Gesundheitssystem einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung nicht, v.a. mangels flächendeckender medizinischer Infrastruktur. Auf zehntausend Bewohner/-innen kommen 8,7 Ärzte.  Die urbanen Unterschichten leiden dagegen unter der schlechten Qualität dieses Systems, in welchem es durch Finanzknappheit, Misswirtschaft und institutionellen Schwächen immer wieder zu medizinischen Unterversorgung kommt. Dies alles begünstigt eine allgemein kritische Gesundheitssituation weiter Teile der honduranischen Bevölkerung. Jedes Jahr sterben zahlreiche Menschen an Dengue-Fieber. AIDS wird seit Jahren als Problem wahrgenommen. Die Situation für alte Menschen  ist besonders prekär, da gerade mal 1,5% der Bevölkerung im Rentenalter in den Genuss kommt im Alter eine Rente zu bekommen. Allgemeine Informationen zur Gesundheitssituation findet man auf der Seite der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation

Kulturelle und ethnische Identitäten

Lenca-Keramik
Typische Lenca-Keramik. ©Amadeo Bonilla

Ethnisch-kulturell setzt sich die honduranische Bevölkerung aus Ladinos/-as, Indigenen und Afro-Indigenen (Garífuna),  sowie Afro-Honduraner/-innen zusammen. Weitgehend assimiliert in die Gruppe der Ladinos/-as ist die kleine Anzahl Immigrant/-innen jüdischer Abstammung und die Nachfahren christlich-palästinensischer Einwanderer/-innen, in Honduras meist fälschlich als "turcos" (Türken) bezeichnet. Weitere bedeutende Gruppen bilden die Eingewanderten chinesischer Herkunft.

Die indigenen Gemeinschaften stellen in Honduras etwa 7 % der Gesamtbevölkerung. Sie unterscheiden sich soziokulturell und sprachlich vom Rest der Gesellschaft. Etliche der indigenen Gruppen leben in infrastrukturell wenig erschlossenen Landesteilen (z.B. Regenwald-Region Mosquitia  oder Hochland im der Grenzregion zu Guatemala). Die Lenca  sind die größte indigene Bevölkerungsgruppe. Weitere Völker sind u.a. die Miskitos, Chortí, Pech oder Paya und Xicaque oder Tolupanes.

Die Konflikte, die sich aus dem Zusammentreffen traditioneller Formen der Vergesellschaftung mit dem bürgerlich-kapitalistischen Staatswesen Honduras` ergeben, haben zu einem gesteigerten Gruppenbewusstsein der indigenen Bevölkerung und insbesondere im Laufe der letzten zehn Jahre zur Konstituierung zahlreicher politischer Vertretungsinstanzen geführt. In Organisationen wie COPINH  (Consejo Cívico de Organizaciones Populares e Indígenas de Honduras ) oder CONPAH (Confederación de Pueblos Autóctonos de Honduras) schließen sich Gemeinschaften zusammen, um gemeinsam (und oft unterstützt von anderen zivilgesellschaftlichen oder internationalen Akteuren) ihre kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Rechte einzufordern. Die Aktivitäten der indígena-Verbände (wie z.B. die mehrfache Besetzung des archäologischen Parks von Copán) verstoßen nur selten gegen geltendes Recht und verlaufen meist friedlich.

Ca. drei Prozent der Bevölkerung von Honduras ist schwarzer Hautfarbe. Etwa die Hälfte davon gehören zur Nation der Garífuna (Eigenbezeichnung: Garínagu). Die Garífuna-Gemeinden findet man entlang der Karibikküste sowie auf den Inseln Roatán, Utila und Guanaja. Die Garífuna sind eine transnationale Ethnie (Belize, Guatemala, Honduras, Nicaragua). Mittlerweile gibt es eine große Garífuna - Gemeinde in den USA, vor allem in New York und New Orleans. Die Geschichte der Garífuna  begann im 17. Jahrhundert mit dem Schiffbruch zweier Sklavenschiffe und der Flucht der darauf gefangenen Afrikaner/-innen auf die Karibikinsel St. Vincent. Sie vermischten sich mit den Arawak (indigene Bevölkerung der Insel), deren Nachfahren Ende des 18. Jahrhunderts von der dortigen englischen Kolonialmacht nach Roatán deportiert. Von dort aus besiedelten die Garífuna die Karibikküste. Ihre Sprache, ebenfalls "garífuna" genannt, wurzelt hauptsächlich im karibisch-indigenen Arawak, hat aber auch Anteile aus verschiedenen afrikanischen und europäischen Sprachen. Wie andere indigene Gemeinschaften in Honduras verteidigen die Garífuna ihre wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Organisationsformen, die zunehmend durch Landgrabbing und andere Großprojekte gefährdet sind. Die wichtigste Garífuna-Organisation zur Interessenvertretung ist OFRANEH (Organización Fraternal Negra de Honduras).

Auch die (creol-)englischsprachigen Afro-Honduraner konzentrieren sich an der Karibikküste und v.a. auf den ihr vorgelagerten Inseln (dementsprechend ist ihre offizielle Bezeichnung "isleños" von span. "isla" = Insel). Dieser Teil der Bevölkerung unterscheidet sich abgesehen von der Sprache (so gut wie alle isleños sprechen neben Englisch auch Spanisch) soziokulturell kaum von der ladinischen Mehrheit. Ebenso wie die spanischsprachigen Schwarzen, die sich v.a. (aber nicht nur) in den Großstädten des Landes angesiedelt und kulturell assimiliert haben, haben sie keine so ausgeprägte Identität wie die Garífuna.

Musik, Kunst, Literatur, Film, Sport

Aurelio Martínez - bekannt durch seine Weltmusik.
Das Album machte ihn weltweit bekannt: Laru Beya (2011), Aurelio Martínez.

Musikalisch ist Honduras vom Neben- und Miteinander der verschiedenen ethnisch-kulturellen Identitäten geprägt. Der im Radio, in Diskotheken usw. meistens zu hörende "Mainstream" beinhaltet v.a. die in Lateinamerika übliche Mischung aus spanisch- und englischsprachigem Pop und Rock und die jeweils dominierenden lateinamerikanischen Moderhythmen von Merengue über Salsa bis zu Reggetón und Bachata. Auf Dorffesten und anderen Feierlichkeiten im Hochland ist, besonders bei älteren Menschen, die Musik von Marimba-Orchestern sehr beliebt.

Die bekannteste politische Liedermacherin in Honduras und Aktivistin der Widerstandsbewegung ist Karla Lara. Eine beliebte Band ist El Polache. Die Band Café Guancasco gründete sich 2008 und wurde vor allem nach dem Putsch in ganz Zentralamerika bekannt. Aurelio Martínez aus Plaplaya (Dpto. Gracias a Díos) erlangte nach seinem letzten Album Laru Beya (2011) weltweite Bekanntheit als Weltmusiker. Der Garífuna - Musiker arbeitete für dieses Album mit Youssou N’Dour aus dem Senegal zusammen. 

Literarisch kann Honduras, auch im Vergleich mit den anderen Ländern Zentralamerikas, nicht mit einer breiten Palette erfolgreicher Werke oder Autor(inn)en aufwarten. Die einzigen mehr oder weniger berühmt gewordenen honduranischen Schriftsteller waren Ramón Amaya Amador (1916-1966) und Froylán Turcios (1875-1943). Amaya Amadors erster und bekanntester Roman "Prisión Verde" (zuerst erschienen 1945; 1958 auf Deutsch als "Das grüne Gefängnis") schildert das Elend der Arbeiter/-innen auf den Bananenplantagen und beruht auf eigenen Erfahrungen des Autors. Eine der wichtigsten zeitgenössischen Autor/-innen ist Diana Vallejo. Viele kritische Künstler/-innen haben sich nach dem Putsch 2009 in dem Kollektiv "Artistas en resistencia" (Künstler/-innen im Widerstand) zusammengeschlossen.

Honduranische Maler sind außerhalb des Landes kaum bekannt, abgesehen vielleicht von einigen Malern der "naiven" Kunst wie José Antonio Velásquez (1906-1983). Zu den in Honduras bekannten zeitgenössichen Malern gehört Javier Espinal. Der Cartoonist Allan McDonald ist vor allem für seine politischen Karrikaturen bekannt und wurde nach dem Putsch 2009 für kurze Zeit verhaftet.

Kinofilme werden in Honduras höchst selten produziert und noch seltener international wahrgenommen. Der Film "Amor y Frijoles" (2009) vermittelt ein sehr authentisches Bild vom Leben in einem honduranischen Dorf. Der realistische und sozialkritische Film "No amanece igual para todos" (2011) wurde aufgrund der kritischen Einstellung zum Putsch nicht in honduranischen kommerziellen Kinos gezeigt.

Sportlich gesehen ist Honduras eine Fußballnation. 2014 nahm die Nationalmannschaft zum dritten Mal in der Geschichte (nach 1982 und 2010) an der Endrunde einer Weltmeisterschaft teil. Sie kam jedoch nie über die erste Gruppenphase hinaus. Über die Nationalmannschaft der Frauen gibt der Film "Adelante muchachas" von Erika Harzer ein sehr eindrückliches Bild.

Religion

Kirche in Trujillo
Die katholische Kirche in Trujillo.
Marienstatue
Marienstatuen findet man über all.
Adventistentempel
Neben der katholischen Kirche sind evangelikale Tempel im Land präsent.

Die gesellschaftliche Stellung der katholischen Kirche ist herausragend. Angehörige der Mittel- und Oberschicht sind mehrheitlich Katholik/-innen. Einflussreiche Positionen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft werden ganz überwiegend aus diesen Schichten besetzt. Durch die enge personelle Verzahnung von Kirche und Staat nimmt der Klerus Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung. Der Einfluss der katholischen Kirche ist jedoch überproportional zu ihrer rein zahlenmäßigen Anhängerschaft. Nach einer aktuellen Umfrage des chilenischen Meinungsforschungsinstitutes Latinobarómetro ist die Anzahl der Katholik/-innen den letzten 17 Jahren stark gesunken. Waren es 1997 noch 76%, sind es 2013 nur noch 47%. Hingegen ist die Zahl der Anhänger/-innen neu-protestantischer Kirchen (darunter zahlreiche finanzkräftige, ultra-konservative und fundamental-religiöse Sekten aus den USA) von 12% (1997) auf 41% (2013) gestiegen. Ausdruck der neuen Religiösität ist der in 2013 eröffnete Tempel der Mormonen in Tegucigalpa, der in Größe und Ausstatttung den katholischen Glaubensorten nicht nachsteht.

Indigene Völker in Honduras praktizieren ihre eigenen Religionen oft parallel zum katholischen Glauben.

 

 

Das Länderinformationsportal

Das Länderinformationsportal
Das Länderinformationsportal

Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Juni 2016 aktualisiert.

Autorin

Rita Trautmann, Jahrgang 1970, Ethnologin und Mediatorin, ist seit 2008 Landestutorin in der AIZ für Honduras. Sie war mehrere Jahre in Honduras tätig. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind:  Erwachsenenbildung, Globales Lernen, Organisationsentwicklung und Projektmanagement.

Ich freue mich über Anregungen und Kommentare (Kontaktformular).

Foto-Copyright

Soweit nicht anders angegeben:
Copyright für Fotos und Grafiken: Rita Trautmann

Trainingsangebote der Akademie

Die Akademie der GIZ ist der führende Weiterbildungsanbieter für die internationale Kompetenzentwicklung. Wir stehen für innovative, wirksame und nachhaltige Lösungen.

> Angebote aus dem Weiterbildungskatalog

Gerne konzipieren wir für Sie maßgeschneiderte Trainingskurse, die sich an Ihren individuellen Bedürfnissen und Interessen orientieren.

> Wir freuen uns über Ihre Anfragen!

Kontakt

Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Kommentare zu diesem Länderbeitrag oder zum LIPortal insgesamt. Richten Sie Ihre Anfrage an:

Thorsten Hölzer
(Akademie für Internationale Zusammenarbeit)

+49 (0)2224 926 - 144

Zum Kontaktformular