Maskentänzer der Garífuna
Anteil alphabetisierte Erwachsene
87,3 (2018)
bedeutendste Religion
Römisch-Katholisch (ca. 46%)
Städtische Bevölkerung
58,4 % (2020)
Lebenserwartung
74,6 Jahre (2019)
Gender Inequality Index
0,479 (Platz 132 von 189; 2019)
Anzahl der Geburten
2,09 / Frau (2019)
Kindersterblichkeit
14,6 pro 1.000 Lebendgeburten (2019)

Soziale Struktur

Die honduranische Gesellschaft ist stark hierarchisch nach der sozialen Herkunft, bei der auch der ethnische Hintergrund eine Rolle spielt, gegliedert. Je hellhäutiger die Menschen sind, umso eher sind sie in der Oberschicht zu finden. Ebenso werden höhere Posten in staatlichen Institutionen traditionellerweise eher von Angehörigen der mestizisch-kreolischen Oberschicht bekleidet.

Historisch gesehen entstanden zwei starke Gruppen: die Großgrundbesitzer auf dem Land und die Oberschicht in Tegucigalpa. Die Randlage Honduras´ während der Kolonialzeit und die lange Fremdbestimmung in der republikanischen Epoche verhinderten die Herausbildung einer starken, einheitlichen Oligarchie. Diese Tatsache machte die Oberschicht durchlässiger für die Industrie- und Handelsbourgeoisie, die Militärs und den Beamtenapparat und gab der Entstehung einer Finanzoligarchie Raum.

Die relativ junge Finanzoligarchie etablierte sich in den 60er Jahren, denen es durch Handel und Finanzgeschäfte gelang, Eingang in die Oberschicht zu finden. Diese Elite vereinigt heute zirka 10-15 Machtgruppen, die nicht nur einen Großteil des Kapitals kontrollieren, sondern deren Netzwerke in die Politik und auch in das organisierte Verbrechen reichen. Allgemein gilt für diese neue Oberschicht, dass sie wenig durchlässig ist.

Eine mittlere und untere Schicht sind nicht so eindeutig voneinander zu trennen, da die Übergänge fließend sind. Im Laufe der Geschichte haben sich Mittelschicht, die Schicht der Arbeiterklasse und armen Bauern und Bäuerinnen sowie eine Parallelstruktur aus Kleinstunternehmern, informellen Arbeiter/innen und Selbstbeschäftigten gebildet. Durch die hohe Arbeitslosigkeit und die Zunahme der Beschäftigung im informellen Sektor ist ein anhaltender Prozess der Prekarisierung und Verarmung der Mittelschicht zu verzeichnen. Staatsbedienstete wie im Gesundheits- und Bildungssektor bilden einen Großteil der unteren Mittelschicht, da sie im Gegensatz zu prekär und informell Arbeitenden, ein festes, wenn auch niedriges Einkommen beziehen und eine Altersvorsorge haben.

Soziale Lage

Je nach Definition sind zwischen knapp einem und gut zwei Dritteln der Honduranerinnen und Honduraner arm. Zuverlässige aktuelle Daten zu bekommen ist nicht einfach:

  • Die Weltbank gibt für 2019 an, dass mehr als 52% der Bevölkerung in Armut leben und 17,2% in extremer Armut bzw. von weniger als 1,90$ am Tag leben. 
  • Das Nationale Institut für Statistik (INE) gibt für 2018 an, dass die allgemeine Armut bei 61,8% und davon die extreme Armut bei 38,7% liegt.
  • Laut CEPAL sind 55,7% in 2018 und 19,4% der Bevölkerung von Armut bzw. extremer Armut betroffen.
  • Die Oxford Poverty and Human Development Initiative hat den MPI (Multidimensional Poverty Index) für Honduras erstellt.
  • Das Foro Social de Deuda Externa y de Desarrollo de Honduras (FOSDEH) hat Grafiken zu Armut erstellt. FOSDEH gibt für 2018 einen Anteil der Armen von 67% an.
  • Weitere Daten liegen im aktuellsten Bericht von UNDP zum Stand der menschlichen Entwicklung von 2019 vor. Im Länderprofil Honduras von UNDP finden sich die aktuellsten Statistiken.  

Laut Oxfam Honduras ist die Armut in den letzten 30 Jahren gestiegen. Ländliche Bevölkerung und Indigene sind am meisten von Armut betroffen, nicht nur in ökonomischer Hinsicht, sondern auch bezüglich des Zugangs zu Bildung und zu Gesundheitsleistungen sowie dem Zugang zum Rechtssystem.

In engem Zusammenhang mit der Armut steht die sozioökonomische Ungleichverteilung, die der Wert des Gini-Koeffizienten ausdrückt. Für Honduras wird er vom CIA World Factbook mit 57,7 (2007) und laut INE mit 0,52 für 2018 angegeben. 

Der Stand der menschlichen Entwicklung in Honduras stagniert seit den letzten 10 Jahren auf mittlerem Niveau und erreichte im Jahr 2019 einen Wert von 0,623 im HDI (Human Development-Index), damit steht Honduras auf Platz 132 von 189 Ländern. Einen extremen Rückschlag für die Entwicklung des Landes bedeutete der Hurrikan "Mitch", der im Herbst 1998 Zentralamerika verwüstete. Allein in Honduras kostete er über 7.000 Menschen das Leben und verursachte Schäden von ca. 3,6 Mrd. US-Dollar. Die massive externe Wiederaufbauhilfe verhalf Honduras nicht zu substanziellen Fortschritten in der Armutsreduzierung. Seit "Mitch" gab es verschiedene weniger verheerende Tropenstürme, von denen vor allem arme Bevölkerungsteile betroffen waren (z.B. 2005 Hurrikane Beta und Gamma).

Da Honduras zu den ärmsten Ländern des Kontinents gehört und ein extrem schlechtes Gesundheitssystem hat, hat die COVID-19 Pandemie katastrophale Auswirkungen für die in Armut lebenden Bevölkerungsteile. Bereits jetzt sind die sozialen Folgen der Maßnahmen zu spüren: Menschen, die u.a. im informellen und im Transportsektor arbeiten, haben kein Einkommen mehr. Bisherige Proteste um Zugang zu Nahrungsmitteln wurden gewalttätig niedergeschlagen. Eine Hungerkrise und vor allem Wasserknappheit werden ein Großteil der Bevölkerung zu spüren bekommen. Frauen sind durch die Zunahme an häuslicher Gewalt besonders von der Krise betroffen. Durch die Wirbelstürme Eta und Iota sind große Teile von Ernten zerstört, die Auswirkungen auf die Landwirtschaft werden verheerend sein. Eine verfehlte Politik und das hohe Maß an Korruption tragen zur Verschärfung von Ungleichheit und Armut bei.

Es liegen keine genauen Zahlen zur Arbeitslosigkeit vor. Beim "CIA World Factbook sind 5,9% (2017) angegeben. INE gibt 5,6% für 2018 an. Die Dunkelziffer liegt sicher höher. Hinzu kommt, dass ca. ein Drittel (36,1% laut UNDP) der Bevölkerung unterbeschäftigt ist bzw. im informellen Sektor tätig ist. Die COVID-19 Krise hat die Situation verschärft. Laut der Gewerkschaft CGT haben mehr als eine halbe Million Menschen ihre Arbeit verloren.

Armut, Arbeitslosigkeit, Korruption und die prekäre Sicherheitslage treiben viele Menschen aus Honduras in die Migration, bevorzugt in die USA. Die Tragödie der Migration wird deutlich bei den sogenannten Karawanen: Tausende Menschen aus Honduras machen sich immer wieder gemeinsam auf den Weg nach Norden. Die Flucht mehrer Tausend Menschen im Herbst 2018 fordert sowohl die US-Regierung als auch die zentralamerikanischen Regierung heraus. 

Die USA haben im September 2019 eine Vereinbarung mit den Honduras, Guatemala und El Salvador geschlossen, um Migration zu verhindern. Honduras hat die weitreichendste Vereinbarung getroffen, die auch die Grenzsicherung und die biometrischen Informationen betrifft, zu den Schwerpunkten Investition und Arbeitsplatzschaffung. Die Vereinbarung wird von der Zivilgesellschaft stark kritisiert, da sie zu Lasten der Menschen gehen, die Honduras verlassen. Des Weiteren besteht keine große Hoffnung, dass Investitionen und Programme zur Schaffung von Arbeitsplätzen fruchten. Hernández hat beides 2013 beim Amtsantritt versprochen, konnte dies jedoch nicht einlösen.

Die Pandemie in 2020 verschärft die Situation der Migrant/-innen, da sie wegen geschlossener Grenzen ihren Weg nicht fortsetzen können.

Die prekären wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse erschweren einem großen Teil der Bevölkerung den Zugang zu menschenwürdigem Wohnraum und Bildung.

Die Analphabetenrate liegt laut Daten des honduranischen Statistikinstituts in 2018 bei 13% bei den über 15-Jährigen; 30,2 % bei den über 60-Jährigen und im ländlichen Regionen bei 17,2%. Sie ist damit leicht angestiegen.

8,8% der honduranischen Haushalte verfügen über keinen ausreichenden Zugang zu Trinkwasser und 17,4% haben unzureichende Sanitäranlagen; in beiden Fällen ist die ländliche Bevölkerung davon stärker betroffen.

Es gibt keine soziale Grundsicherung, auch nicht für Menschen im Ruhestand. In der aktuellsten Rangliste des GlobalAgeWatch liegt Honduras 2015 auf Platz 82 von 96 Ländern und nimmt unter lateinamerikanischen Ländern damit den letzten Platz ein. Die Gruppe der älteren Menschen sind von der Corona-Pandemie besonders betroffen, auch weil sie ohnehin zu einer vulnerablen Gruppe gehören. Altersarmut, Berufstätigkeit bis ins hohe Alter und eine schlechte Gesundheitsvorsorge tragen zur Gefährdung dieser Gruppe bei.

Adäquater Wohnraum für alle ist nicht gewährleistet
Angemessener Wohnraum ist immer noch für einen grüßen Teil der Bevölkerung nicht gewährleistet.

Altersstruktur / Kinder und Jugend

Die Altersstruktur der honduranischen Bevölkerung ist durch das relativ hohe Bevölkerungswachstum von derzeit jährlich 1,74 -2% geprägt. Kinder, Jugendliche und junge Menschen unter 24 Jahren machen über die Hälfte der Gesamtbevölkerung aus.

Die Alphabetisierungsrate bei Menschen zwischen 15 und 24 Jahren beträgt 97,2%.

Honduras liegt bei etlichen demographischen Indikatoren erheblich über dem lateinamerikanischen Durchschnitt. (Demographische Daten finden sich in der Länderdatenbank der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung.)

Jugendliche und Kinder sind besonders von Gewalt betroffen, da sie häufig in prekären ökonomischen, sozialen oder familiären Situationen leben. Nicht umsonst ist die Rate der Kinderarbeit in Honduras mit eine der höchsten in Lateinamerika. Perspektivlosigkeit bringt junge Menschen dazu im informellen Sektor tätig zu werden, junge Frauen suchen oft ihr Glück im Maquila-Sektor. Migration ist für Jugendliche und Kinder eine Möglichkeit dem Elend zu entfliehen. Mit der Veröffentlichung der Studie "Children on the run" vom UNHCR rückte das Thema der Migration von Kindern und Menschenrechte unbegleiteter Kinder in die Öffentlichkeit und die politische Debatte. Im Jahr 2014 haben mehr als 57.000 Minderjährige die Grenzen in die USA illegal passiert. Jährlich versuchen Hunderte von Kindern auf einer der gefährlichsten Migrationsrouten der Welt Honduras zu verlassen.

Jugendliche Gewaltopfer finden sich vor allem in urbanen Zentren, wie Tegucigalpa und San Pedro Sula. Gründe für die Gewalt, deren Opfer Jugendliche und Kinder werden bzw. in die sie als "Täter/-innen" verwickelt sind, sind vielschichtig: Hohe Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen, fehlender Zugang zu Bildung, Armut, das soziale Umfeld und strukturelle gesellschaftliche Barrierren sind nur einige.

Die Ursachen der Gewalt unter Jugendlichen und deren Bekämpfung stehen nicht ausreichend im Fokus der Politik und noch immer fördern Medien ein stigmatisierendes Bild von Jugendlichen durch die einseitige Berichterstattung zu Jugendbanden (maras).

In den letzten Jahren spielen junge Menschen in sozialen Bewegungen zunehmend eine Rolle: ob Studierenden- und Schüler/-innenproteste oder als großer Teil der Proteste gegen Hernández, die Jugend ist politisch sichtbar geworden.  

Jugendlicher auf der Straße unterwegs
Jugendlicher auf der Carretera Norte nahe Tegucigalpas unterwegs

Frauen / Gender

Männer auf der Straße
Männer dominieren vor allem auf dem Land häufig das Straßenbild

Frauen und Männer sind rechtlich gleichgestellt (dies gilt auch im Militär und bei der Polizei). Die Auswirkungen solcher Bestimmungen sind im politischen und gesellschaftlichen Alltag jedoch gering.

So gibt es derzeit (seit den Wahlen von 2017) beispielsweise gerade einmal 23 Bürgermeisterinnen, gegenüber 275 Bürgermeistern in den insgesamt 298 Kommunen (municipios)Im Departament Santa Barbara ist der Zahl der Bürgermeisterinnen am höchsten. Die Zahl der Frauen im Parlament sank von 31 (also 24% der 128 Parlamentssitze) in der Legislaturperiode 2005-2009 auf 27 Parlamentarierinnen (20 %) im 2017 gewählten Parlament. 

Das Rollenverständnis von Frau und Mann ist von der in Lateinamerika üblichen Kultur des machismo geprägt, vor allem - aber nicht nur - in ländlichen Gegenden. Hohe Raten an ungewollten Schwangerschaften und an Schwangerschaften von Jugendlichen (15 % der Neugeborenen haben Mütter zwischen 14 und 18 Jahren) tragen zum Anwachsen der Zahl von Familien mit weiblichem Familienvorstand bei. Diese Familien sind häufiger von Armut betroffen als andere (66 % zu 58 %). Im landwirtschaftlichen Bereich sind Frauen als Arbeitskraft und Familienversorgerin verbreitet; der Zugang zu Land jedoch ist für Frauen nach wie vor schwierig, da die Gesetzgebung seit Jahren nicht reformiert wurde.

In den maquila-Fabriken, wo Frauen über 75 % des Personals ausmachen, sind die Arbeitsbedingungen häufig gesundheitsschädigend, zudem kommt es immer wieder zu Entlassungen und sonstigen Diskriminierungen, insbesondere schwangerer Frauen. Frauen finden sich häufig in Sektoren mit prekären Arbeitsbedingungen, wie der Bereich der Hausangestellten. Nach Angaben von CEM-H arbeiten 100.000 Frauen in Honduras in diesem durch das Arbeitsgesetzbuch nicht regulierten Bereich.

Frauen sind in Honduras in hohem Maße Gewalt, vor allem häuslicher und sexueller Gewalt ausgesetzt. In den letzten sechs Jahren erreichten Frauenmorde (femicidios) ein alarmierendes Ausmaß. Teilweise hängt dies auch mit der gestiegenen Gewalt durch Drogenkartelle zusammen. Durch die COVID-19 Krise hat sich die Situation von Frauen enorm verschlechtert. Häusliche Gewalt hat zugenommen und sie sind auch von der ökonomischen Krise betroffen. Alleinerziehende Frauen trifft dies besonders.

Über 300 Frauen wurden in 2019 ermordet und in 2020 bis März 50 Frauen. "Reporteros de Investigación" hat Daten über Femizide der letzten sechs Jahre für Choloma zusammengestellt, dies steht exemplarisch für Honduras. Viele der Femizide passieren innerhalb der Familien. Ursachen der stetigen Zunahme von Femiziden außerhalb der Familie sind gefährliche Migrationsrouten, Maras, organisierter Kriminalität und die Militarisierung der Gesellschaft. Femizid ist per Dekret ein Straftatbestand; Strafmaßregelungen existieren jedoch nicht. Das hohe Maß an Straflosigkeit leistet den Femiziden weiterhin Vorschub.

Wie stark die Gesellschaft von Männern und vom Katholizismus geprägt ist, zeigt sich auch in Debatten wie über die "Pille danach". Auch am Beispiel der Diskussionen um das geplante neue Strafgesetzbuch, in dem Abtreibung weiterhin eine Straftat bleiben soll, zeigt sich die Dominanz des patriarchalischen Weltbildes, das auch von den evangelikalen Kirchen getragen wird. Der Zusammenschluss von feministischen und Frauenorganisationen "somos muchas" ("Wir sind viele") kämpft für die Abschaffung des Paragraphen zu Abtreibung.

Für eine Reihe von Organisationen ist der Kampf für die Rechte der Frau das Hauptziel, z.B. für das CDM (Centro de Derechos de Mujeres), für die Gruppe "Las Chonas" (Movimiento de Mujeres por la Paz Visitación Padilla; Schwerpunkt: Gewalt gegen Frauen) oder für das Centro de Estudios de la Mujer (CEM-H). Die Frauenorganisationen haben in der honduranischen Gesellschaft etliche Veränderungen bewirkt, wie beispielsweise 1994 die Aufhebung des obligatorischen Militärdienstes durch die Mobilisierung und den Hungerstreik der Frauen der Frauenbewegung Las Chonas.

In der organisierten Zivilgesellschaft sind Frauen und Frauenorganisationen präsent und prägend, dennoch sind auch innerhalb der Zivilgesellschaften Strukturen des machismo erkennbar. Eine Umfrage der digitalen Zeutung contracorriente zeigt, wie tief Gewalt gegen Frauen in der Gesellschaft und in sozialen Organisationen verankert ist.

Indigene Frauen nehmen seit Jahren eine wichtige Rolle in Indigenen-Organisationen ein und prägen mit ihren Diskursen und Kämpfen die gesamte honduranische Zivilgesellschaft. Indigene Frauen und Frauen in kleinbäuerlichen Strukturen sind in besonders hohem Maße vom extraktivistischen Wirtschaftsmodell betroffen. Häufig nehmen vor allem indigene Frauen bei der Verteidigung ihrer Territorien eine wichtige Rolle ein. 2016 haben indigene Frauen einen Verband auf nationaler Ebene gegründet: die Coordinadora Nacional de Mujeres Indígenas de Honduras (CONAMIN), um sich gemeinsam zu artikulieren und sich zu unterstützen.

LGTBI

Angehörige sexueller Minderheiten (LGTBI) sind in Honduras vor allem seit dem Putsch 2009 Diskriminierungen und massiven Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Homosexualität ist nicht verboten. Aber 2004 nahm das Parlament einstimmig einen Artikel in die Verfassung auf, der jede Art der rechtlichen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften verbietet. Es existieren nur wenige Gruppen, die sich für die Rechte von Schwulen und Lesben einsetzen. Die kleine, aber aktive LGTBI-Bewegung war wichtiger Teil der Widerstandsbewegung gegen den Putsch und sie nimmt heute einen wichtigen Platz in sozialen Bewegungen in Honduras ein. Morde und Bedrohungen an LGTBI nahmen seit 2016 wieder zu, vor allem Hassmorde. Die Corona-Krise trägt zu weiteren Stigmatisierung der LGTBI bei. Die Situation von LGTBI-Personen während der Corona-Krise schildert dieser Bericht von mehreren zivilgesellschaftlichen Organisationen.

Honduras gehört neben Mexiko und Kolumbien zu den Ländern Lateinamerikas mit der höchsten Mordrate an LGTBI. Eine gute Analyse und einen Überblick über die LGTBI - Community stammt von der Journalistin Dina Meza.

Einen guten Einblick in die Lebensrealität der LGTBI-Community und deren Diskriminierung zeigt der Film "En mis tacones" ("Auf meinen High Heels") des honduranischen Filmemachers und LGTBI-Aktivisten Fernando Reyes.

Bildung

Bildung hat in Honduras auf individueller Ebene einen hohen Stellenwert. Die gute Ausbildung der Kinder ist für die meisten Menschen in Honduras ein Lebensziel. An eine gute Bildung ist die Hoffnung auf eine bessere Zukunft geknüpft.

In Honduras herrscht Schulpflicht für Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren. Das Schulsystem teilt sich in Grundschule (1.-6. Klasse) und Sekundarschule (7.-9. bzw. bis 12. Klasse). Trotz Schulpflicht besuchen knapp 1 Mio. Kinder die Schule nicht. Der Stadt-Land-Unterschied macht sich im Schulwesen besonders bemerkbar. Für den Besuch von weiterführenden Schulen müssen Familien die Kinder oft in größere Städte schicken, was für viele Menschen auf dem Land ein enormer Kostenfaktor ist.

Der Innenhof zwischen zwei Schulgebäuden
Der Innenhof einer Schule in Trujillo.
Unterrichtsraum
Schulen in abgelegenen Gebieten sind in sehr schlechtem Zustand

Das Schulsystem ist geprägt durch unzureichende Qualifizierung der Lehrkräfte, Schulen in schlechtem Zustand und fehlendem Unterrichtsmaterial. Diesen Mangel versuchen Familien und Eltern auszugleichen. Laut einer Untersuchung der Organisation Transformemos Honduras kommen 57% der Ausgaben für Infrastruktur und Wartung von den Familien der Schüler/-innen. Hinzukommen Ausgaben für Schulmaterial und Uniformen.

Nach abgeschlossener Grundschule kann man in bis zu 3-jährigen Kursen verschiedene handwerkliche und technische Kenntnisse erwerben. Berufsqualifizierende Abschlüsse können erst mit abgeschlossener Sekundarschule an berufsbildenden Instituten bzw. Universitäten erlangt werden. Die bisher wichtigste Einrichtung für Berufsbildung - das INFOP - soll jedoch geschlossen werden, um die Ausgaben im öffentlichen Sektor zu senken. 

Es gibt zwei staatliche Universitäten (UNAH, UPNFM). Die Nationale Autonome Universität von Honduras (UNAH) mit Hauptsitz in Tegucigalpa unterhält in den größeren Städten Studienzentren. Neben dem Direktstudium sind Fernstudiengänge unter Erwachsenen sehr beliebt.

Die bedeutendsten privaten Universitäten sind die Escuela Agrícola Panamericana (Zamorano), die technische Universität UNITEC und die katholische Universität (Universidad Católica).

Die durch verschiedene Gesetzesreformen auf den Weg gebrachte Privatisierung und Dezentralisierung der Bildung bringt immer wieder Proteste der Lehrer/-innengewerkschaften hervor. Die Forderungen der Lehrkräfte richten sich vor allem gegen die Privatisierung der Bildung, für die Einhaltungen des Lehrkräftestatuts und pünktlicher Zahlung von Löhnen. Seit mehreren Wochen gehen Lehrkräfte und Angestellte im Gesundheitssektor zusammen auf die Straße, um gegen die geplanten Gesetzesänderungen zu protestieren. Die Regierung will eine Neustrukturierung des Bildungs- und Gesundheitswesen, was Arbeitsrechte wesentlich verschlechtern würde. Hinter den angestrebten Reformen steht die Forderung des IWF nach Senkung der öffentlichen Ausgaben. Gegen die Gewerkschaften der Lehrer/-innen geht die Regierung repressiv vor.

Die wichtigsten Lehrer/-innengewerkschaften sind: COLPROSUMAH (Colegio profesional Superación Magisterial), COPEMH (Colegio de Profesores de Educación Media de Honduras) und COPRUMH (Colegio Profesional Union Magisterial de Honduras); diese sind im Dachverband FOMH zusammengeschlossen. 

Neben immer wiederkehrenden Protesten der Lehrenden, gingen im März 2015 auch Schüler/-innen auf die Straße. Ausgelöst wurden die Schüler/-innen-Proteste durch ein neues Gesetz, dass u.a. die Verlängerung der Unterrichtszeit und den Wegfall der Abendschulen vorsieht sowie durch das Programm Trabajo Educativo Social (TES), dass von Schüler/-innen kostenlose Alphabetisierungsarbeit verlangt, um den Mittleren Schulabschluss zu erreichen.

Die UNAH erlebt seit mehrern Jahren eine Krise, die aus den zunehmend autokratischen Strukturen in der Leitung und Verwaltung der Universität resultiert. Der Studierendenprotest hat sich formiert, um für mehr Partizipation und die Wahrung studentischer Rechte, sowie gegen die undemokratischen Immatrikulationspraktiken einzutreten. Die Unfähigkeit der Regierung, die Krise gewaltfrei zu lösen, ist Ausdruck der Demokratiedefizite; aber auch des fehlenden politischen Willens, Universitätsbildung demokratisch, inklusiv und für alle zugänglich zu gestalten. Die Studierendenbewegung MEU und die Aktivist/-innen der Proteste werden massiv eingeschüchtert und kriminalisiert.

Gesundheitsversorgung

Das staatliche Gesundheitssystem, verwaltet durch die Secretaría de Salud (Gesundheitsministerium), verfügt über 28 Krankenhäuser und einer Vielzahl von kleinen Gesundheitszentren. Es weist jedoch eine regionale Unterversorgung sowie fehlende Koordination zwischen den zuständigen Institutionen (Secretaría de Salud, Instituto Hondureño de Seguridad Social -IHSS, privater Sektor) auf. Der Fokus der Versorgung liegt auf der Behandlung und versieht die ebenso wichtige Gesundheitsvorbeugung mit gerade mal 5% des Etats. Ein weiteres Merkmal ist die soziale Exklusion weiter Bevölkerungsteile. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) erhält 30,1% der Bevölkerung keine ärztliche Versorgung und 83% ist nicht krankenversichert. Diese Exklusion trifft besonders ethnische Minderheiten und die ländliche Bevölkerung. Die staatlichen Ausgaben sind die niedrigsten im zentralamerikanischen Vergleich. 

Das IHSS (Honduranische Institut für Sozialversicherung) verfügt über weit weniger Infrastruktur als das Gesundheitsministerium, diese Einrichtungen sind jedoch nur für die in der sozialen Krankenversicherung versicherten Honduraner/-innen zugänglich.

Der seit mehreren Jahren anhaltende Skandal um die Korruption im IHSS (siehe Kapitel Korruption) hat zu einem neuen Gesetzesvorschlag der Regierung geführt, um das Gesundheitssystem zu retten. Dieser Vorschlag hat jedoch viele Schwachpunkte, wie beispielsweise den Ausschluss von Gesundheitsvorsorge. Das Gesundheitswesen steckt in einer tiefen Krise, die sich in den letzten Monaten durch die Umstrukturierungspläne der Regierung verschärften. Fehlendes Personal, Mangel an Medikamenten und schlechte Bedingungen und Ausstattungen der Krankenhäuser. Angestellte des Gesundheitssektors protestierten 2019 wochenlang gegen diese Pläne. Diese desolate Situation verschärft sich aktuell durch die Pandemie COVID-19 und die Verbreitung des Dengue-Fiebers, so dass etliche Krankhäuser dramatisch überfüllt sind und teilweise kollabieren. Zudem kommt ein akuter Personalmangel, der sich durch die Todesfälle durch COVID-19 unter Personal im Gesundheitssektor nochmals verschärft hat.

Neben den staatlichen Einrichtungen bietet der private Sektor eine Vielzahl von Krankenhäusern und ärztlichen Praxen, die jedoch nur von der gut zahlenden Bevölkerung in Anspruch genommen werden kann.

Die sozioökonomisch benachteiligten Gruppen haben allgemein einen schlechteren Zugang zu öffentlichen Diensten, wie Bildung, Wasser-, Energieversorgung und Gesundheit, als besser gestellte Bevölkerungsgruppen. Gerade in ländlichen Gegenden erreicht das staatliche Gesundheitssystem einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung nicht, vor allem mangels flächendeckender medizinischer Infrastruktur. Auf zehntausend Bewohner/-innen kommen 8,7 Ärzte. Die urbane arme Bevölkerung leidet dagegen unter der schlechten Qualität dieses Systems, in welchem es durch Finanzknappheit, Misswirtschaft und institutionellen Schwächen immer wieder zur medizinischen Unterversorgung kommt. Dies alles begünstigt eine allgemein kritische Gesundheitssituation weiter Teile der honduranischen Bevölkerung.

Jedes Jahr sterben zahlreiche Menschen an Dengue-Fieber. In diesem Jahr ist der Ausbruch der Krankheit weltweit besonders stark. Das Zika-Virus und Chikungunya sind ebenso verbreitet. AIDS wird seit Jahren als Problem wahrgenommen. Die Situation für alte Menschen ist besonders prekär, da gerade mal 1,5% der Bevölkerung im Rentenalter in den Genuss kommt eine Rente zu bekommen. Allgemeine Informationen zur Gesundheitssituation findet man auf der Seite der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation und bei der WHO. Auch Ernährung rückt immer mehr in den Fokus beim Thema Gesundheit. Während vor allem Kinder unter Unter- und Mangelernährung leiden, sind Erwachsene von Fehlernährung und Fettleibigkeit betroffen.

Die Corona-Pandemie zeigt deutlich, wie desolat das Gesundheitssystem ist. Zwar hat das Parlament beschlossen, 420 Mio. Dollar in die Krankenhäuser zu investieren, dies wird jedoch die Pandemie nicht abfedern können. Mehrere Krankenhäuser können dem Ansturm von Patient/-innen nicht mehr gerecht werden. Unzureichende bzw. keine angemessene Schutzausrüstung setzt das Gesundheitspersonal einem hohen Risiko aus. Die Zahl der an COVID-19 verstorbenen Ärzte und weiteres Gesundheitspersonal liegt im dreistelligen Bereich.

Kulturelle und ethnische Identitäten

Lenca-Keramik
Typische Lenca-Keramik. ©Amadeo Bonilla

Die indigenen Gemeinschaften stellen in Honduras etwa sieben bis zehn Prozent der Gesamtbevölkerung. Sie unterscheiden sich soziokulturell und sprachlich vom Rest der Gesellschaft. Etliche der indigenen Gruppen leben in infrastrukturell wenig erschlossenen Landesteilen (z.B. Regenwald-Region Mosquitia  oder Hochland im der Grenzregion zu Guatemala). Die Lenca  sind die größte indigene Bevölkerungsgruppe. Weitere Völker sind u.a. die Miskitos, Chortí, Pech oder Paya und Xicaque oder Tolupanes.

Ca. drei Prozent der Bevölkerung von Honduras ist schwarzer Hautfarbe. Etwa die Hälfte davon gehören zur Nation der Garífuna (Eigenbezeichnung: Garínagu). Die Garífuna-Gemeinden findet man entlang der Karibikküste sowie auf den Inseln Roatán, Utila und Guanaja. Die Garífuna sind eine transnationale Ethnie (Belize, Guatemala, Honduras, Nicaragua). Mittlerweile gibt es eine große Garífuna - Gemeinde in den USA, vor allem in New York und New Orleans. Die Geschichte der Garífuna  begann im 17. Jahrhundert mit dem Schiffbruch zweier Sklavenschiffe und der Flucht der darauf gefangenen Afrikaner/-innen auf die Karibikinsel St. Vincent. Sie vermischten sich mit den Arawak (indigene Bevölkerung der Insel), deren Nachfahren Ende des 18. Jahrhunderts von der dortigen englischen Kolonialmacht nach Roatán deportiert wurden. Von dort aus besiedelten die Garífuna die Karibikküste. Ihre Sprache, ebenfalls "garífuna" genannt, wurzelt hauptsächlich im karibisch-indigenen Arawak, hat aber auch Anteile aus verschiedenen afrikanischen und europäischen Sprachen. Wie andere indigene Gemeinschaften in Honduras verteidigen die Garífuna ihre wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Organisationsformen, die zunehmend durch Landgrabbing und andere Großprojekte gefährdet sind. Die wichtigste Garífuna-Organisation zur Interessenvertretung ist OFRANEH (Organización Fraternal Negra de Honduras). Die Koordinatorin von OFRANEH, Miriam Miranda, wurde in 2019 mit dem Menschenrechtspreis der Friedrich-Ebert-Stiftung geehrt. In ihrer Festrede wird die Lage der Indigenen in Honduras deutlich. Einen kurzen Einblick in die Arbeit der Preisträgerin gibt dieses Video.

Auch die (creol-)englischsprachigen Afro-Honduraner/-innen konzentrieren sich an der Karibikküste und v.a. auf den ihr vorgelagerten Inseln (dementsprechend ist ihre offizielle Bezeichnung "isleños" von span. "isla" = Insel). Dieser Teil der Bevölkerung unterscheidet sich, abgesehen von der Sprache (so gut wie alle isleños sprechen neben Englisch auch Spanisch), soziokulturell kaum von der ladinischen Mehrheit. Ebenso wie die spanischsprachigen Schwarzen, die sich v.a. (aber nicht nur) in den Großstädten des Landes angesiedelt und kulturell assimiliert haben, haben sie keine so ausgeprägte Identität wie die Garífuna. 

Die Konflikte, die sich aus dem Zusammentreffen traditioneller Formen der Vergesellschaftung mit dem bürgerlich-kapitalistischen Staatswesen Honduras' ergeben, haben zu einem gesteigerten Gruppenbewusstsein der indigenen Bevölkerung und insbesondere seit dem Beginn der 1990er Jahre zur Konstituierung zahlreicher Verbände geführt, die sich für indigene Rechte einsetzten.

Eine der größten indigenen Organisationen ist die Lenca-Organisation COPINH (Consejo Cívico de Organizaciones Populares e Indígenas de Honduras). Weitere Organisationen sind MILPAH, ONILH, MASTA, Fetrixy. Einen Überblick bekommt man hier

CONPAH (Confederación de Pueblos Autóctonos de Honduras) ist ein Zusammenschluss verschiedener indigener Verbände. Ein weiterer Zusammenschluss ist das Observatorio de Derechos humanos de los pueblos indígenas y negros de Honduras (ODHPINH).   

Die indigenen, afro-indigenen und Afro-Honduraner/-innen leiden an struktureller Diskriminierung auf verschiedenen Ebenen. Auch wenn der honduranische Staat zur Einhaltung der WSK (wirtschaftliche, soziale und kulturelle)-Rechte verpflichtet ist, so sind die meisten dieser Bevölkerungsgruppe gerade von der Verletzung dieser Grundrechte betroffen.

Ein Beispiel dafür ist die Nicht-Einhaltung des ILO-Abkommens 169. Der Staat schützt indigenes Land nicht, sondern gibt dieses den Unternehmerinteressen preis. Damit ist die Lebensgrundlage indigener Völker in Honduras bedroht.

Auf dem Atlas der Konzessionen der NGO FOSDEH ist deutlich, in welchem Maße indigene und afro-indigene Territorien durch wirtschaftliche Ausbeutung bedroht sind.

Musik, Kunst, Literatur, Film, Sport

Musikalisch ist Honduras vom Neben- und Miteinander der verschiedenen ethnisch-kulturellen Identitäten geprägt. Der im Radio, in Diskotheken usw. meistens zu hörende "Mainstream" beinhaltet v.a. die in Lateinamerika übliche Mischung aus spanisch- und englischsprachigem Pop und Rock und die jeweils dominierenden lateinamerikanischen Moderhythmen von Merengue über Salsa bis zu Reggetón und Bachata. Auf Dorffesten und anderen Feierlichkeiten im Hochland, ist besonders bei älteren Menschen die Musik von Marimba-Orchestern sehr beliebt.

Die bekannteste politische Liedermacherin in Honduras und Aktivistin der Widerstandsbewegung ist Karla Lara. Eine beliebte Band ist El Polache. Die Band Café Guancasco gründete sich 2008 und wurde vor allem nach dem Putsch in ganz Zentralamerika bekannt. Aurelio Martínez aus Plaplaya (Dpto. Gracias a Díos) erlangte nach seinem Album Laru Beya (2011) internationale Bekanntheit als Weltmusiker.

Literarisch kann Honduras, auch im Vergleich mit den anderen Ländern Zentralamerikas, nicht mit einer breiten Palette erfolgreicher Werke oder Autor(inn)en aufwarten. Die einzigen mehr oder weniger berühmt gewordenen honduranischen Schriftsteller waren Ramón Amaya Amador (1916-1966) und Froylán Turcios (1875-1943). Amaya Amadors erster und bekanntester Roman "Prisión Verde" (zuerst erschienen 1945; 1958 auf Deutsch als "Das grüne Gefängnis") schildert das Elend der Arbeiter/-innen auf den Bananenplantagen und beruht auf eigenen Erfahrungen des Autors. Eine der wichtigsten zeitgenössischen Autor/-innen ist Diana Vallejo. Viele kritische Künstlerinnen haben sich nach dem Putsch 2009 für eine Zeit in dem Kollektiv "Artistas en resistencia" (Künstlerinnen im Widerstand) zusammengeschlossen.

Honduranische Maler sind außerhalb des Landes kaum bekannt, abgesehen vielleicht von einigen Malern der "naiven" Kunst wie José Antonio Velásquez (1906-1983). Zu den in Honduras bekannten zeitgenössichen Malern gehört Javier Espinal. Der Cartoonist Allan McDonald ist vor allem für seine politischen Karrikaturen bekannt und wurde nach dem Putsch 2009 für kurze Zeit verhaftet.

Kinofilme werden in Honduras selten produziert und noch seltener international wahrgenommen. In den letzten 10 Jahren gab es jedoch mehrere Produktionen. Der Film "Amor y Frijoles" (2009) vermittelt ein sehr authentisches Bild vom Leben in einem honduranischen Dorf. Der realistische und sozialkritische Film "No amanece igual para todos" (2011) wurde aufgrund der kritischen Einstellung zum Putsch nicht in honduranischen kommerziellen Kinos gezeigt. Dem Film "Morazán" von Hispano Durán gelang es 2017 sogar in die Auswahl für die Oscar-Nominierungen zu kommen, kam aber nicht in die Endauswahl. Der Film zeigt die letzten 48 Stunden im Leben des honduranischen Nationalhelden.

Sportlich gesehen ist Honduras eine Fußballnation. 2014 nahm die Nationalmannschaft zum dritten Mal in der Geschichte (nach 1982 und 2010) an der Endrunde einer Weltmeisterschaft teil. Sie kam jedoch nie über die erste Gruppenphase hinaus. In den letzten Jahren nahmen die gewalttätigen Zusammenstöße in den Stadien zu. Ursachen dessen sind u.a. das allgemeine Klima der Gewalt, aber auch die fehlende Gewaltprävention und staatliche Sicherheitskräfte, die rigoros vorgehen.

Über die Nationalmannschaft der Frauen gibt der Film "Adelante muchachas" von Erika Harzer ein sehr eindrückliches Bild.

Religion

Kirche in Trujillo
Die katholische Kirche in Trujillo.
Marienstatue
Marienstatuen findet man über all.
Adventistentempel
Neben der katholischen Kirche sind evangelikale Tempel im Land präsent.

Die gesellschaftliche Stellung der katholischen Kirche ist herausragend. Angehörige der Mittel- und Oberschicht sind mehrheitlich Katholik/-innen. Einflussreiche Positionen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft werden ganz überwiegend aus diesen Schichten besetzt. Durch die enge personelle Verzahnung von Kirche und Staat nimmt der Klerus Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung. Der Einfluss der katholischen Kirche ist jedoch überproportional zu ihrer rein zahlenmäßigen Anhängerschaft. Nach einer aktuellen Umfrage des chilenischen Meinungsforschungsinstitutes Latinobarómetro ist die Anzahl der Katholik/-innen in den letzten 17 Jahren stark gesunken. Waren es 1997 noch 76%, sind es 2013 nur noch 47%. Hingegen ist die Zahl der Anhänger/-innen neu-protestantischer Kirchen (darunter zahlreiche finanzkräftige, ultra-konservative und fundamental-religiöse Sekten aus den USA) von 12% (1997) auf 41% (2013) gestiegen. Ausdruck der neuen Religiösität ist der in 2013 eröffnete Tempel der Mormonen in Tegucigalpa, der in Größe und Ausstatttung den katholischen Glaubensorten nicht nachsteht.

Der Einfluss der evangelikalen Kirchen und ihrer Vertreter/-innen nimmt stetig zu. Eine angestrebte Parteiengründung zeigt den Anspruch der Evangelikalen, auch in der Politik Einfluss nehmen zu wollen. In vielen Fragen des gesellschaftlichen Lebens stehen sich evangelikale und katholische Kirchen nahe.

Indigene Völker in Honduras praktizieren ihre eigenen Religionen oft parallel zum katholischen Glauben.

 

 

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im November 2020 aktualisiert.

Autorin

Rita Trautmann, Jahrgang 1970, Ethnologin und Mediatorin, ist seit 2008 Landestrainerin in der AIZ für Honduras. Sie war mehrere Jahre in Honduras tätig. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind: Erwachsenenbildung, politische Bildung, Erinnerungsarbeit und Menschenrechte.

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