Wichtiges Exportgut: Kaffee ©R.Trautmann
Geschätztes BIP (US-$)
21,1 Mrd. (2016)
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
2573 USD (2016)
Rang der menschl. Entwicklung (HDI)
130 von 188 (2015)
Anteil Armut
66% (2016)
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
50,6 (2010-2015)
Wirtschaftlicher Transformationsindex (BTI)
5,32 (Rang 76 von 128) (2016)

Wirtschaftssystem & seine Sektoren

Das Wirtschaftssystem von Honduras ist von der starken Monopolstellung der Oligarchie gekennzeichnet. Die wirtschaftliche Macht konzentriert sich in den Händen weniger Familienverbände, die eng mit den politischen Machthaber-/innen verknüpft sind. 

Die letzte und die aktuelle Regierung haben mit dem Mottto "Honduras is open for business" versucht, Honduras für ausländische Investitionen attraktiv zu machen. Im Weltbank-Ranking "Ease of Doing Business" ist Honduras in den letzten Jahren einige Plätze aufgerückt (im Jahr 2017 auf Platz 105 von 190 Ländern). Finanz- und wirtschaftspolitische Standards hält Honduras nur zum Teil ein. Auch wenn sich die makroökonomischen Zahlen verbessert haben, konnte die Zahl der Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben, nicht verringert werden. Honduras gehört zu den lateinamerikanischen Ländern mit den größten Ungleichheiten in der Verteilung von Ressourcen.

Ananaspflanze
Ölpalmen
Die Straßen der Nordküste sind gesäumt von Ananas- und Ölpalmenplantagen.
Bananenpflanzen
Bananen waren die ersten Pflanzen auf Großplantagen an der Nordküste, sie sind auch viel in Hausgärten zu finden.

Honduras' Wirtschaft ist von Agrarproduktion, Sonderwirtschaftszonen und zunehmender Ausbeutung natürlicher Rohstoffe geprägt. Im Agrarsektor exportiert das Land wenig verarbeitete Produkte und konkurriert im Inland mit importierten weiter verarbeiteten Produkten. Der Agrarsektor ist nach wie vor der Sektor mit der höchsten Beschäftigungszahl, wobei die Mehrheit der Kleinbauern und -bäuerinnen Subsistenzwirtschft betreiben.

Die traditionellen "cash crops" (v.a. Bananen und Kaffee ) sind nach der Maquila-Industrie die wichtigsten Stützen der honduranischen Wirtschaft. Weitere wichtige Exportprodukte sind Schalentiere (Krabben, Langusten), Holz und Palmöl (u.a. für die Herstellung von Biodiesel). Die steigende Nachfrage nach Palmöl hat in den Produzentenländern nicht nur verheerende ökologische Folgen, sondern führt auch zu einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und zu Menschenrechtsverletzungen in diesem Sektor.

In der weiterverarbeitenden Wirtschaft und den Produktionsketten liegt Potenzial. Der Klimawandel stellt eine große Gefahr für Honduras, v.a. für seine Landwirtschaft, dar. Starke Regenfälle und Dürreperioden zerstören immer wieder Ernten, wovon vor allem Kleinbäuer/-innen betroffen sind.  

Der Dienstleistungssektor ist in den letzten zwei Jahrzehnten stark gewachsen und erwirtschaftet den Großteil des BIP.

Die Forstwirtschaft (auch in Regenwaldgebieten, insbesondere aber der Export von Nadelhölzern des Hochlandes) stellt nach wie vor einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar, wobei der legale und v.a. der illegale Holzeinschlag zu einem der größten ökologischen Probleme des Landes geworden ist. Im Departement Olancho sind schon in den 1990ern Jahren starke zivilgesellschaftliche Protestbewegungen gegen die Abholzung entstanden. Das 2008 in Kraft getretenes neues Forstgesetz (Ley Forestal de Áreas Protegidas y de Vida Silvestre) hatte über acht Jahre bis zur Verabschiedung im Parlament gebraucht. Es sieht u.a. lange Haftstrafen für illegalen Holzeinschlag vor. Die ehemalige Forstbehörde AFE-COHDEFOR, die als Hort von Korruption und Raubbau galt, wurde durch ein neues Institut (Instituto Nacional de Conservación y Desarrollo Forestal, Áreas Protegidas y Vida Silvestre, ICF) ersetzt.

Hoffnung für die Wirtschaft des Landes liegt u.a. auf dem so genannten Lohnveredlungssektor (Maquila-Industrie): In den zoll- und so gut wie steuerbefreiten Sonderwirtschaftszonen, v.a. in und um San Pedro Sula und Choloma, lassen vorrangig asiatische und nordamerikanische Unternehmen zu Niedrigstlöhnen Textilien, Elektrogeräte und andere Konsumgüter v.a. für den US-Markt anfertigen. Einerseits schafft die Maquila-Industrie zwar dringend benötigte Arbeitsplätze (momentan ca. 100.000 Beschäftigte) vorrangig für junge Frauen, andererseits trägt dieser Industriezweig nicht zum Bruttoinlandsprodukt bei und ermöglicht nur sehr begrenzt wirtschaftliches Wachstum. Hinzu kommt, dass die Arbeitsbedingungen in den Maquilas menschenrechtsverletzend sind.

Honduras ist reich an Bodenschätzen. Bergbauprojekte werden von der Regierung vorangetrieben, meist jedoch in Form der Vergabe von Konzessionen an ausländische Unternehmen. Im Energiebereich hängt Honduras zum großen Teil von Importen fossiler Brennstoffe ab. Erneuerbare Energie werden ausgebaut und stellen derzeit einen Anteil von 44% des gesamten Energieverbrauches dar (vor allem durch Wasser-, Wind- und Solarenergie).

Auch der Tourismus wird von vielen Honduraner/-innen als Chance gesehen. Die Maya-Ruinen von Copán, die Strände der Karibik und das Taucherparadies der Bay-Islands aber auch die ethnisch-kulturelle Vielfalt ziehen von Jahr zu Jahr Reisende an. Kreuzfahrtschiffe legen regelmäßig vor allem auf Roatán an. Große Tourismusprojekte, wie der Ausbau der Bucht von Tela, sollen wirtschaftlichen Aufschwung bringen. Dabei sind jedoch ökologische und kulturelle Probleme vorprogrammiert. Der ländliche Raum birgt Potenzial für Agrotourismus.

Das westliche Hochland bietet Potenzial für Agrotourismus.
Urlaub auf Kaffeefincas wird von Kooperativen im westlichen Honduras angeboten.
Utila - Taucherparadies
Utila - Paradies für Taucher

Daten und Statistiken zur Wirtschaft

Die Weltbank hat wirtschaftliche Grunddaten im Länderprofil. CEPAL -  die Wirtschaftskommission für Lateinamerika der Vereinten Nationen gibt regelmäßig Berichte zur wirtschaftlichen Lage der einzelnen Länder heraus.

Auf der Seite der Zentralbank von Honduras (BCH) findet man eine Menge Statistiken, die allerdings nicht ganz aktuell sind.

Die Interamerikanische Entwicklungsbank (IDB) hat Statistiken, die auch Themen wie öffentliche Schulden und Steuereinnahmen umfassen.

Eine Analyse der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation findet man bei der Zentralamerikanischen Bank für wirtschaftliche Integration (BCIE).

Das Auswärtige Amt gibt einen allgmeinen Überblick zu Honduras und geht auf die Beziehungen zu Deutschland ein. 

Wirtschaftspolitik

Die Wirtschaftspolitik in Honduras zielt auf eine neoliberale Marktwirtschaft ab, die von Freihandel, Investitionserleichterungen und Konzessionsvergabe an ausländische Investoren geprägt ist. Der von der Lobo-Regierung vorgelegte Plan für Honduras (Vision de País 2010-2038) zielte vorrangig auf Wirtschaftsförderung, um Armut durch den Trickle-down-Effekt zu reduzieren. Der Plan untermauerte jedoch die bestehende Wirtschaftsstruktur des Landes und stärkte die Position der Oligarchie und der tatsächlichen Machtgruppen. Die neue Initative der aktuellen Regierung zur Schaffung von Arbeitsplätzen - "Programa 20/20" - schließt nicht an den Plan der Vorgängerregierung an, sondern zielt auf schnelle Maßnahmen vor allem in den Bereichen Textil, Tourismus, Teilfertigungsindustrie (maquilas) sowie im unternehmerischen Dienstleistungssektor ab. Die Probleme des Sektors Land- Forstwirtschaft (wie Landverteilung, Ressourcenschutz) sowie die prekären Arbeitsbedingungen in vielen Bereichen sind nicht in dieser Initiative enthalten, ebenso wenig wie Klein- und Kleinstbetriebe nicht berücksichtigt werden. "Programa 20/20" hat eine ähnliche Strategie wie in der Geschichte von Honduras bereits aufgelegte Programme, die jedoch ohne den gewünschten Effekt der Armutsreduzierung ausgegangen sind.

Seit dem Putsch 2009 wurden etliche unternehmerfreundliche Gesetze und Gesetzesänderungen (u.a. im Energie-, Wasser-, Kommunikationssektor, Flexibilisierung von Arbeitszeit, Investitionsschutz, Privatisierung öffentlicher Güter) verabschiedet, besonders im letzten Monat von Lobos Amtszeit, da die PN unter Hernández keine Mehrheit im Parlament hat. Zu diesen neuen bzw. reformierten Gesetzen zählt das Steuerpaket (paquetazo fiscal). Dieses soll helfen, Honduras aus der Wirtschaftskrise und der hohen Verschuldung zu führen. Das Gesetz wird stark kritisiert, da Kosten der Krise u.a. durch Steuererhöhung auf die Bevölkerung abgewälzt werden. 

Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist einer der Schwerpunkte der aktuellen Regierung. Mit seinem Programm "Con Chamba Vivís Mejor" ("mit einem Job lebst du besser") sollen ca. 100.000 Arbeitsplätze, vor allem für junge Menschen geschaffen werden. Inwieweit mit diesem Programm tatsächlich langfristig Arbeitsplätze entstehen oder temporär die Unternehmerschaft durch Lohnkostenzuschüsse durch den Staat begünstigt wird, bleibt abzuwarten.

Die Europäische Union finanziert in Honduras mehrere Programme, unter anderem Eurolabor zur Schaffung von Arbeitsplätzen (10 Mio. EUR) sowie ein Programm zur Verbesserung der Ernährungssicherheit (30 Mio. EUR).

Juan Orlando Hernández führt den Kurs seines Vorgängers weiter und setzt die Bemühungen zur Schaffung von Wirtschaftszonen ähnlich der Charter-Cities (Ciudades Modelo) fort. Im September 2012 wurde ein Vertrag zum Bau einer solchen umstrittenen Charter-City von Abgeordneten und internationalen Investoren unterzeichnet. Gegen die dazu notwendige Verfassungsreform wurden Klagen eingereicht und der Oberste Gerichtshof entschied sich mehrheitlich gegen das Dekret, was die Artikel 304 und 329 geändert hätte. Nach der Absetzung einiger Richter des Obersten Gerichtshofes wurde im Januar 2013 vom Parlament beschlossen,  die Artikel 294, 303 und 329 der Verfassung zu ändern, um den Weg für Modellstädte zu ebenen. Mit diesen Änderungen können die sogenannten Sonderentwicklungszonen (RED) überall im Land mit eigener Rechtsform gebildet werden.

Im Juni 2013 wurde ein Gesetz erlassen, dass die Schaffung von Charter Cities und von sogenannten ZEDEs (Zonas de Empleo y Desarrollo Económico) erlaubt. Studien zum Bau von ZEDEs im Süden von Honduras wurden gemacht. Die honduranische Regierung ist mit den Nachbarländern El Salvador und Nicaragua für eine mögliche ZEDE im Golf von Fonseca im Gespräch. Potenzielle Regionen sieht die honduranische Regierung in verschiedenen Landesteilen (Karte). Die Regierung erhofft sich einen wirtschaftlichen Aufschwung von den ZEDEs; aber wie so oft in der honduranischen Politik, wird nicht an die in den Regionen lebende Bevölkerung gedacht. Das Projekt steht unter Kritik auch im Ausland und Hernández muss auf Werbetour gehen.

Der neoliberale Kurs der Regierung zeigt sich im Bergbau- und Energiesektor. Großprojekte wie Windparks und Staudämme werden gefördert und mit Konzessionen für Flüsse und Minen werden Investoren angelockt.

Honduras nimmt am "Proyecto de Integración y Desarrollo de Mesoamérica" (kurz "Proyecto Mesoamérica") teil. Sowohl das Vorgängerprojekt, der "Plan Puebla Panamá", wie das aktuelle Projekt  sind wegen einer zu starken Ausrichtung auf teilweise umweltschädliche und sozial unausgewogene Großprojekte und mangelnder Partizipationsmöglichkeiten der Bevölkerung kritisiert worden.

Für die Arbeitsplatzschaffung vor allem der ärmeren Bevölkerungsschicht liegt ein Entwicklungspotenzial in der Förderung von Kleinst-, Klein- und mittleren Unternehmen. Honduras als Agrarstaat kann im landwirtschaftlichen Bereich ein hohes Potenzial entfalten, dazu müsste einerseits die Landwirtschaft modernisiert werden, anderseits müssen die Landrechte, vor allem auch für Frauen, geklärt werden und Landlosen Zugang zu Land verschafft werden. Im informellen Sektor sind viele Menschen ohne Ausbildung prekär beschäftigt.

Bananenhändler
Ambulante Händler /-innen gehören zum großen Bereich des informellen Wirtschaftssektors

Von den den wirtschaftlichen Rückschlägen (Finanzkrise, Staatsstreich) konnte sich die makroökonomische Lage erholen. Das Wirtschaftswachstum betrug in 2016 ca. 3,6%. 

Die honduranische Wirtschaft ist aufgrund der hohen Abhängigkeit vom Export sehr krisenanfällig. Preisschwankungen auf dem Weltmarkt bei den wichtigen Exportgütern, wie Kaffee, schlagen sich unmittelbar nieder und haben besonders für sozial prekäre Schichten in den entsprechenden Wirtschaftssektoren fatale Folgen.  

Gemeinsam mit seinen Nachbarn Guatemala und El Salvador hat Honduras einen regionalen Entwicklungsplan (Plan de la Alianza para la Prosperidad del Triángulo Norte) vorgelegt, in dem die 3 Länder die Themen Sicherheit, Regierbarkeit und Wirtschaftswachstum gemeinsam angehen möchten. Die USA wird den Plan teilweise finanziell unterstützen. Der soziale Sektor ist nicht im Plan berücksichtigt. Kritik seitens der Zivilgesellschaft bezieht sich vor allem darauf, dass der Plan ausländische Investitionen fördert, die derzeitigen Regierungen nicht zur Rechenschaft zieht und die auf Militarisierung setzende Sicherheitspolitk unterstützt.

Handel und Handelsabkommen

Geldtransferinstitute findet man auch in ländlichen Gebieten
Geldtransferinstitute sind überall im Land, vor allem auch in ländlichen Gebieten, denn von dort kommen die meisten Migrant/-innen

Die USA sind der wichtigste wirtschaftliche Bezugspunkt für Honduras. Nach den Daten des World Factbook der CIA werden mehr als 54% der Exporte und 48% der Importe mit den USA abgewickelt. In einem Freihandelsvertrag haben alle fünf zentralamerikanischen Länder gemeinsam mit der Dominikanischen Republik den Freihandelsvertrag CAFTA-DR (Central America-Dominican Republic-United States Free Trade Agreement) mit den USA geschlossen. Das Abkommen ist seit dem 1. April 2006 in Kraft. Bislang wird die Wirkung des Freihandelsabkommens mit Blick auf das Beschäftigungswachstum und die Armutsreduzierung vorsichtig positiv eingeschätzt. Generell haben die Freihandelsabkommen in Honduras eher negative Auswirkungen

Die 6 zentralamerikanischen Länder Honduras, Guatemala, El Salvador, Nicaragua, Costa Rica und Panama, repräsentiert durch die Organisation zentralamerikanischer Staaten (SICA), haben im Juni 2012 das Assoziierungsabkommen mit der EU unterzeichnet. Das Abkommen ist ein Freihandelsabkommen, aus dem sich eine Reihe von Riskien, Chancen und Herausforderungen für die Region ergeben. Das Abkommen besteht aus 3 Säulen: Politischer Dialog, Zusammenarbeit und Handel. Das Assoziierungsabkommen wurde im Dezember 2012 vom Europäischen Parlament ratifiziert. Gegen das Assoziierungsabkommen gab und gibt es Proteste der Zivilgesellschaft. Die Kritik am Abkommen resultiert daraus, dass das Nord-Süd-Gefälle im Handel untermauert wird und im Fall von Menschenrechtsverletzungen keine Sanktionen vorgesehen sind. Einen guten Überblick über das Abkommen gibt ein Dokument von CIFCA und actalliance.

Honduras hat mit Kanada, einem Handelspartner, der in den letzten 5 Jahren enorm an Bedeutung gewonnen hat, 2013 ein Freihandelsabkommen unterschrieben, das seit Oktober 2014 in Kraft ist.  Neben den bereits genannten wichtigen Handelspartnern, mit denen Honduras Freihandelsabkommen geschlossen hat, wurden eine Reihe anderer Freihandelsabkommen unterzeichet wie mit Mexiko, Kolumbien, Taiwan und Panama. Ein Abkommen mit Südkorea ist im Gespräch. 

Die aktuelle Regierung von Honduras schaut sich auch nach neuen Handelspartnern um, wie Russland oder Brasilien und möchte der Pazifik-Allianz beitreten. 

Große Infrastrukturprojekte sollen den zentralamerikanischen Handel befördern. Durch die geografische Lage von Honduras wird dies begünstigt. Honduras verfügt über den größten Atlantikhafen Zentralamerikas (Puerto Cortés) und über einen Pazifikhafen. Um die Verbindung zwischen beiden Meeren zu verbessern, baut Honduras mit dem Projekt "Canal seco" den Landweg aus, der 2016 in Betrieb gehen soll. 

Die seit Jahren größte Devisenquelle des Landes stellen die Geldüberweisungen der in die USA (oder seltener nach Kanada oder Europa) ausgewanderten Honduraner/-innen an ihre in Honduras verbliebenen Familien dar. Die Rücküberweisungen stellen knapp 20% des BIP dar. Die wirtschaftliche oder soziale Entwicklung des Landes befördert dieser Mittelzufluss allerdings nur sehr beschränkt, da er vorwiegend für Lebenshaltungskosten ausgegeben wird und nur selten zu Zwecken wie Unternehmensgründung oder Bildung verwendet wird.

Ungleicher Handel: Lokaler Mais und subventionierter Importmais
Freihandel: Lokaler Mais kann nicht mit subventioniertem Importmais mithalten.

SDG und Armutsreduzierung

Honduras hat sich verpflichtet die 2015 von der UN verabschiedete Agenda 2030 und die Sustainable Development Goals (SDG) umzusetzen. Die Monitoring-Mechanismen sehen eine freiwillige nationale Überprüfung (Voluntary National Reviews) vor, zu der sich Honduras 2017 bereit erklärt hat. Das Centro de Estudio de la Mujer (CEM-H) hat eine interessante Analyse zur Erreichung von SDG Nr. 5 (gender equity) erstellt.

Honduras gehört zu den 32 hochverschuldeten armen Ländern (Highly Indebted Poor Country) die an der von Weltbank und IWF initiierten HIPC-Initiative zur Schuldenerleichterung teilgenommen haben. Honduras wurden dadurch Schulden in Höhe von 3,7 Mrd. US-Dollar erlassen und das Land hat sich für die von mehreren Geberinstitutionen eingeführten Multilatral Debt Relief Initiative (MDRI) qualifiziert, die dazu beitragen sollte, die MDGs zu erreichen. Diese hat Honduras jedoch nicht erreicht. Detaillierte Informationen zu einigen Zielen erhält man von der Pan American Health Organziation (PAHO).

Nationale Bemühungen der Armutsreduzierung unter Lobo waren das assistenzialistische Sozialhilfeprogramm "Bono 10mil", bei dem u.a. arme Familien Barmittel bekamen. Das von Hernández eingeführte Sozialhilfeprogramm "Vida Mejor" ist eine Fortführung von "Bono 10mil". Langfristig trägt diese Politik nicht zur Armutsreduzierung bei. 

Internationale Entwicklungszusammenarbeit

Honduras ist in hohem Maße von der internationalen Entwicklungszusammenarbeit abhängig.

Nach Hurrikan "Mitch" haben sich die wichtigsten Geberländer und -institutionen in der sog. GSDE (Grupo de Seguimiento a la Declaración de Estocolmo; auch als "G-16" benannt wegen ihrer 16 Mitglieder) zusammengeschlossen, um ihre Aktivitäten für Wiederaufbau und Transformation zu koordinieren.

Die Gruppe ist die zentrale Instanz der Geberkoordination. Mitglieder sind: Deutschland, Kanada, die USA, Japan, Schweden (das seine staatliche Entwicklungszusammenarbeit mit Honduras 2011 beendet hat), die Niederlande, Spanien, Italien, die Schweiz, Frankreich, die EU, der IWF, die Weltbank, die BID (Banco Interamericano de Desarrollo), die BCIE (Banco Centroamericano de Integración Económica; mit Sitz in Tegucigalpa) und UNDP. Verschiedene UN Institutionen haben sich für das Programm MANUD zusammengeschlossen, welches in diesem Jahr abgeschlossen wird. Die honduranische Regierung hat im Dezember 2014 ein neues Stand-By-Abkommen über 113,2 Mio. USD mit dem IWF unterzeichnet sowie eine Zusage des IWF über 75,4 Mio. USD als Stand-By Credit Facility erhalten. Der IWF zieht eine positive Bilanz der wirtschaftlichen Entwicklung in Honduras.

Die EU ist der größte bilaterale Geber für Zentralamerika. Seit Mai 2014 ist das Abkommen über politischen Dialog und Zusammenarbeit (PDCA) zwischen der EU und 6 Staaten Zentralamerikas (Guatemla, El Salvador, Honduras, Nicaragua, Costa Rica, Panama) in Kraft. Für den Zeitraum 2014-2020 will die EU die bilaterale Kooperation mit Honduras ausbauen. Thematische Schwerpunkte sind u.a. Armutsbekämpfung, Sicherheit, Jugend und Klimawandel. Mit dem Programm Eurojusticia will die EU in den kommenden 5 Jahren die Reform des Justizsystems und des Sicherheitssektors unterstützen.

Weitere wichtige Geber in Honduras sind das Welternährungsprogramm und UNFPA. Die FAO unterstützt Honduras im Kampf gegen Desertifikation und Dürren.

Honduras zählt zu den Ländern, die von den USA im Rahmen des Millennium Challenge Accounts (MCA) unterstützt werden, allerdings fließen auch in diesem Jahr keine Mittel, da sich Honduras aufgrund von Defiziten in verschiedenen Sektoren (Justiz, Korruption u.a.) disqualifiziert hat. Honduras wird von den USA finanziell nicht nur im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit, sondern auch in anderen Bereichen unterstützt. Militarhilfe ist hierbei einer der wichtigsten Bereiche. In diesem Jahr hat der US-Senat enorme Kürzungen für die Unterstützung der Länder des nördlichen Dreiecks vorgenommen, was sich auf die Entwicklungszusammenarbeit und andere Bereiche auswirkt.

Deutsche Entwicklungszusammenarbeit

Deutschland gehört in Honduras zu den wichtigsten bilateralen Gebern. Honduras ist ein Schwerpunktland der deutschen staatlichen Entwicklungszusammenarbeit , thematisch konzentriert sie sich auf die Bereiche Bildung und Umwelt- und Ressourcenschutz. Weitere Bereiche, in denen Honduras im Rahmen regionaler Vorhaben unterstützt wird, sind nach­hal­tige Wirt­schafts­ent­wick­lung, er­neu­er­bare Energien/Energie­effizienz, Jugend­gewalt­prävention und HIV/AIDS-Prävention. Die deutsche Regierung hat 2014 einen Betrag von 23 Mio. Euro für finanzielle und 8 Mio. Euro für technische Zusammenarbeit zugesagt. 

Die wichtigsten in Honduras vertretenen deutschen EZ-Institutionen sind GIZ KfW, FES, CIM und FNSt. Das Büro der KAS in Guatemala führt auch in Honduras Veranstaltungen durch.

Die deutsche Botschaft in Tegucigalpa hat eine Aufstellung der in Honduras tätigen Institutionen.

Außer der bilateralen Zusammenarbeit leistet Deutschland auch im Rahmen der multilateralen Kooperationen einen Beitrag (Weltbank, Interamerikanische Entwicklungsbank, EU).

Das Länderinformationsportal

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Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Mai 2017 aktualisiert.

Autorin

Rita Trautmann, Jahrgang 1970, Ethnologin und Mediatorin, ist seit 2008 Landestrainerin in der AIZ für Honduras. Sie war mehrere Jahre in Honduras tätig. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind:  Erwachsenenbildung, Globales Lernen, Organisationsentwicklung und Projektmanagement.

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