Wichtiges Exportgut: Kaffee ©R.Trautmann
Geschätztes BIP (US-$)
24,9 Mrd. (2019)
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
2204 USD (2019)
Rang der menschl. Entwicklung (HDI)
132 von 189 (2019)
Anteil Armut
64% (2018)
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
50 (2016)
Wirtschaftlicher Transformationsindex (BTI)
5,21 (Rang 77 von 136, 2020)

Wirtschaftssystem & seine Sektoren

Das Wirtschaftssystem von Honduras ist von der starken Monopolstellung der Oligarchie gekennzeichnet. Die wirtschaftliche Macht konzentriert sich in den Händen weniger Familienverbände und deren Unternehmergruppen, die eng mit den politischen Machthaber-/innen verknüpft sind. Eine Studie der Heinrich-Böll-Stiftung gibt einen Überblick über solche Machtnetzwerke am Beispiel des Energiesektors. Die nach dem Wirtschaftsmagazin Forbes fünf reichsten Personen vereinen ein Vermögen, dass den Staatshaushalt der aktuellen Regierung übersteigt. 

Die letzte und die aktuelle Regierung haben mit dem Motto "Honduras is open for business" versucht, Honduras für ausländische Investitionen attraktiv zu machen. Im Weltbank-Ranking "Ease of Doing Business" ist Honduras von 2017 Platz 105 auf Platz 133 (von 190 Ländern) für 2020 abgerutscht, wie es auch beim Index für globale Wettbewerbsfähigkeit des World Economic Forum um einige Plätze zurückgefallen (von Platz 88 in 2016 auf Platz 101 in 2019 von 141 Ländern) ist. Finanz- und wirtschaftspolitische Standards hält Honduras nur zum Teil ein. Auch wenn sich die makroökonomischen Zahlen verbessert haben, konnte die Zahl der Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben, nicht verringert werden. Honduras gehört zu den lateinamerikanischen Ländern mit den größten Ungleichheiten in der Verteilung von Ressourcen.

Ananaspflanze
Ölpalmen
Die Straßen der Nordküste sind gesäumt von Ananas- und Ölpalmenplantagen.
Bananenpflanzen
Bananen waren die ersten Pflanzen auf Großplantagen an der Nordküste, sie sind auch viel in Hausgärten zu finden.

Honduras' Wirtschaft ist von Agrarproduktion, Sonderwirtschaftszonen und zunehmender Ausbeutung natürlicher Rohstoffe geprägt. Im Agrarsektor exportiert das Land wenig verarbeitete Produkte und konkurriert im Inland mit importierten weiter verarbeiteten Produkten. Der Agrarsektor ist nach wie vor der Sektor mit der höchsten Beschäftigungszahl, wobei die Mehrheit der Kleinbauern und -bäuerinnen Subsistenzwirtschaft betreiben.

Die traditionellen "cash crops" (v.a. Bananen und Kaffee ) sind nach der Maquila-Industrie die wichtigsten Stützen der honduranischen Wirtschaft. Weitere wichtige Exportprodukte sind Schalentiere (Krabben, Langusten), Holz und Palmöl (u.a. für die Herstellung von Biodiesel). Die steigende Nachfrage nach Palmöl hat in den Produzentenländern nicht nur verheerende ökologische Folgen, sondern führt auch zu einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und zu Menschenrechtsverletzungen in diesem Sektor.

In der weiterverarbeitenden Wirtschaft und den Produktionsketten liegt Potenzial. Der Klimawandel stellt eine große Gefahr für Honduras, v.a. für seine Landwirtschaft, dar. Starke Regenfälle und Dürreperioden zerstören immer wieder Ernten, wovon vor allem Kleinbäuer/-innen betroffen sind.  

Der Dienstleistungssektor ist in den letzten zwei Jahrzehnten stark gewachsen und erwirtschaftet den Großteil des BIP.

Das Wirtschaftswachstum liegt derzeit bei 3,5%. Die Staatsverschuldung (extern und intern) ist in 2019 weiterhin gewachsen und beträgt 45,9% des BIP. Durch die COVID-19-Krise wird das BIP beträchtlich zurückgehen, betroffen sind vor allem die kleinen und mittleren Betriebe. Das Zentralamerikanische Institut zu Steuerpolitik (Icefi) befürchtet, dass die Auslandsverschuldung auf mehr als 60% des BIP aufgrund der aktuellen Krise in 2020 ansteigen wird.

Die Forstwirtschaft (auch in Regenwaldgebieten, insbesondere aber der Export von Nadelhölzern des Hochlandes) stellt nach wie vor einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar.

Doch der Wald ist stark bedroht durch:

Die für den Wald zuständigen staatlichen Stellen sind von Misswirtschaft und Korruption geprägt. So hat das 2008 in Kraft getretenes Forstgesetz (Ley Forestal de Áreas Protegidas y de Vida Silvestre) über acht Jahre bis zur Verabschiedung im Parlament gebraucht. Es sieht u.a. lange Haftstrafen für illegalen Holzschlag vor. Die staatliche Forstbehörde ist das Instituto Nacional de Conservación y Desarrollo Forestal, Áreas Protegidas y Vida Silvestre, (ICF) und sollte die Korruption ihrer Vorgänger Institution AFE-COHDEFOR beenden, was nicht gelang.

Die Regierung von Honduras und die Europäische Union haben die Verhandlungen über eine Unterstützung in der Forstwirtschaft im Rahmen des Freiwilligen Abkommens zum Forest Law Enforcement Governance and Trade (VPA FLEGT) abgeschlossen. Mit diesem Abkommen soll illegaler Holzhandel in die EU verhindert werden. Zivilgesellschaftliche Organisationen befürchten eher eine Zunahme der Abholzung, da für den Export in die EU Holz mit der FLEGT-Lizenz neue Waldkonzessionen vergeben werden. 

Hoffnung für die Wirtschaft des Landes liegt u.a. auf dem so genannten Lohnveredelungssektor (Maquila-Industrie): In den zoll- und so gut wie steuerbefreiten Sonderwirtschaftszonen, v.a. in und um San Pedro Sula und Choloma, lassen vorrangig asiatische und nordamerikanische Unternehmen zu Niedrigstlöhnen Textilien, Elektrogeräte und andere Konsumgüter v.a. für den US-Markt anfertigen. Einerseits schafft die Maquila-Industrie zwar dringend benötigte Arbeitsplätze (momentan ca. 100.000 Beschäftigte) vorrangig für junge Frauen, andererseits trägt dieser Industriezweig nicht zum Bruttoinlandsprodukt bei und ermöglicht nur sehr begrenzt wirtschaftliches Wachstum. Hinzu kommt, dass die Arbeitsbedingungen in den Maquilas menschenrechtsverletzend sind. In der Pandemiekrise sind Angestellte im Maquila-Sektor besonders betroffen. Es kam zu Entlassungen und zum Aussetzen von Gehaltszahlungen. Angestellte konnten aufgrund des Lock downs nicht juristisch gegen diese Gesetzeswidrigkeiten vorgehen.

Honduras ist reich an Bodenschätzen. Von Bedeutung sind vor allem Gold und Silber, aber auch Bauxit, Eisenerze und Zink. Bergbauprojekte werden von der Regierung vorangetrieben und der Sektor gewinnt zunehmend an Bedeutung. Bisher sind knapp 300 Konzessionen für Abbaurechte vergeben. Neben den Großprojekten gibt es in vielen Gebieten auch Kleinstbergbau.

Im Energiebereich hängt Honduras zum großen Teil von Importen fossiler Brennstoffe ab. Erneuerbare Energie werden ausgebaut und stellen derzeit einen Anteil von 44% des gesamten Energieverbrauches dar (vor allem durch Wasser-, Wind- und Solarenergie). Bergbau und Energiesektor sind eng miteinander verflochten, da durch den Bergbau der Energiebedarf im Land enorm steigt.

Auch der Tourismus wird von vielen Honduraner/-innen als Chance gesehen. Die Maya-Ruinen von Copán, die Strände der Karibik und das Taucherparadies der Bay-Islands aber auch die ethnisch-kulturelle Vielfalt ziehen von Jahr zu Jahr Reisende an. Kreuzfahrtschiffe legen regelmäßig vor allem auf Roatán an. Große Tourismusprojekte, wie der Ausbau der Bucht von Tela, sollen wirtschaftlichen Aufschwung bringen. Dabei sind jedoch ökologische und kulturelle Probleme vorprogrammiert. Der ländliche Raum birgt Potenzial für Agrotourismus.

Das westliche Hochland bietet Potenzial für Agrotourismus.
Urlaub auf Kaffeefincas wird von Kooperativen im westlichen Honduras angeboten.
Utila - Taucherparadies
Utila - Paradies für Taucher

Daten und Statistiken zur Wirtschaft

Die Weltbank hat wirtschaftliche Grunddaten im Länderprofil. CEPAL -  die Wirtschaftskommission für Lateinamerika der Vereinten Nationen gibt regelmäßig Berichte zur wirtschaftlichen Lage der einzelnen Länder heraus.

Auf der Seite der Zentralbank von Honduras (BCH) findet man eine Menge Statistiken, die allerdings nicht ganz aktuell sind.

Die Interamerikanische Entwicklungsbank (IDB) hat Statistiken, die auch Themen wie öffentliche Schulden und Steuereinnahmen umfassen.

Eine Analyse der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation findet man bei der Zentralamerikanischen Bank für wirtschaftliche Integration (BCIE).

Das Auswärtige Amt geht auf die Beziehungen zu Deutschland ein. Auf der Seite der German Trade & Invest findet man Wirtschaftsdaten, die immer im Mai und November aktualisiert werden. 

Wirtschaftspolitik

Bananenhändler
Ambulante Händler /-innen gehören zum großen Bereich des informellen Wirtschaftssektors

Die Wirtschaftspolitik in Honduras zielt auf eine neoliberale Marktwirtschaft ab, die von Freihandel, Investitionserleichterungen und Konzessionsvergabe geprägt ist. Die Initative der aktuellen Regierung zur Schaffung von Arbeitsplätzen - "Programa 20/20" - schließt nicht an den Plan der Vorgängerregierung an, sondern zielt auf schnelle Maßnahmen vor allem in den Bereichen Textil, Tourismus, Teilfertigungsindustrie (maquilas) sowie im unternehmerischen Dienstleistungssektor ab. Nötige Reformen der Wirtschaft fehlen; stattdessen untermauert die Wirtschaftspolitik von Hernández die bestehende Wirtschaftsstruktur des Landes und stärkt die Position der Oligarchie und der tatsächlichen Machtgruppen. Hernández setzt noch mehr auf ausländische Investitionen als seine Vorgänger.

Die Probleme des Sektors Land- Forstwirtschaft (wie Landverteilung, Ressourcenschutz) sowie die prekären Arbeitsbedingungen in vielen Bereichen sind nicht in dieser Initiative enthalten, ebenso wenig wie Klein- und Kleinstbetriebe nicht berücksichtigt werden. "Programa 20/20" hat eine ähnliche Strategie wie in der Geschichte von Honduras bereits aufgelegte Programme, die jedoch ohne den gewünschten Effekt der Armutsreduzierung ausgegangen sind.

Seit dem Putsch 2009 wurden etliche unternehmerfreundliche Gesetze und Gesetzesänderungen (u.a. im Energie-, Wasser-, Kommunikationssektor, Flexibilisierung von Arbeitszeit, Investitionsschutz, Privatisierung öffentlicher Güter) verabschiedet, besonders im letzten Monat von Lobos Amtszeit, da die PN unter Hernández keine Mehrheit im Parlament hat. Zu diesen neuen bzw. reformierten Gesetzen zählt das Steuerpaket (paquetazo fiscal). Dieses soll helfen, Honduras aus der Wirtschaftskrise und der hohen Verschuldung zu führen. Die Steuerpolitik generell wird stark kritisiert, da Kosten der Krise u.a. durch Steuererhöhung auf die Bevölkerung abgewälzt werden. 

Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist einer der Schwerpunkte der aktuellen Regierung. Mit seinem Programm "Con Chamba Vivís Mejor" ("mit einem Job lebst du besser") sollen ca. 100.000 Arbeitsplätze, vor allem für junge Menschen geschaffen werden. Bisher setzt die Regierung auf die Regierung auf Arbeitsplätze im Billiglohnsektor. In einem Bericht der IG Bau gehört Honduras zu den 10 Ländern weltweit mit den schlimmsten Arbeitsbedingungen.

Die Europäische Union finanziert in Honduras mehrere Programme, unter anderem Eurolabor zur Schaffung von Arbeitsplätzen (10 Mio. EUR) sowie ein Programm zur Verbesserung der Ernährungssicherheit (30 Mio. EUR).

Juan Orlando Hernández setzt die Bemühungen zur Schaffung von Wirtschaftszonen ähnlich der Charter-Cities (Ciudades Modelo) fort. Im September 2012 wurde ein Vertrag zum Bau einer solchen umstrittenen Charter-City von Abgeordneten und internationalen Investoren unterzeichnet. Gegen die dazu notwendige Verfassungsreform wurden Klagen eingereicht und der Oberste Gerichtshof entschied sich mehrheitlich gegen das Dekret, was die Artikel 304 und 329 geändert hätte. Nach der Absetzung einiger Richter des Obersten Gerichtshofes wurde im Januar 2013 vom Parlament beschlossen, die Artikel 294, 303 und 329 der Verfassung zu ändern, um den Weg für Modellstädte zu ebenen. Im Juni 2013 wurde ein Gesetz erlassen, dass die Schaffung von sogenannten ZEDEs (Zonas de Empleo y Desarrollo Económico) überall im Land mit eigener Rechtsform erlaubt. Es gibt erhebliche juristische Bedenken gegen dieses Gesetz.

Die Regierung erhofft sich einen wirtschaftlichen Aufschwung von den ZEDEs; aber wie so oft in der honduranischen Politik, wird nicht an die in den Regionen lebende Bevölkerung gedacht. Die erste ZEDE wird auf der Insel Roatán entstehen.

Schild mit der Ankündigung eines Infrastrukturprojektes.
Das Straßennetz wird landesweit vor allem aber in Richtung der großen Häfen ausgebaut.

Der wirtschaftspolitische Kurs der Regierung zeigt sich in Großprojekten in diversen Wirtschaftssektoren wie im Bergbau- und Energiesektor, Tourismus und Infrastruktur. Erneuerbare Energien werden durch Windparks und Staudämme gefördert und mit Konzessionen für Flüsse und Minen werden Investoren angelockt. Infrastrukturprojekte sollen den Export von Wirtschaftsgütern erleichtern.

Ein wichtiges Instrument in der Wirtschaftspolitik der Regierung ist die Public Private Partnership. In Honduras war Coalianza die staatliche Agentur, die den Bereich betreute. Die Arbeit von Coalianza war sehr umstritten, weil sie zu weiteren Privatisierungen staatlicher Unternehmen führte. Coalianza wurde mittlerweile abgewickelt und wird durch eine neue Institution ersetz. An der Politik der Privatisierung wird dies jedoch nichts ändern. Diese Politik steht eng im Zusammenhang mit den Forderungen des IWF. Neben der Teilprivatisierung der staatlichen Energiebehörde, befürchten zivilgesellschaftliche Organisationen, auch die Privatisierung der Telekommunikationsbehörde.

Honduras nimmt am "Proyecto de Integración y Desarrollo de Mesoamérica" (kurz "Proyecto Mesoamérica") teil. Sowohl das Vorgängerprojekt, der "Plan Puebla Panamá", wie das aktuelle Projekt sind wegen einer zu starken Ausrichtung auf teilweise umweltschädliche und sozial unausgewogene Großprojekte und mangelnder Partizipationsmöglichkeiten der Bevölkerung kritisiert worden.

Für die Arbeitsplatzschaffung vor allem der ärmeren Bevölkerungsschicht liegt ein Entwicklungspotenzial in der Förderung von Kleinst-, Klein- und mittleren Unternehmen. Honduras als Agrarstaat kann im landwirtschaftlichen Bereich ein hohes Potenzial entfalten, dazu müsste einerseits die Landwirtschaft modernisiert werden, anderseits müssen die Landrechte, vor allem auch für Frauen, geklärt werden und Landlosen Zugang zu Land verschafft werden. Die staatliche Unterstützung des Agrarsektors soll in einem neu aufgelegten Programm über die Streitkräfte erfolgen. Dies trägt zu weiteren Destabilisierung staatlicher Institutionen bei, vor allem vor dem Hintergrund, dass das Verteidigungsministerium das am wenigsten zu Transparenz verpflichtete Ministerium ist.

Menschen mit Maksen beim Markteinkauf
Der informelle Sektor wie Märkte sind von der Pandemie besonders hart getroffen. CC BY-SA 4.0 Kes47

Im informellen Sektor sind viele Menschen ohne Ausbildung prekär beschäftigt. Fehlende angemessene Arbeitsplätze und mangelhafte Berufsausbildung führen zu hoher Jugendarbeitslosigkeit. Die NGO FOSDEH geht davon aus, dass derzeit rund 800.000 junge Menschen weder arbeiten noch in einer Ausbildung sind. Andererseits sind jedoch nach Angaben von Casa Alianza 400.000 Minderjährige gezungen zu arbeiten, um sich den Lebensunterhalt zu verdienen.  

Die honduranische Wirtschaft ist aufgrund der hohen Abhängigkeit vom Export sehr krisenanfällig. Preisschwankungen auf dem Weltmarkt bei den wichtigen Exportgütern, wie Kaffee, schlagen sich unmittelbar nieder und haben besonders für sozial prekäre Schichten in den entsprechenden Wirtschaftssektoren fatale Folgen.  

Gemeinsam mit seinen Nachbarn Guatemala und El Salvador hat Honduras einen regionalen Entwicklungsplan (Plan de la Alianza para la Prosperidad del Triángulo Norte) vorgelegt, in dem die drei Länder die Themen Sicherheit, Regierbarkeit und Wirtschaftswachstum gemeinsam angehen möchten. Die USA wird den Plan teilweise finanziell unterstützen. Der soziale Sektor ist nicht im Plan berücksichtigt. Kritik seitens der Zivilgesellschaft bezieht sich vor allem darauf, dass der Plan ausländische Investitionen fördert, die derzeitigen Regierungen nicht zur Rechenschaft zieht und die auf Militarisierung setzende Sicherheitspolitk unterstützt.

Handel und Handelsabkommen

Geldtransferinstitute findet man auch in ländlichen Gebieten
Geldtransferinstitute sind überall im Land, vor allem auch in ländlichen Gebieten, denn von dort kommen die meisten Migrant/-innen

Die USA sind der wichtigste wirtschaftliche Bezugspunkt für Honduras. Nach den Daten des World Factbook der CIA werden mehr als 54% der Exporte und 48% der Importe mit den USA abgewickelt.

In einem Freihandelsvertrag haben alle fünf zentralamerikanischen Länder gemeinsam mit der Dominikanischen Republik den Freihandelsvertrag CAFTA-DR (Central America-Dominican Republic-United States Free Trade Agreement) mit den USA geschlossen. Das Abkommen ist seit dem 1. April 2006 in Kraft. Bislang wird die Wirkung des Freihandelsabkommens mit Blick auf das Beschäftigungswachstum und die Armutsreduzierung vorsichtig positiv eingeschätzt. Generell haben die Freihandelsabkommen in Honduras eher negative Auswirkungen

Die sechs zentralamerikanischen Länder Honduras, Guatemala, El Salvador, Nicaragua, Costa Rica und Panama, repräsentiert durch die Organisation zentralamerikanischer Staaten (SICA), haben im Juni 2012 das Assoziierungsabkommen mit der EU unterzeichnet. Das Abkommen ist ein Freihandelsabkommen, aus dem sich eine Reihe von Riskien, Chancen und Herausforderungen für die Region ergeben. Das Abkommen besteht aus drei Säulen: Politischer Dialog, Zusammenarbeit und Handel. Das Assoziierungsabkommen wurde im Dezember 2012 vom Europäischen Parlament ratifiziert. Gegen das Assoziierungsabkommen gab es Proteste der Zivilgesellschaft. Die Kritik am Abkommen resultiert daraus, dass das Nord-Süd-Gefälle im Handel untermauert wird und im Fall von Menschenrechtsverletzungen keine Sanktionen vorgesehen sind.

Honduras hat mit Kanada, einem Handelspartner, der in den letzten fünf Jahren enorm an Bedeutung gewonnen hat, 2013 ein Freihandelsabkommen unterschrieben, das seit Oktober 2014 in Kraft ist. Neben den bereits genannten wichtigen Handelspartnern, mit denen Honduras Freihandelsabkommen geschlossen hat, wurden eine Reihe anderer Freihandelsabkommen unterzeichnet wie mit Mexiko, Kolumbien, Taiwan und Panama. Ein Abkommen mit Südkorea ist im Gespräch. 

Die aktuelle Regierung von Honduras schaut sich auch nach neuen Handelspartnern um, wie Russland oder Brasilien und möchte der Pazifik-Allianz beitreten, wo das Land derzeit den Beobachterstatus einnimmt. Israel hat im August 2020 ein Büro für die Zusammenarbeit im Bereich Handel in Honduras eröffnet.

Die seit Jahren größte Devisenquelle des Landes stellen die Geldüberweisungen der in die USA (oder seltener nach Kanada oder Europa) ausgewanderten Honduraner/-innen an ihre in Honduras verbliebenen Familien dar. Die Rücküberweisungen (remesas) stellen knapp 20% des BIP dar und steigen seit 2013 kontinuierlich an. In 2019 haben die Rücküberweisungen eine Rekordhöhe von 5,5 Mrd. USD erreicht. Die wirtschaftliche oder soziale Entwicklung des Landes befördert dieser Mittelzufluss allerdings nur sehr beschränkt, da er vorwiegend für Lebenshaltungskosten und Gesundheit ausgegeben wird. Die Rücküberweisungen sind somit ein zweischneidiges Schwert, da sie mit der Finanzierung von eigentlich öffentlichen Dienstleistungen auch zum Erhalt der Situation in Honduras beitragen.

Ungleicher Handel: Lokaler Mais und subventionierter Importmais
Freihandel: Lokaler Mais kann nicht mit subventioniertem Importmais mithalten.

SDG und Armutsreduzierung

Honduras hat sich verpflichtet die 2015 von der UN verabschiedete Agenda 2030 und die Sustainable Development Goals (SDG) umzusetzen. Die Monitoring-Mechanismen sehen eine freiwillige nationale Überprüfung (Voluntary National Reviews) vor, zu der sich Honduras 2017 bereit erklärt hat. Das Centro de Estudio de la Mujer (CEM-H) hat eine interessante Analyse zur Erreichung von SDG Nr. 5 (gender equity) erstellt.

Honduras gehört zu den 32 hochverschuldeten armen Ländern (Highly Indebted Poor Country) die an der von Weltbank und IWF initiierten HIPC-Initiative zur Schuldenerleichterung teilgenommen haben. Honduras wurden dadurch Schulden in Höhe von 3,7 Mrd. US-Dollar erlassen. Das Land hatte sich für die von mehreren Geberinstitutionen eingeführten Multilateral Debt Relief Initiative (MDRI) qualifiziert, die 2015 endete und dazu beitragen sollte, die MDGs zu erreichen. Diese hat Honduras jedoch nicht erreicht. Detaillierte Informationen zu einigen Zielen erhält man von der Pan American Health Organziation (PAHO).

Nationale Bemühungen der Armutsreduzierung unter Lobo waren das assistenzialistische Sozialhilfeprogramm "Bono 10mil", bei dem u.a. arme Familien Barmittel bekamen. Das von Hernández eingeführte Sozialhilfeprogramm "Vida Mejor" ist eine Fortführung von "Bono 10mil". Langfristig trägt diese Politik nicht zur Armutsreduzierung bei. 

Internationale Entwicklungszusammenarbeit

Honduras ist in hohem Maße von der internationalen Entwicklungszusammenarbeit abhängig.

Nach Hurrikan "Mitch" haben sich die wichtigsten Geberländer und -institutionen in der sog. GSDE (Grupo de Seguimiento a la Declaración de Estocolmo; auch als "G-16" benannt wegen ihrer 16 Gründungsmitglieder) zusammengeschlossen, um ihre Aktivitäten für Wiederaufbau und Transformation zu koordinieren. Die Gruppe ist die zentrale Instanz der Geberkoordination. Mitglieder sind: Deutschland, Kanada, die USA, Japan, Schweden (das seine staatliche Entwicklungszusammenarbeit mit Honduras 2011 beendet hat), die Niederlande, Spanien, Italien, die Schweiz (wird sich bis 2024 zurückziehen), Frankreich, die EU, der IWF, die Weltbank, die BID (Banco Interamericano de Desarrollo), die BCIE (Banco Centroamericano de Integración Económica; mit Sitz in Tegucigalpa) und UNDP. Die Gruppe erweitert sich um Mitglieder mit Beobachterstatus, wie z. B. Korea.

Die UN unterstützt Honduras bei der Erreichung der SDGs. Honduras hat eine Nationale Agenda der SDGs und beteiligt sich am Voluntary National Review. Der zweite Bericht wurde in 2020 eingereicht und konstatiert, dass die Fortschritte nicht den erwarteten Resultaten entsprechen. 

Die UN unterstützt Honduras außerdem im Tourismus mit dem Programm "Ruta Lenca"

Die honduranische Regierung hatte in den letzten Jahren Kredite vom IWF über Stand-By-Abkommen erhalten. Nach seinem Besuch in Honduras in 2018 zog der IWF eine positive Bilanz der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Im Juli 2019 wurde ein neues Abkommen über zwei Jahre auf einen Kredit in Höhe von 331 Mio. USD abgeschlossen und im Dezember bewilligt. Das Abkommen mit den Auflagen, die Kosten im öffentlichen Sektor zu reduzieren, rief heftige Proteste bei Angestellten im Gesundheits- und Bildungssektor hervor. Zudem unterhöhlten Korruption und Drogenhandel laut dem honduranischen Soziologen Suazo die Politik des IWF. Im Zuge der Pandemie 2020 hat der IWF seine Kreditzusage um 222 Mio. USD erhöht.

Die EU ist der größte bilaterale Geber für Zentralamerika. Seit Mai 2014 ist das Abkommen über politischen Dialog und Zusammenarbeit (PDCA) zwischen der EU und sechs Staaten Zentralamerikas (Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua, Costa Rica, Panama) in Kraft. Für den Zeitraum 2014-2020 hat die EU die bilaterale Kooperation mit Honduras ausgebaut. Thematische Schwerpunkte sind u.a. Armutsbekämpfung, Sicherheit, Jugend und Klimawandel. Die EU fördert mit finanzieller Zusammenarbeit den Justizapparat. Zur Pandemie-Eindämmung hat die EU 80 Mio. EUR und zur Bekämpfung der Hurrikanschäden 900.000 EUR zur Verfügung gestellt.

Weitere wichtige Geber in Honduras sind das Welternährungsprogramm und UNFPA. Die FAO unterstützt Honduras im Kampf gegen Desertifikation und Dürren. Die Weltbank gibt einen Kredit von 70 Mio. USD an Honduras, um den Zugang zu Wasser in der Region des Trockenkorridors zu verbessern.

Honduras zählt zu den Ländern, die von den USA im Rahmen der Millennium Challenge Corporation (MCC) unterstützt werden. Allerdings fließen auch in 2021 keine Mittel, da sich Honduras aufgrund von Defiziten in verschiedenen Sektoren (Justiz, Korruption u.a.) seit Machtantritt der Nationalen Partei nicht mehr qualifiziert hat. Nur die Hälfte der Indikatoren des MCA wurden erreicht. Derzeit läuft über die MCA nur ein Programm zu Gesundheitsversorgung. Honduras wird aber von den USA finanziell im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit und in anderen Bereichen, wie z. B. Militärhilfe unterstützt. Die US-amerikanische Entwicklungsbank DFC kündigt an, die Wirtschaft in Honduras im Rahmen des Programms "Amércia crece" mit 1 Milliarde USD zu unterstützen.

Der IWF, die Interamerikanische Entwicklungsbank sowie die Zentralamerikanische Bank CABEI unterstützen Honduras finanziell bei der Pandemiebekämpfung. Doch die Hilfsgelder kommen nicht dort an, wo sie gebraucht werden. Honduras wird von einem Korruptionsskandal zur Verwendung dieser Mittel erschüttert. Es fehlt an Transparenz bei der Mittelverwendung. Der Nationale Anti-Korruptionsrat hat hierzu Berichte veröffentlicht.  

Deutsche Entwicklungszusammenarbeit

Honduras gehört zu den Ländern, mit denen Deutschland bilaterale staatlichen Entwicklungszusammenarbeit  pflegt. Thematisch konzentriert diese sich auf die Bereiche Bildung und Umwelt- und Ressourcenschutz. Weitere Bereiche, in denen Honduras im Rahmen regionaler Vorhaben unterstützt wird, sind nach­hal­tige Wirt­schafts­ent­wick­lung, er­neu­er­bare Energien/Energie­effizienz, Jugend­gewalt­prävention und HIV/AIDS-Prävention. Die deutsche Regierung hat 2018 einen Betrag von 37 Mio. Euro für technische und finanzielle Zusammenarbeit zugesagt. Honduras gehört außerdem zu den Partnerländern, die am Initiativprogramm Agenda 2030 teilnehmen. Das Programm unterstützt die Regierung der Partnerländer, um die Agenda 2030 auf nationaler Ebene umzusetzen. Hier wurden Honduras im Jahr 2017 weitere 3,5 Mio. EUR von Deutschland zugesagt. Die KfW hat 10 Mio. EUR für die Unterstützung im Bereich von Naturschutzgebieten zugesagt. Auch unterstützt die KfW Honduras im Bereich der von der COVID-19-Krise betroffenen kleine und mittlere Unternehmen. Mittelfristig wird Deutschland die bilaterale Zusammenarbeit mit Honduras einstellen. Auf regionaler Ebene wird Deustchland aktiv bleiben, indem beispielweise SICA unterstützt wird. In 2020 wurde finanzielle Unterstützung für die nächsten Jahre zugesagt. Von zivilgesellschaftlicher Seite wird der Rückzug nicht positiv aufgenommen.

Die wichtigsten in Honduras vertretenen deutschen EZ-Institutionen sind GIZ, KfW, FES und CIM. Das Büro der KAS in Guatemala führt auch in Honduras Veranstaltungen durch, ebenso arbeiten die FNSt die HBS in Honduras.

Außer der bilateralen Zusammenarbeit leistet Deutschland auch im Rahmen der multilateralen Kooperationen einen Beitrag (Weltbank, Interamerikanische Entwicklungsbank, EU).

Das Länderinformationsportal

Das Länderinformationsportal
Das Länderinformationsportal

Die Beiträge im Länderinformationsportal (LIPortal) wurden bis Dezember 2020 von ausgewiesenen Landesexpertinnen und Landesexperten betreut, um eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern zu geben. Das LIPortal bot damit eine Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb - viele Verweise sind auch weiterhin aktuell.

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im November 2020 aktualisiert.

Autorin

Rita Trautmann, Jahrgang 1970, Ethnologin und Mediatorin, ist seit 2008 Landestrainerin in der AIZ für Honduras. Sie war mehrere Jahre in Honduras tätig. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind: Erwachsenenbildung, politische Bildung, Erinnerungsarbeit und Menschenrechte.

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Rolf Sackenheim
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