By Divyatitaniya (Own work) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons
Tag der Unabhängigkeit
15/08/1947
Staatsoberhaupt
Pranab Mukherjee
Regierungschef
Narendra Modi
Politisches System
Föderale Republik
Demokratie Status-Index (BTI)
Rang 23 (von 129)
Korruptionsindex (CPI)
Rang 76 (von 167)

Von der Indus-Kultur zur Gegenwart

Die Indus-Kultur aus dem dritten vorchristlichen Jahrtausend stellt die älteste bekannte Zivilisation auf dem indischen Subkontinent dar. So genannte arische Stämme, das waren nomadisierende Rinderhirten, die sich selbst arya (die Edlen) nannten, drangen um 1.500 v. Chr. in das Gebiet der Induskultur ein.

Die politische Geschichte Indiens lag danach für mehrere Jahrhunderte im Dunklen. Allerdings geht aus der religiösen Literatur (Veda) hervor, dass um das erste vorchristliche Jahrtausend herum demokratische Prinzipien galten und die Stellung der Frau sehr hoch war.

Im heutigen Staatsgebiet Indiens gab es in den folgenden Jahrhunderten eine große Zahl von Königreichen und Monarchien.

Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. entfaltete sich der Buddhismus, der fast 1.000 Jahre neben dem Hinduismus eine der maßgeblichen Geistesströmungen Indiens darstellte. Hier ist vor allem die Maurya-Dynastie zu nennen.

In Indien spielten immer auch Einflüsse von außen eine große politische Rolle: arabische und zentralasiatische Invasionen begannen im 8. und 12. Jahrhundert und wurden ab dem 15. Jahrhundert durch europäische Händler fortgesetzt. Während der Mogul-Dynastie spielten die Einflüsse der persischen Kultur eine große Rolle. Im 19. Jahrhundert hatten die Briten die vollständige politische Kontrolle über die indischen Territorien.

Der gewaltfreie Widerstand gegen die britische Kolonialherrschaft, vor allem unter Mahatma Gandhi und Jawaharlal Nehru, führte 1947 zur Unabhängigkeit. Der Subkontinent wurde in zwei Staaten aufgeteilt; Indien und Pakistan. Nach zwei vorangegangenen Kriegen mit Pakistan führte ein dritter Krieg 1971 zur Abspaltung Ostpakistans und zur Gründung des neuen Staates Bangladesch.

Großen Einfluss auf die Entwicklung Indiens nach 1947 hatte die Nehru-Gandhi-Familie, die herausragende, aber letztlich auch viele tragische Figuren hervorbrachte.

Im August 2012 feierten Indien und Pakistan ihren 65. Geburtstag. Indien schaut dabei auf bewegte Jahren und eine gemischte Bilanz zurück.

Staatsform und Verfassung

Premierminister N. Modi
Premierminister N. Modi (© India Wires)

Gemäß der Verfassung ist Indien eine souveräne, parlamentarische Republik innerhalb des Commonwealth. Indien feiert sich gerne als "größte Demokratie" der Welt; eine Etikettierung, die durch zahlreiche Menschenrechtsverletzungen zwar relativiert, indes nicht widerlegt wird. Dass rund 65 Jahre nach der Unabhängigkeit des Landes ein Grundzug des politischen Systems Indiens, nämlich die parlamentarische Demokratie, noch Bestand hat, ist keine Selbstverständlichkeit, bedenkt man, welche vielfältigen Spannungspotenziale in den ethnischen, sprachlichen, religiösen und kastenmäßigen Differenzierungen angelegt sind.

Indien ist eine föderative Republik. Sie gliedert sich in 28 Bundesstaaten und sieben Unionsterritorien. Die Kongreßpartei hat im August 2013 beschlossen, einen 29. Bundesstaat zu gründen: Telangana, das einen Teil des bisherigen Andhra Pradesh umfassen soll.

Die politischen Mitsprache- und Entscheidungskompetenzen der Bundesstaaten sind wesentlich geringer als zum Beispiel in Deutschland. Durch das Mittel der President's Rule kann eine Landesregierung abgesetzt und die Regierungsgewalt einem Gouverneur übertragen werden.

Die Legislative besteht aus einer Volkskammer (Lok Sabha) und einer Staatenkammer (Rajya Sabha). Darüber hinaus gibt es Parlamente auf Bundesstaatsebene.

Präsident Indiens ist seit Juli 2012 der ehemalige Finanzminister Pranab Mukherjee. Das wichtigste Amt innerhalb der Exekutive bekleidet aber der Premierminister, der seit 2014 Narendra Modi heißt.

Das oberste Gericht in New Delhi steht an der Spitze der Judikative.

Jede offiziell anerkannte Partei wird entweder als Bundes- oder als Regionalpartei eingestuft. Wenn eine Regionalpartei in mehr als vier Bundesstaaten offiziell anerkannt ist, erhält sie den Status einer Bundespartei.  Zu den wichtigsten indischen Parteien gehören Indian National Congress, Bharatiya Janata Party, Bahujan Samaj Party(BSP), Communist Party of India und Communist Party of India (Marxist). Bekannte und einflussreiche regionale Parteien sind Telugu Desam in Andhra Pradesh, Muslim League in Kerala, Shiv Sena in Maharashtra, Dravida Munnetra Kazhagam in Tamil Nadu und Samajwadi Party in Uttar Pradesh.

Recht, Ordnung und staatliche Sicherheit

Mumbai-Anschläge Ende November 2008: Etwa 20 Terroristen mit Wohnorten in bzw. Verbindungen nach Pakistan bringen Hotels, Wohnanlagen, einen Bahnhof und ein Krankenhaus in ihre Gewalt. Sie verbarrikadieren sich u.a. in Luxushotels und nehmen Geiseln. Indische Militär- und Spezialeinheiten bekommen erst nach 60 Stunden die Situation vollständig unter Kontrolle. Bei den Anschlägen kommen 195 Menschen ums Leben, 300 werden verletzt. Der einzig lebend gefangene Terrorist Kasab wurde des Mordes schuldig befunden und am 21.11.2012 hingerichtet. Die pakistanische Regierung hat zugegeben, dass die Attentate in Pakistan geplant und vorbereitet wurden. Die gemeinsame Erklärung der Premierminister Indiens und Pakistans nach einem Treffen in Ägypten im Juli 2009 wird als erster Anstoß zu Verständigungsbemühungen gewertet und als ein Versuch, die Spannungen zwischen den Nachbarländern abzubauen.

Die Anschläge von Mumbai bildeten einen traurigen Höhepunkt in der jüngeren Vergangenheit und erweiterten die Reihe von schweren Attentaten seit Gründung der Republik. Die Terroranschläge von Mumbai führten in Indien zu Diskussionen über innere Sicherheit bzw. fehlende Sicherheitsmechanismen.

Indien - das zeigen auch die Anschläge von Mumbai - ist reich an Spannungen entlang von Ethnien, Religionen, Kasten und auch Lebensperspektiven. Widersprüche, Gegensätze oder Konflikte entladen sich in den gesellschaftlichen Arenen und werden von der Politik aufgegriffen, verarbeitet und teilweise instrumentalisiert. Ein gutes Beispiel zum Thema Instrumentalisierung ist die Hindutva, die integraler Bestandteil des Programms führender Parteien ist. Konflikte entstehen auch aus einer teils mangelhaften vertikalen Gewaltenteilung, die Bezug nimmt auf das Verhältnis von Unionsregierung und der Exekutive in den Einzelstaaten.

In Indien leben Hindu-Fundamentalisten, wie auch radikale Islamisten. Es gibt Globalisierungsgewinner und - verlierer. Kastenlose und Angehörige der Stammesbevölkerung, Dalits und Adivasis, machen etwa ein Fünftel der Gesamtbevölkerung aus, doch ihr Einfluss auf die Geschicke des Landes und ihre Lebensperspektiven sind ungeachtet vielfältiger interner und externer Interventionen bei weitem noch nicht so, als das der Slogan von der "Einheit in Vielfalt" eingelöst worden wäre.

Spannungen beziehen sich auf die Special Economic Zones (SEZ), deren Einrichtung von verschiedenen Landesregierungen vorgesehen bzw. vorangetrieben werden, umstrittene Bergbauprojekte, auf die Gewalt gegen Ureinwohner in verschiedenen Bundesstaaten oder das Weiterwirken der Anti-Terror-Gesetze auch Jahre nach ihrer offiziellen Aufhebung. Die Spannungen im Nordosten des Landes geht genauso weiter wie die Auseinandersetzung mit den Naxaliten. Die bekannte indische Schriftstellerin Arundhati Roy verbrachte Anfang 2010 mehrere Wochen mit der maoistischen Guerilla in Dantewada.

Seit Monaten wird die Provinz Kashmir von einer Spirale der Gewalt beherrscht. Die Unruhen sind in ihrer Intensität stärker als die von 2010. Manche Beobachter interpretieren sie gar als die blutigsten in der Geschichte Kashmirs.

Machthaber und Machtgruppen

Aus den Wahlen zur Lok Sabha im Frühjahr 2009 ging die von der Kongresspartei angeführte United Progressive Alliance (UPA) als siegreiches Bündnis hervor. Trotz eines Zugewinns an Sitzen vermochte es die UPA aber nicht, die absolute Mehrheit im Unterhaus zu erhalten. Die Legislaturperiode endete 2014 und brachte den erwarteten Machtwechsel mit sich.

Neue Regierungspartei ist die hindunationalistische Bharatiya Janata Party (BJP). Sie hatte in den Jahren 1999 - 2004 den Premierminister in der National Democratic Alliance (NDA) genannten Koalitionsregierung gestellt. Die NDA kam bei den Wahlen 2009 nur noch auf 159 Sitze.

Der als "Vater" der wirtschaftlichen Öffnung geltende Manmohan Singh war von 2004 - 2014 Premierminister. Politisches Gewicht hat auch die Vorsitzende der Kongresspartei, Sonia Gandhi. Die Witwe Rajiv Gandhis ist vorerst mit dem Versuch gescheitert, ihren Sohn Rahul Gandhi in Reichweite des Amtes des indischen Premierministers zu bringen.

Regionalparteien hatten und haben auch für den Gesamtstaat eine besondere Bedeutung. Die AIADMK (Tamil Nadu) - bis Oktober 2014 unter Leitung von Jayalalithaa Jayaram - oder Mamata Banerjee aus West Bengalen von der Trinamool Congress Partei (TMC) gehören dazu.

Wahlen und Wahlsystem

Lok Sabha Wahl 2014

Am 7. April 2014 begann die Wahl zur 16. Lok Sabha, dem indischen Unterhaus. Wahlberechtigt waren über 800 Millionen Inder, darunter etwa 120 Millionen Erstwähler. Damit eine Wahl dieser Dimension geordnet ablaufen kann, vollzog sie sich unter Aufsicht der Election Commission of India in mehreren Etappen bzw. über neun Wahltermine. Die ersten Urnengänge in Assam und Tripura markierten am 7. April den Auftakt der Wahl; am 12. Mai 2014 endet die Parlamentswahl  mit Urnengängen in Bihar, Uttar Pradesh und Westbengalen. Am 16. Mai 2014 wurde das Ergebnis bekannt gegeben.

Klarer Gewinner der Parlamentswahlen - die Wahlbeteiligung lag landesweit bei über 66% - ist die BJP. Mit 281 Sitzen holte sie nicht nur die absolute Mehrheit, sie ließ auch den bislang regierenden INC weit hinter sich. Der INC kam nur noch auf 46 Sitze und erlitt die schlimmste Niederlage seit der Staatsgründung 1947. Neuer Regierungschef ist der bisherige  Chief Minister des Bundesstaates Gujarat, Narendra Modi. Damit erhält damit auch die Angst vor einem Aufflammen des Kommunalismus neue Nahrung.

Bei der Wahl standen sich drei große Parteienbündnisse gegenüber: Die United Progressive Alliance (UPA) unter Führung der Kongresspartei, die National Democratic Alliance (NDA) unter Führung der BJP und die so genannte Dritte Front, die aus elf Regional- und Linksparteien besteht. Mit besonderem Interesse wurde das Abschneiden der aus einem Teil der India-Against-Corruption-Bewegung hervorgegangenen Aam Aadmi Party (AAP) begleitet. Der AAP gelang es 2013 bei der Wahl in Delhi 28 von 70 Sitzen zu erringen. Das Ergebnis 2014 ist indes ernüchternd: Landesweit errang die AAP nur vier Sitze.

Die Kongresspartei, die bei der Parlamentswahl 2009 noch als klarer Sieger hervorgegangen war, war stetig in der Defensive. Grassierende Korruption und ein sich abschwächendes Wirtschaftswachstum waren bestimmende Themen der letzten fünf Jahre und haben auch das Ansehen von Premierminister Manmohan Singh beschädigt. Singh erklärte im Januar 2014, nicht mehr für das Amt des Premierminsters kandidieren zu wollen. Spitzenkandidat der Kongresspartei war Rahul Gandhi, der Sohn Sonia Gandhis.

Presse und andere öffentliche Medien

Deccan Herald © D.H.
Dharitri © D
Indien Muslim Observer © I.M.O
Assam Tribune © A.T.

 

Medien: What's on in India? Mittlerweile erscheint im Internet eine stattliche Anzahl an englischsprachigen Tages- und Wochenzeitungen oder politischen Magazinen aus Indien, die über tagesaktuelle Themen.

Natürlich gibt es viele weitere Zeitungen und Zeitschriften in Indien, in denen man sich der Lektüre hingeben kann. 

Eine besondere Bedeutung für die Massenkommunikation und -unterhaltung kommt dem Rundfunk zu. Insbesondere das Medium Fernsehen ist zu einem riesigen Markt für Beschäftigung und Werbung geworden. Auch die Zahl der Nutzer des Internets nimmt zu, zuletzt auf über 200 Millionen.

Die Pressefreiheit ist durch die indische Verfassung geschützt, aber Journalisten riskieren ihr Leben, berichten sie über politisch oder wirtschaftlich brisante Themen. Auch gibt es verschiedene Formen der (Selbst-)Zensur. Auch Aktivitäten im Netz wie das Bloggen sind nicht frei von Einschränkungen.

Menschenrechte

Gewalttätige Übergriffe gegen Ureinwohner und Kastenlose, ungesühnt bleibende Vergewaltigungen von Frauen, millionenfaches Leid von Kinderarbeitern, die teilweise in Schuldknechtschaft ein hartes und kurzes Leben führen müssen, oder Polizeiaktionen, die, obwohl illegal, folgenlos bleiben, sind nur einige Beispiele für Menschenrechtsverletzungen, über die u.a. auch Human Rights Watch, amnesty international und das U.S. Department of State berichten.

Die in menschenrechtlicher Hinsicht aktuell bedeutsamen Thema sind u.a. Gewalt gegen Frauen im Kontext von Vergewaltigungen, Ehrenmorden und Mitgiftmorden, extralegale Hinrichtungen und eine Kultur der Straflosigkeit sowie Diskriminierungen und Vertreibungen von Waldbewohnern und anderen Minderheiten.

Korruption

Wie in vielen anderen Entwicklungsländern, so ist auch in Indien die Korruption in nahezu allen Lebensbereichen präsent.  Im Herbst 2010 erschütterte der nach Beobachtern mutmaßlich größte Korruptionsskandal seit Bestehen der Republik Indien das Land. Im Mittelpunkt steht der mittlerweile inhaftierte frühere Telekommunikationsminister A. Raja. Raja soll Telekommunikationslizenzen freihändig vergeben und dadurch dem Staat Einnahmeeinbußen von geschätzt 39 Milliarden US-Dollar beschert haben. Der populäre indische Yoga-Guru Swami Baba Ramdev hatte aus Protest gegen die Korruption ein Todesfasten begonnen, es später aber abgebrochen.

Dass Korruption weiterhin ein gesellschaftliches und hochpolitisches Thema ist, zeigen auch Vorwürfe sowohl an den INC und die BJP. So fordert der frühere Steuerbeamte und heutige Vorsitzende der AAP Kejriwal die Offenlegung der Geschäftsverhältnisse von Robert Vadra. Vadra ist der Ehemann der Gandhi-Tochter Priyanka, die wiederum eine Hoffnungsträgerin des INC ist. Im Fokus stehen illegale Geschäfte, die Vadra mit dem Immobilienkonzern DLF gemacht haben soll.

Außenpolitik

Grundmotive

Indien war bis in die 1980er Jahre einer der Wortführer der Blockfreienbewegung und pflegte sehr gute Beziehungen zur Sowjetunion. Seit Beginn der 1990er Jahre - nach der Überwindung des Ost-West-Konflikts und einer grundlegenden Umkehr in der Wirtschaftspolitik hin zu mehr Liberalismus - sucht Indien die Annäherung zum Westen, zu den Staaten in Süd- und Südostasien und bemüht sich um den Aufbau von Beziehungen auch in anderen Regionen, wie die aktive Mitarbeit im G-20 Kontext,  die BRICS-Mitgliedschaft und IBSA zeigen. Diese Politik hat zu einer Reihe von früher nicht für möglich gehaltenen Entwicklungen geführt.

Unter Premierminister Modi haben sich die Bemühungen verstärkt, günstige Rahmenbedingungen für wirtschaftliche Entwicklung in Gestalt eines friedlichen und stabilen globalen wie regionalen Umfelds zu kreieren. Ein ständiger Sitz im VN-Sicherheitsrat ist dabei weiterhin ein strategisches Ziel.

Annäherung an die USA

Indien ist durch das Nuklearabkommen mit den USA ein Durchbruch gelungen. Obwohl es sich bis heute weigert, dem Atomwaffensperrvertrag beizutreten, bedeutet das Abkommen Zugang zu Nukleartechnologie. Andererseits verpflichtet sich Indien, die zivile und militärische Nuklearindustrie zu trennen. Erstere soll unter internationale Aufsicht gelangen. Premierminister Singh betont die wirtschaftliche Bedeutung des Abkommens und weist auf den hohen Energiebedarf Indiens hin, der durch technologische Entwicklungen gedeckt werden muss. Er sieht sich aber in der Koalition starker Opposition gegen das Abkommen ausgesetzt. George W. Bush betonte die strategische Partnerschaft zwischen Indien und den USA, dachte aber auch an die Großaufträge für US-amerikanische Firmen, die dem Abkommen folgen würden. Im April 2010 fand der "Atomgipfel" in Washington statt. Im November 2010 kam US-Präsident Obama zu einem dreitägigen Staatsbesuch nach Indien. Im Januar 2015 besuchte Obama erneut Indien.

Beziehung zu China: Rivalität und Zusammenarbeit

Ebenfalls positiv hat sich das Verhältnis Indiens zu China entwickelt. Zwar sind die strittigen Grenzfragen noch nicht geklärt, aber es wurden vertrauensbildende Maßnahmen vereinbart, um zumindest in dieser Frage keinen Konflikt mehr herauf zu beschwören. China hat sich dem Nuklearabkommen zwischen Indien und den USA nicht widersetzt. Auch ist man an einer weiteren Steigerung des bilateralen Handels interessiert, der sich binnen eines Jahrzehnts mehr als verzehnfacht hat. Indien, die designierte Supermacht, so scheint es, profitiert von der sich abzeichnenden Akzentuierung des globalen Eiferns um die Wirtschaftsführerschaft zwischen USA und China.

Südasien

Regional ist die besondere Beziehung zu Pakistan zu nennen. Die bilateralen Beziehungen haben in den vergangenen 60 Jahren alle möglichen politischen Aggregatzustände bis hin zu Kriegen erlebt. Die Kashmirfrage ist dabei ein zentraler Punkt. 2013 kam es hier zu weiteren schweren Zwischenfällen an der "Line of Control". Bei einem Treffen in New York Ende September 2013 vereinbarten die Premierminister Singh und Sharif lediglich, den Waffenstillstand künftig besser einhalten zu wollen.

Wichtig ist auch der Umgang Pakistans mit den Taliban und generell mit Terroristen. Auch sind das besonders sensible Verhältnis zu Pakistan wie auch die Angst anderer Nachbarländer vor der Dominanz des großen Indien ein wichtiger Grund dafür, dass sich im Bereich der wirtschaftlichen Integration bis heute nicht die erhofften Fortschritte ergeben haben. Bestes Beispiel ist die "South Asian Association for Regional Cooperation" (SAARC). Auch mehr als 30 Jahre nach ihrer Gründung ist SAARC nicht wirklich aus den Startlöchern herausgekommen. Ein Meilenstein bei den regionalen Integrationsbemühungen könnte eine funktionierende südasiatische Freihandelszone (SAFTA) sein; auch das seit Jahren in der Diskussion befindliche Projekt einer SAARC-„food bank“, um Nahrungsmittelkrisen künftig besser meistern zu können, wird von Dhaka beworben. Beim 17. SAARC-Gipfeltreffen verständigte man sich im November 2011 auf eine Klärung aller operativen Fragen bis zur nächsten Tagung des Ministerrates.

Die Beziehungen zu Bangladesch sind von besonderer Natur, teilen die beiden Staaten doch eine über 4.000 km lange Grenze, kontrolliert Indien die Oberläufe der wichtigsten Flüsse Bangladeschs, und war Indien maßgeblich an der Entstehung Bangladeschs beteiligt. Schwierige Fragen wie Transit, Grenzverlauf, ungeregelter Grenzübertritt und Migration, Wasserverteilung und Schmuggel werden in regelmäßigen Regierungsgesprächen erörtert. Der Abschluss eines Vertrages über die Aufteilung des Ganges-Wassers im Dezember 1996 hat eine für Bangladesch lebenswichtige Frage geregelt. 

Indien und die EU

Die Beziehungen des Landes zur EU sind v.a. in wirtschaftlicher Hinsicht von besonderer Bedeutung. Mit der seit 2004 bestehenden strategischen Partnerschaft zwischen Indien und EU werden indes weitere wichtige Fragen und Themenfelder in den partnerschaftlichen Dialog einbezogen. Die EU ist der größter Handels- und Investitionspartner Indiens. Der Warenhandel in beide Richtungen hat sich faktisch stetig ausgeweitet..

Indien und Deutschland

Vor 60 Jahren, am 7. März 1951, nahmen Deutschland und Indien diplomatische Beziehungen zueinander auf. Dieses Jubiläum war der Anlass für das so genannte Deutschlandjahr „Deutschland und Indien 2011-12”, das im Herbst 2011 begonnen hat und bis Ende Januar 2013 dauerte. Das Jahr stand unter dem Motto Germany and India: Infinite Opportunities.

Im Februar 2014 besuchte Bundespräsident Gauck Indien und sparte bei aller Anerkennung auch nicht an Kritik insbesondere wegen der anhaltenden Diskriminierung von Frauen. Premierminister Modi besuchte Deutschland im April 2015 anlässlich der Hannover Messe; Indien war das Partnerland.

Im Mai 2011 fanden die ersten Deutsch-Indischen Regierungskonsultationen, 2013 die zweiten  und schließlich im Oktober 2015 die bereits dritten Konsultationen in Neu Delhi statt.


Mit Deutschland pflegt Indien traditionell sehr freundschaftliche Beziehungen, die durch die bilateralen Konsultationen unterstrichen werden. Beide Staaten suchen noch ihren Platz in der weltpolitischen Architektur des 21. Jahrhunderts und stimmen sich in der Frage eines ständigen Sitzes im UNO-Sicherheitsrat ab. Natürlich sind auch die wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland von großer Bedeutung für beide Staaten. 

Migration

(Binnen)-Migration, Emigration und Immigration sind Begrifflichkeiten, die auch für Indien ihre Bedeutung haben. Viele indische Arbeitsmigranten finden sich z.B. in den nordamerikanischen und europäischen Regionen, aber auch im Nahen Osten und in Ostasien. Umgekehrt finden viele Menschen - aus unterschiedlichen Beweggründen heraus - den Weg nach Indien.

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Dezember 2016 aktualisiert.

Über den Autor

Dr. M. P. Houscht ist Indien-Projektreferent; dadurch intensive Beschäftigung mit dem Land, insbesondere mit dem Nordosten Indiens.

Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu den Themen:

Geschichte

Innenpolitik

Menschenrechte

Außenpolitik

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