Tempelfiguren
Tag der Unabhängigkeit
15/08/1947
Staatsoberhaupt
Pranab Mukherjee
Regierungschef
Narendra Modi
Politisches System
Föderale Republik
Demokratie Status-Index (BTI)
Rang 28 (von 129) (2016)
Korruptionsindex (CPI)
Rang 79 (von 176) (2016)

Von der Indus-Kultur zur Gegenwart

Buddha Statue in Bodhgaya
Buddha Statue in Bodhgaya © Andrew Moore (CC BY-SA 2.0)
East India Company Münze
East India Company Münze © John Ilis (CC BY-NC-ND 2.0)
Wappen der East India Company
Wappen der East India Company © TRAJAN 117 (CC BY 3.0)
Gateway of India
Gateway of India © Daniel Mennerich (CC BY-NC-ND 2.0)

Die Indus-Kultur aus dem dritten vorchristlichen Jahrtausend stellt die älteste bekannte Zivilisation auf dem indischen Subkontinent dar, ist aber noch recht wenig erforscht. Um ca. 1.500 v. Chr. drangen arische Stämme, das waren nomadisierende Rinderhirten aus dem indogermanischen Sprachraum, die sich selbst arya (die Edlen) nannten, in das Gebiet der Induskultur ein. Mit den Ariern findet wahrscheinlich auch das Kastenwesen Einzug in die Gesellschaft.

Die politische Geschichte Indiens lag danach für mehrere Jahrhunderte im Dunklen. Allerdings geht aus der religiösen Literatur (Veda oder auch Veden) hervor, dass um das erste vorchristliche Jahrtausend herum demokratische Prinzipien galten und die Stellung der Frau sehr hoch war.

Im heutigen Staatsgebiet Indiens gab es in den folgenden Jahrhunderten eine große Zahl von Königreichen und Fürstentümer. Um 560 v. Chr. wird Siddharta Gautama (Buddha) im heutigen Nepal geboren. Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. entfaltete sich der Buddhismus, der fast 1.000 Jahre neben dem Hinduismus eine der maßgeblichen Geistesströmungen Indiens darstellte. Hier ist vor allem die Maurya-Dynastie und König Ashoka zu nennen. Heute spielt der Buddhismus keine große Rolle mehr.

Während des sogenannten "Indischen Mittelalters" gab es drei Großreiche (Pratihara im Nordosten, Rashrakuta in Zentralindien und Pala in Bengalen) die sich in einer militärischen Pattsituation befanden. Später kam im Süden des Landes das tamilische Chola-Reich hinzu, was bis heute als das einflussreichste hinduistische Königreich angesehen wird.

In Indien spielten immer auch Einflüsse von außen eine große politische Rolle: arabische und zentralasiatische Invasionen begannen im 8., konnten sich aber erst im 12. Jahrhundert wirklich festsetzen. 1206 kam es zur Gründung des Sultanat von Delhi durch Muhammad von Ghur.

Mitte des 16. Jahrhunderts war Nordindien dann Teil des islamischen Mogulreiches, was seinen Ursprung in Zentralasien hatte. Im 17. Jahrhundert wurde dann unter Kaiser Aurangzeb (1658-1707) auch Südindien unterworfen. Im Gegensatz zu seinem toleranten Vorgänger Akbar  (1556-1605) wollte er den Islam als Staatsreligion durchsetzen, was allerdings zur Folge hatte, dass sich zahlreiche Gruppen gegen die Mogulherrschaft auflehnten und damit ihr Ende einläuteten.

Ab dem 15. Jahrhundert errichteten europäische Staaten bzw. Händler Stützpunkte in Indien, darunter Portugiesen (in Goa, Daman und Diu), Franzosen (Puducherry), Briten (Surat, Chennai, Mumbai und Kalkutta) und Dänen (Tharangambadi, Tamil Nadu - in der sich auch der deutsche Missionar Bartholomäus Ziegenbalg in der Dänisch-Halleschen Mission betätigte und jetzt ein Museum im entstehen ist) und kämpften um die Vorherrschaft im Handel, wobei sich die britische Ostindiengesellschaft (East India Company) durchsetzen und im 19. Jahrhundert die fast vollständige politische Kontrolle über die indischen Territorien gewinnen konnte. Erst 1857- nach einem Aufstand der indischen Truppen (Sapoys) der Ostindiengesellschaft - wurde Indien eine Kronkolonie unter direkter Kontrolle Großbritanniens. Die Auswirkungen der Kolonialisierung Indiens sind bis heute im negativen wie positiven Sinne spüren.

Der gewaltfreie Widerstand gegen die britische Kolonialherrschaft, vor allem unter Mahatma Gandhi und Jawaharlal Nehru, führte 1947 zur Unabhängigkeit. Der Subkontinent wurde in zwei Staaten aufgeteilt; Indien und Pakistan. Nach zwei vorangegangenen Kriegen mit Pakistan führte ein dritter Krieg 1971 zur Abspaltung Ostpakistans und zur Gründung des neuen Staates Bangladesch. Großen Einfluss auf die Entwicklung Indiens nach 1947 hatte die Nehru-Gandhi-Familie, die herausragende, aber letztlich auch viele tragische Figuren hervorbrachte. Im August 2017 feiern Indien und Pakistan ihren 70. Geburtstag. Indien schaut dabei auf bewegte Jahre und eine gemischte Bilanz zurück.

Staatsform und Verfassung

Unterhaus
Unterhaus Travis Reitter CC-BY-SA 2.0

Gemäß der Verfassung ist Indien eine souveräne, parlamentarische Republik innerhalb des Commonwealth. Indien feiert sich gerne als "größte Demokratie" der Welt; eine Etikettierung, die durch zahlreiche Menschenrechtsverletzungen zwar relativiert, indes nicht widerlegt wird. Dass rund 70 Jahre nach der Unabhängigkeit des Landes ein Grundzug des politischen Systems Indiens, nämlich die parlamentarische Demokratie, noch Bestand hat, ist keine Selbstverständlichkeit, bedenkt man die Art und Weise wie Indien praktisch über Nacht in die Unabhängigkeit entlassen wurde und welche vielfältigen Spannungspotenziale in den ethnischen, sprachlichen, religiösen und kastenmäßigen Differenzierungen angelegt sind.

Indien ist eine föderative Republik. Sie gliedert sich in 29 Bundesstaaten und sieben Unionsterritorien. Als 29. Bundesstaat wurde Telangana 2014 aus Teilen des bisherigen Andhra Pradesh geschaffen. Die politischen Mitsprache- und Entscheidungskompetenzen der Bundesstaaten sind wesentlich geringer als zum Beispiel in Deutschland. Durch das Mittel der President's Rule kann eine Landesregierung durch den Präsidenten abgesetzt und die Regierungsgewalt einem Gouverneur übertragen werden. Dritte Säule des Föderalismus ist die seit 1993 in der Verfassung verankerte lokale Selbstverwaltung (Panchayat Raj) in Dörfern und Städten.

Indien hat eine relativ gut funktionierende Gewaltenteilung zwischen Exekutive, Legislative und Judikative, wobei allerdings die Legislative das schwächstes Glied darstellt. Die Legislative besteht aus einer Volkskammer (Lok Sabha) und einer Staatenkammer (Rajya Sabha). Darüber hinaus gibt es Parlamente auf Bundesstaatsebene und in der National Capital Territory of Delhi (NCT).

Präsident Indiens ist seit Juli 2012 der ehemalige Finanzminister Pranab Mukherjee. Das wichtigste Amt innerhalb der Exekutive bekleidet aber der Premierminister, der seit 2014 Narendra Modi heißt und der hindu-nationalistischen Partei der BJP (s.u.) angehört. In der Regel führen der Premierminister, der Beraterstab (im Prime Minister‘s Office (PMO)) und der Ministerrat die Regierungsgeschäft. Die Abgeordneten in den Parlamenten fühlen sich eher ihrem Wahlkreis als dem Parlament gegenüber verpflichtet.

Das Rechtssystem hat seinen Ursprung im Common Law, wobei die oberste Rechtsquelle die indische Verfassung aus dem Jahre 1950 ist. Weitere Rechtsquellen sind die sogenannten Statutes und Acts. Das oberste Gericht (Supreme Court) in New Delhi steht an der Spitze der Judikative und wird gefolgt von den High Courts auf Länderebene. Es hat sich als Hüter der Verfassung und Garant der Grundrechte für Indiens Minderheiten bewährt. Auf unteren Ebenen ist die Justiz völlig überlastet und wird als hochgradig korrupt angesehen.

Jede offiziell anerkannte Partei wird entweder als Bundes- oder als Regionalpartei eingestuft. Wenn eine Regionalpartei in mehr als vier Bundesstaaten offiziell anerkannt ist, erhält sie den Status einer Bundespartei.  Zu den wichtigsten indischen Parteien gehören Indian National Congress (INC), Bharatiya Janata Party (BJP), Bahujan Samaj Party (BSP), Communist Party of India und Communist Party of India (Marxist). Bekannte und einflussreiche regionale Parteien sind Telugu Desam Party in Andhra Pradesh, Muslim League in Kerala, Shiv Sena in Maharashtra, Dravida Munnetra Kazhagam in Tamil Nadu und Samajwadi Party in Uttar Pradesh.

Machthaber und Machtgruppen

M. Singh und S. Gandhi
M. Singh und S. Gandhi © Public.Resource.Org (CC BY 2.0)

Aus den Wahlen zur Lok Sabha im Frühjahr 2009 ging die von der Kongresspartei angeführte United Progressive Alliance (UPA) als siegreiches Bündnis hervor. Trotz eines Zugewinns an Sitzen vermochte es die UPA aber nicht, die absolute Mehrheit im Unterhaus zu erhalten. Die Legislaturperiode endete 2014 und brachte den erwarteten Machtwechsel mit sich.

Neue Regierungspartei ist die hindunationalistische Bharatiya Janata Party (BJP) unter Premierminister Narendra Modi. Sie hatte in den Jahren 1999 - 2004 den Premierminister in der National Democratic Alliance (NDA) genannten Koalitionsregierung gestellt. Die NDA kam bei den Wahlen 2009 nur noch auf 159 Sitze.

Der als "Vater" der wirtschaftlichen Öffnung geltende Manmohan Singh war von 2004 bis 2014 Premierminister. Politisches Gewicht hat auch die Vorsitzende der Kongresspartei, Sonia Gandhi. Die Witwe Rajiv Gandhis ist vorerst mit dem Versuch gescheitert, ihren Sohn Rahul Gandhi in Reichweite des Amtes des indischen Premierministers zu bringen. Sonia Gandhi scheint gesundheitlich angeschlagen und Rahul Gandhi hat sich bisher nicht als politische Führungskraft etablieren können und ist auch innerhalb der Kongresspartei umstritten. Seine Schwester Priyanka scheint mehr politisches Talent zu besitzen, ist aber wegen ihres mit Korruption in Verbindung gebrachten Ehemanns Robert Vadra wohl auch keine geeignete Option. Wie es mit dem INC ohne die Familie Gandhi weitergeht wird abzuwarten sein.

Regionalparteien spielen seit ca. 1978 eine übergeordnete Rolle, dadurch hat das Oberhaus faktisch an Bedeutung gewonnen. Seit 1989 sind praktisch alle Regierungen bei der Regierungsbildung abhängig von Regionalparteien. Die AIADMK (Tamil Nadu) - bis Oktober 2014 unter Leitung von Jayalalithaa Jayaram - oder Mamata Banerjee aus West Bengalen von der All India Trinamool Congress (TMC) gehören dazu. Der Einfluss der Regionalparteien wird als Ausdruck einer lautlosen Revolution sowie eines demokratischen Aufbruchs benachteiligter Schichten (Dalits, Muslime etc.) gesehen, allerdings vertreten Regionalparteien oft eine partikulare patronageorientierte Politik und behindern dadurch  tiefgreifende Reformen.

Wahlen und Wahlsystem

Parteiensymbole im Wahlkampf
Parteiensymbole © Public.Resource.Org (CC BY 2.0)
Parteienwerbung Kommunisten
Parteienwerbung Kommunisten © Bryce Edwards (CC BY 2.0)
Wahlkampf INC
Wahlkampf INC © Bryce Edwards (CC BY 2.0)
Dance of Democracy
Dance of Democracy © Bryce Edward (CC BY 2.0)

Wahlen verlaufen in der Regel demokratisch, relativ fair und transparent. Überwacht werden sie durch die Election Commission of India, die als überparteilich und unbestechlich gilt. Einige Wahlbezirke sind ausschließlich Mitgliedern der Minderheiten der Dalits und der Adivasi vorbehalten, eine Frauenquote gibt es aber nicht. 

Am 7. April 2014 die Wahl zur 16. Lok Sabha, dem indischen Unterhaus. Wahlberechtigt waren über 800 Millionen Inder, darunter etwa 120 Millionen Erstwähler. Damit eine Wahl dieser Dimension geordnet ablaufen kann, vollzog sie sich unter Aufsicht der Election Commission in mehreren Etappen bzw. über neun Wahltermine in einem Zeitraum von ca. 4 Wochen.

Klarer Gewinner der Parlamentswahlen - die Wahlbeteiligung lag landesweit bei über 66% - ist die BJP. Mit 281 Sitzen holte sie nicht nur die absolute Mehrheit, sie ließ auch den bislang regierenden INC weit hinter sich. Der INC kam nur noch auf 46 Sitze und erlitt die schlimmste Niederlage seit der Staatsgründung 1947. Ein Grund für das recht eindeutige Wahlergebnis ist das einfache Mehrheitswahlrecht. In jedem Wahlbezirk gewinnt der oder die Kandidatin jener Partei, welche die meisten Stimmen auf sich vereinen kann. In absoluten Zahlen gesehen hat die BJP mit 31% der Stimmen 52% der Sitze gewonnen, der INC dagegen mit 19% der Stimmen nur 8 Prozent der Sitze. Neuer Regierungschef ist der bisherige Chief Minister des Bundesstaates Gujarat, Narendra Modi.

Bei der Wahl standen sich drei große Parteienbündnisse gegenüber: Die United Progressive Alliance (UPA) unter Führung der Kongresspartei, die National Democratic Alliance (NDA) unter Führung der BJP und die so genannte Dritte Front, die aus elf Regional - und Linksparteien besteht. Mit besonderem Interesse wurde das Abschneiden der aus einem Teil der India-Against-Corruption-Bewegung hervorgegangenen Aam Aadmi Party (AAP) begleitet. Der AAP gelang es 2013 bei der Wahl in Delhi 28 von 70 Sitzen zu erringen. Das Ergebnis 2014 ist indes ernüchternd: Landesweit errang die AAP nur vier Sitze, allerdings konnte sie bei einer erneuten Wahl in Delhi 2016 dann die absolute Mehrheit erlangen.

Die Kongresspartei, die bei der Parlamentswahl 2009 noch als klarer Sieger hervorgegangen war, war stetig in der Defensive. Grassierende Korruption und ein sich abschwächendes Wirtschaftswachstum waren bestimmende Themen der letzten fünf Jahre und haben auch das Ansehen von Preminister Manmohan Singh beschädigt. Singh erklärte im Januar 2014, nicht mehr für das Amt des Premierministers kandidieren zu wollen. Spitzenkandidat der Kongresspartei war Rahul Gandhi, der Sohn Sonia Gandhis.

Alle 2 Jahre werden auch ein Drittel der Mitglieder der Länderkammer neu bestimmt. Es finden daher in regelmäßigen Abständen Wahlen in den einzelnen Bundesstaaten statt. Die Ergebnisse dieser Wahlen sind deshalb von besonderer Bedeutung, da ohne eine Mehrheit in der Raja Sabha keine Gesetzesvorhaben durchgesetzt werden können. Narendra Modi hat mit seiner BJP vor seiner Wahl zum Premierminister die letzten sieben Landesparlamentswahlen gewinnen können, seit seiner Wahl allerdings nur eine - die im kleinen Bundesstaat Assam in 2016.

In 2017 findet die BJP wieder in die Erfolgsspur zurück. In Uttar Pradesh und Uttarakhand wird sie stärkste Kraft. Im Punjab, Goa und Manipur gewinnt zwar die Kongresspartei, die BJP stellt allerdings die Regierung in Goa und Manipur. Speziell im Fokus war die Wahl in Uttar Pradesh, da dies das Stammland Modis ist. Hier zog die BJP ohne eigenen Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten ins Rennen, sondern führte den Wahlkampf alleine mit Modi. Nach der Wahl wurde der umstrittene Yogi Adityanath zum Ministerpräsidenten gekürt worden. Trotz aller Erfolge wird die BJP - falls sie weiterhin Landtagswahlen gewinnen sollte, allerdings frühstens 2020 die Mehrheit im Oberhaus erreichen können, also nach der ersten Legislaturperiode Modis.

Korruption

Protest gegen Korruption
Protest gegen Korruption © Deepankar Raj (CC BY-NC 2.0)

Wie in vielen anderen Entwicklungsländern, so ist auch in Indien die Korruption in nahezu allen Lebensbereichen präsent. Im internationalen Vergleich liegt das Ausmaß der Korruption auf einem hohen Niveau (Platz 79 von 176 Ländern im Corruption Perception Index 2016 von Transparency International) und bisher hat es Indien versäumt Korruption systematisch zu bekämpfen.

Im Herbst 2010 erschütterte der nach Beobachtern mutmaßlich größte Korruptionsskandal seit Bestehen der Republik Indien das Land. Im Mittelpunkt steht der mittlerweile inhaftierte frühere Telekommunikationsminister A. Raja. Raja soll Telekommunikationslizenzen freihändig vergeben und dadurch dem Staat Einnahmeeinbußen von geschätzt 39 Milliarden US-Dollar beschert haben.

Dass Korruption weiterhin ein gesellschaftliches und hochpolitisches Thema ist, zeigen auch Vorwürfe sowohl an den INC und die BJP. So fordert der frühere Steuerbeamte und heutige Vorsitzende der AAP Kejriwal die Offenlegung der Geschäftsverhältnisse von Robert Vadra. Vadra ist der Ehemann der Gandhi-Tochter Priyanka, die wiederum eine Hoffnungsträgerin des INC ist. Im Fokus stehen illegale Geschäfte, die Vadra mit dem Immobilienkonzern DLF gemacht haben soll.

Gewalt- und Konfliktmuster

Protestbanner
Protestbanner © ESCP (CC BY-NC-ND 2.0)

Obwohl Indien als sehr friedliches Land wahrgenommen wird, gibt es eine Vielzahl von Spannungen und Konflikte, Gewalt ist an der Tagesordnung.

Maoistische Rebellen - Naxaliten

Wenig bekannt ist der Konflikt zwischen der Zentralregierung und maoistischen Guerillagruppen, den sogenannten Naxaliten, welche die Errichtung eines kommunistischen Staates zum Ziel haben. Angefangen hat der Konflikt mit einem gewaltsamen Aufstand in dem Dorf Naxalbari (Westbengalen) im Jahr 1967, der die Umverteilung von Land an die Masse der landlosen Bevölkerung durchsetzen wollte. In 2015 sind die Naxaliten in etwa 101 Distrikten (von insgesamt 707) aktiv, in einem Gebiet das sich vom nördlichen Bihar bis ins südliche Kerala erstreckt und als „Roter Korridor“ bezeichnet wird. Besonders betroffen sind die Bundesstaaten Bihar (mit 22 Distrikten), Jharkhand (21), Odisha (19) und Chhattisgarh (16). Diese Distrikte sind zugleich die wirtschaflich und sozial am stärktsten benachteiligten Distrikte (aber oft auch rohstoffreichsten Gebiete) Indiens, die überproportional von Adivasi ("scheduled tribes") bewohnt werden. Der Lebensraum und damit die Lebensgrundlage der indigenen Völker ist immer mehr durch Bergbau, Infrastrukturprojekte, der Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen (Special Economic Zones (SEZ) etc. bedroht. Daher stellen die Adivasi auch die überwiegende Zahl der Guerillakämpfer. In 2010 verbrachte die bekannte indische Schriftstellerin Arundhati Roy verbrachte mehrere Wochen mit der maoistischen Guerilla in Dantewada.

In 2006 bewertete der damalige Premierminister Manmohan Singh die Naxaliten als größte Bedrohung der inneren Sicherheit der Indien je gegenüber stand. Von staatlicher Seite wird seitdem verstärkt versucht der Bedrohung durch die Naxaliten sowohl durch den verstärkten Einsatz von Sicherheitskräften, als auch durch den gezielten Einsatz von Entwicklungsprogrammen in den besonders betroffenen Gebieten, Herr zu werden. Zeitweise wurde eine Bürgermiliz (Salwa Judum in Chhattisgarh) eingesetzt, welche dann allerdings durch das Oberste Gericht 2011 verboten wurde, da diese unter anderem für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht wurde.

Separatismus im Nordosten

Im Nordosten Indiens sind seit den 50er Jahren eine Vielzahl von (oft kleineren) Rebellengruppen aus unterschiedlichen Motiven heraus aktiv. Der Nordosten ist nur durch einen 23 Kilometer breiten Korridor (dem sogenannten Siliguri Korridor) mit dem Rest von Indien verbunden. In diesem Gebiet leben nur etwa 3% der indischen Bevölkerung, von der die Mehrheit (mit Ausnahme von Assam) den indigenen Völkern (Adivasi) zuzurechnen ist. Insgesamt gibt es dort in etwa 220 verschiedene Adivasi-Gruppen.

Obwohl die indische Regierung bereits früh versucht hat anfänglichen Sezessionsbewegungen durch die Schaffung von sieben neuen Bundesstaaten (Assam, Nagaland, Meghalaya, Arunachal Pradesh, Mizoram, Manipur und Tripura) den Wind aus den Segeln zu nehmen, ist der Konflikt bis heute nicht beigelegt. Dies hat liegt an der Vielschichtigkeit des Konflikts und der Vielzahl der Konfliktakteure.

Durch Abkommen mit größeren Rebellengruppen hat sich die Lage etwas entschärft (mit der ULFA 2011) und mit der NSCN-IM in 2015), allerdings haben sich viele andere Rebellengruppen nicht an den Gesprächen und Abkommen beteiligt, so dass die Lage nach wie vor unsicher bleibt. Das weite Teile der Region umfassende Notstandsgesetz ist noch immer in Kraft und indische Sicherheitskräfte werden wie auch in Kaschmir (siehe unten) für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht.

Kommunale Gewalt

Indien ist auch reich an Spannungen entlang von Ethnien (siehe oben), Religionen, Kasten und auch Lebensperspektiven, die sich oft in kommunal begrenzten Ausschreitungen entladen.

Seit der Unabhängigkeit ist es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Muslimen gekommen. Die letzten größeren Vorfälle ereigneten sich in Gujarat in 2002, wo im Zuge der Zerstörung einer Moschee über 1000 Muslime umgebracht wurden und 2013 in Muzzaffarnagar (Uttar Pradesh), wo es insgesamt 62 Todesopfer gab. In Gujarat geschahen die Unruhen direkt unter den Augen des damaligen Ministerpräsidenten Narendra Modi (und seiner hindunationalistischen Partei BJP), der daraufhin international mehr oder weniger geächtet wurde und so zum Beispiel bis zu seiner Ernennung zum Premierminister keine Einreisegenehmigung für die USA bekam.

Im Zuge des erstarkenden Hindunationalismus und der damit einhergehenden Verfolgung religiöser Minderheiten hat die Gewalt gegen Christen zugenommen.

Gewalt gegen Dalits und Adivasi sind an der Tagesordnung. Die Anzahl der angezeigten Delikte nimmt in den letzen Jahren sogar noch zu. Erklärt wird dies damit, dass Dalits und Adivasi verstärkt für Ihre Rechte eintreten und ihre untergeordnete Rolle immer weniger akzeptieren und damit den Zorn der oberen dominierenden Kasten auf sich ziehen.

Gewalt gegen Frauen

Nachdem eine brutale Massenvergewaltigung einer Studentin mit Todesfolge in Neu Delhi in 2012 internationale Aufmerksamkeit erregt hat, ist das Thema Gewalt gegen Frauen in Indien etwas stärker in den Fokus gerückt. Indien ist ein überwiegend patriarchalisches Land in dem Frauen eine untergeordnete Rolle spielen. Mädchen und Frauen werden über ihr gesamtes Leben benachteiligt und sind dabei diversen Formen von Gewalt ausgesetzt. Dies beginnt mit der Abtreibung weiblicher Föten, der oft systematischen Vernachlässigung weiblicher Kinder, der geringeren Bildungschancen für Mädchen, die Notwendigkeit von Mitgiftzahlungen (dowry), der untergeordneten Rolle der Ehefrau in der Familie des Mannes und der noch immer vorkommenden Verstoßung von Witwen aus der Familie des Mannes. Trotz vieler Ansätze seitens der Regierung ist nur ein langsamer Kulturwandel zu erkennen.

Kaschmirkonflikt

Kaschmir befindet sich im äußersten Norden des Landes und wird seit der Teilung Britisch-Indiens 1947 sowohl von Indien als auch von Pakistan für sich beansprucht. Beide Länder halten nach dem 1. Kaschmirkrieg 1947/48 Teile Kaschmirs unter ihrer Kontrolle, getrennt durch eine von den Vereinten Nationen überwachten Waffenstillstandslinie (Line of Control). Seither hat es einen weiteren Krieg gegeben und einen bewaffneten Konflikt in 1999 (Kargil-Konflikt) in einer Zeit in der sowohl Pakistan als auch Indien bereits Atommächte waren. In Folge der Kriege und der Besetzung Kaschmirs durch indische Truppen haben sich mehrere separatistische Gruppen gebildet, die den indischen Staat bekämpfen. Oft werden diese von Pakistan, bzw. dem pakistanischen Geheimdienst ISI unterstützt. Hauptleidtragender ist natürlich die Zivilbevölkerung die unter den Notstandsgesetzen und den Sicherheitskräften zu leiden hat. Seither wird die Provinz Kaschmir von einer Spirale der Gewalt beherrscht. Nach einer eher ruhigen Phase zwischen 2011 und 2014 hat sich die Lage wieder wesentlich verschlechtert.

Islamistischer Terror

Eine weitere Bedrohung der inneren Sicherheit stellt der islamistische Terror (außerhalb Kaschmirs) dar, der oft direkt durch Pakistan befördert wird. Immer wieder ist es zu Anschlägen in Indien gekommen. Dazu zählen unter anderem der Angriff auf das indische Parlament in 2001, Bombenanschlägen in Mumbai, Delhi und vielen anderen Städten und den Mumbai-Anschlägen in 2008 und auch ein Anschlag auf ein Café in Pune in 2010. Es ist ziemlich sicher, dass Indien auch in Zukunft Ziel islamistischer Terroristen sein wird.

Außenpolitik

Grundmotive

Indiens Außenpolitik begann bereits unter dem Indischen Nationalkongress in 1938 und war stark geprägt durch die bipolare Weltordnung. Bis in die 1980er Jahre war Indien einer der Wortführer der Blockfreienbewegung, pflegte allerdings gleichzeitig sehr gute Beziehungen zur Sowjetunion. Seit Beginn der 1990er Jahre - nach der Überwindung des Ost-West-Konflikts und der aus dem drohenden Staatsbankrott heraus grundlegenden Umkehr in der Wirtschaftspolitik hin zu mehr Liberalismus - sucht Indien die Annäherung zum Westen, zu den Staaten in Süd- und Südostasien und bemüht sich um den Aufbau von Beziehungen auch in anderen Regionen, wie die aktive Mitarbeit im G-20 Kontext, die BRICS-Mitgliedschaft und IBSA zeigen. Laut einer aktuellen Einschätzung Indien sieht sich dabei selber als Brückenmacht zwischen Ost und West, Nord und Süd, den entwickelten und Entwicklungsländern und ist deshalb bestrebt seine außen- und sicherheitspolitische Autonomie zu wahren und feste Allianzen zu meiden.  

Unter Premierminister Modi haben sich die Bemühungen verstärkt, günstige Rahmenbedingungen für wirtschaftliche Entwicklung in Gestalt eines friedlichen und stabilen globalen wie regionalen Umfelds zu kreieren. Ein ständiger Sitz im VN-Sicherheitsrat ist dabei weiterhin ein strategisches Ziel. Ein großes Problem für Indiens Außenpolitik und seinem eigenen Anspruch als stellt derzeit das Indian Foreign Services mit nur ca. 900 Diplomaten (in 2014) dar. Dies ist eine viel zu geringe Zahl um den wachsenden Aufgaben gerecht zu werden. Innerhalb des Ministry of External Affairs gibt es seit 2006 eine Abteilung für Public Diplomacy, das ein neues Image Indiens in der Welt propagieren soll, der Indiens als aufstrebende Weltmacht. Im Wesentlichen spielen in Indien außenpolitische Themen (außer die Beziehung zu Pakistan) nur eine untergeordnete Rolle. Des Weiteren gibt es seit 2012 eine Development Partnership Administration, welche mit der Koordination der indischen Entwicklungszusammenarbeit betraut ist, ein Ministerium, das sich um die indische Diaspora kümmert und den Indian Council of Cultural Relations, welcher sich seit 1950 um Kulturförderung und -austausch bemüht.

Annäherung an die USA

Indien ist durch das Nuklearabkommen mit den USA ein Durchbruch gelungen. Obwohl es sich bis heute weigert, dem Atomwaffensperrvertrag beizutreten, bedeutet das Abkommen Zugang zu Nukleartechnologie. Andererseits verpflichtet sich Indien, die zivile und militärische Nuklearindustrie zu trennen. Erstere soll unter internationale Aufsicht gelangen. Premierminister Singh betont die wirtschaftliche Bedeutung des Abkommens und weist auf den hohen Energiebedarf Indiens hin, der durch technologische Entwicklungen gedeckt werden muss. Er sieht sich aber in der Koalition starker Opposition gegen das Abkommen ausgesetzt. George W. Bush betonte die strategische Partnerschaft zwischen Indien und den USA, dachte aber auch an die Großaufträge für US-amerikanische Firmen, die dem Abkommen folgen würden. Im April 2010 fand der "Atomgipfel" in Washington statt. Im November 2010 kam US-Präsident Obama zu einem dreitägigen Staatsbesuch nach Indien und dann noch einmal während seiner zweiten Amtszeit im Januar 2015.

Beziehung zu China: Rivalität und Zusammenarbeit

Ebenfalls positiv hat sich das Verhältnis Indiens zu China entwickelt. Zwar sind die strittigen Grenzfragen noch nicht geklärt, aber es wurden vertrauensbildende Maßnahmen vereinbart, um zumindest in dieser Frage keinen Konflikt mehr herauf zu beschwören. China hat sich dem Nuklearabkommen zwischen Indien und den USA nicht widersetzt. Auch ist man an einer weiteren Steigerung des bilateralen Handels interessiert, der sich binnen eines Jahrzehnts mehr als verzehnfacht hat. Indien, die designierte Supermacht, so scheint es, profitiert von der sich abzeichnenden Akzentuierung des globalen Eiferns um die Wirtschaftsführerschaft zwischen USA und China. Die Abschottung des amerikanischen Marktes unter Donald Trump könnte auch dazu führen, dass der Handel mit Schwellenländern wie Indien eine größere Bedeutung zukommt.

Südasien

Regional ist die besondere Beziehung zu Pakistan zu nennen. Die bilateralen Beziehungen haben in den vergangenen 60 Jahren alle möglichen politischen Aggregatzustände bis hin zu Kriegen erlebt. Die Kashmirfrage ist dabei ein zentraler Punkt. 2013 kam es hier zu weiteren schweren Zwischenfällen an der "Line of Control".

Wichtig ist auch der Umgang Pakistans mit den Taliban und generell mit Terroristen. Auch sind das besonders sensible Verhältnis zu Pakistan wie auch die Angst anderer Nachbarländer vor der Dominanz des großen Indien ein wichtiger Grund dafür, dass sich im Bereich der wirtschaftlichen Integration bis heute nicht die erhofften Fortschritte ergeben haben. Bestes Beispiel ist die "South Asian Association for Regional Cooperation" (SAARC). Auch mehr als 30 Jahre nach ihrer Gründung ist SAARC nicht wirklich aus den Startlöchern herausgekommen. Südasien ist noch immer die wirtschaftlich am wenigsten ökonomisch integrierte Region auf der Welt. Der regionale Handel macht nur etwa 5% des Gesamthandels in der Region aus. Analysten vermuten, dass durch eine Steigerung des regionalen Handels alle Länder Südasiens pro Jahr um bis zu 2% mehr Wirtschaftswachstum erzielen könnten. Ein Meilenstein bei den regionalen Integrationsbemühungen könnte eine funktionierende südasiatische Freihandelszone (SAFTA) sein; auch das seit Jahren in der Diskussion befindliche Projekt einer SAARC-„food bank“, um Nahrungsmittelkrisen künftig besser meistern zu können, wird von Dhaka beworben. Der erste SAARC-Gipfel unter Teilnahme Modis verlief im November 2014 aufgrund der Rivalität Indiens und Pakistans - bis auf ein Abkommen zum Ausbau von Straßen-, Schienen- und Energienetzen - weitgehend ergebnislos.

Die Beziehungen zu Bangladesch sind von besonderer Natur, teilen die beiden Staaten doch eine über 4.000 km lange Grenze, kontrolliert Indien die Oberläufe der wichtigsten Flüsse Bangladeschs, und war Indien maßgeblich an der Entstehung Bangladeschs beteiligt. Schwierige Fragen wie Transit, ungeregelter Grenzübertritt und Migration, Wasserverteilung und Schmuggel werden in regelmäßigen Regierungsgesprächen erörtert. Der Abschluss eines Vertrages über die Aufteilung des Ganges-Wassers im Dezember 1996 hat eine für Bangladesch lebenswichtige Frage geregelt. Im Mai 2015 wurden nun auch die letzten Streitigkeiten über den Grenzverlauf durch einen Vertrag beigelegt.

Mit Nepal verbindet Indien ein langes freundschaftliches Verhältnis. Bereits 1950 unterzeichneten beide Staaten einen Friedens- und Freundschaftsvertrag, der bis heute Bestand hat und unter anderem eine offene Grenze zwischen Nepal und Indien beinhaltet. Aus diesem Grund ist Nepal von besonderer sicherheitspolitischer Bedeutung.

Sri Lanka und Indien haben eine eher ambivalente Beziehung, die durch den mittlerweile beendeten Bürgerkrieg auf Sri Lanka (zwischen der Minderheit der Tamilen und Mehrheit der Sinhalesen) stark beeinflusst wurde. Die tamilische Bevölkerungsgruppe in Indien umfasst ca. 65 Millionen Menschen und in Tamil Nadu sind wechselseitig zwei nationalistische Regionalparteien (die Dravida Munnetra Kazhagam - DMK und die All India Anna Dravida Munnetra Kazhagam - AIADMK) an der Macht, die auch Einfluss auf indische Außenpolitik haben.

Indien und die EU

Die Beziehungen des Landes zur EU sind v.a. in wirtschaftlicher Hinsicht von besonderer Bedeutung. Mit der seit 2004 bestehenden strategischen Partnerschaft zwischen Indien und EU werden indes weitere wichtige Fragen und Themenfelder in den partnerschaftlichen Dialog einbezogen. Die EU ist der größter Handels- und Investitionspartner Indiens. Der Warenhandel in beide Richtungen hat sich faktisch stetig ausgeweitet. Nichtsdestotrotz sind bisher die außenpolitischen Gemeinsamkeiten Indiens und den USA größer als jene mit der EU.

Indien und Deutschland

Vor 60 Jahren, am 7. März 1951, nahmen Deutschland und Indien diplomatische Beziehungen zueinander auf. Dieses Jubiläum war der Anlass für das so genannte Deutschlandjahr „Deutschland und Indien 2011-12”, das im Herbst 2011 begonnen hat und bis Ende Januar 2013 dauerte. Das Jahr stand unter dem Motto Germany and India: Infinite Opportunities.

Im Februar 2014 besuchte Bundespräsident Gauck Indien und sparte bei aller Anerkennung auch nicht an Kritik insbesondere wegen der anhaltenden Diskriminierung von Frauen. Premierminister Modi besuchte Deutschland im April 2015 anlässlich der Hannover Messe; Indien war das Partnerland.

Im Mai 2011 fanden die ersten Deutsch-Indischen Regierungskonsultationen, 2013 die zweiten  und schließlich im Oktober 2015 die bereits dritten Konsultationen in Neu Delhi statt.

Mit Deutschland pflegt Indien traditionell sehr freundschaftliche Beziehungen, die durch die bilateralen Konsultationen unterstrichen werden. Beide Staaten suchen noch ihren Platz in der weltpolitischen Architektur des 21. Jahrhunderts und stimmen sich in der Frage eines ständigen Sitzes im UNO-Sicherheitsrat ab. Natürlich sind auch die wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland von großer Bedeutung für beide Staaten. 

Migration

(Binnen)-Migration, Emigration und Immigration sind Begrifflichkeiten, die auch für Indien ihre Bedeutung haben. Viele indische Arbeitsmigranten finden sich z.B. in den nordamerikanischen und europäischen Regionen, aber auch im Nahen Osten und in Ostasien. Mittlerweile ist die Zuwanderung von Indern nach Deutschland auch ein Thema. Umgekehrt finden viele Menschen - aus unterschiedlichen Beweggründen heraus - den Weg nach Indien.

Menschenrechte

Gewalttätige Übergriffe gegen Ureinwohner und Kastenlose, ungesühnt bleibende Vergewaltigungen von Frauen, millionenfaches Leid von Kinderarbeitern, die teilweise in Schuldknechtschaft ein hartes und kurzes Leben führen müssen, oder Polizeiaktionen, die, obwohl illegal, folgenlos bleiben, sind nur einige Beispiele für Menschenrechtsverletzungen, über die u.a. auch Human Rights Watch, amnesty international und das U.S. Department of State berichten.

Die in menschenrechtlicher Hinsicht aktuell bedeutsamen Thema sind u.a. Gewalt gegen Frauen im Kontext von Vergewaltigungen, Ehrenmorden und Mitgiftmorden, extralegale Hinrichtungen und eine Kultur der Straflosigkeit sowie Diskriminierungen und Vertreibungen von Waldbewohnern und anderen Minderheiten.

Offizielle Verbrechensstatistiken (auch zu Gewalt gegen Frauen, Ureinwohner und Dalits) sind auf der Webseite des National Crime Records Bureau (NCRB) zu finden.

Presse und andere öffentliche Medien

Deccan Herald © D.H.
Dharitri © D
Indien Muslim Observer © I.M.O
Assam Tribune © A.T.

Die Pressefreiheit ist durch die indische Verfassung geschützt, aber Journalisten riskieren ihr Leben, berichten sie über politisch oder wirtschaftlich brisante Themen. Auch gibt es verschiedene Formen der (Selbst-)Zensur und Aktivitäten im Netz wie das Bloggen sind nicht frei von Einschränkungen. Auch ist die indische Presse nicht frei von Korruption, da es starke Verbindungen zwischen der Presse, Politikern und Wirtschaftsführern gibt.

Medien: What's on in India?

In Indien gibt es eine Vielzahl von Zeitungen, sowohl in englischer Sprache, als auch in den vielen Regionalsprachen, mit einer insgesamt sehr großen Leserschaft. Mittlerweile erscheint im Internet eine stattliche Anzahl an englischsprachigen Tages- und Wochenzeitungen oder politischen Magazinen aus Indien, die über tagesaktuelle Themen berichten.

Natürlich gibt es viele weitere Zeitungen und Zeitschriften in Indien, in denen man sich der Lektüre hingeben kann. 

Als Online-Medium ist The Wire besonders zu empfehlen.

Eine besondere Bedeutung für die Massenkommunikation und -unterhaltung kommt dem Rundfunk zu. Insbesondere das Medium Fernsehen ist zu einem riesigen Markt für Beschäftigung und Werbung geworden. Auch die Zahl der Nutzer des Internets nimmt zu, zuletzt auf über 200 Millionen.

Weitere Linkempfehlungen sind:

Reporter ohne Grenzen: Indien

Freedom House: India Freedom of the Press 2016

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Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im März 2017 aktualisiert.

Über den Autor

Dr. Daniel F. Neff ist Mitarbeiter am GIGA-Institut für Asienstudien, Hamburg. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit den sozioökonomischen Entwicklungen in Indien. Seit 2014 ist er auch Landestrainer für Indien bei der GIZ - Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) in Bad Honnef.  

Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu den Themen:

Geschichte

Innenpolitik

Menschenrechte

Außenpolitik

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Thorsten Hölzer
(Akademie für Internationale Zusammenarbeit)

+49 (0)2224 926 - 144

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