Künstlerische Darstellung zum ländlichen Leben
Anteil alphabetisierte Erwachsene
71,2% (2015)
Bedeutende Religionen
Hinduismus 80%, Islam 14% (2011, geschätzt)
Städtische Bevölkerung
33,5% (2017)
Lebenserwartung (w/m)
70,3 / 67,34 Jahre (2018, geschätzt)
Gender Inequality Index
Rang 127 (von 160) (2017)
Anzahl der Geburten
2,33 / Frau (2016, geschätzt)
Kindersterblichkeit
39,4 /1000 Lebendgeburten (2017)

Sozialstruktur

Garo
Frau aus dem Stamm der Garo (Foto: Vishma Thapa, CC BY-SA 3.0)

Indien bietet mit seiner Vielfalt an Ethnien, Sprachen und Kasten ein Bild verwirrender Differenziertheit. 

Kastenwesen

Das Kastensystem ist meist etwas, was viele zuerst mit Indien in Verbindung bringen. Der Begriff Kaste ist allerdings kein indischer Begriff, sondern leitet sich aus dem portugiesischen Wort „casto“ (rein) ab.

Das klassische mythologische Ordnungssystem umfasst vier Hauptkasten - auch varna genannt: Brahmanen (Priester und Lehrer), Kshatriyas (Herrscher und Soldaten), Vaishyas (Kaufleuten und Händlern) und Shudras (Arbeitern und Handwerkern). Unterhalb der Hauptkasten stehen die Kastenlosen - auch Unberührbare genannt, die sich selbst als Dalits bezeichnen. Aus Sicht der vier Varnas gelten die Dalits als unrein. Gänzlich außerhalb des Kastensystems stehen die Adivasi.

Nach Vorstellung der Hindus wird man in eine Kaste hineingeboren und bleibt ein Leben lang an diese gebunden. In welche Kaste man hineingeboren wird, hängt von den eigenen Taten (Konzept des Karma) im vorigen Leben ab. Im indischen Alltag spielen allerdings nicht die varna oder Hauptkasten die tragende Rolle, sondern die sogenannten Jati (so etwas wie Subkasten). Jatis sind oft mit Berufsgruppen verbunden (Wäscher, Töpfer, Friseur etc.), allerdings oft nur regional verbreitet. Nach dem ersten Zensus 1881 unter den britischen Kolonialherren wurden über 2000 dieser Jatis erfasst.

Das Kastenwesen ist in der Realität viel komplexer als das klassische Ordnungssystem der vier Hauptkasten und deshalb eher als loses Zuordnungsschema zur gesellschaftlichen Ordnung verschiedener nebeneinander lebender Gemeinschaften zu verstehen. Nach der indischen Verfassung von 1950 darf zwar kein Inder wegen seiner Kaste diskriminiert werden. Die Realität jedoch ist eine andere.

Dalits

In Indien gibt es in etwa 200 Millionen Dalits (die Zerbrochenen). Die Dalits wehren sich zunehmend gegen Diskriminierung und extreme Ausbeutung und fordern ein Ende der "indischen Apartheid". Die indische Regierung soll nun nicht nur von innen, sondern auch durch die internationale Solidarität unter Druck gesetzt werden, endlich die bestehenden gesetzlichen Vorkehrungen gegen die Diskriminierung der Dalits konsequent anzuwenden.

Anfang Mai 2001 gründete sich auf Initiative von Brot für die Welt die Plattform Dalit Solidarität Deutschland (DaSoDe) in Frankfurt, um den Dalits in ihrem Kampf zu helfen. Mit der Gründung der Dalit Solidarität in Deutschland wurde gleichzeitig das Netzwerk International Dalit Solidarity Network (IDSN) erweitert. Diesem gehören neben Organisationen aus Südasien und den USA auf europäischer Seite u.a. das India Committee of the Netherlands und Dalit Solidarity Network UK an. In Indien ist die NCDHR aktiv.

Einer der bekanntesten Dalits ist Dr. Ambedkar, der "Vater der Verfassung".

Adivasi

Die Adivasi ("die ersten im Lande") sind die Ureinwohner Indiens und stellen etwa 7% der Gesamtbevölkerung. Sie sind die am stärksten benachteiligte und exkludierte soziale Gruppe. Insgesamt gibt es etwa 500 indigene Völker. Diese leben vor allem in oft schwer zugänglichen Waldgebieten und im Bergland. Laut Zensus 2001 leben nur etwa 2,4% der Adivasi in Städten.

Bereits vor einigen Jahren wurde eine Dachorganisation der Adivasi Jai Adivasi Maha Sangh gegründet, die eine zunehmende Rolle im Kampf um Landrechte spielt.

Muslime

Die ersten Muslime traten in Indien zu Beginn des 8. Jahrhunderts auf. Heute beherbergt Indien die zahlenmäßig zweitgrößte muslimische Population auf der Welt (nach Indonesien) mit etwa 172 Mio. (14%). Die indischen Muslime sind hauptsächlich in den Bundesstaaten Uttar Pradesh, West Bengal, Bihar, Maharashtra, Assam, Jammu und Kaschmir, Karnataka und Kerala zu finden. Die Gruppe der Muslime in Indien ist stark benachteiligt und häufig Opfer von sogenannter ethnischer Gewalt (communal violence, Gewalt zwischen Volksgruppen), wie der Bericht der offiziellen Sachar-Kommission belegt.

Frauen

Das Geschlechterverhältnis (die Anzahl an Frauen im Verhältnis zu Männern) ist stark verzerrt - zuungunsten von Frauen. Man spricht in diesem Zusammenhang oft von Indiens verlorenen Töchtern. Zwar hat sich das Geschlechterverhältnis in den letzten zwei Jahrzehnten leicht verbessert, es gibt in Indien aber noch pro 1000 Männer lediglich 940 Frauen. Dieses ist Folge des geringen Stellenwertes, der Frauen beigemessen wird, was zum Teil bedingt ist durch die Praxis der Mitgiftzahlungen. Aufgrund der Bevorzugung von Söhnen werden weibliche Föten trotz Verbots abgetrieben, Mädchen systematisch vernachlässigt, oft misshandelt, was wiederum die weibliche Kindersterblichkeit erhöht. Nach der Heirat erfahren viele Frauen häufig häusliche Gewalt. Mitgiftmorde sind an der Tagesordnung und Witwen werden nach dem Verlust des Ehemanns häufig von dessen und der eigenen Familie verstoßen.

Viele Akteure der Zivilgesellschaft bemühen sich darum, anhand konkreter Beispiele Leben und Arbeit indischer Frauen in gesellschaftskritischer Absicht darzustellen und Handlungsimpulse in Richtung humane Gesellschaft zu geben.

Für einen landesweiten Aufschrei sorgte das Schicksal einer 23-jährigen indischen Medizinstudentin, die am 16.12.2012 in einem leer stehenden Bus in New Delhi von sechs Männern  grausam vergewaltigt, mit einer Eisenstange schwerstverletzt und anschließend nackt aus dem Bus geworfen wurde. Trotz aller ärztlichen Bemühungen verstarb sie am 29.12.2012. Im September 2013 wurden vier Täter zum Tode verurteilt. In einer BBC-Dokumentation, deren Ausstrahlung in Indien verboten worden ist, kommen die Familienangehörige der ermordeten Studentin, einer ihrer Mörder und ein Verteidiger zu Wort. Im Film wird nicht den Vergewaltigern die Schuld gegeben, sondern den Opfern. Dies ist auch ein Indiz für das sich schmerzlich langsam ändernde Frauenbild in Indien.

Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender (LGBTQ)

Die Situation der LGBTQ-Gemeinde in Indien ist schwierig, Diskriminierungen sind an der Tagesordnung. In einem Aufsehen erregenden Urteil im Jahr 2018 hat das Oberste Gericht Indiens die 150 Jahre alte Strafbarkeit von Homosexualität aufgehoben. Begründet wird das Urteil mit der Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz. Damit werden individuelle und soziale Vielfalt als Fundament der Verfassung und der Gesellschaft anerkannt. Auch das sogenannte Dritte Geschlecht in Indien genießt nun besondere Rechte.

Demografie

Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1947 hat sich Indiens Bevölkerung  mehr als verdreifacht - auf derzeit ca. 1,35 Milliarden. Dies entspricht einem Anteil von ca. 18% der Weltbevölkerung. Allein zwischen den letzten zwei Volkszählungen 2001 und 2011 ist Indiens Bevölkerung um etwa 181 Millionen Menschen gewachsen, das entspricht in etwa der derzeitigen Bevölkerungsgröße Pakistans. Zwar ist das Bevölkerungswachstum seit etwa 1975 rückläufig (aktuell bei 1,2%), allerdings liegt ein Bevölkerungsrückgang aufgrund des demografischen Trägheitseffekts noch in weiter Ferne.

Die regionale demografische Entwicklung in Indien ist sehr uneinheitlich. Das Bevölkerungswachstum konzentriert sich auf die eher rückständigen Bundesstaaten im Norden des Landes (den sogenannten BIMARU Staaten - Bihar, Madhya Pradesh, Rajasthan und Uttar Pradesh). In vielen Bundesstaaten des Südens (Karnataka, Kerala, Andhra Pradesh, Tamil Nadu) ist dagegen sogar ein Bevölkerungsrückgang aufgrund niedriger Geburtenraten zu erwarten, bzw. bereits zu verzeichnen.

Der Anteil der Hindus an der Gesamtbevölkerung ist erstmals auf knapp unter 80% gefallen, der Anteil der Muslime (mit 172 Millionen die zweitgrößte muslimische Bevölkerung weltweit -  nach Indonesien) ist dagegen leicht gestiegen (von 13,4 auf 14%).

Indien hat aufgrund des rasanten Bevölkerungswachstums und der gesunkenen Kindersterblichkeit eine vergleichsweise junge Bevölkerung. Laut Zensus 2011 liegt der Anteil der Bevölkerung unter 15 Jahren bei knapp 30%, der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (15-64 Jahren) bei etwa 65%.

Noch lebt die Mehrzahl der indischen Bevölkerung in Dörfern, doch der Anteil der urbanen Bevölkerung, (derzeit ca. 32,7%) nimmt stetig zu. In diesem Zusammenhang spielt auch die Landflucht eine Rolle, die durch fehlende ökonomische Anreize in den Dörfern und die Hoffnung auf ein besseres Leben in der Stadt angetrieben wird. 

Markt
Markt © Reuben Strayer (CC BY-SA 2.0)
Kolkata Berufsverkehr
Kolkate Berufsverkehr © Joanna Irzabek (CC BY-NC-ND 2.0)
Kinder
Kinder © Jeff Porter (CC BY-ND 2.0)

Arbeitsmarkt

Nach den aktuellen Zahlen des (nicht frei verfügbaren) India Employment Report 2016 werden in etwa 6-8 Millionen junge Menschen auf den Arbeitsmarkt strömen und dies für die nächsten 15 Jahre, die in neue und gute Jobs geführt werden müssen. Das Problem ist jedoch zum einen, dass das wirtschaftliche Wachstum sich arbeitsintensiv ausgefallen ist. Lag die jährliche Wachstumsrate der Erwerbstätigen zwischen 1983 und 2000 noch bei 1,9 Prozent, liegt sie zwischen 2000 und 2012 nur noch bei 1,5 Prozent. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass sich die Struktur des Arbeitsmarktes nicht grundlegend verändert hat. Noch immer arbeiten 43,7 Prozent der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft, dagegen nur 17,3% im Industrie- und 25,7% im Dienstleistungssektor.

Trotz der groß angelegten Marketing-Offensive und der unermüdlichen Werbetour durch Ministerpräsident Modi ihm Rahmen der „Make in India“-Kampagne, sind bisher kaum neue Jobs geschaffen worden, sogar deutlich weniger als unter der Vorgängerregierung. Nach den letzten offiziellen Zahlen für 2015 waren es gerade einmal 100,000 neue Jobs für das gesamte Jahr (für die ca. 12 Millionen Menschen die pro Jahr auf den Arbeitsmarkt strömen). Es ist trotz der niedrigen Lohnkosten und der vielen verfügbaren Arbeitskräfte unwahrscheinlich, dass viele Arbeitsplätze in der verarbeitenden Industrie geschaffen werden. Eher wahrscheinlich ist, dass diese Arbeiten verstärkt automatisiert und daher wenig beschäftigungsintensiv sein werden.

Bildung

Schulklasse
Schulklasse © Tom Maisey (CC BY 2.0)

Das Bildungssystem Indiens gliedert sich grob in drei Ebenen (plus Unterstufen): die Primarstufe (primary education), die Sekundarstufe (secondary education) und Tertiäre Bildung (higher/university education), wobei es Abweichungen zwischen den einzelnen Bundesstaaten in Bezug auf das Alter der Schülerinnen und Schüler gibt. Es gibt sowohl staatliche wie private Einrichtungen, wobei letztere oft von Kindern der einkommensstärkeren Schichten besucht werden. 

Indien hat in den vergangenen Jahren eine große Zahl von Wissenschaftlern ausgebildet. In manchen Forschungsgebieten wie der Biotechnologie oder der Raumfahrt gehören Wissenschaftler des Landes zur globalen Wissenschaftselite. Die Bildungsinstitutionen unterscheiden sich allerdings gewaltig hinsichtlich ihrer Qualität: Es gibt sowohl erstklassige Universitäten, als auch einige Institutionen, die weit hinter internationalem Niveau hinterherhinken.

Einer insgesamt aber noch sehr schmalen Bildungselite, die vor allem in den urbanen Regionen lebt, steht die große Zahl von formal Geringgebildeten gegenüber, die im großen ländlichen Hinterland leben. Die schon rein numerische Herausforderung ist immens: Nach dem Zensus 2011 war allein die Altersklasse der 15 bis 24-jährigen 224 Millionen groß. Dieser Zahl stehen weniger als 10 Millionen, oft schlecht qualifizierter und gering motivierter Lehrer gegenüber. Gleichwohl müssen auch die Fortschritte in den vergangenen 50 Jahren gesehen werden.

Indien bemüht sich durch verschiedene Bildungsprogramme (z.B. Stipendien für Mädchen) auch Kinder, v.a. Mädchen von Familien im indischen Hinterland zu erreichen. Die Einschulungsrate konnte so sukzessive erhöht werden. Die Schulabbrecherrate ist indes auch sehr hoch. Wer durch Indien fährt, begegnet auch vielen Kindern, die trotz offiziell bestehender Schulpflicht niemals eine Chance hatten und haben werden, auch nur die Grundschule zu besuchen.

Da Indiens Bevölkerung auf hohem Niveau weiter schnell wächst, wird es für das Land entscheidend sein, eine Bildung anzubieten, die qualitativ gut ist. Hier muss eine Anbindung an die zahlenmäßig schnell zu erhöhenden Berufsschulen bzw. berufliche Bildung erfolgen und natürlich die Lehrerausbildung und - fortbildung forciert werden. Ferner müssen Bildungsstätten unabhängig von Geschlecht, Kaste oder Religion offen für alle sein. Hier spielen auch Fragen der Erreichbarkeit und der Opportunitätskosten für die betroffenen Familien eine wichtige Rolle.

Eine gut gemanagte, qualitativ anspruchsvolle, niemanden außer Acht lassende und relevante, d.h. berufsorientierte Bildung kostet viel Geld. Indien hat zuletzt etwa 3,5% der öffentlichen Ausgaben (Union und Einzelstaaten) für das Bildungswesen eingesetzt. Schon vor rund 40 Jahren gingen die Pläne der Unionsregierung von 6% aus, die erforderlich seien.

Das Problem eines geringen Bildungsniveaus ist auch nicht in den Griff zu bekommen, wenn nicht die Betroffenen in den lokalen Gemeinschaften selbst Träger der Entwicklung sind und eine integrierte Entwicklung angestrebt wird, d.h. eine, die über den Bildungsbereich im engeren Sinn hinausgeht. Interessant ist in diesem Zusammenhang der Ansatz des Barfüßigen-College, bei dem es um einen erweiterten Bildungsbegriff geht. Hier wird das in den Dörfern existierende traditionelle Wissen eingesetzt, um Lebensbedingungen zu verbessern. Jede Person unabhängig von ihrem formalen Bildungsgrad wird hier zu einem Träger von Wissen; die Unterscheidung in Alphabeten und Analphabeten ist irrelevant.

Gesundheit & Sozialwesen

Straßenzahnarzt
Straßenzahnarzt sandeepachetan.com (CC BY-NC-ND 2.0)

Im indischen Gesundheitswesen zeigt sich ein ähnliches Bild wie im Bildungswesen. Eine vermögende Oberschicht kann sich den Zugang zu gut ausgestatteten Elitekliniken leisten, oder fährt sogar zur Behandlung ins Ausland. Eine größer werdende Mittelschicht kann sich zumindest den Aufenthalt in besseren staatlichen Krankenhäusern leisten oder die Dienstleistungen eines Arztes. Für die breite Unterschicht gibt es oft gar keine staatlichen Leistungen, nicht einmal solche, wie sie in so genannten Primary Health Centers angeboten werden.

Viele Familien gehen zu traditionellen Heilern, die indes sehr oft keine ausreichende Qualifikation haben. In ärmeren konservativen Haushalten wird für Mädchen (und oft Frauen allgemein) wesentlich weniger Geld für Behandlungen ausgegeben als für Jungen. Wichtig sind auch hier bewusstseinsbildende Ansätze in Kombination mit Einkommen schaffenden Maßnahmen sowie damit in Verbindung stehenden beruflichen Aus- und Fortbildungen. Darüber hinaus muss im engeren medizinischen Bereich Kriterien wie Qualität, Zugang, Bezahlbarkeit oder gutes Management erfüllt werden. Auch bedarf es eines Ausbaus von Absicherungssystemen für den Krankheitsfall. Ansonsten werden die relevanten Gesundheitsindikatoren sich eher verschlechtern, denn verbessern.

Eine besondere Gefährdung besteht in den sich rasch ausbreitenden AIDS-Erkrankungen. Die Regierung versucht durch eine breit angelegte Aufklärungsaktion und Verteilung von Kondomen dem Problem Herr zu werden, aber die Dimension des Problems, Tabus, die inferiore Stellung der Frauen und das selbstgefällige Gehabe vieler Männer stehen einem durchschlagenden Erfolg solcher Aktionen im Wege. Positiv vernimmt sich ein neues Gesetz, mit dem die Regierung die Diskriminierung und Benachteiligung von HIV-Kranken strafrechtlich verfolgen will.

Die indische Regierung bemüht sich auch um Stärkung resp. Wiederbelebung traditioneller Medizin, z.B. Ayurveda.

Ein Desiderat bleibt die Absicherung im Alter insbesondere für die große Mehrheit der im informellen Sektor arbeitenden Menschen (> 90%). Bestehende staatliche Ansätze reichen nicht aus, um gravierende Lücken in der Absicherung zu füllen. Das "Indo-German Social Security Programme" - IGSSP - nimmt sich der Problematik eines unzureichenden Schutzes im Krankheitsfall, im Alter oder bei Unfällen an. Die GIZ berät in diesem Kontext das indische Ministerium für  Arbeit und Beschäftigung.

Kultur

Sprachen

Sprache ist in jeder Kultur ein wichtiges identitätsstiftendes Element. Die "indische" Sprache an sich gibt es indes nicht und Englisch firmiert als Klammer und Verbindungsbrücke z.B. für die Hindi sprechenden Inder im Norden und denjenigen, die drawidische Sprachen beherrschen, wie sie im Süden Indiens gesprochen werden. Für die gebildete Elite ist Englisch auch ein Statussymbol und für die zunehmend im globalen Wettbewerb stehenden Unternehmer geht ohne fundierte Englischkenntnisse ohnehin nicht sehr viel.

In der Verfassung sind 22 Sprachen anerkannt (u.a. Hindi, Bengali, Telugu, Tamil) doch die Zahl der gesprochenen Sprachen und Dialekte ist viel größer. Erhebungen gehen von rund 1.500 aus. Viele Sprachen verfügen über eine eigenen literarische Tradition. Entsprechend vielfältig ist die indische Literaturszene. Zu nennen ist hier an erster Stelle natürlich der berühmte bengalische Dichter und Träger des Literaturnobelpreises Rabindranath Tagore (1861-1941). Zeitgenössische Autoren sind u.a. Kiran Desai, der auch in Deutschland bekannte Altaf Tyrewala oder Rana Dasgupta.

Kunst

Indische Kunst ist in vielen Fällen in ihrem Ursprung wie in der konkreten Ausformung an religiöse Glaubensrichtungen, Gebräuche und Rituale gebunden. Besonders beeindruckende Aspekte indischer Kultur beziehen sich auf den klassischen indischen Tanz, die klassische indische Musik oder die Architektur. Gerade letztere steht teils unter besonderem Schutz durch den Status als Weltkulturerbe. Die Vielfalt ergibt sich auch hier aus der wechselhaften Geschichte des Landes und den bereichernden Einflüssen der Weltreligionen.

Kultur? Bei der indischen Filmindustrie Marke Bollywood gehen die Meinungen auseinander. Gleichwohl lieben viele Inder "ihr" Kino und die Glitzerwelt in Mumbay, dem Hollywood des Ostens, konzentriert sich darauf, ihre Anhänger nicht zu enttäuschen. Große Emotionen und musikalische Untermalung dürfen in keinem guten Film fehlen.

Sport

Feldhockey, Cricket oder Schach werden in Indien leidenschaftlich gerne gespielt. Daneben gibt es aber auch zahlreiche andere, auch traditionelle Sportarten, die ihre Anhängerschaft finden.

Küche

Die Gastfreundschaft des Landes erlebt man schnell am eigenen Leib . Atithi Devo Bhava ("der Gast ist wahrhaftig dein Gott") ist nicht eine schöne Phrase in einem Touristenführer, sondern Tatsache. Wo im wahrsten Sinn geschmackvoller erfährt man dies als beim Essen? Die indische Küche ist so vielfältig wie das Land. Leckere Gerichte gibt es in allen Regionen Indiens. Im Norden wird vor allem viel Fleisch gegessen und das Essen orientiert sich stärker an die Küche des Nahen und Mittleren Ostens. Getreide und Brot sind beliebter als Reis. Im Süden wird hingegen mehr Reis gegessen, vegetarisches Essen ist verbreiteter und die Curries sind in der Regel schärfer.

Filmplakate
Filmplakate © Christian Haugen (CC BY 2.0)
Kricket-Fan
Kricket Fan © Tourism Victoria (CC BY 2.0)

Religion

Neben den vier Glaubensrichtungen indischen Ursprungs: dem Hinduismus, dem Buddhismus, dem Jainismus und dem Sikhismus, werden in dem Land der Islam, das Christentum, der Zoroastrismus und das Judentum praktiziert. Die Inder sind laut dem indischen Zensus von 2011 zu 78,8 Prozent Hindus; 14,23 Prozent sind Muslime, 2,30 Prozent Christen und 1,72 Prozent Sikhs.

Hindutva

Die Trennung von Staat und Religion gehört zu den Grundprinzipien der indischen Verfassung. Religion wurde und wird aber für unterschiedliche politische Zwecke instrumentalisiert, oft mit tödlichen Folgen. Der Hindu-Nationalismus in der Form der Hindutva (Hindutum) ist ein aktuelles Beispiel für die Instrumentalisierung von Religion.

Indischer Tempel Birla Mandir
Hindu-Tempel, Foto von Justin Gaurav Murgai (CC BY-SA 2.0)
Goldener Tempel, Amritsar
Goldener Tempel, Amritsar © Jasleen Kaur (CC BY-SA 2.0)
Jama Masjid
Jama Masjid © Travis Wise (CC BY 2.0)

Das Länderinformationsportal

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Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Juli 2019 aktualisiert.

Über die Autoren

Clemens Jürgenmeyer, M.A. ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Arnold-Bergstraesser-Instituts und Lehrbeauftrager an der Universität Freiburg. Seine Forschungsinteressen sind Entwicklungspolitik und -theorie, Wahlbeobachtung, Wahlstudien, internationale politische Ökonomie und die politische, soziale und wirtschaftliche Entwicklung des modernen Südasien (vor allem nach 1947). Seit 1976 leitet er regelmäßig Seminare bei der AIZ/GIZ zur Vorbereitung von Mitarbeitern des Auswärtigen Amts, des Goethe-Instituts, der GIZ und anderer Institutionen der Entwicklungszusammenarbeit auf ihren Einsatz in Indien. Zahlreiche Publikationen. 

Dr. Arndt Michael, ass.iur. ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Freiburg und Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Internationale Politik, Seminar für Wissenschaftliche Politik, Universität Freiburg. Er hält regelmäßig Vorträge zu aktuellen Entwicklungen in Indien und insb. indischer Außen- und Sicherheitspolitik (z.B. am South Asia Institute, Harvard University; Institute of South Asian Studies, National University of Singapore; School of International Studies, Jawaharlal Nehru University). Seine Veröffentlichungen zu indischer Außen- und Sicherheitspolitik und regionaler Kooperation in Südasien sind u.a. erschienen bei Palgrave Macmillan, VS Springer, India Quarterly, India Review, Asian Security, Harvard Asia Quarterly und Cambridge Review of International Affairs.

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Thorsten Hölzer
(Akademie für Internationale Zusammenarbeit)

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