Geschätztes BIP
1.005 Mrd. US-Dollar (2018)
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
5.200 US-$
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 111 von 189 (2020)
Anteil Armut (nat. Armutsgrenze)
10,8% (2016)
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
39,5
Wirtschaftlicher Transformationsindex (BTI)
Rang 50 von 189 (2020)

Wirtschaftliche Situation in der Sukarno-Ära

In den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit war die landwirtschaftliche Produktion für die gesamtwirtschaftliche Situation noch von überragender Bedeutung. Dennoch standen Prestigeprojekte (wie die Konferenz der blockfreien Staaten 1955 in Bandung) vor gezielten Bemühungen zum Aufbau der Wirtschaft.

Wirtschaftsentwicklung in der Suharto-Ära

Der wirtschaftliche Umschwung erfolgte unter Suharto, als dieser 1967 endgültig die Macht als Präsident übernahm.

Zu den Rahmenbedingungen des wirtschaftlichen Aufbaus gehörten u.a. die Erleichterung von ausländischen Investitionen, eine Finanzpolitik, die die Inflation unter Kontrolle bekam, der Ausbau der Infrastruktur und eine Förderung der Lebensmittelproduktion. Mit internationaler Hilfe konnten zudem zahlreiche Entwicklungsprogramme erfolgreich umgesetzt werden.

Die Öffnung des Landes für ausländisches Kapital und die Erstellung von 5-Jahres-Plänen waren die wichtigsten Faktoren der wirtschaftlichen Konsolidierung.

Enorme Reichtümer an Erdöl und Erdgas sicherten die Deviseneinnahmen, die zum allmählichen Aufbau des Landes notwendig waren.

Die Erfolge Suhartos für die ökonomische Entwicklung sind unbestritten. Indikatoren (wie z.B. GNP) verweisen auf ein stetiges Wirtschaftswachstum während Suhartos Regierungszeit. Er erreichte u.a. eine Selbstversorgung mit Reis und eine fallende Quote der unter der Armutsgrenze lebenden Menschen.

Die Diversifizierung der Wirtschaftssektoren und staatliche Deregulierungsmaßnahmen zur Schaffung eines investorfreundlichen Klimas, waren wichtige Fundamente staatlicher Wirtschaftspolitik in der Regierungszeit Suhartos. Ein jährlich um 2 Millionen Menschen wachsendes Potential an Arbeitskräften und kostengünstigere Produktionsländer wie China und Vietnam sind wichtige Gründe, die zu dieser Wirtschaftspolitik führten.

Auswirkungen der Wirtschaftspolitik Suhartos

Die wesentlichen wirtschaftlichen Basisdaten schienen auf einen nachhaltigen Erfolg für die ökonomische Entwicklung Indonesiens hinzudeuten, gerade seit Ende der 80er Jahre. Dennoch gab es Kritik, die sich zu Beginn der 90er Jahre zunehmend gegen den wachsenden wirtschaftlichen Einfluss von Suhartos Familie richtete. Derweil führten der große Binnenmarkt, die sinkende Armut, zunehmende technischen Fähigkeiten indonesischer Arbeitskräfte und die staatlichen Investitionserleichterungen zu immer größeren Kapitalströmen. Diese Kapitalströme waren einer der wichtigsten Auslöser für die einsetzende Depression der Wirtschaft im Rahmen der Asienkrise von 1997.

Wirtschaftskrise 1997/1998 und ihre Folgen

Bekam man im Juli 1997 für einen Dollar noch rund 2.700 Rupiah, stieg der Wechselkurs 1998 auf bis zu 15.000 Rupiah an. Die Preise für alle Importwaren und einheimischen Produkte stiegen nun, während die Löhne auf dem alten Niveau blieben. In kurzer Zeit war das reale Pro-Kopf-Einkommen um drei Viertel gefallen. Vor allem der Finanzsektor war hart betroffen. Dort rächte sich massiv die ineffektive Bankenaufsicht.

Die Ursachen sind äußerst komplex: Mitverantwortlich waren staatliche Liberalisierungsmaßnahmen Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre. Damals hatten viele indonesische Großunternehmer ihre Chance genutzt und mit nur geringen Kapitaleinlagen eigene Hausbanken gegründet. Bei diesen Hausbanken bedienten sie sich dann selbst mit hohen Krediten, für die sie - erleichtert durch undurchsichtige Firmenkonglomerate - geschönte Sicherheiten hinterlegt hatten. Dadurch entstand eine große Finanzblase aus fiktivem Kapital.
Aufgrund des rapiden Verfalls des Rupiah verordnete der IWF nun eine Verringerung des Geldumlaufs. Daher erhöhte die indonesische Zentralbank den Leitzins von 20% auf 70,8%. Viele Kreditnehmer konnten daraufhin ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen. Die Folge war der Zusammenbruch vieler Banken. Etliche Fabriken und andere Unternehmen mussten schließen und die Arbeitslosigkeit stieg innerhalb weniger Monate drastisch an. Rund 40 Millionen Menschen waren davon betroffen. Die Versorgungslage der armen Bevölkerungsschichten wurde immer kritischer.

In den großen Städten kam es vor allem im Mai 1998 zu blutigen Unruhen, deren Hauptleidtragende die wirtschaftlich mächtige chinesische Minderheit war. Nicht nur viele reiche Chinesen transferierten daraufhin ihre Gelder ins Ausland - auch viele Günstlinge des alten Regimes überwiesen Milliardensummen ins Ausland. Ausländische Investoren flohen in dieser unsicheren Situation ebenfalls in Scharen.

Versuche, die Finanzkrise durch Zuschüsse des IWF in den Griff zu bekommen, scheiterten, da der IWF dafür tief greifende Reformen forderte, wie z.B. eine Privatisierung vieler staatlicher Betriebe, die Freigabe des Rupiah-Kurses, Liberalisierungsmaßnahmen im Handel, die Abschaffung von Monopolen und Kartellen und ernsthafte Maßnahmen zur Bekämpfung der Korruption. Da aber ein großer Teil der machthabenden Elite in Kartelle, Monopole und Korruption verwickelt war, hatten diese Forderungen von Anfang an keine Chance auf ernsthafte Durchsetzung.

Nach den fetten Jahren, durch die Indonesien den Sprung zur Industrienation schaffen wollte, stand das Land in der Asienkrise urplötzlich vor dem Ruin. Suharto, der Vater des Aufbaus und wirtschaftlichen Erfolges, bekam die Krise nicht in den Griff und musste abdanken.

Armut

Müllsammlung in Jakarta © Klaus Fuhrmann
Müllsammler in Jakarta © Klaus Fuhrmann

Im Zuge der Asienkrise 1997/1998 verschärfte sich die Armut im Land drastisch. Damals mussten rund 48% der Bevölkerung mit weniger als 1,25 US$ pro Tag auskommen - inzwischen sind es nur noch 18%. Regional wurden noch deutlich dramatischere Werte erzielt.

Der Durchschnittslohn betrug 2018 179 € im Monat.

Indonesien hat aber auch weiterhin ein massives Armutsproblem. Nach Weltbankmaßstäben gelten rund 50% der IndonesierInnen als arm, wobei abhängig von der Region auch noch deutlich höhere Werte erreicht werden können. Die seit 2008 erheblich gestiegenen Nahrungsmittelpreise haben die Lage der Armen weiter verschärft. 11,7% lebten 2017 unterhalb der nationalen Armutsgrenze.

Die Armut ist jedoch weiterhin regional sehr unterschiedlich hoch, wie neuere Armutsstudien zeigen. Die reichsten Provinzen haben daher ein mehr als zehnmal höheres Budget als die ärmsten Provinzen.

Die Ungleichheit wird immer größer, denn auf der anderen Seite gibt es auch immer mehr reiche Indonesier. Derzeit zählt Indonesien rund 40.000 Dollarmillionäre und, nach der Forbes-Liste 2018, insgesamt 30 Dollarmilliardäre. Die Zahl der Dollarmilliardäre hat sich damit in den letzten 10 Jahren mehr als verdoppelt. Der Reichtum der 40 reichsten Menschen in Indonesien stieg nach der Forbes-Liste allein zwischen zwischen 2015 und 2017 von 92 Milliarden US$ auf 119,2 Milliarden US$.

Wirtschaftsentwicklung seit 2004

Shoppingmall in Medan ©Klaus Fuhrmann

Der im Oktober 2004 gewählte Präsident Susilo Bambang Yudhoyono und sein Kabinett lösten, trotz der Tsunami- Katastrophe und einiger unpopulärer Entscheidungen, zunächst eine neue Aufbruchstimmung im Land aus. 

Seit das indonesische Parlament im Jahr 2007 wichtige Investitionsschutzgesetze verabschiedet hat, haben sich die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft deutlich verbessert. Seitdem tragen auch ausländische Investitionen zunehmend zu einer Verbesserung der aktuellen wirtschaftlichen Situation bei. Die Gesetze erleichtern z.B. den Landerwerb, gewähren Zugang zu internationalen Schiedsgerichten und stellen einheimische und ausländische Investoren grundsätzlich gleich. 

Das Wirtschaftswachstum lag 2008 bei 6,4 Prozent. Allerdings bekam auch Indonesien die Auswirkungen der Finanzkrise deutlich zu spüren. Dennoch bezifferten Analysten das Wirtschaftswachstum von 2009 auf 4,5%, obwohl insbesondere die Exporte in den ersten Monaten der Finanzkrise drastisch eingebrochen waren. Mit 4,5% war Indonesien dennoch eines der wenigen asiatischen Länder, dessen Wirtschaft überhaupt gewachsen war. Seit der Finanzkrise erreichte Indonesien jedes Jahr ein Wirtschaftswachstum zwischen 4,8 und 6,5 %. 2014 wurden 5,3 % erreicht, vor allem, weil in den letzten Regierungsjahren von Präsident Susilo Bambang Yudhoyono aufgrund einer zunehmend protektionistischeren, nationalen Wirtschaftspolitik ausländische Investoren zurückhaltender investierten. 2015 fiel das Wirtschaftswachstum auf 4,8%. 2016 lag es bei 4,9%, und von 2016-2019 zwischen 5,0 und 5,2%

Die Regierung von Präsident Joko Widodo versucht, die Energiekosten zu senken, die Wertschöpfung im Land zu stärken und Investitionen zu vereinfachen. Ferner sollen die Vorschriften für Arbeitserlaubnisse von Ausländern gelockert und der Landerwerb deutlich vereinfacht werden.

Im Vergleich zu seinem Vorgänger schlägt Präsident Joko Widodo einen protektionistischeren Kurs ein. Er will unter anderem die Fertigungstiefe im eigenen Land und die Fertigung von Industrieprodukten in Indonesien steigern. Auch Maßnahmen zur Ankurbelung des Binnenmarktes werden erwartet.

Als eine erste wirtschaftspolitische Maßnahme hat er bereits kurz nach seiner Amtseinführung die Benzinsubventionen abgeschafft, die über viele Jahre den Staatshaushalt sehr belasteten. Dadurch stehen viele zusätzliche Milliarden Dollar pro Jahr zur Verfügung, die offensichtlich vor allem im Gesundheitsbereich und für die Verbesserung der Infrastruktur eingesetzt werden sollen - insbesondere für große Häfen.

Zwischen 2005 und 2018 ist Indonesien im Ranking des Global Competitiveness Report des World Economic Forum deutlich aufgestiegen (von Rang 56 auf Rang 45 von 140 Ländern). 2011 verlieh die Ratingagentur Fitch erstmals seit 1998 auch wieder den "Investment Grade", 2012 auch die Ratingagentur Moodys.

Positiv auf das Wachstum wirkt sich auch das hohe Gewicht des großen indonesischen Binnenmarktes aus, der in schwierigen Zeiten vor konjunkturellen Schwankungen schützt.

Der Bankensektor hat die Finanzkrise von 2008/2009 außergewöhnlich gut verkraftet, was maßgeblich auf eine Vielzahl von Reformen in diesem Bereich zurückzuführen ist. Die Staatsverschuldung konnte von 130% der Wirtschaftsleistung (1998) auf ca. 29,2% (2018) reduziert werden (Im Vergleich Deutschland 2019: 59 %) . Die Inflationsrate lag 2019 bei 2,7 %. Zwischen Mitte Februar und Anfang April verlor die Indonesische Rupiah im Zuge der Corona-Krise plötzlich ein Sechstel ihres Wertes im Vergleich zum Euro.

Indonesien gehörte aufgrund seiner Wirtschaftspolitik zu den wenigen Ländern in denen die Wirtschaft trotz der Finanzkrise von 2008/2009 noch wuchs. Wesentliche Faktoren, die zu der vergleichsweise guten ökonomischen Situation Indonesiens beitrugen, waren der stabile Konsum der Bevölkerung, ein rund 7 Milliarden US-$ umfassendes Konjunkturpaket der Regierung und Zinssenkungen der Zentralbank.

Als größte regionale Volkswirtschaft profitiert Indonesien derzeit auch stark von der im Januar 2010 geschaffenen Freihandelszone AFTA zu der die ASEAN- Mitglieder Indonesien, Malaysia, Singapur, Thailand, Brunei und die Philippinen gehören.

 Im Jahr 2018 wurde Indonesien vom IMF von der Kategorie "Lower Middle-Income-Country" auf die Kategorie „Emerging Market and Middle Income Economics“ hochgestuft.

Die wirtschaftliche Konsolidierung ist augenblicklich auf das Engste mit dem politischen Vertrauensbildungsprozess verbunden. Innenpolitische Konflikte, politische Destabilisierung, erstarkender radikaler Islamismus, die nach wie vor starke Korruption und Sezessionsängste zählen zu den Hauptproblemfeldern, die den Prozess der Konsolidierung behindern.

Zur Lösung der ökonomischen Probleme des Landes sind grundsätzliche Voraussetzungen zu schaffen.

Wirtschaftshemmend wirkt sich derzeit auch die unzuverlässige Stromversorgung (insbesondere in Jakarta) aus, die auf mangelnde Investitionen im Energiebereich zurückzuführen ist. Gleichzeitig hat kaum ein Land in der Welt so gute Möglichkeiten seinen Strombedarf über erneuerbare Energien (insbesondere durch Geothermie) zu decken.

9% der Energie stammen von Wasserkraftwerken, 85% von fossilen Energien.

Im Stromsektor gibt es ein weitgehendes Monopol des staatlichen Stromversorgers PLN.

Im Oktober 2015 hat Indonesien mit Russland einen Vertrag zur friedlichen Entwicklung der Kernenergie unterzeichnet. Ob dies tatsächlich dazu führen wird, dass in wenigen Jahren Kernkraftwerke in Indonesien fertiggestellt werden, kann jedoch nach Einschätzung des Autors bezweifelt werden. Frühere Projekte zur Entwicklung der Kernenergie in Indonesien sind bereits am Widerstand der lokalen Bevölkerung gescheitert, die unter anderem mit der hohen Erdbebengefahr argumentierte.

Die bisher einzige Windenergieanlage steht in Süd-Sulawesi.

Auch der schlechte Zustand der Verkehrsinfrastruktur wirkt sich negativ auf die Wirtschaftslage aus. Ihr Ausbau ist ein zentrales Thema der Wirtschaftspolitik von Präsident Joko Widodo. Allerdings gestaltet sich seine Wirtschaftspolitik auch zunehmend protektionistisch. Das zeigt sich zum Beispiel in der Beschränkung von Tätigkeitsfeldern von internationalen Investoren, und den seit Juli 2015 geltenden Verordnungen, dass pro Expatriate 10 einheimische Kräfte angestellt werden müssen, und dass jeglicher Zahlungsverkehr in Indonesien nur noch in Rupiah zugelassen ist.

Internetfirmen, die ihre Dienstleistungen in Indonesien anbieten, sollen künftig auch in Indonesien Steuern zahlen, da sie sonst Gefahr laufen, dass ihre Bandbreite reduziert wird oder sie komplett gesperrt werden. Ob sich dies praktisch umsetzen lässt bleibt jedoch abzuwarten.

Durch die seit der Asienkrise fortdauernden Bemühungen zur Restrukturierung des Bankensektors hatte der indonesische Finanzmarkt 2008/2009 nur vergleichsweise wenig unter der weltweiten Finanzkrise zu leiden.

Das indonesische Bankensystem verfügt über eine gute Kapitalausstattung und ist grundsätzlich stabil. Seit einigen Jahren steigt jedoch der Anteil der faulen Kredite. Dadurch wird die Kreditqualität zunehmend in den Fokus gerückt. Weiterhin gibt es Risiken, die insbesondere Unternehmen betreffen, die unter Verschuldung in ausländischer Währung leiden.

Der Außenhandel boomt, auch wenn die seit 2015 zurückgehenden Wachstumszahlen in China die Außenhandelsbilanzen zunehmend belasten. Nach Angaben des indonesischen Statistikamtes BPS nahmen 2011-2014 die Importe jährlich um mehr als 20% zu, die Exporte sogar um 30,7%. Auch die stark steigenden Touristenzahlen tragen zum Wirtschaftswachstum bei.

Nach Einschätzung der Weltbank wird sich die indonesische Wirtschaft aufgrund der derzeit relativ stabilen politischen Situation weiter erholen. Seit 2010 lag das Wirtschaftswachstum alljährlich zwischen 4,8 und 6,4%. Dieses Wachstum wird vermutlich auch in den nächsten Jahren grundsätzlich anhalten, sich aber nach Einschätzung der Weltbank etwas verlangsamen.

In den letzten Jahren hat insbesondere die Bedeutung der Digitalwirtschaft durch indonesische Startups wie Gojek oder Bukalapak deutlich erhöht.

Dennoch mehren sich auch die Alarmzeichen.Viele Analysten und auch die indonesische Regierung betrachten die ungebremste Immobilienspekulation mit großer Sorge.

Der derzeitige Aufschwung ist auch maßgeblich auf die in den letzten Jahren deutlich gestiegenen Rohstoffpreise zurückzuführen. Der Anteil des verarbeitenden Gewerbes schrumpfte hingegen auf weniger als ein Viertel des Bruttoinlandsproduktes.

Insgesamt wird der wirtschaftlichen Konsolidierung, verbunden mit einer Abnahme der Arbeitslosenzahlen und wieder wachsenden Verdienstmöglichkeiten, häufig eine größere Priorität als der politischen Freiheit und Umweltfragen eingeräumt. Gewerkschaften hatten daher im ersten Post-Suharto Jahrzehnt nur einen geringen Einfluss auf die Arbeitsmarktpolitik. Seit 2011 haben die Gewerkschaften jedoch an Einfluss gewonnen und in vielen Regionen bereits zu einer deutlichen Anhebung der Mindestlöhne beigetragen. Zunehmend realisiert auch die politische Elite, dass ein Schulterschluss mit den Gewerkschaften wichtige Wählerstimmen bringen kann.

In einigen Wirtschaftsbereichen ist Kinderarbeit verbreitet.

Das Militär spielt weiterhin eine wichtige wirtschaftliche Rolle und ist zum Teil auch, weitgehend unbehelligt von der Justiz, in Bereichen jenseits der Legalität tätig.

Oligarchen spielen in der indonesischen Politik eine wichtige Rolle. Häufig finanzieren sie den Wahlkampf von zukünftigen Machtinhabern auf nationaler und subnationaler Ebene.

Im Rahmen der wirtschaftlichen Konsolidierung haben der Auf- und Ausbau der Klein- und Mittelindustrie und der tertiäre Sektor eine tragende Rolle.

Die deutsche Wirtschaft verhielt sich nach der Asienkrise lange Zeit sehr zögerlich mit Direktinvestitionen in Indonesien. Vornehmlich asiatische Unternehmen erkannten die Chancen des riesigen indonesischen Binnenmarktes früher.

Aufruf zum Stromsparen © Klaus Fuhrmann
Aufruf Strom zu sparen © Klaus Fuhrmann
Stromleitungen  © Klaus Fuhrmann
Stromleitungen © Klaus Fuhrmann

Wirtschaftskontakte

In Indonesien waren 2019 rund 300 deutsche Unternehmen vertreten.

Wichtige Wirtschaftskontakte und Informationen können in Indonesien über die deutsch-indonesische Industrie- und Handelskammer (Ekonid) vermittelt werden. Ekonid vertritt rund 500 deutsche und indonesische Mitgliedsunternehmen und fördert den bilateralen Handel sowie Investitionen zwischen Indonesien und Deutschland. Ekonid hält für deutsche Unternehmen ein breites Serviceangebot bereit. Als Wirtschaftsförderungsgesellschaft berät Germany Trade & Invest (GTAI) indonesische Unternehmen, die beabsichtigen, ihre Geschäftstätigkeit auf den deutschen Markt auszudehnen. 

Hauptlieferländer sind für Indonesien derzeit China (24,1%), Singapur (11,4%), Japan (9,5%)  und Thailand (5,9% (2019)

Auch das German Centre unterstützt deutsche Unternehmen, die in Indonesien investieren wollen, mit Infrastruktur - ein Angebot, dass insbesondere von kleineren und mittleren Unternehmen angenommen wird. Auch der Ostasiatische Verein bietet umfangreiche Unterstützung für deutsche Unternehmer. Die deutsche Botschaft gibt eine Liste der in Indonesien tätigen deutschen Firmen heraus. Die Zahl der deutschen Unternehmen, die Niederlassungen in Indonesien haben, ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

Die deutschen Direktinvestitionen in Indonesien betrugen 2015 mit 57 Millionen US-$ gerade mal 0,2% der gesamten ausländischen Direktinvestitionen. Auf der Rangliste der wichtigsten Länder für Wareneinfuhren belegte Deutschland 2018 Rang 9.

Indonesien weist ein Handelsdefizit mit Deutschland auf. Nach Angaben des indonesischen Handelsministeriums importierte Indonesien 2017 Waren im Wert von 3,54 Mrd. US-$ aus Deutschland, während Indonesien Waren im Wert von 2,67 Mrd. US-$ nach Deutschland  exportierte.

Insbesondere in den letzten 10 Jahren haben chinesische Investitionen in Indonesien deutlich zugenommen, vor allem im Infrastrukturbereich.

Ein Vorhaben von HeidelbergCement, auf Java ein Zementwerk zu errichten, stößt derzeit wegen möglicher Umweltschäden auf erheblichen Widerstand von Seiten der Zivilgesellschaft und internationalen Menschenrechts- Umweltverbänden.

Trotz erheblichen Menschenrechtsverletzungen in Krisengebieten, bei denen auch deutsche Waffen zum Einsatz kommen, zählt Deutschland derzeit zu den wichtigsten Rüstungslieferanten Indonesiens. Das galt insbesondere während der Herrschaft von Diktator Suharto. Der Kauf von 39 deutschen Schiffen aus der NVA-Kriegsmarine 1993 verursachte einen großen innenpolitischen Skandal, der bis heute diskutiert wird. Das erste Schiff sank bereits bei der Überführung.

Die kritische Berichterstattung über diesen Verkauf führte 1994 dazu, dass von Suharto drei der größten Nachrichtenmagazine verboten wurden. Deutsche Rüstungsfirmen lieferten damals auch Hubschrauber, U-Boote und Maschinenpistolen an Indonesien.

Zudem vereinbarte Deutschland mit Indonesien weitere Rüstungsexporte. 2013 erfolgte u.a. die Lieferung von 104 Leopard-Panzern. Aufgrund des hohen Gewichts der Panzer, der geringen Tragfähigkeit der Brücken und des sumpfigen und bergigen Terrains in Kalimantan sind diese Panzer nicht zur Verteidigung an den Landesgrenzen einsetzbar. Viele Leopard-Panzer werden daher an das Militär in einer besonders für den Straßenkampf geeigneten Version (Typ "Revolution") geliefert. Indonesien hat 2012 mit Deutschland ein Memorandum of Understanding über eine militärische Kooperation unterzeichnet, u.a. in den Bereichen von militärischem Training, Forschung, Entwicklung und militärischer Logistik. 2019 genehmigte der Bundessicherheitsrat erneut Lieferungen von Rüstungsgütern nach Indonesien.

Entwicklung

Bezüglich der Erreichung der Millennium Development Goals sah UNDP Indonesia das Land "auf dem Weg" zur Erreichung der Ziele - gibt jedoch gleichzeitig zu bedenken, dass die Aussichten für die Erreichung in den einzelnen Provinzen unterschiedlich sind. Generell darf bezweifelt werden, dass im landesweiten Schnitt die Erreichung der Ziele vorerst nicht möglich ist. Der Human Development Report listet Indonesien derzeit auf Platz 116 von 187 Ländern. Im Bereich der Armutsbekämpfung konnten zwar stellenweise zweifellos Erfolge erzielt werden; dennoch nimmt die Zahl der Armen insgesamt zu. 

Probleme der Regierungsführung und die fehlende Rechtssicherheit führen dazu, dass die großen Potenziale Indonesiens nur schlecht genutzt werden. Die Anti-Korruptionspolitik von Präsident Susilo Bambang Yudhoyono hat jedoch dazu geführt, dass der Corruption Perception Index von Transparency International zunächst deutliche Verbesserungen erkennen ließ. In den letzten Jahren hatte sich die Indonesien in dem Index wieder verschlechtert, was vor allem auf einige spektakuläre Skandale zurückzuführen war, in die hochrangige Politiker involviert waren. Inzwischen liegt Indonesien auf Platz 89 des Rankings.

Präsident Joko Widodo hatte bereits in seiner Amtszeit als Bürgermeister von Solo und Gouverneur von Jakarta bewiesen, dass er gewillt ist, entschieden gegen Korruption vorzugehen. Das hat er auch bei der Auswahl seines ersten Kabinetts bewiesen, deren Kandidaten er zuvor von der Antikorruptionsbehörde durchleuchten ließ. Vier Kandidaten wurden daraufhin fallengelassen.

Die Beteiligung zivilgesellschaftlicher Institutionen an der nationalen Entwicklungsplanung ist nach wie vor gering. In dem indonesischen Strategiepapier zur Armutsminderung (Poverty Reduction Strategy Paper - PRSP) finden sich derzeit nur sehr ungenaue Angaben zu diesem Thema.

Bilaterale Entwicklungszusammenarbeit

Indonesien ist Schwerpunktpartnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Für Indonesien ist Deutschland mit einem Gesamtvolumen von 3 Milliarden Euro (seit 1961) der zweitgrößte bilaterale Partner nach Japan. In den letzten Jahren kam es nach den Regierungsverhandlungen zu tief greifenden Veränderungen in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit Indonesien.

Die deutsch-indonesische Kooperation konzentriert sich auf drei Schwerpunktbereiche:

  • Energie
  • Umweltschutz
  • Berufliche Bildung/Wirtschaftsentwicklung 

Querschnittsthemen sind gute Regierungsführung und die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft.

In der internationalen Zusammenarbeit des BMU kommt Indonesien aufgrund seiner Bedeutung für den Klimaschutz und den Erhalt der Biodiversität eine wichtige Rolle zu. 

2014 wurde eine gesetzliche Krankenversicherung eingeführt, die bis 2019 die gesamte Bevölkerung von über 250 Millionen Menschen abdecken soll. Die Planung des neuen Sozialsicherungssystems wurde durch Beratung von deutscher Seite intensiv begleitet.

Beratung findet auch bei einem Vorhaben der indonesischen Regierung statt, das sich zum Ziel gesetzt hat, öffentliche Verkehrsmittel in ein integriertes Verkehrssystem zusammenzuführen um den privaten Personenverkehr zu senken.

Bei den Regierungsverhandlungen im November 2015 hat Deutschland Indonesien die bisherige Rekordsumme von 555 Millionen Euro für die Entwicklungszusammenarbeit zugesagt. 

Zunehmend spielt auch die Verknüpfung mit regionalen Prozessen innerhalb der ASEAN eine Rolle in der bilateralen Zusammenarbeit.

Eine Homepage der deutschen Botschaft stellt wichtige Akteure der deutschen Entwicklungs- und Wirtschaftszusammenarbeit mit Indonesien vor. Unter anderem haben GIZKfW, und  Sequa eigene Büros in Jakarta.

Zahlreiche weitere Organisationen, wie z. B. Brot für die Welt und AGEH haben ebenfalls Projekte in Indonesien.

Vertretungen deutscher parteinahen Stiftungen (KAS, FES, HSS, FNS) unterhalten Büros in Jakarta und informieren im Internet über ihre Arbeit in Indonesien.

Zahlreiche deutsche Verbände, wie z.B. der DAAD bemühen sich auch um den wissenschaftlichen Austausch zwischen Deutschland und Indonesien. Auch das Goethe-Institut ist in Jakarta vertreten.

Multilaterale Entwicklungszusammenarbeit

Die UN arbeiten in Indonesien vor allem in vier Bereichen:

  • MDG Monitoring and Advocacy
  • Crisis Prevention and Recovery
  • Environmental Sustainability
  • Democratic Governance

Darüber hinaus gibt es Sonderprogramme in den Bereichen HIV/Aids und Gender Mainstreaming.

Die EU fokussiert in ihrer Entwicklungsstrategie auf Armutsverminderung, die Förderung von ökonomischem Wachstum durch Handel und Investitionen und die Förderung von guter Regierungsführung durch verbesserte Rechtsdurchsetzung. Als Querschnittsthemen werden zudem Umwelt, Konfliktprävention, Genderfragen und Menschenrechte benannt.

Von der Weltbank werden die Förderung der makroökonomischer Stabilität, die Stärkung des Finanzsektors, die Förderung eines wettbewerbsfähigen Privatsektors, die Verbesserung der Infrastruktur und die Schaffung von Einkommensmöglichkeiten für arme Haushalte als Schwerpunkte genannt.

Das Länderinformationsportal

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Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im April 2020 aktualisiert.

Der Autor

Dr. Klaus Fuhrmann - Dr. Klaus Fuhrmann führt für die GIZ Landesvorbereitungskurse zu Indonesien durch. Nach seinem Ethnologiestudium (u.a. in Yogyakarta) hat er mehrere Jahre in Indonesien geforscht. Später war er in Indonesien als Dokumentarfilmer, Radioreporter und Studienreiseleiter sowie in der Entwicklungszusammenarbeit tätig. Derzeit arbeitet er vornehmlich als interkultureller Trainer für das AMIKO- Institut für Migration, Kultur und Gesundheit.

Quellen für aktuelle Wirtschaftsinformationen

Daten und Hintergrundberichte

Indonesische Zeitungen/Zeitschriften in englischer Sprache

Seiten in indonesischer Sprache

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