Irakische Dinar
Geschätztes BIP
192 Mrd USD (Weltbank 2017)
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
5017 USD (Weltbank 2017)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 120 von 189 (UNDP 2017)
Anteil Armut
30% (geschätzt Irak. Planungsminister 2016)
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
29,5 (Weltbank 2012)
Wirtschaftl. Transformationsindex (BTI)
Rang 106 von 129 (2018)

Die wirtschaftliche Lage im Überblick

Der Irak erholt sich langsam vom Terror des sogenannten Islamischen Staat und seinen Folgen. Nicht nur sind ökonomisch wichtige Städte wie Mosul zerstört worden. Dies trifft das Land, nachdem es seit Jahrzehnten durch Krieg, Bürgerkrieg, Sanktionen zerrüttet wurde. 

Wiederaufbauprogramme laufen bereits, vorsichtig-positive Wirtschaftsprognosen traf die Weltbank im April 2019. In den letzten Monaten unterzeichnete der Irak einige Kooperationsabkommen mit den Nachbarn. Davon haben die nicht-Öl-basierten Wirtschaftssektoren profitiert, die Weltbank schätzt den Wachstum in diesen Sektoren auf 4%. Die Inflation blieb trotz höherer Transportkosten und steigender Lebensmittelpreise bei 0,4% (2018). Ein weiterer Antrieb für die verbesserten Wirtschaftsprognosen der WB ist die stabile Sicherheitslage und die steigenden Ölpreise. Die Verabredung mit der OPEC, die Fördermengen zu begrenzen, endet Mitte 2019. Mehrausgaben der aktuellen irakischen Regierung sowie ein erwarteter Rückgang der Ölpreise erweitern laut WB 2019 das Haushaltsdefizit um geschätzte 5,4% des BIPs.

Für einen gesamtwirtschaftlichen Aufschwung bedarf es ebenfalls massiver Investitionen aus dem Ausland. Die Doing Business in Iraq-Einschätzung der Weltbank sieht der Zukunft vorsichtig optimistisch entgegen. Die detaillierte Bewertung des Business-Klimas für 2019 geht von leichten Verbesserungen im Vergleich zum letzten Jahr aus. 

Die Germany Trade and Investment prognostiziert ein Pro-Kopf-BIP von 5.759 USD für 2019 . Sie geht von einem Anstieg des BIP von ca. 2,8% für dieses Jahr aus. Allerdings erhöht sich auch die Inflationsrate von 0,4% in 2018 auf geschätzte 2% für 2019.

Jüngsten Schätzungen der Weltbank zufolge liegt die Arbeitslosigkeit für 2017 bei 15%. Für Arbeitssuchende unter 24-Jährige wird der Schnitt auf ca. 32% geschätzt. Die Beteiligung der Frauen am Arbeitsmarkt liegt wesentlich unter dem Durchschnitt der MENA-Region. Versorgungsengpässe bei Strom und Wasser sowie die mangelnde Arbeitsbeschaffung sind die Gründe für die andauernden Proteste in Iraks großen Städten. Sie stellen die Regierung, die traditionell der größte Arbeitgeber ist, vor eine riesige Herausforderung.

Offener Bücherverkauf auf der bekannten Al-Mutanabbi-Staße in Bagdad; ©By Larisa Epatko; (CC BY-NC 2.0)
Morgiana Monument in Baghdad; by David Stanley; (CC BY 2.0)

Trotz zahlreicher Versuche zur Diversifikation der Einnahmequellen, stellt das Erdöl immer noch die Haupteinnahmequelle des irakischen Staates dar. Der Oktober 2018 bescherte dem Irak Rekordeinnahmen von 8 Milliarden USD, so die Angaben der irakischen Regierung. Grund dafür ist der gestiegene Ölpreis, denn die Fördermenge des Iraks ist in den letzten Monaten merklich zurückgegangen. In der Region Kurdistan hingegen stieg die Fördermenge um mehrere Prozentpunkte.

Die neue Regierung von Adil Abdul-Hadi legte dem Bundesparlament ein Jahresbudget von 111 Milliarden USD für 2019 vor, inklusive Mehrausgaben von über 20%. Die Ausgaben konzentrieren sich weiterhin auf Sicherheit, Militär und Soziales. Ein Wiederaufbauprogramm berücksichtigt die vom IS befreiten Städte in besonderem Maße. Das Bestreben, die Ausgaben zu reduzieren gelingt unter den Vorzeichen von 2018 freilich nicht. Mehrere kurdische Politiker äußerten ihren Protest darüber, dass das Budget die von der Vorgängerregierung beschlossene Kürzung des "kurdischen Anteils" von 17% auf 12,67% beibehielt. Die Regierung Abadis hatte im Budget 2018 die Annahme getroffen, dass die Bevölkerung der kurdischen Region nur 12,67% der Gesamtbevölkerung des Iraks ausmachen. Eine Volkszählung liegt viele Jahre zurück.

Die Einnahmen aus den Ölfeldern um Kirkuk waren eine wichtige finanzielle Stütze für die KRG, vor allem in der Zeit, in der Bagdad die Gehälter der kurdischen Regierungsmitarbeiter nicht mehr bezahlte.

Die KRG konnte die Gehälter ihrer Angestellten nicht auszahlen, es drohte ein Finanzkollaps. Dann wurden die Ausgaben der KRG aufgrund des neuen Budget-Beschlusses erheblich gekürzt. Bagdad erlangte erneut Kontrolle über das ölreiche Kirkuk. Sprecher der kurdischen Regierung stellen den Zugriff Bagdads als Strafe für das Unabhängigkeitsvotum des September 2017 dar. Der nachfolgende Bericht wirft ein Licht auf die Spannung im Norden: "Kurds lose vital oil fields after Iraqi forces capture Kirkuk", Aljazeera English; Engl.; 3:05 min.

Die wiederkehrenden Konflikte zwischen Bagdad und Erbil um das Thema Ressourcenverteilung können nur mit einem neuen konsensfähigen Öl- und Gasgesetz im nationalen Parlament gelöst werden, in dem föderale Zuständigkeiten klarer und verbindlicher geklärt werden.

Die stellenweise starke Ambiguität in der irakischen Verfassung, insbesondere  Art. 112(1) der nationalen Verfassung, trägt ihren Teil zur politischen Instrumentalisierung der Ölfrage bei.

Beziehen sich demnach die Konzessionsrechte nur auf 2005, also auf bereits bestehende Ölfelder im Jahr der Verfassungsannahme; oder gelten diese auch für danach entdeckte Reserven? Dürfen Erschließungs- und Ausbeutungsrechte nur für bereits produzierende oder auch für nicht-produzierende Felder vergeben werden? Wer darf die Ausschreibungsstandards überhaupt festlegen - Bagdad oder die KRG? Wie viel Mitspracherecht hat die Provinzregierung des größten Ölfördergebiets in Basra? Wer darf in den "Umstrittenen Gebieten" entscheiden? Solche Fragen sind nicht nur politisch und konstitutionell strittig, sie werden auch von Rechtsexperten unterschiedlich bewertet.

Die Einnahmen aus dem Ölverkauf bescheren dem Irak insgesamt zwar eine wirtschaftlich solide Basis, allerdings profitieren nicht alle Einwohner gleichermaßen davon. Laut der letzten Schätzung der Weltbank liegt der Gini-Koeffizient für die Verteilung des Einkommens im Irak bei 29,5. Die Arbeitslosenquote beträgt laut Schätzung der UN 11%, bei Jugendlichen unter 24 Jahren ist sie doppelt so hoch und liegt bei 22,8%.

Trotz der großen Öleinnahmen leidet der Staat unter mangelnden Geldmitteln und Effizienz. Große Schwierigkeiten bestehen dazu mit der flächendeckenden Eintreibung von Steuern und der effektiven Kontrolle geleisteter Abgaben. Die Korruption im Lande ist stark ausgeprägt und wird in weniger als 5% der Fälle angezeigt. 54% der Iraker sind der Meinung, die Korruptionssituation sei in den letzten zwei Jahren (vor der betreffenden Umfrage der UN) schlimmer geworden, so die ILO im Factsheet zum Thema Governance 2011. Aktuell rangiert der Irak beim Korruptionsindex von Transparency International zurzeit auf Rang 169 von insgesamt 180 untersuchten Ländern.

Der türkische Nachrichtensender TRT World widmete sich in der Finanzsendung "Economic challenges await Iraq's new government" (Engl.; 6:38 min) den größten Herausforderungen der neuen irakischen Regierung.

EZ zwischen Deutschland und Irak

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit dem Irak konzentriert sich seit 2014 neben der humanitären Hilfe und dem Wiederaufbau auf Arbeitsbeschaffung, Bildung und Gesundheit (mit großem Schwerpunkt auf MHPSS).

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ist seit 2014 beteiligt am Wiederaufbau des Iraks und hat im Februar 2018 im Rahmen der Wiederaufbaukonferenz in Kuwait neue Unterstützung in Höhe von 350 Mio. Euro zugesagt. Zur Stabilisierung des Landes werden Schulen in ehemaligen Kriegsgebieten aufgebaut, die Wasserversorgung verbessert, psycho-soziale Begleitung für Geflüchtete und IDPs angeboten und Geflüchtete im "Cash-for-Work-Programm" in Lohn und Brot gebracht. Doch der Wiederaufbau gestaltet sich schwierig im Schatten von Instabilität, Machtkämpfen und Korruption. 

Der DAAD fördert irakische Studenten wie auch Wissenschaftler, die in Deutschland studieren möchten. Mit dem großangelegten Stipendienprogramm Human Capacity Development Programme will die KRG massiv in den Hochschulsektor investieren.

Zusätzlich ist der DAAD federführend bei der Einrichtung von Hochschulpartnerschaften im gesamten Irak.

Das vom Auswärtigen Amt gesponserte gemeinnützige Unternehmen Media in Cooperation and Transition (MICT) bietet Beratung und Schulungen für Medienschaffende an.

Basra; Irak; CC0

Deutsche Stiftungs- und Wirtschaftsbüros mit Arbeitsschwerpunkt Irak

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im September 2019 aktualisiert.

Die Autorin

©Nesrine Shibib

Nesrine Shibib ist freie Redakteurin, Trainerin und Gutachterin. Bei der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) der GIZ bietet sie seit Jahren regelmäßig Landesanalysen für Jordanien und Irak an. 

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Die Akademie der GIZ gestaltet Lernangebote für die internationale Zusammenarbeit. Wir führen mehr als 2000 Fort- und Weiterbildungen durch und entwickeln innovative, wirksame und nachhaltige Lernkonzepte. Und das weltweit.

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