Persische Schirini (Süßigkeiten), ein übliches Gastgeschenk (eigenes Bild)
Währung
Iranischer Rial (IRR)
Wechselkurs
50473 IRR pro € (Juni 2020)
Zeitzone
UTC +3:30
Landesvorwahl (Telefon)
+98
Klima (für Hauptstadt)
kontinental

Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen

Bis auf wenige Ausnahmen brauchen Ausländer*innen zur Einreise nach Iran ein Visum (Gebühr: 40-700 €, je nach Art des Visums). Im Falle deutscher Staatsbürger kann dies vor allem bei der iranischen Botschaft in Berlin beantragt werden. Zudem gibt es inzwischen die Möglichkeit, das Visum auch online zu beantragen (dies funktioniert jedoch weiterhin nicht immer reibungslos). Um ein Visum beantragen zu können benötigt man einen Reisepass, der noch mindestens sechs Monate gültig ist und keinen israelischen Vermerk enthält. Zudem benötigt man eine Einladung aus Iran, die durch das iranische Außenministerium über eine Referenznummer bestätigt wird. In aller Regel genügt es, wenn ein größeres Hotel in Teheran diese Einladung ausstellt (diese ist verbunden mit einer Zimmerreservierung).

Bei organisierten Reisen übernimmt der Reiseveranstalter die Einladung, bei einem Studentenaustausch in der Regel die iranische Universität. Die gewünschte Dauer des Aufenthalts muss im Antragsformular angegeben werden. Das Visum wird auf maximal einen Monat ausgestellt, kann aber im Land mehrmals auf insgesamt drei Monate verlängert werden. Ein dafür zuständiges "Police Department of Aliens" befindet sich in allen Provinzhauptstädten.

Aufgrund der aktuellen Situation durch COVID-19 werden alle in Iran Einreisende nach ihrem gesundheitlichem Befinden befragt, desinfiziert und gegebenenfalls ärztlich untersucht. Infizierte werden auf Isolierstationen verbracht, alle anderen Einreisenden müssen zunächst in eine 14-tägige Selbstisolation, deren Einhaltung schriftlich zu versichern ist.

Spätestens nach 14 Tagen müssen sich Ausländer*innen bei der iranischen Polizei registrieren lassen, die Registrierung wird über einen Stempel im Visum vermerkt. Die Einreise muss innerhalb von drei Monaten nach der Ausstellung des Visums erfolgen. Transit- und Multiple Entry Visa sind ebenfalls erhältlich, wobei letztere nicht einfach zu bekommen sind. Detailliertere Informationen zu den iranischen Visa-Bestimmungen sind auf den Seiten des Auswärtigen Amtes zu finden.

Wohnen und Versorgung

Ein Blick auf die Neubaugebiete Teherans. Im Norden der Stadt entsteht vor der imposanten Kulisse des Toutschal Wohnraum für Wohlhabende.
Neuer Wohnraum im Norden Teherans (eigenes Bild)
Eine Momentaufnahme aus dem großen Basar von Teheran. In den Basaren drängen sich heute wie damals die Leute unter historischen Ziegelkuppeln.
Der große Basar von Teheran (eigenes Bild)

Die meisten westlichen Ausländer*innen leben weiterhin in Teheran. Zwar wächst die Stadt immer noch  unkontrolliert in alle Richtungen, aber gerade für zahlungskräftige Ausländer*innen ist Wohnraum zur Genüge vorhanden, so wie auch in anderen Städten. Generell sind die Preise für Ausländer*innen höher als für Iraner*innen, zudem unterscheiden sich die Mieten in Teheran je nach Lage sehr stark.

Privaten Wohnraum zu kaufen ist ausschließlich iranischen Staatsbürgern gestattet, ein entsprechender Nachweis muss zum Kauf vorgelegt werden. Wohnraum zu mieten ist auch für Ausländer*innen problemlos möglich, die Voraussetzungen sind lediglich ein gültiger Personalausweis, die Hinterlegung einer (prinzipiell verhandelbaren) Kaution sowie die von Schecks über die monatliche Miete für ein Jahr und ein Mehrfaches der Kaution.

Um der extrem schlechten Luft und dem Verkehrschaos zumindest ein Stück weit zu entkommen, zieht in Teheran jeder, der es sich leisten kann, in den höher gelegenen Norden der Stadt. Dies gilt in aller Regel auch für die Expats sowie die Angehörigen des diplomatischen Personals westlicher Länder, die meistens in den nördlichen Stadtteilen leben, allen voran im besonders beliebten Elahiyeh. Dies führt dazu, dass Mietraum gerade dort sehr teuer geworden ist, 2000 Dollar im Monat für eine normale Wohnung sind hier ohne Weiteres möglich. Zu dieser Entwicklung trägt zudem die Tatsache bei, dass die Kaufpreise für Wohnraum für Iraner*innen in den letzten Jahren in Teheran extrem gestiegen sind. Mehrere Immobilienagenturen vermitteln an Ausländer*innen, wobei hier die Möglichkeiten für Schnäppchen nahezu ausgeschlossen sind. Eine private Wohnungssuche ist ebenfalls möglich, birgt allerdings einige Risiken. So werden immer wieder Wohnungen an Ausländer*innen vermietet, die dem Vermieter überhaupt nicht gehören. Dessen ungeachtet sind Mietvorauszahlungen auch in solchen Fällen üblich.

In jedem Fall sollte aufgrund des Verkehrsinfarkts in Teheran die relative Nähe der Wohnung zum Arbeitsplatz eines der zentralen Entscheidungskriterien sein. Ist dies nicht möglich oder gewünscht, sollte zumindest die Nähe zu einer der immer zahlreicher werdenden U-Bahn-Stationen beachtet werden. Mit dem Auto gibt es kurze Fahrten in Teheran so gut wie nie.

Trotz seines schlechten Rufs bietet Teheran im Vergleich zu anderen Städten des Nahen Ostens einen relativ hohen Freizeitwert. Dies betrifft prinzipiell Erwachsene wie Kinder. Die Stadt hat eine große Zahl an Parks, von denen einige zudem über öffentliche Sporteinrichtungen, Aquarien, Spielplätze, öffentliche Schwimmbäder sowie bisweilen kleinere Tiergehege verfügen. Darüber hinaus gibt es in Teheran einen großen Zoo sowie Kinos. Großer Beliebtheit erfreut sich unter Iraner*innen der Fußball. Dies gilt prinzipiell für Männer wie für Frauen, letzteren ist der Zugang zu Fußballstadien aus Gründen der öffentlichen Moral allerdings untersagt. In Teheran sind mehrere Vereine der ersten iranischen Liga beheimatet, allen voran Esteghlal und Rekordmeister Persepolis, deren Heimspiele im Azadi-Stadion (offiziell max. 84 000 Zuschauer, oft aber deutlich mehr) in aller Regel gut besucht sind und auch für Ausländer*innen  (und hier auch ein für Frauen erlaubtes) Erlebnis darstellen. Die elektronische Unterhaltungsindustrie ist unter Teherans Jugend ebenfalls sehr beliebt. Computerspiele, meist illegale Kopien auch der aktuellsten amerikanischen Spiele, werden in zahllosen Läden sowie an nahezu jeder Straßenecke verkauft. Zudem wurde 2011 in Teheran die erste iranische Computerspielmesse veranstaltet.

Für die Bildung von Kindern steht vor allem die Deutsche Botschaftsschule zur Verfügung, die deutsche wie iranische Kinder besuchen können. Haupt- und Realschulabschluss sowie das Abitur können hier erworben werden, zudem schließt die Schule einen Kindergarten mit ein.

Die Versorgung mit Dingen des täglichen Bedarfs bereitet in Teheran keinerlei Schwierigkeiten. Neben einer Vielzahl kleiner Läden mit einem breiten Sortiment gibt es mehrere Basare, auf denen etwa frisches Obst, Gemüse und weitere Lebensmittel zu sehr niedrigen Preisen gekauft werden können. Außerdem eröffnen in Teheran immer mehr große Einkaufszentren nach westlichem Vorbild. Anders als auf dem Basar wird in den Läden und Supermärkten nicht gehandelt, auch wenn die Waren nicht immer ausgezeichnet sind. Verboten ist der Verkauf von Alkohol und Schweinefleisch.

Restaurants sind, mit Ausnahme einiger weniger, ziemlich günstig. Seit einigen Jahren erfreuen sich Fast-Food-Ketten, die stark an ihre amerikanischen Vorbilder erinnern, sehr großer Beliebtheit.

Geld und Geldtransfer

Die offizielle Währung Irans ist der Iranische Rial. Es gibt Münzen in Wert von 10, 50, 100 und 250 Rial und Scheine von 100, 200, 500, 1000, 2000, 5000, 10.000, 20.000 und seit einigen Jahren auch von 50.000 (2007) und 100.000 Rial (2010). Aufgrund ihres geringen Werts und der hohen Inflation (trotz eines zuletzt sinkenden Werts immer noch etwa 15 %) kann man mit den Münzen jedoch kaum noch etwas kaufen. Die Scheine haben auf einer Seite eine Beschriftung mit lateinischen Buchstaben, sind also ohne Probleme auch ohne Kenntnis des persischen Alphabets zu benutzen. Vom 1000 Rial-Schein aufwärts ist auf der einen Seite stets Ayatollah Khomeini abgebildet. Die andere Seite zeigt in der Regel ein Gebäude aus Iran oder der islamischen Welt. Interessant ist hierbei der 50.000 Rial-Schein. Er zeigt eine Abbildung Irans, in dessen Mitte ein Atomsymbol zu sehen ist. Zusätzlich dazu ist der Golf zwischen Iran und Saudi-Arabien in englischer Sprache mit "Persian Gulf" bezeichnet. Da dieser in den Ländern der arabischen Welt natürlich Arabischer Golf heißt, sieht man alleine an diesem Geldschein, dass politische Positionen in Iran auf verschiedenste Weise kommuniziert werden.

Im Juni 2010 verkündete der damalige Präsident Ahmadinedschad, man werde drei Nullen auf den Geldscheinen streichen, damit sich der Rial von seinen Wertverlusten der letzten Jahre erholen könne. Wann dies geschehen solle, sagte er jedoch nicht.

Ein Problem gerade für Ausländer*innen ist die Tatsache, dass im täglichen Gebrauch in der Regel nicht in Rial gerechnet wird, sondern in Tuman (eine ältere Währung Irans, die 1925 durch den Rial ersetzt worden war). 10 Rial entsprechen einem Tuman. Im Zweifelsfall sollte man also immer nachfragen, ob Rial oder Tuman gemeint sind.

Geld kann in großen Banken gewechselt werden, diese sind in aller Regel mit einem „Exchange“-Schild gekennzeichnet. In größeren Städten gibt es außerdem lizenzierte Wechselstuben, wenn auch nicht mehr so viele wie früher und oft mit anderem Wechselkurs. Internationale Hotels, in denen die Zimmer in Dollar bezahlt werden, tauschen ebenfalls, allerdings häufig zu einem schlechteren Kurs als die staatlichen Banken.

Daneben gibt es den inoffiziellen Weg, das Geld auf der Straße zu tauschen. Im Gegensatz zu früher, als der hier zu erzielende Wechselkurs noch viel günstiger war als der der Banken, hat er sich heute weitestgehend angeglichen. Der Vorteil des inoffiziellen Geldwechsels ist, dass es viel schneller geht als in der Bank, wo mehrere Angestellte mehrmals zählen und prüfen, was in der Regel zu langen Wartezeiten führt. Auf der anderen Seite besteht hier immer die Gefahr, übervorteilt zu werden.

Für den aktuellen Wechselkurs gibt es zahlreiche Währungsrechner im Internet.

Kredit- und andere Geldkarten oder Reisechecks werden in Iran kaum akzeptiert. Dies liegt vor allem daran, dass die meisten Kreditkartensysteme heute über die USA abgerechnet werden und auch der Finanzsektor unter die internationalen Sanktionen gegen Iran fällt. Zwar konnten iranische Banken nach deren Aufhebung seit Mitte Januar 2016 wieder an das internationale Zahlungsverkehrssystem SWIFT angeschlossen werden, in der Praxis gab es jedoch für Ausländer*innen weiterhin keine verlässlichen Möglichkeiten, Geld zu überweisen oder abzuheben sowie (von seltenen Ausnahmen abgesehen) per Kreditkarte zu bezahlen.

Reise, Transport und Verkehr

Der Busbahnhof von Tabriz wirkt wenig einladend, Busfahren ist aber ein bequemes Mittel, im Iran zu reisen.
Der Busbahnhof von Tabriz (eigenes Foto)

Iran verfügt über eine sehr gute Infrastruktur, Reisen ist ohne Probleme möglich. Das Hauptverkehrsmittel zwischen den Städten sind Busse. Es gibt eine Vielzahl an Busunternehmen, die alle großen und mittleren Städte auf ihren Fahrplänen haben. Die Busse fahren regelmäßig und sehr häufig. Hierbei gilt es zwischen „Volvo“ und „Mercedes“ zu wählen. Die großen Unternehmen haben moderne Volvo-Busse mit allem Komfort, daneben gibt es die älteren Mercedes-Modelle. Hier sind Tickets deutlich billiger, allerdings muss man dafür auf einige Annehmlichkeiten verzichten. Tickets können an den Busbahnhöfen gekauft werden, die großen Unternehmen unterhalten zudem Büros in den Innenstädten.

Billiger als Busse sind Reisen mit der Bahn. Die Züge verkehren regelmäßig, auch in der Nacht, zwischen den meisten großen Städten. Der Komfort unterscheidet sich je nach Strecke. Bei Bahnfahrten ist allerdings eine Reservierung zu empfehlen. Dies kann man am Bahnhof, in den Büros oder den Seiten der Staatsbahn im Internet tun, wo sich auch die Fahrpläne finden.

Die meisten größeren Städte sind zudem über Inlandsflüge zu erreichen. Neben Iran Air, die auch in diesem Sektor bis vor einiger Zeit noch ein Monopol besaß, bedienen mehrere private Fluglinien den Markt. Diese sind in der Regel billiger, unter anderem da sie vor allem mit gebrauchten Tupolew-Maschinen fliegen.

Auch Reisen mit dem eigenen Auto ist möglich, die Straßenschilder sind auf Persisch und Englisch. In den großen Städten, vor allem in Teheran, ist dies allerdings nicht unbedingt zu empfehlen, insbesondere bei Kurzaufenthalten. Den Verkehr hier als chaotisch zu bezeichnen wäre ein Euphemismus. Hier sind Taxis zu empfehlen, die zahlreich und nicht sehr teuer sind. Man kann entweder eines der Sammeltaxen (Savari) besteigen, die entlang festgelegter Routen fahren, oder eines für sich alleine mieten (dar-bast, persisch für geschlossene Tür). Hierbei muss man in jedem Fall alle fünf Plätze bezahlen (in Iran ist es üblich, dass sich zwei Personen den Beifahrersitz teilen). Weitaus bequemer ist die Teheraner Metro. Diese hat zwar aufgrund der großen Höhenunterschiede innerhalb der Stadt bisher nur ein begrenztes Streckennetz, allerdings wird es stetig weiter ausgebaut.        

Direkt vom Feld: Einführende Tipps zum Reisen innerhalb Irans (3:24)

Sicherheit

Trotz, oder gerade wegen, seines schlechten Rufs ist Iran weiterhin ein sehr sicheres Reiseland. Anders als in vielen anderen Ländern des Nahen Ostens hat der Staat hier ein noch weitgehend unwidersprochenes Gewaltmonopol. Dies kommt Ausländer*innen sehr zugute, da die offizielle iranische Politik Touristen willkommen heißt.

Reisen ist ohne größere Bedenken möglich. Eine Ausnahme bilden die Grenzregion zum Irak und vor allem die Grenzgebiete zu Afghanistan und Pakistan. Dort verlaufen die Routen der Drogenschmuggler, zudem gibt es in der Provinz Balutschistan einige sunnitische Widerstandsgruppen. Immer wieder kommt es hier zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Schmugglern, Aufständischen und den Sicherheitskräften der Islamischen Republik. Deshalb warnt auch das Auswärtige Amt vor Reisen in diese Region.

Diebstähle kommen natürlich vor, sie treffen aber Ausländer*innen und Iraner*innen gleichermaßen. Eine gezielte Kriminalität gegen Ausländer*innen gibt es nicht – wohl nicht zuletzt deshalb, da sie sich aufgrund der niedrigen Besucherzahlen nicht lohnt. Gelegentlich geben sich Diebe, vor allem an touristisch stärker frequentierten Orten, als Polizisten aus. Da echte Polizisten immer grüne Uniformen tragen und Touristen in aller Regel nicht kontrollieren, sind diese Betrüger leicht zu erkennen. Im Zweifelsfall sollte man anbieten, die Sache auf dem nächsten Polizeirevier zu klären, was der Betrüger schnell ablehnen wird.

Für Frauen ist es möglich, auch alleine zu reisen. Hierbei kommen ihnen die strengen Moralvorstellungen der Islamischen Republik zugute. Da es sowohl durch die Tradition als auch durch das Gesetz geächtet ist, sich fremden Frauen in der Öffentlichkeit zu nähern, tun iranische Männer dies in aller Regel auch nicht.

Iraner*innen sind generell sehr gastfreundlich und zudem darum bemüht, den Ruf ihres Landes aufzubessern. Gibt es ein Problem oder eine Unsicherheit, werden sich in kürzester Zeit viele Menschen finden, die gerne bereit sind zu helfen.

Verhaltensregeln

Das Bild zeigt ein Hinweisschild für eine öffentliche Toilette. Darauf ist die weibliche Figur entsprechend der iranischen Kleidungsvorschriften mit einem Kopftuch abgebildet. Ansonsten unterscheidet sich das Schild nicht von entsprechenden deutschen Sc
"korrekte" Beschilderung in Schiraz (eigenes Bild)

Trotz der westlichen Moden ist Iran ein islamisches Land mit entsprechenden Verhaltensregeln, die in der Islamischen Republik zudem in aller Regel Gesetzescharakter haben. Diese Regeln sollten unbedingt beachtet werden, was nicht zuletzt dabei hilft, sich selbst das Leben einfacher zu gestalten. Dabei ist für Ausländer*innen der teilweise extreme Widerspruch zwischen privater und öffentlicher Sphäre im Leben der Iraner*innen zu Beginn schwer nachvollziehbar. Während sich die meisten ihr persönliches Leben nach ihren eigenen Vorstellungen einrichten und sich entsprechend verhalten, wird kaum jemand in der Öffentlichkeit gegen die traditionellen Normen verstoßen, um sein Ansehen und das seiner Familie nicht zu beschädigen.

So sollte man es auch als Ausländer*in handhaben. So ist es etwa nicht empfehlenswert, während eines kurzen Besuchs im Land zu versuchen, die Kleidervorschriften der Islamischen Republik zu revolutionieren, dies gilt für Frauen wie für Männer. Ebenso sollten Zärtlichkeiten auf der Straße besser unterbleiben. Gemeinsames Reisen von Männern und Frauen ist jedoch möglich, wenn es auch für verheiratete Paare ungleich einfacher ist. Letztes ist etwa die Voraussetzung dafür, in Hotels ein gemeinsames Zimmer mieten zu können.

Dabei macht etwa die iranische Polizei nicht notwendigerweise an den Landesgrenzen halt, sondern greift auch auf das Leben im Herkunftsland aus: Bei der Einreise durchsuchen die Grenzer mitunter Facebook und ähnliche Anbieter nach kompromittierenden Fotos der Einreisenden. Hier empfiehlt es sich also, diese gegebenenfalls zu löschen.

Gesund bleiben

Impfungen sind für Iran von deutscher Seite nicht vorgeschrieben, dennoch gibt es einige, die durchaus sinnvoll sind. Details zu den empfohlenen Impfungen sind den Seiten des Auswärtigen Amtes und des reisemedizinischen Informationsdiensts des Tropeninstituts der Universität München zu entnehmen. Für einen Aufenthalt, der länger als drei Monate dauert, wird von iranischer Seite ein negativer HIV-Test verlangt.

Die Trinkwasserqualität ist in den meisten Regionen Irans relativ gut, es wird von Iraner*innen oft aus der Leitung getrunken. Allerdings sind diese daran gewöhnt, für Touristen ist es nicht zu empfehlen. Hier ist Mineralwasser in Plastikflaschen vorzuziehen. Die meisten Speisen können hingegen problemlos gegessen werden, gerade in stark von Einheimischen frequentierten Restaurants ist die Hygiene sehr gut. Eine Ausnahme für empfindliche Mägen bildet frischer Salat, der mit Leitungswasser gewaschen wurde.

Die medizinische Versorgung ist in Teheran und anderen großen Städten ausreichend bis gut. Die Ärztedichte ist relativ hoch, in den zahlreichen Apotheken [Persisch: daru-khane] sind die meisten auch in Europa gebräuchlichen Medikamente zu kaufen und nicht sehr teuer. Der Krankenwagennotruf in Teheran ist 123.

Die Covid-19-Pandemie in Iran

Ausbreitung

Covid-19 hat sich im Nahen Osten zuerst in Iran ausgebreitet, die ersten beiden Fälle wurden offiziell am 19. Februar 2020 bekannt. Die Zahl der Infizierten stieg seitdem stetig an und lag 6 Wochen später schon über 44.000 mit offiziell mehr als 2.800 Toten. Im Mai 2020 meldeten die staatlichen Medien dann knapp über 150.000 Infizierte mit knapp 8.000 Toten, während im September bereits über 400.000 Infizierte zu verzeichnen waren, mit über 23.00 Toten. War Iran anfangs noch unter den vier am schwersten von Covid-19 betroffenen Ländern. liegt es im Mai 2020 auf Platz 12. Dessen ungeachtet ist Iran weiterhin das am schwersten betroffene Land des Nahen Ostens. Überprüf- und damit belastbar waren diese Zahlen allerdings von Beginn an nicht, laut dem Notfalldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Rick Brennan, könnten die tatsächlichen Zahlen allerdings fünfmal höher liegen. Im Rahmen der ersten Invektionswelle hat sich das Virus besonders stark in den zentraliranischen Provinzen Qom und Esfahan, Gilan und Mazandaran am Kaspischen Meer sowie in der Hauptstadt Teheran ausgebreitet. Auch die iranische Führung war bereits früh betroffen, so sind etwa die Vizepräsidentin für Frauen und Familien, Masoumeh Ebtekar, sowie der Vizegesundheitsminister, Iradsch Harirchi, erkrankt. Von einer aktuellen zweiten Infektionswelle sind insbesondere die Provinzen West-Aserbaidschan, Busher, Hormuzgan, Kerman, Kermanshah, Kurdistan, Zanjan und das zentale Khorasan betroffen. Dessen ungeachtet wächst in Iran, und hier insbesondere aufseiten der Regierung, der Wunsch nach Normalität, um der Wirtschaft nicht weiter zu schaden und - vor allem - die Handlungsfähigkeit und den Erfolg der Regierung zu demonstrieren. Dementsprechend sind auch die offiziellen Zahlen zur zweiten Infektionswelle nur bedingt belastbar und es gibt Vorwürfe, die iranische Regierung gebe weiterhin konsequent zu niedrige Zahlen an. Als vorrangiger Grund darf weiterhin die Angst angenommen werden, die ohnehin beträchtliche Unzufriedenheit in Teilen der Gesellschaft noch weiter zu verstärken.

Maßnahmen

Die erste Runde der Parlamentswahlen am 21. Februar 2020 fand noch wie geplant statt, allerdings wurde die zweite Runde im Rahmen der Maßnahmen zur Bekämpfung der Epidemie nun vom Wächterrat vom 17. April auf den 11. September 2020 verschoben. Vermutlich hat hierbei auch die Tatsache, dass die Wahlbeteiligung auf ein historisches Tief von nur 42,6 Prozent gefallen war, die Entscheidung der Machthaber begünstigt. Der iranische Innenminister Abd al-Reza Rahmani Fazli brachte dabei beide Ereignisse in Beziehung und bezeichnete die Wahlbeteiligung in Anbetracht des Ausbruchs der Epidemie als recht akzeptabel. Am 23. Februar wurden alle Schulen, Universitäten, Kulturzentren, Sportstätten und Kinos des Landes geschlossen, zunächst für lediglich eine Woche, später wurde die Schließung auf zunächst unbestimmte Zeit verlängert. Auch von den Schließungen betroffen waren und sind Moscheen, Schreine und Grabstätten bedeutender Personen des schiitischen Islams, für die Islamische Republik naturgemäß besonders problematische Bereiche des öffentlichen Lebens; allerdings auch Bereiche, über die sich Covid-19 besonderns schnell ausgebreitet hat. Dies gilt insbesondere für die bedeutenden Schreine in Qom und Maschhad. Ende Mai 2020 sollten die Moscheen nach Angaben der iranischen Regierung jedoch wieder geöffnet werden. Zudem wurde der Verkauf von Atemschutzmasken an nicht-medizinisches Personal bereits früh verboten, gleichzeitig wurde angekündigt, die Produktion solcher Masken sowie Schutzkleidung zu erhöhen und eine eigene Forschung für Tests auf Covid-19 zu beginnen. Um die überfüllten Gefängnisse zu entlasten, wurden am 17. und 18. März 2020 etwa 100.000 Gefangene vorübergehend entlassen oder begnadigt, darunter auch politische Gefangene sowie Personen, die wegen Spionage verurteilt worden waren. Dessen ungeachtet ist die Lage insbesondere in den iranischen Gefängnissen weiterhin kritisch.

Geschäfte und Märkte blieben allerdings bis zur Feier des iranischen Neujahrsfestes Nouruz am 21. März geöffnet, um den wirtschaftlichen Schaden einzudämmen sowie – vermutlich – den Image-Schaden des Regimes im Rahmen zu halten, da Nouruz eine zentrale Bedeutung in der iranischen Kultur einnimmt. Nicht zuletzt steigen die Umsätze der iranischen Wirtschaft und insbesondere des Einzelhandels üblicherweise vor Nouruz stark an und sollten in der ohnehin schon angespannten Lage nicht weiter gefährdet werden. Die iranische Wirtschaft steht seit der schrittweisen Wiederaufnahme der Sanktionen im Jahr 2018 ohnehin unter starkem Druck. Darüber hinaus betrifft Covid-19 gerade solche Bereiche, die von diesen Sanktionen weniger stark betroffen sind als andere, wie etwa den grenzüberschreitenden Handel mit Irak. Nach Nouruz wurden, insbesondere in Teheran, die Geschäfte dann noch geschlossen.

Ein weiteres Problem stellen – nicht nur in Iran, sondern für muslimische Gesellschaften und Gemeinden weltweit – die Beerdigungen von COVID-19 Opfern dar, im Rahmen derer die Beerdigungsvorschriften und -Rituale nicht alle risikofrei durchgeführt werden können. Dies betrifft etwa die rituelle Waschung der verstorbenen Personen durch die Familienangehörigen. Diese momentane Unmöglichkeit, Begräbnisse entsprechend durchzuführen stellt, neben persönlichen Härten für die betroffenen Familien, auch ein legitimatorisches Problem für die Islamische Republik dar, die sich immer auch als Hüterin islamischer Regeln inszeniert hat. Um etwa Gerüchten entgegenzutreten, die Toten würden in Massengräbern beerdigt, hat Iran kürzlich selbst Videos von Bestattungen auf einem der wichtigen Friedhöfe in Qom veröffentlicht, die das Gegenteil belegen sollen.

 

Internationale Beziehungen und Zusammenarbeit

Die iranische Führung bekräftigte bereits früh, dass das Land keine ausländische Hilfe benötige, um die Krise zu stemmen und beruft sich dabei auf die Aussage des Generaldirektors der WHO Tedros Adhanom Ghebreyesus, Iran tue sein bestes. In der Tat sind medizinische Ausrüstung und Expertise in Iran auf dem neuesten Stand. Während Iran Anfang März noch Materiallieferungen der WHO und Russlands annahm, wurde die Zusammenarbeit mit der NGO Médecins Sans Frontières, die ein mobiles Krankenhaus und medizinisches Team nach Esfahan entsendet hatte, am 24. März nach nur drei Tagen abgebrochen. Vermutlich sollte auf diese Weise Unabhängigkeit demonstriert werden. Auf der anderen Seite bat Iran den Internationalen Währungsfond bereits im März 2020 um Soforthilfen in Milliardenhöhe. Gleichzeitig wurde in iranischen Staatsmedien publikumswirksam spekuliert, ob es sich bei dem Virus um eine amerikanische Biowaffe handeln könnte, die speziell auf iranisches Genom abgestimmt sei. Hilfsangebote der USA wies Abbas Mousavi, der Sprecher des Außenministeriums, auf Twitter als Heuchelei zurück und bezichtigte die USA stattdessen des „ökonomischen und medizinischen Terrorismus“ in Bezug auf die Sanktionen. Die iranische Führung bemüht sich zur Zeit verstärkt darum, die Sanktionen angesichts der Pandemie auszusetzen und auch die Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Michelle Bachelet, hat sich dafür ausgesprochen, die Sanktionen „zu lockern oder auszusetzen, da die Behinderung medizinischer Anstrengungen im Kontext einer globalen Pandemie das Risiko für [die Weltgemeinschaft] erhöht“.

Am 30. März hat das Verteidigungsministeriums einen in Iran entwickelten Schnelltest vorgestellt, der nun in Produktion gehen und auch international angeboten werden soll.

Telekommunikation

In iranischen Städten gibt es ein flächendeckendes Netz öffentlicher Telefone, sowohl Karten- als auch die älteren Münztelefone. Telefonkarten sind an den meisten Kiosken und Zeitungsständen zu kaufen und nicht sehr teuer.

Telefonate ins Ausland können über Fernsprechämter geführt werden, die es in allen größeren Städten gibt, oder per Direktwahl (mit Ausnahme Israels). Auch internationale Prepaidkarten sind landesweit einfach erhältlich. Zudem kann man in Internetcafés sehr günstig über Internet ins Ausland telefonieren, hier schwankt allerdings die Tonqualität.

Die jeweils aktuellen Preise für Telefonate nach Iran finden sich im Internet. Die Internationale Vorwahl des Landes ist 0098.

Die Netzabdeckung für Handys ist in den Städten flächendeckend gut, auf dem Land dagegen gibt es immer wieder Funklöcher. Allerdings kommt es auch in den Städten regelmäßig vor, dass Telefone vorübergehend nicht erreichbar sind. Dies betrifft sowohl Handys als auch Festnetztelefone. Europäische Mobilfunkanbieter funktionieren in Iran nicht, einige haben jedoch Roaming Partner, Swisscom hat einen Roamingvertrag mit einem iranischen Anbieter. Die beiden größten iranischen Mobilfunkanbieter sind KFZO und Mobile Telecommunications Company of Esfahan.

Das Internet steht inzwischen ebenfalls in weiten Teilen des Landes über Fiberglas, WLAN, ADSL oder mobile Datenpakete (3G/4G) zur Verfügung, seit die Netze in den letzten Jahren erheblich ausgebaut wurden. Die Kommunikation ist allerdings nicht immer einfach, da beliebte Kommunikationsmittel wie Facebook oder Skype nicht oder nur eingeschränkt zugänglich sind. Auch ein VPN-Client oder ein Proxy-Server, vor ein paar Jahren noch die Mittel der Wahl, bieten heute kaum noch Zugang zum freien Internet.

Dessen ungeachtet ist das Internet in Iran äußerst beliebt, die Zahl der Internetcafés wächst ständig. Günstiger Zugang zum Internet ist so in fast allen Städten problemlos möglich, allerdings ist die Geschwindigkeit verhältnismäßig langsam und viele Seiten sind gesperrt. Die Tastaturen der Computer sind meist Persisch und Englisch. Zudem ist über Prepaidkarten auch der Internetzugang aus der eigenen Wohnung möglich. Die Karten können an den meisten Kiosken gekauft werden.

Für den Versand von Briefen und Paketen - national wie international - zuständig ist die iranische Post. Diese ist mit Filialen flächendeckend im ganzen Land vertreten und im allgemeinen recht zuverlässig. Die Preise für den internationalen Versand haben in den letzten Jahren allerdings spürbar zugenommen, dies gilt für die Luft- wie für die Schiffspost. Zudem sind auch bei der iranischen Post einige landesspezifische Verbote zu beachten.

Nützliche Adressen

Auswärtiges Amt (bereits zuvor verlinkt)

Deutsche Botschaft in Teheran

Iranische Botschaft in Berlin, Podbielskiallee 65-67, zuständig für: Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Generalkonsulat der Islamischen Republik Iran in Frankfurt/Main, Raimundstr. 90, zuständig für: Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland.

Generalkonsulat der Islamischen Republik Iran in München, Mauerkircherstrasse 59, zuständig für: Baden-Württemberg und Bayern.

Generalkonsulat der Islamischen Republik Iran in Hamburg, Bebelalle 18, zuständig für: Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

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Das Länderinformationsportal

Das Länderinformationsportal
Das Länderinformationsportal

Die Beiträge im Länderinformationsportal (LIPortal) wurden bis Dezember 2020 von ausgewiesenen Landesexpertinnen und Landesexperten betreut, um eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern zu geben. Das LIPortal bot damit eine Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb - viele Verweise sind auch weiterhin aktuell.

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Dezember 2020 aktualisiert.

Der Autor

Dr. Tilmann Trausch arbeitet an der Universität Bonn. Seit 2008 ist er Landestrainer für den Iran und Betreuer des LIPortals bei der GIZ.

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Die Akademie der GIZ gestaltet Lernangebote für die internationale Zusammenarbeit. Wir führen mehr als 2000 Fort- und Weiterbildungen durch und entwickeln innovative, wirksame und nachhaltige Lernkonzepte. Und das weltweit.

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Rolf Sackenheim
(Akademie für Internationale Zusammenarbeit)

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