Musiker in einem Restaurant in Maschhad (eigenes Bild)
Anteil alphabetisierte Erwachsene
77 % (Stand 2002)
Bedeutende Religion
Islam (schiitisch) ca. 90 %
Städtische Bevölkerung
71 % (geschätzt)
Lebenserwartung (w/m)
72 / 69 (geschätzt, 2013)
Gender Inequality Index
Rang 69 (von 188) (2015)
Anzahl der Geburten
1,92 / Frau (geschätzt, 2012)
Kindersterblichkeit
39 / 1000 Lebendgeburten

Sozialstruktur

Eine Karte zeigt die unterschiedliche Bevölkerungsdichte Irans, mit dicht besiedelten Regionen vor allem im Nordwesten und dem nur sehr dünn besiedelten zentraliranischen Hochland.
Bevölkerungsdichte Irans (© University of Texas)
Eine Karte zeigt die Siedlungsgebiete der ethnischen Minderheiten Irans, meist an den Rändern des Landes gelegen, und die die persischen Mehrheit im Zentrum.
Ethnische Gliederung Irans (© University of Texas)

Der Iran gehört mit ca. 78,8 Millionen Einwohnern (tendenziell geben iranische Quellen immer etwas höhere, amerikanische oft etwas niedrigere Zahlen an) zu den 20 bevölkerungsreichsten Ländern der Erde (43,3 Einwohner /km²). Das Bevölkerungswachstum beträgt etwa 1,3%. Dabei ist die iranische Gesellschaft weit heterogener, als die offizielle Staatsdoktrin glauben machen will. Nur etwa 51 % der Iraner sind Perser. Dazu kommt die Volksgruppe der Azeris mit 24 % der Gesamtbevölkerung, etwa 8 % Gilakis und Mazanderanis, 7 % Kurden, 3 % Araber, und je etwa 2 % Turkmenen, Luren und Balutschen (Die hierzu genannten Zahlen variieren teils beträchtlich und sind stets mit Vorsicht zu genießen. Gerade in Zeiten, in denen die Unzufriedenheit der ethnischen Minderheiten zunimmt, wird von diesen der Anteil der Perser an der iranischen Gesamtbevölkerung gerne etwas nach unten und der eigene nach oben korrigiert). Zudem leben auch viele Flüchtlinge im Land, etwa zwei Millionen aus Afghanistan und 200 000 aus dem Irak. Die ethnischen Minderheiten des Iran leben eher in den Grenzregionen des Landes zu seinen Nachbarn, die Kurden etwa im Nordwesten, die Araber in der Region um den Persischen Golf.

Dennoch sind Entwicklungen wie etwa im Irak oder Afghanistan in Iran nicht zu erwarten. Abseits eines gern gepflegten Patriotismus zur eigenen Ethnie sind separatistische Bewegungen ethnischer Minderheiten kein vielen Nachbarstaaten vergleichbares Problem. Sie beschränken sich auf einige Gruppierungen in Balutschistan und Kurdistan, wobei gerade hier die Regierung immer wieder gern selbst Separatismus unterstellt, um diesem mit Gewalt zuvorzukommen.

Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt bei Männern etwa 69 Jahre, bei Frauen etwa 72. Die Alphabetenquote beträgt etwa 79 % (Frauen 73 %, Stand 2003), es besteht allerdings immer noch ein großer Unterschied im Bildungsniveau und Lebensstandard zwischen Stadt und Land.

99 % der iranischen Bevölkerung sind Muslime (90 % Schiiten, 9 % Sunniten), der zwölfer-schiitische Islam ist Staatsreligion. Es gibt eine christliche Minderheit, die verschiedenen Konfessionen angehört, außerdem Zoroastrier und die größte jüdische Gemeinde des Nahen Ostens außerhalb Israels. Schließlich leben auch etwa 300 000 Bahai in Iran, diese werden allerdings offiziell nicht anerkannt und haben infolge dessen kaum Rechte.

Die Trennlinien der iranischen Gesellschaft verlaufen allerdings eher entlang der sozialen Verhältnisse, die Lebensrealität zwischen Stadt und Land unterscheidet sich stark. Hatte Iran vor noch gut 100 Jahren eine fast ausschließlich bäuerliche Gesellschaft, leben heute 71 % der Iraner in Städten; die größten sind Teheran (ca. 16 Millionen Einwohner), Esfahan (ca. 5,6) und Maschhad (ca. 4,6). Die Landbevölkerung lebt weiterhin vor allem von der Landwirtschaft oder dem regionalen Handel. Das Bildungsniveau gerade in schwer zugänglichen Regionen ist niedrig. Da viele Menschen hier im informellen Sektor arbeiten, etwa auf den Basaren der kleineren Städte, sind Zahlen zu Arbeitslosigkeit und Einkommen kaum zuverlässig zu erheben.

Dagegen stehen die großen Städte: Hier arbeiten die meisten Menschen in der Industrie oder im Dienstleistungssektor, der in den letzten Jahren stark expandierte. Zwar gibt es auch in Teheran und Esfahan Basare, die Zahl der dort Beschäftigten ist im Vergleich zum formellen Sektor der Wirtschaft jedoch eher gering. Das Bildungsniveau in den Städten ist höher als das auf dem Land.

Die städtische Gesellschaft, dies ist vor allem in Teheran zu beobachten, ist wiederum stark sozial differenziert. In der oberen Mittel- und der Oberschicht, die im höher gelegenen Norden der Stadt wohnt, hat sich eine westlich orientierte Lebensweise durchgesetzt. Vor allem hier macht sich bemerkbar, dass der Iran eine sehr junge Gesellschaft hat. Mehr als 70 % aller Iraner sind um die 30 Jahre alt. Besonders die jungen Leute in den Städten streben mehr und mehr nach politischer Freiheit sowie Bildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten, die ihnen die Islamische Republik nicht geben will.

Die große Diskrepanz zwischen Stadt und Land führt zu einer starken Landflucht, die sich vor allem auf Teheran fokussiert. Tag für Tag wächst in den Vororten der Stadt die Schicht der oft ungebildeten Zugezogenen, die in der Hauptstadt ihr Glück suchen. In Verbindung mit hohen Geburtenraten nach der Islamischen Revolution und einer immer besser werdenden medizinischen Versorgung, hat sich die Bevölkerung Teherans seit 1979 mehr als verdoppelt. Heute bildet die Stadt einen eigenen Kosmos innerhalb Irans.

Eine eigene soziale Klasse bilden die Basaris, die Händler des Basars. Sie sind im Durchschnitt sehr konservativ und stehen eng zum System. Gerade die Besitzer großer Geschäfte sind sehr wohlhabend und setzen ihr Geld auch oft für politische Belange im Sinne der Islamischen Republik ein, streiten aber auch mit der Regierung, wenn es ihnen nötig erscheint. In der heißen Phase der Revolution von 1978/79 spielten sie eine entscheidende Rolle, was sie sich bis heute zugute halten.

Die Amtssprache des Iran ist Persisch. Sie wird von etwa 58 % der Iraner als Muttersprache gesprochen, außerdem lernt sie jeder Iraner in der Schule. Daneben existieren viele weitere Sprachen, darunter Kurdisch, Lurisch, Arabisch und vor allem Azeri, eine Turksprache, die von etwa 26 % der Bevölkerung vor allem im Nordwesten des Landes gesprochen wird. Die Städter, vor allem die gebildeten Schichten und die jungen Leute, können zudem immer häufiger Englisch, wenn auch nicht immer gut.

Geschlechterverhältnis

Eine Gruppe von Frauen im schwarzen Tschador vor einer Moschee in Qazwin.
Frauen vor einer Moschee (eigenes Bild)
Eine junge Frau raucht in einem Restaurant Wasserpfeife. Ihr Kopftuch ist nur locker um den Kopf geschlungen, eine reine Formalität.
Junge Frau aus Maschhad beim Wasserpfeife rauchen (eigenes Bild)

Generell genießt die Familie in Iran, ebenso wie in den meisten anderen islamischen Gesellschaften, einen hohen Stellenwert. Der Unterschied zwischen Stadt und Land macht sich aber auch hier bemerkbar, in Bezug auf das Verhältnis zwischen Mann und Frau sowie die Rolle der Frau in der Gesellschaft.

Auf dem Land hat das traditionelle islamische Rollenmodell noch weitgehende Gültigkeit, der Chador, der Ganzkörperschleier, dominiert hier noch das Straßenbild. In den großen Städten hat sich dieses Rollenverständnis inzwischen verschoben, wenn auch nicht immer in allen Stadtteilen. Schon während der Revolution von 1978/79 spielten Frauen eine wichtige Rolle, wodurch ihnen von Beginn an ein gewisses Selbstbewusstsein erwuchs. Dazu beigetragen, Frauen im öffentlichen Leben zu verankern, hat zudem der lange Krieg gegen den Irak, denn während dieser acht Jahre war, allen eventuellen ideologischen Bedenken zum Trotz, die Arbeitskraft der Frauen schlicht unabdingbar. Nach dem Krieg waren sie aus dem öffentlichen Leben dann nicht mehr wegzudenken oder gar zu entfernen.

Die unterschiedliche und sich verändernde Stellung der Frau zeigt sich auch an den Kinderzahlen: Während in vielen ländlichen, gerade den abgelegeneren Gebieten fünf Kinder der Normalfall sind, sind es in Teheran und Esfahan im Durchschnitt unter zwei. Gerade viele junge Frauen begehren heute gegen die nominell immer noch sehr strikten Regeln auf, besonders anhand der Kleidungsvorschriften für Frauen wird heute der Kampf zwischen einer eher säkular orientierten Jugend der Städte und dem System in der Öffentlichkeit ausgefochten.

Eine Bewegung, die sich in den letzten Jahren zunehmender Beliebtheit erfreut, ist der islamische Feminismus. Dieser will die Rechte der Frau mittels einer islamischen Argumentation durchsetzen.

Auch wenn die Stellung der Frau im Iran, entgegen aller Vorurteile gegenüber der Islamischen Republik, in der Praxis sehr viel besser ist als in vielen anderen Ländern der Region, sind Frauen jedoch auch hier alles andere als gleichberechtigt.

Bildung

Die Islamische Republik sah wie schon der Schah Bildung von Beginn an als Mittel zur Stärkung der nationalen Souveränität, entsprechend viel Wert wird auf das staatliche Bildungssytem gelegt. Zudem dient Bildung dem Staat als Klammer für ethnische und sprachliche Minderheiten im Land, da das Wissen allein auf Persisch vermittelt wird. So ist die Analphabetenrate im Iran auch deutlich niedriger als in vielen Ländern der Region.

Schulwesen

Das iranische Schulsystem entstand nach französischem Vorbild. Primar- und Sekundarstufe dauern 13 Jahre, einschließlich eines freiwilligen Vorschuljahres. Seit Jahren versucht die iranische Regierung zudem, die Qualität der Grundschulen (5 Jahre) in ländlichen Regionen gezielt zu stärken, etwa durch die Studenten, die als Teil ihres Studiums dort als Lehrer arbeiten müssen, jedoch mit durchwachsenem Erfolg. So sollen die Unterschiede zwischen Stadt und Land verringert werden. Nach zehn Schuljahren müssen sich die Schüler zwischen einem berufsvorbereitenden Zweig oder einer Vorstufe zur Universitätsausbildung entscheiden. Hier können Sie zwischen Natur- und Geisteswissenschaften wählen. Die Sekundarstufe endet mit dem Abitur und einem sechsmonatigen Vorbereitungskurs auf ein Studium.

Hochschulwesen

Vor der Aufnahme eines Studiums muss jeder Iraner eine allgemeine Aufnahmeprüfung bestehen, die als sehr schwer gilt. Nach bestandener Prüfung kann in vier Jahren ein Bachelor erworben werden und nach zwei weiteren Jahren ein Master. Es gibt staatliche und private Universitäten, erstere sind in aller Regel kostenlos. Der Iran wendet 21,67 % seiner Staatsausgaben für den Bildungssektor auf (Stand 2013) und liegt damit weltweit weit vorne. Die größte Universität des Landes ist die Universität Teheran.

Neben einer weltlichen Ausbildung gibt es, vor allem in Qom, eine Vielzahl theologischer Schulen, die mittels eines breit gefächerten Stipendiensystems großer religiöser Stiftungen den klerikalen Nachwuchs der Islamischen Republik sichern sollen. Wegen der immer noch relativ guten Berufsaussichten wird dieser Weg weiterhin von vielen jungen Männern gerade aus dem ländlichen Raum gewählt.

Besonders auf dem Bildungssektor existieren zahlreiche Kooperationen zwischen Iran und Europa und gerade auch mit Deutschland. Es gibt mehrere Austauschprogramme und deutsch-iranische Doppelabschlüsse.

Gesundheit

Auch im Gesundheitswesen zeigt sich das Stadt-Land-Gefälle. Zwar ist es heute fast flächendeckend, laut der WHO haben 98 % aller Iraner Zugang zu ärztlicher Versorgung (100 % in Städten, 95 % auf dem Land), aber die Qualität schwankt. 2005 gab es 8,9 Ärzte pro 10 000 Einwohner, dazu kamen 13,8 Betten in Krankenhäusern. Nur 4,7 % des Staatshaushaltes flossen in das Gesundheitsministerium. Die Kosten für Krankenhäuser werden unter anderem dadruch gesenkt, indem die Versorgung des Kranken mit Dingen des täglichen Bedarfs, etwa Essen, immer noch weitestgehend seiner Familie zufällt.

Die häufigsten Krankheiten sind Masern, Malaria, die vor allem in den Regionen am Persischen Golf vorkommt, und diverse von Meningokokken ausgelöste Erkrankungen. Ein vermutlich stetig wachsendes Problem, zudem es allerdings wenige belastbare Zahlen gibt, ist die steigende Zahl an HIV-Infektionen, die nicht zuletzt in der Drogensucht gerade vieler junger Iraner begründet liegt.

Ein seit Jahren bedeutender Sektor des iranischen Gesundheitswesens ist die ästhetische Chirurgie. Insbesondere Nasenkorrekturen erfreuen sich unter jungen Iranern großer Beliebtheit, nur in den USA werden weltweit mehr derartiger Eingriffe vorgenommen. Ein Grund hierfür gerade bei Frauen ist, dass diese aufgrund der Kleidervorschriften nur ihr Gesicht nutzen können, um sich zu „präsentieren“, und dieses soll dann möglichst makellos sein. Zudem gelten Nasenoperationen als Zeichen eines westlichen Lebensstils, der gerade vielen jungen Iranern sehr wichtig ist. Schließlich sind korrigierte Nasen auch ein Statussymbol, zeugen sie doch von einem gefüllten Bankkonto. So ist es unter ärmeren Iranern bereits vor Jahren in Mode gekommen, sich einfach ein Pflaster auf die Nase zu kleben, um eine Operation vorzutäuschen.

Kulturelle Identität

Der Iran ist eines der ältesten Kulturländer der Erde. Einige der ersten menschlichen Hochkulturen entstanden auf seinem heutigen Staatsgebiet, etwa das Reich von Elam, das Land blickt somit auf eine mehrtausendjährige Zivilisationsgeschichte zurück.

Das Bewusstsein, Teil dieser Geschichte zu sein, ist in der heutigen iranischen Kultur fest verankert. Politische und weltanschauliche Haltungen mögen sich unterscheiden, der Stolz auf die eigene Geschichte ist allen Iranern gemein. Die iranische Kultur ruht heute auf zwei Säulen, die fest miteinander verwoben sind, deren Verhältnis aber dennoch nicht frei von Konflikten ist: das Persertum und der Islam. Die großen Reiche brachte Persien vor dem Islam hervor, vor allem unter den Achämeniden und Sassaniden. Viele Traditionen, Sitten und Gebräuche, Verhaltens- und Denkweisen der Bevölkerung sind mit ihnen verbunden und auch die Islamische Republik beruft sich auf sie. So ist etwa das Logo der staatlichen Fluglinie Iran Air ein achämenidisches Symbol, kein islamisches.

Nichtsdestotrotz ist der Iran heute ein islamisches Land und die meisten Iraner sind Muslime. Gerade auf dem Land prägen islamische Sitten, Gebräuche und Regeln das Leben der Bevölkerung in hohem Maß. Da der Iran sich außerdem als schiitisches Land von seinen Nachbarn unterscheidet, hat sich eine Symbiose aus Persertum und schiitischem Islam entwickelt, die das kulturelle Selbstverständnis vieler Iraner prägt.

Unter den jungen Städtern insbesondere der höhreren sozialen Schichten aber besteht seit Jahren eine Bewegung, diese Symbiose zu beenden (deren Größe sich freilich kaum seriös schätzen lässt). Auch aus Protest gegen das System lehnen mehr und mehr Menschen den Islam als etwas Fremdes ab. Sie kehren sich von allem „Arabischen“ ab (und als solcher gilt ihnen eben auch der Islam) und wenden sich ihren „persischen“ Wurzeln zu. Unter Exiliranern und besonders im Internet treibt dies allerdings bisweilen bizarre Blüten. So gibt es etwa Kreise, auch wenn diese nicht sehr groß sind, in denen versucht wird, arabische Wörter aus der Alltagssprache zur verbannen und stattdessen nur noch persische zu benutzen. Dies ist aufgrund der hohen Zahl arabischer Wörter kein einfaches Unterfangen und führt teilweise zu allzu gekünstelt klingenden Neologismen.

In den großen Städten haben zudem längst „moderne“ Errungenschaften Einzug gehalten, die die Alltagskultur prägen. Nahezu jede iranische Familie hat eine Satellitenschüssel, auch wenn diese offiziell verboten sind. Das Internet ist weit verbreitet, die Zahl der Internetcafés (Cofee Net) nimmt stetig zu, chatten (und zunehmend auch bloggen) ist eine Art Volkssport unter jungen Iranern. Zudem ist die Zahl an Handys gerade unter jungen Iranern hoch, auch wenn SIM-Karten sehr teuer sind. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich Filme aus Hollywood, die überall auf den Straßen zu kaufen sind. Die dürftige Qualität und die auch bei diesen Raubkopien greifende islamische Zensur schrecken niemanden ab. Auf Ausländer wirkt es jedoch bisweilen befremdlich, wenn etwa bei dem Film Troja die meisten Stellen herausgeschnitten wurden, in denen Brad Pitt zu freizügig zu sehen ist.

Ungeachtet dieser Entwicklungen erfreuen sich die klassische Poesie und Literatur weiter großer Beliebtheit, der Stolz auf die großen nationalen Poeten Hafez, Saadi und Ferdousi ist ungebrochen. Gerade über ersteren ist den meisten gebildeten Iranern zudem Goethe ein Begriff, über den sie gerade mit Ausländern aus Deutschland gerne diskutieren. Unkenntnis auf diesem Gebiet wird mit einem Stirnrunzeln zur Kenntnis genommen.

Zudem besitzt Teheran seit Jahren eine aktive Theaterszene, die sogar Festivals veranstaltet.

Das Grabmal von Hafez in Schiraz ist ein luftiger Pavillion umgeben von einem begrünten Platz. Es erinnert stark an den historisierenden Baustil im Europa des 19. Jahrhunderts.
Grabmal von Hafez in Schiraz (eigenes Bild)

Religionen

Blick auf eine schiitische Moschee in Esfahan. Die mit Kacheln bedeckte Kuppel glänzt das Abendlicht.
Schiitische Moschee in Esfahan (eigenes Bild)
Die armenische Kathedrale in Esfahan ist rein äußerlich von einer Moschee nicht zu unterscheiden, hinter hohen Mauern sind typisch persische Kuppeln zu sehen.
Armenische Kathedrale in Esfahan (eigenes Bild)
Der zoroastrische Tempel in Yazd lehnt sich stilistisch stark an die europäische Architektur an. Der Eingang wird von einem zoroastrischen Gottessymbol mit Flügeln (Frawahar) dominiert.
Zoroastrischer Tempel in Yazd (eigenes Bild)

Der Iran ist nach seiner Verfassung ein islamischer Staat, der zwölfer-schiitische Islam ist Staatsreligion. Alle Gesetze des Landes haben in Einklang mit den islamischen Prinzipien zu stehen; gerade im Bereich des Familienrechts gilt die Scharia. Seit 1979 prägt der schiitische Islam das offizielle Leben, nicht zuletzt sind 90 % aller Iraner schiitische Muslime, hinzu kommen etwa 9 % Sunniten. Diese sehen sich allerdings vielfältigen Diskriminierungen ausgesetzt und werden vor dem Gesetz benachteiligt. So nehmen gerade in den letzten Jahren die Auseinandersetzungen zwischen Sunniten und Schiiten zu.

Neben den Muslimen gibt es jüdische, christliche und zoroastrische Minderheiten, die von der Verfassung anerkannt werden und denen Sitze im Parlament zustehen.

Seit der Antike hat der Iran eine der größten jüdischen Gemeinden des Nahen Ostens. Nach der Revolution von 1978/79 (kleinere Auswanderungswellen hatte es bereits zuvor gegeben) verließen jedoch viele Juden, trotz aller Beteuerungen Khomeinis, seine Angriffe richteten sich gegen Israel und nicht gegen iranische Staatsbürger jüdischen Glaubens, die Islamische Republik und zogen nach Israel, Europa oder Amerika. Unter anderem wurden der ehemalige Minister und heutige Parlamentsabgeordnete Schaul Mofas und der ehemalige Staatspräsident Israels Moshe Katsav in Iran geboren. Heute leben noch etwa 25 000 Juden in Iran, vor allem in Teheran und Schiraz. Sie stellen einen Parlamentarier.

Die christliche Minderheit Irans besteht vor allem aus Armeniern verschiedener Konfessionen, daneben gibt es noch einige Ostchristen, unter denen die Assyrer die größte Gruppe stellen. Die Christen lebten traditionell vor allem im Nordwesten des Landes, außerdem in Teheran und Esfahan. Nach der Revolution zogen viele Armenier nach Teheran, so dass heute 75 % von ihnen dort leben. Insgesamt gibt es etwa 100 000 christliche Iraner, ihnen stehen zwei Parlamentssitze zu.

Die zoroastrische Minderheit, Anhänger einer der bedeutendsten vorislamischen Religionen Irans, ist nach Auswanderungswellen nach Indien und in die USA heute auf etwa 30 000 Mitglieder geschrumpft. Ihre Mitglieder leben, neben Teheran, vor allem in der Gegend um Yazd im Zentraliran. Auch sie werden durch einen Parlamentarier repräsentiert.

Eine Sonderstellung unter den religiösen Minderheiten nehmen die Bahai ein. Die Mitglieder dieser im 19. Jahrhundert in Iran aus dem schiitischen Islam hervorgegangenen Religion gelten offiziell als vom Islam Abgefallene und besitzen daher keinerlei Rechte. Sie bekommen keine Personalpapiere ausgehändigt und sind vollkommen staatlicher Willkür ausgeliefert.

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Juni 2016 aktualisiert.

Der Autor

Dr. Tilmann Trausch arbeitet an der Universität Wien. Fachpublikationen im Bereich der historischen Orientwissenschaften. Seit 2008 Trainer für Landeskunde Iran und Betreuer des LIPortals bei der GIZ.

 

 

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