Pferde - Symbol des AVK © H. Walther
Proklamation der Republik Jemen
22. Mai 1990
Staatsoberhaupt
Abd Rabbo Mansur al-Hadi
Regierungschef
Ma'in Abdulmalik Sa'id (seit 15.10.2018)
Politisches System
Parlamentarisches Regierungssystem
Demokratie Status (BTI)
Rang 127 (von 129, 2018)
Korruptionsindex (CPI)
Rang 175 (von 180, 2017)

Geschichte

Alte Geschichte

Jemen wird in seiner Geschichte weithin mit den Sabäern, insbesondere jedoch mit der legendären, historisch nicht belegbaren Königin von Saba in Verbindung gebracht. In der Antike existierten im Südwesten der Arabischen Halbinsel verschiedene Reiche, von denen das der Sabäer (Hauptort: Marib) und von Hadramaut (Hauptort: Shabwat) die mächtigsten und einflussreichsten waren. Ihre politische und damit auch wirtschaftliche Stärke basierte auf der Lage an der Weihrauchstraße, einem wichtigen Handelsweg in die Mittelmeerregion und nach Europa. Nur so waren die notwendigen Einnahmen möglich geworden, weshalb diese Region von den Römern "Arabia Felix" - "Glückliches Arabien" genannt wurde. Mit dem Niedergang des Römischen Reiches als Hauptnutzer dieses Handelsweges und seiner Waren war das Ende der wirtschaftlichen Glanzzeit der südarabischen Reiche gekommen. Um die Erforschung der jemenitischen Geschichte haben sich auch Archäologen des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) verdient gemacht. Über viele Jahre wurden Grabungen in und um Sirwah sowie auch in Marib vorgenommen, die aufgrund der Sicherheitslage derzeit aber eingestellt sind. In Sirwah, ca. 40 km westlich von Marib, konnte u.a. ein einzigartiger Tempel freigelegt werden.

Tempelanlage in Sirwah © DJG/W. Mayer
Tempelanlage in Sirwah © DJG/W. Mayer
Der Mondgottheit geweihter Tempel im antiken Marib © H. Walther
Der Mondgottheit geweihter Tempel im antiken Marib © H. Walther

(Nord-) Jemeniten sehen ihre vorislamische Geschichte in erster Linie in den Himyaren, dem letzten bedeutenden Reich (ca. 115 v. Chr. bis 570 n. Chr.) im Südwesten der Arabischen Halbinsel vor der Islamisierung der Region (ab 632). Ihre Herrschaft erstreckte sich vor allem über den westlichen Teil des heutigen jemenitischen Staatsgebietes. Ausgrabungen bzw. Forschungen wurden dort u.a. auch von deutschen Archäologen vorgenommen.

Mit der siegreichen Ausbreitung des Islam kam Jemen ab 660 unter die Kontrolle des umayyadischen Kalifats von Damaskus. Gegen Ende des 9. Jh. (897) riefen die zerstrittenen Stämme in der Region Saada (Sa'da) den zaiditischen Prediger Yahya ibn al-Husain (aus Medina) als Schlichter. Nur kurze Zeit später wurde er dort unter dem Namen al-Hadi ila l-Haqq als Imam anerkannt und in der Folge das zaiditische Imamat im nördlichen Jemen begründet, das (mit Unterbrechungen) bis 1962 Bestand hatte. Da Yahya ibn al-Husain die zaiditische Richtung auch lehrte und verbreitete, wurde der nördliche Teil Jemens bald zum Zentrum der Zaidiya (s. "Gesellschaft & Kultur"). Vom 12. bis ins 15. Jhd. hinein befand sich Jemen unter ägyptischer Oberhoheit . Von 1538 bis 1630 und 1869 bis 1918 waren Teile des Landes von den osmanischen Türken besetzt, die jedoch von den zaiditischen Herrschern und den ihnen loyalen Stämmen wieder vertrieben werden konnten. Das 20. Jhd. war vor allem durch die Regentschaft der beiden Imame (= Könige) Yahya (1904-1948) und dessen Sohn Ahmed (1948-1962) geprägt. Trotz der zweimaligen militärischen Präsenz der Osmanen war dieser Teil des Landes de facto immer unabhängig. Im südlichen Jemen hingegen begann mit der Besetzung Adens am 16. Januar 1839 durch die Briten eine Kolonialzeit, die erst mit der Unabhängigkeit am 30.11.1967 endete. Die Hafenstadt Aden wurde 1937 aufgrund ihrer gewachsenen strategischen und wirtschaftlichen Bedeutung für das britische Empire aus der Präsidentschaft Bombay ausgegliedert (Eingliederung 1839) und der Administration in London mit dem Status einer Kronkolonie direkt unterstellt. Das Hinterland der Stadt, in dem lokale Herrscher über 24 Scheichtümer bzw. Sultanate regierten, stand ebenfalls unter britischer Kontrolle. Dieses Gebiet wurde 1959 (11.02.) zur Föderation der Arabischen Emirate des Südens (Federation of Arab Emirates of the South) zusammengeschlossen, aus der wenige Jahre später, am 04. April 1962, die Südarabische Föderation (Federation of South Arabia) hervorging. Die östlichen Sultanate (u.a. Hadramaut und Mahra) hingegen wurden in den Protektoraten von Südarabien (Protectorates of South Arabia: West and East) vereinigt.

Fahne der Arabischen Republik Jemen
Jemenitische Arabische Republik (1962-1990), Quelle: Wikipedia
Fahne der Demokratischen Volksrepublik Jemen
Demokratische Volksrepublik Jemen (1967-1990), Quelle: Wikipedia

Neue Geschichte

In seiner heutigen Form besteht Jemen seit dem 22. Mai 1990, dem Tag der Vereinigung des ehemaligen Südjemen und des Nordjemen zur Republik Jemen. Die bis dahin existierenden zwei jemenitischen Staaten, die Jemenitische Arabische Republik (JAR) im Norden (Hauptstadt Sanaa) und die Demokratische Volksrepublik Jemen (auch: Volksdemokratische Republik Jemen - VDRJ) im Süden (Hauptstadt Aden) hatten sich zuvor politisch und wirtschaftlich völlig unterschiedlich entwickelt.

Der konservativ-religiöse und stark tribalistisch geprägte Nordjemen stand unter dem Einfluss Saudi-Arabiens und verfolgte nach dem Ende der inneren kriegerischen Auseinandersetzungen (1962-1969: als Folge des Sturzes des letzten Imams Mohammed al-Badr und der Ausrufung der Republik) zwischen den Royalisten (von Saudi-Arabien unterstützt) und den republikanischen Kräften (von Ägypten unterstützt) eine marktwirtschaftlich orientierte Entwicklung. Südjemen hingegen, das am 30. November 1967 von Großbritannien unabhängig wurde, war bald ein enger Verbündeter der sozialistischen Staaten, (allen voran: Sowjetunion, DDR und Kuba) von denen es umfassende politische, wirtschaftliche und militärische Unterstützung erhielt. Mit deren Zerfall ab 1986 kam es zur Annäherung und schließlich zur Vereinigung beider jemenitischer Staaten am 22. Mai 1990. Allerdings war diese Einheit von Anfang an brüchig und immer wieder - bis in die Gegenwart - von Spannungen begleitet. Bereits im Frühsommer 1994 kam es zu einem mehrwöchigen bewaffneten Konflikt, der mit der Gründung einer Demokratischen Republik Jemen auf dem Gebiet der ehemaligen DVRJ (einschließlich einer zugehörigen Regierung unter Führung des ehemaligen Vizepräsidenten Ali Salem al-Beedh) am 21. Mai zur kurzzeitigen Abspaltung des Südteils geführt hatte. Auch nach der Wiederherstellung der staatlichen Einheit am 7. Juli 1994 auf militärischem Wege blieben die notwendigen Impulse seitens der Regierung in Sanaa für eine volle und gleichberechtigte Integration des Südens aus. Zunehmende Unzufriedenheit, die sich u.a. in (oftmals eskalierenden) Demonstrationen und Streiks in Aden ein Ventil schufen, führten 2007 zur Entstehung der Southern Movement, (arab.: al-Hirak - الحراك) einer losen Vereinigung von Kräften, deren Forderungskatalog von mehr Mitspracherecht für die Bevölkerung des Südens bis hin zur abermaligen Abspaltung und Unabhängigkeit vom Norden reicht und die nach den Umbrüchen von 2011 starken Zulauf hat.

Staat und Verfassung

Die Republik Jemen bezeichnet sich in ihrer am 15./16. Mai 1991 in einer Volksabstimmung angenommenen Verfassung (geändert am 28. September 1994 durch das Parlament, Volksabstimmung am 20. Februar 2001) als unabhängigen, arabischen, islamischen und republikanischen Staat. Jemen ist Teil der arabischen und islamischen Welt ("Part of the Arab and Islamic Nation"). Staatsreligion ist der Islam, einzige Rechtsquelle die Scharia. Mann und Frau sind vor dem Gesetz gleich, allerdings werden die Frauen als "Schwestern der Männer mit Rechten und Pflichten auf der Grundlage der Scharia und des Gesetzes" bezeichnet. Garantiert sind die Unabhängigkeit der Rechtssprechung und ein demokratisches Mehrparteiensystem.

Im Vergleich mit den konservativen Nachbarstaaten konnte Jemen stets als relativ demokratisch bezeichnet werden, auch noch nach dem Rücktritt des Langzeitpräsidenten Ali Abdallah Saleh (1978 - 2012). Neben den Wahlen als Ausdruck dieser Demokratie existierten Versammlungs-, Meinungs- sowie Pressefreiheit, u.a. ersichtlich am breiten Angebot lokaler Zeitungen. In den letzten Herrschaftsjahren Jahren von Ali Abdallah Saleh war allerdings ein zunehmender Personenkult um seine Person allerorts sichtbar, u.a. durch zahlreiche Poster, Plakate und Losungen in der Öffentlichkeit. Insbesondere Journalisten, die daran Kritik übten, wurden gemaßregelt bzw. mussten mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Aber auch in der Nach-Saleh-Ära sind die zahlreichen Konflikte nicht gelöst. Die als ein Ergebnis der Nationalen Dialogkonferenz (NDC) im Februar 2014 verkündete Neugliederung in sechs Regionen und damit die Schaffung einer föderalen Republik sollte ein Schritt in Richtung Besserung der politischen Gesamtsituation sein. Inhalt und Umsetzung stießen in vielen Landesteilen von Anfang an auf Skepsis bis hin zur Ablehnung, vor allem im südlichen Jemen. Ob es jemals zur Umsetzung kommt, ist weiterhin fraglich.

Präsident

Abd Rabbo Mansur al-Hadi (Foto: Glenn Fawcett, CC BY-SA 3.0)
Abd Rabbo Mansur al-Hadi (Foto: Glenn Fawcett, CC BY-SA 3.0)

Am 25. Januar 2012 wurde ein neuer Staatspräsident (Übergangspräsident) gewählt: Abd Rabbo Mansur al-Hadi. Als vormaliger Stellvertreter des Langzeitpräsidenten Ali Abdallah Saleh (1978 - 1990 JAR-Präsident, 1990 - 2012 Präsident der Republik Jemen), der wenige Tage zuvor, am 22. Januar, auf sein Amt verzichtet hatte, stand al-Hadi als einziger Kandidat zur Verfügung.

Auf den wochenlangen Demonstrationen zuvor, die zeitweise auch eskalierten,  war eine der Hauptforderungen der Protestierenden der Rücktritt des Präsidenten Ali Abdallah Saleh, da sie ihn für die zahlreichen Probleme im Lande verantwortlich machten. Tawakkul Karman sah in Saleh sogar die Quelle des Terrors. Für ihr mutiges und engagiertes Auftreten während der Demonstrationen wurde sie im selben Jahr mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Mehrere Vermittlungsversuche, u.a. seitens der GCC-Staaten, Saleh zur Machtübergabe zu bewegen, blieben zunächst ohne Erfolg. Am 23. November 2011 unterzeichnete er schließlich ein Abkommen über seinen Rücktritt als Präsident, behielt jedoch seine Funktion als Vorsitzender des von ihm 1982 gegründeten Allgemeinen Volkskongresses (لمؤتمر الشعبي العام‎‎ا, General People's Congress - GPC/AVK).

Die im Januar 2015 erfolgte De-facto-Machtübernahme durch die Huthi-Bewegung (s. unten: "Innenpolitik"), die weder den amtierenden Präsidenten al-Hadi noch die legitime Regierung und das Kabinett anerkannten (und weiterhin nicht anerkennen), haben u.a. zur Rücktritterklärung al-Hadis als Präsident am 22. Januar 2015 geführt, die er Anfang Februar jedoch wieder zurücknahm,. Nach einem Zwischenaufenthalt in Aden reiste er nach Saudi-Arabien aus, hielt/hält sich jedoch zeitweise auch in Aden auf, das momentan als quasi-Hauptstadt fungiert.

Machtfrage: Parlament und Kabinett

Gebäude der Staatlichen Kontrollkommission (COCA) in Sanaa © H. Walther
Gebäude der Staatlichen Kontrollkommission (COCA) in Sanaa © H. Walther

Parlament

Das gewählte (und somit legitime) Parlament besteht aus einer Kammer (majlis an-nuwwab) mit 301 Abgeordneten, gewählt für sechs Jahre, zuletzt am 27. April 2003.

Mit dieser Wahl (2003) im Parlament vertreten: Allgemeiner Volkskongress (AVK) 238, Islah 45, Jemenitische Sozialistische Partei (JSP) 7, Nasseristische Unionistische Volksorganisation 3, Partei der Arabischen Sozialistischen Wiedergeburt (Baath) 2, Union der Volkskräfte (zaiditisch) 1, Al-Haqq-Partei (zaiditisch) 1, sowie einige Unabhängige. Lediglich eine Frau ist im Parlament vertreten. Die ursprünglich für April 2009 geplanten Parlamentswahlen  wurden wegen Meinungsverschiedenheiten zu Fragen einer Wahlrechtsreform kurzfristig auf 2011 verschoben, konnten unter den gegenwärtigen Bedingungen bisher aber nicht realisiert werden. Durch eine so genannte Verfassungserklärung der Huthi-Bewegung am 06. Februar 2015 wurde das Parlament für aufgelöst erklärt. Seit Ende März 2015 haben daher keine Sitzungen mehr stattgefunden. Zahlreiche Abgeordnete halten sich derzeit im Ausland auf. An seine Stelle soll ein Nationalrat mit 551 Mitgliedern treten, geleitet von einem fünfköpfigen Präsidialrat.

Kabinett

Die Leitung des legitimen Kabinetts lag vom 13. Oktober 2014 bis zu seinem Rücktritt am 22. Januar 2015 in den Händen von Khalid Mahfuz Bahah, der als Ministerpräsident der Übergangsregierung fungierte. Nachdem dieser Posten mehr als ein Jahr vakant war, hatte von April 2016 bis Oktober 2018 Ahmed Obaid Bin Dagher das Amt inne. Seit 15. Oktober 2018 ist Dr. Ma'in Abdulmalik Sa'id neuer Premier.

Neben dem o.g. Parlament gibt es ein so genanntes Beratendes Gremium, Majlis ash-Shurah (Shurah-Rat), mit 111 vom Staatspräsidenten ernannten Mitgliedern.

Im Huthi-kontrollierten Sanaa wurde am 6. August 2016 eine Gegenregierung ("Regierung der nationalen Rettung") unter Leitung des ehemaligen Gouverneurs von Aden Abdulaziz Bin Habtour installiert (Ministerpräsident seit 2. Oktober 2016). Das Gegenkabinett mit 27 Ministern wurde am 4. Oktober 2016 gebildet.

Innenpolitik

Allgemein

Der anfänglichen Euphorie über die vollzogene Einheit folgte bald die Ernüchterung: Tiefgehende Differenzen zwischen den Vertretern aus dem jeweils anderen Landesteil über die weitere politische Entwicklung sowie enorme wirtschaftliche Probleme eskalierten im Mai 1994 zu einem zweimonatigen Bürgerkrieg, in dem der Norden als Sieger hervorging. Die Folge war eine verstärkte Islamisierung des Lebens im Süden, verbunden mit der Durchsetzung der Scharia als einziger Quelle der Rechtssprechung und der Verdrängung aller Frauen aus führenden Positionen. Der Einheitsstaat stand seither auf wackeligen Füßen, wurden doch die z.T. gravierenden ökonomischen, sozialen und politischen Differenzen zwischen beiden Landesteilen nicht überwunden.

Innenpolitische Lage

Vor allem in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre gab es zahlreiche Entführungen von Ausländern. Verantwortlich dafür zeichneten Stammesangehörige, zumeist in den Provinzen Marib und Shabwa. Da staatlicherseits die Forderungen realisiert bzw. deren Realisierung in Aussicht gestellt wurde, kamen die meisten Entführten ohne körperlichen Schaden wieder frei. Einige wenige Entführungen hatten allerdings einen islamistisch-terroristischen Hintergrund, verantwortlich dafür zeichnete die so genannte Islamische Armee von Aden-Abyan. Staatliches Vakuum in einigen Landesteilen (vor allem in/um Marib) nutzend entwickelte sich das Land in den Jahren ab 2006 mehr und mehr zu einem Rückzugsgebiet für al-Qaida bzw. deren Ableger auf der Arabischen Halbinsel, (AQAP), und anderer islamistisch-terroristischer Gruppierungen. Anschläge mit Todesfolge gegen zivile und militärische staatliche Institutionen sowie Ausländer häuften sich.

Zu einem besonders ernsthaften Problem wurde der seit Juni 2004 andauernde Konflikt  in der nördlichen Provinz Saada. Religiös orientierte schiitische Kräfte unter Führung des Huthi Clans kämpften gegen die Zentralregierung in Sanaa, angeblich von Iran unterstützt. Alle diversen Vermittlungsversuche blieben meist ohne sichtbaren Erfolg. Nachdem Teile der Huthi-Rebellen bis in die Hauptstadt vorgedrungen und zeitweise staatliche Institutionen (u.a. Ministerien) besetzt hielten, wurde am 21. September 2014 ein Friedensabkommen zwischen der Regierung und Huthi-Vertretern in Sanaa unterzeichnet. Dennoch setzten letztere ihren militärischen Vormarsch fort, unterstützt durch Saleh-loyale Armeeverbände und kontrollierten bald den nördlichen und westlichen Teil des Landes, darunter die Hauptstadt, sowie Hodaida, Taiz und kurzzeitig auch Aden. Um ein weiteres Vorrücken der Huthi-Rebellen zu verhindern bzw. diese zurückzudrängen sowie zur Unterstützung der faktisch entmachteten Hadi-Regierung hat Saudi-Arabien in den innerjemenitischen Konflikt eingegriffen und am 26. März 2015 mit einer militärischen Invasion (Operation Decisive Storm/Sturm der Entschlossenheit, seit 22. April 2015: Operation Restoring Hope/Wiederherstellung der Hoffnung) begonnen, an der sich weitere arabische Staaten (u.a. Ägypten, Bahrain, Jordanien, Kuwait, Pakistan und die VAE) beteiligen. Offizielles Ziel der Militäroperation: die Regierung unter Hadi vor dem vollständigen Zusammenbruch zu schützen, die mögliche Übernahme der Regierungsgewalt im gesamten Land durch die Huthi-Bewegung zu verhindern und letztlich Jemen zu stabilisieren. In Abhängigkeit von ihrer jeweiligen Position wurde/wird diesbezüglich entweder von saudischer Unterstützung zur Befreiung von den Huthi-Rebellen oder aber (pro Huthi) von einer Aggression Saudi-Arabiens gegen das jemenitische Volk gesprochen. Die bisher erreichten Ziele sind eher zweifelhaft, haben sie doch - vor allem durch die zahlreichen Bombardierungen - zu großem menschlichem Leid und immensen materiellen Schäden geführt.

Neben der vor allem in Aden und Umgebung präsenten Southern Movement (s. oben) stehen bzw. standen Gebiete der Provinzen Abyan, Shabwa und Hadramaut z.T. unter Kontrolle der al-Qaida nahestehenden Gruppierung "Ansar Ash-Sharia". Auch Kräfte des so genannten "Islamischen Staates" (arabisch: داعش Daesh) operier(t)en in einigen wenigen Gebieten des Landes. U.a. soll das Attentat auf den Adener Gouverneur Ja'far Mohammed Sa'd am 06.12.2015 auf das Konto des IS gehen.

Eine neue und damit dramatische Entwicklung für Jemen hat der Tod von Ali Abdallah Saleh gebracht. Als Zweckverbündeter der Huthi-Rebellen hatte er Anfang Dezember 2017 seine Militärallianz mit diesen aufgekündigt und Verhandlungsbereitschaft mit der legitimen Regierung signalisiert. Daraufhin wurde er von den Rebellen am 04.12. erschossen.

Außenpolitik

Den Beziehungen zu Saudi-Arabien wurde in der Vergangenheit stets größte Bedeutung seitens der Regierung beigemessen. Dennoch gab es immer wieder Verstimmungen auf beiden Seiten, die aber in erster Linie dem mächtigen Nachbarn im Norden zuzuschreiben waren, versuchte er doch permanent, sich in die inneren Angelegenheiten Jemens einzumischen. Von jemenitischer Seite wurden sogar die Entführungen von Ausländern - allerdings ohne schlüssige Beweise - z.T. Saudi-Arabien angelastet. Andererseits flossen über viele Jahre saudische Finanzhilfen ins Land. Am 12. Juni 2000 wurde nach langen und zähen Verhandlungen ein Vertrag über den bis dahin größtenteils strittigen Grenzverlauf zwischen beiden Staaten unterzeichnet. Von den Huthi-Rebellen wird Saudi-Arabien derzeit allerdings als "Aggressor" und damit "Feind des jemenitischen Volkes" gesehen.

Zu den anderen Nachbarstaaten hatte Jemen stets ein gutes Verhältnis - und hat die legitime Hadi-Regierung weiterhin. Seit Jahren bemüht sich das Land um die Mitgliedschaft im Golfkooperationsrat  (GCC). Inzwischen arbeitet es in einigen Gremien des Rates mit.

Anmerkung: Infolge der Situation in Jemen haben zahlreiche Staaten, darunter Deutschland, ihre Botschaften vorübergehend geschlossen und z.T. auch die politischen Beziehungen minimiert.

Zu zahlreichen Staaten der EU bestehen seit vielen Jahren freundschaftliche Beziehungen. Das am 11.03.1998 unterzeichnetes Cooperation Agreement regelt seither die beiderseitigen Kontakte. Deutschland gilt seit vielen Jahren - auch unter den gegenwärtigen Bedingungen - als bevorzugter westlicher Partner und genießt einen ausgezeichneten Ruf, vor allem aus historischen Gründen, so z.B. wegen der klaren Haltung für die Einheit des Jemen im Sezessionskrieg (Mai bis Juli 1994) und des starken entwicklungspolitischen Engagements. Regelmäßige Besuche auf höchster Ebene, im Rahmen der Parlamente und der Minister unterstreichen die guten Beziehungen. Der vormalige Präsident Saleh war Ende Februar 2008 zu einem offiziellen Besuch in Deutschland. Anfang März 2005 besuchte der damalige Bundeskanzler Schröder auf seiner Reise in verschiedene arabische Staaten auch Jemen. Anfang 2010 machte der frühere Außenminister Westerwelle während seiner Rundreise durch Staaten der Arabischen Halbinsel Zwischenstation in Sanaa, wobei er auch eine Begegnung mit Ali Abdallah Saleh hatte. Die politischen Beziehungen zu den USA waren/sind aus bekannten Gründen von einem stetigen Auf und Ab beherrscht, wurden von offizieller jemenitischer Seite und den USA  lange Zeit jedoch als "zuverlässig" bewertet.

Medien

Die nationale Medienlandschaft in Jemen war und ist, wenn zurzeit auch mit situationsbedingten Einschränkungen, breit gefächert, vor allem im Bereich der Printmedien. Neben zahlreichen arabischsprachigen Zeitungen, von denen die meisten täglich verausgabt wurden/werden, existieren auch (wöchentlich erscheinende) Zeitungen in englischer Sprache. Dem Privatsektor zugehörig, hat die 1991 von Abdul Aziz as-Saqqaf gegründete Yemen Times die höchste Auflage. Von Bedeutung sind außerdem der Yemen Observer (gegr. 1996) und die Yemen Post (gegr. 2007). Viele Zeitungen erscheinen gegenwärtig nur online.

Die jemenitische Nachrichtenagentur Yemen News Agency (SABA)  - inzwischen unter Kontrolle der Huthi-Rebellen - hatte eine aktuelle und informative Webseite in Englisch (s. Kapitel "Überblick"). Wichtige Tageszeitungen des Landes, wie das Organ des Allgemeinen Volkskongresses (AVK) ath-Thawra (s. Kapitel "Übersicht") oder der oppositionellen Jemenitischen Sozialistischen Partei (JSP), 14. Oktober oder die zurzeit in Südjemen populärste Tageszeitung al-Ayyam (Aden, unterstützt die Separationsbestrebungen im Süden), werden nur in Arabisch verlegt. Westliche Tageszeitungen und Zeitschriften waren und sind offiziell nicht erhältlich.

In den letzten Jahren der Präsidentschaft von Ali Abdallah Saleh wurde die relativ freie Berichterstattung  zunehmend eingeschränkt. Kritik vor allem an der Amtsführung des Präsidenten hatten immer wieder zu Repressalien gegen die betroffenen Journalisten geführt. Völlig tabu waren/sind negativ-kritische Äußerungen jeglicher Art zum Islam. Die o.g. Invasion hat auch in den jemenitischen Medien zu einer Meinungspolarisierung über das Für und Wider des militärischen Eingreifens geführt. Nicht wenige Journalisten haben ihr Leben verloren.

 

 

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zuletzt im Oktober 2018 aktualisiert.

Über den Autor

Heiner Walther studierte Orientalistik, Islamwissenschaft und Iranistik. Landestrainer für Jemen, Libyen, Oman und VAE, Arabischlehrer bei GIZ (AIZ) in Bonn-Röttgen; Beiratsmitglied der Deutsch-Jemenitischen Gesellschaft (DJG); Autor diverser Arabisch-Lehrbücher und touristischer Sprachführer zu verschiedenen arabischen Dialekten. Jemen kennt er aus langjährigen Aufenthalten und vielen von ihm geführten Studienreisen.

Lesetipps, Links, Kurzvideos

           Europäische Reisende im Jemen:

    • Gerlach, Eva: Aus dem Harem in die Welt (1956/1957)
    • Helfritz, Hans: Entdeckungsreisen in Süd-Arabien (1933/1935)
    • Pawelke, Günther: Der Jemen - Das verbotene Land (1958)
    • Stark, Freya: Die Südtore Arabiens (1934)

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