Wadi Rum - Wüstenlandschaft in Südjordanien (JTB Jordan Tourism Board)
Offizieller Name
Haschemitisches Königreich Jordanien
Fläche
92 300 km²
Einwohnerzahl
7,2 Mio. (plus ca. 2,6 Mio. Nicht-Staatsbürger)
Bevölkerungswachstum
2,6 % pro Jahr (wegen Flucht und Migration)
Regierungssitz
Amman
Amtssprache
Arabisch
Regionalsprachen
Arabisch, syro-palästinensischer Dialekt

Allgemeine und aktuelle Informationen

Tagesaktuell berichten die kommerzielle Internetzeitung Ammon News, sowie das kommerzielle panarabische Internetportal Al-Bawwaba, die staatlich kontrollierte englischsprachige Jordan Times sowie der unabhängige Internet-Fernsehkanal Roya. Aufschlussreich ist auch ein Blick auf diverse nichtkommerzielle Bürgerjournalismusportale wie z.B. 7iber.com, die Seiten der Bundeszentrale für Politische Bildung und auf die Homepage der Deutsch-Jordanischen Gesellschaft.

Von Maria Josua gibt es bei der Bundeszentrale für Politische Bildung einen ersten Überblick über Politik und Geschichte des Landes. Den Stammbaum der haschemitischen Herrscherdynastie kann man sich auf der Internetseite des verstorbenen Königs Hussein anschauen. Die Mitglieder der Königsfamilie nutzen teilweise soziale Medien, z.B. Königin Rania.

Übersichtskarten

Landkarte Jordanien, CIA World Factbook (PD-USGov)
Landkarte Jordanien, CIA World Factbook (PD-USGov)
Lagekarte Jordaniens auf dem Globus © TUBS, CC BY-SA 3.0
Lagekarte Jordaniens auf dem Globus © TUBS, CC BY-SA 3.0

Weitere kostenlos einsehbare Übersichtskarten 

Jordanien

Region Nah- und Mittelost 

Link zu googlemaps: Amman Zentrum

Im Mai 2014 veröffentlicht: 40 Landkarten zu Geschichte, Gegenwart und möglichen Szenarien für die MENA-Region. Einige Zahlen sind inzwischen überholt, aber viele Karten vermitteln interessante Einsichten und Denkanstöße.

Ausdehnung und Grenzen

Unmittelbare Nachbarn Jordaniens sind der Irak, Israel, Saudi-Arabien, Syrien und die palästinensischen Autonomiegebiete im israelisch besetzten Westjordanland. Jordaniens Außengrenzen sind insgesamt 1636 Kilometer lang. Die längste Einzelgrenze ist die zu Saudi-Arabien, mit 744 Kilometern. 1965 wurde Jordanien nach Verhandlungen mit Saudi-Arabien in einer bilateralen Abmachung rund 22 Kilometer langer Küstenstreifen südlich von Aqaba zugesprochen. Jordaniens Meeresküstenlänge (Aqaba ist der einzige Zugang zum Meer) beträgt damit heute 26 Kilometer.

Seit 1950 und auch nach der Besetzung durch Israel im Jahr 1967 zählten die drei westlich des Jordans gelegenen Distrikte Jerusalem, Hebron und Nablus (West Bank) ebenfalls zum Verwaltungsgebiet Jordaniens. 1988 gab König Hussein I. alle staatsrechtlichen Ansprüche auf das Westjordanland auf und erklärte, dass er die PLO für zuständig hielte. Im israelisch-jordanischen Friedensvertrag vom 26.10.1994 wurde der Grenzverlauf zwischen dem Toten Meer und Aqaba festgelegt. Jordanien erhielt 380 qkm Land zurück, das ihm nach alten Karten gehörte. Mit einer weiteren Gebietsrückgabe im Norden erhielt Jordanien wieder Zugang zum Zusammenfluss von Yarmuk und Jordan.

Landesimpressionen

Wadi Rum in Südjordanien (copyright: Jordan Tourism Board JTB)
Wadi Rum in Südjordanien (copyright: JTB/visitjordan)

Bildquellen, Blogs, Videos

Das Jordan Tourism Board liefert auf Englisch und Deutsch Informationen sowohl für durchreisende Touristen als auch für Studierende oder andere Expats, die länger in Jordanien bleiben werden. Das JTB präsentiert Hinweise auf aktuelle Veranstaltungen, Sportmöglichkeiten, Restaurants und vieles mehr.

Wertvolle Hinweise für Expats, Durchreisende und allgemein am Land Interessierte hat der in Jordanien lebende Bastian Müller zusammengetragen. Sein Blog ist thematisch sehr umfassend, stets aktuell und sehr schön bebildert.

Besonders kunstvolle Porträts hat der deutsche Fotograf Kurt Nägele geschaffen, der auch an einem lesenswerten Bildband zu Jordanien mitgearbeitet hat.  

Die Grafikdesignerin und Architektin Abeer Seikaly hat einige eindrucksvolle Videos über die Wohn- und Esskultur der Beduinen gedreht.

Wer Hintergrundinformationen und Geschichten zur Geschichte und Gesellschaft sucht, findet bei der Wahljordanierin Ruth Caswell spannende Details. Ihr Blog wird nicht mehr laufend aktualisiert, er enthält aber viele spannende Details. Aufschlussreich sind auch die Reisetagebücher deutschsprachiger Touristinnen und Touristen, unter anderem über das Leben der Beduinen in Südjordanien. Sportlich Interessierte werden auf den Seiten der Initiative Jordan Trail viele eindrucksvolle Bilder und Anregungen finden, um Jordanien als Wanderland zu entdecken. Nostalgiker können sich in die Fotogalerie des Kunstprojektes "Dukes Diwan" vertiefen.

Das Portal Globalvoices gibt einen guten Überblick über die politisch engagierte jordanische Blog-Szene..

Ansichten der Wohnanlagen des Könighauses findet man auf der Homepage des verstorbenen König Hussein I.

Informationsquellen und Grunddaten

Nationale Daten

Die Daten des Jordanischen Amtes für Statistik sind wie alle offiziellen Daten der jordanischen Regierung kritisch zu behandeln, da die Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit in Jordanien nicht garantiert sind.

Natürliche Ressourcen sind in Jordanien knapp und die Infrastruktur ist in vielen Bereichen unterentwickelt. Das GermanWaterPartnership hat 2018 ein 80-seitiges Länderprofil zur Kreislaufwirtschaft in Jordanien herausgebracht. Der Bericht zielt auf potentielle Investoren, er enthält aber auch für anderweitig Interessierte eine Fülle nützlicher Informationen wie z.B. Karten, Klimadiagramme sowie Übersichtsdaten zu Wasserressourcen, Wasserwirtschaft und weiteren Themenfeldern.

Regionale Vergleichsdaten

Die Vereinten Nationen sind in Jordanien als entwicklungspolitischer Akteur präsent. Über die gesellschaftlichen und sozialen Entwicklungsfortschritte Jordaniens im regionalen Vergleich informiert die regionale UN-Unterorganisation für Westasien ESCWA. Die Handhabung der Vergleichsstatistiken ist allerdings etwas mühsam.

Naturräumliche Gegebenheiten

Landschaftliches Erscheinungsbild

Jordanien ist trotz seiner geringen Ausdehnung landschaftlich sehr vielfältig und reizvoll. Die Topografie des Landes ist maßgeblich durch den Jordangraben geprägt. Im Norden des Landes dominieren mediterrane Hügellandschaften mit Kiefern- und Eichenwäldern, im Jordantal wachsen zum Teil Tropenfrüchte. Der weite Osten und Süden des Landes sind nahezu ausschließlich Wüste. Der Wasserspiegel des Toten Meeres markiert mit 430 Metern unter NN den tiefsten Punkt der Erdoberfläche. Am höchsten Punkt des Landes, dem Jabal Umm Adaami (1854m) im südjordanischen Wadi Rum sind die spektakulärsten Ergebnisse des gigantischen Erdbebens zu sehen, das vor schätzungsweise 30 Millionen Jahren den ostafrikanischen Graben nach Norden verlängerte.

Campingplatz der der Königlichen Naturschutzgesellschaft im Naturreservat Dana (copyright: RSCN)
Campingplatz der Königlichen Naturschutzgesellschaft im Naturreservat Dana (copyright: RSCN)

Landschaftliche Großräume

Man unterscheidet in Jordanien von Westen nach Osten gesehen drei Großlandschaften, die jeweils in Nord-Süd-Richtung verlaufen:

  1. Die große Grabensenke (Great Rift Valley), die sich von Nordsyrien (Orontes) bis nach Zentralafrika erstreckt. In Jordanien verläuft die Senke vom unteren Ende des Tiberias-Sees (See Genezareth) und wird Ghor genannt. Die Jordanier unterscheiden den nördlichen Teil, zwischen Tiberiassee und Totem Meer (arab. Ghor, oder Ghor Shimali) und den Teil unter dem Toten Meer bzw. unmittelbar südlich vom Toten Meer (arab. Ghor Dschanubi, South Ghor). Von dort setzt sich die Große Grabensenke als Wadi Araba bis zum Roten Meer fort, ab dann interkontinental bis zu den Großen Seen in Ostafrika als sogenannte ostafrikanische Rift.
  2. Das vom Zentrum nach Süden verlaufende Hochplateau mit dem Jabal Umm Ad-Dami (1854m) als höchstem Punkt
  3. Die sogenannte Badia, Wüste und Wüstensteppe, bestehend aus Stein- und Lavawüste sowie Sandwüste
Natürliche Steinbrücke in den Felsen von Wadi Rum (Bild: Jordan Tourism Board)
Natürliche Steinbrücke in den Felsen von Wadi Rum (Bild: Jordan Tourism Board)

Klimatische Bedingungen

Wetter

Die Niederschlagsmengen sind in Jordanien im allgemeinen gering und variieren beträchtlich: Zwischen 700 mm im Norden und Nordwesten und 50 mm im Süden des Landes. Am kältesten ist die Zeit von Mitte November bis Mitte Februar. In Amman und in Höhenlagen kann es im Winter heftig schneien. Im Februar 2017 waren die Schneefälle so stark, dass Teile des Südens einschließlich der Nabatäerstadt Petra unter einer weißen Decke lagen. Die "Jordan Times" veröffentlichte auf ihrer Facebook-Seite faszinierende Bilder.

Das Wetter und das allgemeine Klima Jordaniens empfinden die meisten Europäer als angenehm. Im Norden des Landes einschließlich der Hauptstadt Amman herrscht Mittelmeerklima mit feuchten, relativ milden Wintern sowie langen, trockenen Sommern, die in Amman aufgrund der Höhenlage und des Windes in der Regel relativ mild verlaufen. Im größten Teil des restlichen Landes herrscht kontinentales Wüstenklima. Im Wadi Rum und in Aqaba steigen die Temperaturen im Juli und August zwar schon mal bis auf 48 Grad, aber aufgrund der Trockenheit und der nächtlichen Abkühlung ist die Hitze bei durchschnittlicher Kondition gut zu ertragen. Ausnahme: das Jordantal, dessen tropisch anmutende feuchtheiße Temperaturen schon im Juni derart quälend werden können, dass auch viele Jordanier in die kühleren Höhenlagen flüchten. Ausflüge ans Tote Meer und Umgebung sind im Juli und August deshalb eher nicht zu empfehlen, vor allem nicht mit kleinen Kindern - es sei denn, man hält sich in einem klimatisierten Hotel auf. 

Wind

Wie die ganze Levante, ist auch Jordanien im Frühjahr und Herbst regelmäßig vom Khamsin betroffen, einem heißen, Schirocco-ähnlichen Wind aus Süd-Südost, der zwar meist nur ein bis zwei Tage dauert, sich aber zu einem echten Sandsturm entwickeln kann, mit negativen Folgen für die Ernte. Der Khamsin kündigt sich durch fallenden Luftdruck und einen eingetrübten Himmel an. In den Monaten Juni bis September bringt der sogenannte Shamaal, ein bis zu 10 Tage andauernder Wind aus dem arabisch/persischen Golf, ebenfalls vermehrt Trockenheit und Hitze mit sich. Nach Sonnenuntergang macht sich der Shamaal oft als angenehme Brise bemerkbar.

Wasser

Institutioneller Rahmen und Ressourcen

Der Wassersektor ist aufgrund der extremen Wasserknappheit ein Schlüssel-Politikfeld in Jordanien. Das jordanische Wasserministerium ist formell zuständig für die Wasserpolitik. Die nationale Wasser-Strategie sieht unter anderem  vor, die Meerwasserentsalzung in den kommenden Jahren zur Hauptquelle der Trinkwasserversorgung auszubauen. Im März 2017 wurde im südjordanischen Aqaba die erste Anlage zur Entsalzung eröffnet. Am tatsächlichen Bedarf gemessen, sind die dort produzierten Mengen bislang jedoch sehr gering.

Die Wasserressourcen umfassen natürliche und künstliche Oberflächengewässer wie Flüsse, Seen, Kanäle und Stauseen sowie Tiefengrundwasservorkommen und (auf lange Zeit nicht nachfließende) "fossile" Wasservorräte wie das Disi-Aquifer in Südjordanien. Seit Juli 2013 wird das Wasser aus dem Disi-Aquifer durch eine 325 km lange Leitung nach Amman gepumpt.

Jordaniens wasserreichste Flüsse sind der Jordan und der Yarmuk, an dessen Ufern mehr als 3000 Jahre alte menschliche Siedlungen ausgegraben wurden. Der Jordan (arab. al-urdunn), Namensgeber des Landes, entsteht im Länderdreieck Libanon/Israel/Jordanien aus den Quellflüssen Hasbani, Dan und Banias. Er mündet in den Tiberiassee (See Genezareth) und fließt anschließend weiter nach Süden, wo er sich nacheinander mit dem aus Syrien kommenden Yarmuk sowie den jordanischen Flüssen Zarqa und Mujib vereinigt, um schließlich im Toten Meer zu münden. Gemessen an seiner welthistorischen und politischen Bedeutung ist der Jordan ein relativ kleiner Fluss, der im Hochsommer und im Herbst teilweise sehr wenig Wasser führt. Während der Regenzeit von November bis Januar können der Jordan und seine Zuflüsse jedoch unverhofft Überschwemmungen auslösen, die immer wieder Menschen das Leben kosten und die Infrastruktur beschädigen.
Da die Landwirtschaft in Jordanien nahezu vollständig auf künstliche Bewässerung angewiesen ist, hat der Ausbau der entsprechenden Infrastruktur in Jordanien seit Jahrzehnten Priorität. Unterstützung kommt dabei u.a. von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Bereits in den 1960er und 1970er Jahren entstanden nördlich von Amman der King-Talal-Damm und im Jordantal der heute 110 Kilometer lange King-Abdullah-Kanal, der die landwirtschaftliche Erschließung großer Teile des Jordantals ermöglicht hat. Mittlerweile gibt es in Jordanien auch ein gutes Dutzend weiterer Staudämme, die hauptsächlich der landwirtschaftlichen Bewässerung dienen sollen.

Ein ökologisches Dauerthema in Jordanien ist das Tote Meer. Aufgrund von Übernutzung fließt seit Jahren immer weniger Wasser nach, so dass der Wasserstand gefährlich gesunken ist. Expert/innen befürchten nachhaltige Schäden am sensiblen Ökosystem.

Rohstoffe und Energie

Wenig Rohstoffe

Jordanien verfügt über wenig Rohstoffe. Wichtig sind Brom und Phosphat sowie Pottasche (hier steht Jordanien jeweils weltweit unter den ersten zehn). In geringeren Mengen besitzt Jordanien auch Kupfer, Eisen und Schwefel.

Abhängig von Energieimporten

Politisch verantwortlich für das Thema Energie ist das Ministerium für Energie und Ressourcen. Die nationale Energieagentur NEPCO ist für das Versorgungnetz sowie den Import und Export von Energieträgern zuständig. Das jordanische Stromnetz ist mit den Netzen in den Nachbarstaaten verbunden.

Einen ausführlichen Überblick über historische und aktuelle Trends im jordanischen Energiesektor liefert die Internationale Atomagentur in ihrem Jordanien-Bericht.

Jordanien besitzt kein Erdöl, aber beträchtliche Schieferölvorräte (Das Land soll weltweit an fünfter Stelle stehen). Wichtig sind auch die Uranvorräte des Landes. Bislang ist Jordanien bei der Energieversorgung zu 95% auf Importe angewiesen. Die mittel- und langfristige Sicherung der Energieversorgung gilt als große Herausforderung für den Staat.

Bei der nationalen Energieversorgung setzte Jordanien jahrzehntelang hauptsächlich auf fossile Energieträger. Rund 80 Prozent des Energiebedarfes wurden bis 2012 durch den Import von Erdgas aus Ägypten gesichert. Aufgrund zahlreicher Terroranschläge im Sinai und wegen der allgemeinen politischen Situation in Ägypten wurden diese Importe gestoppt.

Jordanien plant seit Anfang der 2000er Jahre, in die Atomenergieproduktion einzusteigen. Die Pläne stießen auf relativ heftigen Protest in der Bevölkerung und führten zu leidenschaftlichen Debatten, wie unter anderem eine Studie von F. Goussous deutlich macht. Der Bau eines Atomkraftwerks bei Mafraq in Zusammenarbeit mit der russischen Rosatom wurde 2018 endgültig verworfen.

Der nationale Energieplan (2007-2022) sieht einen weitreichenden Ausbau der Solar- und Windenenergie vor, unter anderem im Rahmen des sogenannten "Green Corridor" Projektes. Aktuell heizen rund 15% aller jordanischen Haushalte ihr Wasser mit Solarenergie. Bis 2020 sollen mindestens 30 Prozent der privaten Haushalte ihr heißes Wasser durch Sonnenenergie erzeugen. Mehrere Kommunen und Regionen sind dabei, ihre Energieversorgung zumindest teilweise auf Solarenergie umzustellen, darunter die Industriestadt Sahab bei Amman, sowie die Region Petra. Auch das Religionsministerium setzt auf regenerative Energien und rüstet unter anderem mit Unterstützung der GIZ im ganzen Land Moscheen entsprechend um. Jordanien will einen Teil seines Energiebedarfes durch Importe aus Israel decken (unter dem Label einer internationalen Firma). In der jordanischen Bevölkerung wird die geplante enge Kooperation mit Israel teilweise sehr kritisch gesehen. Die Auseinandersetzung über das Für und Wider der Importe aus Israel führte zu hitzigen Debatten, vor allem innerhalb der Bewegung der Muslimbrüder.

Flora und Fauna

Oryx-Antilopen, ein Wahrzeichen Jordaniens (Bild: JTB)
Oryx-Antilopen, ein Wahrzeichen Jordaniens (Bild: JTB)

Die königliche Naturschutzgesellschaft RSCN unterhält zahlreiche Projekte zur Dokumentation und zum Schutz der trotz des knappen Wassers erstaunlich vielfältigen Pflanzenwelt Jordaniens, sowie zur Erhaltung der sehr vielfältigen Tierwelt des Landes. Unter anderem werden seit einigen Jahren die nahezu ausgestorbenen Oryx-Antilopen wieder angesiedelt. Die Konvention über Biodiversität hat Jordanien 1992 unterzeichnet und 1993 ratifiziert. Im Jahr 2004 ratifizierte Jordanien das Protokoll über biologische Sicherheit von Cartagena.

Ökologische Probleme

Abfall

Auf dem Weg vom Flughafen in die Hauptstadt und in Amman selbst ist das Problem nicht direkt sichtbar, aber sobald man sich aus Amman herausbewegt, ist kaum zu übersehen, dass Jordanien ein großes Abfallproblem hat. Vielerorts in den Kommunen funktioniert die Müllabfuhr nur unzureichend, und entlang der Nationalstraßen sieht man kontinuierlich Abfall - vor allem Verpackungen, Dosen und Plastik aller Art. Auch Gewässer sind stark vermüllt, vor allem das Rote Meer.

Wasserknappheit und Governance-Probleme

Das drängendste Problem in Jordanien ist die Wasserknappheit, in Kombination mit unzureichendem Wasser-Management, einem sinkenden, aber immer noch zu starken natürlichen Bevölkerungszuwachs, und mit der Anwesenheit von rund 2,8 Mio. Geflüchteten und Migrant/innen im Land.

Um den Schutz des ökologischen Gleichgewichts im Roten Meer bemüht sich seit den 1990er Jahren die königliche Nichtregierungsorganisation JREDS.

Studierende aus Deutschland entwickelten im nordjordanischen Umm Qais ein Projekt für sauberes Trinkwasser.

Entwaldung, Bodenerosion, Wüstenausbreitung

Nur knapp ein Prozent des jordanischen Territoriums ist von Wald bedeckt, unter anderem wachsen Zypressen, Eichen und Kiefern. Die Ursachen dieses Mangels sind vielfältig und reichen zum Teil weit in die Geschichte zurück: Neben der Überweidung mussten beispielsweise im 19. Jahrhundert tausende Bäume für den Bau der Hedschas-Bahn fallen. Aktuell gefährden vor allem zwei Faktoren die wenigen Waldgebiete des Landes: 1) Die intensive Bautätigkeit, vor allem in den attraktiven Hügellandschaften nördlich von Amman und 2) Die hohen Preise für Heizöl, aufgrund derer die Menschen manchmal keine andere Möglichkeit sehen, als Holz zum Heizen aus den Wäldern zu holen. Besonders betroffen sind hiervon die Forstgebiete von Dibbin, Jerash und Ajloun. Die geringe Bewaldung begünstigt die ohnehin fortgeschrittene Bodenerosion und die Wüstenausbreitung, von der Jordanien bereits massiv betroffen ist. Umweltaktivisten versuchen, der Entwicklung unter anderem durch den Aufbau eines Umwelt-Friedensparks entgegenzuwirken.

Umweltaktivisten versuchen, der Entwicklung unter anderem durch Aufbau eines Umwelt-Friedensparks entgegenzuwirken. Das Land hat die UN-Konvention zur Bekämpfung der Desertifikation (UNCCD) ratifiziert und nationale Pläne zur Umsetzung ausgearbeitet, die auf verschiedenen Ebenen (Prävention, Beratung, Strukturmaßnahmen) operationalisiert werden.

Luftverschmutzung, Bodenverarmung

Die Luftverschmutzung hat in Jordanien stark zugenommen. Neben veralteten und schlecht ausgerüsteten Industrieanlagen (z.B. die Erdölraffinerie und das Zementwerk in Zarqa) zählen der Personennah- und Frachtverkehr und die damit verbundenen Abgase zu den Hauptursachen des Smogs. Der öffentliche Nahverkehr ist dramatisch unterentwickelt. Allein in Amman sind über eine Million PKW zugelassen, weniger als 5 Prozent aller Innenstadtfahrten werden mit ÖPNV gemacht. Ein weiteres, auf Dauer sehr gravierendes Umweltproblem ist die schnell fortschreitende Verarmung der Böden. Insgesamt sind ohnehin nur knapp fünf Prozent der gesamten jordanischen Staatsfläche landwirtschaftlich nutzbar. Aufgrund von Überdüngung, Übernutzung und fehlerhafter Bewässerung lässt die Fruchtbarkeit vieler Böden und damit die Qualität der angebauten Produkte nach.

Sozialgeographische Fakten

Transport und Verkehrswege

Das jordanische Transportministerium wirkt bei der Entwicklung, Bewirtschaftung und Überwachung der Transport- und Verkehrswege des Landes mit. Jordaniens Infrastruktur umfasst nach Angaben des Transportministeriums

  • rund 8000 km Straßen- und Wegenetz, davon 3440 km Hauptstraßen, 2127 km Nebenstraßen (geteert/asphaltiert), 2435 km Fahr- und Forstwege sowie Pisten. Die Hauptverbindungsstraße von Amman nach Aqaba ist autobahnähnlich mit bis zu sechs Spuren ausgebaut. Kleiner und landschaftlich reizvoller ist der Dead Sea Highway, der am Toten Meer entlang führt.
  • 3 internationale Flughäfen (Amman Queen Alia International Airport, Amman Marka Airport, Aqaba Airport)
  • 1 Seehafen in Aqaba
  • 2 Eisenbahngesellschaften, von denen zur Zeit nur eine in Betrieb ist: die Aqaba Railway Corporation (ARC) transportiert Phosphat vom Toten Meer zum Hafen von Aqaba.

IDer öffentliche Nahverkehr ist in Jordanien generell wenig entwickelt. Die meisten Menschen fahren mit Privatautos, Sammeltaxis oder privaten MiniBussen. In der Agglomeration Amman/Zarqa (über vier Millionen Einwohner/innen) ist im Juli 2019 das Angebot öffentlicher Omnibusse wesentlich erweitert worden. Eine Metro gibt es bislang noch nicht. Der Bau ist angekündigt.

Trend zur Verstädterung

Vier von fünf Jordanier/innen leben heute in Städten. Auch wenn der offizielle Diskurs die Rolle des Beduinentums für die nationale Identität betont - die ökonomische Bedeutung der beduinischen Lebensweise ist gering. Weniger als ein Prozent der jordanischen Bevölkerung verdient den Lebensunterhalt mit nomadischer oder halbnomadischer Viehzucht.

In Bezug auf die wirtschaftliche und soziale Entwicklung lässt sich ein starkes und wachsendes Gefälle zwischen der Hauptstadt Amman und dem Rest des Landes beobachten. Innerhalb Ammans nimmt die sogenannte "Gentrifizierung" zu. Die damit einhergehenden Konflikte sind in einer Forschungsarbeit der Universität Gent anschaulich dokumentiert.

Im Ballungsraum Groß-Amman und Zarqa wohnen aktuell rund 4 Millionen Menschen und damit über die Hälfte der Bewohner*innen des Landes, plus mehrere hunderttausend Geflüchtete aus dem Irak und aus Syrien. Der Großraum der Universitätsstadt Irbid im Norden des Landes zählt rund 650.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Irbid ist die drittgrößte Stadt in Jordanien. Weitere schnell wachsende Agglomerationen sind Salt und vor allem Aqaba. Seit der Gründung der Freihandelszone ASEZA und der gezielten Förderung des Tourismus entwickelt sich das einst verschlafene Städtchen am Roten Meer zum urbanen Zentrum Südjordaniens. Die Bevölkerung hat sich binnen weniger Jahre verdoppelt; aktuell leben schätzungsweise 100.000 Menschen in Aqaba.

Nationale Symbole

Jordaniens Nationalflagge (copyright: visitjordan/JTB)
Jordaniens Nationalflagge (copyright: visitjordan/JTB)

Flagge

Die heutige jordanische Nationalflagge stammt aus dem Jahr 1928 und geht in ihrer Grundstruktur auf die arabische Revolte gegen die Osmanen im Jahr 1916 zurück, die vom Ur-Ur-Großvater des heutigen Königs Abdullah II. angeführt wurde. Die Farben Grün, Weiß und Schwarz stehen für die großen arabisch-islamischen Gründerdynastien: Omayyaden, Abbasiden und Fatimiden. Der siebenzackige weiße Stern auf rotem Grund symbolisiert die sieben Verse der "Fatiha", der ersten Sure des Korans, die für Muslime eine Form des Glaubensbekenntnisses darstellen.

Nationalhymne

Der Text der jordanischen Nationalhymne preist den König und die Dynastie der Haschemiten.

Jordanisches Staatswappen (Bild: Public Domain)
Jordanisches Staatswappen (Bild: Public Domain)

Das Staatswappen

Das jordanische Staatswappen war ursprünglich das Wappen der Haschemiten und geht in seiner heutigen Form auf das Jahr 1921 zurück. Adler und Königskrone verkörpern die Monarchie. Speerspitzen, Krummschwerter, Pfeile und Bogen stehen für Opferbereitschaft und Wehrhaftigkeit. Die Farben des Wappenmantels symbolisieren Opferbereitschaft (rot) und Reinheit (weiß). Der Globus versinnbildlicht die Universalität des Islams. Goldene Weizenähren (rechts) und ein Palmblatt (links) bedeuten Wohlstand. Am Ordensband hängt der grün-rot-goldene, mit Diamanten besetzte jordanische Renaissance-Orden (Wisam al-Nahda) erster Klasse. Über dem Orden befindet sich ein gelbes Spruchband mit der arabischen Aufschrift Abdullah bin al-Hussein (links), König des Haschemitischen Königreichs Jordanien (Mitte), der auf Hilfe und Erfolg durch Gott hofft (rechts).

Die schwarze Iris - Symbol des haschemitischen Königshauses in Jordanien (Bild: JTB)
Die schwarze Iris - Symbol des haschemitischen Königshauses in Jordanien (Bild: JTB)

Die schwarze Iris

Die schwarze Iris ist das Symbol der Haschemiten, die ab dem Jahr 1915/1916 die Grundlagen für die Entstehung des jordanischen Staates schufen. Die Haschemiten waren keine Beduinen, sondern städtische Händler aus dem Hejaz, dem Westen des heutigen Saudi-Arabien. Sie waren verantwortlich für die heiligsten Stätten des Islams, Mekka und Medina.

Das Länderinformationsportal

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zuletzt im Mai 2020 aktualisiert.

Die Autorin

(Bild: privat)
(Bild: privat)

Martina Sabra ist freie Journalistin mit regionalem Fokus auf Nordafrika und Nahost. Ihre Länderschwerpunkte sind Marokko & Jordanien. In beiden Ländern hat sie gelebt und gearbeitet. In Jordanien schrieb sie als Stipendiatin der Heinz-Kühn-Stiftung für die "Jordan Times". Zahlreiche landeskundliche Publikationen zu Jordanien.

Covid19 in Jordanien

Auch Jordanien hat in Corona-Zeiten seine Top-Mediziner, die täglich in den Medien präsent sind. Die Fangemeinde von Gesundheitsminister Dr. Saad Jaber ist stark gewachsen.

Vertrauen in Königshaus und Armee

Der Thinktank Jordan Strategy Forum hat nachgefragt: Wem vertrauen die Menschen in Jordanien? Ganz oben stehen die Haschemiten und das Militär. Am Ende der Skala landen die Parteien, heiss es in der Studie.

Trainingsangebote der Akademie

Die Akademie der GIZ gestaltet Lernangebote für die internationale Zusammenarbeit. Wir führen mehr als 2000 Fort- und Weiterbildungen durch und entwickeln innovative, wirksame und nachhaltige Lernkonzepte. Und das weltweit.

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