In Jordanien konzentriert sich alles auf die Wirtschaftsmetropole Amman (Bild: JTB Jordan Tourism Board))
Geschätztes BIP
38 Mrd. US-$
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
5.600,00 US-$
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
80 (von 188)
Anteil Armut
Keine Angaben
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
35,4 (Skala 0-100)
Wirtschaftlicher Transformationsindex
45 (von 129)

Aktuelle Basisdaten

Aktuelle Basisdaten zur Wirtschaftsentwicklung

Die aktuellen politischen Entwicklungen in der arabischen Welt - besonders in den Nachbarländern Syrien und Irak sowie in den palästinensischen Gebieten - wirken sich direkt auf die wirtschaftliche Situation Jordaniens aus. Aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien und im Irak sind Handelsrouten und Märkte teilweise massiv beeinträchtigt; der für die jordanische Wirtschaft bedeutsame Tourismus ist teilweise dramatisch zurückgegangen. Die Präsenz von rund 1,3 Millionen Flüchtlingen aus Syrien bedeutet hohen zusätzlichen Druck auf die ohnehin knappen natürlichen Ressourcen des Landes (Wasser, Energie) sowie hohe öffentliche Zusatzausgaben, vor allem für Gesundheitsversorgung, Bildung, allgemeine Infrastruktur und Energiesubventionen. Viele Kommunen sind überlastet. Da die meisten Flüchtlinge aus Syrien mittlerweile keine Ersparnisse mehr haben und sie aus Not bereit sind, für absolute Minimallöhne zu arbeiten, ist die in Jordanien ohnehin scharfe Konkurrenz um Arbeitsplätze noch härter geworden. Die schon vorher extrem niedrigen Löhne befinden sich in einer Abwärtsspirale - was die ohnehin geringen Arbeitnehmerrechte sowie die Kaufkraft großer Teile der Bevölkerung und die Binnenwirtschaft weiter schwächt. Andererseits bringt die syrische Massenflucht auch positive wirtschaftliche Impulse mit sich, wie z.B. einen regelrechten Boom der Bauwirtschaft in Irbid und Mafraq. Unterm Strich profitiert davon bislang aber nur ein kleiner Teil der Bevölkerung. Allgemeine Daten zur jordanischen Wirtschaftsentwicklung liefern: die Gesellschaft für Außenwirtschaft GTAI, der US-Nachrichtendienst CIA im Rahmen seines Länderberichtes Jordanien sowie das Länderprofil Jordanien der Weltbank. Weitere Wirtschaftsdaten hat das Jordanische Amt für Statistik. Über Entwicklungen der Öl- und Gaswirtschaft (auch in Jordanien) informiert das Middle East Economic Survey. Die Weltbank informiert auch über langjährige Trends der Wirtschaft in Jordanien.

 

Wirtschaftsindikatoren, Analysen

Ausführliche Analysen zur jordanischen Wirtschaftsentwicklung finden Sie beim Internationalen Währungsfonds. Über die Rahmenbedingungen für Investoren informiert die laufend aktualisierte Weltbank-Analyse "Doing Business in Jordan".

Jordaniens Wirtschaft hatte sich in den letzten Jahren trotz knapper Ressourcen und schwieriger politischer Rahmenbedingungen insgesamt günstig entwickelt. Die gestiegenen Ölpreise hatten der Region einen Geldsegen beschert, von dem auch Jordanien profitierte.

Fast 90 Prozent der Investitionen in Jordanien stammen derzeit aus der Golfregion. Das fast fertiggestellte neue Stadtzentrum Abdali und die Bürotürme Jordan Gate Towers in Amman wurden mit saudischem und kuwaitischem Geld errichtet. Die Inflationsrate war im langjährigen Durchschnitt mit zwei bis drei Prozent niedrig und relativ stabil.

Die Entwicklung des Ölpreises ist von großer Bedeutung für Jordanien, denn das Land hat selbst keine rentablen Erdölvorkommen und muss bislang bislang den größten Teil seiner Energieressourcen importieren. Ein Teil des steigenden Energiebedarfs soll künftig durch Erdgas aus dem benachbarten Israel gedeckt werden. Solarenergie spielt zunehmend eine Rolle bei der Energieversorgung von Kommunen.

Niedrige Einkommen, hohe Arbeitslosigkeit

Diesen positiven Entwicklungen standen allerdings eine konstant hohe Arbeitslosigkeit (offiziell 14 Prozent, inoffiziell 25-30 Prozent) sowie ein sehr niedriges Pro-Kopf-Einkommen gegenüber. Der staatlich fixierte Mindestlohn beträgt 195 JD/Monat (ca. 240 Euro). Viele Jordanier verdienen tatsächlich nicht mehr - bei einem geschätzten Existenzminimum von 500 JD pro Monat und Familie und Lebenshaltungskosten, die real auf mitteleuropäischem Niveau liegen. Elementare ArbeitnehmerInnenrechte werden oftmals nicht beachtet. Vor allem die Hausangestellten schuften teilweise unter menschenunwürdigen Bedingungen.

Wirtschaftssystem, wirtschaftspolitische Trends

Freie Marktwirtschaft? Verzerrter Wettbewerb

Offiziell bekennt sich Jordanien zur freien Marktwirtschaft. Die Bezeichnung trifft jedoch nur eingeschränkt zu. Zwar ist die Privatisierung von ehemaligen Staatsbetrieben (Fluggesellschaft, Bergbau, Industrie, Telekommunikation) weitgehend abgeschlossen, und es gibt fühlbare positive Effekte. Doch politisch motivierte hohe Geldzuflüsse von außen, die ungebrochene wirtschaftliche Vormachtstellung des haschemitischen Königshauses und das verzweigte Klientel- und Patronagesystem "Wasta" verzerren den Wettbewerb.  Persönliche Beziehungen und Abhängigkeiten sind im Wirtschaftsleben vielerorts immer noch wichtiger als Sachkompetenz und betriebswirtschaftliche Rationalität.

 

Konsolidierung der öffentlichen Haushalte

Jordanien setzt wirtschaftspolitisch auf Konsolidierung der öffentlichen Haushalte, Inflationsvermeidung und die Integration in den Weltmarkt. Im Jahr 2000 trat Jordanien der WTO bei. 2001 schloß Jordanien ein bilaterales Freihandelsabkommen mit den USA. Seit 2002 ist das Land EU-assoziiert. Im Zuge der Integration in den Weltmarkt hat Jordanien in den letzten Jahren die ehemaligen Staatsbetriebe fast komplett privatisiert (unter anderem die nationale Fluggesellschaft, Bergbau, Telekommunikation). Einfuhrzölle wurden reduziert sowie mehrere wirtschaftliche Sonderzonen eingerichtet, die mit Steuererleichterungen und anderen Vergünstigungen Investoren anlocken sollen. Die Auswirkungen der jordanischen Wirtschaftspolitik sind ambivalent: auf der einen Seite sind zahlreiche Konsumgüter preiswerter und damit für die jordanische Mittelklasse erschwinglich geworden (vor allem Computer und andere IT-Produkte). Auf der anderen Seite wird der jordanische Markt mit chinesischen Billigwaren förmlich überschwemmt, was die ohnehin schwache einheimische Industrieproduktion und die Händler weiter unter Druck setzt. Zudem sind die Löhne oft extrem niedrig, während Steuer- und Abgabenlasten steigen. Die Gewerkschaften sind viel zu schwach, um Arbeitnehmerinteressen zu vertreten. Ende 2009 wurde allerdings zum ersten Mal zwischen Pepsi und einer jordanischen Gewerkschaft eine Vereinbarung zum Schutz von Arbeitnehmerrechten getroffen.

 

Vorteile durch Kooperation mit Israel

In den von den USA und Israel initiierten sogenannten Qualifying Industrial Zones (QIZ) hergestellte Produkte darf Jordanien zu vergünstigten Bedingungen in die USA exportieren, wenn israelische Firmen mit einem Mindestprozentsatz beteiligt sind. Das Modell, an das hohe Erwartungen geknüpft wurden, scheint an seine Grenzen zu stoßen. Die meisten der bisher neu entstandenen Jobs sollen mit ArbeitsmigrantInnen aus Bangladesh, Indonesien oder den Philippinen besetzt worden sein, die nach Berichten von internationalen Gewerkschaftern unter sehr schlechten Bedingungen arbeiten. Auch die Investoren in den QIZ sollen größtenteils nicht aus Jordanien stammen, sondern aus China, Saudi-Arabien und anderen Ländern. Ein Grund dafür dürfte sein, dass nicht wenige jordanische Unternehmer Geschäfte mit Israel weiterhin ablehnen.

 

Jordanien profitiert von regionalen Krisen

Die Krisen und Konflikte der Region werden oftmals als Erklärung für Jordaniens wirtschaftliche Probleme herangezogen. Allerdings hat Jordanien von den Konflikten der letzten 70 Jahre fast durchweg profitiert. Seit dem Beginn der Sanktionen gegen den Irak in den 1990er Jahren und dem Sturz Saddam Husseins in 2003 hat sich Jordanien zu einer Drehscheibe für Geschäfte mit dem Irak entwickelt. Viele Import-Export-Firmen wickeln ihre Geschäfte von Amman aus ab. Zudem haben hunderttausende wohlhabende Irak-Flüchtlinge in den letzten Jahren dazu beigetragen, die jordanische Wirtschaft anzukurbeln, indem sie Wohnungen, Häuser und Autos kauften, ihr Geld bei jordanischen Banken anlegten oder anderweitig im Land investierten. Last but not least erhält Jordanien wegen der großen Zahl irakischer und seit 2011 auch syrischer Flüchtlinge im Land zusätzliche internationale Finanzhilfen. Die Krise in Syrien könnte dieses Muster allerdings zum ersten Mal in der Geschichte Jordaniens verändern. Die mehr als eine Million Flüchtlinge aus Syrien bringen teilweise zwar ebenfalls Geld ins Land. Doch die überwiegende Mehrheit ist auf Unterstützung des Staates bzw. internationaler Hilfswerke angewiesen. Zudem bedrohen der Krieg in Syrien und der Terror im Irak zunehmend die Stabilität Jordaniens und machen zusätzliche Ausgaben für Sicherheit und Verteidigung notwendig.

Wirtschaftssektoren

Sektoranteile

Dienstleistungen sind mit 65 % des BIP der wichtigste Sektor. Bergbau und Industrie schlagen mit 23% zu Buche. Schätzungsweise 15 Prozent des gesamten BIP erzeugte bis 2013 der Tourismus, wobei der Medizintourismus und der Konferenztourismus besonders hohe Zuwachsraten verzeichneten. Aufgrund der regionalen Krisen ist der Tourismus in 2014 und 2015 eingebrochen. Die Bauwirtschaft ist mit 5 Prozent am BIP beteiligt. Weit abgeschlagen folgt die Landwirtschaft mit rund drei Prozent des BIP. Die Landwirtschaft verbraucht in Jordanien trotz ihres geringen Anteils am BIP über 50% des verfügbaren Süßwassers. Die sektorale Verteilung der Erwerbstätigen entspricht ungefähr den jeweiligen BIP-Anteilen. Ausnahme: der Agrarsektor. Hier sind mit fünf Prozent überdurchschnittlich viele jordanische Erwerbstätige beschäftigt, plus mehrere zehntausend Arbeitsmigrant/innen.

Produkte und Produktionsweisen

Jordanien besitzt nur wenige natürliche Ressourcen. Nennenswerte Rohstoffe sind Phosphate, Pottasche und Mineralien/Salze aus dem Toten Meer, die zum Teil im Land selbst zu Düngemitteln, Arzneien, Kosmetika und Zement verarbeitet und gewinnbringend exportiert werden. Jordaniens Uran und die umfangreichen Schieferö-Ölvorräte (Ölschiefer, Ölsand) werden bislang ausschließlich im Land selbst verbraucht. Die inländischen Erdgasvorräte werden bislang noch nicht optimal genutzt.

In den sogenannten Qualifying Industrial Zones liegt der Schwerpunkt auf der Textilindustrie, wobei die jordanischen Fabriken z.B. sogenannte Lohnveredelung betreiben. Das heißt, eine Jeanshose wird nicht komplett in Jordanien hergestellt, sondern es werden nur bestimmte Einzelarbeiten wie das Anbringen von Knöpfen oder Reißverschlüssen durchgeführt.

Die Palette der landwirtschaftlichen Produkte ist begrenzt. Wegen der geringen verfügbaren Anbauflächen (weniger als 4% des Staatsgebietes) und aufgrund der Bodenbeschaffenheit muss Jordanien Weizen und Kichererbsen (die Grundlage der Nationalgerichte Hummus und Falafel) zu 100 Prozent importieren. Die im Norden und im Jordantal angebauten Zitrusfrüchte, Tomaten, Gurken, Oliven, Erdbeeren sowie Geflügel und Milchprodukte werden zum großen Teil im Land selbst verbraucht. Überschüsse werden in die EU, in den Irak und auf die arabische Halbinsel exportiert. Durch den Krieg in Syrien und im Irak ist es teilweise nicht mehr möglich, Obst und Gemüse zu transportieren. Dies führt teilweise zu empfindlichen Verlusten, die die jordanischen Bauern nicht adhoc ausgleichen können.

Qualifizierte Facharbeiter/innen sind in Jordanien noch rar: Technikerin fertigt Hörgerät (Bild: Holy Land Institute for the Deaf)
Qualifizierte Facharbeiter/innen sind in Jordanien sehr begehrt: Im Heilig-Land-Institut für Taubstumme in Salt fertigt eine speziell ausgebildete Technikerin ein Hörgerät (Bild: Holy Land Institute for the Deaf)
Im Wadi Bin Hammad bei Kerak: Ökotourismus ist in Jordanien im Kommen (Bild: Ebba Augustin)
Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und bestimmte Marktsegmente wie der Sport- und Ökotourismus haben noch viel Potential. (Bild: Ebba Augustin)

Entwicklungspolitik

 

Institutioneller Rahmen

Für die Koordination der internationalen Entwicklungszusammenarbeit ist formell das Ministerium für Planung und Internationale Zusammenarbeit MOPIC zuständig,

Soziale Ungerechtigkeit, Armut

Nach neuesten Scnätzungen leben rund 30 Prozent der jordanischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Schätzungsweise ein Drittel der Menschen sind erwerbslos. (Die offiziell veröffentlichten Zahlen halten viele Beobachter für zu niedrig). Da Jordanien eine junge Gesellschaft ist - ein Drittel der Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre, gut zwei Drittel sind jünger als 29 Jahre - kämpft vor allem die Jugend mit den Auswirkungen von Erwerbslosigkeit und Armut. Die Armutsbekämpfung hat für Jordanien deshalb entwicklungspolitische Priorität, auch im Rahmen des Nationalen Entwicklungsplans (Details zur Nationalen Agenda unter "Inländische Entwicklungsanstrengungen"). Die staatlichen und nichtstaatlichen Akteure agieren dabei auf mehreren Achsen: 1) Schaffung von Jobs 2) Aufbesserung extrem niedriger Einkommen 3) Bessere Grund- und Berufsbildung.

Millenniumsziele

Jordanien hat im Rahmen der Sustainable Development Goals (SDGs) die Maßnahmen zur Armutsbekämpfung verstärkt. Koordinierende Organisation ist das Jordanien-Büro von UNDP (Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen). Der JOHUD (Jordan Hashemite Fund for Human Development, vormals Queen Alia Fund/QAF) legte 2004 im Auftrag von UNDP und dem jordanischen Planungsministerium einen nationalen Armutsbericht unter dem Titel "Building Sustainable Livelihoods" vor. Der Bericht aus dem Jahr 2011 konzentrierte sich auf die Bedeutung von Kleinunternehmen für die menschliche Entwicklung.Die Vorreiterrolle bei der Armutsbekämpfung beanspruchen in Jordanien sogenannte "RONGOs", Nichtregierungsorganisationen, die Mitgliedern der Königsfamilie unterstehen. All diese Organisationen sind im Bereich der sogenannten "Income Generation" aktiv. Die Königin Noor-Stiftung hat unter anderem ein Mikrokredit-Programm aufgelegt; der Jordanian Hashemite Fund for Human Development finanziert Maßnahmen für Frauen und Jugendliche; die von Königin Rania gegründete Jordan River Foundation fördert einkommenschaffende Projekte für Frauen im ländlichen Raum. Die Königliche Naturschutzgesellschaft RSCN hat in einigen Naturparks sogenannte Ökotourismus-Projekte gegründet, von denen vor allem ländliche Gemeinden profitieren sollen.

Umweltschutz in Jordanien

Institutioneller Rahmen, relevante Akteure

Seit 2003 gibt es in Jordanien ein Umweltministerium, in Nachfolge der staatlichen Umweltbehörde "General Corporation for Environmental Protection" (GCEP). Die GCEP war von 1997 bis 2006 von der deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GTZ unterstützt worden. (Seit Januar 2011 GIZ).
Neben dem Umweltministerium sind weitere relevante staatliche Akteure im Bereich Umweltschutz das Ministerium für Planung und Internationale Kooperation, das Wasserministerium, das Landwirtschaftsministerium mit der ihm zugeordneten Forstbehörde sowie das Gesundheitsministerium.
Das jordanische Umweltschutzgesetz ist seit September 2006 in Kraft. Nach Auskunft jordanischer Umweltschützer wurde die strafrechtliche Verfolgung von Umweltdelikten seither intensiviert.
Für das wasserarme, trockene Jordanien ist der Klimawandel ein existentielles Thema. Das Umweltschutzgesetz bildet den gesetzlichen Rahmen für nationale Programme zum Erhalt der Wasserressourcen, der Biodiversität und für den Kampf gegen die Wüstenbildung. Die Bedeutung erneuerbarer Energien für Jordanien wurde bislang im National Energy Master Plan (2004) und dem EU-Jordanien-Strategiepapier 2007-2013 (siehe National Indicative Programme, Punkt 6) festgehalten. Unter anderem sollte die Warmwasserversorgung durch Solarenergie in Haushalten bis 2012 auf 20 Prozent steigen. Initiativen der europäischen Kommission wie MENAREC (Middle East North Africa Renewable Energy Conference), das MEDA-Programm zur Förderung von Solarthermie und MED-ENEC für Energieeffizienz in Gebäuden unterstützen die jordanische Regierung bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels. Jordanien ist in der MENA-Region Schwerpunktland der Clean Development Mechanism-Initiative der Bundesregierung. 

Viele Menschen spüren die Folgen der Umweltzerstörung in Jordanien jeden Tag: Lebensmittel sind hochbelastet, Trinkwasser muss für teures Geld mit Tanklastwagen herangeschafft werden, die Luftverschmutzung führt zu Atemwegs- und Hauterkrankungen, Abfälle verschandeln die Natur, Grünflächen sind extrem knapp. Doch trotz der spürbaren Probleme verhinderte der Staat lange Zeit freie öffentliche Debatten über Umweltzerstörung und konkrete Umweltskandale. Etablierte Umweltschutzorganisationen wie die Königliche Gesellschaft für Naturschutz und die Jordan Environment Society leisteten zwar respektable Arbeit, standen aber unter direkter Kontrolle des Staates.

Durch die sozialen Medien hat sich das geändert. Die 2010 gegründete jordanische Sektion von Greenpeace organisiert per Facebook Kampagnen gegen den Einstieg Jordaniens in die Atomenergie. Andere Facebookgruppen mobilisieren gegen lokale Umweltskandale, wie die drohende Abholzung der ohnehin knappen Baumbestände im Naturschutzgebiet Ajloun.

Die Schwerpunkte der RSCN sind Bildungsarbeit mit Kindern und Erwachsenen, Ressourcenschutz, Artenschutz und Öko-Tourismus. Die JES engagiert sich hauptsächlich in der Bildungs- und Gemeindearbeit mit Jugendlichen und Kindern. Beide Organisationen verfügen über eine gewisse Autonomie, aber wegen der restriktiven jordanischen Vereinsgesetze sind sie nicht wirklich unabhängig. Der jordanische Staat erwartet von ihnen, dass sie durch ihre Projekte Entwicklungsgelder akquirieren und Jobs schaffen, aber politische Konfrontationen vermeiden. Trotz dieser Rahmenbedingungen hat vor allem die RSCN seit den sechziger Jahren einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung der jordanischen Ressourcen und Naturdenkmäler geleistet.

Über nationale Grenzen hinweg arbeitet die Organisation FOEME (Friends of the Earth Middle East). Die FOEME engagieren sich neben der Umweltbildung für das Monitoring von Umweltgesetzen und für regionale Umweltschutzprojekte , besonders zum Thema Wasser.

 

Regenerative Energien - noch wenig genutzt

Weitgehend ungenutzt sind bislang Jordaniens Potentiale in bezug auf erneuerbare Energien, vor allem Solar- und Windenergie. Bislang gewinnt Jordanien rund 90% seiner Elektrizität durch die Verbrennung von Öl. Die Umstellung der Warmwasserversorgung privater Haushalte auf Solarenergie könnte Arbeitsplätze und Einkommen schaffen. Jordaniens Windkraftpotential wird auf 100 MW geschätzt. Ein 1,35 MW-Windpark im Norden Jordaniens wurde von der deutschen Regierung und durch deutsche Windturbinen unterstützt.

Ob Jordanien seine Standortvorteile produktiv nutzen kann, wird vor allem von der Entwicklung der Löhne und Gehälter im Land abhängen. Bislang verdienen selbst hochqualifizierte Fachleute in Jordanien so wenig, dass sie das Land bei der erstbesten Gelegenheit Richtung arabischer Golf verlassen.

Inländische Entwicklungsanstrengungen

Entwicklungsorientierung staatlichen Handelns

Beim Ranking der menschlichen Entwicklung liegt Jordanien im Mittelfeld. Über mehrere Jahrzehnte betrachtet, hat Jordanien einen großen Sprung nach vorn gemacht, doch in den letzten Jahren stagniert der Fortschritt. Seit den 1950er Jahren bemühte sich der jordanische Staat im Rahmen mehrjähriger Planungen aktiv um Verbesserungen der Infrastruktur (Wasserwirtschaft, Straßenbau), der medizinischen Versorgung und vor allem der Bildung. Vergleichsweise hohe staatliche Investitionen in alle Bereiche des Bildungssystems - von der Grundschule bis zur Universität - führten dazu, dass Jordanien ab den 1960er Jahren qualifizierte Arbeitskräfte in die arabische Welt "exportierte" und in Bezug auf das Bildungsniveau im arabischen Bereich an die Spitze rückte. Anfang der 1980er Jahre geriet Jordanien u.a. wegen der gestiegenen Ölpreise immer tiefer in die Staatsverschuldung. Der Internationale Währungsfonds und die Weltbank verordneten dem Land ein Strukturanpassungsprogramm, d.h. die Streichung von Sozialleistungen, die Privatisierung maroder Staatsbetriebe und die Ausrichtung der Finanzpolitik auf die Geldwertstabilität. König Hussein I. setzte diese Auflagen teilweise nur zögerlich um, wohl aus Furcht, unpopuläre Maßnahmen könnten ihn die Loyalität traditioneller Verbündeter kosten. König Abdullah II. hingegen hat dem Land einen umfassenden Reformkurs verordnet: Von regionalen Entwicklungsprojekten wie der Freihandelszone in Aqaba sowie einer Reihe weiterer Reform-Initiativen, die auf die Wirtschaft, die Verwaltung und das Bildungssystem zielen.

 

Haushaltskonsolidierung und regionale Entwicklung 

Von 1983 bis 2002 durchlief Jordanien ein IWF-orchestriertes Strukturanpassungsprogramm. Das Kürzen von Sozialleistungen und Subventionen für Grundbedarfsgüter führte mehrfach zu blutigen sozialen Unruhen, unter anderem 1989 und 1996.

Jordanien braucht qualifizierte Handwerker/innen. Hier sieht man zwei Schreiner bei der Arbeit. Sie sind Angestellte der Schule des "Heilig-Land-Institutes für Taubstumme" in Salt bei Amman. (Bild: Holy Land Institute for the Deaf))
Schreiner in der Gehörlosenschule in Salt (Bild: Holy Land Institute for the Deaf)

Ausländische Entwicklungsanstrengungen

Multi- und bilaterale Entwicklungszusammenarbeit

Die nationale Koordination der internationalen Entwicklungszusammenarbeit liegt in Jordanien beim Ministerium für Planung und Internationale Kooperation. Hier findet man u.a. Informationen über geplante und laufende Projekte sowie den Umfang der jährlichen Entwicklungshilfen für Jordanien. Jordaniens wichtigste multilaterale Partner sind das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen UNDP und die Weltbank. An dritter Stelle folgt die Europäische Union, die ihre Beziehungen zu Jordanien unter anderem durch das Verbindungs-Office der Europäischen Union in Amman konkretisiert. Den Rahmen für die Zusammenarbeit mit den östlichen und südlichen Mittelmeeranrainerstaaten (darunter auch Jordanien) hat die EU neu abgesteckt. Jordaniens große Partner sind hauptsächlich in den Bereichen Wasser, allgemeine Infrastruktur, Armutsbekämpfung, Bildung und gute Regierungsführung aktiv. Daneben werden aber auch kulturelle und wissenschaftliche Projekte gefördert, z.B. archäologische Forschungen.
Bilaterale Hauptgeberländer sind die USA, Japan und Deutschland. Darüber hinaus erhält Jordanien staatliche und nichtstaatliche Entwicklungshilfe aus den arabischen Golfstaaten. Weitere relevante bilaterale Partner Jordaniens sind Großbritannien, Kanada, Spanien, Dänemark (Familienhilfe).
Jenseits der staatlichen EZ sind in Jordanien auch eine Reihe internationaler Nichtregierungsorganisationen aktiv.

 

Deutsch-jordanische Entwicklungszusammenarbeit

Jordanien ist kein Partnerland des BMZ, sondern wird im Rahmen der Regionalkonzeption des BMZ unterstützt.

Seit Anfang der fünziger Jahre ist Jordanien wegen seiner prowestlichen Haltung und der geografischen Nähe zu Israel ein regionales Schwerpunktland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Im Mittelpunkt der bilateralen deutsch-jordanischen Entwicklungszusammenarbeit steht der Wassersektor. Das BMZ sieht die Förderung einer nachhaltigen Nutzung des Wassers in Jordanien und anderen Ländern der Region als "friedens- und sicherheitspolitische Aufgabe". Große Bedeutung wird auch dem Thema Klimawandel/Klimaschutz zugemessen. Weitere Schwerpunkte sind soziale Entwicklung, Demokratisierung sowie Wirtschaftsförderung und Schaffung von Arbeitsplätzen. Im Folgenden eine (nicht ganz vollständige) Liste deutscher Institutionen, die in die EZ (IZ)  mit Jordanien involviert sind.

Weitere entwicklungspolitische Akteure sind die deutschen politischen Stiftungen, die ihre Standorte in Jordanien bzw. in der Region derzeit auch für zahlreiche irakbezogene Aktivitäten nutzen:

Neben den Organisationen, die mit Büros im Land oder der Region vertreten sind, gibt es noch eine Anzahl deutsch-jordanischer Kooperationen, die von Nichtregierungsorganisationen in Deutschland aus gesteuert werden. Das Evangelische Missionswerk Süd unterstützt die Schneller-Schule in Amman.

Das Länderinformationsportal

Das Länderinformationsportal
Das Länderinformationsportal

Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im September 2016 aktualisiert.

Die Autorin

(Bild: privat)
(Bild: privat)

Martina Sabra ist freie Journalistin mit regionalem Fokus auf Nordafrika und Nahost. Ihre Länderschwerpunkte sind Marokko & Jordanien. In beiden Ländern hat sie gelebt und gearbeitet. In Jordanien schrieb sie als Stipendiatin der Heinz-Kühn-Stiftung für die "Jordan Times". Zahlreiche landeskundliche Publikationen zu Jordanien.

Syrische Flüchtlinge als Wachstumsfaktor?

Syrische Flüchtlinge sind nicht nur eine Herausforderung, sondern sie können auch die Wirtschaft ankurbeln, meinen unabhängige Experten in Jordanien. Eine von der Rosa-Luxemburg-Stiftung mitfinanzierte Interviewsammlung stellt gängige Ansichten zum Thema Flüchtlinge in Jordanien in Frage. Im Rahmen des Programms Jordan Compact haben Geflüchtete aus Syrien seit April das Recht, Arbeitsgenehmigungen zu beantragen. Eine erste Bilanz hat das Onlineporta Al-Monitor.

Pessimismus dominiert

Ein wachsender Teil der Bevölkerung in Jordanien sieht die wirtschaftliche Zukunft des Landes pessimistisch. Dies ist eines von vielen aufschlussreichen Ergebnissen einer Befragung des USAID-gesponsorten Meinungsforschungsinstitutes IRI vom Frühjahr 2016.

Widerstand gegen Atomkraft in Jordanien

Jordanien steigt in die Atomenergie ein - offiziell, um unabhängiger von Energieimporten zu werden. Die Atompläne der Regierung stoßen jedoch auf Widerstand. Zu den profiliertesten Gegnern der Atompläne zählt der Unternehmer und Umweltaktivist Basel Burgan. Die Atomkraftgegner sind unter anderem auf Facebook aktiv.

Umweltschutz schafft Jobs im Tourismus

Umweltverträglich reisen in Jordanien: Die Umweltorganisation "Friends of the Earth Middle East" hat im Norden des Jordantals ein Öko-Tourismus-Camp eingerichtet, den Shaharbil Bin Hassneh EcoPark.

Trainingsangebote der Akademie

Die Akademie der GIZ ist der führende Weiterbildungsanbieter für die internationale Kompetenzentwicklung. Wir stehen für innovative, wirksame und nachhaltige Lösungen.

> Angebote aus dem Weiterbildungskatalog

Gerne konzipieren wir für Sie maßgeschneiderte Trainingskurse, die sich an Ihren individuellen Bedürfnissen und Interessen orientieren.

> Wir freuen uns über Ihre Anfragen!

Kontakt

Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Kommentare zu diesem Länderbeitrag oder zum LIPortal insgesamt. Richten Sie Ihre Anfrage an:

Thorsten Hölzer
(Akademie für Internationale Zusammenarbeit)

+49 (0)2224 926 - 144

Zum Kontaktformular