In Jordanien konzentriert sich alles auf die Wirtschaftsmetropole Amman (Bild: JTB Jordan Tourism Board)
Geschätztes BIP
42 Mrd. US-$ (2018)
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität, PPP)
8.300,00 US-$ (geschätzt 2019)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
102 (von 189) (2018)
Anteil Armut
Keine Angaben
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
33,7 (Weltbank 2010, seither keine Neuberechnung)
Wirtschaftlicher Transformationsindex (BTI)
Rang 57 von 137 (2019)

Aktuelle Basisdaten

Rahmenbedingungen

Knappe Ressourcen, Stadt-Land-Gefälle

Knappe Ressourcen (wenig Wasser, wenig Rohstoffe), Defizite bei der governance und eine schwach entwickelte Industrie machen Jordanien ökonomisch in hohem Maße abhängig von Importen und externen Finanzzuflüssen. Internationale Finanzhilfen und Kredite, (USA, IWF, arabische Golfstaaten), Überweisungen jordanischer Arbeitskräfte im Ausland (in 2019 waren es ca. 3 Mrd. JD/Jahr bzw. rund 8 % des BIP), Tourismus (10-12 Prozent des BIP, davon ca. 50 Prozent  Gesundheitstourismus) sowie Dienstleistungen und Phosphatexporte sichern bislang das Überleben.

Charakteristisch ist ein starkes ökonomisches Gefälle zwischen Stadt und Land. Das Gros der wirtschaftlichen Aktivitäten findet in Amman und Zarqa statt, mit einigem Abstand folgen Irbid und Aqaba.  

Geringes Wachstum, Reformen, Proteste

Jordanien steckt nicht erst seit der Corona-Pandemie in einer ökonomischen Krise. Das reale Wirtschaftswachstum lag  in den vergangenen Jahren bei durchschnittlich 2 Prozent und war zu gering, um die hohe Staatsverschuldung abbauen zu können.  Mit dem niedrigen Wachstum gehen eine hohe Arbeitslosigkeit (20 Prozent) sowie ein niedriges Bruttoinlandsprodukt per capita (siehe Strukturdaten oben auf dieser Seite) einher. Der staatlich fixierte Mindestlohn beträgt 225 JD/Monat (ca. 270 Euro, für Ausländer 155 JD/185 Euro). Viele Jordanier*innen verdienen tatsächlich nicht mehr - bei einem geschätzten Existenzminimum von 500 JD pro Monat und Familie und Lebenshaltungskosten, die real auf mitteleuropäischem Niveau liegen. Das durchschnittliche monatliche Arbeitseinkommen betrug in 2019 weniger als 500 JD netto (ca. 625 Euro). 

Die Staatsverschuldung (2019: 95% des BIP) nimmt weiter zu. Auf Druck des Internationalen Währungsfonds wollte die jordanische Regierung im Frühjahr 2018 die Einkommensteuer erhöhen, was starke Unruhen auslöste. Seither gehen Teile der Bevölkerung immer häufiger protestierend auf die Straße. Im Herbst 2019 streikten Lehrkräfte im ganzen Land. Die jordanische Regierung hat für den Zeitraum 2018-2022 ein Reformprogramm aufgelegt, das unter anderem auf den Ausbau erneuerbarer Energien sowie auf Haushaltskonsolidierung durch höhere Steuern und weniger Subventionen setzt. Ob diese Maßnahmen mehr Jobs schaffen und Wachstum bewirken können, ist offen, vor allem mit Blick auf die Corona-Pandemie und die damit verbundenen wirtschaftlichen Einbußen im Frühjahr 2020..

Kostenfaktor Armee

Eine wichtige Größe im jordanischen Budget ist die Armee. Jordanien wendet ca. 25 Prozent des Staatshaushaltes für Militärausgaben auf. Der Anteil der Militärausgaben am BIP beträgt etwa 5-6 Prozent. Damit gehört Jordanien zu den am stärksten militarisierten Ländern und Volkswirtschaften der Welt. Ein großer Teil der Mittel (90 Prozent) wird für Personal aufgewendet. Über das Militär laufen schätzungsweise die Hälfte aller Kranken- und Sozialversicherungen im Land. Die wirtschaftliche Bedeutung der Armee nimmt zu,  u.a. weil einige Militärs früher günstig Land erwerben konnten, das jetzt mit hohen Gewinnen verkauft werden kann.

Teure Energieimporte

Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist in Jordanien die Energie, denn das Land ist zu 95 Prozent von Energiemporten abhängig. Preisgünstige Erdgaslieferungen aus Ägypten wurden wegen Terrorattacken auf Pipelines im Sinai von 2014 bis 2018 gestoppt. Mittlerweile wurden die Lieferungen wieder aufgenommen. Jordanien deckt seinen Energiebedarf außerdem mit Flüssiggas aus Qatar, Erdöl aus Irak und Saudi-Arabien sowie mit Erdgas aus dem benachbarten Israel.

Regionale Konflikte und Fluchtbewegungen

Neben den strukturellen Faktoren ist Jordaniens Wirtschaft sehr abhängig von der jeweiligen politischen Lage in der Region. Dabei sind die Auswirkungen ambivalent, denn als Mittelstaat leidet Jordanien nicht nur unter Kriegen und Krisen, sondern es profitiert auch. Nach Ansicht führender Wirtschaftsfachleute haben die meisten regionalen Konflikte der letzten sieben Jahrzehnte Jordanien und den regierenden Haschemiten genützt. So wurde Jordanien seit dem Beginn der Sanktionen gegen den Irak in den 1990er Jahren und seit dem Sturz Saddam Husseins in 2003  zu einer Drehscheibe für Geschäfte mit dem Irak. Viele Import-Export-Firmen verlegten ihre Basis nach Amman. Zahlreiche wohlhabende Irak-Flüchtlinge sorgten für Umsatz, indem sie Wohnungen, Häuser und Autos kauften, ihr Geld bei jordanischen Banken anlegten oder anderweitig im Land investierten. Last but not least erhielt Jordanien wegen der großen Zahl irakischer und seit 2011 auch syrischer Flüchtlinge im Land zusätzliche internationale Finanzhilfen.

Die Krise in Syrien könnte dieses Muster jedoch verändern. Zwar sorgte die syrische Massenflucht wie frühere große Fluchtbewegungen Richtung Jordanien für positive wirtschaftliche Impulse. Einzelne Syrien-Flüchtlinge brachten ab 2011 beträchtliche Summen Geld ins Land. Eine Folge davon war ein regelrechter "Boom" der Bauwirtschaft in Irbid und Mafraq. Unterm Strich profitierte von dieser Entwicklung aber nur ein kleiner Teil der jordanischen Bevölkerung. Viele hatten Einbußen, denn aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien und im Irak waren traditionelle Handelsrouten und Absatzmärkte teilweise massiv beeinträchtigt. Zudem bedeutete die Präsenz von rund 1,3 Millionen Menschen aus Syrien (davon mehr als 50% registrierte Flüchtlinge)  hohen zusätzlichen Druck auf die ohnehin knappen natürlichen Ressourcen des Landes (Wasser, Energie) sowie hohe öffentliche Zusatzausgaben, vor allem für Gesundheitsversorgung, Bildung, allgemeine Infrastruktur und Energiesubventionen.Tatsache ist: Der Staat und viele Kommunen waren - und sind - überlastet. Und auch der Arbeitsmarkt ist betroffen: Da die meisten Flüchtlinge aus Syrien keine Ersparnisse mehr haben und sie aus Not bereit sind, illegal und für absolute Minimallöhne zu arbeiten, ist die in Jordanien ohnehin scharfe Konkurrenz um Arbeitsplätze noch härter geworden, vor allem zwischen Arbeitssuchenden aus Ägypten und Syrien. Die schon vorher sehr niedrigen Löhne befinden sich in einer Abwärtsspirale. Dies bedeutet auch eine weitere Schwächung der ohnehin wenig geschützten Arbeitnehmerrechte,  sowie der Kaufkraft von ohnehin benachteiligten Bevölkerungsgruppen. Last but not least bedrohen Kriege und Terror in der Region zunehmend die Stabilität Jordaniens und machen zusätzliche Ausgaben für Sicherheit und Verteidigung notwendig.    

Arbeitskräfte aus dem Ausland

In privaten Haushalten, Hotellerie, Gastronomie und in der Bekleidungsindustrie arbeiten hauptsächlich Arbeitskräfte aus dem Ausland. Die meisten stammen aus Ägypten, danach rangieren Bangla Desh, Sri Lanka und Indien. Gut 300.000 Arbeitskräfte sind offiziell registriert, die Zahl der undokumentierten ausländischen Arbeitskräfte wird auf ca. 250.000 geschätzt. Damit halten sich insgesamt rund 550.000 ausländische Arbeitskräfte im Land auf. Die meisten kommen im Rahmen des sogenannten "Kafala"-Systems ins Land, bei dem der Arbeitgeber gegenüber dem Staat bürgen muss. Dies bedeutet unter anderem eine starke Abhängigkeit vom Arbeitgeber.

In Jordanien gibt es Gesetze, die Arbeitnehmer*innen theoretisch vor Ausbeutung schützen, doch in der Praxis werden elementare Arbeitnehmer*innenrechte oftmals nicht beachtet. Vor allem Hausangestellte schuften teilweise unter menschenunwürdigen Bedingungen. Die Nichtregierungsorganisation Tamkeen leistet Hilfe in akuten Notfällen und hilft Arbeitsmigrant:innen in Jordanien, ihre Rechte durchzusetzen. 

Wirtschaftsindikatoren, Analysen

Allgemeine Daten

Allgemeine Daten zur jordanischen Wirtschaftsentwicklung liefern: Die jordanische Zentralbank, das nationale Statistikdepartment,  das Jordan Strategy Forum mit seinem Economic Dashboard und dem monatlichen Investitions-Vertrauensindex (nicht offen zugänglich); die deutsche Gesellschaft für Außenwirtschaft GTAI sowie das Länderprofil Jordanien der Weltbank. Die Weltbank stellt neben aktuellen Situationen auch langjährige Trends dar. Über Entwicklungen der Öl- und Gaswirtschaft informiert das Middle East Economic Survey (Bezahlabo).

Geschäftsklima

Ausführliche Analysen zur jordanischen Wirtschaftsentwicklung hät der Internationale Währungsfonds bereit. Über die Rahmenbedingungen für Investoren informiert die laufend aktualisierte Weltbank-Analyse Doing Business in Jordan. 

Wirtschaftssystem, wirtschaftspolitische Trends

Freie Marktwirtschaft? Verzerrter Wettbewerb

Jordanien bekennt sich zur freien Marktwirtschaft. Die Bezeichnung trifft jedoch nur eingeschränkt zu. Politisch motivierte hohe Geldzuflüsse von außen, die wirtschaftliche Vormachtstellung des haschemitischen Königshauses, das verzweigte Klientel- und Patronagesystem "Wasta" und Subventionen für politisch wichtige soziale Gruppen verzerren den Wettbewerb. Persönliche Beziehungen und Abhängigkeiten sind im Wirtschaftsleben oft wichtiger als Sachkompetenz und betriebswirtschaftliche Rationalität. Viele qualifizierte Arbeitskräfte finden nur im Ausland angemessene Arbeitsstellen mit ausreichendem Einkommen. Ihre  Überweisungen (Remittances) sind für viele jordanische Familien überlebenswichtig.

Konsolidierung der öffentlichen Haushalte

Jordanien setzt wirtschaftspolitisch auf Konsolidierung der öffentlichen Haushalte, Inflationsvermeidung und die Integration in den Weltmarkt. Im Jahr 2000 trat Jordanien der WTO bei. 2001 schloss Jordanien ein bilaterales Freihandelsabkommen mit den USA. Seit 2002 ist das Land EU-assoziiert. Im Zuge der Integration in den Weltmarkt hat Jordanien in den letzten Jahren die ehemaligen Staatsbetriebe fast komplett privatisiert (unter anderem die nationale Fluggesellschaft, Bergbau, Telekommunikation). Einfuhrzölle wurden reduziert sowie mehrere wirtschaftliche Sonderzonen wurden eingerichtet.

Vorteile durch Kooperation mit Israel

In den von den USA und Israel initiierten sogenannten Qualifying Industrial Zones (QIZ) hergestellte Produkte darf Jordanien zu vergünstigten Bedingungen in die USA exportieren, wenn israelische Firmen mit einem Mindestprozentsatz beteiligt sind. Das Modell, an das hohe Erwartungen geknüpft wurden, scheint an seine Grenzen zu stoßen. 2018 gab es immer mehr Berichte, dass Firmen aus Jordanien nach Ägypten verlegt werden sollten, weil dort die Energiepreise und Löhne niedriger seien. Außerdem haben die QIZ nur wenige Arbeitsplätze für jordanische Bürger*innen geschaffen. Die meisten der bisher neu entstandenen Jobs sollen mit Arbeitsmigrant/innen aus Bangladesh, Indonesien oder den Philippinen besetzt worden sein, die nach Berichten von internationalen Gewerkschaftern unter sehr schlechten Bedingungen arbeiten. Auch die Investoren in den QIZ sollen größtenteils nicht aus Jordanien stammen, sondern aus China, Saudi-Arabien und anderen Ländern. Ein Grund dafür dürfte sein, dass nicht wenige jordanische Unternehmer Geschäfte mit Israel weiterhin ablehnen.

Wirtschaftssektoren

Sektoranteile

Die Sektoranteile am Bruttoinlandsprodukt sind im Detail schwierig zu ermitteln, denn die jordanische Zentralbank weist die Daten in ihren Berichten nicht präzise aus: Laut den aktuellsten veröffentlichten Daten (von 2016!) sind Bergbau/Industrie mit insgesamt 26 Prozent, Handel/Gaststätten/Hotels mit 10 Prozent, Transport/Logistik/Kommunikation mit 9, Land-Forst und Fischwirtschaft mit 5 Prozent und die Bauwirtschaft mit ca. 3 Prozent an der Entstehung des BIP beteiligt. Über 45 Prozent fasste die Jordanische Zentralbank bislang unter "Sonstige" zusammen, was eine realistische Beurteilung der Sektoranteile erschwert. Andere Schätzungen kommen zu dem Ergebnis, dass Dienstleistungen/Handel/Finanzen in Jordanien über 60 Prozent des BIP ausmachen, Bergbau und Industrie gut 20 Prozent, Tourismus rund 10 Prozent - wobei der Gesundheitstourismus und der Konferenztourismus besonders hohe Zuwachsraten verzeichnen. Die Bauwirtschaft dürfte mit rund 5 Prozent am BIP beteiligt sein. Weit abgeschlagen folgt die Landwirtschaft mit rund drei Prozent des BIP. Trotz ihres geringen Anteils am BIP verbraucht die Landwirtschaft in Jordanien weiterhin über 50% des verfügbaren Süßwassers. Im Agrarsektor sind auch überdurchschnittlich viele Menschen beschäftigt.

Energie

Jordaniens Energiesektor durchläuft zur Zeit einen tiefgreifenden Wandel, hin zu erneuerbaren Energien und mehr Selbstversorgung. Das Land will seine nahezu totale Abhängigkeit von ausländischen Energieimporten hinter sich lassen. Bis 2022 will Jordanien mindestens ein Fünftel seines Energiebedarfes aus inländisch produzierter Wind- und Solarenergie sichern.

Darüber hinaus soll die kommerzielle Nutzung der großen Vorräte an Öl-Schiefer (Oil Shale) beginnen. Diese Vorräte sind seit Jahrhunderten bekannt, sie wurden aber aus Kostengründen bislang nicht im großen Stil abgebaut. Das soll sich in naher Zukunft ändern.  

Bis 2014 bezog Jordanien einen großen Teil seiner Energieimporte aus Ägypten (Erdgas). Durch wiederholte terroristische Angriffe kamen diese Importe von 2014 bis 2018 zum Stillstand. Mittlerweile bezieht Jordanien wieder Erdgas aus Ägypten, neben Flüssiggas aus Qatar. Die staatliche Energieagentur NEPCO hat außerdem diverse Verträge mit Israel geschlossen.  

Produkte und Produktionsweisen

Jordanien besitzt nur wenige natürliche Ressourcen. Nennenswerte Rohstoffe sind Phosphate, Pottasche (Kalisalz) und Mineralien aus dem Toten Meer, die zum Teil im Land selbst zu Düngemitteln, Arzneien, Kosmetika und Zement verarbeitet und gewinnbringend exportiert werden. Der Abbau von Pottasche und Phosphaten hat zu Umweltschäden und dem Sinken des Wasserspiegels am Toten Meer beigetragen.

In den sogenannten Qualifying Industrial Zones liegt der Schwerpunkt auf der Textilindustrie, wobei die jordanischen Fabriken z.B. sogenannte Lohnveredelung betreiben. Das heißt, eine Jeanshose wird nicht komplett in Jordanien hergestellt, sondern es werden nur bestimmte Einzelarbeiten wie das Anbringen von Knöpfen oder Reißverschlüssen durchgeführt.

Die Palette der landwirtschaftlichen Produkte ist begrenzt. Wegen der geringen verfügbaren Anbauflächen (weniger als 3% des Staatsgebietes) und aufgrund der Bodenbeschaffenheit muss Jordanien Weizen und Kichererbsen (die Grundlage der Nationalgerichte Hummus und Falafel) zu fast 100 Prozent importieren. Die im Norden und im Jordantal angebauten Zitrusfrüchte, Tomaten, Gurken, Oliven, Erdbeeren sowie Geflügel und Milchprodukte werden zum großen Teil im Land selbst verbraucht. Überschüsse werden in die EU, in den Irak und auf die arabische Halbinsel exportiert.

Qualifizierte Facharbeiter/innen sind in Jordanien noch rar: Technikerin fertigt Hörgerät (Bild: Holy Land Institute for the Deaf)
Qualifizierte Facharbeiter/innen sind in Jordanien sehr begehrt: Im Heilig-Land-Institut für Taubstumme in Salt fertigt eine speziell ausgebildete Technikerin ein Hörgerät (Bild: Holy Land Institute for the Deaf)
Im Wadi Bin Hammad bei Kerak: Ökotourismus ist in Jordanien im Kommen (Bild: Ebba Augustin)
Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und bestimmte Marktsegmente wie der Sport- und Ökotourismus haben noch viel Potential. (Bild: Ebba Augustin)

Entwicklungspolitik

Institutioneller Rahmen

Für die Koordination der internationalen Entwicklungszusammenarbeit ist formell das Ministerium für Planung und Internationale Zusammenarbeit MOPIC zuständig. Armutsbekämpfung, Beschäftigungsförderung, Infrastruktur in den Bereichen Energie und Wasser sowie die Bewältigung der Folgen des Klimawandels sind zentrale Themen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit in Jordanien. 

Von den Millenniumszielen zu den SDG

Jordanien hat sich auf die Sustainable Development Goals (SDG) verpflichtet und abermals die Maßnahmen zur sogenannten Armutsbekämpfung verstärkt. Koordinierende Organisation ist das UNDP (Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen).  Das aktuellste Briefing von UNDP zur menschlichen Entwicklung in Jordanien stammt aus dem Jahr 2019. Wichtige Partner bei der sogenannten Armutsbekämpfung sind in Jordanien sogenannte "RONGOs" (Royal NGOs), Nichtregierungsorganisationen, die Mitgliedern der Königsfamilie unterstehen. All diese Organisationen sind im Bereich der sogenannten "Income Generation" aktiv. Der Jordanian Hashemite Fund for Human Development finanziert Maßnahmen für Frauen und Jugendliche und im Bereich  Gemeindeentwicklung; die von Königin Rania gegründete Jordan River Foundation arbeitet unter anderem in der Anti-Gewalt-Prävention und im Kinderschutz. Die Königin Noor-Stiftung hat unter anderem ein Mikrokredit-Programm aufgelegt.

Inländische Entwicklungsanstrengungen

Entwicklungsorientierung staatlichen Handelns

Beim Ranking der menschlichen Entwicklung (Vereinte Nationen) liegt Jordanien aktuell auf Platz 102 und wird als Land mit "High Human Development" klassifiziert. Über mehrere Jahrzehnte betrachtet, hat Jordanien einen großen Sprung nach vorn gemacht, doch in den letzten Jahren stagniert der Fortschritt. Seit den 1950er Jahren bemühte sich der jordanische Staat im Rahmen mehrjähriger Planungen aktiv um Verbesserungen der Infrastruktur (Wasserwirtschaft, Straßenbau), der medizinischen Versorgung und vor allem der Bildung. Vergleichsweise hohe staatliche Investitionen in alle Bereiche des Bildungssystems - von der Grundschule bis zur Universität - führten dazu, dass Jordanien ab den 1960er Jahren qualifizierte Arbeitskräfte in die arabische Welt "exportierte" und in Bezug auf das Bildungsniveau im arabischen Bereich an die Spitze rückte.

Anfang der 1980er Jahre geriet Jordanien u.a. wegen der gestiegenen Ölpreise immer tiefer in die Staatsverschuldung. Der Internationale Währungsfonds und die Weltbank verordneten dem Land ein Strukturanpassungsprogramm, d.h. die Streichung von Sozialleistungen, die Privatisierung maroder Staatsbetriebe und die Ausrichtung der Finanzpolitik auf die Geldwertstabilität. König Hussein I. setzte diese Auflagen teilweise nur zögerlich um, wohl aus Furcht, unpopuläre Maßnahmen könnten ihn die Loyalität traditioneller Verbündeter kosten.

König Abdullah II. hat dem Land seit seiner Inthronisierung im Jahr 1999 einen umfassenden Reformkurs verordnet: Von regionalen Entwicklungsprojekten wie der Freihandelszone in Aqaba sowie einer Reihe weiterer Reform-Initiativen und nationaler Agenden unter dem Titel "Jordan 2025", die auf Reformen in der Wirtschaft, der Verwaltung und im Bildungswesen zielen.

Jordanien braucht qualifizierte Handwerker/innen. Hier sieht man zwei Schreiner bei der Arbeit. Sie sind Angestellte der Schule des "Heilig-Land-Institutes für Taubstumme" in Salt bei Amman. (Bild: Holy Land Institute for the Deaf))
Schreiner in der Gehörlosenschule in Salt (Bild: Holy Land Institute for the Deaf)

Ausländische Entwicklungsanstrengungen

Multi- und bilaterale Entwicklungszusammenarbeit

Die nationale Koordination der internationalen Entwicklungszusammenarbeit liegt in Jordanien beim Ministerium für Planung und Internationale Kooperation (MOPIC). Das MOPIC sammelt u.a. Informationen über geplante und laufende Projekte sowie den Umfang der jährlichen Entwicklungshilfen für Jordanien. Jordaniens wichtigste multilaterale Partner sind das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen UNDP und die Weltbank, mit der Jordanien einen Fünfjahresplan 2017-2022 vereinbart hat. An dritter Stelle folgt die Europäische Union, die ihre Beziehungen zu Jordanien unter anderem durch das Verbindungs-Office der Europäischen Union in Amman konkretisiert. Den Rahmen für die Zusammenarbeit mit den östlichen und südlichen Mittelmeeranrainerstaaten (darunter auch Jordanien) hat die EU 2016 abgesteckt. Jordaniens große Partner sind hauptsächlich in den Bereichen Wasser, allgemeine Infrastruktur, Armutsbekämpfung, Bildung und gute Regierungsführung aktiv. Daneben werden aber auch kulturelle und wissenschaftliche Projekte gefördert, z.B. archäologische Forschungen.
Bilaterale Hauptgeberländer sind die USA, Japan und Deutschland. Darüber hinaus erhält Jordanien staatliche und nichtstaatliche Entwicklungshilfe aus den arabischen Golfstaaten. Weitere relevante bilaterale Partner Jordaniens sind Großbritannien, Kanada, Spanien, Dänemark (Familienhilfe).
Jenseits der staatlichen EZ sind in Jordanien auch eine Reihe internationaler Nichtregierungsorganisationen aktiv.

Deutsch-jordanische Entwicklungszusammenarbeit

Jordanien gehört zu den Kooperationsländern, die Deutschland im Rahmen thematischer und regionaler Programme fördert. Den Rahmen beschreibt die sogenannte Regionalkonzeption des BMZ. Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf die Schwerpunkte Wasser, Bildung, berufliche Bildung und Beschäftigungsförderung sowie auf die Unterstützung von Flüchtlingen und aufnehmenden Gemeinden.
Deutschland ist nach den USA zweitgrößter bilateraler Geber von Jordanien. 2018 hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mehr als 290 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Seit dem Beginn der syrischen Massenflucht in 2012 nach Jordanien hat die deutsche Bundesregierung jordanien mit insgesamt fast 2 Milliarden Euro unterstützt.

Seit Anfang der fünfziger Jahre ist Jordanien wegen seiner prowestlichen Haltung und der geografischen Nähe zu Israel ein regionales Schwerpunktland der Deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Im Mittelpunkt der bilateralen deutsch-jordanischen Entwicklungszusammenarbeit steht der Wassersektor. Das BMZ sieht die Förderung einer nachhaltigen Nutzung des Wassers in Jordanien und anderen Ländern der Region als "friedens- und sicherheitspolitische Aufgabe". Große Bedeutung wird auch dem Thema Klimawandel/Klimaschutz zugemessen. Weitere Schwerpunkte sind soziale Entwicklung, Demokratisierung sowie Wirtschaftsförderung und Schaffung von Arbeitsplätzen. Im Folgenden eine (nicht ganz vollständige) Liste deutscher Institutionen, die in die EZ (IZ)  mit Jordanien involviert sind.

Weitere entwicklungspolitische Akteure sind die deutschen politischen Stiftungen, die ihre Standorte in Jordanien bzw. in der Region derzeit auch für zahlreiche irakbezogene Aktivitäten nutzen:

Neben den Organisationen, die mit Büros im Land oder der Region vertreten sind, gibt es noch eine Anzahl deutsch-jordanischer Kooperationen, die von Nichtregierungsorganisationen in Deutschland aus gesteuert werden. Das Evangelische Missionswerk Süd unterstützt die Schneller-Schule in Amman.

Umwelt- und Klimapolitik in Jordanien

Institutioneller Rahmen, relevante Akteure

2003 enstand Jordaniens Umweltministerium, in Nachfolge der staatlichen Umweltbehörde "General Corporation for Environmental Protection" (GCEP). Die GCEP war von 1997 bis 2006 von der deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GTZ unterstützt worden. (Seit Januar 2011 GIZ).
Neben dem Umweltministerium sind relevante staatliche Akteure im Bereich Umwelt- und Klimaschutz das Ministerium für Planung und Internationale Kooperation, das Wasserministerium, das Landwirtschaftsministerium mit der ihm zugeordneten Forstbehörde sowie das Gesundheitsministerium.

Das jordanische Umweltschutzgesetz ist seit September 2006 in Kraft. Es bietet unter anderem einen gesetzlichen Rahmen für nationale Programme zum Erhalt der Wasserressourcen, der Biodiversität und für den Kampf gegen die Desertifikation.

Regenerative Energien - noch wenig genutzt

Jahrzehntelang kümmerte sich Jordanien nur wenig um seine gewaltigen Potentiale im Bereich der erneuerbaren Energien. Mittlerweile holt das Land gewaltig auf: Ein gesetzlicher Rahmen wurde geschaffen, und die Regierung fördert den Ausbau regenerativer Energien.

Doch noch immer gewinnt Jordanien über 90% seiner Elektrizität durch die Verbrennung von Öl und Erdgas. Dabei gibt es Wind und Sonne satt: Die Umstellung der Warmwasserversorgung privater Haushalte auf Solarenergie könnte Arbeitsplätze und Einkommen schaffen. Jordaniens Windkraftpotential wird auf 100 MW geschätzt. Ein 1,35 MW-Windpark im Norden Jordaniens wurde von der deutschen Regierung und durch deutsche Windturbinen unterstützt.

Umweltschutz und Mitsprache der Bürger:innen

Viele Menschen spüren die Folgen der Umweltzerstörung in Jordanien jeden Tag: Lebensmittel sind hochbelastet, Trinkwasser muss für teures Geld in hochgelegene Siedlungsgebiete gepumpt und mit Tanklastwagen herangeschafft werden. Die Luftverschmutzung führt zu Atemwegs- und Hauterkrankungen. Abfälle verschandeln die Natur, Grünflächen sind extrem knapp.

Doch trotz der spürbaren Probleme verhinderte der Staat lange Zeit freie öffentliche Debatten über Umweltzerstörung und konkrete Umweltskandale. Etablierte Umweltschutzorganisationen wie die Königliche Gesellschaft für Naturschutz (RSCN) und die Jordan Environment Society leisteten zwar respektable Arbeit, standen aber unter direkter Kontrolle des Staates. Schwerpunkte waren die Bildungsarbeit mit Kindern und Erwachsenen, Ressourcenschutz, Artenschutz und Öko-Tourismus.  

Durch die sozialen Medien hat sich das geändert, Umweltschutzthemen werden nun politischer behandelt. Die 2010 gegründete jordanische Sektion von Greenpeace organisiert per Facebook Kampagnen gegen den Einstieg Jordaniens in die Atomenergie. Andere Facebookgruppen mobilisieren gegen lokale Umweltskandale, wie die drohende Abholzung der ohnehin knappen Baumbestände im Naturschutzgebiet Ajloun.

Über nationale Grenzen hinweg arbeitet die Organisation FOEME (Friends of the Earth Middle East). Die FOEME engagieren sich neben der Umweltbildung für das Monitoring von Umweltgesetzen und für regionale Umweltschutzprojekte, besonders zum Thema Wasser. 

 

 

 

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Mai 2020 aktualisiert.

Die Autorin

(Bild: privat)
(Bild: privat)

Martina Sabra ist freie Journalistin mit regionalem Fokus auf Nordafrika und Nahost. Ihre Länderschwerpunkte sind Marokko & Jordanien. In beiden Ländern hat sie gelebt und gearbeitet. In Jordanien schrieb sie als Stipendiatin der Heinz-Kühn-Stiftung für die "Jordan Times". Zahlreiche landeskundliche Publikationen zu Jordanien.

Urban Agriculture - neuer Trend?

Gemüse und Obst auf dem Dach - Urban  Gardening und Urban Agriculture sind auch in Jordanien im Kommen. Über Möglichkeiten und Grenzen diskutierten Expert*innen bei der Amman Design Week. Die Friedrich-Ebert-Stiftung Amman hat eine Dokumentation zum Thema veröffentlicht.  

Umweltschutz schafft Jobs im Tourismus

Umweltverträglich reisen in Jordanien: Die Umweltorganisation "Friends of the Earth Middle East" hat im Norden des Jordantals ein Öko-Tourismus-Camp eingerichtet, den Shaharbil Bin Hassneh EcoPark.

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Die Akademie der GIZ gestaltet Lernangebote für die internationale Zusammenarbeit. Wir führen mehr als 2000 Fort- und Weiterbildungen durch und entwickeln innovative, wirksame und nachhaltige Lernkonzepte. Und das weltweit.

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