Verkaufsstände in einem Markt in Phnom Penh
Währung
Riel (KHR)
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4050 KHR pro 1$ (Dezember 2020)
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tropisch

Covid-19: Besondere Einreisemodalitäten und die Schattenseiten der Distanzierung

Aushang in einem Schugeschäft, nach dem Ausländern der Einlass nicht gestattet ist
"Sorry no foreigners allowed": Dieses Schuhgeschäft in Phnom Penh ist leider kein Einzelfall mehr, das soziale Distanz über die Herkunft definiert. Foto: Privat, April 2020

Die kambodschanische Regierung hat im August die Kaution für die Covid-19 Servicegebühren von ausländischen Reisenden von 3000 auf 2000 US-Dollar gesenkt. Dieser Betrag muss in bar oder per Kreditkarte bei der Ankunft an einem internationalen Flughafen in Kambodscha hinterlegt werden. Damit sollen die Kosten für Hotelunterkunft während der Wartezeit auf das Covid-19 Testergebnis, ärztliche Untersuchung, lokale Transportkosten vom Flughafen zu einem reservierten Hotel und weitere Ausgaben während einer möglichen überwachten Quarantäne gedeckt werden. Die wird obligatorisch, wenn auch nur ein Mitreisender auf dem Flug bei Ankunft in Kambodscha positiv auf das Virus getestet wurde. Eine solche Quarantäne findet dann für vierzehn Tage in einer speziellen Einrichtung oder einem Hotel statt und wird mit Blick auf die damit verbundenen Kosten wohl nichts von der Kaution übrig lassen.

Davon unabhängig muss zusätzlich der Nachweis eines negativen Testergebnisses vom Herkunftsort beigebracht werden, der nicht älter als 72 Stunden bei Ankunft in Kambodscha ist und in englischer Sprache ausgestellt sein muss. Des Weiteren müssen Einreisende ein lokales Krankenversicherungspaket für eine mögliche Behandlung mit Covid-19 erwerben, das 90 US-Dollar kostet und für 20 Tage gültig ist. Der Restbetrag der Kaution wird zurückerstattet, wenn der Fluggast und die übrigen Personen auf dem Flug negative Testergebnisse haben. Aber selbst dann müssen alle Einreisende nach ihrer Ankunft in ihrer Unterkunft – eigene Wohnung oder im Hotel – eine vierzehntägige Selbstquarantäne durchführen. Am 13. Tag findet dann ein weiterer Test auf Covid-19 statt, der bei negativem Ergebnis dann die Quarantäne beendet.

Nur Kambodschaner – auch solche mit ausländischen Reisepässen und Visatyp K – sind davon befreit, 2000 US-Dollar zu hinterlegen, weil die meisten Heimkehrer diesen Betrag kaum aufbringen könnten. Auch Geschäftsreisende können in den Genuss einer bevorzugten Behandlung kommen, wenn sie denn von einem Geschäftsführer oder einem Großaktionär eines Unternehmens „gesponsert“ werden. Damit ist eine Zahlungsgarantie gemeint, die über www.registrationservices.gov.kh beantragt werden muss. Nach der Prüfung der Gültigkeit der Garantie, die einen Tag dauern wird, stellt die Regierung dann eine Validierungsbescheinigung über die Zahlungsgarantie aus, die in ausgedruckter Form bei Visa-Anträgen an kambodschanischen Botschaften und Konsulaten vorgelegt werden kann. Als Geschäftsreisende sind im Übrigen ausländische Investoren, Geschäftsleute, Firmenmitarbeiter, Experten, Facharbeiter, Techniker und ihre Familienmitglieder definiert.

Und auch für eine weitere Personengruppe gelten Besonderheiten: Alle diplomatischen und konsularischen Vertretungen, die in Kambodscha akkreditiert sind, sowie alle internationalen Organisationen müssen bestätigen, dass ihre Diplomaten und Beamten, die im Besitz eines kambodschanischen Visums des Typs A und eines Visums des Typs B sind und in das Land einreisen, Covid-19-frei sind. Auch diese Personengruppe muss in eine vierzehntägige Quarantäne, die vom jeweiligen Arbeitgeber garantiert wird.

Die meisten Expats, die sich zurzeit im Land befinden, werden durch diese strengen Einreiseregeln effektiv abgeschreckt, Kambodscha kurzzeitig zu verlassen. Ausländer befinden sich insgesamt in einer durchaus unentspannten Situation, vor allem wenn sie schulpflichtige Kinder haben. Aber auch Einzelhandelsgeschäfte, die Ausländern den Zutritt verwehren, sind leider keine Einzelfälle. (Stand: 30. November 2020)

Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen

Kambodscha verfügt über sehr liberale Einreisegesetze. Dennoch benötigen Touristen und Geschäftsreisende mit deutscher und anderer Staatsangehörigkeit ausnahmslos ein Visum. Die Aufenthaltsdauer mit einem Tourismusvisum beträgt 30 Tage und kann nur einmal für weitere vier Wochen verlängert werden. Ein Touristenvisum (T) kostet 30 US-Dollar, Geschäftsreisende zahlen für ihr Visum (E) 35 US-Dollar, welches beliebig verlängerbar ist. Für Inhaber von Diplomaten- und Dienstpässen bestehen zum Teil Sonderregelungen. Bei Überschreitung des Visums wird bei der Ausreise eine Strafgebühr von US$ 5,- pro Tag seit Ablauf des Visums erhoben - bei längeren Überschreitungen drohen zudem weitere rechtliche Konsequenzen.

Das Visum kann vor Reisebeginn bei einer kambodschanischen Auslandsvertretung eingeholt werden, was allerdings etwas kostenintensiver ist. Mit einem Passfoto können aber auch an allen Grenzübergängen und den beiden internationalen Flughäfen in Phnom Penh und Siem Reap Visa innerhalb weniger Minuten problemlos erworben werden. Außerdem gibt es mittlerweile - allerdings nur für Touristen - die Möglichkeit, das Visum online zu beantragen. Bei Ausreise aus Kambodscha muss der Reisepass jedoch noch mindestens sechs Monate gültig sein.

Daneben kann Kambodscha auch von neunzehn internationalen Grenzübergängen erreicht werden. Dort können grundsätzlich (Angabe aber ohne Gewähr) auch jeweils Visa erworben werden, allerdings sind mitunter Schließzeiten zu beachten. Kambodscha verfügt nach eigenen Angaben insgesamt über acht internationale Grenzübergänge mit Thailand - Cham Yeam (Koh Kong), Poipet und Choam Sanguam (Banteay Meanchey), Osmach (Oddar Meanchey), Sihanoukville, Prum (Pailin), Doung (Battambang) und Preah Vihear -, neun mit Vietnam - Bavet (Svay Rieng), Kha Orm Sam Nor (Kandal), Koh Rohka und Banteay Chakrey (Prey Veng), Tropeang Sre (Kratie), Prek Chak (Kampot), Phnom Den (Takeo), Oyadav (Rattankiri) und Tropieng Phlong (Tboung Khmum) sowie zwei mit Laos - Dong Krolar und Tropieng Kreal. Inoffizielle Gebühren sind bei der Visa-Ausstellung leider noch üblich, und in der Regel kann die Grenze nur fußläufig passiert werden, was bei schwerem Gepäck zusätzliche Kosten verursachen kann.

Wohnen in Phnom Penh

Stadtbezirke von Phnom Penh
Phnom Penh verfügt über neun Stadtbezirke, genannt "Khan". © Stadtverwaltung von Phnom Penh

Das Angebot an zu mietenden Wohnungen und Häusern ist in allen Preiskategorien umfassend – angefangen von einigen Hundert US-Dollar im Monat für ältere Apartments bis zu hohen vierstelligen Mieten für voll ausgestattete Villen. Phnom Penh ist flächenmäßig überschaubar, dennoch ist es ratsam, die private Bleibe nicht allzu weit vom Arbeitsplatz zu wählen, da zu den Stoßzeiten selbst kurze Entfernungen eine längere Fahrzeit in Anspruch nehmen. Unter westlichen Ausländern zählen die zentralen Stadtbezirke Chamkar Mon und Daunh Penh zu den beliebtesten Wohnorten.

Versorgung

Die Versorgung mit Elektrizität und Wasser gilt in den zentralen Vierteln Phnom Penhs als durchgängig gesichert. Dennoch sind Stromausfälle in der heißesten Jahreszeit im April und Mai nicht völlig auszuschließen. Gekocht wird in der Regel mit Gas, wozu Flaschen erforderlich sind. Mehrere Supermärkte verkaufen westliche Lebensmittel und Drogerieartikel, einige Shoppingmalls bieten auch Luxusartikel. Preiswerte Produkte – insbesondere Textilien und einfache Alltagsprodukte – finden sich in den traditionellen Märkten der Hauptstadt, unter denen der Zentralmarkt (Phsar Thmei) und der Russische Markt (Phsar Toul Tom Pong) bei Ausländern zu den beliebtesten zählen. Autos können gemietet werden, was bei manchen Anbietern allerdings teuer werden kann – ein Preisvergleich lohnt sich daher auf jeden Fall.

Freizeitgestaltung

Die Hauptstadt bietet zahlreiche Möglichkeiten zur aktiven Freizeitgestaltung wie zur Erholung. Zum einen bieten sich Ausflüge in die nähere Umgebung an, zum anderen können verschiedene Gedenkstätten, Museen und kulturelle Einrichtungen besichtigt werden. Sport kann individuell, beispielsweise in einigen Fitnessclubs, oder in Gemeinschaft betrieben werden. Abends locken zahlreiche Restaurants und Bars vor allem ans Flussufer. Die kulinarischen Angebote sind vielfältig und oft von guter Qualität. Im Gegensatz zu den meisten anderen Städten Kambodschas verfügt Phnom Penh auch über ein vitales Nachtleben.

Sisowath Quay, März 2019. Foto:  Avec un sac sur le dos, CC BY-NC 2.0
Der Sisowath Quay im März 2019. Nach Sonnenuntergang sinken die Temperaturen und laden zu einem Spaziergang am Tonle Sap ein. (Foto: Avec un sac sur le dos, (CC BY-NC 2.0))

Kindergärten und Schulen

In Phnom Penh gibt es zahlreiche Kindergärten, von denen nicht alle ausschließlich auf westliche Kundinnen und Kunden ausgerichtet sind. Gute Lehrangebote bieten einige Privatschulen, vor allem die International School of Phnom Penh, die Northbridge International School oder – etwas preiswerter – die British International School.

Feiertage

Kambodscha verfügt mit Abstand über die meisten gesetzlichen Feiertage weltweit, was regional eher untypisch ist und gerade von Wirtschaftsvertretern sehr kritisch gesehen wird. Daher gab die Regierung im August 2019 bekannt, ab 2020 sechs Feiertage zu streichen, wodurch sich die Gesamtzahl auf 22 reduziert. Einige Feiertage liegen nicht auf einem festen Datum, vor allem das kambodschanische Neujahrsfest, das als kulturell wichtigstes Ereignis Mitte April an vier Tagen gefeiert wird. Daneben nimmt das Pchum Ben-Fest zur Ahnenverehrung eine wichtige Bedeutung ein, das jedes Jahr fünfzehn Tage lang (davon drei hintereinander liegende gesetzliche Feiertage) im September und/oder Oktober begangen wird. Im November folgt, ebenfalls auf kein festes Datum fixiert, das Wasserfestival in der Hauptstadt Phnom Penh (welches in den letzten Jahren allerdings häufig abgesagt wurde). Weitere feste Feiertage sind unter anderem: 

Internationales neues Jahr 1. Januar
Befreiung von Phnom Penh und Sieg über die Khmer Rouge (1979) 7. Januar
Internationaler Frauentag 8. März
Internationaler Tag der Arbeit 1. Mai
Geburtstag von König Norodom Sihamoni 14. Mai
Geburtstag von Königinmutter Norodom Monineath (1936) 18. Juni
Verfassungstag (1993) 24. September
Todestag von Norodom Sihanouk (2012) 15. Oktober
Krönungstag von Norodom Sihamoni (2004) 29. Oktober
Unabhängigkeitstag (1953) 9. November
Sofern ein Feiertag auf ein Wochenende fällt, ist der anschließende Montag ersatzweise frei. Die meisten Restaurants und Geschäfte sind dann dennoch nicht geschlossen.

Geld

1000 Riel
Norodom Sihanouk, langjähriges Staatsoberhaupt von Kambodscha, ziert die 1000 Riel-Note.

Die kambodschanische Währung ist der Riel, die Untereinheit Sen – 1 Riel gleich 100 Sen – spielt im Alltag aufgrund des Wertverlusts der Währung in den letzten Jahrzehnten keine Rolle. Banknoten sind im Wert von 100.000, 50.000, 20.000, 10.000, 5.000, 2.000, 1.000, 500 und 100 Riel im Umlauf. Kambodschas Wirtschaft ist nach wie vor extrem dollarisiert, rund 84% der gehandelten Devisen entfallen derzeit auf den "Greenbuck". Dennoch weist der Riel eine durchaus hohe Stabilität zur amerikanischen Währung auf, die Faustregel "4000 Riel sind ein US-Dollar" gilt bereits seit vielen Jahren. Der Riel ist Zahlungsmittel im lokalen Handel, dagegen wird im Tourismus hauptsächlich der US-Dollar benutzt. Riel sollte nicht getauscht werden, da man die einheimische Währung meist als Wechselgeld zurückbekommt.

Euros können mittlerweile in zahlreichen Banken der Städte gewechselt werden. Günstigere Wechselraten bieten in der Regel die kambodschanischen Märkte. Es werden US-Dollars in kleiner Stückelung empfohlen, da es schnell passieren kann, dass große Scheine schon bei geringfügigen Beschädigungen nicht mehr akzeptiert werden. Es können auch problemlos US-Dollar per Debit- oder Kreditkarte von zahlreichen Geldautomaten, die in den meisten Städten zu finden sind, gegen eine Gebühr in Höhe von bis zu 5 US-Dollar abgehoben werden. Die Geldautomaten sind wie andernorts auch außerhalb der üblichen Bankenöffnungszeiten (montags bis freitags zwischen 8 und 15 Uhr) zugänglich – bei der Nutzung nach Einbruch der Dunkelheit ist aber gerade in unbelebten Gegenden erhöhte Vorsicht geboten.

Kreditkarten werden als Zahlungsmittel oft nur in den großen Hotels, von internationalen Unternehmen und in besseren Restaurants akzeptiert. Reiseschecks sind nicht überall einlösbar, wenn überhaupt sollten sie in US-Dollar ausgewiesen sein. Die Ein- und Ausfuhr von Devisen ist unbeschränkt, Deklarationspflicht besteht ab einem Betrag im Gegenwert von 10.000 US-Dollar.

Reisen im Land

Die meisten von Touristen genutzten Straßen befinden sich in einem akzeptablen Zustand. Jenseits der Hauptverkehrsstraßen sieht es allerdings anders aus. Das Risiko von Unfällen und Überfällen ist im Vergleich mit den südostasiatischen Nachbarländern relativ hoch. Nachtfahrten sollten möglichst vermieden werden, auch deshalb, weil es dann praktisch keine Polizeipräsenz mehr gibt. Gerade in ländlichen Gegenden ist es ratsam, bei der Anreise Ortskundige über die Sicherheit der näheren Umgebung zu befragen. Autos können mit und ohne Chauffeur gemietet werden, offiziell ist das Fahren nur mit einem einheimischen oder internationalen Führerschein gestattet.

Zwischen den größeren Orten bestehen regelmäßige und gute Busverbindungen. Es existieren mittlerweile zahlreiche Gesellschaften, die die einzelnen Strecken bedienen. Das Fahren mit diesen Bussen ist sehr preiswert (z.B. Tickets von Phnom Penh nach Sihanoukville sind schon für weniger als 10 US-Dollar erhältlich, nach Battambang oder Siem Reap ist es etwas teurer) und relativ bequem, wenngleich nicht immer auf europäischen Sicherheitsstandards. Man hat eine Sitzplatzreservierung und muss mit keinen überfüllten Bussen rechnen. Von Phnom Penh aus sind alle größeren Städte innerhalb eines Tages erreichbar, Buslinien von und nach Bangkok benötigen nur noch elf Stunden.

Innerhalb des Landes gibt es je nach Jahreszeit und Flusspegel Bootsverbindungen von Phnom Penh nach Kratie, Siem Reap und Chau Doc (Vietnam). Im Vergleich zu den Bussen gelten die Speedboote allerdings als nicht immer sicher. Battambang und Poipet im Westen sowie Kampot und Sihanoukville im Süden können von Phnom Penh aus auch wieder mit der Bahn erreicht werden. Darüber hinaus gibt es in Kambodscha drei internationale Flughäfen: Phnom Penh, Siem Reap und Sihanoukville. Letzterer wird jedoch kaum genutzt.

 

Der Pier am Serendipity Beach in Sihanoukville ist der Ausgangspunkt jeder Erkundung der kambodschanischen Inselwelt im Golf von Thailand. (Foto: Karbaum)
Der Pier am Serendipity Beach in Sihanoukville ist der Ausgangspunkt jeder Erkundung der kambodschanischen Inselwelt im Golf von Thailand. (Foto: Karbaum)

Sicherheit für Ausländer

In Kambodscha besteht für Reisende eine erhöhte Gefahr, Opfer von Raub oder Diebstahl zu werden. Hotels sollten nach Einbruch der Dunkelheit nur mit dem Auto, nicht aber zu Fuß, verlassen werden. Insbesondere unbeleuchtete Straßen sollten gemieden werden. Von Fahrten mit dem Fahrrad oder mit dem Motorrad ohne Helm ist aus Gründen der Verkehrssicherheit dringend abzuraten. Individualreisen auf dem Landweg sollten nach Möglichkeit so geplant werden, dass das Ziel mit Sicherheit vor Einbruch der Dunkelheit erreicht werden kann. Busse, Eisenbahn und Boote entsprechen - von Ausnahmen abgesehen - nicht den üblichen Sicherheitsstandards. Im Falle eines Unfalls kann selbst die medizinische Erstversorgung oft nicht garantiert werden. In einigen Landesteilen, insbesondere in Grenznähe, besteht überdies weiterhin Minengefahr.

Die innenpolitische Krise und die Unterdrückung politischer Opposition hat sich auch auf die Sicherheit im öffentlichen Raum negativ ausgewirkt. Gerade in Zeiten politischer Spannungen wie zuletzt im November 2019, als Oppositionsführer Sam Rainsy seine Rückkehr nach Kambodscha ankündigte, wird Ausländern dringend empfohlen, größere Menschenansammlungen zu meiden. Konfliktträchtig sind grundsätzlich auch die Grenzregionen, da die Verläufe meist nicht einvernehmlich geklärt sind und immer wieder für lokale Spannungen sorgen, zuletzt (2019) an der Grenze zu Laos.

Das Auswärtige Amt, das Britische Foreign Office und das US State Department veröffentlichen regelmäßig aktuelle Sicherheitshinweise. Im dringenden Notfall bieten sich zwei Kontakmöglichkeiten an: Einerseits über das Notfalltelefon der Deutschen Botschaft, erreichbar unter +855 10 99 00 02, andererseits über das kambodschanische Außenministerium, das eine Hotline der lokalen Polizeibehörden für ausländische Staatsangehörigkeit unter +855 31 201 2345 eingerichtet hat (auch über WhatsApp erreichbar).

Verfügbarkeit von Anwälten

Ungeachtet der prekären Rechtsstaatlichkeit können Betroffene im Fall eines Rechtsstreits auf knapp 500 Kanzleien mit gut 1000 Anwälten zurückgreifen, die aktuell (September 2017) in der nationalen Rechtsanwaltskammer gelistet sind. Nach Angaben der Deutschen Botschaft bestehen keine Regelungen über Zuständigkeiten von Rechtsanwälten. Ein kambodschanischer Anwalt kann sowohl in Zivil- als auch in Strafsachen an jedem Gericht in Kambodscha und in jeder Instanz auftreten. Vor Gericht gibt es grundsätzlich keinen Anwaltszwang (Ausnahme nur bei Involvierung Minderjähriger). Verbindliche Gebührenregelungen für Anwälte bestehen nicht. Zwischen Anwalt und Klient wird ein Honorar vereinbart, in Zivilsachen ist zudem eine sogenannte Gerichtsgebühr fällig, um einen Fall überhaupt vor Gericht zu bringen. Verhandlungen finden auf Khmer statt, und Dolmetscher müssen in den meisten Fällen von den Betroffenen selbst bezahlt werden.

Die Deutsche Botschaft hat eine Anwaltsliste einschließlich Kontaktdaten veröffentlicht; darunter befinden sich zwei Kanzleien, die Deutsch als Korrespondenzsprache anbieten.

Gesundheit

Die medizinische Versorgung im Land ist mit Europa nicht zu vergleichen und oft technisch, apparativ und/oder hygienisch problematisch. Vielfach fehlen Englisch/Französisch sprechende Ärzte. Auch in Städten oder touristischen Zentren sind nicht unbedingt qualitativ akzeptable bis gute Kliniken oder Arztpraxen für Reisende erreichbar. Soweit es sich nicht um leichte Erkrankungen handelt, ist selbst in Phnom Penh keine angemessene Behandlung möglich. So ist für chirurgische Eingriffe wie die Behandlung von Brüchen oder für Notfallmedizin ein Flug nach Bangkok erforderlich. Jedem Reisenden nach Kambodscha sollte daher unbedingt vor Antritt der Reise der Abschluss einer Auslandskrankenversicherung mit Rückholschutz empfohlen werden.

Landesweit besteht ein erhöhtes Risiko für Darminfektionen. Vor dem Verzehr und Kauf von Lebensmitteln aus landestypischen Straßenrestaurants und von Märkten wird gewarnt. Durch hygienisches Essen und Trinken (nur Abgekochtes, nichts lau Aufgewärmtes) können Durchfälle vermieden werden.

Durch konsequenten Mückenschutz (Repellentien, Mückennetz, bedeckende Kleidung, Verhalten) kann das Risiko für viele andere Tropen- und Infektionserkrankungen vermindert werden.

HIV/ Aids ist im Land ein Problem und eine Gefahr für alle, die Infektionsrisiken eingehen: Sexualkontakte, unsaubere Spritzen oder Kanülen und Bluttransfusionen können ein lebensgefährliches Risiko bergen.

Impfungen: Neben den sonst üblichen Prophylaxen ist vor allem eine Hepatitisimpfung notwendig, eine Kombination aus A- und B-Seren empfehlenswert. Ebenso empfohlen ist die Impfung gegen Typhus. Die meisten Beratungsstellen weisen außerdem darauf hin, sich gegen Tollwut und japanische Enzephalitis impfen zu lassen. In jedem Fall sollte man vor der Abreise einen Arzt konsultieren, um die notwendigen Vorkehrungen abzusprechen. Zur Reiseapotheke sollten Medikamente gegen Durchfall, Reisekrankheit, Fieber, Schmerzen sowie Wunddesinfektionsmittel, Insekten- und Sonnenschutzmittel, Salbe bei Insektenstichen oder anderen Hautreizungen, Fieberthermometer und Verbandsmaterial gehören.

Malariasituation: Ein ganzjähriges hohes Risiko besteht im Regenwald der Grenzgebiete zu Thailand und Laos, insbesondere im Nordosten in der Provinz Ratankkiri und im Westen im Grenzgebiet zu Thailand, vor allem in der Provinz Pailin (häufigster Erregertyp: Plasmodium falciparum, Chloroquinresistenz und z. T. auch Mefloquinresistenz). Zu den weiteren Risikogebieten zählt ein breiter Gürtel durch die Mitte des Landes von Südost nach Nordwest entlang des Mekong bis nördlich des Tonle Sap; dagegen gelten Phnom Penh und die Region Angkor als malariafrei.

Telekommunikation, Internet und Digitalisierung

Wie in vielen anderen Entwicklungsländern ist auch in Kambodschas das Smartphone das Universalwerkzeug der Kommunikation und sozialen Interaktion. Einerseits zum Telefonieren, da Festnetzanschlüsse fast nur von staatlichen Institutionen, Wirtschaftsunternehmen und Organisationen im urbanen Raum genutzt werden. Anderseits als Zugang ins Internet, da die meisten Privatnutzer keine Desktop-PCs oder Laptops besitzen. Das mit Abstand wichtigste digitale Angebote ist Facebook, das für viele Kambodschaner schon fast synonym mit Internet verstanden wird, und dessen Messenger. Nicht selten nutzen Privatpersonen mehrere Profile, wobei mehrere Tausend Kontakte nicht unüblich sind. Die populärsten Apps (Android und iOS) dienen der Unterhaltung, dazu kommen Finanz-Apps als Kontoersatz und weitere Social Media-Anwendungen.

Touristen und Expats nutzen dagegen häufig PassApp und Grab, um günstig Taxi zu fahren. Besonders praktisch ist vor allem, dass fast jedes Hotel und viele Restaurants kostenloses W-LAN für seine Gäste anbieten. Leider sind manche Online-Zugänge in die Heimat gesperrt, was aber nicht an lokalen Beschränkungen, sondern an den Anbietern in Deutschland und anderen westlichen Ländern liegt. Vor allem Logins können davon dauerhaft betroffen sein. In diesem Fall bleibt die einzige Lösung, eine VPN-Verbindung einzurichten.

Der Mobilfunkmarkt Kambodschas gilt als einer der preisgünstigsten der Welt. SIM-Karten werden von den Anbietern verschenkt oder nur für ein sehr geringes Entgelt zur Verfügung gestellt. 2018 waren insgesamt 19,4 Mio. SIM-Karten im Umlauf, was 120% der Bevölkerung entsprach. Auf den Mobilfunkstandard 4G entfielen 8,2 Mio., auf 3G 4,6 Mio. und auf 2G immerhin noch 6,4 Mio. SIM-Karten. Nach Angaben der Asia Foundation sollen 2016 mehr als 96% aller Kambodschaner ein eigenes Mobiltelefon besessen haben. 76% greifen dabei auf Geräte mit Khmer-Skript zurück. Weiterhin besaßen demnach 48% mindestens ein Smartphone, wo sogar 90% das Khmer-Alphabet nutzen können. Prepaid-Karten sind der Regelfall, und die Netzabdeckung ist gerade in städtischen Gebieten und entlang der Nationalstraßen ausgezeichnet. Zu bestimmten Tageszeiten, insbesondere um 18 Uhr, kommen die Netze häufig an Kapazitätsgrenzen. Die durchschnittliche Internet-Geschwindigkeit ist eher mäßig: Im Oktober 2020 lagen Downloads bei nur 18,4 MBit/s (mobil) bzw. 25,8 MBit/s (stationär).

Die staatliche Regulierung inklusive Datenschutz ist noch minimal, das Law on Telecommunications gilt an einigen entscheidenden Stellen als recht vage. Seit Jahren arbeitet die Regierung an zwei Gesetzen, dem Cybercrime Law und dem Access to Information Law, deren Verabschiedungen allerdings noch nicht absehbar sind. Auch wenn die Inhalte noch nicht feststehen, fürchten Kritiker nichtsdestotrotz Einschränkungen aus politischen Motiven, wie sie aus anderen autoritären Staaten – vor allem China – bereits bekannt sind. In den letzten Jahren gab es bereits einige Fälle, in denen die Regierung öffentlichkeitswirksam gegen kritische Nutzer vorgegangen ist. Dennoch: Was die Internet-Freiheit betrifft schneidet Kambodscha im Vergleich zu seinen Nachbarstaaten derzeit aber recht gut ab.

Nützliche Adressen

Das Länderinformationsportal

Das Länderinformationsportal
Das Länderinformationsportal

Die Beiträge im Länderinformationsportal (LIPortal) wurden bis Dezember 2020 von ausgewiesenen Landesexpertinnen und Landesexperten betreut, um eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern zu geben. Das LIPortal bot damit eine Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb - viele Verweise sind auch weiterhin aktuell.

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im November 2020 aktualisiert.

Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH hat sich nach Absprache mit dem finanzierenden Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung entschieden, die Länderinformationsportale ab dem 1. Januar 2021 nicht mehr zu fördern. Daher wird auch das Kambodscha-Portal nicht weiter aktualisiert oder überarbeitet. Bis zum 30. Juni 2021 sollen die Inhalte an dieser Stelle noch zur Verfügung stehen. 

Der Autor

Dr. Markus Karbaum

Dr. Markus Karbaum ist Politologe und beschäftigt sich seit 2002 mit Kambodschas Regierungssystem und der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Transformation des Landes. Als selbständiger Gutachter und Berater arbeitet er im Auftrag nationaler und internationaler Organisationen.

Links

  • Deutschsprachige Analysen und Hintergrundberichte bietet hauptsächlich das Portal cambodia-news.net; unabhängige inländische Berichterstattung liefert nur noch das digitale Magazin Southeast Asia Globe und das Übersichtsportal des Cambodia Daily; auf Cambodianess finen sich akutelle Berichte und Kommentare, wohingegen die Tageszeitungen Phnom Penh Post und Khmer Times aus einer angeblich neutralen Position heraus keine regierungskritischen Artikel liefern.
  • Ausführliche Aufstellungen anderer Websites zu Kambodscha mit entsprechenden Links bieten auch die Southeast Asia Ressources der Berkeley University.
  • Neben bekannten Portalen wie dem von Lonely Planet ist insbesondere der Canby Visitors Guide ein umfangreicher Reiseführer, Tourenplaner und Hotelverzeichnis in einem.
  • Andy Brower's Cambodia Tales und Blog enthält viele Links zu Reiseberichten und Hompages von Kambodscha-Enthusiasten.
  • Zu den am intensivsten genutzten Expats-Foren gehört Cambodia Expats Online mit zahlreichen aktuellen Diskussionen und Hinweisen.

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