Brückenbau am Tonle Bassac mit Hilfe von Schwimmkränen
Geschätztes BIP (2015)
17,7 Milliarden US-$
Durchschnittliches BIP-Wachstum (2011-2015)
7,2%
Pro-Kopf-Einkommen (Kaufkraftparität, 2015)
4001 US-$
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
30,8%
Anteil Armut (bis 1,15 US-$ pro Tag, 2011)
20,5%
Anteil Einkommensschwache (1,15-2,30 US-$ pro Tag)
55,5%
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 136 (von 187)

Wirtschaftsordnung

Bauern bei der Reisernte.
Drei Viertel aller Kambodschaner leben von der Landwirtschaft. Hauptanbauprodukt ist Reis, der auf den meisten Feldern einmal pro Jahr geerntet wird. (Foto: Isabel M. Lichtnau)

Die Entwicklung der Wirtschaftsordnung Kambodschas ist im Kontext der Geschichte des Landes zu sehen. Die agrarische Struktur Kambodschas in Kombination mit dem Ausbleiben fast jeglicher Ansätze einer Industrialisierungspolitik behinderte die Entwicklung eines tragfähigen Wirtschaftssektors. Unter Prinz Norodom Sihanouk (1953-1970) blieb der Nassreisanbau das Fundament der bäuerlichen Subsistenzwirtschaft. Ab 1963 wurden einige größere Unternehmen (Banken, Versicherungen, Handelsgesellschaften) verstaatlicht, was der sozialistischen Ideologie der Staatspartei Sangkum Reastr Niyum entsprach. Ansätze einer Liberalisierungspolitik unter der pro-amerikanischen Regierung von Lon Nol (1970-1975) fielen der Involvierung des Landes im Vietnam-Krieg zum Opfer.

Die von den Roten Khmer unter Pol Pot fanatisch umgesetzte Doktrin wirtschaftlicher Autarkie und die damit einhergehende Kollektivierungspolitik resultierten in einen massiven Rückgang der Wirtschaftsleistung. Die Folgen der Zerstörung der Infrastruktur waren extrem und wirken bis in die Gegenwart nach. Auch unter der pro-vietnamesischen Regierung ab 1979 verbesserte sich die ökonomische Grundsituation kaum; der Außenhandel beschränkte sich fast ausschließlich auf die Sowjetunion und die Comecon-Staaten. Nach der Verfassungänderung 1989, die auch eine Umbenennung in "Staat Kambodscha" mit sich brachte, wurde erstmals wieder das Recht auf Privatbesitz und die Gründung privatwirtschaftlicher Unternehmen eingeführt. Außerdem wurden mit der Ausgabe von Landbesitzurkunden bis Juni 1991 insgesamt 3,7 Millionen Hektar Land in Privatbesitz übergeben, was mehr als 20% der gesamten Fläche Kambodschas entspricht.

Das Pariser Friedensabkommen von 1991 bildete nicht nur die Grundlage für einen umfassenden politischen Neuanfang, sondern leitete auch einen völligen Umbruch in der Außenwirtschaft ein, von der staatlichen Planwirtschaft zur marktwirtschaftlichen Ordnung, vom staatlichen zum privaten Außenhandel und von der Ost- zur Westausrichtung. Von Bedeutung waren dabei vor allem 1991 die Umstellung auf den Handel in harter Währung, die zunächst eine Reorientierung des kambodschanischen Handels auf die asiatischen Märkte in der unmittelbaren Nachbarschaft (besonders Thailand, China/Hongkong, Singapur und Vietnam) nach sich zog.

Ein wichtiger Industriezweig ist die dynamisch wachsende Textilindustrie mit aktuell (2015) rund 600 Fabriken und mehr als 700.000 Arbeitern, von denen 90% Frauen sind. 2014 exportierte Kambodscha Schuhe und Textilien im Wert von 5,75 Mrd. US-Dollar, was in etwa 85% der Gesamtausfuhren entspricht. Die Zahl der Touristen stieg von 2004 (mehr als eine Million Ankünfte) über 2,2 Millionen im Jahr 2009 auf 4,8 Millionen 2015. Kambodscha verfügt nachgewiesenermaßen über große Erdöl- und Erdgasreserven (bis zu zwei Milliarden Barrel Öl und 28 Milliarden Kubikmeter Gas) offshore im Golf von Thailand; allerdings ist der Förderbeginn nach wie vor unklar. Die Wirtschaft ist jedoch weiterhin agrarisch geprägt - rund die Hälfte aller Kambodschaner sind nach wie vor in der Landwirtschaft beschäftigt und mehr als 70 Prozent unmittelbar von ihr abhängig.

Kambodscha gehört mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von gut 4000 US-Dollar (2015, kaufkraftbereinigt) zur Gruppe der Least Developed Countries (LDC). Aufgrund des anhaltend stabilen Wirtschaftswachstums gilt eine Neuklassifizierung als Lower Middle Income Country in naher Zukunft als wahrscheinlich. Wohl gerade aufgrund des stetigen Wachstums um sieben Prozent im Jahr wurden in den letzten Jahren allerdings grundlegende Reformen nicht für notwendig erachtet. Durch erhebliche Handelserleichterungen der Europäischen Union und massive Geberunterstützung unterliegt Kambodschas Wettbewerbsfähigkeit allerdings nur begrenzt marktwirtschaftlichen Bedingungen, was sich in einigen Jahren bitter rächen könnte. Neben fehlenden rechtsstaatlichen Strukturen und einer ineffizienten wie stark korruptionsanfälligen Staatsverwaltung sind dafür vor allem ein sehr geringes Reservoir an qualifizierten Facharbeitern, hohe Energiekosten und eine unzureichende Verkehrsinfrastruktur ausschlaggebend.

Makroökonomische Situation

Der Vattanac Capital Tower von Phnom Penh
Der Vattanac Capital Tower dominiert mit seinen 39 Stockwerken die Skyline von Phnom Penh. Das Design des Wolkenkratzers wurde von den mythischen Nagas und Drachen inspiriert. (Foto: Michael Coghlan, CC BY-SA 2.0)

Mit etwa 35% Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist der Agrarsektor – insbesondere Reisanbau und Fischerei – der zweitwichtigste Wirtschaftszweig nach dem Dienstleistungssektor (41%) und vor der Industrie (24%). Etwa 58% der Bevölkerung finden hier Beschäftigung (Industrie: 16%, Dienstleistungssektor: 27%), vor allem zwischen April und Dezember. Die Reisernten stiegen in den letzten Jahren kontinuierlich an und erreichten 2013 den Rekordwert von knapp 9,4 Mio. Tonnen. Aufgrund des Wetterphänomens El Niño, das 2015 zu einem verspäteten Start der Regenzeit und höheren Durchschnittstemperaturen führte, waren die Erträge zuletzt wieder ein wenig rückläufig.

Weitere zentrale Sektoren sind die Textil-, Bau- und Tourismusbranche, die zusammen knapp 60% der Wirtschaftsleistung ausmachen. Während in der Baubranche aktuell etwas mehr 600 Mio. US-Dollar und im Tourismus rund 3,5 Mrd. US-Dollar umgesetzt werden, erwirtschaftet die Textilindustrie mehr als 80% aller Erlöse aus Warenexporten. Dieser Industriezweig macht etwa 36% des Bruttoinlandsprodukts aus und beschäftigt (je nach Nachfrage am Weltmarkt) gut 700.000 Menschen. Immer wieder kommt es unter den Näherinnen zu Streiks, zuletzt im Januar 2014, die nicht selten gewaltsam aufgelöst werden. Der Mindestlohn liegt seit 1. Januar 2016 bei 140 US-Dollar monatlich für eine Vollzeitstelle bei 48 Wochenstunden. In diesem Zusammenhang kritisieren viele nationale wie internationale Organisationen die Arbeitsbedingungen und die oft unzureichende Einhaltung von Arbeitnehmerrechten. Im März 2015 kritisierte Human Rights Watch die Missstände in vielen Fabriken und wies dabei auch auf die Verantwortung der Regierung und der großen Schuh- und Textilmarken, die in Kambodscha produzieren lassen, hin.

Neben den Exporten der Bekleidungsindustrie fährt Kambodscha zu geringen Mengen Kautschuk und Reis aus. Die wichtigsten Importe sind Rohstoffe zur Textilverarbeitung und Mineralöl (zusammen rund 60%). Einfuhren von ca. 10,4 Mrd. US-Dollar standen 2014 Exporte über knapp 7,2 Mrd. US-Dollar gegenüber; das Handelsbilanzdefizit lag Ende 2014 bei fast 11% des Bruttoinlandprodukts. Trotz schlechter Rahmenbedingungen – beispielsweise ist es im Vergleich zum Rest der Welt extrem schwer, ein Unternehmen zu gründen, was eine weitere Hürde für dringend benötigte ausländische Direktinvestitionen darstellt – ist die Wirtschaft zwischen 2011 und 2015 durchschnittlich um jährlich mehr als sieben Prozent gewachsen. Die Folgen der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise der Jahre 2008 bis 2010 sind in vielen Branchen überwunden worden. Einzig einige prestigeträchtige Bauvorhaben, insbesondere in der Hauptstadt Phnom Penh, sind nach wie vor unvollendet und erinnern daran, wie stark Kambodscha von der Weltkonjunktur abhängt.

Die Nationalbank ist soweit unabhängig, dass sie Preisstabilität gewährleisten kann. Der Wechselkurs der Landeswährung Riel ist stabil, nimmt angesichts einer Dollarisierungsquote von 95% aber nur eine Nebenrolle zur amerikanischen Leitwährung ein. Der Bankensektor besteht im Wesentlichen aus der Zentralbank, 47 Geschäftsbanken (36 allgemeine und 13 spezialisierte Banken) und 34 Mikrofinanzinstituten, darunter einige internationale Banken. Die Funktionsmängel sind allerdings weiterhin enorm; nur in fünf anderen Staaten in der Welt scheint es einfacher zu sein, Geld zu waschen oder Terrorismus zu finanzieren.

Aktuelle Daten zur makroökonomischen Situation werden nicht nur durch die Bertelsmann-Stiftung, sondern vor allem auch von verschiedenen internationale Organisationen aufbereitet, zum Beispiel

Armut

Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs der letzten Jahre leben immer noch viele Kambodschaner unter der nationalen Armutsgrenze. Wie viele dies sind, hängt u.a. von der jeweiligen Definition und den Parametern, die zur Messung zugrunde gelegt werden, ab. Obwohl weder verlässliche Daten noch einheitliche Berichtstrends vorliegen, dürften in Kambodscha wohl noch rund ein Drittel bis ein Viertel der Bevölkerung von extremer Armut betroffen sein. Preise für Grundnahrungsmittel sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen, wodurch durchschnittlich rund zwölf Prozent aller Haushalte Probleme mit der Lebensmittelversorgung haben. Armut in Kambodscha ist facettenreich: Viele Heranwachsende sind aufgrund von Mangelernährung weiterhin im Wachstum gestört, die Kindersterblichkeit liegt bei rund 3,4% der unter-einjährigen Kinder. Das Durchschnittsalter beträgt derzeit 25 Jahre, der Alphabetisierungsgrad liegt bei 74%. Der kambodschanische Staat ist weiterhin schwach - die Staatsquote hat sich um 21% eingependelt - und bietet seinen Menschen keine erwähnenswerte soziale Sicherung. Außerdem bleibt vielen Menschen der Zugang zu ärztlicher Versorgung und Bildungseinrichtungen oftmals versperrt.

In der aktuellen Rangliste der Vereinten Nationen zum Entwicklungsstand belegt Kambodscha Rang 136 von 187 Nationen. In Kambodscha selbst sind die Armutsraten regional unterschiedlich verteilt. Während im Zentrum und im Süden durchschnittlich weniger Menschen von extremer Armut betroffen sind, leiden die Provinzen Siem Reap - die Heimstätte von Angkor Wat und jährlich mehr als zwei Millionen Touristen - und Pailin an der Grenze zu Thailand unter besonders hohen Armutsraten. Dennoch: Nach Berechnungen der Weltbank hat sich die Armut in Kambodscha in den letzten Jahren deutlich reduziert. Während 2004 noch 53,2% aller Menschen unter der nationalen Armutsgrenze lebten, sollen es 2011 nur noch 20,5% gewesen sein. Das bedeudet, dass immer noch rund drei Millionen Menschen tagtäglich weniger als 1,15 US-Dollar zur Verfügung haben, weitere 8,1 Millionen Menschen können zumindest auf das, aber auf weniger als 2,30 US-Dollar zurückgreifen.

Korruption

ACU-Beschwerdebriefkasten
Der Beschwerdebriefkasten der Anti-Korruptionsbehörde nimmt trotz eines objektiven Bedarfs nur eine symbolische Bedeutung ein. (Foto: Karbaum)

Kambodschas Wirtschaft ist heute formal marktwirtschaftlich ausgerichtet und unterliegt kaum staatlichen Restriktionen. Jedoch ist der Wirtschaftsprozess de facto weiterhin durch einen hohen Korruptionsgrad, den höchsten in der Region, und die maßgebliche Involvierung des Militärs und hoher politischer Funktionsträger geprägt, die nicht selten im halblegalen oder illegalen Bereich operieren. Es existieren keine Anti-Kartell-Gesetze, die größten Unternehmer Kambodschas unterhalten überdies sehr enge Beziehungen zur Regierung. Die Durchsetzung von Unternehmensinteressen durch Polizei und Militär, eine weitgehende Befreiung von Besteuerung und Schutz vor Strafverfolgung sind Gegenleistungen für die Finanzierung der Parteikasse oder von der Regierung initiierte soziale Projekte. Die Streitkräfte sind nach wie vor in die illegale Rodung von Tropenwäldern involviert, obwohl jeglicher kommerzieller Holzeinschlag seit 2002 verboten ist. Der Schmuggel von Tropenhölzern erfolgt weiterhin in bedeutendem Umfang vor allem über die Grenze zu Thailand und nach China.

Korruption umfasst alle Lebensbereiche und wird von den Kambodschanern selbst als "puk ruluoy" – morsches oder verrottetes Holz – bezeichnet. Informelle Gebühren werden bei den allermeisten Behördenkontakten fällig, sei es bei Verkehrskontrollen, Bauanträgen oder vor Gericht. Korruption steht nicht nur der wirtschaftlichen Prosperität im Weg, sondern versperrt vielen Menschen den Zugang zu Bildung und Gesundheit. Vor allem "Sonderzahlungen" an Lehrer durch Eltern und Schüler sind weit verbreitet und setzen Aufstiegschancen von Kindern aus ärmeren Bevölkerungsschichten enge Grenzen.

2010 wurde zwar nach mehr als zehn Jahren Diskussion endlich ein Anti-Korruptions-Gesetz verabschiedet und eine Behörde installiert, die sich allein mit dem Kampf gegen alle möglichen Formen von Korruption beschäftigen soll. Große Erfolge sind bisher noch ausgeblieben, was angesichts des systematischen Charakters von Korruption in Kambodscha nicht überrascht.

Globale und regionale Integration

ASEAN-Logo
ASEAN-Logo (Quelle: Wikipedia)

Am 31.12.2015, so der offizielle Fahrplan, wird Kambodscha zusammen mit Laos, Myanmar und Vietnam der ASEAN-Freihandelszone (AFTA) beitreten, um bis 2025 einen gemeinsamen Markt ähnlich der EU zu etablieren. Seit Jahren bereiten sich diese Länder darauf vor, zusammen mit Brunei, Indonesien, Malaysia, den Philippinen, Singapur und Thailand einen gemeinsamen Markt zu etablieren, der zahlreiche Vorteile verspricht. Dazu ist vor allem der Abbau von tarifären und nicht-tarifären Handelshemmnissen erforderlich – eine große Herausforderung für einen Staat mit noch schwachen Institutionen wie Kambodscha. Daneben wird der Wegfall von Importzöllen für Güter und Dienstleistung aus den anderen Mitgliedsländern das Land zwingen, alternative Einnahmequellen zu erschließen. Auch die Frage der Wettbewerbsfähigkeit und des Schutzes der einheimischen klein- und mittelständischen Unternehmen stellt sich nunmehr deutlicher als in den Jahren zuvor.

Zusammen mit anderen Mekong-Anrainer-Staaten bildet Kambodscha darüber hinaus die Greater Mekong Subregion, eine Wirtschaftsorganisation, die sich dem Ausbau der regionalen Infrastruktur widmet. Interessenkonflikte ergeben sich mitunter mit der Mekong River Commission, die eher Umweltschutzaspekte im Blickfeld hat.

Kambodschas Integration in die Weltwirtschaft vollzog sich 2004 mit dem Beitritt zur Welthandelsorganisation – zusammen mit Nepal als die beiden ersten Least Developed Countries (LDC) überhaupt. Sofern Kambodscha den Status eines LDC in den nächsten Jahren aberkannt werden sollte (wofür einiges spricht), wird dies mittelfristig nicht ohne Auswirkungen auf den Außenhandel bleiben: Das Land profitiert derzeit von dem Everything but Arms-Programm der Europäischen Union, das den LDC erlaubt, alle legalen Produkte und Dienstleistungen außer Waffen und Munition quoten- und zollfrei in die EU zu exportieren. Die Re-Klassifizierung würde sich nach einer mehrjährigen Übergangsphase besonders auf die Wettbewerbsfähigkeit im Agrarsektor und der Bekleidungsindustrie auswirken.

Entwicklung

Abhängigkeit von Entwicklungshilfe

Wie sonst nur wenige andere Länder der Welt ist Kambodscha seit Jahrzehnten von Entwicklungstransfers abhängig. Rund die Hälfte des Staatsbudgets wird von der internationalen Gebergemeinschaft getragen, in den 80er Jahren durch den Ostblock, danach vor allem durch die großen OECD-Staaten. 1992 wurde die deutsche EZ mit Kambodscha wieder aufgenommen, nachdem die Zusammenarbeit seit 1969 aufgrund des Abbruchs der diplomatischen Beziehungen mit der Bundesrepublik Deutschland suspendiert worden war. Kambodscha ist ein Schwerpunktpartnerland deutscher Entwicklungskooperation, wobei Deutschland zu den größten bilateralen Gebern gehört.

Die kambodschanisch-deutsche Zusammenarbeit konzentriert sich derzeit auf folgende entwicklungspolitischen Schwerpunkte:

  • Ländliche Entwicklung (Landreform und regionale Wirtschaftsentwicklung, wird 2016 eingestellt)

  • Stärkung von Institutionen sozialer Sicherung, insbesondere der Aufbau des Gesundheitswesens (Qualitätssicherung der Gesundheitsdienstleistungen und Aufbau einer sozialen Krankenversicherung)

  • Förderung akzeptabler Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie

  • Darüber hinaus werden Vorhaben in der Querschnittsthematik "Gute Regierungsführung", Menschenrechte und Demokratieförderung durchgeführt (z.B. Förderung der Frauenrechte, Dezentralisierung und Verwaltungsreform, Aufbau des Rechnungshofs, Unterstützung des Khmer Rouge-Tribunals).

Der Verfall des Euro im Vergleich zum Dollar - Anfang 2014 erhielt man noch 1,37 US-Dollar für einen Euro - wirkt sich mittlerweile auch auf die deutsche und europäische Zusammenarbeit in Kambodscha aus, da die Budgets allein aufgrund des Wechselkurses innerhalb Jahresfrist um fast 25% sanken.

Armutsbekämpfung und nationale Entwicklungsanstrengungen

Ziele, Maßnahmen und Kosten der Armutsbekämpfung werden im Detail im aktuellen Nationalen Strategische Entwicklungsplan (NSDP) für die Jahre 2014 bis 2018 beschrieben. Die Regierung setzt auf arbeitsintensives Wachstum, ökonomische Diversifizierung und zunehmenden Handel einschließlich Exportwachstum. Allerdings stehen der Umsetzung der Maßnahmen nicht nur fiskalische Grenzen, sondern häufig vor allem Interessen einflussreicher politischer Akteure entgegen. Gebermittel, die nach wie vor großzügig gewährt werden, können dieses strukturelle Umsetzungsdefizit deshalb nur begrenzt ausgleichen, urteilte vor einigen Jahren der DED.

Entwicklungsorganisationen in Kambodscha

Mit der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sind beide staatlichen Durchführungsorganisationen der offiziellen Entwicklungszusammenarbeit in Kambodscha vertreten. Die Palette der GIZ ist breit gefächert, Projekte existieren u.a. im Landmanagement, in der Unterstützung der Verwaltungsreform/Dezentralisierung, die Förderung der Rechte der Frauen. Aus dem Portfolio des ehemaligen Deutschen Entwicklungsdiensts (DED) laufen Projekte in den Bereichen Demokratie, Zivilgesellschaft, öffentliche Verwaltung, Gesundheit, ländliche Entwicklung in der Region Kampot/Kampong Thom fort; auch der zivile Friedensdienst engagiert sich in Kambodscha. Weitere internationale Entwicklungspartner sind (u.a.):

  • Konrad-Adenauer-Stiftung: Projekte u.a. zur Verwaltungsreform/Dezentralisierung und Stärkung der Parteien;
  • Heinrich-Böll-Stiftung: Engagement u.a. im Umweltschutz und in der Frauenförderung;
  • Friedrich-Naumann-Stiftung: Aktivitäten in den Bereichen Politische Bildung, Qualifizierung und politische Beratung;
  • Friedrich-Ebert-Stiftung: Förderung von Dialogen kambodschanischer Führungspersönlichkeiten;
  • Europäische Union: Projekte u.a. in den Bereichen ländliche Entwicklung, Bildung und Ernährung; 
  • USAID, USA: Projekte zur politischen Partizipation und im Gesundheits- und Erziehungswesen;
  • Weltbank: insbesondere Finanzierung von Entwicklungsgroßprojekten;
  • Agence Française De Développement: Projekte u.a. in den Bereichen Bildung, Justizreform, Landwirtschaft;
  • DEZA, Schweiz: Engagement in den Bereichen ländliche Entwicklung und nachhaltige Nutzung der Ressourcen, gute Regierungsführung sowie wirtschaftliche Entwicklung mit Fokus auf der Privatsektorunterstützung;
  • Die NGO Oxfam ist mit verschiedenen Projekten in den Bereichen ländliche Entwicklung, Umwelt, Gender, Menschenrechte und Bildung vertreten.
  • Darüber hinaus bietet die Asian Development Bank wertvolle Informationen und Analysen zur Entwicklungszusammenarbeit mit Kambodscha.

Daneben haben sich zahlreiche lokale Nichtregierungsorganisationen etabliert. Die meisten bieten wichtige soziale Dienstleistungen, sind aber in der Regel von internationalen Gebern finanziell abhängig.

Steinkonservatoren bei der Arbeit
Die Bundesrepublik Deutschland fördert Konservierungsmaßnahmen im archäologischen Park Angkor. (Foto: Karbaum)

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Juni 2016 aktualisiert.

Der Autor

Markus Karbaum

Dr. Markus Karbaum ist Politologe und beschäftigt sich seit 2002 mit Kambodschas Regierungssystem und der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Transformation des Landes. Als selbständiger Gutachter und Berater arbeitet er im Auftrag nationaler und internationaler Organisationen.

Literaturhinweise

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