Brückenbau am Tonle Bassac mit Hilfe von Schwimmkränen
Geschätztes BIP (2015)
17,7 Milliarden US-$
Marktwirtschaftl. Status (129 Länder, BTI 2016)
96
Pro-Kopf-Einkommen (Kaufkraftparität, 2015)
2171 US-$
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient, 2012)
30,8
Anteil Armut (bis 1,15 US-$ pro Tag, 2012)
17,2%
Anteil Einkommensschwache (1,15-2,30 US-$ pro Tag)
55,5%
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 143 (von 188)

Wirtschaftsordnung

Entwicklung seit der Unabhängigkeit

Die Entwicklung der Wirtschaftsordnung Kambodschas ist im Kontext der Geschichte des Landes zu sehen. Die agrarische Struktur Kambodschas in Kombination mit dem Ausbleiben fast jeglicher Ansätze einer Industrialisierungspolitik behinderte die Entwicklung eines tragfähigen Wirtschaftssektors. Unter Prinz Norodom Sihanouk (1953-1970) blieb der Nassreisanbau das Fundament der bäuerlichen Subsistenzwirtschaft. Ab 1963 wurden einige größere Unternehmen (Banken, Versicherungen, Handelsgesellschaften) verstaatlicht, was der sozialistischen Ideologie der Staatspartei Sangkum Reastr Niyum entsprach. Ansätze einer Liberalisierungspolitik unter der pro-amerikanischen Regierung von Lon Nol (1970-1975) fielen der Involvierung des Landes im Vietnam-Krieg zum Opfer.

Die von den Roten Khmer unter Pol Pot fanatisch umgesetzte Doktrin wirtschaftlicher Autarkie und die damit einhergehende Kollektivierungspolitik resultierten in einen massiven Rückgang der Wirtschaftsleistung. Die Folgen der Zerstörung der Infrastruktur waren extrem und wirken bis in die Gegenwart nach. Auch unter der pro-vietnamesischen Regierung ab 1979 verbesserte sich die ökonomische Grundsituation kaum; der Außenhandel beschränkte sich fast ausschließlich auf die Sowjetunion und die Comecon-Staaten. Nach der Verfassungänderung 1989, die auch eine Umbenennung in "Staat Kambodscha" mit sich brachte, wurde erstmals wieder das Recht auf Privatbesitz und die Gründung privatwirtschaftlicher Unternehmen eingeführt. Außerdem wurden mit der Ausgabe von Landbesitzurkunden bis Juni 1991 insgesamt 3,7 Millionen Hektar Land in Privatbesitz übergeben, was mehr als 20% der gesamten Fläche Kambodschas entspricht.

Das Pariser Friedensabkommen von 1991 bildete nicht nur die Grundlage für einen umfassenden politischen Neuanfang, sondern leitete auch einen völligen Umbruch in der Außenwirtschaft ein, von der staatlichen Planwirtschaft zur marktwirtschaftlichen Ordnung, vom staatlichen zum privaten Außenhandel und von der Ost- zur Westausrichtung. Von Bedeutung war dabei vor allem 1991 die Umstellung auf den Handel in harter Währung, die zunächst eine Re-Orientierung des kambodschanischen Handels auf die asiatischen Märkte in der unmittelbaren Nachbarschaft (besonders Thailand, China/Hongkong, Singapur und Vietnam) nach sich zog. Durch den Beitritt zur Association of Southeast Asian Nations (ASEAN) 1999 und zur Welthandelsorganisation (WTO) im Jahr 2004 fand Kambodscha endgültig wieder Anschluss an den regionalen wie globalen Markt.

Makroökonomische Situation

Mit etwa 42% Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist der Dienstleistungssektor der wichtigste Wirtschaftszweig vor der Landwirtschaft (30%) und der Industrie (27%). Der größte regionale Wettbewerbsvorteil besteht in den geringen Personalkosten, was das Land auch weiterhin sehr attraktiv für arbeitsintensive Güterproduktionen wie Dienstleistungen erscheinen lässt. Kambodscha gehört mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von knapp 2200 US-Dollar (2015, kaufkraftbereinigt) in der UN-Klassifizierung weiterhin zur Gruppe der Least Developed Countries (LDC). Während diese Statusänderung wohl bis 2030 anhalten wird, wurde das Königreich durch die Weltbank aufgrund des anhaltend stabilen Wirtschaftswachstums, das zu einem Anstieg des nominalen BIP pro Kopf über den Grenzwert von 1025 US-Dollar führte, zum 1. Juli 2016 als Lower Middle Income Country neu klassifiziert.

Wohl gerade aufgrund des stetigen Wachstums um regelmäßig sieben Prozent p.A. wurden in den letzten Jahren allerdings grundlegende Reformen nicht für notwendig erachtet. Durch erhebliche Handelserleichterungen der Europäischen Union und massive Geberunterstützung unterliegt Kambodschas Wettbewerbsfähigkeit allerdings nur begrenzt marktwirtschaftlichen Bedingungen, was sich in einigen Jahren bitter rächen könnte. Neben fehlenden rechtsstaatlichen Strukturen sind dafür vor allem ein sehr geringes Reservoir an qualifizierten Facharbeitern, hohe Energiekosten und eine unzureichende Verkehrsinfrastruktur ausschlaggebend. Außerdem haben lokale wie internationale Unternehmen häufig mit sehr langsamen und gleichzeitig extrem korruptionsanfälligen Behörden zu kämpfen, die sich immerhin als langfristiges Ziel Compliance-Standards nach dem Vorbild Singapur gesetzt haben. Aktuell schneidet Kambodscha aber sowohl im Doing Business-Vergleichsindex 2018 als auch im Global Competitiveness Report 2017-2018 noch deutlich schlechter als die unmittelbaren Nachbarn Thailand und Vietnam ab.

Aktuelle Analysen und Daten zur makroökonomischen Situation werden nicht nur durch die Bertelsmann-Stiftung, sondern vor allem auch von verschiedenen internationalen Organisationen aufbereitet, zum Beispiel

Rahmenbedingungen

Finanzpolitik und Kapitalmarkt

Kambodscha hat in den letzten Jahren von einer kontinuierlichen fiskalpolitischen Stabilisierung profitiert. Das Steueraufkommen wuchs zwischen 2010 und 2015 von zehn Prozent auf 15,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, und im Haushaltsjahr 2016 tragen die steigenden Ausgaben nach Angaben der Weltbank einen nicht unerheblichen Teil zum Wirtschaftswachstum von rund sieben Prozent bei. Die Währungsreserven sind von 5,6 Milliarden US-Dollar (2015) über 6,8 Milliarden US-Dollar (2016) auf 7,5 Milliarden US-Dollar (2017) gestiegen und sollen 2018 knapp 7,9 Milliarden US-Dollar betragen. Nachdem die Inflation seit Herbst 2016 kontinuierlich anstieg und zwischenzeitlich über vier Prozent betrug, ist sie seit April 2017 wieder in moderate Bereiche zurückgekehrt. Die Landeswährung Riel liegt weiter konstant bei rund 4000 Riel zu einem US-Dollar. 

Der Bankensektor besteht im Wesentlichen aus der Zentralbank, 47 Geschäftsbanken (36 allgemeine und 13 spezialisierte Banken) und 34 Mikrofinanzinstituten, darunter einige internationale Banken. Die Bankeneinlagen wuchsen 2016 um fast 22 Prozent auf 13,9 Milliarden US-Dollar, was fast an das Kreditvolumen mit 14 Milliarden US-Dollar heranreicht. Die Staatsverschuldung lag im Juni 2016 bei 5,7 Milliarden US-Dollar (oder 31%) des Bruttoinlandsprodukts.  Bargeld und Sichteinlagen erhöhten sich von 2013 auf 2014 um 29 Prozent auf 6,3 Billionen Riel, während das gesamte inländische Kreditvolumen (Privatsektor) nach ADB-Angaben um 31 Prozent auf 36,2 Billionen Riel anstieg. Durch die hohe Dollarisierung der kambodschanischen Volkswirtschaft (rund 84%) fällt die Nationalbank zwar als Kreditgeber letzter Instanz de facto aus, ist aber immerhin in der Lage, Preisstabilität zu gewährleisten. Weitere Faktoren, die den Kapitalmarkt beeinträchtigen, bestehen aus einem fehlenden Interbankenhandel und einem stetig wachsenden Kreditbedarf, dem allein durch inländisches Kapital nicht entsprochen werden kann. Auch die internationale Reputation von Kambodschas Finanzsektor bleibt auf niedrigstem Niveau: Laut Basel AML Index 2017 ist das Risiko von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung nur in acht anderen weltweit größer als in Kambodscha.

Die Staatsquote ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, liegt mit geschätzten 24,7% Prozent des Bruttoinlandsprodukts (2018) im Vergleich zu den entwickelten Volkswirtschaften Europas aber noch recht niedrig. Der Staatsaushalt beträgt im Fiskaljahr 2017 gut fünf Milliarden US-Dollar (+16%), der zu einem Fünftel durch ausländische Kredite getragen wird. Der Entwurf für den Etat 2018 sieht Ausgaben von über sechs Milliarden US-Dollar vor. Das Bildungsressort soll mit 848 Millionen US-Dollar über den größten Einzeletat verfügen, gefolgt vom Ministerium für Verkehr mit 610 Mio. US-Dollar und der Verteidigung (542 Mio. US-Dollar). Der Haushalt 2018 soll mit Krediten über 1,4 Milliarden US-Dollar bestritten werden, was Kambodschas Gesamtverschuldung bis Ende 2018 auf 7,6 Milliarden US-Dollar steigen lassen wird. Insgesamt ist Kambodscha, das aufgrund einer sehr geringen Bonitätsbewertung de facto vom internationalen Devisenmarkt abgeschnitten ist, mit rund einem Drittel des Bruttoinlandsprodukts verschuldet. Größter Gläubiger mit 80 Prozent aller Verbindlichkeiten ist die Volksrepublik China.

Infrastruktur und Verkehrswesen

Straße im ländlichen Kambodscha
Fast 75 Prozent der kambodschanischen Straßen waren 2013 nicht asphaltiert. (Foto: Bruno Schoonbrodt, CC BY-NC 2.0)

Kambodscha hat in den letzten Jahren enorme Anstrengungen für den Ausbau seiner Verkehrsinfrastruktur unternommen. Allein seit 2012 sind mehr als drei Viertel des nationalen Straßennetzes (mehr als 5600 km) instandgesetzt worden. Die verkehrsinfrastrukturellen Defizite sind allerdings nach wie vor erheblich. Insbesondere die Transportkosten sind im regionalen Vergleich kaum konkurrenzfähig und bedingen in den kommenden Jahren weitere erhebliche Investitionen. 2013 waren nur ein Viertel des gut 47.000 Kilometer umfassenden Straßennetzes asphaltiert. Es existieren nur zwei Bahnlinien: einerseits von Phnom Penh über Pursat und Battambang nach Poipet sowie andererseits von der Hauptstadt über Takeo und Kampot nach Sihanoukville. Hinderlich für die Integration in den Welthandel ist außerdem das Fehlen eines Tiefseehafens, was durch den erleichterten Zugang zum Hafen von Saigon im Rahmen der ASEAN-Freihandelszone in Zukunft ein wenig aufgefangen werden dürfte. 

Bis 2018 soll ein Logistik- und Verkehrsmasterplan erstellt werden, in dem die weitere Gestaltung der drei volkswirtschaftlichen Hauptkorridore (von der Hauptstadt Phnom Penh jeweils nach Poipet, Sihanoukville und Bavet) präzisiert werden soll. Außerdem sollen die Leistungsfähigkeit der Special Economic Zones optimiert und Industriecluster geplant werden, um die Attraktivität für ausländische Direktinvestitionen zu erhöhen. Langfristig strebt Kambodscha die vollständige Integration in die Hauptverkehrswege der Greater Mekong Subregion an, weitere Schübe werden durch die Förderungen des chinesischen Großprojekts „Neue Seidenstraße“ (Englisch: Belt and Road Initiative, kurz B&R) erwartet, das in den nächsten Jahren maßgeblich zum Aufbau der Verkehrsinfrastruktur beitragen soll. 

Außenwirtschaft

ASEAN-Logo
Kambodscha gehört seit 1999 der Association of Southeast Asian Nations an.

Kambodscha hat 2016 Güter im Wert von 12,3 Milliarden US-Dollar importiert und für gut 10 Milliarden US-Dollar ausgeführt. Das Defizit im Leistungsbilanzsaldo (2015 lag es bei 10,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts) wird dabei durch einen fast ebenso hohen Kapitalzufluss an dringend benötigten ausländischen Direktinvestitionen (2016 laut Weltbank rund 1,6 Mrd. US-Dollar und rund zehn Prozent des BIP) gegenfinanziert.

Mehr als 90% aller Exporte fallen unter Handelserleichterungen nach dem Generalized System of Preferences. Die Bekleidungsindustrie bildet mit Ausfuhren im Wert von 6,3 Milliarden US-Dollar weiterhin das Rückgrat des kambodschanischen Außenhandels und den wichtigsten Faktor für den stetigen Wohlstandsgewinn. Wichtigster Markt ist und bleibt die Europäische Union, wo 2016 durch Ausfuhren dank der Everything But Arms-Regelung mehr als vier Milliarden US-Dollar erwirtschaftet wurden. Zweitwichtigster Absatzmarkt sind die USA (2,1 Mrd. US-Dollar), während die meisten Importe weiterhin aus der Volksrepublik China (4,6 Mrd. US-Dollar) kommen, noch vor Thailand (1,9 Mrd. US-Dollar) und Vietnam (1,4 Mrd. US-Dollar). Neben Rohmaterialien für die Schuh- und Textilindustrie führt Kambodscha außerdem Fahrzeuge und Mineralöl ein. Deutschland, vor Ort vor allem durch den Arbeitskreis Deutsche Wirtschaft sichtbar, ist mit einem Anteil von neun Prozent (2016) Kambodschas drittgrößtes Zielland für Exporte unter den Einzelstaaten (hinter den USA mit 21,3% und Großbritannien mit 9,5%).

Auf Kambodscha kommen in den nächsten Jahren erhebliche Herausforderungen zu, da sich die Rahmenbedingungen im Handel deutlich verändern werden und auch der Wegfall der EU-Handelserleichterungen langfristig wahrscheinlich ist. Vor allem die Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu Vietnam könnte sich aufgrund des vereinbarten Freihandelsabkommens zwischen Vietnam und der EU weiter verringern. Durch die politische Öffnung Myanmars ist in Thailand wiederum das Arbeitskräfteangebot deutlich gestiegen, was aufgrund der höheren Produktivität burmesischer Arbeitnehmer im Vergleich zu ihren kambodschanischen Kollegen sich auch auf letztere auswirken dürfte. Die Implikationen daraus sind jedenfalls gewaltig: Sollte Kambodscha in den nächsten Jahren nicht wesentliche Fortschritte in der Wettbewerbsfähigkeit der verarbeitenden Industrie – dem Schlüsselsektor für den Außenhandel – erzielen, wird es kaum noch Produkte, aber dafür Arbeitskräfte exportieren (müssen). 

Dagegen hat die am 31. Dezember 2015 in Kraft getretene südostasiatische Freihandelszone aufgrund des geringen intraregionalen Handels (von dem Dienstleistungen und Investitionen im Unterschied zu Gütern bisher ausgeschlossen sind) noch keine spürbaren Auswirkungen gezeigt. Doch das dürfte nicht lange so bleiben: Bis 2025 soll durch den Abbau tarifärer und nicht-tarifärer Handelshemmnisse  ein gemeinsamer Markt ähnlich der EU etabliert werden – eine große Herausforderung für einen Staat mit noch schwachen Institutionen wie Kambodscha. Daneben wird der Wegfall von Importzöllen für Güter und Dienstleistung aus den anderen Mitgliedsländern das Land zwingen, alternative Einnahmequellen zu erschließen. Auch die Frage der Wettbewerbsfähigkeit und des Schutzes der einheimischen Klein- und mittelständischen Unternehmen stellt sich nunmehr deutlicher als in den Jahren zuvor und soll in erster Linie mit Investitionen in den Bildungsbereich und die Infrastruktur beantwortet werden.

Wirtschaftssektoren

Agrarwirtschaft

Bauern bei der Reisernte
Drei Viertel aller Kambodschaner leben von der Landwirtschaft. Hauptanbauprodukt ist Reis, der auf den meisten Feldern einmal pro Jahr geerntet wird. (Foto: Isabel M. Lichtnau)

Die Landwirtschaft, in der immerhin 45 Prozent der 8,2 Millionen Erwerbstätigen arbeiten und rund 30 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beisteuern, bleibt das große Sorgenkind der kambodschanischen Volkswirtschaft. Seit 2014 ist der Beitrag des Primärsektors zum Wirtschaftswachstum auf unter 0,5 Prozent gesunken. Wichtigstes Erzeugnis bleibt Reis, der aufgrund unzureichender Bewässerungsanlagen in den allermeisten Landesteilen nur einmal im Jahr nach der Regenzeit geerntet wird. Die Rekordernte von 9,4 Millionen Tonnen im Jahr 2013 wurde danach nicht mehr erreicht, 2015 lag sie aufgrund der Auswirkungen des Wetterphänomens El Niño bei rund 9,2 Millionen Tonnen. Außerdem wurden lediglich 538.000 Tonnen Reis anstatt der anvisierten eine Million Tonnen exportiert, was 2016 nur unwesentlich gesteigert wurde. Immerhin gab es in dem Jahr wieder ein signifikantes Ertragswachstum (plus 5,3%), obwohl die Erträge aus der Trockenzeit – wo zweifellos das größte Wachstumspotential liegt – zuletzt stagnierten.

Größter Absatzmarkt für kambodschanischen Reis ist zurzeit noch die EU, wohin im abgelaufenen Jahr 63 Prozent der gut 540.000 Tonnen exportiert wurde. Angesichts neuer Bestimmungen zur Verwendung von Tricyclazol in Pflanzenschutzmitteln, das im Laufe des Jahres auf ein Hundertstel der bisher erlaubten Menge zurückgefahren werden muss, ist aktuell unklar, ob kambodschanischer Reis weiterhin den europäischen Qualitätsstandards entsprechen wird und somit noch in der EU verkauft werden kann. Hinzu kommen andere Aspekte, wodurch der zoll- und quotenfreie Export von kambodschanischen Reis in die EU mittlerweile in Frage gestellt wird.

Gleichzeitig erfüllen immer mehr Reismüller die chinesischen Importbestimmungen, wodurch sich neue Chancen ergeben - für 2018 wurde die Importquote um 50 Prozent auf 300.000 Tonnen erhöht. Im Vergleich zu seinen unmittelbaren Nachbarn produziert Kambodscha Reis deutlich teurer, was durch die generell hervorragende Qualität nur teilweise ausgeglichen werden kann. Der Mangel an Lagerkapazitäten, hohe Energie- und Transportkosten und der fehlende Zugang der in Subsistenzwirtschaft tätigen Bauern zu zinsgünstigen Notkrediten bei Dürren oder Überschwemmungen stellen weitere zentrale politische Herausforderungen dar, die unabhängig von den Turbulenzen am Weltmarkt angegangen werden müssen – vor allem mit chinesischer Unterstützung.

Die Zukunft der kambodschanischen Landwirtschaft dürfte wohl weniger in der Steigerung von Effizienz und Masse, sondern in der Herstellung hochwertiger Güter liegen. Biologischer Anbau von Reis, Pfeffer und anderen landwirtschaftlichen Produkten kann vor allem den Export beflügeln. Dass sich die allermeisten Kambodschaner diese teureren Produkte selbst nicht leisten können und damit eine hauptsächlich auf internationale Märkte ausgerichtete Agrarwirtschaft die Ernährungssicherheit im Inland tangieren könnte, ist die Kehrseite dieser Perspektive.

Dienstleistungen

Neben Landwirtschaft, Bekleidungsindustrie und Baugewerbe ist der Tourismus das vierte Standbein der kambodschanischen Volkswirtschaft. 2016 kamen fünf Millionen Gäste (plus 5,0%) nach Kambodscha, wodurch das Land rund 3,4 Milliarden US-Dollar einnahm und Arbeitsplätze für mehr als 600.000 Kambodschaner bereithält. Bis 2020 soll die Besucherzahl auf sieben Millionen gesteigert werden, in erster Linie durch chinesische Touristen, da Gäste aus Europa mit nur 15 Prozent nur geringfügig ins Gewicht fallen. Doch gerade die Chinesen kommen bisher in der Regel mit organisierten Budgetreisen ins Land, die vergleichsweise wenig Umsatz abwerfen.

Ein generelles Ziel besteht darin, den Aufenthalt internationaler Besucher im Land zu verlängern, der sich häufig auf Siem Reap beschränkt und der seit 2004 konstant zwischen sechs und sieben Tagen pro Gast liegt. 2016 empfing der archäologische Park Angkor rund 5 Millionen Besucher, davon in etwa 2,2 Millionen internationale Gäste. Der Wachstum fiel in den letzten Jahren nur noch geringfügig aus, der in und um Siem Reap auch zukünftig trotz einiger renommierter Auszeichnungen als eine globale Top-Destination nur schwer zu steigern sein dürfte. Neben der Hauptstadt Phnom Penh sind weitere touritsiche Reiseziele für westliche Gäste vor allem die Küste im Süden, in erster Linie die Strände und Inseln von Sihanoukville, sowie für asiatische Reisende die zahlreichen Casinos, auch im kleinen Grenzverkehr in Poipet an der Grenze zu Thailand und Bavet an der Grenze zu Vietnam. 

Über den Tourismus hinaus stellt Kambodschas Dienstleistungssektor keine internationale Relevanz dar, vor allem Call-Center operieren bisher kaum aus dem Land. Mit 42,4 Prozent stellte der tertiäre Sektor 2014 dennoch den größten Anteil am Bruttoinlandsprodukt (2013: 40,8%) und wuchs im selben Zeitraum um 8,7 Prozent.

Bergbau und Energie

Kabelsalat
Nicht nur ein konkretes, immer wieder auftauchendes Problem der unprofessionellen Verkabelung, sondern wohl auch ein Sinnbild für die gesamte Elektrifizierung Kambodschas. (Foto: Michael Coghlan, CC BY-SA 2.0)

Die Förderung von Rohstoffen ist in Kambodscha noch weitgehend unterentwickelt. In erster Linie werden Materialien gewonnen, die im Hoch- und Tiefbau benötigt werden, zum Beispiel Laterit, Marmor, Granit, Kalkstein und Kies. Außerdem wird aus den Flüssen Sand abgebaut, der zu 99% illegal exportiert wird. Die Provinzen Pailin und Ratankkiri sind für ihre Edelsteine bekannt, überwiegend Rubine und Saphire. Es gilt als gesichert, dass Kambodscha noch über nennenswerte Vorkommen an Kupfer, Gold, Eisenerz, Zink, Blei, Zinn, Bauxit und Kaolin verfügt.

Internationale Unternehmen – überwiegend aus China, Korea, Vietnam und Australien – waren in den letzten Jahren vor allem mit wissenschaftlichen Untersuchungen beschäftigt und dürften in den nächsten Jahren die Hauptakteure in Kambodschas Bergbauindustrie werden. Entsprechende Lizenzen wurden bisher im Umfang von rund 2,3 Millionen Hektar (12,7% der Gesamtfläche) erteilt, überwiegend in dünnbesiedelten Regionen im Norden und Osten des Landes. Allerdings wird nur in einem kleinen Teil davon bereits aktiv Bergbau betrieben. Die Exploration von Öl (schätzungsweise rund zwei Milliarden Barrel) und Gas (bis zu 28 Milliarden Kubikmeter) im Golf von Thailand soll nach jahrelangen Verzögerungen nun im Jahr 2019 beginnen mit zunächst 8.000-10.000 Barrel pro Tag.

Kambodscha gehörte im November 2016 zu den 48 Entwicklungsländern, die sich in einer gemeinsamen Erklärung verpflichteten, ab 2050 ihren Energiebedarf vollständig aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen. Auf dem Weg dorthin setzt Kambodscha weiterhin auf Kohlekraftwerke; erst im Februar 2017 wurde ein Auftrag an einen japanischen Konzern vergeben, bis Ende 2019 in Sihanoukville ein Kraftwerk mit einer Leistung von 150 Megawatt zu errichten. Ein weiterer Schwerpunkt zur Deckung des enormen Energiebedarfs liegt in der Wasserkraft, die im Norden Kambodschas ab 2019 durch den Lower Sesan II-Damm mit einer Gesamtleistung von 400 Megawatt erfolgen soll. Bis 2022 will Kambodscha insgesamt 11,1 Terawattstunden Elektrizität produzieren. Stromimporte sind auch deswegen weiter rückläufig und betrugen 2015 nur noch 1,54 Milliarden Kilowattstunden (24,9% des Gesamtverbrauchs).

Bis zur Erreichung der hochgesteckten Ziele (2014 gab Premierminister Hun Sen das ambitionierte Ziel vor, bis 2020 alle Dörfer und zehn Jahre später 70 Prozent aller Haushalte mit Strom versorgen zu wollen) bleibt aber noch sehr viel zu tun: Neben den unzureichenden Produktionskapazitäten und den dezentralen Netzen müssen noch zahlreiche weitere Herausforderungen gelöst werden. Unter den regenerativen Energiequellen dominiert mit weitem Abstand Wasserkraft. Auf Solarenergie wird trotz hervorragender klimatischer Voraussetzungen noch so gut wie gar nicht gesetzt, in erster Linie aufgrund eines Mangels an Finanzierungsbereitschaft.

Verarbeitende Industrie

Aufgrund hoher Energiekosten und einer geringen Zahl an Facharbeitern bleibt die Textilbranche der wichtigste Zweig der verarbeitenden Industrie Kambodschas, die insgesamt 27,1 Prozent (2014) zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt. In den rund 700 exportorientierten Fabriken arbeiten etwa 700.000 Näherinnen (der Frauenanteil liegt bei 90%), die 2016 nach Angaben des Handelsministeriums Exporte in Höhe von 6,6 Milliarden US-Dollar erwirtschafteten. Das Wachstum fiel von 12,3 Prozent (2015) auf nur noch 8,4 Prozent, was angesichts der immer geringer werdenden ausländischen Direktinvestitionen in diesen Industriezweig (2012: 490 Mio. USD, 2016: 160 Mio. USD) aber nicht ungewöhnlich ist. Die Umsätze der Schuhindustrie wuchsen um 15,6 Prozent auf 763 Millionen US-Dollar. Beide Industriezweige zusammengenommen trugen 2016 mehr als 36 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Problematisch bleibt die Notwendigkeit, sämtliche Rohstoffe und Bestandteile – auch Knöpfe und Reißverschlüsse – importieren zu müssen, in aller Regel per Luftfracht.

Arbeitskämpfe sind in den letzten zwei Jahren nach den dramatischen Ereignissen im Januar 2014 seltener geworden, obwohl die Zersplitterung der Gewerkschaftslandschaft (es existieren mehr als 3000, von denen die wenigsten unabhängige Interessenvertreter der Arbeiterschaft sind) und der Mangel an kollektiven Verhandlungsmechanismen problematisch bleiben. In diesem Zusammenhang kritisieren viele nationale wie internationale Organisationen die Arbeitsbedingungen und die oft unzureichende Einhaltung von Arbeitnehmerrechten. Im März 2015 kritisierte Human Rights Watch die Missstände in vielen Fabriken und wies dabei auch auf die Verantwortung der Regierung und der großen Schuh- und Textilmarken, die in Kambodscha produzieren lassen, hin. Immerhin stieg der Mindestlohn zum 1. Januar 2018 von 153 US-Dollar auf 170 US-Dollar im Monat für eine Vollzeitstelle bei 48 Wochenstunden – 2012 lag er noch bei 61 US-Dollar.

Obwohl Kambodscha angesichts weiterer Lohnerhöhungen, die als überaus wahrscheinlich gelten, mittelfristig seinen Status als Niedrigstlohnland zu verlieren droht, gilt die Textil- und Bekleidungsindustrie zumindest in den nächsten fünf Jahren noch als gesichert, da führende internationale Mode- und Sportartikelkonzerne am Produktionsstandort Kambodscha weiter festhalten wollen. Dennoch plant Kambodschas Regierung bereits eine grundlegende Transformation „from a laborintensive industry to a skill-driven industry” bis 2025. Dies soll fast ausschließlich durch die Akquisition ausländischer Direktinvestitionen finanziert werden. Ein Paradebeispiel sowohl für das Potential des Landes als auch für die nach wie vor großen Herausforderungen ist die stetig wachsende Fahrradindustrie, die erst seit 2006 existiert. Obwohl mit ihr 2013 knapp 424 Millionen US-Dollar (rund 4% aller Ausfuhren) erlöst wurden und Kambodscha zum zweitgrößten Exporteur in die EU hinter Taiwan aufstieg, beruht die vorgebliche Erfolgsstory fast ausschließlich auf den Handelserleichterungen nach der „Everything But Arms“-Regelung. Die könnten bereits 2017, spätestens aber 2020 wegfallen, da Kambodscha nach wie vor nicht in der Lage ist, den notwendigen Vorgaben zu entsprechen und mindestens 30 Prozent eines Fahrrads mit eigenen Materialien herzustellen.

Menschen auf einem Pritschenwagen
Tagtäglich bringt eine dreistellige Anzahl dieser Pritschenlaster die Näherinnen in die Textil- und Schuhfabriken in und um Phnom Penh. Ob es sich hierbei um eine sichere Anfahrt handelt, darf man getrost verneinen. (Foto: Asian Development Bank, CC BY-NC-ND 2.0)

Hochbau

Vattanac Capital Tower
Der Vattanac Capital Tower dominiert mit seinen 39 Stockwerken die Skyline von Phnom Penh. Das Design des Wolkenkratzers wurde von den mythischen Nagas und Drachen inspiriert. (Foto: Michael Coghlan, CC BY-SA 2.0)

Am sichtbarsten wird Kambodschas Wirtschaftswachstum wahrscheinlich durch die zahllosen Bauprojekte nicht nur in der Hauptstadt Phnom Penh. Während 2014 noch 2,5 Mrd. US-Dollar und ein Jahr später schon 3,3 Mrd. US-Dollar (plus 33%) investiert wurden, stieg das Volumen im Jahr 2016 auf 8,5 Milliarden US-Dollar (plus 156%) an. Auch wenn einige Investoren den Kapitalbedarf für ihre Bauprojekte vorsätzlich deutlich zu hoch ansetzen und nicht alle der gut 2.600 genehmigten Bauprojekte realisiert werden dürften: Schon seit Jahren wird die Gefahr einer Immobilienblase diskutiert, da Wohn- und Geschäftsraum weit über dem Bedarf geschaffen wird - gleichzeitig hat sozialer Wohnungsbau (noch) keine Priorität.

Die Ursachen für Kambodschas beispiellosen Bauboom sind jenseits der Landesgrenzen zu suchen: In aller Regel handelt es sich um internationale Investoren, die durch Bauaktivitäten in ihrer Heimat Steuern sparen können. Darüber hinaus dürften auch die Dauerniedrigzinsen in der EU und den USA durchaus eine - wenn auch indirekte - Rolle spielen. Selbst wenn schon sich leicht verändernde weltwirtschaftliche Rahmenbedingungen dafür sorgen können, dass die meisten Projekte vielleicht doch nicht realisiert werden, winkt die kambodschanische Regierung schon mit dem nächsten Anreiz: Ausländern soll es demnächst gestattet sein, in Sihanoukville nicht nur Immobilien ab der ersten Etage zu besitzen, sondern auch das Land, auf dem sie stehen.

Armut

Aufgrund des wirtschaftlichen Aufschwungs der letzten zwei Jahrzehnte leben immer weniger Kambodschaner unter der nationalen Armutsgrenze. Wie viele dies sind, hängt u.a. von der jeweiligen Definition und den Parametern, die zur Messung zugrunde gelegt werden, ab. Obwohl weder verlässliche Daten noch einheitliche Berichtstrends vorliegen, dürften in Kambodscha wohl noch rund ein Drittel bis ein Viertel der Bevölkerung von extremer Armut betroffen sein. Preise für Grundnahrungsmittel sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen, wodurch durchschnittlich rund zwölf Prozent aller Haushalte Probleme mit der Lebensmittelversorgung haben. Armut in Kambodscha ist facettenreich: Viele Heranwachsende sind aufgrund von Mangelernährung weiterhin im Wachstum gestört, die Kindersterblichkeit liegt bei rund 3,4 Prozent der unter-einjährigen Kinder. Das Durchschnittsalter beträgt derzeit 25 Jahre, der Alphabetisierungsgrad liegt bei 74 Prozent. Der kambodschanische Staat ist weiterhin schwach - die Staatsquote hat sich um 21 Prozent eingependelt - und bietet seinen Menschen keine erwähnenswerte soziale Sicherung. Außerdem bleibt vielen Menschen der Zugang zu ärztlicher Versorgung und Bildungseinrichtungen oftmals versperrt.

In der aktuellen Rangliste der Vereinten Nationen zum Entwicklungsstand belegt Kambodscha Rang 136 von 187 Nationen. In Kambodscha selbst sind die Armutsraten regional unterschiedlich verteilt. Während im Zentrum und im Süden durchschnittlich weniger Menschen von extremer Armut betroffen sind, leiden die Provinzen Siem Reap - die Heimstätte von Angkor Wat und jährlich mehr als zwei Millionen Touristen - und Pailin an der Grenze zu Thailand unter besonders hohen Armutsraten. Dennoch: Nach Berechnungen der Weltbank hat sich die Armut in Kambodscha in den letzten Jahren deutlich reduziert. Während 2004 noch 53,2 Prozent aller Menschen unter der nationalen Armutsgrenze lebten, sollen es 2011 nur noch 20,5% gewesen sein. Das bedeutet, dass immer noch rund drei Millionen Menschen tagtäglich weniger als 1,15 US-Dollar zur Verfügung haben, weitere 8,1 Millionen Menschen können zumindest auf das, aber auf weniger als 2,30 US-Dollar zurückgreifen.

Korruption

ACU-Beschwerdebriefkasten
Der Beschwerdebriefkasten der Anti-Korruptionsbehörde nimmt trotz eines objektiven Bedarfs nur eine symbolische Bedeutung ein. (Foto: Karbaum)

Kambodschas Wirtschaft ist heute formal marktwirtschaftlich ausgerichtet und unterliegt kaum staatlichen Restriktionen. Jedoch ist der Wirtschaftsprozess de facto weiterhin durch einen hohen Korruptionsgrad, den höchsten in der Region, und die maßgebliche Involvierung des Militärs und hoher politischer Funktionsträger geprägt, die nicht selten im halblegalen oder illegalen Bereich operieren. Es existieren keine Anti-Kartell-Gesetze, die größten Unternehmer Kambodschas unterhalten überdies sehr enge Beziehungen zur Regierung. Die Durchsetzung von Unternehmensinteressen durch Polizei und Militär, eine weitgehende Befreiung von Besteuerung und Schutz vor Strafverfolgung sind Gegenleistungen für die Finanzierung der Parteikasse oder von der Regierung initiierte soziale Projekte. Die Streitkräfte sind nach wie vor in die illegale Rodung von Tropenwäldern involviert, obwohl jeglicher kommerzieller Holzeinschlag seit 2002 verboten ist. Der Schmuggel von Tropenhölzern erfolgt weiterhin in bedeutendem Umfang, vor allem über die Grenze zu Thailand und nach China.

Korruption umfasst alle Lebensbereiche und wird von den Kambodschanern selbst als "puk ruluoy" – morsches oder verrottetes Holz – bezeichnet. Informelle Gebühren werden bei den allermeisten Behördenkontakten fällig, sei es bei Verkehrskontrollen, Bauanträgen oder vor Gericht. Korruption steht nicht nur der wirtschaftlichen Prosperität im Weg, sondern versperrt vielen Menschen den Zugang zu Bildung und Gesundheit. Vor allem "Sonderzahlungen" an Lehrer durch Eltern und Schüler sind weit verbreitet und setzen Aufstiegschancen von Kindern aus ärmeren Bevölkerungsschichten enge Grenzen.

2010 wurde zwar nach mehr als zehn Jahren Diskussion endlich ein Anti-Korruptions-Gesetz verabschiedet und eine Behörde installiert, die sich allein mit dem Kampf gegen alle möglichen Formen von Korruption beschäftigen soll. Große Erfolge sind bisher noch ausgeblieben, was angesichts des systematischen Charakters von Korruption in Kambodscha nicht überrascht.

Entwicklung

Abhängigkeit von Entwicklungshilfe

Wie sonst nur wenige andere Länder der Welt ist Kambodscha seit Jahrzehnten von Entwicklungstransfers abhängig. Rund die Hälfte des Staatsbudgets wird von der internationalen Gebergemeinschaft getragen, in den 1980er Jahren durch den Ostblock, danach vor allem durch die großen OECD-Staaten. 1992 wurde die deutsche EZ mit Kambodscha wieder aufgenommen, nachdem die Zusammenarbeit seit 1969 aufgrund des Abbruchs der diplomatischen Beziehungen mit der Bundesrepublik Deutschland suspendiert worden war. Kambodscha ist ein Schwerpunktpartnerland deutscher Entwicklungskooperation, wobei Deutschland zu den größten bilateralen Gebern gehört.

Die kambodschanisch-deutsche Zusammenarbeit konzentriert sich derzeit auf folgende entwicklungspolitischen Schwerpunkte:

  • Ländliche Entwicklung (Landreform und regionale Wirtschaftsentwicklung, wurde 2016 eingestellt)

  • Stärkung von Institutionen sozialer Sicherung, insbesondere der Aufbau des Gesundheitswesens (Qualitätssicherung der Gesundheitsdienstleistungen und Aufbau einer sozialen Krankenversicherung)

  • Förderung akzeptabler Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie

  • Darüber hinaus werden Vorhaben in der Querschnittsthematik "Gute Regierungsführung", Menschenrechte und Demokratieförderung durchgeführt (z.B. Förderung der Frauenrechte, Dezentralisierung und Verwaltungsreform, Aufbau des Rechnungshofs, Unterstützung des Khmer Rouge-Tribunals).

 

Armutsbekämpfung und nationale Entwicklungsanstrengungen

Ziele, Maßnahmen und Kosten der Armutsbekämpfung werden im Detail im aktuellen Nationalen Strategische Entwicklungsplan (NSDP) für die Jahre 2014 bis 2018 beschrieben. Die Regierung setzt auf arbeitsintensives Wachstum, ökonomische Diversifizierung und zunehmenden Handel einschließlich Exportwachstum. Allerdings stehen der Umsetzung der Maßnahmen nicht nur fiskalische Grenzen, sondern häufig vor allem Interessen einflussreicher politischer Akteure entgegen. Gebermittel, die nach wie vor großzügig gewährt werden, können dieses strukturelle Umsetzungsdefizit deshalb nur begrenzt ausgleichen, urteilte vor einigen Jahren der DED.

 

Entwicklungsorganisationen in Kambodscha

Mit der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sind beide staatlichen Durchführungsorganisationen der offiziellen Entwicklungszusammenarbeit in Kambodscha vertreten. Die Palette der GIZ ist breit gefächert, Projekte existieren u.a. im Landmanagement, in der Unterstützung der Verwaltungsreform/Dezentralisierung sowie der Förderung der Rechte der Frauen. Aus dem Portfolio des ehemaligen Deutschen Entwicklungsdiensts (DED) laufen Projekte in den Bereichen Demokratie, Zivilgesellschaft, öffentliche Verwaltung, Gesundheit und ländliche Entwicklung in der Region Kampot/Kampong Thom fort; auch der zivile Friedensdienst engagiert sich in Kambodscha. Weitere internationale Entwicklungspartner sind (u.a.):

  • Heinrich-Böll-Stiftung: Engagement u.a. im Umweltschutz, in der Frauenförderung und Zivilgesellschaft;
  • Friedrich-Naumann-Stiftung: Aktivitäten in den Bereichen Politische Bildung, Qualifizierung und politische Beratung;
  • Friedrich-Ebert-Stiftung: Förderung von Dialogen kambodschanischer Führungspersönlichkeiten;
  • Konrad-Adenauer-Stiftung: Projekte u.a. zur Verwaltungsreform/Dezentralisierung und Stärkung der Parteien;
  • Europäische Union: Projekte u.a. in den Bereichen ländliche Entwicklung, Bildung und Ernährung; 
  • USAID, USA: Projekte zur politischen Partizipation und im Gesundheits- und Erziehungswesen;
  • Weltbank: insbesondere Finanzierung von Entwicklungsgroßprojekten;
  • Agence Française De Développement: Projekte u.a. in den Bereichen Bildung, Justizreform, Landwirtschaft;
  • DEZA, Schweiz: Engagement in den Bereichen ländliche Entwicklung und nachhaltige Nutzung der Ressourcen, gute Regierungsführung sowie wirtschaftliche Entwicklung mit Fokus auf der Privatsektorunterstützung;
  • Die NGO Oxfam ist mit verschiedenen Projekten in den Bereichen ländliche Entwicklung, Umwelt, Gender, Menschenrechte und Bildung vertreten.
  • Darüber hinaus bietet die Asian Development Bank wertvolle Informationen und Analysen zur Entwicklungszusammenarbeit mit Kambodscha.

Daneben haben sich zahlreiche lokale Nichtregierungsorganisationen etabliert. Die meisten bieten wichtige soziale Dienstleistungen, sind aber in der Regel von internationalen Gebern finanziell abhängig.

Steinkonservatoren bei der Arbeit
Die Bundesrepublik Deutschland fördert Konservierungsmaßnahmen im archäologischen Park Angkor. (Foto: Karbaum)

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im November 2017 aktualisiert.

Der Autor

Markus Karbaum

Dr. Markus Karbaum ist Politologe und beschäftigt sich seit 2002 mit Kambodschas Regierungssystem und der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Transformation des Landes. Als selbständiger Gutachter und Berater arbeitet er im Auftrag nationaler und internationaler Organisationen.

Literaturhinweise

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