Wiegen der Baumwollernte (zwischen Garoua und Poli)
Geschätztes BIP
24,2 Mrd. US-$ (2016)
Pro-Kopf-Einkommen (Kaufkraftparität)
3350 KKP-$ (2016)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 150 von 189 (2018)
Bevölkerung unter nat. Armutsgrenze
37,5 % (2014)
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
46,5 (2014)
Wirtschaftliche Transformation (BTI)
Rang 91 von 129 (2018)

Wirtschaftsstruktur

Die Wirtschaft Kameruns ist marktwirtschaftlich orientiert. Die Monopolstellung, die der Staat bis weit in die 90er Jahre in vielen Wirtschaftszweigen innehatte, ist zum größten Teil abgebaut. Von der großen Privatisierungswelle der letzten 10 Jahre profitierten vor allem ausländische Unternehmen, zu den Gewinnern zählten französische, aber auch südafrikanische und US-amerikanische Firmen. Im tertiären Sektor, der rund die Hälfte des BIP erwirtschaftet, arbeiten 22% der aktiven Bevölkerung, im sekundären Sektor, mit einem Anteil von über 25% am BIP, arbeiten 9% der Beschäftigten und in der Landwirtschaft, als ehemals wichtigstem Wirtschaftssektor, sind noch immer über 60% beschäftigt.

Aktuelle Wirtschaftslage

Ob African Development Bank Group oder GTAI, letztendlich kommen sie zu ähnlichen Ergebnissen: nachdem es 2007 bis 2009 aufgrund der Verschlechterung der Handelsbilanz, des geringeren Steueraufkommens, der Nahrungsmittelkrise und dem Energiedefizit wirtschaftlich bergab ging, z.T. als Folge der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise, z.T. aber auch aus "hausgemachten" Gründen, erreichten die Wachstumsraten 2014 und 2015 um die 6 %, um sich jetzt wieder auf knapp 4% (2018) einzupendeln. Begründet wurde dies mit dem weltweiten Ölpreisverfall, der prekären Sicherheitslage in Nordkamerun und der Konkurrenz durch die Abwertung des nigerianischen Naira Mitte 2016. Trotzdem rechnet man mit einer Steigerung des BIP auf knapp 5% bis 2020. Angesichts der prekären Sicherheitslage im Norden und in der anglophonen Region könnten sich diese Prognosen allerdings sehr wohl als moderne Kaffeesatzleserei herausstellen.

Der Primärsektor (ca. 23 % v. GDP) wird aktuell vor allem von der Subsistenzlandwirtschaft und weniger von den traditionellen Export-"cash crops" stimuliert. Die Verwendung ertragreicherer Sorten und der Ausbau der Infrastruktur und, als Folge davon, ein stärkerer Binnenhandel, auch in die Nachbarländer, trugen zu diesem Wachstumserfolg bei. 

Im industriellen Sektor (ca. 28 % v. GDP) schnitten vor allem lebensmittelverarbeitende Betriebe und der Baubereich aufgrund von staatlich geförderten Infrastrukturmaßnahmen gut ab, ebenso die Rohstoffindustrie. Allerdings stellt die Energieknappheit weiterhin die größte Bremse der Wirtschaftsentwicklung dar. Zwar ist Kamerun nicht so stark vom Erdöl abhängig wie andere afrikanische Ölexporteure, trotzdem wirkt sich der Ölpreiseinbruch auch auf die kamerunische Wirtschaft aus. Aufgrund der Außenfinanzierung staatlicher Infrastrukturgroßprojekte steigt die Außenvorschuldung stark an und beträgt jetzt (2018) ca. 33% des BIP.

Im Dienstleistungsbereich (ca. 50 % v. GDP) boomten Telekommunikationsbranche, Transportwesen und Finanzdienstleistungen.

Aufgrund der Beruhigung der Lebensmittelpreise sank auch die anfänglich hohe Inflationsrate (5,3 % in 2008) stark ab und bleibt unter 3%.  

Die Wirtschaftstrends in Kamerun werden als mäßig gut eingeschätzt. Beklagt wird das investitionsfeindliche Geschäftsklima. Dahinter verbergen sich vielfältige Gründe: von fehlender Infrastruktur, erschwertem Zugang zu Krediten, bürokratischen Hürden (z.B. Baugenehmigungen, Eigentumseintragung), Behinderung durch Justiz und Finanzverwaltung bis zur Korruption.
Während Geschäftsgründungen und Zugang zu Krediten erleichtert wurden, hat sich in den Bereichen Steuerwesen, Insolvenzregelung oder Investorenschutz in den letzten zehn Jahren fast nichts bewegt.

Informationen für ausländische Investoren sind im Internet abzurufen, - auch hier ist das Fazit gemischt, sowohl Potenziale als auch Hindernisse sind reichlich vorhanden.

Der auf dem 5000 F CFA Schein abgebildete Kameruner zeigt sich tränenüberströmt und mit Flüchtlingsboot
Neuinterpretation des 5000 F CFA Geldscheins; © Gudrun Riedel

Wirtschaftspolitik

Die wirtschaftliche Entwicklung Kameruns erlebte im Laufe der Zeit große Schwankungen und kennt sowohl Hochs wie Tiefs.
Nach Erlangung der Unabhängigkeit setzte Kameruns Wirtschaftspolitik in den 60-er und 70er Jahren auf Wachstum durch Industrialisierung und Produktionssteigerung landwirtschaftlicher Exportprodukte. Anfang der achtziger Jahre galt Kamerun, dank des Erdölbooms, zusammen mit Südafrika und Nigeria, als ein für afrikanische Verhältnisse wohlsituiertes Land. Es hatte den Ruf eines "Musterländles".

Hohe Staatsausgaben für Prestigeprojekte und ein aufgeblähter Staatsapparat, gepaart mit ungünstigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen, hatten eine massive interne und externe Verschuldung zur Folge, die Ende der 80er bis Anfang der 90er Jahre zum wirtschaftlichen Zusammenbruch Kameruns führten. Mehrere Strukturanpassungsprogramme des IWF blieben weitestgehend erfolglos. Ende der 90er Jahre zählte Kamerun zu den ärmsten Ländern und qualifizierte sich im Oktober 2000 als HIPC-Land (decision point). Die Bedingung für den Schuldenerlass: Kamerun musste sich einem speziellen Strukturanpassungsprogramm unterwerfen. Verlangt wurde u.a. die Ausarbeitung eines Strategiepapiers zur Armutsbekämpfung und Maßnahmen gegen die Korruption. Im April 2006 erreichte Kamerun den "completion point" und im Juni 2006 war es soweit: Kamerun bekam vom Pariser Club einen großen Teil der Schulden erlassen.
Seit der Wirtschaftskrise in den 90er Jahren veröffentlicht die kamerunische Regierung in regelmäßigen Abständen Stellungnahmen und Absichtserklärungen zur Wirtschafts- und Finanzpolitik um ihren "good will" gegenüber internationalen Geldgebern unter Beweis zu stellen. Die Fortsetzung der Privatisierung staatlicher Unternehmen, eine Diversifizierung der Produkte bzw. eine Stärkung des Nichtölsektors, die Schaffung eines investitionsfreundlichen Klimas, die Erhöhung der Staatseinnahmen und ein entsprechendes Ausgaben-Monitoring sowie Transparenz und Korruptionsbekämpfung sind vielzitierte Zielsetzungen kamerunischer Wirtschaftspolitik.
2011 wurde von Paul Biya die "Vision 2035", Kameruns ökonomische Roadmap zur Erreichen des Status eines Emerging Market, erklärt. Eine der Grundlagen dieses ehrgeizigen, weltbankunterstützten Programms ist das Strategiepapier zu Wachstum und Beschäftigung aus dem Jahr 2009.

Privatisierung

Die Privatisierung staatlicher und parastaatlicher Unternehmen ist in Kamerun sehr umstritten. Undurchsichtige Geschäftspraktiken sowie das Schüren alter und neuer Konfliktlinien, wie z.B. zwischen Anglo- und Frankophonen, erregten immer wieder die Skepsis gegenüber diesem Instrument. Auch brachten viele Privatisierungen nicht die gewünschte Leistungsverbesserung. Nichtsdestotrotz sollen die zwischenzeitlich ins Stocken geratenen Privatisierungspläne wieder aufgegriffen werden.

Nach Privatisierung der staatlichen Société Nationale des eaux du Cameroun (Snec) bestand die Trinkwasserversorgung 10 Jahre als Public Private Partnership (PPP) auf der Basis von Output-based Aid. Die staatliche nationale Wasserversorgung Camwater hatte einen Teil der Wassernetze an einen privaten Anbieter, Camerounaise des Eaux (CDE), verleast. Camwater war für den Ausbau der Wasserinfrastruktur verantwortlich, CDE übernahm Betrieb und Instandhaltung,- ein intransparentes Geflecht, das viele Fragen zur Wasserversorgung offen ließ und 2018 sein Ende fand.

Wirtschaftssektoren

Landwirtschaft

Die wichtigste Säule der kamerunischen Ökonomie stellt die Landwirtschaft dar. Traditionelle "Cash crop"-Kulturen sind Kakao, Kaffee, Baumwolle, Bananen, Kautschuk, Tee, Zuckerrohr und Palmöl, wobei Kamerun bis vor kurzem von den guten Weltmarktpreisen für einige der Produkte (Kakao, Kaffee, Kautschuk) profitierte. Negative Auswirkungen hat der Bürgerkrieg im anglophonen Landesteil, aber auch die staatliche Vernachlässigung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft.

Während z.B. Kakao (SW, Centre, Sud), Kaffee (Arabica in den Hochlagen/Ouest, Robusta in den tieferliegenden Gebieten/SW, Ouest, Centre, Adamaoua, Sud, Est), Zwiebeln (EN, Ouest, Adamaoua) und Baumwolle (Nord, EN) von Kleinbauern produziert werden, liegen Bananen (Littoral) u.  Palmölproduktion (SW, Littoral, Sud) z.T., Kautschuk- und Teeproduktion vollständig in den Händen von Agroindustrieunternehmen, die parastaatlich oder mittlerweile privatisiert sind.
Der Großteil der Nahrungsmittelproduktion liegt in den Händen von Kleinbauern und konkurriert mit der "Cash crop"-Produktion. Internationale Krisen und Schwankungen der Rohstoffpreise treffen immer wieder die kamerunische Landwirtschaft, wie z.B. die Baumwollproduktion, und haben damit direkte Auswirkungen auf die ländliche Bevölkerung.

Seit 2005 stieg Kamerun verstärkt in die Biodieselproduktion mit Ölpalmen ein. Konkrete Zahlen zum Umfang werden unter Verschluss gehalten, wohl auch deshalb weil die Palmölproduktion bereits für den Eigenverbrauch, d.h. für Speiseöl- und Seifenherstellung, nicht ausreicht.

Im Agrarbereich kam es 2004 zu einem seltenen Beispiel der Änderung einer Gesetzesbestimmung durch erfolgreichen Druck der Zivilgesellschaft. Auf Grund intensiver Öffentlichkeitsarbeit der Initiative ACDIC (Association Citoyenne de Défense des Intérêts Collectifs), die einherging mit der Gründung von Filialen des Vereins in vielen kamerunischen Städten, beschloss die Regierung die Importe gefrorener Hähnchenteile zu beschränken.

Videos zum Thema:

Ölpalmplantage im Südwesten
Ölpalmplantage im Südwesten; © Gudrun Riedel

Land Grabbing

Auch Kamerun ist Objekt der Begierde für Land Grabbing. Neben chinesischen Firmen, die sich Agrarland vor allem für den Anbau von Früchten, Gemüse, Maniok, Reis und Mais sichern, intervenieren auch Unternehmen aus anderen asiatischen Staaten, Europäer und US-Amerikaner in Kamerun. Französische Firmen investieren in Zuckerrohr und Ölpalmen, belgische Investoren sind ebenfalls in der Palmölproduktion aktiv. Dauerhaft in den "land deals"-Schlagzeilen befand sich der US-Konzern Herakles Farms, mit seinem Großprojekt zum Ölpalmanbau in der SW-Region, welches bezüglich der ökologischen und sozialen Auswirkungen sehr umstritten ist. Mittlerweile hat sich der Konzern mit den zweifelhaften Geschäftspraktiken aufgrund öffentlichen Drucks etwas aus der Schusslinie zurückgezogen, ob endgültig oder vorläufig bleibt abzuwarten.
Neben ausländischen Investoren spielen aber auch einheimische Akteure eine Rolle, vor allem auch in den Grasländern.

Video zum Thema:

Forstwirtschaft

Holzlager
Holzlager; © Steve Morgan

Holz, das grüne Gold Kameruns, stellt einen wichtigen Rohstoff dar, dessen Nutzung für die Wirtschaft Kameruns von großer Bedeutung ist. Die Einkünfte aus der Forstwirtschaft stellen einen nicht unbeträchtlichen Anteil an den Staatseinnahmen, der sich aus Einschlagskonzessionen, Steuern und Exportzöllen zusammmen setzt. Allerdings ist hierbei eine nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes von ausschlaggebender Bedeutung, alles andere hieße nur "sein Tafelsilber zu verscherbeln". Zum Schutz der eigenen holzverarbeitenden Industrie besteht ein Verbot für den Export von Rundholz.

Beim Holzexport machte sich die globale Wirtschaftskrise als Erstes bemerkbar, internationale Aufkäufer stornierten die Aufträge. 2010 unterzeichneten zumindest die EU und Kamerun ein Abkommen zur Zertifizierung von Exportholz...  

Video zum Thema:

Erdöl- und Erdgas

Erdöl- und Erdgasvorkommen gibt es in Kamerun zum einen im Küstenbereich des Rio del Rey-, des Douala- und des Kribi-Campo-Beckens (on- und offshore), als auch im Logone-Birni-Becken. 

Nach einem starken Absinken im Jahr 2016 pendelte sich die Produktion auf ein stabiles Niveau ein. Das Erdöl, das vor allem im Golf von Guinea von europäischen (z.B. Total bzw. mittlerweile Perenco, Pecten/Shell) und mittlerweile auch chinesischen Mineralölunternehmen gefördert wird, bedeutet eine wichtige Einnahmequelle für den kamerunischen Staat. Die Nutzung der Gasreserven steht noch am Anfang.

Bohrinsel vor Limbé
Bohrinsel vor Limbé; © Gudrun Riedel

Im Oktober 2003 wurde die Erdölpipeline Tschad-Kamerun offiziell eröffnet. Die über 1000 km lange Pipeline führt von den tschadischen Ölfeldern Dobas zum kamerunischen Kribi. Das Projekt eines Konsortiums der Firmen ExxonMobil (USA), Chevron Texaco (USA) und Petronas (Malaysia), das auch von der Weltbank mitfinanziert wurde, ist hinsichtlich seiner sozialen und ökologischen Brisanz nach wie vor sehr umstritten.
Es bildete sich ein internationales Netzwerk von Arbeitsgruppen, das sich mit den Auswirkungen des Projekts beschäftigte und versuchte, ökologische und soziale Mindeststandards durchzusetzen.

Die Einnahmen Kameruns durch das Erdöl setzen sich aus dem Eigengeschäft, Steuern, Zöllen, Transitgebühren und Konzessionen zusammen, allerdings lässt die Transparenz hinsichtlich der fließenden Gelder stark zu wünschen übrig und steht immer wieder in der Kritik, trotz Kameruns Mitgliedschaft bei der EITI-Transparenzinitiative (Extractive Industries Transparency Initiative).
Auch in Kamerun sind die großen Hoffnungen hinsichtlich der Effekte des Projekts im Bereich der Armutsbekämpfung zerstoben.

Videos zum Thema:

Verlegung der Erdölpipeline Doba-Kribi durch den tropischen Regenwald
Verlegung der Pipeline Doba-Kribi; © Jens Kuesters/Greenpeace

Bergbau

Auch in Bezug auf die Ausbeutung anderer Bodenschätze, wie Eisenerz (Mbalam/Est), Kobalt, Nickel u. Mangan (Nkamouna, Lomié/Est), Uran (Lolodorf/Sud, Nki/Est), Gold (Djoum, Ntem, Nkout/Sud, Batouri/Est, Rey Bouba/Nord) oder Bauxit (Minim-Martap, Ngaoundal/Adamoua) und Diamanten (Mobilong/Est) haben internationale Bergbaukonzerne ein Auge auf Kamerun. In den letzten Jahren wurden Bergbaulizenzen an verschiedene ausländische Investoren, vor allem kanadische, australische und US-Firmen, vergeben; obwohl viele dieser Rohstoffvorkommen nie gefördert werden.
Die Arbeitsbedingungen in den Förderstätten haben sich in den letzten Jahren z.T. verbessert, weisen aber noch zahlreiche Mängel auf.  

Telekommunikation

Innerhalb des Dienstleistungssektors boomt die Informationstechnologie. Während sich Computer und Internet nur in den Städten konzentrieren, sind Mobiltelefone allgemein verbreitet und haben innerhalb kürzester Zeit sogar die kamerunischen Dörfer erobert.

Sendemast in den Mandarabergen
Sendemast in den Mandarabergen; © Gudrun Riedel

Tourismus

Trotz vieler Sehenswürdigkeiten was Land und Leute, Kultur, Flora, Fauna und landschaftliche Schönheit betrifft, spielt der Tourismussektor wirtschaftlich keine wirklich wichtige Rolle.
Zwar stiegen die bewilligten Touristenvisa bis 2014 stetig an (2010: 573 000, 2012: 817 000, 2014: 822 000, 2016: 994 000; Daten Organisaton Mondial du Tourisme/Weltbank) und auch staatlicherseits gab es diverseste Bestrebungen diesen Wirtschaftszweig auszubauen, aber der Krieg gegen Boko Haram und die Unruhen in den anglophonen Regionen lassen einen massiven Einbruch der Zahlen vermuten.

Informeller Sektor

Seriösen Vermutungen zufolge erwirtschaftet der informelle Sektor Kameruns mehr als der formelle. Besonders im urbanen Bereich hält sich ein Großteil der Bevölkerung (Schätzungen sprechen von weit über 50 %) mit Aktivitäten im informellen Sektor über Wasser. Besonders für Frauen und junge Leute bieten sich hier Chancen den Lebensunterhalt zu verdienen.
75 % der Bevölkerung legen ihr Geld in informellen Sparvereinen (Tontines) an, die auch ein System sozialer Absicherung darstellen.

Handel

Binnenhandel von NW nach Littoral
Binnenhandel von NW nach Littoral; © Gudrun Riedel

Der Binnenhandel Kameruns findet zumeist in Süd-Nord Richtung statt: Fisch, Holz, Früchte und Importgüter, die über den Hafen von Douala ins Land kommen, werden nach Norden, Fleisch und Zwiebeln Richtung Süden transportiert.

International erreichte Kamerun in den letzten Jahren keine ausgeglichene Handelsbilanz mehr; die Importe übersteigen die Exporte deutlich. Die weltweite Finanzkrise macht(e) sich aber auch in Kamerun massiv bemerkbar.
Haupthandelspartner ist nach wie vor die Europäische Union. Hier sind für kamerunische Ausfuhren die Niederlande und Italien wichtig, während Frankreich an Gewicht verloren hat und Deutschland eine untergeordnete Rolle spielt. Aber auch Asien, vor allem Indien und China, ist Abnehmer für kamerunische Erzeugnisse. Importiert wird vor allem aus China, ebenso aus der EU, hier ist vor allem Frankreich ein wichtiger Partner. Die USA sind führend in Bezug auf Investitionen (Tschad-Kamerun-Pipeline, AES SONEL).
Auch die Nachbarländer, wie z.B. Nigeria, gewinnen als Handelspartner an Bedeutung, wenn die nötige Infrastruktur geschaffen wird.

Hauptexportprodukte sind Erdöl, Holz, Kakao, Bananen, Baumwolle, Aluminium, Kautschuk und Kaffee.

Importiert werden neben Industrieerzeugnissen und Erdöl auch mehr oder weniger verarbeitete Agrarprodukte wie Reis, Weizen, raffinierter Zucker, Malz, Milchpulver, Tabakerzeugnisse etc.

Kamerun bekommt, wie andere AKP-Staaten auch, Handelshilfen (Aid for Trade), z.B. im Rahmen der European Partnership Agreements (EPAs), die die Partnerländer im Ausbau ihrer Handelskapazität unterstützen sollen; - allerdings sind die Meinungen hierzu sehr geteilt.

Entwicklung und Entwicklungspolitik

Armut und Armutsbekämpfung

25% der Kameruner müssen mit weniger als 1,90 $/d auskommen. Bei den Armutsindikatoren wie die landesspezifischen durchschnittlichen Schuljahre (12,2), die Lebenserwartung (58,6) oder die Müttersterblichkeit (596 Sterbefälle auf 100 000 Geburten), dürfen die großen regionalen Unterschiede nicht vergessen werden. Das Schlagwort: "Armut ist weiblich", kann für Kamerun wie folgt ergänzt werden: "Armut ist weiblich, ländlich und bewohnt den Norden." Bei der aktuellen (2019 veröffentlichten) statistischen Fortschreibung der Human Development Indizes und Indikatoren zum Jahr 2018 erreicht Kamerun beim Gender Inequality Index Rang 141 von 160, beim HDI-Ranking 150 von 189. Ein besonders kritischer Punkt ist die zunehmende Ungleichheit. 2013 erschien der letzte nationale Human Development Report.

Hinsichtlich des Selbstversorgungsgrads mit Lebensmitteln liegt Kamerun weit unterhalb seiner Möglichkeiten. Die bäuerliche Landwirtschaft wurde lange vernachlässigt, ja regelrecht ausgeschlachtet.
Einen Überblick zur Armutssituation der Privathaushalte gibt der Bericht des Institut National de la Statistique du Cameroun.

Die Millennium Development Goals für Kamerun wurden wie folgt festgesetzt: Halbierung von Hunger und Armut, Grundschulausbildung für alle Kinder, keine Genderdisparität in der Schulausbildung, Senkung der Kinder- und Müttersterblichkeit, Aufhalten der HIV-und Malariaverbreitung, Zugang zu Trinkwasser und die Etablierung eines Handels- und Finanzsystems, das an die Erfordernisse eines Entwicklungslandes angepasst ist. - Schon ohne Weltwirtschaftskrise eine ambitionierte Zielvorgabe. So wurde beispielsweise eine Wachstumsrate von 7 % errechnet, um das Millenniumsziel "Armutshalbierung" bis 2015 zu erreichen,- faktisch wurden in den Jahren 2000-2015 jährliche Raten zwischen 2,0 % (Minimum) und 5,6 % (Maximum) erreicht. Letztendlich zeichnete sich bereits 2014 ab, dass das Ergebnis der MDGs für Kamerun ernüchternd ausfallenwürde.

Als UN-Nachfolgeprogramm wurden 2016 die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (2016-2030) formuliert. Die Ziele umfassen die Bereiche Armutsbekämpfung (Armut beenden, Ernährungssicherung, Gesundheit für alle, Bildungszugang, Zugang zu sauberem Wasser und Hygiene, nachhaltige Energienutzung), Politik und Gesellschaft (Frauengleichstellung, Verringerung von Ungleichheit, lebenswerte Städte, Frieden und Rechtsstaatlichkeit, globale Partnerschaft), Ökologie (Klimaschutz, Meeresschutz, Schutz von Landökosystemen), Wirtschaft (nachhaltiges Wachstum, bessere Infrastruktur, verantwortlicher Konsum und Produktion) und wurden von allen 193 UN-Mitgliedsstaaten verabschiedet.
Für die 17 Ziele wurden 169 Unterziele formuliert und 237 Indikatoren festgelegt, um den Fortschritt der Zielerreichung zu verfolgen.
Die Agenda 2030 ist kein rechtlich bindendes Abkommen, sondern eine Absichtserklärung, deren Umsetzung in die jeweilige nationale Politik offen bleibt.
Auf dem SDGs Dashboard lassen sich Länder und deren Stand bezüglich einzelner Ziele und Indikatoren abrufen.
Kamerun beabsichtigt die SDGs mit den nationalen Entwicklungszielen (Vision 2035) zu verbinden unter Zurhilfenahme der Stratégie Nationale de Développement de la Statistique (SNDS) für das Monitoring. Bezüglich des aktuellen Stands der Zielerreichung in Kamerun ergibt sich ein nichtsdestotrotz ein sehr ernüchterndes Bild.

Allerdings gilt dies laut SDGs Fortschrittsbericht 2019 für die meisten Staaten.

Nationale Entwicklungsanstrengungen

Das Programme National de Développement Participatif (PNDP) ist ein Programm der kamerunischen Regierung für partizipative Entwicklung, das sich an die ländliche Bevölkerung wendet (Sicherung der Grundversorgung, lokale selbstbestimmte Entwicklung, Dezentralisierung) und das von Weltbank, der KfW Entwicklungsbank und der Agence Française de Développement (AFD) mitgetragen wird.

Internationale Entwicklungszusammenarbeit

Die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit besteht zu 47 % aus bilateraler Hilfe und fließt vor allem in den sozialen Sektor bzw. Bildungssektor. Hauptpartner Kameruns ist Frankreich, gefolgt von der International Development Association (IDA) und der Bundesrepublik Deutschland. Angesichts der vielen Akteure ist eine Geberharmonisierung unverzichtbar.

Das "Milleniums" Weltbankentwicklungskonzept, das Comprehensive Development Framework (CDF), das einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt, indem Wirtschafts-, Fiskal- und Sozialpolitik und -geschichte sowie die Struktur eines Landes berücksichtigt werden, fand auch in Kamerun seine Anwendung.
Aktuell engagiert sich die Weltbank über die IDA (International Development Association) mit zahlreichen Projekten.

Die UN-Organisation International Fund for Agricultural Development (IFAD) unterhält in Kamerun ein Programm für Junglandwirte. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen Programme des Nations Unies pour le Développement (PNUD) arbeitet in Programmen mit den Schwerpunkten nachhaltige Entwicklung, Demokratisierung, Krisenprävention, HIV/SIDA, Umwelt und Frauenförderung.

Die African Development Bank Group (AfDB) finanziert Projekte z.B. zur Verbesserung der Infrastruktur und Good Governance.

USAID engagiert sich in den Bereichen Demokratie und Menschenrechte, Wirtschaftsförderung, Umwelt, Gesundheit, Krisen- und Konfliktprävention.

Japan, das an 7. Stelle der internationalen Entwicklungszusammenarbeit mit Kamerun steht, engagiert sich mit der Japan International Cooperation Agency (JICA) u.a. auf den Gebieten Investitionsförderung, Infrastruktur, nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen und Reisanbau.

Deutsche und europäische Entwicklungsorganisationen

Kamerun gehörte zu den frühen Partnern deutscher Entwicklungszusammenarbeit,- der DED feierte im Jahr 2005 das 40. Jubiläum seines Engagements,- und bleibt auch aktuell als Kooperationsland deutscher Entwicklungszusammenarbeit ein wichtiger Partner.

Schwerpunktbereiche der Zusammenarbeit sind:

  • Schutz und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen
  • gute Regierungsführung
  • ländliche Entwicklung

Außerdem wird das Land im Bereich Gesundheit und bei der Versorgung von Flüchtlingen unterstützt.

Seit der Fusion von DED, GTZ und InWEnt 2011 setzt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) die Arbeit in Kamerun fort. Als weitere deutsche Organisation ist auch das CIM in Kollaboration mit der GIZ in Kamerun tätig. 

Brot für die Welt (ehem. EED) arbeitet ebenfalls in Kamerun und unterstützt z.B. die Hebammenausbildung.
Außerdem wird die Kampagne der kamerunischen NRO ACDIC (Association Citoyenne de Defense des Interets Collectifs) unterstützt, die u.a. gegen den Import von Geflügelresten aus Europa nach Afrika kämpft. Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit, die mit der Gründung von Filialen des Vereins in vielen kamerunischen Städten einherging, ist es gelungen, die Importe gefrorener Hähnchen zurückzudrängen.
Brot für die Welt und AGIAMONDO (ehemals Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH)) arbeiten im Rahmen des Zivilen Friedensdienstes (ZFD) im Bereich Friedenssicherung und Konfliktprävention.

Auf der Seite der KfW Entwicklungsbank in Kamerun können die aktuellen Projekte der finanziellen Zusammenarbeit eingesehen werden.

Die FES (Friedrich Ebert Stiftung) zielt mit ihrer Arbeit in Kamerun auf die Stärkung reformorientierter Kräfte. Als weitere politische Stiftung hat 2016 die KAS (Konrad Adenauer Stiftung) ein Büro in Kamerun eröffnet mit ihrem Regionalprogramm Klimapolitik und Energiesicherheit in Subsahara Afrika.

Die Sparkassenstiftung engagiert sich in einem Projekt zur Stärkung von Dorfsparkassen.

Die Agence Française de Développement (AFD) unterhält Projekte u.a. im Bereich Landwirtschaft, Infrastruktur, Ressourcenschutz, Gesundheit und Bildung.

Der niederländische Entwicklungsdienst SNV unterstützt Frauen im informellen Sektor beim Verkauf von nicht-forstlichen Produkten (non timber forest products, NTFP).

Europäische Komission bzw. Europäische Entwicklungsfonds (EDF, FED) engagiert sich ebenfalls in der Armutsbekämpfung in den Bereichen: ländliche Entwicklung, Dezentralisierung, Unterstützung nichtstaatlicher Akteure etc.

Das Länderinformationsportal

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Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Februar 2020 aktualisiert.

Über die Autorin

Gudrun Riedel
Gudrun Riedel

Gudrun Riedel
arbeitete mit dem DED acht Jahre in Ruanda und Kamerun (Ländliche Entwicklung und Organisationsförderung).
Seit 1999: freiberufliche Referentin in der entwicklungspolitischen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit der GIZ u.a.
Seit 2003: Landestrainerin für Kamerun und Trainerin für Interkulturelle Handlungskompetenz (Afrika) unter anderem u.a. bei der GIZ/ AIZ.

Reiseleiterin für Kamerun bei Projekt- und Begegnungsreisen.

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Die Akademie der GIZ gestaltet Lernangebote für die internationale Zusammenarbeit. Wir führen mehr als 2000 Fort- und Weiterbildungen durch und entwickeln innovative, wirksame und nachhaltige Lernkonzepte. Und das weltweit.

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