Kasachstan ist ein Vielvölkerstaat © Beate Eschment
Anteil alphabet. Erwachsene
99,8%
Bedeutende Religionen
sunnit. Islam (70%); russ. orthodox (26%)
Städtische Bevölkerung
58,2% (2019)
Lebenserwartung (m/w)
66,2 / 76,3 Jahre, (2018, geschätzt)
Gender Inequality Index
52 (von 188), 2014
Anzahl der Geburten
2,2 / Frau, (2018, geschätzt)
Kindersterblichkeit
19 / 1.000 Lebendgeburten, (2018, geschätzt)

Vielvölkerstaat Kasachstan

Plakat von Präsident Nasarbajew mit Kindern verschiedener Nationalitäten in Nationaltracht, © Beate Eschment

Kasachstan ist nicht nur das neuntgrößte Land der Erde, sondern auf seinem Territorium leben auch Angehörige von 120 Nationalitäten. Entsprechend groß ist die Vielfalt der Sprachen, Religionen, Traditionen und Kulturen – auch wenn früher das „Sowjetische“ unübersehbar war und heute zunehmend das „Kasachische“ im Vordergrund steht. Dazu kommt, dass sich Lebensverhältnisse und Bevölkerungszusammensetzung in einzelnen Teilen des Landes unterscheiden, natürlich auch zwischen Stadt und Land und den Generationen, daher können die folgenden Informationen nur eine grobe Vorstellung von DER Gesellschaft und Kultur Kasachstans geben. In Anlehnung an die offizielle Verwendung in Kasachstan ist hier von Kasachstanern die Rede, wenn alle Staatsbürger Kasachstans, gleich welcher Nationalität, gemeint sind, von Kasachen, wenn die dem Staat den Namen gebenden Kasachen im Fokus stehen.

Die ethnische Vielfalt ist historisch relativ neu. Die Steppe war ursprünglich nur von den nomadisierenden Kasachen bewohnt. Ab der 2. Hälfte des 19. Jh. wanderten zunächst Land suchende russische Bauern ein, in der Sowjetzeit kamen Russen u.a. Nationalitäten des Sowjetreiches als Industriearbeiter in die Kasachische SSR. Durch die Deportation ganzer Völker, darunter auch der Wolga-Deutschen, von Koreanern und Tschetschenen unter Stalin wurde die nationale Zusammensetzung nochmals verändert. Die verschiedenen Ethnien waren und sind regional und sozial unterschiedlich verteilt: Russen und Ukrainer leben überwiegend im Norden des Landes und in den (Industrie)Städten, Kasachen und Angehörige anderer zentralasiatischer Nationalitäten stärker im Süden und auf dem Land, einige kleinere Volksgruppen lokal konzentriert. Turksprachige muslimische Ujghuren und chinesichsprachige muslimische Dunganen haben ihren historischen Siedlungsschwerpunkt im zur VR China gehörenden Xinijiang, größere Gruppen leben aber schon seit langem auf dem Territorium Kasachstans.

Nach der Unabhängigkeit hat es eine starke Emigration vieler nichtkasachischer Nationalitäten (Russen, Deutsche, Polen u.v.a.) gegeben, gleichzeitig kehrten Kasachen aus den ehemaligen Sowjetrepubliken, der Mongolei und China in ihre "historische Heimat" zurück, (wo sie sich allerdings nicht Willkommen geheißen fühlen). Beides zusammen hat zu einer starken Verschiebung der Bevölkerungszusammensetzung geführt: 1989 stellten die Kasachen 40% der Bevölkerung, die Russen 38%. 2011 waren es 63% Kasachen, 24% Russen. Die Russen leben überwiegend in den Städten und vor allem im an Sibirien grenzenden Norden des Landes. Durch die Ereignisse in der Ukraine reagiert das offizielle Kasachstan derzeit sehr nervös auf vereinzelte Forderungen nach Autonomie oder Anschluss an Russland. Offenbar ausgelöst durch die aktuelle Wirtschaftskrise und verstärkt durch die Sprachpolitik ist seit 2015 eine neue Ausreisewelle von Russen zu beobachten - mit schwierigen Folgen für die Wirtschaft des Landes. Von der Existenz der Deutschen, die 1989 mit knapp 9,6 Mio. Menschen die drittgrößte Nationalitätengruppe Kasachstans gebildet hatten, zeugen heute vielfach nur noch Ortsnamen und Erinnerungen, da sie inzwischen bis auf eine Gruppe von ca. 180.000 Personen nach Deutschland ausgesiedelt sind.

Das Zusammenleben war seit der Unabhängigkeit nicht problemfrei, aber abgesehen von vereinzelt auftretenden kleinen, lokal begrenzten Auseinandersetzungen friedlich. Nicht nur in der Verfassung, sondern auch in der Realität genossen die Nationalitäten Schutz; Eintracht zwischen den Nationalitäten war ausdrückliches Politikziel. In den letzten Jahren lässt sich aber deutlich eine Kasachisierungstendenz erkennen. Kasachstan wird zunehmend nicht mehr als „gemeinsames Haus“, sondern als Haus der Kasachen betrachtet. Da Präsident Nasarbajew sich als Garant des friedlichen Zusammenlebens der Nationalitäten generiert hat, erzeugt der Gedanke an einen Wechsel an der Spitze des Staates bei vielen nichtkasachischen Bürgern des Landes besondere Ängste. Manche Experten sehen nun aber gar nicht mehr interethnische Spaltungen als das Hauptproblem an, sondern regionale und soziale Unterschiede innerhalb der kasachischen Bevölkerungsgruppe.

Sprachen und Sprachpolitik

Russisch war in der Kasachischen SSR lingua franca; auch viele vor allem städtische Kasachen konnten kein Kasachisch mehr. Nach der Unabhängigkeit wurde Kasachisch in der Verfassung zur Staatssprache erhoben, Russisch erhielt aber eine herausgehobene Sonderrolle als Sprache der interethnischen Kommunikation. Der junge Staat schrieb sich von Anfang an die Förderung der kasachischen Sprache auf die Fahnen, in den ersten ca. 15 Jahren allerdings eher pro forma und mit wenig Erfolg, sprach doch ein großer Teil der Elite des Landes auch kein Kasachisch. In den letzten Jahren kann man aber auch in Großstädten wie Almaty immer mehr Kasachisch hören; die Kenntnis der Staatssprache ist Voraussetzung für eine Stelle im Staatsdienst. Die Forderungen der Verfechter der kasachischen Sprache werden immer lauter. Seit Jahresbeginn 2016 sind russische Kabelanbieter im kasachstanischen Netz nicht mehr zugelassen, was die russische Sprache noch mehr verdrängen wird; auch im Kino sollte Kasachisch häufiger zu hören sein. Die Bestimmungen hatten aber so wenig Wirkung, dass Ende 2018 als Kompromis kasachische Untertitel vorgeschlagen wurden. Im Frühjahr 2017 sorgte eine Anordnung des Präsidenten zur Entwicklung einer lateinischen Schreibweise für das bislang mit kyrillischen Buchstaben geschriebene Kasachisch für neue Diskussionen über eine Verdrängung der russischen Sprache, wie auch über den Nutzen der kostspieligen Umstellung als solches. Der von Wissenschaftlern erarbeitete Vorschlag für eine Schreibung in lateinischen Buchstaben wurde noch viel heftiger diskutiert. Die Debatten fanden am 19.2.2018 ein unerwartetes Ende mit einem Dekret des Präsidenten über die Einführung einer veränderten = vereinfachten Schreibweise. Von Seiten Nasarbajews wird gleichzeitig die Kenntnis der englischen Sprache stark propagiert. 

Soziale Situation

(Nicht nur) in Pawlodar liegen arm und ... © Dagmar Schreiber
... reich nicht weit auseinander. © Dagmar Schreiber
Schönheitssalon in Almaty © Beate Eschment
Schönheitssalon in Almaty © Beate Eschment
Sonntäglicher Nebenerwerb eines Rentners ...© Beate Eschment
Sonntäglicher Nebenerwerb eines Rentners ... © Beate Eschment
... und einer Rentnerin © Beate Eschment
... und einer Rentnerin © Beate Eschment
Arbeitsangebot © Beate Eschment
Arbeitsangebot © Beate Eschment
Der gute Wille ist erkennbar - Behindertenparkplatz in Almaty © Beate Eschment
Der gute Wille ist erkennbar - Behindertenparkplatz in Almaty © Beate Eschment

Sowohl der HDI als auch der Augenschein zeugen davon, dass zumindest ein Teil des (Erdöl)reichtums die Bevölkerung erreicht hat. In den Großstädten hat sich eine Mittelschicht etabliert, doch schon Ereignisse wie die Immobilienkrise 2008 haben gezeigt, wie schnell Existenzen bedroht sind. Die verbreitete Rechtsunsicherheit tut ihr Übriges. Vor allem entwickelt sich das Gap zwischen der kleinen, sehr reichen Elite, die auch international von sich reden macht, und der Normalbevölkerung immer mehr auseinander. Auch die Unterschiede zwischen Dörfern, verschiedenen Provinzstädten und den beiden Hauptstädten wachsen. Die Reallöhne sinken seit mehreren Jahren. Sowohl Unzufriedenheit mit der eigenen sozialen Lage als auch mit von der Regierung geplanten Reformen wirkte lange Zeit aber nur auf sehr wenige Menschen aktivierend.  Anfang Februar 2014 hat die Freigabe des Tenge-Kurses, die letztlich zu einer Geldentwertung von 19% geführt hat, Proteste - und ein Durchgreifen der Sicherheitskräfte - provoziert. Die aktuelle Wirtschaftskrise und die damit verbundene Entwertung des Tenge verschärfen die sozioökonomische Lage großer Teile der Bevölkerung. Die Realeinkommen sinken seit 2014 (im 1. Halbjahr 2017 um 3,4%). Zuerst trugen nur verzweifelte Hypothekenschuldner ihren Protest auf die Straße, doch kann man die Demonstrationen gegen das Projekt eines neuen Landgesetzes im Frühjahr 2016 - die bislang größten im unabhängigen Kasachstan - als Zeichen interpretieren, dass die Geduld vieler Kasachstaner nicht unendlich ist. Anfang 2019 war das Entsetzen über den Feuertod von fünf Kindern, die nachts unbeaufsichtigt zuhause waren, während ihre im Niedriglohnsektor beschäftigen Eltern arbeiteten, Symbol für wachsende soziale Probleme und Anlass für mehrere Kundgebungen, die die Regierung zu einem Paket von sozialen Verbesserungen veranlassten.

Der Anteil der nach internationaler Definition Armen erscheint mit weniger als 2% zwar gering, doch erfordert das Überleben in so teuren Städten wie Almaty und Astana weit mehr als 2 US-Dollar pro Tag. Besonders betroffen sind häufig Rentner, daneben Arbeitslose und ländliche Zuwanderer. Auch eine große Gruppe privater Hypothekenschuldner befindet sich in einer ausweglosen Lage. Im Juni 2013 wurde nach kontroversen Diskussionen eine Reform des Rentensystems beschlossen, deren wichtigste Neuerungen die Anhebung des Rentenalters der Frauen von 58 auf 63 Jahre und die Einführung eines einigen Rentenfonds sind. Die Verwaltung des Fonds ist nicht unumstritten. Neue Gesetze zwingen nun in Zeiten der Wirtschaftskrise ältere Menschen aber geradezu, ihre Arbeitsplätze aufzugeben. Die Durchschnittsrente soll 2018 bei ca. 2.000 US-Dollar im Jahr gelegen haben. (Das durchschnittliche Monatseinkommen lag 2018 bei ca. 440 US-Dollar, wobei die Unterschiede zwischen den Branchen und Orten sehr groß sind. Das Mindesteinlommen wurde am 1.1.2019 um 50% auf 111 US-Dollar erhöht.) Die Arbeitslosenquote wird offiziell seit Jahren nahezu unverändert mit rund 5% angegeben, inoffizielle Zahlen nennen mehr als 10%. Gewerkschaften als unabhängige Vertreter von Interessen der Arbeitnehmer gibt es nicht, "freie" Gewerkschaften werden vom Staat nicht toleriert, die offiziellen Gewerkschaften gelten als staatlich gelenkt. Gegen das neue, die Rechte der Arbeiter verschlechternde Arbeitsgesetz gab es keinen hörbaren Widerspruch, obwohl Menschenrechtler die Situation der Arbeiter äußert negativ bewerten. Doch kommt es im erdölreichen Westen des Landes vermehrt zu von der Regierung kriminalisierten Ausständen, die vergeblich unabhängige Interessensvertretungen fordern.

Prekär ist auch die Lage der Zuwanderer, sowohl der kasachischen, die auf der Suche nach Arbeit und besseren Lebensbedingungen vom Land in die Städte kommen und dort auf Wohnungsprobleme stoßen und nur wenig Geld mit wenig qualifizierten Tätigkeiten verdienen, als auch der Arbeitsmigranten aus den benachbarten zentralasiatischen Republiken, deren Status und soziale Lage trotz juristischer Verbesserungen nach wie vor problematisch ist.

Trotz mancher Verbesserungen ist auch die Situation von Menschen mit Behinderungen nach wie vor schwierig.

Frauen / Gender

Junge Kasachinnen © Steve Evans (CC BY-NC 2.0)
Präsidententochter Dariga Nasarbajewa © Michail Evstafiev (gemeinfrei)
Großmutter © Marco Fleber (CC BY-NC-ND 2.0)
Basarhändlerin © Beate Eschment
Frauen in traditioneller Kleidung © NASA (public domain)

Knapp 52 % der Bevölkerung Kasachstans sind weiblich. Ihre Stellung in politischen und wirtschaftlichen Führungspositionen ist zwar keineswegs dominant und im sozialen Leben und auf der Einkommensskala nicht gleichberechtigt, doch vor allem im Vergleich mit anderen Staaten der Region relativ gut. Das drücken auch die verschiedenen internationalen Gender Indizes (Gender Equity Index/GEI, Gender Index/SIGI) aus. Im GEI 2012 stand Kasachstan sogar noch vor beispielsweise den USA auf Rang 33 von 154 gerankten Staaten.

Diese hoch akkumulierten Zahlen sagen natürlich wenig über die Lebensrealität von Frauen und Männern in Kasachstan, wie es auch grundsätzlich problematisch ist, zusammenfassende Urteile über ihre allgemeine Lage zu fällen, denn die Unterschiede zwischen Stadt-Land, Nord-Süd, verschiedenen Nationalitäten und Generationen sind groß.

Die Kasachinnen hatten historisch eine relativ starke gesellschaftliche Position, die Sowjetzeit tat ein Weiteres, um ihre Stellung zu stärken, vor allem natürlich in den Städten. Das darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die Frauen eine starke Doppelbelastung trugen, da in der Regel in der Familie das traditionelle Rollenbild vorherrschte und die weiblichen Familienmitglieder neben ihrer Berufstätigkeit ganz selbstverständlich für Haushalt und Kindererziehung zuständig waren. Auch wenn das offizielle Kasachstan sich seiner starken Frauen rühmt, gilt das in der Mehrheit der Familien bis heute, genauso wie der 8. März nach wie vor der Feiertag der Frauen ist. Auch die formelle Auszeichnung kinderreicher Mütter wurde aus der Sowjetzeit übernommen. Sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz wie auch häusliche Gewalt sind ein Problem, Ehescheidungen relativ häufig, außerdem kommen als traditionell bzw. islamisch betrachtete Erscheinungen wie Brautraub und Polygamie vor allem im ländlichen Süden wieder verstärkt vor. Der geltende Ehrkodex verhindert vielfach, dass Vergewaltigungen bei der Polizei angezeigt werden. Doch gibt es mutige Versuche, das öffentliche Schweigen zu beenden. Die Verurteilung der Protagonistin nach ihrem öffentlichen Hinweis auf das Thema Menstruation zeigt klar die Grenzen der offiziellen "Schamgrenze". Im Sommer 2016 sind Prostituierte mit der Forderung nach Legalisierung ihrer Tätigkeit an die Öffentlichkeit getreten. Auch wenn es auf der einen Seite starke Frauen gibt, die für ihre Rechte kämpfen, so ist doch auf der andereren eine auffällige Steigerung der Zahl der Selbstmorde von Frauen beunruhigender Ausdruck ihrer vielfach problematischen Situation. Andererseits gibt es neuerdings vereinzelt Berichte, dass Männer unter dem üblichen Macho-Rollenbild leiden.

Kasachstan hat eine Reihe internationaler Gender Equality Vereinbarungen unterzeichnet. Die nationale Gesetzgebung bedarf aber nach Meinung von Fachleuten noch mancher Verbesserung. Die Reformierung der Regelung des Mutterschaftsgeldes hat vernehmbaren Protest bei kasachstanischen Frauen hervorgerufen. 2015 versuchte man die Abkehr vom aus der Sowjetzeit ererbten Modell der Auszeichnung von Müttern mit besonders vielen Kindern hin zu einer Orientierung auf möglichst gute Betreuung und Erziehung.

Zwar können Homosexuelle beiderlei Geschlechts sich auf das Gleichheitsgebot in der Verfassung berufen, doch sowohl in Regierung und Parlament als auch in der Bevölkerung begegnet man ihnen mit erheblichen Vorbehalten.

Bildung

Bildung wird im Sinne von Zukunftssicherung vom Staat ein hoher Stellenwert beigemessen, Erfolge sind zu sehen, aber noch nicht durchschlagend. Bei der Größe des Landes und der Aufgabe scheint dies nicht verwunderlich; die nach wie vor vergleichsweise schlechte Bezahlung der Lehrer und die verbreitete Korruption stellen ein nicht gelöstes altes und die zunehmend ungleichen Bildungschancen ein neues strukturelles Hemmnis dar. Bei PISA 2009 hatten die Schüler Kasachstans in Lesen, Rechnen und Naturwissenschaften nur Rang 59 von 65 erreicht, 2012 konnte eine deutliche Verbesserung festgestellt werden.

Schulkinder am Saissan-See © Dagmar Schreiber

Die Schulzeit dauert in Kasachstan neuerdings 12 Jahre. Die zur Zeit ca. 2,5 Mio. Schüler lernen drei Sprachen (Kasachisch, Russisch, Englisch), daneben gibt es Schulen mit einem besonderen Sprachangebot, z.B. Deutsch, und Unterricht für die Angehörigen der nationalen Minderheiten in diversen weiteren Sprachen. 

Campus der Al-Farabi-Universität, Almaty © Beate Eschment
Campus der Al-Farabi-Universität, Almaty © Beate Eschment
KIMEP-Universität, Almaty © Beate Eschment
KIMEP-Universität, Almaty © Beate Eschment
Deutsch-Kasachische Universität, Almaty © Beate Eschment
Deutsch-Kasachische Universität, Almaty © Beate Eschment
Nasarbajew-Universität, Nur-Sultan © Beate Eschment
Nasarbajew-Universität, Nur-Sultan © Beate Eschment

Nach Abschluss der Schule steht den jungen Leuten der Weg in eine staatliche Berufsausbildung in sog. Colleges und Lyzeen oder nach erfolgreicher Aufnahmeprüfung ein Hochschulstudium offen. Die Berufsbildung befindet sich noch im Aufbau, sie ist am deutschen Beispiel orientiert und wird von Deutschland und der EU unterstützt. Es gibt insgesamt 127 Hochschulen (Stand 2015/16), davon 55 private. Dort studieren aktuell ca. 460 Tsd. Studenten. Eine Reformierung = Internationalisierung der Hochschulbildung ist im Gange, die Betroffenen beklagen vor allem hohe Kosten für geringes Ausbildungsniveau, vereinzelte Meldungen über Käuflichkeit von Abschlüssen u.ä. deuten auf ein vermutlich größeres Problem hin. Die bedeutendsten Universitäten des Landes sind in Nur-Sultan die Eurasische Gumilev-Universität, sowie vor allem die 2009 gegründete neue Eliteschmiede, die Nazarbaev-University, an der viele ausländische Dozenten lehren - was auch einmal zu politischen Konflikten führen kann. In Almaty gibt es die größte Hochschuldichte des Landes, als Volluni mit naturwissenschaftlich-technichen und geisteswissenschaftlichen Fakultäten führend ist die Al Farabi Universität. Daneben gibt es technische, wirtschaftswissenschaftliche, medizinische und künstlerische Hochschulen, und auch eine Kasachisch-Britische Technische Universität sowie die Deutsch-Kasachische Universität mit vier Fakultäten. Wer es sich leisten kann, strebt trotz aller Bemühungen des Staates um eine Verbesserung des Ausbildungsniveaus ein Auslandsstudium an. Dabei haben die deutsche Sprache und Deutschland als Zielland durchaus Anziehungskraft. Das gleiche gilt andersherum offenbar für Almaty als Anziehungspunkt für ausländische Studenten.

Die Angehörigen der post-sowjetischen Generation in Kasachstan gelten als bildungs- und aufstiegsorientierte digital natives, die in ihren Wertvorstellungen konservativ, wenig politisch interessiert und skeptisch gegenüber staatlichen Autoritäten sind. Es gibt auch Stimmen, die auf eine große Zahl von Jugendlichen ohne Ausbildung und Arbeitsplatz hinweisen.

Gesundheit

Eingang des Zentralen Krankenhauses, Almaty © Beate Eschment
Eingang des Zentralen Krankenhauses, Almaty © Beate Eschment
Hinweis auf einen Zahnarzt in Almaty © Beate Eschment
Hinweis auf einen Zahnarzt in Almaty © Beate Eschment
Medizinisches Zentrum in Almaty © Beate Eschment
Medizinisches Zentrum in Almaty © Beate Eschment

Die Reform des Gesundheitswesen wurde und wird mit vielerlei Programmen vorangetrieben und es zeigten sich auch beeindruckende Erfolge. Doch ist selbst die Gesundheitsversorgung in den Großstädten noch nicht sicher gewährleistet.

Nach Angaben der WHO wurden 2014 nur 4,4% des BIP für den Gesundheitssektor aufgewendet. Ein Überblick zeigt, dass der Gesundheitszustand der Bürger Kasachstans zu wünschen übrig lässt. Die relativ hohe TB-Rate der neunziger Jahre hat sich zwar verbessert, ist aber immer noch vergleichsweise hoch.

Nur eine Grundsicherung auf niedrigem Niveau ist kostenfrei, die notwendige Zuzahlung für viele Untersuchungen, plus die häufig geforderten „inoffiziellen“ Zahlungen schließen einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung, gerade Rentner, von der medizinischen Betreuung aus. Wer viel zahlen kann, wird bestens und auf höchstem Niveau behandelt. Das Versorgungsangebot ist auch sehr ungleichmäßig, wie überall in den Städten besser als auf dem Land, manche Gebiete Kasachstans sind aber auch sehr viel schlechter versorgt als andere. Dies wird sogar in einem mehrjährigem Unterschied beispielsweise der Lebenserwartung der Bevölkerung sichtbar: im Gebiet Nord-Kasachstan betrug sie 2010 66,3 Jahre, in der Stadt Astana 73,2. Für eine zahlungskräftige ausländische Klientel von Medizintouristen ist Kasachstan dagegen sogar ein Anziehungspunkt geworden.

Die Bezahlung des im öffentlichen Sektor beschäftigten medizinischen Personals ist sehr niedrig, was sich auf die Reputation der Gesundheitsberufe und manchmal auch das Engagement auswirkt.

Kasachstan liegt auf der Drogentransportroute von Afghanistan nach Russland (und Westeuropa). Das hat Auswirkungen nicht nur auf die Kriminalitätsrate. Die Zahl der Drogenabhängigen lag 2011 offiziell bei ca. 50.000, man muss aber von einer sehr hohen Dunkelziffer ausgehen. Entsprechend ist die Entwicklung bei HIV/AIDS. Nach offiziellen Angaben leben in Kasachstan ca. 24.400 Infizierte (31.12.2015), in der Mehrzahl Männer, doch zeigt die Zahl neu infizierter Frauen eine stark steigende Tendenz. Alkoholismus ist weit verbreitet, wie auch trotz - gesetzlicher Beschränkungen - das Rauchen, bei dem Frauen gegenüber den Männern immer mehr aufholen, mit entsprechenden Folgen für ihre Gesundheit.

Kultur und Kunst

Die Kultur der Kasachen war eine Kultur der Nomaden, deshalb ist sie zum Teil durch die Sesshaftmachung verloren gegangen oder ihrer ursprünglichen Bedeutung beraubt worden. Doch kann man heute noch, bzw. wieder, eine Reihe typischer Erscheinungen beobachten. Die große Gastfreundschaft wird zum Beispiel als nomadisches Erbe betrachtet, genauso die im Vergleich zu den historisch sesshaften und stärker islamisierten Nachbarvölkern stärkere Stellung der Frau, der enge Familienzusammenhalt und die Achtung vor den Alten. Ganz typisch waren und sind diverse Reiterspiele und Wettrennen sowie die Jagd (mit dazu trainierten Adlern).

Vor allem gab es eine Reihe spezieller Feste für die Ereignisse von der Wiege bis zu Bahre, die heute in modernisierter und kostenintensiver Form stattfinden. Bei solchen Ereignissen sind auch noch, meist ebenfalls modernisierte, Nationaltrachten zu sehen, die ansonsten nur noch bei folkloristischen Darbietungen auftauchen. Aus dem Alltagsleben ist die traditionelle Kleidung, außer vielleicht im Süden die Kopfbedeckung, weitgehend verschwunden. Das Gleiche gilt für die traditionelle Behausung, die Jurte, und ihre Innenausstattung mit Filzteppichen und typischen Gebrauchsgegenständen und vielerlei Zierart. Einzig in der Küche haben sich viele typische Speisen und Getränke (z.B. Kumys) erhalten.

Heutige kasachische Goldschmiede, Maler, Bildhauer, Architekten und andere Künstler nehmen in ihren Werken häufig Bezug auf traditionelle Stilelemente. Malerei und Bildhauerei sind allerdings, der nomadischen Lebensweise geschuldet, keine althergebrachten Kunstformen. Sie entwickelten sich, orientiert am sozialistischen Realismus erst im 20. Jh.. Seit der Unabhängigkeit hat sich eine lebendige auch unkonventionelle Kunstszene entwickelt, die auch Beachtung bei westlichen Museen und Sammlern findet. Es gibt aber auch Klagen, dass zeitgenössische Kunst im heutigen Kasachstan verdrängt werde. Selbsternannte Hüter kasachischer Tradition beschweren sich neuerdings auch über seit Jahrzehnten unbeachtete unkonventionelle künstlerische Darstellungen kasachischen nomadischen Lebens. Dessen ungeachtet haben Künstler aller Ausdrucksformen Anschluss an ihre jeweilige globale Community gefunden.

Zur Zeit stehen drei Stätten auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes - das Mausoleum von Hodscha Achmed Yassawi in Turkestan, die Petroglyphen von Tamagly und zuletzt mehrere Überreste der Seidenstraße -, (und eine - Saryarka - auf der des Weltnaturerbes).

Literatur

Abai Kunanbaev
Abai Kunanbaev

Die Epen der Kasachen wurden bis ins 19. Jh. mündlich überliefert. Die ersten namentlich bekannten und bis heute verehrten Schriftsteller waren Ibraj Altynsaryn, Schokan Walichanow und vor allem Abaj. Die erste kasachisch-sowjetische Schriftstellergeneration fiel in den 30er Jahren der stalinistischen Verfolgung zum Opfer. Typisch für die sowjetisch-kasachische Literatur ist die Beschäftigung mit der eigenen Geschichte, der Historienroman. Werke wie „Der Weg des Abaj“ von Muchtar Auesow (1897-1961) oder die Trilogie „Nomaden“ von Iljas Esenberlin (1915-1983) spielen heute wieder eine Rolle bei der Bildung einer kasachischen Identität. Die bekanntesten zeitgenössischen Schriftsteller, Olschas Sulejmenow und Muchtar Schachanow vor allem, haben ihre Tätigkeit schon in der Sowjetzeit begonnen. Sie engagieren sich heute auch im gesellschaftlich-politischen Leben, bzw. treten für das Kasachische ein.

Der 2015 verstorbene russlanddeutsche Schriftsteller Gerold (Herold) Belger, der 1941 als Kind mit seinen Eltern von der Wolga nach Kasachstan zwangsdeportiert worden war, wird heute in Kasachstan auch sehr geschätzt. Mehrere seiner Werke liegen auch auf dem deutschen Buchmarkt vor.

Dies gilt auch für eine ganze Reihe der Werke der bekanntesten kasachischen Schriftsteller, die in der von der Botschaft Kasachstans unterstützten und von mehreren Verlagen gemeinsam betriebenen Reihe „Kasachische Bibiothek“ auf Deutsch erschienen sind. Umfangreicher, aber immer noch zu klein, ist das Angebot von Übersetzungen ins Englische.

Theater

Vor dem Artischok-Theater, Almaty © Beate Eschment
Vor dem Artischok-Theater, Almaty © Beate Eschment
Das Kasachische Theater in Astana © Beate Eschment
Das Kasachische Theater in Astana © Beate Eschment

Das Theater hat seine Vorläufer in von Barden unter den Nomaden in der Steppe mündlich vorgetragenen Balladen, in der europäischen Form kam es gegen Ende des 19. Jahrhunderts nach Kasachstan und Zentralasien. In der Sowjetzeit bekam jede größere Stadt ihr eigenes Theater, einige der vielen Nationalitäten der KazSSR hatten (haben) auch eigene Bühnen.

Auch heute gibt es in Astana, Almaty und den Gebietshauptstädte kasachisch- und russischsprachige Theater mit einem breiten, eher klassisch inszenierten Repertoire von Werken kasachischer wie internationaler Autoren. Staatlich subventioniert spielen sie eine Rolle für die Staats- und Nationsbildung, in Einzelfällen bis hin zu den Präsidenten verherrlichenden Aufführungen. Es wird andererseits aber auch versucht, dem Publikum aktuelle Probleme szenisch näher zu bringen. In Almaty hat sich davon unabhängig eine hoch interessante freie Theaterszene entwickelt, die künstlerisch und politisch Grenzen austestet.

Musik

Dombraspielerinnen © Dagmar Schreiber

Alle Lebensabschnitte und –situationen der kasachischen Nomaden waren von Musik, vor allem Liedern, begleitet. Traditionell kasachische Musik besteht also aus Gesang und verschiedenen Saiten- und Schlaginstrumenten. Schon in der Steppe gab es Sängerwettbewerbe, bei denen der beste Musiker bestimmt wurde. Auch heute gibt es ein reiches Musikleben. Typische Instrumente sind die gezupfte Dombra und der gestrichene Kobys. Das Musikinstrumentenmuseum in Almaty bietet einen umfassenden und informativen Überblick über Geschichte und Gegenwart typischer Instrumente:

Exponate im Musikinstrumentenmuseum von Almaty © Beate Eschment
Exponate im Musikinstrumentenmuseum von Almaty © Beate Eschment

Heute wird die überlieferte Musik nicht nur in traditioneller Form gepflegt, sondern erfolgreich eine Synthese mit moderner Musik versucht. Auch in den Songs heutiger kasachstanischer Popstars, z.B. Kairat Nurtas oder dem vor allem in China sehr beliebten Dimash Kudaibergen, sind typische Elemente zu erkennen. Schon in der Sowjetzeit und noch mehr natürlich heute gibt es vielerlei Gruppen und einzelne Musiker, die an die Musikströmungen der westlichen Welt anknüpfen. 

Natürlich spielt Musik auch eine Rolle bei dem staatlichen Bestreben, eine kasach(stan)ische Identität zu schaffen, Patriotismus zu fördern. Die Verwendung von Literatur, Musik und Geschichte zur Schaffung einer nationalen Identität und Patriotismus ist nicht typisch für Kasachstan, sondern lässt sich in allen fünf jungen zentralasiatischen Staaten beobachten.  

Kino

Filme aus den Studios des damaligen Alma-Ata hatten schon in der Sowjetzeit einen guten Ruf. Nach finanziell bedingt schweren Zeiten gelingt es kasachichen Filmemachern heute, wieder an diese Tradition anzuknüpfen und globalen Filmtrends mit kasachstanischer Note zu folgen. Das jährliche Eurasia Film Festival in Almaty ist inzwischen über die Grenzen Zentralasiens hinaus bekannt. Uroki Garmonii /Harmony Lessons, der nachdenklich-kritische Debütfilm des kasachischen Regisseurs Emir Baigazin, hat bei amerikanischen wie europäischen Filmfestivals Preise bekommen: bei den 63. Berliner Filmfestspielen (Berlinale) 2013 wurde er mit einem Silbernen Bären für eine herausragende künstlerische Leistung im Bereich Kamera (Aziz Zhambakiyev) ausgezeichnet. Gerade solche Filme sind dem derzeitigen Kulturminister aber ein Dorn im Auge, er fordert Wohlfühlfilme von der heimischen Filmindustrie. Baigazins neuester Film (The Wounded Angel, 2016), der auf der Berlinale lief,  ist dennoch fast noch bedrückender als sein Vorgänger. 2018 wurde die kasachstanische Schauspielerin Samal Jesljamowa bei den Filmfestspielen in Cannes als beste Darstellerin im Film Ayka ausgezeichnet.

Kasachstan war auf der anderen Seite auch bereits Schauplatz eines Filmes des bekannten deutschen Regisseurs Volker Schlöndorff mit dem Titel "Ulzhan". Er ist von deutschen Kritikern eher skeptisch beurteilt und wenig bekannt worden, der gezeigte Weg eines europäischen Sinnsuchers durch die Steppen Kasachstans gibt aber vielerlei gute Eindrücke von Landschaften und Menschen. Rein gar nichts mit dem realen Kasachstan zu tun hat dagegen ein sehr bekannt gewordenes Werk des US-amerikanischen Komikers Sacha Baron Cohen mit dem Titel "Borat". Die Bezeichnung Kasachstan diente Cohen nur als fiktiver Handlungsort, die Satire wurde in Rumänien gedreht. Die heftige Reaktion gerade auch von offizieller kasachstanischer Seite, die sich in ihrer nationalen Ehre angegriffen sah, hat dem Streifen nur zu noch größerer Bekanntheit verholfen.

Religion

Achmed-Jassawi-Moschee, Turkestan, © Beate Eschment
Achmed-Jassawi-Moschee, Turkestan, © Beate Eschment
Russisch-Orthodoxe-Kirche, Almaty, © Beate Eschment
Russisch-Orthodoxe-Kirche, Almaty, © Beate Eschment
Die katholische Kirche von Astana © Beate Eschment
Die katholische Kirche von Astana © Beate Eschment
Ukrainisch griechisch-katholische Kirche, Astana © Beate Eschment
Ukrainisch griechisch-katholische Kirche, Astana © Beate Eschment

Anfang der neunziger Jahre führte die neue Religionsfreiheit, verbunden mit dem Ende der Sowjetideologie und den sozioökonomisch schweren Zeiten auch in Kasachstan zu einem Wiederaufleben der Religionen. Die Menschen konnten sich zu ihrem Glauben bekennen, es entstanden zahlreiche neue Gemeinden und Gotteshäuser. Alle Angaben über die Zahl der Gläubigen, egal welcher Glaubensrichtung sind aber bis heute Schätzungen und unterscheiden sich z.T. erheblich. Insgesamt sollen in Kasachstan mehr 40 als verschiedene Konfessionen vertreten sein.

Die Kasachen sind muslimisch, genauso wie die Angehörigen der anderen in Kasachstan lebenden zentralasiatischen Nationalitäten (Usbeken, Kirgisen, Tadschiken, Turkmenen, Ujghuren, etc.). Doch spielte der Glaube historisch für die Kasachen eher eine untergeordnete Rolle und ging in Sowjetzeit noch mehr verloren. Wie bei der Kenntnis der kasachischen Sprache war auch das Verhältnis zum Glauben regional verschieden: im Süden und besonders auf dem Land noch vorhanden, im Norden kaum sichtbar.

Heute ist Kasachstan laut Verfassung ein säkularer Staat, Religionsfreiheit sowie die Gleichberechtigung der Religionen sind garantiert. Voraussetzung für jede Tätigkeit ist die staatliche Registrierung, politisch-religiöse Vereinigungen sind verboten. Doch wird der Islam von der Führung für das State- und Nationbuilding verwendet. Seit der Unabhängigkeit wurden mit staatlichem Segen neue Moscheen errichtet, islamische Feiertage werden eingehalten, Kasachstan ist Mitglied der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) und hatte dort 2011 sogar den Vorsitz inne. Neue, sich unabhängig von diesem staatlichen Islam entwickelnde Bekenntnisse zum Islam werden allerdings kritisch gesehen. Daneben besteht ein Volksislam, der manches Element der vorislamischen Zeit enthält. Er wird eher kulturell, als streng den religiösen Geboten folgend, gelebt. Im Alltagsleben der Städte spielt der Islam noch kaum eine Rolle, in den traditionelleren Dörfern des Südens ist er stärker verankert, wobei es auch zu geradezu klassischen Konflikten zwischen den Bestimmungen des säkularen Staates und den religiösen Regeln kommt. Sie werden sich vermutlich in Zukunft verschärfen, wenn gesetzliche Bestimmungen gegen Bartträger usw. in Kraft treten, mit denen man den Islamismus bekämpfen will.

Aufgrund der historisch wie aktuell schwachen Stellung des Islam verbunden mit der lange Zeit positiven wirtschaftlichen Entwicklung und einer relativ präsenten Staatsmacht haben die meisten Beobachter - und offensichtlich auch die kasachstanische Führung - Kasachstan lange Zeit nicht als Feld für Islamisten gesehen. Doch haben Anschläge im Jahr 2011 und im Juni 2016 gezeigt, dass es zumindest lokal operierende extremistische Gruppierungen gibt. Ihre Bedeutung wird recht verschieden, aber zunehmend ernster bewertet. Berichte über (geschätzt 250-300) kasachische Kämpfer im syrischen Bürgerkrieg und bei ISIS lösen zusätzlich Besorgnis aus. Im Vergleich zu seinen Nachbarstaaten gilt Kasachstan aber (noch) als wenig gefährdet. Ein 2016 neu gebildetes Ministerium für Religionsangelegenheiten (und Zivilgesellschaft) soll sich diesen Herausforderungen stellen.

Durch die Emigration von vor allem Russen und Ukrainern ist die Zahl der nominell wie tatsächlich russisch-orthodoxen Gläubigen stark zurückgegangen. Gleiches gilt für Protestanten und Katholiken durch die Aussiedlung von Deutschen und Polen. Das Verhältnis zwischen Islam und christlichen Kirchen ist entspannt. Es gibt eine kleine, aber aktive jüdische Gemeinschaft. Sogenannte „nichttraditionelle Religionen“ – Scientology, Hare Krishna, Mormonen - hatten und haben Zulauf, was Widerspruch bei den Amtsträgern der traditionellen Glaubensrichtungen hervorruft und den Staat zum Handeln veranlasst hat. Beobachter beklagen den Versuch des Staates, auch religiöse Angelegenheiten traditioneller Glaubensrichtungen zu kontrollieren.

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zuletzt im Mai 2019 aktualisiert.

Autorin

Dr. Beate Eschment beschäftigt sich seit Anfang der 90er Jahre mit Geschichte und Gegenwart der postsowjetischen zentralasiatischen Staaten, insbes. Kasachstan und Kirgisistan, und hat sich dort zu längeren Lehr- und Forschungsaufenthalten aufgehalten. Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS), Redakteurin der Zentralasien-Analysen.

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