Skyline von Nairobi / © Jonathan Stonehouse (CC BY 2.0)
Offizieller Name
Republik Kenia
Fläche
582.650 km²
Einwohner
51,4 Mio. (HDR 2019)
Bevölkerungswachstum
2,2 % (CIA World Factbook 2020)
Regierungssitz
Nairobi
Amtssprachen
Englisch und Kisuaheli
Regionalsprachen
rund 40, darunter Kikuyu, Luo, Maa

Geographische Lage

Lage Kenias in Ostafrika
Lage Kenias © TUBS (CC BY 3.0)

Kenia liegt rund 7 Flugstunden von Mitteleuropa entfernt im Osten Afrikas. Mit mehr als 580.000 qkm Landesfläche ist es etwas größer als Frankreich. Mitten durch das ostafrikanische Land zieht sich der Äquator. Im Norden grenzt Kenia an Somalia, Äthiopien und Südsudan, im Westen an Uganda. Im Süden hat Kenia eine fast tausend Kilometer gemeinsame Grenze mit Tansania. Im Osten liegt Kenias Küste zum Indischen Ozean.

Übersichtskarte Kenias © CIA (public domain)
Übersichtskarte Kenias © CIA (public domain)

Eine physische Karte und weitere thematische Karten zu Kenia finden Sie bei der University of Texas und bei Google. Eine interaktive Karte mit Zoomfunktion ermöglicht einen virtuellen Flug über Nairobi. In der Ansichtseinstellung 'Satellit' sind deutlich die dicht besiedelten fruchtbaren Gebiete nördlich von Nairobi und die karge Steppe, die hinter den Ngong-Bergen wenige Kilometer südwestlich der Metropole beginnt, zu sehen. U.a. die norwegische Organisation GRID Arendal hält ein Auge auf das Thema Ressourcennutzung und die Lage der Umwelt und liefert Übersichten.

Die staatliche Souveränität ist insbesondere an den Grenzen Kenias oft eingeschränkt. Aus verschiedenen Gründen häufen sich so genannte border disputes, Streitigkeiten über Grenzverläufe. So wecken Ölfunde im Norden Erinnerungen an die Frage, wem das Ilemi Dreieck gehört, eine bis zu 14.000 qkm große Fläche, die erst seit 1978 auf offiziellen Karten als kenianisch ausgegeben wird und möglicherweise auch von Südsudan beansprucht werden könnte. Ugandisches Regionalmachtstreben, aber auch der Kampf um die Ressource Fisch bilden den Hintergrund für einen Disput um die kleine, mehrheitlich von Kenianern bewohnte Inselgruppe Migingo im Viktoriasee, die zeitweilig zumindest nach ugandischem Verständnis in ugandischen Gewässern lag. Der Anspruch einiger somalischer Politiker und Clanchefs auf das von ethnischen Somaliern bewohnte Grenzgebiet zu Somalia ist so alt wie das Land und ein beliebtes politisches Bindemittel im ansonsten politisch zerrütteten Somalia. Auch Ideologen der Terrormilizen von Al-Shabab fordern eine Rückführung solcher Ländereien in ein Groß-Somalia und haben damit neben dem Kitt religiöser Propaganda auch eine nationale Agenda geschaffen.

Die FAO hält zu Kenia eine ganze Reihe von Übersichtskarten und Grafiken bereit, u.a. zur Bevölkerungsdichte und zum landwirtschaftlich bebaubaren Land. Einen guten Überblick über Bevölkerung und Ökosysteme bietet das World Resources Institute, außerdem liefert UN OCHA aktuelle Übersichten über Notlagen und Konflikte.  

Grunddaten

Daten, Zahlen, Fakten - knapp und weitgehend unkommentiert - liefern das CIA World Factbook, die generell gut informierte BBC, die Hinweise auf UN Data sowie das Auswärtige Amt und das BMZ.

Im Human Development Index 2018 des UNDP rutschte Kenia von Rang 142 im HDR 2017 unter 189 verglichenen Staaten ab auf Platz 147. Es bleibt eines der 50 ärmsten Länder der Welt, aber über dem subsaharischen Durchschnitt und noch vor Tansania und Uganda. Der Bertelsmann-Transformations-Index BTI 2018 sah das Land auf einem im Vergleich zu den Vorjahren verbesserten Platz 57 von 129, aber im BTI 2020 rutschte Kenia in puncto Politische Transformation ab auf Rang 79 unter 137 verglichenen Ländern (stark defekte Demokratie).

Im Doing Business-Index 2019 ist es von zuvor Platz 92 auf den 61. Rang aufgestiegen, und im DBI 2020 auf Rang 56 unter 190 verglichenen Ländern, liegt damit weit vor den Nachbarn. In Afrika schneiden nur Marokko, Ruanda und Mauritius besser ab in Bezug auf die bürokratischen Hürden für Unternehmensgründungen. Unerfreulich ist aber weiterhin die subjektive Wahrnehmung der Korruption: Transparency International sah Kenia 2019 auf Platz 137 von 180, verbessert von zuvor 144, auf einer Höhe mit Papua Neuguinea und besser als Uganda oder Mosambik. Aber dass es auch anders geht, zeigen Ghana auf Rang 80 und Ruanda (51). Grunddaten aus kenianischer Perspektive liefert das Kenya National Bureau of Statistics.

Land der Vielfalt

Elefanten im Amboseli-Nationalpark.
Elefanten im Amboseli-Nationalpark. © Ehlert
Ein Fischer an der Südküste reinigt mit Feuer den Bootsrumpf.
Ein Fischer reinigt den Bootsrumpf. Südküste 2012 © Ehlert
Flamingos im Nakuru-Nationalpark © Ehlert
Flamingos im Nakuru-Nationalpark © Ehlert
Topografie Kenias
Topografie Kenias © Sadalmelik (public domain)

Kenia liegt im Gebiet des Großen Ostafrikanischen Grabenbruchs und bietet eine Vielzahl an Landschaften mit entsprechend unterschiedlicher Vegetation. Die Landesfläche ist in fünf verschiedene Klimazonen zu unterteilen, von trocken bis tropisch feucht an der Küste im Osten über den regenreicheren und heißeren Westen am Viktoriasee, vom gemäßigten Klima des Hochlandes und Nairobis bis hin zur Wüste Chalbi im Nordosten und dem (noch) schneebedeckten Mount Kenya im Zentrum, dem mit 5.199 Metern zweithöchsten Berg Afrikas. Weite Teile des Landes sind von wildreicher Savanne bedeckt, aus der Luft wirkt sie oft grün, doch am Boden ist sie so trocken, dass eine landwirtschaftliche Nutzung nicht möglich ist und nur Viehnomaden mit ihrem angepassten Lebensstil dort noch ihr Auskommen finden können.

Die Gesamtfläche der Nationalparks und Reservate erreicht fast die Größe Bayerns. Weltbekannt ist die Masai Mara an der Grenze zu Tansania, Schauplatz der letzten großen Wildtiermigration der Welt, wo alljährlich Hunderttausende Gnus und Zebras auf dem Weg in bessere Weidegründe den Sprung über den Marafluss wagen. Im Amboseli-Nationalpark finden sich die ältesten Elefantenpopulationen, wegen der kalkhaltigen Erde die "white elephants" genannt, in Tsavo East und West die meisten Elefanten, wegen der roten Erde heißen sie "the red elephants of Tsavo". Die letzten Waldelefanten begegnen Besuchern der Aberdares und des Mount Kenya. Für seinen Nashornreichtum ist der Nakuru-Nationalpark bekannt, wegen seines Sees auch bei Flamingos beliebt. Spektakulär ist der Ausblick aus dem Nairobi National Park auf die Skyline der Stadt - wohl die einzige Hauptstadt der Welt, die sich einen Nationalpark leistet. Der Kenya Wildlife Service hat auf seiner Webseite alle unter seiner Obhut stehenden Parks aufgelistet und verlinkt. Hinzu kommen private Reservate wie jene auf dem Laikipia-Plateau, zum Teil verbunden und vernetzt, die offenbar immer wichtiger für den Erhalt der kenianischen Tierwelt werden.  

Diese Tierwelt, deren Biodiversität einzigartig ist, gehört nicht nur zu Kenias wichtigsten Touristenattraktionen, sondern ist in vielen Fällen Teil des Weltnaturerbes und steht unter dem Schutz der UNESCO. Neben dem Mount Kenya mit seiner einzigartigen Flora und Fauna sind es die Parks am Lake Turkana und das Seesystem des Great Rift Valley in Kenia. Viele Gebiete stehen zudem auf der Vorschlagsliste des UNESCO-Weltnaturerbes.

Leider kennen die meisten Kenianer Elefanten und Löwen nur aus dem Schulbuch oder von Reklametafeln, da sie sich einen Nationalparkbesuch nie leisten könnten. Umso wichtiger sind ökologisch vielleicht nicht bedeutsame, aber für die Aufklärung unersetzliche Initiativen wie die der Sheldrick Farm am Rande Nairobis, wo verwaiste Elefanten und Rhinos aus der Region unter einem kaum glaublichen Aufwand an menschlichen und materiellen Ressourcen aufgepäppelt und dann in Tsavo wieder ausgewildert werden. "Birdies", Vogelliebhaber, kommen aber auch ohne Safaris aus und schon in Nairobi auf ihre Kosten. Die Vielfalt der Vogelwelt ist für eine Großstadt bemerkenswert und fällt sofort auf. In ganz Kenia sind über 500 verschiedene Vogelarten zu finden.

Sehr sehenswert für einen ersten Eindruck vom Land ist die umfangreiche Fotogalerie von Christoph Grandt. Sie sehen dort nicht nur Landschaftsbilder aus fast allen Regionen Kenias, sondern auch viel vom Alltagsleben der Menschen. Der niederländische Fotograf Sven Torfinn, der seit vielen Jahren in Kenia lebt, gehört zu den renommiertesten Profifotografen im Land mit einem breiten Portfolio, ebenso die Journalistin Kirsten Milhahn, deren Homepage interessante Reportagen über Land und Leute enthält.

Ökologische Fragen: Bringt der Klimawandel mehr Regen?

Trotz der Lage des Landes am Äquator sind Klima und Vegetation nur an der Küste und am Viktoriasee tropisch feucht. Landwirtschaft ist in einem schmalen Streifen im Hinterland der Küste und vor allem in den fruchtbaren Highlands möglich, wobei sich die Landkonflikte insbesondere im Rift Valley konzentrieren. Updates über natürliche und gesetzliche Rahmenbedingungen der landwirtschaftlichen Produktion, Viehzucht und Fischerei bietet die FAO.

Das kenianische Hochland mit seinem gemäßigteren Klima war in der Kolonialzeit auch für die europäischen Siedler attraktiv. Die Nordhälfte des Landes zwischen Lamu und Lodwar ist karg bis wüstenhaft und deshalb nur spärlich besiedelt. Regen und Regenvorhersagen werden immer wichtiger, vor allem um den Zeitpunkt von Aussaat und Pflanzung zu bestimmen. Aus den Informationen des staatlichen Wetteramts  und der Gesellschaft für Meteorologie lassen sich aktuelle Angaben über das Wetter sowie Prognosen entnehmen. Dürrezeiten verursachen besonders in den nördlichen Regionen immer wieder Hungerkrisen. Viele Jahre lang musste das Welternährungsprogramm mehr Menschen in Kenia mit Nahrungsmitteln aushelfen als etwa im bürgerkriegsgeplagten Sudan; der nationale und regionale Austausch und Handel mit Lebensmitteln funktioniert nur unzureichend. Hinzu kommt, dass selbst wenn Nahrung vorhanden ist, die ärmeren Dürreopfer sich keine kaufen können.

Preisfrage für die Zukunft ist, wie sich der Klimawandel auf Kenia auswirken wird. In Äthiopien hat auf Grund der - vielfach als zu dramatisch kritisierten - Prognosen der Klimaforscher bereits der Druck auf die Ressource Land zugenommen, denn in Ostafrika wird, anders als im südlichen Afrika, in bestimmten Lagen mehr Regen erwartet als bislang; eine ähnliche Entwicklung könnten Gebiete erfahren, wo die Temperaturen im Schnitt seit 1960 um ein Grad gestiegen sind und wo künftig mit mehr Extremwetterereignissen zu rechnen ist. Mit einem Nationalen Klima-Aktionsplan als Teil des Entwicklungsprogramms Vision 2030 bereitet sich die Regierung auf die Veränderungen vor. Schon seit einiger Zeit setzen die Regenzeiten wenig verlässlich ein, so dass die Bauern nie sicher sein können, zur richtigen Zeit ausgesät zu haben. Genauere Prognosen enthält der jüngste Bericht des Internationalen Expertentenpanels für den Klimawandel (IPCC) aus dem Jahr 2018.

Die Regierung Kenias ist sich der Klima-Problematik seit langem sehr bewusst und hat Strategien gegen den Klimawandel sowie für die Klimafolgenanpassung entwickelt, wie das Grantham Research Institute der London School of Economics in einem analytischen Überblick aus Anlass des Pariser Klimagipfels 2015 feststellt. Auch Teilen der Bevölkerung ist das Problem bewusst - und wer dafür verantwortlich ist, unter anderem die Europäer mit ihrem Ressourcenverbrauch. Gegen die EU läuft deshalb Medienberichten zufolge eine Sammelklage, der sich auch kenianische Dürreopfer angeschlossen haben sollen. Dass die verheerende Entwaldung Kenias den schädlichen Klimaphänomenen nicht zuwiderläuft, sondern sie verschärft, wird in den Berichten nicht erwähnt.

Landnot, Entwaldung, Vermüllung

Wilde Wertstoffkippe an der Küste
Wilde und reguläre Wertstoffkippe an der Küste - in beiden Fällen nicht sehr gesund. © Ehlert 2012
Reguläre Wertstoffkippe an der Küste

Kenia ist ein sehr wasserarmes Land und gleichzeitig ein Agrarstaat, dessen Bevölkerung jedes Jahr um eine Million Einwohner wächst. Der Bevölkerungsdruck verschärft die Landkonflikte und Umweltprobleme, die schon in der Hauptstadt augenscheinlich sind. Die natürlichen Ressourcen des Landes sind bedroht. Aus Landnot roden Bauernfamilien offiziell geschützte Wälder, um Ackerland zu gewinnen. Holz ist für die meisten Bauern noch immer die primäre Energiequelle, der Hausbrand zum Kochen trägt zur Entwaldung bei. Illegaler Holzeinschlag und Besiedelung - oft gedeckt durch einflussreiche Politiker - dezimieren die Wälder weiter. Das Rad zurückzudrehen, wie im Mau Escarpment, aus dem sich die Wasserversorgung der Massai Mara speist, ist oft mit harten Konflikten verbunden.

Die Entwaldung bedroht auch die Wasserreserven des Landes, unter anderem deshalb, weil theoretisch gut zwei Drittel der Regenmenge im Land selbst generiert werden müssten und nur etwa ein Drittel durch den vom Meer kommenden Monsunregen, der über Kenia niedergeht. Das heißt, die Dürren und die je nach Region zunehmende Wasserknappheit sind teils hausgemacht, wobei der Klimawandel und der Temperaturanstieg in einigen ohnehin trockenen Gebieten die Lage verschärft, auch in Städten wie Mombasa.

Die Einbindung der lokalen Bevölkerung in das Waldmanagement und eine Vielzahl von Initiativen des Staates wie der Zivilgesellschaft versuchen die Situation zu verbessern, und tatsächlich gibt es Fortschritte bei der Wiederaufforstung, etwa auf dem Mount Kenya. Die Bemühungen werden jedoch konterkariert durch Verluste auf den anderen so genannten Wassertürmen des Landes: Mount Elgon, Mau Escarpment, Aberdares. Nach FAO-Angaben liegt die Bewaldung bei nur mehr 5-6 Prozent der Landesfläche. Bis 2030 will die Regierung Flächen von der Größe Costa Ricas wieder aufforsten und den Waldanteil von derzeit ca. 6 auf über 10 Prozent der Landesfläche steigern. 

Der Viktoriasee, Wasserreservoir für zig Millionen Menschen, ist ebenfalls seit langem durch Umweltprobleme belastet. Die Einsetzung des Nilbarsches in den 1950er Jahren führte zu einer dramatischen Reduzierung der Artenvielfalt, schuf jedoch gleichzeitig Einkommen für Fischer und eine exportorientierte Fischereiindustrie. Auch die in Kenia omnipräsente Viktoriasardine, genannt Omena oder Dagga verschafft mehr als 10.000 kenianischen Fischern Arbeit, doch der nächtliche Fang mit Kerosinlaternen und die Gefahr der Überfischung gefährden das ökologische Gleichgewicht des Sees.

Auch die Einleitung von Abwässern und vor allem die von den einstigen Kolonialherren als Zierpflanzen eingeführten Wasserhyazinthen machen dem größten See Afrikas zusätzlich zu schaffen. Millionenschwere Projekte zur Rettung des Sees konnten bislang nur parzielle Erfolge zeigen. Den Naivasha-See gefährden die extensive Blumenwirtschaft sowie die Ansiedlung Zehntausender Arbeiter; der Nakurusee wird durch eine anliegende Müllkippe gefährdet. Ebensolche Müllkippen sind auch für Nairobi- und Mathare-Fluss in Nairobi oder die Bucht von Mombasa eine Zeitbombe und für die Nationale Umweltmanagement-Agentur NEMA eine kaum zu bewältigende Herausforderung, doch sind erste Sanierungsmaßnahmen im Gang. Wiederholt gab es Versuche, Plastiktüten zu verbieten, weil sie die Landschaft verschandeln, Kanäle verstopfen und gefräßigen Ziegen den Garaus machen.

Da das Hauptquartier des UN-Umweltprogramms UN Environment, vormals UNEP, seinen Sitz in Nairobi hat, erfahren viele Umweltprobleme des Landes besondere Aufmerksamkeit; so gibt es etwa eine UNEP-Initiative gegen die verheerende Entwaldung. UNEP hat sich für die Einführung bleifreien Sprits stark gemacht und bei der Erarbeitung der modernen Umweltgesetzgebung mitgewirkt. Auch andere internationale Initiativen für eine nachhaltige Landwirtschaft, die Insektenforschung oder Viehzucht haben ihren Sitz in Nairobi.

Gleichwohl gehören umweltgefährdende Abfallentsorgung (darunter Batterien, Altöl, Krankenhausabfälle), der Flächenverbrauch, Überweidung, ausgelaugte, übernutzte Böden und die Ausbeutung von Grundwasserreserven zu den existenziellen Herausforderungen des Landes. Der neue Reichtum in Asien hat darüber hinaus zu einem anhaltenden Anstieg der Wilderei von Elefanten und Nashörnern in Ostafrika geführt, weil sich jetzt mehr Menschen das begehrte Elfenbein leisten können. Schlagkräftige Banden machen Jagd auf die geschützten Tiere, die wieder einmal vom Aussterben bedroht sind. Neben ihrer Rolle als Touristenmagnet haben die großen Tiere jedoch auch Funktionen für ihren Lebensraum, u.a. Wasserlöcher graben, Baumsamen verbreiten, Wege schlagen, so dass ihre Dezimierung die gesamte Biodiversität in Kenias Nationalparks gefährdet. Kenia reagierte unter anderem mit dem Einsatz von Spürhunden auf den Elfenbein-Schmuggel. Eine dilettantisch durchgeführte Umsiedlung von 11 Nashörnern aus dem Nairobi- und dem Nakuru National Park endete im Desaster, weil das Trinkwasser am Zielort im Tsavo East Park bekanntermaßen versalzen war. Die Tiere starben.

Sozialgeographische Gegebenheiten: Stadt, Land, Verkehr

Frisches Grün vor den Toren Nairobis
Frisches Grün vor den Toren Nairobis © Stefan Ehlert 2020

In Kenia liegt der Urbanisierungsgrad bei etwa 30 Prozent, Tendenz auch hier steigend. Manche Experten rechnen mit mehr als 50 Prozent Stadtbevölkerung im Jahr 2030, doch noch lebt die Mehrzahl der bald 52 Millionen Einwohner in Dörfern und verstreuten Weilern. In den Ballungszentren sowie den Regionen Central, Coast und Nyanza sowie in den fruchtbaren Gebieten der Region Rift Valleys ist die Bevölkerungsdichte sehr hoch. Die trockene Nordhälfte des Landes erscheint im Vergleich fast menschenleer. Als Großstädte können nur Nairobi mit mehr als 3 Millionen und Mombasa mit offiziell 900.000 Einwohnern bezeichnet werden. Danach käme bereits Dadaab, offiziell eine Ansiedlung von ein paar Tausend Bürgern, gleichzeitig jedoch Sitz des größten Flüchtlingslagers der Welt mit zeitweilig weit mehr als 400.000 somalischen Flüchtlingen in mehreren Camps. Das UN-Flüchtlingswerk zählte im Januar 2018 mehr als 230.00 somalische Flüchtlinge und Asylbewerber in Dadaab.

Ein Überblick über die Bevölkerungsentwicklung der Städte zeigt jedoch, dass gerade die Mittelstädte und die kleineren Marktzentren ihre Einwohnerzahl in den letzten zwanzig Jahren oft verdreifacht haben; insgesamt hat sich die Bevölkerung seit der Unabhängigkeit 1963 mehr als versechsfacht. Bis 2050 wird mit 90 Millionen Einwohnern in Kenia gerechnet.

Die alte Markthalle in der City von Nairobi
Die alte Markthalle in der City von Nairobi © Stefan Ehlert 2020
Vor allem Souvenirhändler haben die alte Markthalle in Beschlag genommen
Vor allem Souvenirhändler haben die alte Markthalle in Beschlag genommen © Stefan Ehlert 2020

Aus den großen Städten nicht wegzudenken sind die informellen Siedlungen, in denen die Mieter meist schäbiger Baracken zwar über kaum bis keine Infrastruktur verfügen, aber dennoch Miete zahlen müssen. Auf Wasseranschluss und sanitäre Anlagen haben sie i.d.R. keinen Anspruch - im Gegensatz zu den Bewohnern regulärer Siedlungen - weil es meist kein Baurecht für die Slums gibt. Insbesondere Nairobis Slums zählen zu den größten und furchtbarsten der Welt; mit die größten, Mathare und Kibera, beherbergen zusammen mehr als eine Million Menschen. Insgesamt gibt es mehr als 150 solcher Elendsquartiere allein in der Hauptstadt, die historisch auf die Rassensegregation zurzeit der Mau-Mau-Aufstände und auf die Landflucht vergangener Jahrzehnte zurückzuführen sind.

Versuche, die Lebensumstände und die Infrastruktur in den Slums zu verbessern, hat es immer gegeben. Manche erfolgreich, viele vergeblich. Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass man auf den Müllkippen von Mathare im Schnitt nur 38 Jahre alt wird. Die Flucht vom Land in die Slums soll abgenommen haben. Dafür wachsen die Slums aus sich heraus, ohne dass den Bewohnern die Hilfen der erweiterten Großfamilie wie auf dem Land zuteil würden. Auf die Frage, warum mitten in Nairobi in den Slums die Kindersterblichkeit höher ist als in Ostkongos Flüchtlingslagern, geben Ärzte und Sozialarbeiter die Antwort, dass die jungen Mütter heute nicht mehr wüssten, was ein Baby isst und wie es zu versorgen sei. Sie sterben geschwächt an Durchfällen und Lungenerkrankungen.

Gleichzeitig sind aber auch die Slums lebendige Wirtschaftsräume, u.a. ein Reservoir an billigen Arbeitskräften für Firmen, Haushalte oder Sicherheitsdienste, für deren Wohlergehen sich die staatliche Daseinsfürsorge jedoch nicht zuständig fühlt, gleich ob es sich um Nairobi-Kawangware oder Mombasa-Kongowea handelt. 

Im Hafen von Mombasa: Logistik für Ost- und Zentralafrika
Hafen von Mombasa
Foto: 2015 MEAACT Kenya / Stewart Price

Als Transitland und Küstenstaat ist Kenia für die gesamte Region von nicht zu überschätzender Bedeutung. Der Ausbau der entsprechenden Infrastruktur ist Teil des nationalen Entwicklungsplans Vision 2030, mit dem sich Kenia in den Kreis der Länder mit mittleren Durchschnittseinkommen katapultieren will. Doch mehrt sich Kritik an der Umsetzung dieser Pläne, weil Fragen der Ökologie, der Verschuldung und auch der Qualitätssicherung nicht ausreichend ins Kalkül gezogen würden.

Der Hafen von Mombasa ist trotz seiner bescheidenen Größe und Leistungsfähigkeit der wichtigste zwischen Durban und Dschibuti und spielt ebenso wie der Mombasa-Highway insbesondere für den Güterverkehr bis in den Ostkongo eine wachsende Rolle. Ebenso die Eisenbahn der Kenya Railways Corporation. Ihr Bau vor mehr als 100 Jahren leitete die Kolonisierung Kenias und Ugandas ein. (Don't miss das Railway Museum in Nairobi).

Der so genannte Madaraka-Express, die neue Bahnstrecke zwischen Mombasa und Nairobi, ist seit 2017 in Betrieb, ein Milliardenprojekt, das nur noch übertroffen wird von den gemeinsamen Infrastrukturplänen Ugandas, Südsudans, Äthiopiens und Kenias. Diese ehrgeizigen Pläne sehen eine Bahnverbindung von Juba bis Lamu vor, eine neue Öl-Pipeline, Raffinerien, den Bau eines neuen Hafens in Lamu und mehrere Regionalflughäfen. Die Kosten konnten bislang nicht beziffert werden, die Rede war zuletzt von mehr als 26 Milliarden Euro. Doch trotz eines Launches des LAPSSET (Lamu Port South Sudan Ethiopia Transport Corridor) getauften, gigantischen Infrastrukturprojekts durch die damaligen Staatschefs Salva Kiir (Südsudan), Meles Zenawi (Äthiopien) und Mwai Kibaki (Kenia) stehen Finanzierung, Streckenführung und Bau noch in den Sternen. Das Projekt soll Teil einer panafrikanischen Verbindung von Douala/Kamerun bis Mombasa sein und sieht die Gründung neuer Städte, neuer Highways, Eisenbahnstrecken, Pipelines, Flughäfen und den bereits im Bau befindlichen Ölhafen von Lamu vor. Leider ist Uganda in das Jahrhundertvorhaben politisch nicht ausreichend integriert. Außerdem hat Südsudans Staatschef Kiir im Chaos des Bürgerkrieges lange andere Probleme gehabt als den Straßen- und Eisenbahnbau. Dennoch wurde im Oktober 2019 immerhin ein kleines Teilstück eines weiteren Milliardenprojekts im Eisenbahnbau eingeweiht: Die etwa 100 Kilometer lange Strecke Nairobi - Naivasha auf neuem Gleis, das ursprünglich bis Uganda reichen sollte als Teil der chinesischen "One Belt, One Road"-Initiative. Leider fehlen noch Mittel in Höhe von mehr als 4 Milliarden Euro zur Fertigstellung des Projekts bis zur Westgrenze.

Ein Boda-Boda-Taxi - nur die wendigen Motorräder schaffen es noch an den Staus vorbei.
Ein Boda-Boda-Taxi - nur die wendigen Motorräder schaffen es noch an den Staus vorbei. © Stefan Ehlert 2020

Weitere Infrastrukturprojekte sollen Nairobi  selbst vor dem Verkehrsinfarkt retten. Die Zahl der jährlich neu gemeldeten Fahrzeuge hat sich seit 2008 auf mehr als 200.000 nahezu verdoppelt. Verkehrssicherheit und Straßenflächen halten jedoch nicht Schritt mit dem Verkehrsaufkommen, sodass Kenia wie Afrika insgesamt unter verheerenden Verkehrstotenzahlen leidet. In der morgendlichen Rush Hour haben Fußgänger in der überlasteten City die Nase vorn. Zur Entlastung ist nun neben Nahverkehrszügen und Satellitenstädten südlich von Nairobi eine komplett neue Stadt in Planung, Konza City, auch Silicon Savannah genannt, der digitale Hub der Region. Ob dieses Projekt besser gedeihen wird als LAPSSET, ist nicht absehbar. Große Sorgen bereiten Umweltschützern, aber auch Entwicklungsexperten die jüngsten Abkommen mit China, die einen Einstieg in die Atomkraft zur Energieerzeugung vorsehen.

Ein Leuchtturm im ostafrikanischen Verkehrswesen, aber auch im Vergleich der so genannten Parastatals in Kenia (Staatsunternehmen oder Unternehmen mit staatlicher Beteiligung) war lange Zeit Kenya Airways. Die Airline, heute im Verbund mit KLM und Air France, kapriziert sich vor allem auf die Verbindung von Westafrika bis Asien sowie den innerafrikanischen Luftverkehr. Es ist die fünftgrößte Fluggesellschaft des Kontinents. Zur Flotte gehören 34 Maschinen, zumeist Boeing, die zuletzt 3,6 Millionen Passagiere beförderten. Die Fluggesellschaft hat Nairobi zu einem Hub des regionalen und transkontinentalen Luftverkehrs gemacht und rechtzeitig realisiert, dass im afrikanischen Luftverkehr große Wachstumsraten generiert werden können. Nahezu alle großen Carrier fliegen den Jomo Kenyatta International Airport Nairobi an. Die Stadt verfügt mit dem auf kleinere Maschinen ausgelegten Wilson Airport zudem über ein zweites Drehkreuz. Neben der Hauptstadt haben auch Mombasa und Eldoret internationale Flughäfen. Der Airport von Kisumu wurde gerade aufwändig ausgebaut, zahlreiche Regionalflughäfen und Airstrips ergänzen das immer dichter werdende Netz des nationalen Lufttransports; Wilson Airport in Nairobi-Langata bietet sich je nach Wohnlage als Alternative zu JKIA an, etwa für Trips an die Südküste nach Ukunda. Hohe Kerosin- und Personalkosten setzen jedoch auch Kenias KQ, dem "Pride of Africa", zu. Außerdem hat sich die Airline mit dem Ankauf zu vieler Dreamliner möglicherweise übernommen.

Der größte Teil des Verkehrs geht auch in Kenia über Pfade, Wege, Pisten und Straßen. Und zwar zu Fuß. Doch immer mehr Menschen können sich ein Auto leisten, und der Güterverkehr ganz Ost- und Zentralafrikas basiert stark auf dem Lkw. Das Straßennetz ist für afrikanische Verhältnisse sehr dicht, in weiten Teilen jedoch in einem schlechten Zustand. Es empfiehlt sich, bei Tageslicht zu reisen und zuvor beim Automobilklub den Straßenzustand und bei den Botschaften oder UN Sicherheitsaspekte zu recherchieren. Mit Navigationsgeräten für Ostafrika sind ausländische Konzerne inzwischen auch in Kenia angetreten.

Eine wachsende Rolle spielt der Datenverkehr. Diverse Unterseebreitbandkabel sind angeschlossen,  und Kenia erlebt derzeit sozial und ökonomisch eine Art IT-Revolution, nachdem die teuren Satellitenübertragungskosten wegfallen - zumindest dort, wo der Anschluss an die globale Datenautobahn bereits besteht. Die Breitbandkommission der Internationalen Fernmeldeunion ITU ging schon für 2011 davon aus, dass 28 Prozent der Kenianer das Internet nutzen, obwohl nur ein Bruchteil über Computer und Netzanschlüsse verfügt. Inzwischen gehen Statistiker davon aus, dass mehr als vier Fünftel der Kenianer das Internet nutzen. Moderne, bezahlbare Smartphones könnten in Kürze dafür sorgen, dass nahezu das ganze Land im Netz unterwegs sein kann, wobei die Geschwindigkeit und das Datenvolumen der unterschiedlichen Kaufkraft der Nutzer anzupass  

Landessymbole

Nationalflagge Kenias
Landeswappen Coat of Arms
Massai-Schild in den Landesfarben grün-rot-schwarz, zwei Speere und zwei kenianische Löwen - das ist das höchste staatliche Symbol. Quelle: GoK.

Die Landessymbole spielen im Alltag eine weit größere Rolle als etwa in Deutschland. Wird - und sei es bei der Weihnachtsfeier eines Kindergartens - die Nationalhymne gespielt, so haben alle Anwesenden sich zu erheben und bis zum letzten Ton stehen zu bleiben. Dasselbe gilt, wenn die Landesfahne gehisst wird.

Zur nationalen Ikonographie müssen auch die jeweiligen Präsidentenporträts gezählt werden, allen voran das von Staatsgründer Jomo Kenyatta, der lange jeden Geldschein schmückte. Inzwischen wird die politische Ikone ersetzt durch Kenias Wildtiere. Im Gegensatz zu den Zeiten Daniel arap Mois wird der Personenkult um den Staatschef ohnehin nicht mehr ganz so strikt betrieben. Früher waren in jedem Geschäft und jeder Amtsstube Porträts des amtierenden Präsidenten sichtbar aufgehängt, heute ist das kein Muss mehr, auch wenn sich nach wie vor viele daran halten.

Die kenianische Flagge und das Staatswappen lehnen sich in Teilen an die äthiopischen Symbole an (rot, grün, Löwen); Jomo Kenyatta hat Kaiser Haile Selassie Mariam sehr verehrt. Das niemals kolonisierte Äthiopien war den panafrikanischen Unabhängigkeitskämpfern ein Vorbild. Das Wappen drückt Kampf- und Verteidigungsbereitschaft aus und appelliert mit dem Slogan Harambee an die nationale Einheit, die das multitethnisch geprägte Land 1963 ja erst erzeugen musste. Harambee bedeutet so viel wie "Lasst uns alle an einem Strang ziehen", alle mit anpacken und das Land aufbauen. Leider wurde der Ansatz später diskreditiert durch dubiose Spendenveranstaltungen, Harambee genannte Wohltätigkeitsfeste, die letztlich den Zwecken der Korruption dienten.  

Die Farben der kenianischen Flagge deuten viele Kenianer so: Schwarz steht dafür, dass Kenia ein afrikanisches Land ist, Rot für die Leiden beim Kampf um die Unabhängigkeit und Grün für die Zukunft und Fruchtbarkeit des Landes. Der Schild mit den zwei Speeren steht für die afrikanische Tradition und die Wehrhaftigkeit kenianischer Krieger.

In der kenianischen Nationalhymne, deren Melodie auf ein Pokomo-Volkslied zurückgeführt wird,  werden mehrfach die Einheit und eine künftige Zeit des Überflusses beschworen. Den Text der Hymne in Kiswahili und Englisch finden sie ebenso im Netz wie die Melodie als Instrumentalversion oder gesungen von Kindern einer ländlichen Schule.

Schwarz-rot-grün - die Farben Kenias sind inzwischen auch im politischen Deutschland bestens bekannt.
Auch im modernen Kenia oft zu sehen: Landesfahne...
© Stefan Ehlert 2020
Die häufige Sichtbarkeit der Landesväter gehört im Kenia zum Alltagsbild
...und Landesväter
© Stefan Ehlert 2020

Das Länderinformationsportal

Das Länderinformationsportal
Das Länderinformationsportal

Die Beiträge im Länderinformationsportal (LIPortal) wurden bis Dezember 2020 von ausgewiesenen Landesexpertinnen und Landesexperten betreut, um eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern zu geben. Das LIPortal bot damit eine Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb - viele Verweise sind auch weiterhin aktuell.

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zuletzt im Dezember 2020 aktualisiert.

Trainingsangebote der Akademie

Die Akademie der GIZ gestaltet Lernangebote für die internationale Zusammenarbeit. Wir führen mehr als 2000 Fort- und Weiterbildungen durch und entwickeln innovative, wirksame und nachhaltige Lernkonzepte. Und das weltweit.

> Angebote aus dem Weiterbildungskatalog

Bei allen Fragen rund um das Fort- und Weiterbildungsprogramm der Akademie helfen wir Ihnen gerne weiter.

> Wir freuen uns über Ihre Anfragen!

Kontakt

Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Kommentare zu diesem Länderbeitrag oder zum LIPortal insgesamt. Richten Sie Ihre Anfrage an:

Rolf Sackenheim
(Akademie für Internationale Zusammenarbeit)

Zum Kontaktformular

Download