Prishtina/Priština im Spätherbst © M. Sauer
Offizieller Name
Republik Kosovo
Fläche
10.905 km²
Einwohner
1.80 Mio. (2017)
Bevölkerungswachstum
0.82% (2017)
Regierungssitz
Prishtina/Priština (Einwohner: ca. 212.000, 2017)
Amtssprachen
Albanisch, Serbisch
Regionalsprachen
Türkisch, Bosnisch, Romani

Übersichtskarten

Siehe auch die umfassende Kartensammlung zu Kosovo der Texas Universität sowie eine historische Kartensammlung.

Übersichtskarte (public domain)
Übersichtskarte (public domain)
Übersichtskarte © Burmesedays (CC BY-SA 2.0 DE)
Übersichtskarte © Burmesedays (CC BY-SA 2.0 DE)
Topographische Karte © Sémhur ( CC-BY-SA-3.0)
Topographische Karte © Sémhur ( CC-BY-SA-3.0)
Politische Karte © d-maps
Politische Karte © d-maps

Lage, Größe und Begriffe

Regionale Karte © TUBS (CC-BY-SA-3.0)
Regionale Karte © TUBS (CC-BY-SA-3.0)

Kosovo, das in seinen derzeitigen Grenzen erst seit 1945 existiert, liegt im Zentrum der Balkanhalbinsel, einer Region die auch als Südosteuropa oder Westbalkan bezeichnet wird. Der Staat Kosovo erstreckt sich auf einer Fläche von 10.905km². Er grenzt im Norden und Osten an Serbien, im Süden an die Nordmazedonien (im Folgenden Mazedonien), im Südwesten an Albanien und im Nordwesten an Montenegro an. Die Hauptstadt des Landes ist Prishtina/Piština.

In Bezug auf Bezeichnungen von Ortsnamen und Raumbegriffen existiert eine kontroverse, ethno-politische Diskussion darüber, welche Begriffe zu verwenden sind: die albanischen, die serbischen oder beide. Am Beispiel des Raumbegriffs Kosovo lässt sich dies verdeutlichen. Das heutige Kosovo wird von den Kosovo-Albanern als Kosova von den Kosovo-Serben als Kosovo bezeichnet. Das Wort Kosovo leitet sich aus der serbischen Ortsbezeichnung für das Amselfeld (Kosovo Polje) ab und kann mit „der Amsel gehörend“ (serb. kos = Amsel, -ovo = Possesivsuffix) übersetzt werden. Es existieren aber auch alternative, teils nationalistisch gefärbte Bezeichnungen wie Dardania (die Dardaner sind ein illyrischer Stamm, der in der Antike Teile Südosteuropas bevölkerte) im Albanischen oder Kosovo i Metohija (kurz: Kosmet) im Serbischen. Der zuletzt genannte Begriff nimmt Bezug auf das Amselfeld (serb.: kosovo polje) im Osten des Landes, sowie auf die Bedeutung der Klöster im Westen des Landes. Der Begriff Metohija stammt aus dem Byzantinischen und bedeutet Kirchenland. Diesen Teil Kosovos nennen die Kosovo-Albaner auch Rrafshi i Dukagjinit. Für die meisten geographischen Bezeichnungen existieren also zwei Versionen, die albanische und die serbische, teils auch eine türkische.

Im Folgenden werden teils beide Benennungen angegeben. Sollte allerdings ein eindeutiger Bezug auf einen rein albanischen oder serbischen Kontext vorliegen oder aber auch bei häufig genutzten Ortsnamen (z. B. Prishtina/Piština), wird auf diese Doppelung punktuell verzichtet. Für die Bezeichnung des Landes sowie des Raumes wird auf dieser Länderseite des LIPortals der im Deutschen weit verbreitete Begriff Kosovo gewählt. Bzgl. des Artikel wird die Bezeichnung „das Kosovo“ bzw. alternativ nur „Kosovo“ verwendet (obwohl im Deutschsprachigen auch „der Kosovo“ gebräuchlich ist).

Grunddaten

Das CIA World Factbook, das Auswärtiges Amt sowie das European Forum for Stability and Solidarity bieten Grundinformationen über Kosovo. Vertiefte Informationen über die Entwicklung von Staat, Politik und Wirtschaft bieten die Jahresberichte der Europäische Kommission, umfassende Wirtschaftsdaten die Weltbank. Umfassende statistische Daten stellt im Kosovo das staatliche Statistikamt zur Verfügung.

Aktuelle Nachrichten sowie vertiefende Analysen in englischer Sprache bieten Radio Free Europe, das Nachrichtenportal des serbischen Radiosenders B92 sowie v.a. das englischsprachige Nachrichtenportal Balkan Insight des Balkan Investigative Reporting Network (BIRN). Hintergrundanalysen bietet im Kosovo außerdem das alternative Nachrichtenportal Kosovo 2.0, das sich v.a. Jugend- Subkulturthemen sowie gesellschaftlicher Tabus annimmt. Einen täglichen Pressespiegel bietet die United Nations Mission in Kosovo (UNMIK).

Dokumentation "Das gekappte Rettungsseil" der European Stability Initiative (ESI), Teil 1/6 via Youtube

Naturraum

Das Kosovo erstreckt sich auf einer Fläche von insgesamt 10'905 km² und ist somit knapp viermal so groß wie das Saarland oder ca. halb so groß wie Hessen. Das Land umfasst zwei durch das Carraleva/Crnoljeva Mittelgebirge getrennte, über 400m hohe Beckenlandschaften: die westliche Dukagjin-Ebene bzw. Metohija und das östliche, entlang des Flusses Sitnicë/Sitnica gelegene Kosovo , in dem u.a. die Hauptstadt Prishtinë/Priština liegt. Zwischen beiden erstreckt sich das Übergangsgebiet von Drenicë/Drenica. Die Beckenlandschaften sind fast vollständig von bis zu 3.000 Meter hohen Bergen umgeben, die eine Art natürliche Grenze zu Kosovos Nachbarstaaten bilden. Im Nordosten, an der Grenze zu Montenegro und Albanien, erstrecken sich die nordalbanischen Alpen (Bjeshkët e Namuna/Prokletije), welche auch als verwunschenes Gebirge bekannt sind. Im kosovarischen Teil dieser als Nationalpark geschützten Gebirgskette (Bjeshkët e Namuna e Kosovës) befindet sich der mit 2'656 Meter höchste Berg Kosovos, der Gjeravica/Đeravica. Die Berge des im Süden an der Grenze zu Mazedonien gelegenen Nationalparks Malet e Sharrit/Šar Planina erreichen eine Höhe von über 2'000 Meter und beherbergen das größte Skigebiet Kosovos: Brezovicë/Brezovica. In südöstlicher Richtung, ebenfalls an der Grenzen zu Mazedonien, erstrecken sich die Schwarzen Berge (Mali i Zi Shkupit/ Skopska Crna Gora oder türkisch: Karadag). Das Kopaonik Gebirge, welches knapp über 2'000 Meter reicht, liegt im Norden des Kosovos und zu einem größeren Teil im Süden Serbiens, wo es das bedeutendste Skigebiet des Landes darstellt. Die bedeutendsten Flüsse des Kosovo, der weiße Drin (Länge im Kosovo: 122 km), die Sitnica (90km), der Lepanac (53km) und der Ibar (42km) fließen vom Kosovo ausgehend in drei Richtungen, in Richtung Adria, Ägäis und Schwarzes Meer. Die wichtigsten Binnengewässer sind der Gazivodasee (Fläche: 9,1 km²) im Nordwesten, der zu einem Teil auf serbischem Staatsgebiet liegt und sich zugleich aus in Montenegro entspringenden Quellen speist, der Radoniq/Radonjić-See (5,96 km²) im Westen und der Batlavasee (3,27 km²) im Nordosten. Letzterer ist unter den Bewohnern Prishtinas ein beliebtes Naherholungsgebiet.

Fauna und Flora

Ca. 44% der Landesfläche des Kosovo sind bewaldet (die am weitesten verbreiteten Baumarten sind Buche, Eiche, Ulme, und Birke, aber auch Nadelhölzer wie Kiefern, Fichten und Tannen). Kosovo verfügt, nicht zuletzt aufgrund seiner Gebirgsstruktur (insgesamt 6% der Gesamtfläche), ähnlich wie die Nachbarstaaten über eine umfangreiche und einzigartige Biodiversität. Die Zahl der beheimateten Pflanzen wird zwischen 1'800 und 2'500 geschätzt. Einige der Pflanzen gelten als endemisch. In den Bergregionen finden sich Säugetieren wie Braunbären, Wölfe, Luchse, Wildkatzen, Wildziegen, Wildschweine, Steinböcke und Fischotter. Auch der Artenreichtum an Vögeln ist beeindruckend: Adler, Fasane, Pelikane, Bussarde, Geier und Falken sind im Kosovo heimisch. Weit verbreitete Tierarten sind z. B. Schlangen, Salamander, aber auch Fische, hier insbesondere Forellen. Die Bestände vieler Tierarten sind aufgrund schwindender Lebensräume allerdings bedroht. Im 2013 erstmals erstellten, sogenannten Rotbuch bedrohter Pflanzen registrierte das Umweltministerium 86 Arten als bedroht sowie 61 Arten als unmittelbar bedroht.

Klima

Im Kosovo herrscht gemäßigtes kontinentales Klima, gleichbedeutend mit strengen Wintern, in denen starker Frost, Schneefall und Temperaturen von -20 °C keine Besonderheit darstellen, und heißen Sommern mit Temperaturen von über 30 °C. Die Durchschnittstemperatur für Januar und Februar liegt um den Gefrierpunkt. Folglich ergeben sich enorme Temperaturunterschiede – so liegt die Durchschnittstemperatur in Prishtinë/Priština im Sommer bei +35 °C, im Winter dagegen bei -11 °C. Insbesondere in den Berglagen fallen die Winter sehr schneereich aus und können bis in das Frühjahr hineinreichen. Die Sommer sind hier hingegen eher kurz. Westkosovo steht stärker unter dem klimatischen Einfluss der Adria wohingegen der Norden sehr viel stärker von kontinentalen Luftmassen beeinflusst ist. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt 720 mm pro Jahr, im westkosovarischen Pejë/Peć hingegen kommt sie mit 2049 mm fast auf das Dreifache.

Bodenschätze

Kosovo ist sehr reich an Bodenschätzen, insbesondere an Braunkohle. Die Bergbautradition im Kosovo reicht bis in vorrömische Zeiten zurück. Die Braunkohlevorkommen werden auf ca. 14,7 Milliarden Tonnen geschätzt, was die fünftgrößten Reserven weltweit sind. Neben Braunkohle verfügt das Kosovo über umfangreiche Blei-, Nickel-, Chrom-, Bauxit-, Silber-, Magnesit- und Zinkvorkommen sowie über eine entsprechende Bergbauindustrie mit weiterverarbeitenden Betrieben. Eine zentrale Stellung nimmt dabei der 1927 gegründete  Trepça/Trepča Komplex ein, welcher 40 Minen umfasst und in Hochzeiten im sozialistischen Jugoslawien Ende der 1980er Jahre bis zu 20'000 Personen beschäftigte. Seit Kriegsende und ethnischer Teilung des Unternehmens ist die Produktion auf einen Bruchteil des Vorkriegsniveaus gefallen, während große Teile des Komplexes als Industrieruine brach liegen.

Übersichtskarte Bodenschätze © Sémhur (CC-BY-SA-3.0)
Übersichtskarte Bodenschätze © Sémhur (CC-BY-SA-3.0)
Bär im Bärenpark © Bear Sanctuary Prishtina (CC-BY-SA-3.0)
Bär im Bärenpark © Bear Sanctuary Prishtina (CC-BY-SA-3.0)
Prokletije Gebirge © Frokor (CC-BY-SA-3.0)
Prokletije Gebirge © Frokor (CC-BY-SA-3.0)
Sharr Hund © Aljabakphoto (CC-BY-SA-4.0)
Sharr Hund © Aljabakphoto (CC-BY-SA-4.0)

Ökologische Probleme

Kosovo leidet an erheblichen Umweltproblemen. Sie sind das Erbe sozialistischer Modernisierung im ehemaligen Jugoslawien, die basierend auf den umfangreichen Bodenschätzen konzentriert war in der Schwerindustrie und der Kohleverstromung. Infolge der 1990er Jahre, von Krieg und später Staatsgründung hat eine Umweltpolitik erst spät eingesetzt, während die umwelttechnische Sanierung großer Industrieanlange hinterherhinkt. Die Weltbank schätzt die jährlichen Kosten, die durch Umweltverschmutzung im Kosovo hervorgerufen werden, auf ca. € 221 Millionen.

Als besonders problematisch gelten Luft-, Wasser - und Bodenverschmutzung sowie Wasserknappheit.

Luftverschmutzung stellt das akuteste Umweltproblem im Kosovo dar. Sie konzentriert sich insbesondere auf die Wintermonate und die urbanen Regionen Prishtina und Mitrovica, sowie die Gebiete Obiliq/Obilić, Gllogoc/Glogovac und Skënderaj/Srbica. Messungen des Luftqualitätsmonitor der US-amerikanischen Botschaft in Prishtina zu Folge gehöhrte Prishtina Ende Januar 2018 zu den am stärksten verschmutzte Städten der Welt. Erstmals wurde ein Fahrverbot für die Innnenstadt Prishtinas verhängt. Hauptquellen der schlechten Luftqualität gelten die beiden Kohlekraftwerke Kosovo A und B in Obiliq/Obilić, Kosovo’s einzige, im Sozialismus errichte Kraftwerke, die zusammen für 90 Prozent der Energieproduktion verantwortlich zeichnen und zu den größten Umweltverschmutzern Europas zählen. Seit Jahren ist geplant, den nicht modernisierungsfähigen Block A durch ein neues Kraftwerk zu ersetzen, das 40 Prozent weniger Braunkohle verfeuern würde und nur 5 Prozent Emissionen des alten Kraftwerks ausstoßen würde. Zugleich soll Block B mit Umweltschutzfiltern ausgestattet werden. Die Umsetzung stock allerdings, weder ist es zur ursprünglich für 2018 geplanten Abschaltung von Block A noch zum Baubeginn des neuen Kraftwerks gekommen. 2018 hat sich die Weltbank aus der geplanten, und von Umweltschutzorganisationen kritisierten Kreditfinanzierung zurückgezogen und stattdessen eine Umorientierung der Energieproduktion hin zu erneuerbaren Energiequellen gefordert, was von der kosovarischen Regierung als für ein kleines, wirtschaftlich schwaches Land als unrealistisch und mit dem Verweis auf Energiesicherheit zurückgewiesen wurde. Im Kosovo wurden 2018 10% der Energie aus erneuerbaren Quellen, Luft, Sonne und Biomasse gewonnen. Das ursprüngliche Ziel, den Anteil bis 2030 auf 29% zu steigern wurde auf 25% korrigiert und scheint nach aktuellen Einschätzungen der EU-Kommission realistisch.

Weitere Ursachen der Luftverschmutzung sindWeitere Ursachen der Luftverschmutzung sind die weite Verbreitung von Kohle- und Holzöfen als Wärmequelle in Privathäusern, das wachsende Verkehrsaufkommen sowei die Abgase der großen Industrieanlagen Trepça/Trepča und Ferronikeli.

Ein weiteres Problem stellt die Kontaminierung von Gewässern mit Industriemetallen durch Minen (gilt besonders für die Region Mitrovica aufgrund der dortigen Konzentration des Bergbaus, Trepça/Trepča), Industrieunternehmen, kommunale Mülldeponien sowie die Einleitung von ungeklärten Abwässern in Flüsse dar. Die großen Flüsse im Kosovo sind als verschmutzt eingestuft. Die Versorgung mit Leitungswasser und die Abwasseraufbereitung ist nicht landesweit gewährleistet, lediglich 78% der Gesamtbevölkerung haben Zugang zu Leitungswasser und 56% sind an die Kanalisation angeschlossen. 2015 war nur 8 Prozent städtischer Abwässer angeschlossen an internationalen Standards entsprechende Kläranlagen. Der ineffiziente Umgang mit Wasser und vor allem der stark ansteigende Wasserverbrauch sind verantwortlich für die zunehmende Knappheit an Wasser.

Problematisch ist auch die Müllbeseitigung. Ein umfassendes Entsorgungssystem ist aktuell im Entstehen. Lediglich ca. 40% des Haushaltsmülls wird eingesammelt und die Entsorgung von privatem Müll auf illegalen Deponien ist verbreitet. Recycling ist nahezu nicht existent.

Hinsichtlich des Klimawandels steht Kosovo noch am Anfang. 2018 hat die Regierung erstmals eine nationale Strategie und entsprechenden Aktionsplan verabschiedet. Es existiert ein nationaler Koordinator für Klimawandel sowie ein Rat für Umwelt und Klimawandel, die allerdings bisher weitgehend inaktiv geblieben sind, während eine Anpassung nationaler Gesetzgebung an die Klimapolitik bisher nicht stattgefunden hat.

2009 verabschiedete das kosovarische Parlament ein Umweltschutzgesetz, welches Umweltschutzstandards sowie ein System zur Überwachung dieser Standards einführt. 2012 wurde das Ministerium für Umweltschutz und Raumplanung gegründet. Kosovos erste Umweltstrategie für die Jahre 2011-21 wartet darauf, aktualisiert zu werden. Demgegenüber wurden 2018 verschiedenen Strategien und Aktionspläne verabschiedet, darunter ein Emmissionsreduzierungsplan, die nationale Wasserstrategie 2017-36 sowie der Aktionsplan für Biodiversität 2016-20. Grundlegendes Problem bleibt die Umsetzung all dieser Politiken, Personalmangel, mangelndes bis fehlendes Monitoring.

Ein Umweltbericht 2017 der kosovarischen Umweltbehörde zeigt die aktuellen Entwicklungen im Bereich Umweltpolitik und Umweltgesetzgebung.

Sozialraum

Die Bevölkerungsdichte im Kosovo ist mit 164,9 Einwohnern pro km² in 2017 sehr hoch, allerdings mit großen regionalen Unterschieden. Dünn besiedelten Bergregionen stehen dicht besiedelte Ebenen gegenüber. Gemäß Zensus von 2011 leben 38,3% Kosovaren in städtischen und 61,7% Kosovaren in ländlichen Gebieten. Die größten Städte sind due Hauptstadt Prishtinë/Priština (211.755), Prizren (191.565), Ferizaj/Uroševac (103.003), Pejë/Peć (99.568) und Gjakovë/Đakovica (95.340).

Straßennetz

Flughafen Prishtna © B. Weber
Flughafen Prishtna © B. Weber

Im Kosovo, in dem sich jeder Punkt in ein-zwei Stunden mit dem Auto erreichen lässt, konzentriert sich der nationale Verkehr in erster Linie im Straßenverkehr.  Das Straßensystem wurde in den letzten Jahren erheblich modernisiert und wird auch aktuell weiter ausgebaut. Das kosovarische Straßennetz besaß 2017 eine Gesamtlänge von 2'043 km, darunter 630 km Autobahn und 90 km unbefestigte Straßen, letztere v.a.  in ländlichen Regionen. Die Hauptverkehrsadern sind nicht zuletzt dank des voranschreitenden Autobahnbaus gut erschlossen.

 Die mit 129,8 Kilometer längste Autobahn R7 „Ibrahim Rugova“, benannt nach Kosovos erstem Präsidenten verbindet die Hauptstadt Prishtina mit der albanischen Hauptstadt Tirana. Sie führt von der kosovarische Hauptstadt über Prizren nach Vërmica an der albanisch-kosovarischen Grenze, wo sie an die albanische Autobahn A1 angeschließt. Der Bau des kosovarischen Autobahnstücks, der 2013 beendet wurde, wurde vom US-amerikanischen-türkischen Konsortium Bechtel-Enka durchgeführt und kostete 820 Millionen Euro. Mit der Fertigstellung der Autobahn, die auf der albanischen Seite der Grenze durch wenige Kilometer Landstraße unterbrochen ist, verkürzte sich damit auf etwa drei Stunden Fahrzeit. Damit trägt die Autobahn wesentlich zur Intensivierung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Kosovo und Albanien als auch des kosovarischen Tourismus an der albanischen Adriaküste bei. Geplant ist seit Jahren der Weiterbau der Autobahn R7 bis an den Grenzübergang Merdare mit Serbien und den Anschluss an den pan-europäischen Korridor 10 in Niš. Der geplante Baubeginn verschiebt sich infolge der politischen Spannungen mit Serbien seit Jahren.

Im May 2019 wurde die 60 Kilometer lange  (R6) „Arben Xhaferi“ eröffnet, der seitdem Prishtina mit der nordmazedonischen Hauptstadt Skopje verbindet, und über Ferizaj/Uroševac und die Grenzstadt Han i Elezit/Elez Han führt.

Der Straßenbau im Kosovo steht wiederholt in Zusammenhang mit Korruptionsverdächtigungen .

Schienennetz

Das Schienennetz wird von der kosovarischen Eisenbahngesellschaft bedient und beträgt eine Gesamtlänge von 433 km. Das Passagieraufkommen betrug im 2. Quartal 2018 ca. 37'000 und damit ca. 35% mehr Passagiere als im gleichen Zeitraum im Jahr zuvor. Der Schienenverkehr ist durch eine lückenhaften Infrastruktur und erhebliche technischen Mängel gekennzeichnet. Seit der staatlichen Loslösung von Serbien besteht nur noch eine internationale Zugverbindung, nach Skopje.

Im mehrheitlich serbisch bewohnten Norden existiert eine Zugverbindung von Mitrovica Nord nach Serbien, die von der staatlichen serbischen Eisenbahngesellschaft betrieben wird, d.h. der Kontrolle des kosovarischen Staates entzogen ist. Im Januar 2020 unterzeichneten die Regierungen Kosovos und Serbiens ein Abkommen zur Wiederherstellung des Bahnverkehrs zwischen den beiden Ländern, das aber bisher auf dem Niveau von Absichtserklärungen verbleibt.  

Wasserwege

Im Kosovo existieren keine beschiffbare Flüsse. Die Regierung steht mit Albanien in Verhandlungen über die Nutzung eines Meereszugangs in Shëngjin, von dem man sich eine Belebung der Wirtschaft erwartet.

Flugverkehr

Kosovo verfügt über einen zivilen Flughafen, den internationalen Flughafen Prishtina (PIA), der nach dem UÇK (Ushtria Çlirimtare e Kosovës‚ Befreiungsarmee des Kosovo)-Kämpfer Adem Jashari benannt ist. Der Flughafen wurde 1965 für inner-jugoslawische Flüge eröffnet, und nach dem Kosovokrieg schrittweise für den internationalen Luftverkehr geöffnet. Seit 2010 wird er vom türkischen Unternehmen LIMAK betrieben. 2013 wurde der alte Terminal durch einen daneben liegenden neuen ersetzt, der über drei Fluggastbrücken verfügt. Die Fluggastzahlen steigen seit Jahren kontinuierlich, 2017 lagen sie bei 1.885 Millionen, ein Plus von 7% gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt haben sich die Zahlen innerhalb eines Jahrzehnts verdoppelt. Das Streckennetz konzentriert sich auf Deutschland, Österreich und die Schweiz, was mit der großen Zahl der dort lebenden Kosovo-Albaner zu erklären ist. Daneben gibt es Flugverbindungen in skandinavische Länder, nach Großbritannien und in die Türkei. 

Nationalsymbole

Flagge des Kosovos © Cradel (CC-BY-SA-3.0)
Flagge des Kosovos © Cradel (CC-BY-SA-3.0)
Wappen des Kosovos © Cradel (CC-BY-SA-3.0)
Wappen des Kosovos © Cradel (CC-BY-SA-3.0)

Flagge und Wappen

Am 17. Februar 2008 wurde mit der Unabhängigkeit des Landes auch eine Nationalflagge durch das Parlament bestätigt. In Anlehnung an die Flaggen der Europäischen Union sowie Bosnien-Herzegowinas zeigt die Flagge des Kosovos die Umrisse des Landes in Gold bzw. leuchtendem Gelb und sechs weiße Sterne auf blauem Hintergrund. Die Sterne symbolisieren die bedeutendsten, im Kosovo lebenden ethnischen Gruppen: Albaner, Serben, Roma (inkl. Ashkali und Ägypter), Türken, Bosniaken und Gorani. Der blaue Hintergrund steht für die enge Anbindung Kosovos an die euro-atlantischen Strukturen. Die Kosovo-Serben lehnen die neue Flagge mehrheitlich ab. Unter Kosovo-Albanern ist der Gebrauch der albanischen, unter Kosovo-Serben der Gebrauch der serbischen Flagge weit verbreitet. Die kosovarische Flagge wurde von Muhamer Ibrahimi entworfen.

Das Wappen lehnt sich eng an die Flagge des Kosovo an und zeigt ebenfalls die Umrisse des Landes sowie sechs weiße Sterne auf blauem Hintergrund. Die Farbe des Randes sowie der Umrisse des Landes sind offiziell Gold mit einer bräunlichen Tönung, obwohl sich in der Praxis ein leuchtendes Gelb verbreitet hat.

Nationalhymne

Europa/Evropa, die Nationalhymne Kosovos, gilt als weiterer Beleg der engen Anbindung des Landes an das europäische Integrationsprojekt. Nachdem zunächst bei offiziellen Anlässen die Hymne der Europäischen Union, Beethovens Ode an die Freude, gespielt wurde, verabschiedete das kosovarische Parlament die neue Hymne am 11. Juni 2008. Dabei wurde bewusst auf einen Text verzichtet um somit eine Bezugnahme zu einer ethnischen Gruppe zu vermeiden. Die Hymne wurde von dem kosovo-albanischen Komponisten Mendi Mengjiqi verfasst.

Das Länderinformationsportal

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Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Die Länderseite wurde im Juli 2020 zum letzten Mal aktualisiert.

Über die Autoren

Bodo Weber ist Politologe und Osteuropahistoriker (M.A.). Er arbeitet seit über 25 Jahren zur Region Westbalkan in unterschiedlichen Funktionen, u.a. für deutsche politische Stiftungen und div. internationale Organisationen und gilt als einer der führenden westlichen Balkanexperten. Als Senior Associate des Democratization Policy Council (DPC), einer transatlantischen Denkfabrik, lebt und arbeitet er in Berlin. Er spricht fließend Bosnisch/Kroatisch/Serbisch. Zu seinen Kernkompetenzen gehören neben Demokratie- und Rechtsstaatsförderung, EU Asyl- und Migrationspolitik sowie deutsche und europäische Außen- und Sicherheitspolitik.

Michael Sauer

Zwischen 2015 und 2018 beriet Prof. Dr. Michael Sauer das kosovarische Ministerium für Arbeit und Soziales zu dem Themenschwerpunkt Migration. Seit Oktober 2018 arbeitet er als Professor für nachhaltige Sozialpolitik an der FH Bonn-Rhein-Sieg. 

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Die Akademie der GIZ gestaltet Lernangebote für die internationale Zusammenarbeit. Wir führen mehr als 2000 Fort- und Weiterbildungen durch und entwickeln innovative, wirksame und nachhaltige Lernkonzepte. Und das weltweit.

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(Akademie für Internationale Zusammenarbeit)

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